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Was Geschah

Ich sollte meine Gedanken sammeln, zumindest wäre das irgendwann einmal gut nehme ich an.

Nun da die Forschung akzeptable Ergebnisse erreicht (oder kurz davor ist, theoretisch ist die Thesis ja schon erstellt), kann ich mich kurz dem hier widmen, was geschah:

Von Punin aus ging es, wie geplant weiter nach Gareth. Ich wäre gerne in der Arcomagica Scholaque Puniensis geblieben um weiter an dem Vortexhandschuh und den entsprechenden Vorbereitungen zu arbeiten, naja ich dachte in Gareth hätte ich dazu auch noch Zeit und dann kammen ein paar Sachen dazwischen.

Okay es ein paar Sachen zu nennen, ist vermutlich auch für mich eine leichte Untertreibung.

In Gareth kümmerte ich mich erst einmal um eine Unterkunft für uns, dazu war die Stadtbürgerschaft notwendig, die wievielte ist dies nun?

(Khunchom, Punin, Donnerbach zählt vermutlich nicht, für Lowangen, Andergast und Thorwal kann ich mich auch nicht an einen relevanten bürokratischen Akt dahingehend erinnern – die Traviakirche und andere relevante interessensgruppen waren da durchaus hilfreich)

Über Janes Verbindungen zu einem Händler namens Storrebrandt, irgendwo habe ich den Namen schon einmal gehört, vielleicht von Tulachim er erzählte ja ab und zu mal von anderen Händlern, wurde dann auch erst einmal der finanzielle teil gedeckt (wieder etwas das über Zeit abgearbeitet werden muss, aber glücklicherweise gibt es ja die Laboratorien, die Geschäfte mit Tulachim, die Einnahmen Khorestans, der Handel [generell – eventuell sollte ich mit Bienenwachs handeln, das ist wohl leidlich erträglich, ich kann mir zwar nicht vorstellen warum, aber Bienenwachs war auch nie von gesonderten interesse für mich], die Schule, das Hospiz, die Post – was halt so anfällt), wenig relevante Kleinigkeiten.

Ich fand auch schnell eine Unterkunft in erstaunlich guter Lage, welche recht preiswert war, irgendwelche Geschichten davon das es dort Spukt oder so, also sollte ich mir das ganze mal arkan ansehen.

Das Turnier, war halt ein Turnier – abgesehen von den paar unerwarteten Ereignissen,

  • wie dem entwenden von Finsterfang (einem zwergischen Geschenk an den damaligen Reichsbehüter Brin),
  • dem Gurgulum,
  • Onkel Dschelefs zusammentreffen mit Bannstrahlern,
  • dem Greif (welcher ein Greif war/ist, ich muss zugeben etwas neidisch bin ich auf Azinas zweite Sicht schon, da studiere ich Jahre lang Canti der arkanen Analyse und Sie kann sich das einfach so [verhältnismäßig betrachtet] ansehen, es scheint auch keine impensation notwendig zu sein und dann kommt noch hinzu, das es ihr möglich ist Dinge wahrzunehmen, welche sich bislang meinen Möglichkeiten entziehen [gut die vis vortex ist mittlerweile recht einfach wahrzunehmen] – würde Sie sich doch nur Sachen desöfteren ansehen),

    gab es in der Zeit für mich auch nicht viel zu tun, da es dem Turnier an arkanen disziplinen fehlte, also wettete ich etwas, zum schluss hin wurde es dezent absurd, dadurch das meine Freunde praktisch alle Disziplinen gewonnen hatten oder nur sich selbst [also anderen Freunden unterlagen], Ende des ganzen war, das aus irgendeinem grund niemand hier neue Wetten mit mir abschließen will und das ich etwas Siedlungsgrund gewinnen konnte, ich denke ich werde die mich begleitenden Travia Geweihten bitten, sich um die Angelegenheit mit dem Dorf vorerst zu kümmern, (basierend auf den verschiedenen Prophezeiungen und anderen Berichten, dürfte das etwas sicherer sein, als sich in meiner Umgebung aufzuhalten, dachte ich mir und war auch korrekt).

Zwischen durch holte ich irgendwann, die bei Collegus Syronius die für Bothor in auftrag gegebenen Thaumatursome ab, wenn mehr Zeit dagewesen wäre, hätte ich mich auch darum kümmern können, aber diese war halt nicht gegeben, gut das ich ihn schon frühzeitig informiert hatte.

Sieghelm wurde zum Ritter geschlagen

(was verständlicherweise etwas wie ein wunder Punkt für ihn bislang war, vermutlich ähnlich zu dem Adeptus [füllte sich irgendwie immer seltsam an, nun ist es Magus oder Magister {wobei ich nicht verstehe warum Magister – sicher die fachliche Kompetenz ist unumstritten da, nur eine akademische Festanstellung ist etwas unwahrscheinlich für mich} was sich etwas besser anfühlt, vermutlich habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, wenigstens ist es nicht mehr Adeptus, das weitere neun Götterlöufe zu ertragen wäre eine Herausforderung gewesen] für mich, freut mich also für ihn),

wir waren bei dem Bankett, vorher noch in einer der Thermen hier, was ich primär eingehüllt in ein Badetuch verwickelt erlebte, Jane wurde Gunstbandträgerin des zwergischen Hochkönigs Albrax (welcher wollte das ich mit ihm ein Wettdrinken veranstalte, was vermutlich recht einseitig sein wird, aber wenn es ihm eine freude bereitet), Bothors Kampf gegen Rohaja, die Sache mit dem schwarzen Ritter [und dem daranhängenden Gurgulum – wirklich seltsam, was da herumdisktutiert wude, nachdem diese Offensichtlichkeit bekannt wurde, wenigstens Reichsgroßgeheimrat Dexter Nemrod war vernünftig und ich konnte den Dämon zurück schicken], Reichsbehüterin Emers Alpträume, den Informationen der K.G.I.A. Und dem sich daraus ergebenden befristeten aushelfen dieser

(ich hätte nicht gedacht das ich einmal Inquisitor sein würde, Delia hätte sich über den Sachverhalt entweder köstlich amüsiert oder ungläubig geschockt darauf reagiert, vor allem, wenn Sie selbst zur Inquisitorin ernant worden wäre, was vermutlich geschehen wäre, wäre Sie dort gewesen), vereinzelte Besprechungen erfolgten, schlussendlich gingen wir jedoch wieder auf Reise (womit meine Vorbereitungen für den Vortrag auf dem Konvent unterbrochen waren, gut der Vortrag selbst war schon seit erreichen Gareths fertig, sollte also nicht so schlimm sein, vermutlich sind wir vor dem Konvent wieder in Gareth, dachte ich mir), dank Onkel Dschelefs Unterstützung ging dies auch recht rasch.

Oh und dann, war noch ein hilfreiches Buch von Dexter – welches für Khorestan von Vorteil sein sollte (was eine Person alles zu lernen hat, naja es heißt ja „ziehe aus um dein Wissen zu mehren“, ich denke das funktioniert einigermaßen – zumal Lesen ja auch nicht solange dauert, danach kann ich die Werke ja meistens sowieso ins Regal zurückstellen) und die Gespräche mit Sarthassa, die Angelegenheit mit der NLP Niederlassung ist momentan irgendwo octtär oder so, also „später“.

Nachfolgende Ereignisse waren auch wieder gemischt, zugegebenermaßen die Sache mit den Incognito namen war etwas amüsant „Alam Bey“ (zutreffende und dennoch praktisch nichts sagende Beschreibung, wenn auch sich etwas seltsam anfühlend, im Rückblick), ich lernte eine weitere Tochter Satuarias kennen (ich begegne erstaunlich vielen Töchtern Satuarias, warum wohl), eine Untersuchung eines Klosters, etwas experiementieren, ein verrückter Greif (ich wusste vorher nicht, das diese dazu neigen zu explodieren – ich riet Azina einige der Federn und so an sich zu nehmen, arkan inhibierende elemente sollten vorteilhaft sein bei den ganzen vorkommnissen, was noch achja die Kisten gen Gareth mit den Greifenüberresten, die können dort besser versorgt werden als hier), eine Burg, dessen Burgherr sich als Paktierer (ich sollte vermutlich mehr Leute arkan analysieren in Zukunft, einfach um sicher zu gehen), rückblickend hat Sieghelm erstaunlich schnell reagiert, was die Sache mit dem Paktierer ziemlich kurz gehalten hat, was zu unserem Vorteil war (erfreulich das meiner expertise nun deutlicher vertraut wird als damals in Hammerschlag), denke ich, die verzauberte/unter den Willen gezwungene Sphinx (bin ich froh, das Serania nicht gestorben ist, das hätte sie nachdem, was ihr angetan wurde nicht verdient, gut das sie sich jetzt ersteinmal in Khorestan ausruhen kann) und einem alten Puniner Archomagus (einem sehr alten Puniner Archomagus – wir können glücklich sein, das sein Herz [oder Geist/Verstand?] nicht wirklich an der Sache zu hängen schien, denn wäre dem so gewesen, ich bin mir recht sicher das ich es noch nicht mit einem Meister der arkanen Kunst aus meiner Akademie aufnehmen kann, welcher mehr als tausend Götterläufe Erfahrung gegenüber mir hat [nur eine Vermutung, aber Puniner Archomagi sind in der Regel recht beeindruckend – es leben immerhin mindestens drei Puniner Archomagi, keine andere Akademie hat so viele lebende Archomagi oder selbst zur gleichen Zeit agierenden Archomagi und es sind auch mehr Archomagi als die Bruderschaft des Wissens insgesamt hat], das Ritual konnte dementsprechend gestört werden und der vorher schon erwähnte Greif (welcher wie erwähnt ein Greif war/ist) konnte gerettet werden.

Danach ging es mit Seranias Unterstützung nach Wehrheim (Sieghelm kümmerte sich noch um die Sicherung der Burg, was vermutlich auch keine schlechte Idee war, die Burg ist vermutlich sicherer [war definitiv sicherer] als das nächste Schlachtfeld), unterwegs lernte ich noch ein Ritual um einen Limbus zugang zu erschaffen (benötige ich dafür einen Dispens, eigentlich ist ja nur der Planastrale „verboten“?), in Wehrheim gab es dann noch einige denkwürdige Ereignisse.

