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Was Geschah

Ich sollte meine Gedanken sammeln, zumindest wäre das irgendwann einmal gut nehme ich an.

Nun da die Forschung akzeptable Ergebnisse erreicht (oder kurz davor ist, theoretisch ist die Thesis ja schon erstellt), kann ich mich kurz dem hier widmen, was geschah:

Von Punin aus ging es, wie geplant weiter nach Gareth. Ich wäre gerne in der Arcomagica Scholaque Puniensis geblieben um weiter an dem Vortexhandschuh und den entsprechenden Vorbereitungen zu arbeiten, naja ich dachte in Gareth hätte ich dazu auch noch Zeit und dann kammen ein paar Sachen dazwischen.

Okay es ein paar Sachen zu nennen, ist vermutlich auch für mich eine leichte Untertreibung.

In Gareth kümmerte ich mich erst einmal um eine Unterkunft für uns, dazu war die Stadtbürgerschaft notwendig, die wievielte ist dies nun?

(Khunchom, Punin, Donnerbach zählt vermutlich nicht, für Lowangen, Andergast und Thorwal kann ich mich auch nicht an einen relevanten bürokratischen Akt dahingehend erinnern – die Traviakirche und andere relevante interessensgruppen waren da durchaus hilfreich)

Über Janes Verbindungen zu einem Händler namens Storrebrandt, irgendwo habe ich den Namen schon einmal gehört, vielleicht von Tulachim er erzählte ja ab und zu mal von anderen Händlern, wurde dann auch erst einmal der finanzielle teil gedeckt (wieder etwas das über Zeit abgearbeitet werden muss, aber glücklicherweise gibt es ja die Laboratorien, die Geschäfte mit Tulachim, die Einnahmen Khorestans, der Handel [generell – eventuell sollte ich mit Bienenwachs handeln, das ist wohl leidlich erträglich, ich kann mir zwar nicht vorstellen warum, aber Bienenwachs war auch nie von gesonderten interesse für mich], die Schule, das Hospiz, die Post – was halt so anfällt), wenig relevante Kleinigkeiten.

Ich fand auch schnell eine Unterkunft in erstaunlich guter Lage, welche recht preiswert war, irgendwelche Geschichten davon das es dort Spukt oder so, also sollte ich mir das ganze mal arkan ansehen.

Das Turnier, war halt ein Turnier – abgesehen von den paar unerwarteten Ereignissen,

  • wie dem entwenden von Finsterfang (einem zwergischen Geschenk an den damaligen Reichsbehüter Brin),
  • dem Gurgulum,
  • Onkel Dschelefs zusammentreffen mit Bannstrahlern,
  • dem Greif (welcher ein Greif war/ist, ich muss zugeben etwas neidisch bin ich auf Azinas zweite Sicht schon, da studiere ich Jahre lang Canti der arkanen Analyse und Sie kann sich das einfach so [verhältnismäßig betrachtet] ansehen, es scheint auch keine impensation notwendig zu sein und dann kommt noch hinzu, das es ihr möglich ist Dinge wahrzunehmen, welche sich bislang meinen Möglichkeiten entziehen [gut die vis vortex ist mittlerweile recht einfach wahrzunehmen] – würde Sie sich doch nur Sachen desöfteren ansehen),

    gab es in der Zeit für mich auch nicht viel zu tun, da es dem Turnier an arkanen disziplinen fehlte, also wettete ich etwas, zum schluss hin wurde es dezent absurd, dadurch das meine Freunde praktisch alle Disziplinen gewonnen hatten oder nur sich selbst [also anderen Freunden unterlagen], Ende des ganzen war, das aus irgendeinem grund niemand hier neue Wetten mit mir abschließen will und das ich etwas Siedlungsgrund gewinnen konnte, ich denke ich werde die mich begleitenden Travia Geweihten bitten, sich um die Angelegenheit mit dem Dorf vorerst zu kümmern, (basierend auf den verschiedenen Prophezeiungen und anderen Berichten, dürfte das etwas sicherer sein, als sich in meiner Umgebung aufzuhalten, dachte ich mir und war auch korrekt).

Zwischen durch holte ich irgendwann, die bei Collegus Syronius die für Bothor in auftrag gegebenen Thaumatursome ab, wenn mehr Zeit dagewesen wäre, hätte ich mich auch darum kümmern können, aber diese war halt nicht gegeben, gut das ich ihn schon frühzeitig informiert hatte.

