Es ist ein wunderschöner Tag, die Sonne scheint über Hochstieg, die Singvögel zwitschern vergnügt in den Bäumen und Büschen, die den Weg zwischen dem Kloster und der Burg säumen, welchen Traviahold beschreitet. Er fühlt den inneren Frieden, wie jeden Tag, nachdem er mit den zahlreichen Pilgern die Frühstücks-Andacht abgehalten hat. Die Bewohner Hochstiegs grüßen ihn freundlich, als er an ihnen vorüber geht, und ebenso freundlich grüßt er zurück. Er durchquert die wachsende Stadt, betritt die ordensbannerwehende Burg und steigt die Treppen hinauf. Er betritt das Arbeitszimmer des Vogtes und wie jeden Morgen öffnet er die Fenster und schließt kurz die Augen. Das Licht, das seine Lider durchdringt wird schwächer und schwächer. Seltsame Geräusche dringen an sein Ohr. Ein Blick hinaus lässt eine große dunkle Wolke erkennen, die sich schnell auf den Burgfried zubewegt. Langsam geht Traviahold Schritt für Schritt vom Fenster rückwärst, die Wolke hält direkt auf ihn zu. Mit einem ohrenbetäubenden Schlagen, Krachen, Splittern und Zerbersten bricht die Wolke Raben in das Zimmer hinein. Krächzend umkreisen sie ihn, winzige Schriftrollen an ihre Füße gebunden. Der Wirbel hunderter Raben wird enger um Traviahold, wie durch unsichtbare Hand geführt beginnt er sich mit zudrehen, das Krächzen wird lauter: „Abt!“ „Herold!“ „Vogt!“ „Bruder!“ und vieles unverständliches mehr hört er die Raben ihn anschreien, den Abstand zu ihm immer weiter verkürzend, bis die ersten Flügelspitzen ihn berühren. Als er völlig von den Raben – nun mit aufstrebend erhobenen Flügeln – umgeben ist verliert er den Boden unter den Füßen. Er will gegen die Raben anschreien, doch seine Worte vergehen im Wind, als er hoch über die Burg gehoben wird. Sein Blick schweift über Hochstieg, über das Land, die Wälder, die Berge, die Raben schreien weiter auf ihn ein. Er bekommt Angst, spürt Panik in sich aufsteigen, er schließt die Augen, legt die Hände auf die Ohren, doch die Bilder verschwinden nicht, die Schreie hören nicht auf. Immer höher tragen ihn die Raben, als er weit über die Trollzacken hinweg sehen kann, die ganze Welt färbt sich schwarz, als sich plötzlich aus dem Land ein riesiger Geier erhebt und auf ihn zu fliegt – die Raben schreien ein letztes Mal, stoben auseinander und Traviahold fällt…
Schweißgebadet wacht er auf, die Augen weit aufgerissen. Um ihn herum alles nächtlich dunkel. Neben sich hört er das gleichmäßige Atmen von Darpathia. Auch sein Atem beruhigt sich langsam wieder. „Mir wird das alles langsam zu viel„, denkt er sich. „Ich muss mich auf das besinnen, was ich bin, was ich sein will. Ein Diener der Herrin Travia, ein Freund der hiesigen Menschen, ein guter Ehemann. Nicht mehr!“ Er legt sich wieder zurück, ängstlich wieder in Bishdariels Reich einzutauchen, doch irgendwann überkommt ihn Borons Segen.