Mit Travias hilfe konnte ich Wehrheim etwas schützen (aber wenn ich an das Ausmaß des Magnum Opus denke, zweifle ich daran, wie viel das geholfen hat – unbedingt bei nächster sich bietender Gelegenheit nachforschen), die Schlacht selbst war, ich bin mir nicht sicher, jemand der sich mehr mit dieser Thematik auskennt kann darüber genauer schreiben, also belasse ich es dabei,

das meine Freunde beeindruckend waren,

Sieghelm stritt gegen den König der Untoten (Amagomer, dessen Krone als Phylacterion fungierte), vier untote Oger wurden in bruchteilen, zu äh bruchteilen durch Bother, Azina, Jane und Sieghelm, Tsatan der junge Begleiter von Bothor konnte Rhazzazor vertreiben mit einem artefakt des Boron, während ich lediglich das Plagenknäuel untersuchte, während es von einer Prozession Geweihter (da ich etwas abgelenkt war mit meiner Analyse – so irgendetwas um 8 Rondra, 1 Efferd, 2 Peraine, 4 Hesinde, und 6 Praiosgeweihte, sowie ein Erzmagister und ihre Magnifizienz Racalla von Horsen-Rabenmund und ein paar weitere, 2 Boron und 2 Travia Geweihte, wenn ich das aus den Augenwinkeln richtig mitbekommen habe, schon ein beachtliches Aufgebot aber Rahastes, ist Rahastes) zu einem für den Exorzismus geeingeten Ort gebracht wurde um diesen in einen großen Ritus durchzuführen (Azina, hatte ja dankenswerter weise bestätigen können um welche heptasphärische Entität es sich handelte – was mir auch einen Anhaltspunkt auf den wahren Namen dieser Entität bei der laufenden Vorbereitung gab, denke ich), eventuell war ich etwas tollkühn und voreillig (definitiv tollkühn rückblickend – ich sollte die Exorziven Canti tiefgehender studieren, denke ich, da diese ja nicht in meine Expertise fallen [theoretisch]), aber nachdem ich auf diese art und weise den wahren namen eruiert hatte, bannte ich Rahastes (das mitgeführte Pentagramm auf meinen Mantel erwies sich dabei wieder als hilfreich – okay das bannen war eine Herausforderung, was allerdings zu erwarten war, sind Exorzismen doch nicht mein Feld, aber den Göttern, Los und dem Schicksal sei dank gelang es mir Rahastes zu bannen, während die Geweihten noch dabei waren sich vorzubereiten – ich werde mir vermutlich einiges deswegen anhören müssen, wenn ich wieder im Diesseits bin),

mit bannen Rahastes brach die Welt über uns ein (nicht ganz, ein Widharcalisches Magnum Opus, welches die konzentrierten Mächte der vier Unelemente die unter der Herrschaft dieses Erzdämonen standen, wurde ausgeführt – Zeit für eine genaue Untersuchung dessen, hatte ich leider nicht), anschließend flogen Gargyle über das Feld und entführten Leute, wie sich später herausstellte um diese als Kraftspeicher einmaliger Verwendung, basierend auf ihrem Sikaryan zu nutzen, da muss es doch eine bessere Lösung für geben.

Wir gelangten mit der Unterstützung des guten, alten Leonarda in den Thronsaal Kolak-Kais, hier befanden sich Gaius Cordovan Galotta und viel wichtiger unsere Freunde Delia und Kalkarib.

Über das Ende Gaius Cordovan Galottas bin ich nicht ganz froh, also schon das es ein Ende gab, aber nicht das wie – aber auch in diesem Fall wäre ein Magierduell, nach den Ereignissen des Tages (und vermutlich auch ohne diese – einen Tiefen Paktierer des Tyakra’man und träger des Splitters Widharcals, welcher dazu noch die magica controllaria meisterlich beherscht, wenn nicht besser – das wäre nicht einfach gewesen, mit genügend Vorbereitung eventuell machbar) keine weise Entscheidung gewesen, ich nehme an streng genommen, habe ich gegen die Gebote der Gastfreundschaft verstoßen, darüber lässt sich aber auch streiten (dennoch fühlt es sich nicht gut an), wie dem auch sei – ich trank Tee mit Galotta, das ich dabei die gleiche Komponente des Zwei-Komponenten Giftes getrunken habe, war eine bewusste Entscheidung, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, das es für meine Freunde hilfreich/notwendig sein sollte.

Ich hätte gerne Galottas Zauberstab mitgenommen um diesen zu untersuchen (und weil dies, vermutlich Ritualgegenstand nummer drei gewesen wäre, welches mir vorenthalten würde, würde ich danach fragen dieses zu nutzen), rankten sich doch einige Gerüchte um diesen, aber der Splitter war relevanter und da ich den gefestigsten Geist gegenüber arkanen Einflüssen habe [und aufgrund der Erschöpfung meiner vis arcana keine erhöhte Bedrohung für meine Freunde darstellte] hatte ich diesen kurzfristig an mich genommen um ihn aus Kolak-Kai zu transportieren, aufgrund der Konzentration auf den Splitter bekam ich nicht allzu viel mit, von dem was um mich geschah, irgendwann sind wir irgendwo angekommen, war auch nicht so wichtig.

Viel relevanter war die Verwahrung des Splitters, an dem ich mit Leonardo begann zu arbeiten, was die anderen in der Zwischenzeit getan haben, entzieht sich meinem Kenntnisstand, hoffentlich konnten sich die Guten etwas ausruhen und erholen, nach all dem was vorgefallen war, ich war anscheinend kein Inquisitor mehr, vielleicht auch besser so, Dexter nahm den Ring zurück (und wie erwähnt wichtigeres zu tun – was zumindest dieses mal auch nicht in frage gestellt wurde).

Zuerst erfolgte eine genaue (so genau, wie es möglich war, in einem für mich vernünftigen Rahmen unter dem Zeitdruck) arkane Analyse des Splitters um die entsprechenden Randparameter herauszufinden um eine Möglichkeit der Verwahrung zu erschaffen (die Analyse des rohalschen Gefässes damals, wäre hier bestimmt hilfreich gewesen, wurde mir ja aber verwehrt).

Irgendwann, erfuhr ich das mein Großvater entführt wurde, rückblickend reagierte ich (ich will nicht schreiben überreagierte ich, es handelt sich schließlich um Familie) voreillig (der Splitter mag da seinen Einfluss gehabt haben, was hatte Leonardo gemeint, „er ist nicht gut für die Seele“) und wirkte den Transversalis cantus um diesen Sachverhalt sofort aufzuklären und meinen Großvater zu retten (das ich ohne meinen Stab aufgebrochen bin, spricht definitiv dafür, das ich nicht ganz klar gedacht habe), nur das aufgrund der Geschehnisse um Gareth, etwas gänzlich anderes geschah als ich erwartet hätte.

Ich landete im Limbus und musste mich schleunigst (auf die Problematiken von Raum und Zeit für die Astralebene, gehe ich aus gründen der einfachen Verständlichkeit hier nicht näher ein) mit meinem Willen fortbewegen, während ich den Auarcania Deleatur wirkte um meine Präsenz zu verhehlen und anschließen den Gardianum um mich zu schützen, erst im Anschluss hatte ich die Möglichkeit einen Oculus Astralis cantus zu wirken und mich zu orientieren (ich sollte daran arbeiten, mehrere Canti besser zu synergieren – später, wenn die Zeit dafür da ist), ich befand mich abseits der Kraftlinien die durch Gareth flossen (und auch anderer mir bekannter Kraftlinien), so das ich etwas herumirrte, irgendwann wurde ich von Menacoriten gefunden (das wie, überlasse ich diesen).

Und diesmal halfen sie auch, gut ich habe ihnen meine expertise zur Verfügung gestellt, da ebensolche in den Bereichen der theoretica gesucht waren um an der Forschung eines Cantus zur Versiegelung limbologischer Effekte zu helfen, der gute Magister Ambareth, hat da wohl vermittelnd eingegriffen.

Oh, ich hatte erwähnt das es drei lebende Puniner Erzmagier gibt, ich traf einen weiteren Taphîrel ar’Ralahan (rekonstrukteur des Auge des Limbus cantus), mit beiden zusammen fiel die Vermittlung und der Wissensaustausch auch weitaus einfacher, selbstredend habe ich im Zuge der Forschung und nebenbei einiges über die magica Limbologica gelernt (es wäre schwer und albern gewesen, dies nicht zu tun).

„Irgendwann erfuhr ich das mein Zauberstab zerstört sei, seltsamerweise hinterließ dies nicht viel von einem Eindruck bei mir, vermutlich aufgrund der Situation, dies erfuhr ich von einigen neuen Freunden über meine anderen Freunde, im Zusamenhang mit der Übergabe etwas hilfreichen, an dem ich ebenfalls gearbeitet hatte (die weitere Vertiefung in Thaumatursome, erschien mir hilfreich als Nebenprodukt der Matrizenforschung, beschäftigt sich diese doch eindrucksvoll mit der tieferen Einbindung in Objekte und bietet somit einen guten praktischen Anteil für die Forschung da die entsprechenden protomatrizen einfacher zu erhalten sind auf diesen Weg)“

Was nun? Eigentlich sollte ich an dem Cantus weiterforschen, aber wie erwähnt es liegen akzeptable Ereignisse vor und ich habe ebenfalls Verantwortungen an anderer Stelle, das ich „so lange“ hiergeblieben bin, ist der Tatsache der Wichtigkeit dieses Cantus geschuldet (neben den Sphärenstabilisierenden Aspekt, der sich ergeben sollte – ist der Cantus auch ein guter Ausgangspunkt für das weitere vorgehen gegen den Vortex, naheliegenderweise).