Sieghelm wurde zum Ritter geschlagen

(was verständlicherweise etwas wie ein wunder Punkt für ihn bislang war, vermutlich ähnlich zu dem Adeptus [füllte sich irgendwie immer seltsam an, nun ist es Magus oder Magister {wobei ich nicht verstehe warum Magister – sicher die fachliche Kompetenz ist unumstritten da, nur eine akademische Festanstellung ist etwas unwahrscheinlich für mich} was sich etwas besser anfühlt, vermutlich habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, wenigstens ist es nicht mehr Adeptus, das weitere neun Götterlöufe zu ertragen wäre eine Herausforderung gewesen] für mich, freut mich also für ihn),

wir waren bei dem Bankett, vorher noch in einer der Thermen hier, was ich primär eingehüllt in ein Badetuch verwickelt erlebte, Jane wurde Gunstbandträgerin des zwergischen Hochkönigs Albrax (welcher wollte das ich mit ihm ein Wettdrinken veranstalte, was vermutlich recht einseitig sein wird, aber wenn es ihm eine freude bereitet), Bothors Kampf gegen Rohaja, die Sache mit dem schwarzen Ritter [und dem daranhängenden Gurgulum – wirklich seltsam, was da herumdisktutiert wude, nachdem diese Offensichtlichkeit bekannt wurde, wenigstens Reichsgroßgeheimrat Dexter Nemrod war vernünftig und ich konnte den Dämon zurück schicken], Reichsbehüterin Emers Alpträume, den Informationen der K.G.I.A. Und dem sich daraus ergebenden befristeten aushelfen dieser

(ich hätte nicht gedacht das ich einmal Inquisitor sein würde, Delia hätte sich über den Sachverhalt entweder köstlich amüsiert oder ungläubig geschockt darauf reagiert, vor allem, wenn Sie selbst zur Inquisitorin ernant worden wäre, was vermutlich geschehen wäre, wäre Sie dort gewesen), vereinzelte Besprechungen erfolgten, schlussendlich gingen wir jedoch wieder auf Reise (womit meine Vorbereitungen für den Vortrag auf dem Konvent unterbrochen waren, gut der Vortrag selbst war schon seit erreichen Gareths fertig, sollte also nicht so schlimm sein, vermutlich sind wir vor dem Konvent wieder in Gareth, dachte ich mir), dank Onkel Dschelefs Unterstützung ging dies auch recht rasch.

Oh und dann, war noch ein hilfreiches Buch von Dexter – welches für Khorestan von Vorteil sein sollte (was eine Person alles zu lernen hat, naja es heißt ja „ziehe aus um dein Wissen zu mehren“, ich denke das funktioniert einigermaßen – zumal Lesen ja auch nicht solange dauert, danach kann ich die Werke ja meistens sowieso ins Regal zurückstellen) und die Gespräche mit Sarthassa, die Angelegenheit mit der NLP Niederlassung ist momentan irgendwo octtär oder so, also „später“.

Nachfolgende Ereignisse waren auch wieder gemischt, zugegebenermaßen die Sache mit den Incognito namen war etwas amüsant „Alam Bey“ (zutreffende und dennoch praktisch nichts sagende Beschreibung, wenn auch sich etwas seltsam anfühlend, im Rückblick), ich lernte eine weitere Tochter Satuarias kennen (ich begegne erstaunlich vielen Töchtern Satuarias, warum wohl), eine Untersuchung eines Klosters, etwas experiementieren, ein verrückter Greif (ich wusste vorher nicht, das diese dazu neigen zu explodieren – ich riet Azina einige der Federn und so an sich zu nehmen, arkan inhibierende elemente sollten vorteilhaft sein bei den ganzen vorkommnissen, was noch achja die Kisten gen Gareth mit den Greifenüberresten, die können dort besser versorgt werden als hier), eine Burg, dessen Burgherr sich als Paktierer (ich sollte vermutlich mehr Leute arkan analysieren in Zukunft, einfach um sicher zu gehen), rückblickend hat Sieghelm erstaunlich schnell reagiert, was die Sache mit dem Paktierer ziemlich kurz gehalten hat, was zu unserem Vorteil war (erfreulich das meiner expertise nun deutlicher vertraut wird als damals in Hammerschlag), denke ich, die verzauberte/unter den Willen gezwungene Sphinx (bin ich froh, das Serania nicht gestorben ist, das hätte sie nachdem, was ihr angetan wurde nicht verdient, gut das sie sich jetzt ersteinmal in Khorestan ausruhen kann) und einem alten Puniner Archomagus (einem sehr alten Puniner Archomagus – wir können glücklich sein, das sein Herz [oder Geist/Verstand?] nicht wirklich an der Sache zu hängen schien, denn wäre dem so gewesen, ich bin mir recht sicher das ich es noch nicht mit einem Meister der arkanen Kunst aus meiner Akademie aufnehmen kann, welcher mehr als tausend Götterläufe Erfahrung gegenüber mir hat [nur eine Vermutung, aber Puniner Archomagi sind in der Regel recht beeindruckend – es leben immerhin mindestens drei Puniner Archomagi, keine andere Akademie hat so viele lebende Archomagi oder selbst zur gleichen Zeit agierenden Archomagi und es sind auch mehr Archomagi als die Bruderschaft des Wissens insgesamt hat], das Ritual konnte dementsprechend gestört werden und der vorher schon erwähnte Greif (welcher wie erwähnt ein Greif war/ist) konnte gerettet werden.

