An: Professor Markandre ter Steegan, Zwölfgöttliche und Kaiserlich-Bosparanische Hohe Schule der Wissenschaften und Lehren der zwölfgöttlichen Lande, Firun-Schule, Fakultät der Zoologie, Institut der Seltsamen und Ungeheuerlichen, Methumis
Sehr geehrter Herr Professor ter Steegan,
im Folgenden möchte ich ihnen von einer Begebenheit schreiben, die gar abenteuerlich klingt. Seid gewiss, das war sie auch, jedoch auch vollkommen wahr.
Es ergab sich, dass ich als Teil einer Gruppe durch den Thuranaforst in Andergast reiste. Hierbei trafen wir auf einen Waldschrat – im folgenden Borkenholm genannt. Wenn ich mich nicht täusche sind diese der Wissenschaft gut bekannt, sodass ich mich nicht weiter hierzu äußere, außer zu dem Fakt, dass Borkenholm mehrere „Freundschaften“ zu pflegen schien. Einmal zu weiteren Waldschraten, andererseits, und an diesem Punkt beginnen meine eigentlichen Ausführungen, zu einer Quellennymphe.
Diese schien Hilfe zu benötigen, zumindest forderte Borkenholm unsere Hilfe als Preis für die Durchquerung seines Waldes. Unter seiner Führung erreichten wir einen Weiler, der von einem Wasserfall gespeist wurde. In diesem schwamm die erwähnte Nymphe, welche von Borkenholm „Aquarella“ genannt wurde. Sie schien verängstigt, zumindest erreichte mich und meine Begleiter jeweils eine starke Welle dieses Gefühls. Wie es sich für einen Forscher geziemt näherte ich mich dem Wasser. Da ich wusste, dass Feen nicht der Sprache mächtig sind, versuchte ich über Gedanken mit ihr zu kommunizieren. Ein Versuch der leider nur mäßig klappte. An dieser Stelle wechselte ich zum Beobachter. Eine Dame aus meiner Begleitgruppe, Mara mit Namen, versuchte nun ebenfalls Kontakt zur Nymphe aufzunehmen. Sie hatte deutlich mehr Erfolg dabei. Später erklärte sie mir, dass sie sich der Bildsprache bediente. Wollte sie die Nymphe beruhigen dachte die an einen Tümpel mit spiegelglatter Oberfläche etc.
Das erstaunliche dabei ist, dass die Nymphe nicht ebenso „antwortete“, sondern wiederholt über Gefühlswellen… Sie ließ uns ihre Gefühle wahrnehmen. Ein etwas verwirrender Vorgang, wenn man nebenbei gegen wildgewordene Mindergeister kämpfen muss, doch das ist eine andere Geschichte. Als wir schließlich ihren Weier von dem Mindergeist befreit haben bedankte sie sich, zu erst mit einem Wangenkuss für Mara, danach durch einen bezaubernden Gesang in einer fremden mir nicht geläufigen Sprache, der uns alle erstarren ließ.
In diesem Zusammenhang kam sie etwas aus dem Wasser heraus, so dass ihre Erscheinung sichtbar wurde. Sie war weiblicher Natur, hatte jedoch schuppige Haut, seetanggrünes Haar, und Flossenhände. Beine konnte ich leider keine erkennen, jedoch auch keine Schwanzflosse, sodass ich in dieser Frage nicht weiterhelfen kann.
Das erstaunlichste folgte jedoch noch: In meiner Gruppe befindet sich ein Magier. Die Nymphe bot an den Mindergeist, den wir gefangen hatten in den Stab zu binden. Den Vorgang konnten wir nicht verfolgen, jedoch die Folgen sehen. Der Mindergeist war ein Wasserwesen und so illuminierte der Stab blau während des Verschmelzung, in der Folge glänzte er dauerhaft feucht, ohne es zu sein. Statt der „ewigen Flamme“ konnte der Stab nun wässrige Tentakel hervorbringen, deren Nutzen uns bis jetzt unbekannt blieb. Bedauerlicher Weise war dieser Effekt am nächsten Tag verschwunden. Die Frage, ob dies normal ist, vom Kampf herrührte oder vom Magiegebrauch konnte nicht geklärt werden.
An diesem Punkt enden meine Ausführungen. Ich hoffe ihnen in ihren Forschungen weitergeholfen haben und erbitte ein persönliches Treffen sobald ich wieder einmal an der Hohen Schule weile. Eine etwaige Antwort senden sie bitte an den Königlichen Palast zu Havena.
Ihr ergebener Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Absolvent der Tsa-Schule zur Universität zu Methumis, Edler des Albernischen Königshofes