Und zugegebermaßen die Astralebene ist unangenehm, die Kälte die ich in meinen Knochen spüre, das zehren an meinen Corpus, das ständige Rauschen, der mangel an verbalisierter sprache (hätte nicht gedacht, das mir dies mal fehlen würde), die Tatsache das sich kein vernünftiger Tee hier zubereiten lässt, geschweige den genießen lässt, die Trennung von meinen Freunden und den Kindern, für die ich die Verantwortung übernommen habe (gut da helfen die Travia Geweihten und auch andere Leute aus, dennoch – ich sollte mehr Zeit mit ihnen verbringen, da gebe ich ihnen schon eine Chance und schaffe es dennoch nicht für Sie dazu sein, ich hoffe das wird nicht der Fall sein, sollte ich irgendwann einmal eigene Kinder haben [ich vermute das wird erwartet, mit Travia und natürlich auch von der Familie]), das ständige Gefühl des Fallens und so weiter darüberhinaus gibt es noch so viel anderes zu tun, zu viel wie mir manchmal scheint.

Und anscheinend muss ich mich um einen neuen Zauberstab kümmern, abgesehen davon das es ein relevanter Standesgegenstand ist – bin ich seltsamerweise ziemlich wenig fokussiert darauf, die Schale und Kugel wären von interesse, sind aber in nächster Zeit nicht sonderlich hilfreich, abgesehen von der Kugel eventuell, es wird unpraktisch sein, diese die ganze Zeit zu halten, vielleicht sollte ich die Kugel (okay zuerst benötige ich eine Kugel, das ist ein kleines wichtiges Detail, aber eine geeignete Kugel sollte zu bekommen sein) in den neuen Stab integrieren, einige Collegae tun dies ja auch, dann muss ich die Kugel wenigstens nicht die ganze Zeit tragen, wenn ich diese nutzen will.

Das meiste für einen passablen Stab sollte ich zuhause haben, wobei etwas besseres als ein passabler Stab natürlich nett wäre, nehme ich an (ob man mir glauben schenken mag, das ich ein Magus bin [klingt irgendwie seltsam, besser als Adeptus, aber irgendetwas daran – naja, wie auch immer] ohne Stab, das wäre definitiv noch so ein Punkt, wo der Stab als entsprechend notwendiges Standessymbol hilfreich wäre, nicht das mich jemand für einen Scharlatan oder so hält).

Wie es den anderen wohl geht?

Das letze was ich gehört habe war das diese auf einer Reise sind, vermutlich um sich zu erholen, gut für Sie, Rhazzazor wird ja einige Zeit benötigen um wieder aktiv handeln zu können, nachdem was vorgefallen ist, dementsprechend gut, wenn Sie die Zeit dafür nutzen.

Und wo ich nun nicht mehr vollends mit Forschung beschäftigt bin, fällt mir ein das ich wohl unter geistiger Umnachtung leide, Collegus Ambareth oder Magnifizienz ar’Ralahan hätten bestimmt Nachrichten weiterleiten können, wenn ich Sie darum gebeten hätte.

Irgendwie scheine ich etwas in meinem Kopf zu verschwinden, wenn ich mit einem Problem konfrontiert bin, ob das schon irgendjemanden aufgefallen ist.

Was wohl aus dem Konvent und dem Vortrag geworden ist, auch zu den Gesprächen mit den zahlreichen Collegae denen ich Depeschen geschrieben hatte ist es nicht gekommen, da hätte ich endlich mal ein paar meiner Forschungsergebnisse präsentieren können und mehr Aufmerksamkeit auf die vortex basierten umtriebe lenken können und dann so was, der nächste Konvent ist zu lange entfernt, also eventuell die Hesinde Dispute oder ähnliches, was nicht das gleiche ist, aber immerhin noch ein paar Collegae erreichen sollte.

Was noch, ach so Unterstützung für meine befreundeten Menacoriten, da sollte sich auch etwas einleiten lassen Elixiere dürften, von dem was ich mitbekommen habe hilfreich sein.

Landung in der Stadt des Lichts

Langsam gleitet der Greif hinunter in die gebeutelte Stadt des Lichts. Die fliegende Festung Kholok-Kai ist direkt über ihr abgestürzt. Überall liegen Trümmer herum. Einfache Menschen in Lumpen laufen Seite an Seite mit in Gewändern gekleidete Praiosdiener, um dem Chaos Herr zu werden. Ein Großteil jener Praiosdiener sinkt bei ihrem Anblick bzw. dem Anblick des Greifen ehrfürchtig auf die Knie, als sie von Obaran absteigen. Sanft liebkost sie noch einmal seinen gefiederten Hals. Sie kann ihm noch kurz danken, ehe er sich wieder in die Lüfte schwingt. Ergriffen blickt sie ihm nach. Als sie den Blick wieder nach unten richtet, bemerkt sie sogleich die kleine goldene Feder auf dem Boden. Lächelnd hebt sie sie auf und flechtet sie in ihr Haar. Gleich neben der Feder von Zeitenflug.

Bis zum nächsten Flug, Obaran.

Dann erst richtet sie ihren Blick auf die sich nunmehr versammelnde Geweihtenschaft, die sie Großteils andächtig anstarrt. Sie überblickt sie Runde und spricht zu allen mit klarer kräftiger Stimme:

„Menschen von Gareth,

ich bin Azina saba Belima, Ordensmeisterin des Schutzordens der Schöpfung und auserwählte Botin Firuns. Gemeinsam mit meinen Gefährten vom Schutzorden der Schöpfung töteten wir den Dämonenkaiser Gaius Cordovan Eslam Galotta! Mit seinem Tod, stürzte auch seine fliegende Festung Kholok-Kai ab. Bedauerlicherweise direkt über der Stadt des Lichts.“

Als dabei einige Menschen missgestimmt reagieren, setzt sie nach:

„Galotta war gerade im Begriff ganz Gareth zu zerstören, so wie er Wehrheim zerstört hat. Denn obwohl wir und ein großes mittelreichisches Heer uns dem endlosen Heerwurm auf dem Mythraelsfeld entgegenstellten und siegten – und obwohl wir den mehrgehörten Dämon, der die fliegende Festung verbarg, bannten – zerstörte die unheilige Magie des Dämonenkaisers das tapfere Wehrheim. Praios ehrte mich, als ich auf dem Greifen Obaran in die Schlacht gegen die fliegende Feste fliegen durfte! Bei Praios, verzagt nicht! Trauert um die Toten und feiert die vielen Überlebenden. Und ich weiß, dass ihr diese großartige Stadt wieder aufbauen werdet!“

Sofort belagern sie sie mit Fragen über ihr Erscheinen, dem Abstürzen der Festung und dem Flug auf dem Greifen. sie beantwortet alle Fragen so gut sie es kann. Bis schließlich der Bote des Lichts Hilberian Grimm von Greifenstein und vom Großen Fluss höchstselbst das Wort unwirsch an sie richtet, um von ihr notwendige Informationen zu erhalten. Zum Beispiel über Dexter Nemrodts Überleben.

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Azinas Landung in der Stadt des Lichts

Flug auf einem Greifen – ein Traum wird wahr

14. Peraine 1027 n. BF

Ein Licht blitzt vor dem Hintergrund der schwarzen fliegenden Festung auf. Diejenigen die auf dem Boden staunend nach oben blicken, können sehen, wie sich ein Greif aus der Feste Kholak-Kai befreit und anmutig einige Flügelschläge nach oben steigt, ehe er sich langsam in weiten Kreisen den Ruinen von Gareth nähert. So als würde er den Moment so lange wie möglich auskosten wollen. Auf seinen Rücken sitzen ein großer Trollzacker mit einem schlichten Holzspeer in der Pranke, ein riesiger weißer Wolf, der ängstlich den Boden herbeisehnt und eine kleine ganz in Leder und Fellen gekleidete junge Frau. Sie schlingt ihre Arme um den gefiedertes Hals vor ihr, während sie entrückt in die Ferne schaut. Die Freude, die ihrem Gesicht abzulesen ist, überstrahlt selbst das Leuchten des heiligen Greifen. Denn sie und ihre Gefährten in der Rettungskapsel haben gerade den Dämonenkaiser Gaius Cordovan Eslam Galotta besiegt und somit seine fliegende Festung über Gareth zum Abstürzen gebraucht. Doch die Gefühle für diesen Sieg lassen sich am ehesten mit ‚Erleichterung‘ beschreiben. Erleichterung, dass sie es überlebt haben. Und dass sie die finstere Macht zurückgeschlagen haben, die danach trachtete das Mittelreich zu vernichten und damit ganz Aventurien ins Chaos zu stürzen.

Die Freude jedoch, die die Botin Firuns bei diesem Flug empfindet, fußt auf jenem Wesen, das sich ihr so bereitwillig als Reittier anbot. Es war der Greif Obaran, dessen Seele sie vor kurzem in der Schwarzen Sichel vor der Schändung retteten. Er war der Hochherold der Praios-Kirche, der sie zurück nach Wehrheim in den Kampf gegen den unendlichen Heerwurm schickte. Er überlies ihnen Araschar, sein kostbares Greifenschwert. Mit ihm konnte letztlich der Leib Galottas in seinem eigenen Thronsaal hoch über den Wolken, noch mit der vergifteten Tasse Tee in der Hand, durchstoßen werden. Das Erstaunen über die plötzliche Wendung der Ereignisse wird noch eine Weile auf seinem leblosen Gesicht zu erkennen sein.

Die junge Tulamidin ist stolz. Stolz auf sie alle. Aber vor allem stolz auf sich selbst. Sie ist erneut über sich hinausgewachsen. Sie hat wie viele andere in der Schlacht vor Wehrheim tapfer gekämpft und viele untote Diener vernichtet. Sie hat dem Magnus Opus getrotzt: sie hat die peitschenden Winde mit der Macht ihres Willens und ihres Glaubens widerstanden und damit viele andere tapfere Kämpfer vor dem sicheren Tod bewahrt. Sie entwich den Feuerbällen und den Flammensäulen. Und sie entkam dem Auseinanderbrechen der Erde. Die Gargoyle, die die Überlebenden für die Versorgung der Lebensadern, der bereits weiterziehenden Festung einsammelten, vernichtete sie. Ihren unbeugsamen Willen sich allem Dämonischen zu widersetzen, belohnte Praois mit dem letzten Erscheinen von Obaran, der sie der Festung hinterhertrug, damit sie ihren Gefährten im Kampf gegen Galotta beistehen konnte.