Danach ging es mit Seranias Unterstützung nach Wehrheim (Sieghelm kümmerte sich noch um die Sicherung der Burg, was vermutlich auch keine schlechte Idee war, die Burg ist vermutlich sicherer [war definitiv sicherer] als das nächste Schlachtfeld), unterwegs lernte ich noch ein Ritual um einen Limbus zugang zu erschaffen (benötige ich dafür einen Dispens, eigentlich ist ja nur der Planastrale „verboten“?), in Wehrheim gab es dann noch einige denkwürdige Ereignisse.

Mit Travias hilfe konnte ich Wehrheim etwas schützen (aber wenn ich an das Ausmaß des Magnum Opus denke, zweifle ich daran, wie viel das geholfen hat – unbedingt bei nächster sich bietender Gelegenheit nachforschen), die Schlacht selbst war, ich bin mir nicht sicher, jemand der sich mehr mit dieser Thematik auskennt kann darüber genauer schreiben, also belasse ich es dabei,

das meine Freunde beeindruckend waren,

Sieghelm stritt gegen den König der Untoten (Amagomer, dessen Krone als Phylacterion fungierte), vier untote Oger wurden in bruchteilen, zu äh bruchteilen durch Bother, Azina, Jane und Sieghelm, Tsatan der junge Begleiter von Bothor konnte Rhazzazor vertreiben mit einem artefakt des Boron, während ich lediglich das Plagenknäuel untersuchte, während es von einer Prozession Geweihter (da ich etwas abgelenkt war mit meiner Analyse – so irgendetwas um 8 Rondra, 1 Efferd, 2 Peraine, 4 Hesinde, und 6 Praiosgeweihte, sowie ein Erzmagister und ihre Magnifizienz Racalla von Horsen-Rabenmund und ein paar weitere, 2 Boron und 2 Travia Geweihte, wenn ich das aus den Augenwinkeln richtig mitbekommen habe, schon ein beachtliches Aufgebot aber Rahastes, ist Rahastes) zu einem für den Exorzismus geeingeten Ort gebracht wurde um diesen in einen großen Ritus durchzuführen (Azina, hatte ja dankenswerter weise bestätigen können um welche heptasphärische Entität es sich handelte – was mir auch einen Anhaltspunkt auf den wahren Namen dieser Entität bei der laufenden Vorbereitung gab, denke ich), eventuell war ich etwas tollkühn und voreillig (definitiv tollkühn rückblickend – ich sollte die Exorziven Canti tiefgehender studieren, denke ich, da diese ja nicht in meine Expertise fallen [theoretisch]), aber nachdem ich auf diese art und weise den wahren namen eruiert hatte, bannte ich Rahastes (das mitgeführte Pentagramm auf meinen Mantel erwies sich dabei wieder als hilfreich – okay das bannen war eine Herausforderung, was allerdings zu erwarten war, sind Exorzismen doch nicht mein Feld, aber den Göttern, Los und dem Schicksal sei dank gelang es mir Rahastes zu bannen, während die Geweihten noch dabei waren sich vorzubereiten – ich werde mir vermutlich einiges deswegen anhören müssen, wenn ich wieder im Diesseits bin),

mit bannen Rahastes brach die Welt über uns ein (nicht ganz, ein Widharcalisches Magnum Opus, welches die konzentrierten Mächte der vier Unelemente die unter der Herrschaft dieses Erzdämonen standen, wurde ausgeführt – Zeit für eine genaue Untersuchung dessen, hatte ich leider nicht), anschließend flogen Gargyle über das Feld und entführten Leute, wie sich später herausstellte um diese als Kraftspeicher einmaliger Verwendung, basierend auf ihrem Sikaryan zu nutzen, da muss es doch eine bessere Lösung für geben.

