
Seid gegrüßt Mutter,
leider erst heute merke ich, dass zu viele Tage vergangen sind, seid dem ihr das letzte Mal von mir hörtet. Wobei ich nicht weiß, wie viel ihr über mich durch andere Quellen erfahren habt, allen voran durch Onkel Thernonlli. Die Worte die gesprochen wurden bei unserer letzten Zusammenkunft, sie schmerzen noch immer, doch heute, da schmerzt es mich mehr, dass ich euch, geliebte Mutter, mit strafte durch mein langes Schweigen. Ich weiß, dass das Leben, das zu führen ich mich entschloss, meinem Vater nie wirklich zusagte und dass vorallem nach dem Tod seines geliebten Sohnes, meinem Bruder, er mich gerne als Soldaten sähe, aber der bin ich nicht. Oder vielleicht doch? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr erfahren haben werdet, dass ich vor einiger Zeit Havena gen Firun verlassen habe. Seid ich Albernia verließ, kreuzte vieles meinen Weg. Einige Menschen lernte ich sehr zu schätzen, andere weniger. Und ich vermute, ich hoffe gar, wenn mein Vater wüsste, wie viel Blut an meinen Händen klebt und wie vielen Menschen, Freunden, ich das Leben rettete und auch, wie oft ich mich schon in Boron’s Hallen wähnte, er würde anders über mich denken. Doch all das, das nicht in einen einfachen Brief passt, ist nicht der Grund für diesen.
Ich habe vor zwei Tagen einen Menschen verloren, den ich geliebt hatte wie zuvor noch niemanden. Orestas war sein Name und er war oberflächlich gesehen mein Leibmagier, doch schon bei unserem ersten Zusammentreffen im herrschaftlichen Hause des Admirals Sanin spürten wir beide Rahjas Atem in unseren Herzen. Er ist nicht mehr bei mir, gestern ließen wir ihn sich an den Tisch der Großen Mutter sich setzen. Doch nicht nur einmal, nein gleich zweimal straften mich die Götter mit seinem Tod, die genauen Umstände erspare ich dir. Doch wichtig scheint mir für dein Wissen, dass ich bei seinem ersten Tod bereit war mein Leben für das seine zu geben – erfolglos, wie du siehst.
Desweiteren möchte ich dich, und auch die Familie, darüber in Kenntnis setzen, dass ich für mich den Traviabund eingegangen bin – einer der beiden guldenen Ringe steckt an meinem Finger, der zweite in seinem Grab. Nein, kein Priester segnete diesen Bund und auch mein Gatte – gewöhn dich bitte an diese Formulierung – wusste vor seinem Tod nichts von seinem Glück, denn die Ringe fand ich in seinem Nachlass. Mir ist bewusst, dass ihr den Bund nicht akzeptieren werdet. Dies müsst ihr auch nicht.
Ich weiß nicht, wann und ob wir uns wiedersehen werden Mutter. Zu viele Möglichkeiten gingen mir in den letzten zwei Tagen durch den Kopf. Ich weiß noch nicht, ob ich weitermache wie bisher, ob ich versuche in einem Tempel der Jungen Göttin die Weihe zu erlangen, ob ich zurück nach Methumis gehe oder ewig durch die Wildnis streifen möchte, sollte ich mich entscheiden, ich werde euch informieren.
Bis dahin gehabt euch wohl geliebte Mutter.
Bermhoin
Noch nicht abgesendet – voraussichtlich aus Winhall | geschrieben am 11. Firun 1029 BF auf Reisen in Nostria | Empfänger: Aedha Ni Llud Ui Niamad | Empfangsort: Burg Abagund/Albernia | Entfernung: ca. ??? Meilen | Versandart: ??? | Geschätzte Sendedauer: ca. ??? Tage | Geschätztes Empfangdatum: ??? 1029 BF
Sehr schön geschrieben!
Da du es als „Briefwechsel“ deklariert hast, erwartest du bestimmt eine Antwort. Wir müssen dann noch über die „Gesinnung“ von Bermhoins Mutter sprechen damit ich adequat antworten kann.
Ein bisschen was über die Stimmung zwischen Bermhoin und seinen Eltern hab ich ja schon geschrieben, aber vor einer Antwort sollten wir wirklich noch etwas darüber sprechen… Noch ist ja nichtmal klar, ob er überhaupt dazu kommt den Brief abzuschicken…