Es ist nun ein berauschendes Gefühl so hoch oben zu fliegen. So kurzzeitig befreit von aller Last zu sein. Sie kann gar nicht genug davon bekommen, wie der Wind ihre schwarzen Haare wild umherfliegen lässt und ihr eiskalt unter die Lederrüstung zieht. Doch das macht ihr nichts aus. Sie genießt die unendliche Freiheit dieses göttlichen Augenblicks. Neben ihr – nur 50 Schritt entfernt – stürzt die siebengezackte Feste Kholok-Kai unaufhaltbar in die Tiefe. Unvermittelt lässt ein spitzer Schrei, neben ihr, sie herumschnellen. Adaque, ihr treuer Falke fliegt an ihrer Seite. Lachend krault sie im Flug seinen Bauch. Eine letzte Firunsbrise aus dem Norden scheint ihr mitzuteilen: Gut gemacht, meine Auserwählte.

Und auch Praois, der himmlische Richter, scheint zufrieden mit ihr zu sein. Sie badet in seinem Licht. Sie streckt die Arme weit von sich; den Runenspeer in ihrer Rechten. Und sie schreit ihre Gefühle in die weite Welt hinaus.

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Azinas Triumphflug

Kampf vor Wehrheim

14. Peraine 1027 n. BF

Razzazor fliegt gen Rahja. Geschlagen. Zumindest vorerst. Er schwor blutige Rache. Einen Götterlauf gab er dem Leben Zeit, ehe er wiederkehren und alles vernichten wird. Azina nahm sich einen Augenblick Zeit ihm nachzuschauen. Trotzt der mentalen Macht, die der Heptarch auf sie niederdrückt. Als der schwarze Knochendrache die fliegende Festung passiert, bleibt Azinas Blick an dessen Unterseite hängen, wo noch vor wenigen Stunden ein roter Lichtstrahl die Erde berühte. Das Licht der Liebe. Das Licht der Rahja.

Was Delia wohl durchmachen wird? In Bothors Traum kämpft sie dort oben ganz allein in einem dunklen Kerker um das Leben Kalkaribs. Nicht, dass ich Kalkarib eine Träne nachweinen würde. Aber Delia liebt ihn nun einmal. Und trotz aller Pein schafft sie es dennoch uns allen hier unten auf dem schrecklichen Schlachtfeld eine mentale Botschaft mit einem Lichtstrahl der Liebe Rahjas zu schicken. Er durchbrach die Wolke. Er durchbrach Rahastes! Was mag sie das gekostet haben? Nun ist es an uns, zu ihr zu gelangen und sie beide zu retten. Doch wie? Noch schwebt Rahastes nach wie vor am Himmel und verbirgt die Stadt. Noch ahnen die tapferen Verteidiger nicht, was sie erwarten wird. Ich kann nur hoffen, dass viele Menschen in den Heimen Travias Zuflucht finden. Doch was ist mit den mutigen Seelen um uns herum? Wer wird sie retten, die so tapfer für andere streiten? Die stetig und mit dem Mut der Verzweiflung die ganze unheilige Verderbnis immer wieder und wieder abwehren. Sie widerstehen unsagbarem Schrecken. Der Fäulnisgeruch macht einem das Atmen schwer. Und wenn der Nebenmann sich plötzlich umdreht und im Wahnsinn die eigenen Leute abschlachtet, frage ich mich, warum sie nicht alle schreiend davonlaufen.

Ich fürchte niemand kann sie retten. Und uns auch nicht. Wir spielen hier nur eine kleine Rolle und hoffen, dass die Götter uns gnädig sind. Rondrasil Löwenbrand, der Heermeister der Rondra, erhielt diese Gnade offenbar nicht. Er ist gefallen durch den „König der Untoten“. Dieser riss ihm einfach das Herz aus der Brust. Doch Sieghelm hat diesen ‚König‘ vernichtet. Kurz darauf ist dann Razzasor gelandet. Direkt vor uns. Sieghelm sackte sofort zu Boden. Als stärksten Kämpfer wird der Drache ihn … SIEGHELM!

Es kommt Bewegung in die Botin Firuns. Rasch begibt sie sich zu ihrem Ordensgroßmeister und überprüft seine Vitalfunktionen.

Er ist nur ohnmächtig. Rondra sei Dank. Sie hält ihre schützende Hand über ihn. Eine starke Macht muss ihn niedergerungen haben. Sonst hätte er nicht den Kampf gegen Razzazor gescheut, den nun Jane, Bothor und … BOTHOR!

„Passt auf ihn auf.“ Herrscht sie im Vorbeigehen einige Männer an, die immer noch erleichtert dem fliehenden Drachen nachglotzen. Sie eilt an Bothors Seite. Sein Zustand lässt keinen Zweifel daran bestehen, dass er dringend einen Heiltrank von Nehaezt braucht. Behutsam flößt sie ihm einen solchen ein. Erst danach beginnt sie mit der Untersuchung.

Um dich steht es schlecht mein Freund. Ich sah, wie der Schwanz dich traf. Ein gewaltiger Hieb. Ein Wunder, dass du noch lebst. Du standest direkt vor seinen Krallen und hast auf seinen Kiefer eingeschlagen. Und ich wagte mich kaum in die Nähe des Drachen. Wie tollkühn kann ein Mann sein? Oder wie dumm? Sie unterdrückt ihre Tränen und verbindet behelfsmäßig seine schlimmsten Verletzungen und richtet seine Knochen, auf dass der Heiltrank sein Übriges täte. Noch bei Bothor knieend krault sie Elfenbein hinter den Ohren. Sein dreckverschmiertes Maul lässt ihn gräulich aussehen. Sie legt ihren Kopf in den Nacken und blickt erneut dem fliehenden Drachen nach. Er ist nicht mehr zu sehen.

Wir haben gegen Razzazor, den schwarzen Knochendrachen, gekämpft und haben es überlebt …

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Azinas Gedanken

Bestimmung

14. Peraine 1027 n. BF

Der gute Bothor spricht weise Worte. Worte geformt mit vielen Jahren Erfahrung. Er versteht es, einem Mut zu machen – Wir sind Helden. Wir sind Erwählte. Wir sind mächtig. Mächtig durch die Gaben, die uns unsere Götter gaben – Vertrauen wir also auf sie. Auf, dass sie uns unseren Weg weisen. Selbst wenn wir es in unserer Schlichtheit nicht bemerken.

Ich reite hier mit einigen tapferen Recken dem Heerwurm entgegen. Wagen uns nah an seine Ausläufer heran. Fast schon können wir mit einem Speerwurf die ersten Plagen unschädlich machen. Und doch halten wir uns zurück. Unsere Aufgabe ist zunächst das Spähen. Nichts weiter. Wir würden vernichtet, sollten wir uns aus der Deckung wagen. Denn auch der Himmel ist nicht unser. Praios‘ Antlitz ist hier nicht allgegenwärtig.

Wenn es denn an der Zeit ist, frage ich mich, wo mein Platz in dieser Schlacht sesin wird? Soll ich weiter in sicherer Entfernung um das feindliche Heer herumreiten? Auf meiner bisherigen Reise seit meinem Aufbruch aus Aranien vor gut vier Götterläufen, kämpfte ich lediglich in kleineren Gefechten. Kein Vergleich zu dieser Masse an Feinden vor uns. Schrecken an Schrecken. Unzählige giftmäulige Ghule, wie ich auf Hochstieg lediglich einen einzigen hinter Gittern tötete. Hunderte halb verfaulte wandelnde Leichname. Klappernde Skelette mit tiefen leeren Augenhöhlen. Doch auch ein paar Menschen befinden sich im Gefolge des Grauens. Jene zumindest weiß ich zu verletzen. Kopf und Herz sind ihre Schwachpunkte. Doch wie tötet man etwas, das bereits tot ist? Muss man sie in Stücke hacken, bis sie endlich ihre letzte Ruhe finden?

Ich kämpfe nicht in geordneten Reihen oder in wilder Meute an der Front. Nein, mein Schlachtfeld ist ein Anderes. Kein Klappern der Schilde. Kein Gestampfe auf dem Feld. Nein. Meine Bestimmung ist die Jagd! Nicht nur Hirsch oder Bär. Auch Träume von Erfolg und Wahnsinn.

Sogar eine solche Armee birgt empfindliche Ziele. Wer beschwört und kontrolliert Rahastes und all jene willenlosen Diener? Wer? Wo sind jene Magier, die der Feldmarschall erwähnte? Dort vorne, in der Mitte des Heeres, steigt verdächtiger Rauch auf. Rauch, der die Wolke nährt. Dort scheint mein Ziel zu sein. Nur wie dort herankommen? Wie empfindlich sind diese widernatürlichen Kreaturen wirklich? Vermag mein Speer wirklich jene Wunder vollbringen, von denen Bothor so schwärmte?

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Azinas Gedanken

Gassi in Wehrheim – Teil II

Sieghelm Gilborn
von Spichbrecher
Ordensgroßmeister

Sie kamen an einer Kreuzung an, ihnen entgegen rumpelte schweres Gerät. Drei große Rotzen wurden mit Hilfe von Bullen über die breite Reichsstraße gezogen, während die Wehrheimer Bürger souverän auswichen. Hinter den Rotzen folgten zwei Banner Lanzerinnen, welche Sieghelm sofort erkannte. Es waren die Farben der Ferdoker Garde, angeführt von der Marschallin Angunde von Falkenhag. Die Koscherin war bekannt dafür hauptsächlich Frauen in ihrer Garde aufzunehmen. Sie war eine rondrianische Kriegerin durch und durch. Auch wenn Sieghelm ihr nie persönlich begegnet war, so hatte er schon viel über ihr Kampfgeschick gehört. Während Sieghelm wie ein Schaulustiger den heranrumpelden Rotzen und den Lanzerinnen zusah sah, schlüpfte Pagol in eine Seitengasse, er wollte wohl nicht unter die Stiefel – oder die Räder kommen. Als er Laut gab und wartend zu Sieghelm blickte, folgte dieser überrascht dem Leutnant. „Hast du gesehen Pagol, das war Angunde von Falkenhag, sie …“ begann er euphorisch zu beschreiben, doch als er den missbilligenden Blick seines Hundes sah, unterbrach er sich. Sie waren in eine schmalere und nicht ganz so stark belebte Straße eingebogen. Ein rascher Blick offenbarte, dass sie wohl hinter die Brauerei geraten waren, tiefe und breite Häuserbögen zogen sich hier längst entlang. Der Brauerei verkaufte hier direkt aus dem Haus ihr gutes Helles, doch in den Morgenstunden war hier kaum etwas los.