Wir gelangten mit der Unterstützung des guten, alten Leonarda in den Thronsaal Kolak-Kais, hier befanden sich Gaius Cordovan Galotta und viel wichtiger unsere Freunde Delia und Kalkarib.

Über das Ende Gaius Cordovan Galottas bin ich nicht ganz froh, also schon das es ein Ende gab, aber nicht das wie – aber auch in diesem Fall wäre ein Magierduell, nach den Ereignissen des Tages (und vermutlich auch ohne diese – einen Tiefen Paktierer des Tyakra’man und träger des Splitters Widharcals, welcher dazu noch die magica controllaria meisterlich beherscht, wenn nicht besser – das wäre nicht einfach gewesen, mit genügend Vorbereitung eventuell machbar) keine weise Entscheidung gewesen, ich nehme an streng genommen, habe ich gegen die Gebote der Gastfreundschaft verstoßen, darüber lässt sich aber auch streiten (dennoch fühlt es sich nicht gut an), wie dem auch sei – ich trank Tee mit Galotta, das ich dabei die gleiche Komponente des Zwei-Komponenten Giftes getrunken habe, war eine bewusste Entscheidung, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, das es für meine Freunde hilfreich/notwendig sein sollte.

Ich hätte gerne Galottas Zauberstab mitgenommen um diesen zu untersuchen (und weil dies, vermutlich Ritualgegenstand nummer drei gewesen wäre, welches mir vorenthalten würde, würde ich danach fragen dieses zu nutzen), rankten sich doch einige Gerüchte um diesen, aber der Splitter war relevanter und da ich den gefestigsten Geist gegenüber arkanen Einflüssen habe [und aufgrund der Erschöpfung meiner vis arcana keine erhöhte Bedrohung für meine Freunde darstellte] hatte ich diesen kurzfristig an mich genommen um ihn aus Kolak-Kai zu transportieren, aufgrund der Konzentration auf den Splitter bekam ich nicht allzu viel mit, von dem was um mich geschah, irgendwann sind wir irgendwo angekommen, war auch nicht so wichtig.

Viel relevanter war die Verwahrung des Splitters, an dem ich mit Leonardo begann zu arbeiten, was die anderen in der Zwischenzeit getan haben, entzieht sich meinem Kenntnisstand, hoffentlich konnten sich die Guten etwas ausruhen und erholen, nach all dem was vorgefallen war, ich war anscheinend kein Inquisitor mehr, vielleicht auch besser so, Dexter nahm den Ring zurück (und wie erwähnt wichtigeres zu tun – was zumindest dieses mal auch nicht in frage gestellt wurde).

Zuerst erfolgte eine genaue (so genau, wie es möglich war, in einem für mich vernünftigen Rahmen unter dem Zeitdruck) arkane Analyse des Splitters um die entsprechenden Randparameter herauszufinden um eine Möglichkeit der Verwahrung zu erschaffen (die Analyse des rohalschen Gefässes damals, wäre hier bestimmt hilfreich gewesen, wurde mir ja aber verwehrt).

Irgendwann, erfuhr ich das mein Großvater entführt wurde, rückblickend reagierte ich (ich will nicht schreiben überreagierte ich, es handelt sich schließlich um Familie) voreillig (der Splitter mag da seinen Einfluss gehabt haben, was hatte Leonardo gemeint, „er ist nicht gut für die Seele“) und wirkte den Transversalis cantus um diesen Sachverhalt sofort aufzuklären und meinen Großvater zu retten (das ich ohne meinen Stab aufgebrochen bin, spricht definitiv dafür, das ich nicht ganz klar gedacht habe), nur das aufgrund der Geschehnisse um Gareth, etwas gänzlich anderes geschah als ich erwartet hätte.

Ich landete im Limbus und musste mich schleunigst (auf die Problematiken von Raum und Zeit für die Astralebene, gehe ich aus gründen der einfachen Verständlichkeit hier nicht näher ein) mit meinem Willen fortbewegen, während ich den Auarcania Deleatur wirkte um meine Präsenz zu verhehlen und anschließen den Gardianum um mich zu schützen, erst im Anschluss hatte ich die Möglichkeit einen Oculus Astralis cantus zu wirken und mich zu orientieren (ich sollte daran arbeiten, mehrere Canti besser zu synergieren – später, wenn die Zeit dafür da ist), ich befand mich abseits der Kraftlinien die durch Gareth flossen (und auch anderer mir bekannter Kraftlinien), so das ich etwas herumirrte, irgendwann wurde ich von Menacoriten gefunden (das wie, überlasse ich diesen).

