Mit meiner neuen Dschadra scheint es irgendetwas auf sich zu haben. Plötzlich respektieren mich die Leute. Manche haben gar Angst vor mir zu haben. Delia konnte mir nur wage erklären, dass ich mit dieser Waffe in der Hand als Kriegerin gelte und eben als solche behandelt werde. Endlich, möchte man sagen. Schon oft stellte ich meine Fähigkeiten unter Beweis. Jedoch bestand stets die Möglichkeit, dass es sich dabei um Glückstreffer handelte. Denn unglückliche Situationen und Verhaltensweisen gab es viele. Selbst gegenüber meinen Kameraden galt ich lediglich als Waldkundige mit Tiererfahrung. Nun, ich bin gespannt, wie sich die Dinge künftig entwickeln.
Langsam fährt Azina mit der Hand über den Schaft ihrer Dschadra. Sie stutzt angesichts der bunten Bänder und erinnert sich daran, wie sie diese schöne Waffe schmutzigen Händen entriss. Ein Zwielicht in der Gasse. Weniger die Dunkelheit als die drohende Gefahr flackert in der Luft. Rowin zerschmettert unter lautem Getöse die Tür zum Unterschlupf und Lagerraum der Menschenhändler.
Da stehen sie. Sechs bewaffnete Räuber spöttisch in der Mitte des Raumes. Der Anführer, hinter einer großen Kiste stehend gestikuliert seinen Leuten, uns zu überwältigen. Rowin springt wild entschlossen den nächsten Schurken an und verpasst dem Holzbalken hinter ihm einen wuchtigen Schlag, sodass er nahezu zerbirst. Grimmig entbrennt ein blutiger Kampf. Azina springt geschwind zu Rowins offener linker Seite und blockiert das Voranschreiten der Gegner. Delia, von selbstlosem aber leichtsinnigen Edelmut gepackt, begibt sich behände zwischen ihre beiden Kameraden und spricht abscheuliche Flüche in Richtung des Anführers aus. Er zuckt zwar kurz zusammen, ignoriert sie jedoch zunächst und überlässt es seinen Männern, die Frau mit dem hölzernen Kampfstab zu überwältigen. Er selbst wendet sich Rowin zu, nachdem dieser sich seiner Gegner entledigt hat und beginnt mit seiner Dschadra auf Rowin einzustecken. Geschickt umspielt er seine Deckung und trifft ihn an empfindlichen Stellen seiner Rüstung.
Währendessen gelingt es Azina ihre eigenen Angreifer zu überwinden und Delia zu Hilfe zu eilen, die in diesem Augenblick blutüberströmt zusammenbricht. Es folgt brutale Vergeltung. Gleich darauf ordnet Rowin einen Stellungswechsel an. Beide verbliebenen Kämpfer umringen den Anführer, der nun auch Azina mit seiner Stichwaffe schwer in den Unterleib trifft. Gemeinsam gelingt es ihnen den Oberschurken zu überwältigen. Siegreich reckt Azina die Dschadra in die Höhe. Eine Briese des Sieges streift die blau-roten Bänder der majestätischen Waffe.
Also ich weiß nicht. So recht mögen die Farben nicht zu meiner Kleidung passen. Ich sollte die Bänder austauschen. Vielleicht braun oder weiß. Oder eine interessante Mischung aus beidem.
Träumerisch wiegt sie ihre neue Waffe in der Hand. Einmal schon wurde sie erprobt. Wenngleich sie bei dem letzten Kampf gegen eine überwältigende Übermacht aus den Händen gerissen wurde. Nur das beherzte wie schnelle Eingreifen eines mysteriösen Reiters verhinderte den Tot der gesamten Gruppe. Rowin wurde schwer am Kopf verwundet und Nehazet verlor einen wertvollen Teil seiner Habe.
Quelle: Meister
Es begann mit merkwürdigen Schatten und tapsenden Bewegungen im rauschenden Hirsefeld. Sie entpuppten sich schließlich als harmlose Vogelscheuche und streunender Kojote. Geisterhafte Wesen suchten sie zusätzlich heim. Aufgewühlt erschnupperte Bakkus etwas Unwirkliches und begann sich vom Lager zu entfernen. Rowin hörte nur ein Aufjaulen und einen dumpfen Schlag. Geschwind eilte Azina zu seiner Hilfe und sah, jenes was sie hier draußen in der Einöde fürchteten: eine überwältigende Anzahl von Banditen. Rowin und Azina alarmierten das Lager und bereiteten sich auf den Kampf vor. Nach heftigen bluten Scharmützel fiel Rowin von einem Kriegsflegel am Helm getroffen zu ebener Erde. Azina büßte nahezu zeitgleich zwar ihre Dschadra ein, konnte jedoch nach geschickten Stellungsspiel ihre Linkhand und ihren praios-geweihten Khumchomer ziehen. Wild um sich schlagend erwartete sie ihr elendes Ende in dem Wissen, dass, wenn sie fällt, ihre Kameraden den nächsten Sonnenaufgang nicht mehr erleben werden.
Plötzlich erschlug ein fremder Reiter mit einem blitzenden Doppelkhumchomer die vier verbliebenen Feinde mühelos mit je einem Streich. Aber noch bevor Delia ihn weiter über sein Begehr befragen konnte, entschwand er in der schwärze der Nacht. Unverhofft, wie ungesehen.
Armer Rowin. Nun spricht er im Wahn vor Schmerzen. Ich hoffe er wird wieder ganz der Alte. Schade wäre es um ihn, würde er dies Abenteuer nicht heil überstehen. Delia ist bei ihm. Solang werden Bakkus und ich hier die Stellung halten.
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Gedanken der Azina