„Lass mich doch einfach glücklich sein.“ schoss es aus Sieghelm heraus, der endlich Ansprach worauf Pagol schon seit der Garnison hinauswollte. „Alle sagen immer ich sei so angespannt und wirke unglücklich und missmutig … ja ich kriege das Geflüster durchaus mit.“ schickte er noch schnell hinterher. „Da werd ich doch wohl auch Mal … glücklich sein dürfen.“ verteidigte er sich erneut, von Pagol kam kein Widerspruch. Etwas widerwillig stieß Sieghelm einen Kiesel auf dem Pflaster mit seinem Stiefel an. „Es …“ seine Stimme wurde leiser und tragender. “ … ist gestern etwas eingetreten, worauf ich seit über zehn Götterläufen schmerzlich warten musste.“ Das erste Mal sah Pagol seinen Herrn fragend an, kurz nachdem er an einem leeren Bierfass geschnüffelt hatte. „Ich werde dafür wohl etwas ausholen müssen.“ Erneut zog er tief Luft durch seine Nüstern. Sein Blick ging gen Himmel, wo die weißen Wolken den blauen Himmel verdeckten. „Es war ebenfalls an einem frischen Peraine-Tag, ich sollte zum Schildknappen meines Ritters ernannt werden. Anlässlich dieser Feier war Trautmann nach Dettenhofen zu unserem Stammsitz zurückgekehrt um den Tag mit meiner Familie zu feiern. Alle waren da – zumindest kam es mir damals so vor. Meine Eltern, Mutter Gwynna und Vater Parzalon, Bruder Traviahold, Bruder Torald, Tante Sieglinde mit ihrem Mann Baltram, Oheim Melcher – ja sogar Tante Leonore war extra aus Rommilys angereist und hatte sich von den Mephaliten für eine paar Tage frei genommen. Ach … und … ja, Großvater Torion der Gütige. Wir alle wussten noch nicht, dass Boron ihn bald zu sich holen würde.“ Sieghelm schluckte kurz und wurde wehmütig als er seinen Großvater erwähnte. Erneut stieß er den Kiesel mit der Spitze seines Stiefels über die Pflastersteine. „Sie waren alle da, es sollte eine schöne Feier werden. Trautmann hatte sie alle kommen lassen und kümmerte sich ohne mein Wissen um die Feierlichkeiten. Wir waren in unserem Anwesen in Dettenhofen, alles war geschmückt mit Frühlingsblüten, Tante Sieglinde hatte extra mehrere Rondrawimpel gestickt und aufhängen lassen. Sie hatte meinen Namen eingestickt. Ich kann mich noch genau daran erinnern.“ Sieghelm spurte mit den Händen dem Schriftzug nach. „Sieghelm der Schildknappe“ – das lustige war, sie stickte anstatt des ‚d‘ in Schildknappe ein ‚t‘ – und das gleich sechs Mal.“ Sieghelm musste kurz lachen „Sie hatte schon immer Schwierigkeiten beim schreiben, wohl auch der Grund warum sie mir immer Bilder schickte anstatt Briefe zu schreiben.“ Pagol gab laut, als er hinter ein paar abgestellten Fässern mit frischen Pfeilen hervorkam weil er dort eine Maus gesehen hatte. Erneut zog Sieghelm laut Luft ein und setzte dann seine Erzählung fort: „Es hätte ein perfekter Tag werden können. Doch Torion, mein älterer Bruder, hatte an dem Tag keine Lust daran teilzunehmen. Er hatte irgendeinen ‚wichtigen‘ und ‚unaufschiebbaren‘ Termin im Magistrat, es ging wohl um irgendeine Prüfung. Ich hörte wie Vater und Mutter miteinander diskutierten. Mutter bezog meinen Standpunkt, dass dies doch mein Tag sei und dass sich mein Bruder auch mal unterordnen könne. Doch mein Vater ergriff für meinen Bruder Partei. Er sagte so etwas wie ‚er solle wie ein Erstgeborener erzogen werden‘ und ‚das er sich seinem kleinen Bruder nicht unterzuordnen habe‘. Es sei ‚Praios Wille‘. Kurzum … mein Vater war zusammen mit Torion nicht bei der Feierlichkeit dabei. Die Stimmung war wegen ihrer Abwesenheit nicht so gut. Keiner Sprach darüber, dass mein eigener Vater bei meiner wichtigen Ernennung zum Schildknappen nicht dabei war und es lieber vorzog seinem Erstgeborenen zu Unterstützen. Der einzige der sich traute etwas zu sagen war Großvater. Ich kann mich noch daran erinnern, dass er es als ‚beschämend für die ganze Familie‘ bezeichnete. Des Anstands wegen stimmte ihm jedoch niemand zu – nicht einmal Mutter.“ Beim dritten Tritt gegen den Kiesel klonkte lautstark er gegen eine Häuserwand und verschwand dann in einem Abflusskanal. Pagol wetzte in dem Versuch ihn zu retten hinterher, doch er war nicht schnell genug. Traurig blickt er zu seinem Herrchen

„An dem Tag, diesem für mich so wichtigen Tag … war ich anfangs so stolz auf mich, dass Trautmann mich zum Schildknappen nahm. Doch Vater ruinierte ihn mir, indem er mir zeigte, dass er nicht stolz auf mich war. Sein Erstgeborener war ihm wichtiger. Da wurde mir klar, dass die Knappschaft nur eine Geste war um mich abzuschieben, er wollte mich fort haben, weg von seinem perfekten Erstgeborenen. Ich war wütend, mitten in der ‚Feier‘ die eh keine war, warf ich eine Schüssel mit Suppe wütend auf den Boden, so stark, dass selbst Jahre später die Spritzer davon im zweiten Stock an den Wänden zu sehen waren.“ Sieghelm schloss zu Pagol auf, erneut kamen sie an eine Kreuzung. Vor ihnen marschierten gerade wieder einige Banner durch die Stadt in Richtung Rahja. Vor ihnen klapperten im zackig militärischen Schritt schwer gerüstete Infanteristen über die Straße. Es waren Rondrageweihte und Laienbrüder, angeführt von Rondriana Siebenstreich, der Meisterin des Bundes der Senne der Mittellande. Pagol setzte sich und machte instinktiv ‚Männchen‘. Ein paar Momente beobachteten die beiden stumm wie die Rondrakieger mit ihren Rondrakämmen an ihnen vorbeizogen. Auch Sieghelm nahm Haltung an, bis zu dem Moment an dem sie sie passiert hatten. Dann setzte er mit hängenden Schultern fort: „An dem Abend hatte ich mich etwas geschworen, wie mir nun bewusst geworden ist, ich habe mir geschworen an mir zu arbeiten und zwar härter als zuvor und noch härter als mein Bruder. Ich wollte meinen Vater einen Grund geben stolz auf mich zu sein, mit etwas, dass ich mit meiner eigenen Arbeit geleistet hatte, und nicht, was mir in die Wiege gelegt wurde. Das muss wohl auch der Grund sein, warum ich später die Versuche meines Vaters mich in den Gänseritter-Orden zu geben ablehnte. Es wäre wieder etwas gewesen, was nicht ich selbst vollbracht hätte. Versteht du mich?“ Schloss Sieghelm seine Erzählung mit einer überraschenden Frage. Der Leutnand blieb adhoc stehen, fast wäre er über seine kurzen Beine gestolpert. Er blickte hin- und her, so als würde er grübeln. Dann gab er zustimmend laut. „Ja du hast recht, ich bin diesem Versprechen was ich mir unbewusst gegeben hatte, mein ganzes Leben hinterher gerannt. Und dieser Druck … dieser …“ Sieghelm formte mit einer Hand eine Klaue und legte sie sich symbolisch um den Hals. “ … enorme Druck schnürte mich ein und nahm mir die Luft. Ich musste immer besser sein, immer noch etwas mehr erreichen. Für … ja ihn … für meinen Vater. Damit er endlich stolz auf mich sein kann.“ Mit Druck prustete der Ordensgroßmeister all seine Luft aus. Sofort entspannten sich seine Muskeln und sein Rücken wurde gerader.„Gestern im Heerlagerzelt unter dem Banner Dettenhofens und meiner Familie, wurde ich noch einmal in meine Kindheit versetzt. Ich kam mir so winzig vor … da … passierte das Unerwartete.“ Sieghelm hielt an, ein frischer Peraine-Wind erfasste ihn und Pagol und pfiff durch die Straße. Sieghelm sah Pagol mit feuchten an und sagte: „Vater sagte, er sei stolz auf mich.“

Gassi in Wehrheim – Teil I

Sieghelm Gilborn
von Spichbrecher
Ordensgroßmeister

Es war der frühe Morgen des 13. Peraine 1027 nach Bosparans Fall, als Sieghelm zusammen mit seinem Leutnant seine Stube auf Burg Karmaleth verließ. Es wehte ein seicht frischer Wind durch die Gassen der Stadt. Es war einer dieser Peraine-Tage, die eine Aussicht darauf gaben, dass der Frühling angekommen war und es bald wärmer werden würde. Sieghelm, dem die morgendliche frische nicht ausmachte, ja die er sogar begrüßte, war nur in seiner schwarzen gefütterten Unterkleidung für die Tür gegangen, welche er stets unter seiner Rüstung trug. Zahllose an seiner Unterkleidung befestigte Nestelbänder flatterten im morgendlichen Wind, sobald er durch eine Wehe schritt. Er hatte Burg Karmaleth verlassen und war in die Straßen Wehrheims gegangen um der Stadt dabei zuzusehen wie sie erwachte. Auch wenn eine große Armee aus dem Dämonenkaiserreich Transylien vor der Tür stand, so gingen die Wehrheimer darpatisch stoisch ihrem täglichen Geschäft nach.

Sieghelm musste kurz anhalten als er und Leutnant Pagol an einem Zuckerbäcker vorbeikamen, der dabei war seine tägliche Auslage vorzubereiten. Warme und knackfrische Zimtschnecken, Zuckerkränze und Wehrheimer Batzen verbreiteten einen angenehm süßen Duft in der schmalen Gasse. Pagol war hellauf begeistert und bekam mit dem Kommentar ‚Ach der ist aber niedlich‘ vom Zuckerbäcker ein kleines Stück von einem dieser köstlichen Wehrheimer Batzen, was Sieghelm gar nicht gefiel. Aber Pagol hatte auch all seine ihm gegebenen Fähigkeiten ausgeschöpft als er quiekend jämmerlich jaulte als hätte er seit Monden nichts mehr richtiges zu Essen bekommen, nur um sich direkt danach wie eine Rommilyser Landjägerwurst im Staub hin- und her zu wälzen und sich vom Zuckerbäcker am Wamst kraulen zu lassen. „Einen prächtigen Morgen, edler Herr!“ wünschte ihm der Bäcker fröhlich mit seinem mehligen Händen und seinen deutlich von der eigenen Auslage rund gewordenen Bauch, als er den Leutnant fütterte. „Auch dir einen guten Morgen, Bäcker.“ entgegnete Sieghelm nur und schnalzte dann mit der Zunge, was das Zeichen für Pagol war wieder bei Fuß zu kommen.

Als Pagol wieder zu Sieghelm aufgeschlossen hatte, fragte er: „Sieh dir nur diese Straßenzüge an, Pagol – sind sie nicht prächtig?“ Die beiden liefen aus einer Seitengasse auf eine der rechtwinklig angeordneten großen Hauptstraßen zu. Große, teils drei oder vierstöckige Prachtbauten drängten sich dicht an dich aneinander. Kaufmannshäuser, Läden, Handwerker und wehrhafte Kasernen gingen ohne Platz zu verschwenden ineinander über. Hier kreuzten sich die Reichsstraßen 1 und 2, die am meisten genutzten und am besten ausgebautesten Straßen des gesamten bekannten Reichs. Wehrheim war, neben Gareth, der Nabel der Welt – zumindest aus Sicht eines jeden Wehrheimer Bürgers. Pagol reckte sein Köpfchen nach oben und betrachtete wohlwollend die bunt bemalten Gebäudefassaden. Auch wenn es noch sehr früh war, so waren die beiden Reichsstraßen immer belebt. Handwerker, Kaufmänner und Bürger liefen zielstrebig hin- und her. Einige Fuhrwerke standen am Rande der Straßen und kräftige Männer und Frauen hieften Säcke, Fässer und Kisten entweder herauf – oder herunter. Sieghelm und Pagol kamen an einer Gruppe Kaufmännern vorbei, die aufgeregt miteinander diskutierten. Einer von Ihnen hielt eine feine silberne Reisewaage und balancierte darauf etwas. „Drei Silber je Unze, und keinen Deut mehr!“ rief er. „Das ist nicht annehmbar. Bei den Oberburgheimers bekomme ich vier Silber, ihr wollt mich übervorteilen!“ Doch Sieghelm interessierte sich nicht dafür. Freute sich jedoch, wie selbstverständlich die Wehrheimer weiter ihren Geschäften nachgingen. Für einen Wehrheimer Bürger zählte es zur Normalität, dass Heere und Dämonen vor der Tür standen. Man saß soetwas einfach aus – und warum sollte man sich die Zeit die man saß nicht mit etwas Sinn stiftenden verbringen?

Pagol sah Sieghelm forschend an, so hatte er seinen Herrn noch nie gesehen. Er schritt leichtfüßig über die Pflaster der Reichsstraße. Blickte hie- und dort nach links und rechts, schmunzelte ab und an und – wenn man ganz genau hinhörte (und das konnte Pagol nunmal besser als alle anderen) – konnte man sogar ein melodisches Summen vernehmen. Pagol gab besorgt laut und sofort sah Sieghelm ihn an. „Was denn? Ist es nicht ein schöner morgen, Pagol?“ Sieghelm eher rhetorisch gemeinte Frage, ließ Pagol kalt. Er fixierte ihn mit einem durchdringend fragenden Blick. „Ich werde doch auch mal glücklich sein dürfen.“ argumentierte er aus der defensive heraus, doch Pagol ließ nicht locker. Sie umrundeten ein Fuhrwerk. dass mit großen ovalen Fässern, die leer aus dem großen Gasthaus ‚Bei Mutter Travine‘ gerollt werden, beladen wird. Sieghelm holte tief Luft, ein Zeichen dafür, dass er wohl zu einer längeren Erklärung ansetzte. „Wir stehen kurz vor einer bedeutenden und großen Schlacht. Nicht so groß wie die vor fünf Götterläufen, aber trotzdem, groß. Fast fünftausend Söhne und Töchter Darpatiens lagern auf dem Mythraelsfeld vor den Toren der Stadt und fast genauso viele Heerschaaren des Dämonenkaiserreichs laufen rastlos auf uns zu. Sie werden wohl in kürze den Dergel überqueren und in bälde kommt es zur Schlacht. Wir werden einen nicht unerheblichen Anteil daran haben. Ich werde unser Halbregiment – unser eigenes – ins Feld führen und bis ins Zentrum des gegnerischen Heerwurms vorstoßen lassen um ein Ei … kein normales Ei … dorthin zu bringen um eine Art Entzauberung stattfinden zu lassen. Die letzten beiden Jahre waren … sehr ereignisreich und hätte man mir dies vor zwei Götterläufen gesagt, hätte ich gelacht.“ Inzwischen standen sie vor einer der Stadtkasernen, zwei müde Nachtwachen kurz vor Wachwechsel hingen dort vor dem Kasernentor. Da sie den Ordensgroßmeister nicht erkannten, machten sie auch keinerlei Anstalten Haltung anzunehmen. Vom Innern des Kasernenhofs her schallten gebrüllte Kommandos auf die Reichsstraße. Pagol, der den längeren Monolog seines Herrchens nutzte um sich an der steinernen Kasernenmauer zu erleichtern, schüttelte seine kurzen Beine und starrte Sieghelm dann wieder an. Einer der Wachen, erwachte aus seiner lethargischen Haltung als er mitbekam, dass sich der Dachshund an der Kasernenmauer erleichterte. Sofort versetzte er sich selbst in eine belehrendere Haltung und stiefelte wie ein Lehrer der seine Schüler beim Spicken erwischt hatte zu Sieghelm und Pagol herüber. Er musterte Sieghelm kurz von unten nach oben, doch außer einen großen kräftigen Mann in schwarzer Unterkleidung mit lächerlich vielen Nästelbändern konnte er nicht erblicken. „Entschuldigen Sie, ist das ihr Dachshund?“ frug der Gardist mit anklagender Stimme. Sieghelm blinzelte als er in seinem Gedanken unterbrochen wurde und sah zu dem Gardisten mit den dicken Tränensäcken. „Ja, gibt es ein Problem?“ Sieghelm stemmte die Fäuste in die Hüfte und reckte seine Brust. Er war etwas größer und viel kräftiger als die Torwache. Als der andere Gardist bemerkte, dass sein Wachkamerad entgegen jeglicher Vernunft kurz vor Wachwechsel plötzlich einen Anfall von praiotischem Ordnungswahn zu entwickeln schien, erschrak er und war für den nächsten Moment in seinem inneren moralischen Kampf gefangen der da hieß: Wachstube und Auffälligkeitsbericht schreiben oder … Bett. „Ja, denn ihr Hund hat gegen die Kasernenmauer gepisst – und streng genommen ist das …“ begann die Torwache anklagend. „Streng genommen hast du auch nicht nur den Hauch einer Ahnung mit wem du es hier zutun hast, Torwache.“ Das letzte Wort dehnte Sieghelm so in die länge dass es schmerzte, zudem klang es so, als würde er es ausspucken wollen. Während der eine Gardist noch immer in seinem inneren moralischen Konflikt gefangen war, und der andere gerade die höchst selbstzerstörerische ‚Wer seid ihr denn?‘-Frage stellen wollte, holte Sieghelm erneut tief Luft um der der Torwache vorweg zu kommen. „Ich bin Sieghelm Gilborn von Spichbrecher, Ordensgroß …“ den Rest kennt Ihr bereits und ich erspare ihn Euch. Springen wir zum letzten Teil: “ … und das ist Leutnant Pagol, und selbst dieser Dachshund steht im Rang über dir, wenn der Leutnant also gegen eure Kasernenmauer zu … urinieren … gedenkt, dann tut er dies nicht in der Absicht sie herabzuwürdigen, sondern um sie zu veredeln.“ Die andere Torwache hatte sich inzwischen für das ‚Bett‘ entschieden und war wie von Sumus Leib verschluckt. Das einzige was man noch hören konnte war das laute Schlucken des Gardisten. Mit fiepsend dünner Stimme brachte er dann abbrechend hervor: „Einen angenehmen Tag noch, euer edler Herr Reichsritter.“ „Euch auch, Torwache.“ entgegnete Sieghelm mit überspitzt freundlichem Ton, drehte sich um, schnalzte mit der Zunge und ging.

„Also Pagol, wo waren wir?“ Die beiden gingen weiter auf der belebten Reichsstraße und wurden von einer frischen Windböe erfasst. Pagol tapste neben seinem Herrn und blickte ihn wieder durchdringend an, denn noch immer war Sieghelm ihm eine Erklärung schuldig geblieben.

Überwältigend

12. Peraine 1027 n. BF

Es ist einfach überwältigend. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es erdrückt mich schier.

Noch innerlich im Aufruhr hört sie den Lagebesprechungen vor den Toren Wehrheims nur mit halbem Ohr zu.

Zunächst träumte Bothor letzte Nacht von dem endlosen Heerwurm vor den der Greif Obaran uns warnte. Er marschiere direkt auf Wehrheim zu. Ein Heer von Untoten, Söldnern, Guhlen und Belagerungsmaschinen begleitet von einer schwarzen Wolke, die das Heer vor der Praiosscheibe schützt. Würden wir also diese Wolke vertreiben, könnten wir siegen. So dachte ich.

Doch dann blickte ich auf Anraten von Nehazet tatsächlich aus dem Limbus heraus direkt auf den sechsgehörnten Dämon Rahastes. Er ist der Plagende. Er ist der dem der Hunger folgt. Der Verderber der Ernten. Er selbst ist die ganze verdammte schwarze Wolke! Er schwebt über dem Heer und beherbergt eine Schaar von geflügelten Albträumen. Ich konnte viele große Fledermäuse und Irrhalken erkennen. Wo er vorüberzieht bleibt nichts als totes Land zurück. Leichen erheben sich aus den Boronsangern und von den Schlachtfeldern und schließen sich dem Heer an. Praios steh uns bei! Deine Greifen sind nicht mehr da, um uns zu helfen. Ohne sie sind wir den Angriffen aus der Luft hilflos ausgeliefert. Wir stehen hier auf freiem Feld mit einer Stadt im Rücken, die tausende unschuldige Seelen birgt. Wie sollen wir sie aufhalten? Wie sollen wir diesen fliegenden sechsgehörnten Dämon und sein Gefolge bloß aufhalten?

Auch wenn Dexter an einem sogenannten „Wunder arbeitet“, wie der Feldmarschall sagt, fällt es mir schwer zu glauben, dass wir ähnliche Kräfte entwickeln können, um dagegen zu halten. Wir haben lediglich zwanzig Magier zur Verfügung. Und Magus Nehazet ist noch nicht da.

Gern wäre ich stattdessen nach Gallys geritten und hätte die dortige Belagerung zerschlagen, um das Heer von hinten anzugreifen und den Nachschub abzuschneiden. Doch wir sind zu Wenige, um gegen selbst nur 200 Untote zu bestehen. Außerdem wies uns Oberan ja nach Wehrheim. Welch kleine Rolle wir in diesem Wahnsinn spielen könnten, vermag ich noch nicht zu erkennen. Wir müssen irgendwie da hoch und Rahastes töten! Aber wie?

Damach müssen wir nur noch zum goldenen Altar, wenn der dunkle Schatten darauf fällt, um den Greifen seine Kraft zurück zu geben. Ist damit die Stadt des Lichts in Gareth gemeint? Ist also gewiss, dass Wehrheim fällt? Wenn ich mir so anschaue, was da auf uns zukommt, wage ich auf keinen Sieg zu hoffen. Ich habe Angst.

Immerhin ist Königin Rohaja mit ihrer Königsgarde da. Sie werden sie wohl nicht ins Feld führen, wenn keine Hoffnung auf Sieg bestünde … oder keine Möglichkeit zum Rückzug … Ich hoffe, dass dieses Reich dem Ansturm gewachsen ist.

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Azinas Gedanken

Aus der Geschichte lernen

Unterdessen in der Akademie Schwert & Stab zu Gareth-Schlossviertel

Drei Mal ertönte ein dumpfes Pochen an der Tür der Scholarenstube. Der Raum war klein und schlicht eingerichtet. Zwei einfache Steckbetten sowie zwei dazugehörige Nachtschränke, zwei sich gegenüber liegende kleine Sekretäre aus Eichenholz und ein großer Kleiderschrank aus einfacher Fichte in der Mitte, den sich Candidatus Voltan mit seinem Stubenkameraden Corelian, der ebenfalls kurz vor seiner Examinatio stand, teilen musste, waren Bestandteil der Inneneinrichtung. „Jaaa, was ist denn da schon wieder?“, zischte der junge Candidatus, der spontan Kopfschmerzen bekam, da es heute schon das dritte Mal war, dass er während seiner Studien gestört wurde. Er schob geschwind ein Lesezeichen an eine Stelle des Codex Albyricus und drehte sich auf dem einfachen Sekretärsstuhl zur Tür herum. Herein flog ein weiterer junger Mann in Voltans Alter. Die Türe war noch nicht ganz auf, da sprudelten schon die ersten Wörter aus dem jungen Magier heraus, er schien sehr aufgeregt zu sein: „Voltan! Ich habe Neuigkeiten! Das wird dich umhauen!“ Voltan schnaufte verächtlich und rollte mit den Augen. Er, der gerade konzentriert, ruhig und angestrengt studierte und nun latent genervt war, hatte im Moment eine gegensätzliche Stimmung zu seinem Stubenkameraden, der allem Anschein nach aufgeregt, laut und überschwenglich war.
Voltans Stubenkamerad schloss die Tür wieder hinter sich und blickte dann verstohlen zu ihm. Er setzte sich dann zackig auf eine nahe Bettkante. „Was gibt es denn so dringendes, Cori?“ Voltan gelang es nicht, seinen Unmut in seiner Stimme zu verbergen, er gab sich allerdings auch keine große Mühe. Passend dazu war besagter ‚Cori‘, der mit vollständigen Namen Corelian Arelis von Gareth hieß, von der Unstimmung seines Gegenübers vollkommen unbeeindruckt und fuhr fort: „Ich war vorhin kurz zu einem Kehlentänzchen im Lichthof …“, begann Corelian im verschwörerischen Tonfall mit gedämpfter Stimme im Plauderton zu erzählen. Mit ‚Kehlentänzchen‘ meinte er ein gekühltes Vollbier zu trinken. Es war üblich, dass sich mit jeder Generation junger Scholaren neue Bezeichnungen entwickelten, die das Trinken von Bier oder Wein auf eine verspielte und neckische Weise umschrieben. Und mit ‚Lichthof‘ meinte er die der weißmagischen Akademie Schwert & Stab nahe gelegene Gastwirtschaft in der Flachshauergasse. Viele Scholaren der Magierakademie verkehrten dort, aber nicht nur die, sondern auch junge Mitglieder der Stadt des Lichts. Da beide Einrichtungen dem Göttervater Praios gefällig waren, hatte sie eine größere Schnittmenge an Interessen und Gesprächsinhalten. Die Wirtschaft, die den passenden Namen ‚Lichthof‘ hatte, warb mit günstigen Spirituosen aller Art und zünftiger Hausmannskost zu jeder Tag- und Nachtzeit. Den Studiosi der Akademie, die nicht viel Handgeld bekamen, aber auch den jungen Praiosdienern, kam dies zupass, denn beide hatten nur wenig Geld zur Verfügung und in ihrer spärlichen Freizeit taten sie das, was alle jungen Männer und Frauen gerne taten. Sie selbst nannten es: ‚Einen Ritt mit der Himmelsstute auf dem Pfad des lieblichen Rauschs absolvieren‘. Eine blumige Umschreibung dafür, sich bis kurz vor der Besinnungslosigkeit mit billigem Bier abzufüllen, dabei allerlei Würfel- und Kartenspiele zu spielen und hin- und wieder ein körperliches und geistiges Kräftemessen zu vollziehen. Für All dies stand der ‚Lichthof‘ in der Flachshauergasse.
„Im Lichthof? Cori – es ist gerade mal kurz nach der Mittagsstunde!“ Voltans Versuch empört zu klingen scheiterte. Was von Corelian nur mit einem verschmitzt wissenden Grinsen quittiert wurde, dem sich auch Voltan nicht erwehren konnte. „Willst du jetzt wissen was ich gehört habe, oder nicht?“, fragte Corelian gespielt empört. „Nun, genau genommen …“, spottete Voltan desinteressiert. Jetzt, da er ohnehin schon gestört und aus seinen Studien herausgerissen wurde, konnte er eine kleine Abwechslung ganz gut gebrauchen und war an der Neuigkeit aus dem Lichthof interessiert. Corelian knuffte Voltan gegen die Schulter woraufhin Voltan bis über beide Ohren grinsen musste. „Nun hör zu, das interessiert dich wirklich … ich meine … wirklich wirklich.“ Corelians wechselte vom Plauderton in einen, trotz simpler Wortwahl, bedeutungsschwangeren Tonfall. Sofort war Voltan klar, dass es sich um keine alberne Komabesäufnisgeschichte oder ein peinliches Rahjaspiel eines Kommilitonen handelte. Sein Stubenkamerad hatte wirklich etwas Ernstes auf dem Herzen. Voltan vollführte eine Geste, um seinen Gesprächspartner dazu zu veranlassen fortzufahren. „Am Nachbartisch unterhielten sich ein ein paar Lichtis miteinander.“ An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass ‚Lichtis‘ die sehr gut behütete akademieinterne Bezeichnung für alle Arten von Praiosdienern war. „Ich hörte wie sie sich darüber unterhielten, dass sie zwei Kisten bekommen haben, in denen die Überreste von Greifen drin sind. Beide wurden, mittels eines Dschinns, geschickt von diesem tulamidischen Graumagier aus Punin.“ Nachfolgendes Wort sprachen sie seufzend gemeinsam aus: „Nehazet.“ Voltan und Corelian hatte beide schon von dem Magus gehört, ein Graumagier der im traditionell traviagefälligen Rommilys zum ‚Propheten‘ ausgerufen wurde, konnte schwerlich unbekannt bleiben. Die Entwicklung war für mehrere Tage an der Akademie Schwert & Stab ein heiß diskutiertes Thema. „Doch das ist nicht alles. Es ist nicht der erste Greif der … bei Praios … können die das überhaupt … ‚gestorben‘ ist. Die Kisten sollen aus den Sicheln geschickt worden sein. Dort geht etwas vor, sag ich dir.“ Voltan prustete. Für einen Moment versank er in seinen Gedanken, denn er musste in seiner Erinnerung kramen, um diese neue und geheime Information mit seiner Vergangenheit zu verknüpfen.

„Cori, hast du eigentlich nur eine geringste Ahnung was das bedeuteten kann?“, fragte Voltan, doch Corelian schüttelte nur den Kopf. „Keine Ahnung. Ich wollte dir das nur erzählen, da du dich doch so für Greifen interessierst … ich meine … auf deinem Nachttisch liegt das Verzeichnis der bekannten Greifen und ihrer sagenumwobenen Geschichten. Und jedes Mal wenn wir beim Kehlentänzchen über die Lichtis sprechen langweil … ähh ich meine erzählst du uns eine andere Geschichte von diesen edlen Geschöpfen des Göttervaters.“ Corelian versuchte seinen fast begangenen Fauxpax mit besonders bedeutsam gesprochenen letzten Worten wieder gut zu machen. „Nein, ersthaft Cori … warte …“ Der junge Spichbrecher drehte sich knarzend auf dem Sekretärsstuhl herum, zog ein Buch aus dem Stapel auf seinem Tisch und blätterte hastig darin um. „Dies ist die Chronik aus dem Jahre 1022. Genau genommen aus …“ „Du meinst 29!“, fuhr Corelian harsch dazwischen. Die Kommilitonen führten einen seit acht Götterläufen ausgefochtenen Kleinkrieg zum Thema Zeitrechnung. Voltan hatte von klein auf die Zeitrechung ‚Nach Bosparans Fall‘ beigebracht bekommen und führte diese deshalb auch fort, zumal sie in akademischen Kreisen auch anerkannter war. Corelian hingegen war, wohl auch wegen seiner Blutlinie, ein Verfechter für die neu eingeführte Zeitrechnung ‚Nach Hal‘. Beide jungen Männer blitzten sich kurz an, doch beide wussten, dass jetzt nicht der Moment war um darüber zu diskutieren. Voltan setzte erneut an: „Genau genommen aus dem Traviamond. Es ist eine Auflistung aller bekannter Greifensichtungen. Das besondere daran ist, dass zu der Zeit die Heptarchen versucht haben, Irrhalken über die Schwarzen Sicheln und die Trollzacken zu schicken.“ Voltan deutete mit den Finger auf mehrere Stellen in denen von Greifen und Irrhalken die Rede ist. „Praios sei dank, waren damals die Greifen da, um sie abzufangen – es kam zu vielen erbitterten Kämpfen in der Luft.“ Er schlug die nächste Seite auf, welche eine Schnellskizze von einem Greifen und einen Irrhalken war, die sich in der Luft spektakulär bekämpften. Corelian vergrub sein Kinn in seiner hohlen Hand und blickte angestrengt in die Chronik, unterdessen fuhr Voltan fort: „Vor vier Götterläufen hatte Galotta schon einmal probiert, die Lufthoheit zu erlangen – und war gescheitert.“ Die Jungs nickten beide. Auch wenn sie zu der Zeit erst 14 Götterläufe alt waren, so hatten sie von dem vorangegangenen Krieg, welcher als 3. Dämonenschlacht in die Geschichte eingesehen sollte, und den Gebietsgewinnen der Schwarztobrier alles mitbekommen.
Voltan blätterte erneut um. Neben dem Text, welcher den Kampf zwischen den Wesen des Lichts und denen der Dunkelheit beschrieb, war eine Schwarz-Weiß Zeichnung zu sehen. Es zeigte eine Darstellung mehrerer Greifen, die abstrakt aussehende Flugmaschinen über den Trollzacken angriffen und zum Absturz brachten. „Diese dämonischen Flugmaschinen flogen im Phex- und Perainemond von Schwarztobrien über die Zacken und die Sicheln, nichts – absolut nichts – hätte sie aufhalten können, außen den Greifen. Nur dank ihres selbstlosen Einsatzes wurden sie zerstört, noch ehe sie die Städte erreichten.“ Im Gesicht von Voltans Mitbewohner konnte man sehen, wie er begann zu verstehen, worauf er hinaus wollte. „Moment, willst du damit sagen, dass …“, begann er. „Ganz genau“, beantwortete Voltan dessen Frage, noch bevor er sie zu Ende ausgesprochen hatte. Ein langer Moment der Ruhe folgte. Corelian verstand, worauf sein Kommilitone hinaus wollte und es ließ ihn schlagartig erschaudern. Nervös kratzte er sich am Kinn, während Voltan mit einem lauten Knall die Chronik zuklappte, um dann den jungen Spross des Hauses Gareth mit einem durchdringenden Blick zu belegen.

„Wir müssen das berichten“, brach Corelian mit zaghafter Stimme das Schweigen. Es klang fast wie eine Frage. „Nein, man kann nicht wissen wo die Spione der Heptarchen sich überall verstecken.“ Er legte die Chronik wieder zu den anderen Büchern und klappt auch den Codex Albyricus vorsichtig zu, in dem er vorhin noch gelesen hatte. Dann stand er auf, griff nach seinem Magierstab und sagte: „Ich habe eine bessere Idee.“

Protektorat

Es klebte noch Blut an seinen Händen, als sich Sieghelm von den Zinnen abwandte. Den abgeschlagenen Arm von Ser Geromar hielt er noch immer am Handgelenk fest, so dass das Körperteil des Paktierers schlaff herunter hing. Die Trennung vom Torso war noch nicht lange her, weshalb noch immer tiefrotes Blut aus der von Bothor grob abgetrennten Stelle am Oberarm auf die Steine sickerte. Er blickte auf seine rechte Hand. Sie war so voller Blut, dass das fahle Licht des Madamals sie zum Glitzern brachte. Er spürte auch Haare zwischen seinen Fingern, es waren die Haare des Burgritters, denn nachdem er seinen Kopf mit einem einzigen und mächtigen Hieb abgetrennt hatte, hatte er ihn am Schopf gepackt und bis hier hoch getragen. Als dann der Greif, reitend auf einem aus Alveran geschickten Lichtstrahl, heranflog, warf Sieghelm ihm den Kopf mit all seiner Kraft, aus einem Instinkt heraus, entgegen. Beim Sturz machte der Greif keinen einzigen Laut. Er war so grazil und vollkommen lautlos bei seinem Flug, dass das einzige Geräusch, das der Großmeister vernahm, das Knacken und Zerbrechen des Schädels war, als der Greif seine Krallen tief in ihn hinein trieb. Sieghelms junges Herz pochte ihm bis zum Hals, er hatte aus dem Stegreif eine pathetische und erklärende Rede an die Burgbewohner gehalten – es geschah eben nicht oft, dass ein fremder Reichsritter vorbeikam und den Burgherrn köpfte.

„Ser! Ser!“, erklang die Stimme von Perainius, als dieser die Wendeltreppe mühevoll hinter sich gebracht hatte und nun seinem Ritter laut atmend entgegen stolperte. „Perainius“, entgegnete Sieghelm knapp, sein Blick wandte sich von seiner blutverschmierten Hand ab, während er die darin verklebten Haare des ehemaligen Burgherrn zwischen den Fingern hin und her rieb. „Ser – die Bewohner der Burg – sie …“, Perainius‘ Stimme brach immer wieder ab, da er Mühe beim Atmen hatte, denn er war die Wendeltreppe so schnell er konnte heraufgeeilt. „… sie sind alle – auf die Knie gefallen – was ist passiert. Oh bei der Gebenden Göttin – geht es euch gut, Herr?“ Erst jetzt bemerkte Perainius die Unmengen an Blut auf der Gewandung seines Herrn. Im schwachen Schein, des sich hinter einer Wolkendecke versteckenden Madamals, glitzerten mehrere Stellen des Brokats nur. Er vermochte nicht zu erkennen, woher es stammte. Während Sieghelm seine Rede hielt und der Greif erschien, waren die anderen Ordensmeister inklusive Perainius im Rittersaal geblieben. Sie hatten folglich nicht mitbekommen was geschehen war. Sieghelm nickte nur und ignorierte die Frage des Jungen: „Der Himmel hat sich aufgetan und Ser Geromar wurde vom Herrn des Lichts selbst abberufen. Ich habe soeben ausgerufen, dass Burg Gryffenstein nun zum Protektorat des Ordens gehört.“ Perainius Mund öffnete sich, doch nur ein unartikulierter Laut drang heraus. Seine Augen öffneten sich und er blieb überrascht stehen. Perainius zwang sich dazu etwas zu sagen, doch seine Worte krochen nur zaghaft über seine Lippen: „Der Himmel hat sich aufgetan?“ Erneut nickte Sieghelm und fuhr dann fort, doch dieses Mal blickte er seinen Knappen direkt an. Er hob dabei den abgeschlagenen Arm des Paktierers an und deutete mit dessen leblosen Hand auf ihn. „Wir müssen zügig weiter und wir brauchen eine Vertrauensperson die hier bis zur Ankunft der Inquisition über die Burg wacht – die Menschen hier haben Führung verdient und wir dürfen diese wichtige Grenzfeste nicht ins Chaos stürzen lassen.“ Perainius hob die Hand, legte zwei Finger auf Sieghelms Handgelenk und schob die mahnende und zu jedem Wort zappelte tote Hand vorsichtig von seinem Gesicht weg, während er etwas angewidert zu seinem Herrn blickte. „Ja natürlich, Herr – ihr habt recht. Doch wir kennen hier …“, setzte Perainius an, wurde jedoch von Sieghelm jäh unterbrochen: „Du wirst uns hier vertreten … bis die Praioskirche hier ist, um aufzuräumen.“ Dem Knappen rutsche sein Herz, das bis eben noch bis an den Hals schlug, weil er so eilig gerannt war, nun herab bis in den Schoß. Würde das Madamal nicht ohnehin schon alles in ein fahles Aschgrau hüllen, hätte man sehen können, wie der junge Adelige schlagartig erblich.

Die beiden Darpatier stiegen dann die Wendeltreppe hinab zum Rittersaal, wo sich Nehazet, Jane und Bothor weiterhin mit dem Leichnam des Paktierers beschäftigt hatten. Unterwegs strich Sieghelm das Blut und die Haare von seiner Hand an den Mauern ab, was jedoch nicht viel brachte, da das Blut inzwischen zu großen Teilen getrocknet war. Den abgeschlagenen Arm übergab er an Perainius, denn er diente als Beweis – da das Paktzeichen darauf deutlich zu erkennen war. Die beiden Männer schwiegen während des Abstiegs. Sieghelm, weil er in Gedanken schon hinter den Sicheln war, um Galottas Schergen zu trotzen und Perainius, da seine Gedanken diesseits der Sicheln war und er mühevoll in seinem Gedächtnis nach den Lektionen seines Vaters kramte. Herrschaft, Verwaltung, Führung – und das alles von einer strategisch wichtigen Grenzfestung an den schwarzen Landen. Er wusste, dass er diese Nacht kein Auge zutun würde.