Und diesmal halfen sie auch, gut ich habe ihnen meine expertise zur Verfügung gestellt, da ebensolche in den Bereichen der theoretica gesucht waren um an der Forschung eines Cantus zur Versiegelung limbologischer Effekte zu helfen, der gute Magister Ambareth, hat da wohl vermittelnd eingegriffen.

Oh, ich hatte erwähnt das es drei lebende Puniner Erzmagier gibt, ich traf einen weiteren Taphîrel ar’Ralahan (rekonstrukteur des Auge des Limbus cantus), mit beiden zusammen fiel die Vermittlung und der Wissensaustausch auch weitaus einfacher, selbstredend habe ich im Zuge der Forschung und nebenbei einiges über die magica Limbologica gelernt (es wäre schwer und albern gewesen, dies nicht zu tun).

„Irgendwann erfuhr ich das mein Zauberstab zerstört sei, seltsamerweise hinterließ dies nicht viel von einem Eindruck bei mir, vermutlich aufgrund der Situation, dies erfuhr ich von einigen neuen Freunden über meine anderen Freunde, im Zusamenhang mit der Übergabe etwas hilfreichen, an dem ich ebenfalls gearbeitet hatte (die weitere Vertiefung in Thaumatursome, erschien mir hilfreich als Nebenprodukt der Matrizenforschung, beschäftigt sich diese doch eindrucksvoll mit der tieferen Einbindung in Objekte und bietet somit einen guten praktischen Anteil für die Forschung da die entsprechenden protomatrizen einfacher zu erhalten sind auf diesen Weg)“

Was nun? Eigentlich sollte ich an dem Cantus weiterforschen, aber wie erwähnt es liegen akzeptable Ereignisse vor und ich habe ebenfalls Verantwortungen an anderer Stelle, das ich „so lange“ hiergeblieben bin, ist der Tatsache der Wichtigkeit dieses Cantus geschuldet (neben den Sphärenstabilisierenden Aspekt, der sich ergeben sollte – ist der Cantus auch ein guter Ausgangspunkt für das weitere vorgehen gegen den Vortex, naheliegenderweise).

Und zugegebermaßen die Astralebene ist unangenehm, die Kälte die ich in meinen Knochen spüre, das zehren an meinen Corpus, das ständige Rauschen, der mangel an verbalisierter sprache (hätte nicht gedacht, das mir dies mal fehlen würde), die Tatsache das sich kein vernünftiger Tee hier zubereiten lässt, geschweige den genießen lässt, die Trennung von meinen Freunden und den Kindern, für die ich die Verantwortung übernommen habe (gut da helfen die Travia Geweihten und auch andere Leute aus, dennoch – ich sollte mehr Zeit mit ihnen verbringen, da gebe ich ihnen schon eine Chance und schaffe es dennoch nicht für Sie dazu sein, ich hoffe das wird nicht der Fall sein, sollte ich irgendwann einmal eigene Kinder haben [ich vermute das wird erwartet, mit Travia und natürlich auch von der Familie]), das ständige Gefühl des Fallens und so weiter darüberhinaus gibt es noch so viel anderes zu tun, zu viel wie mir manchmal scheint.

Und anscheinend muss ich mich um einen neuen Zauberstab kümmern, abgesehen davon das es ein relevanter Standesgegenstand ist – bin ich seltsamerweise ziemlich wenig fokussiert darauf, die Schale und Kugel wären von interesse, sind aber in nächster Zeit nicht sonderlich hilfreich, abgesehen von der Kugel eventuell, es wird unpraktisch sein, diese die ganze Zeit zu halten, vielleicht sollte ich die Kugel (okay zuerst benötige ich eine Kugel, das ist ein kleines wichtiges Detail, aber eine geeignete Kugel sollte zu bekommen sein) in den neuen Stab integrieren, einige Collegae tun dies ja auch, dann muss ich die Kugel wenigstens nicht die ganze Zeit tragen, wenn ich diese nutzen will.

Das meiste für einen passablen Stab sollte ich zuhause haben, wobei etwas besseres als ein passabler Stab natürlich nett wäre, nehme ich an (ob man mir glauben schenken mag, das ich ein Magus bin [klingt irgendwie seltsam, besser als Adeptus, aber irgendetwas daran – naja, wie auch immer] ohne Stab, das wäre definitiv noch so ein Punkt, wo der Stab als entsprechend notwendiges Standessymbol hilfreich wäre, nicht das mich jemand für einen Scharlatan oder so hält).

Wie es den anderen wohl geht?

Das letze was ich gehört habe war das diese auf einer Reise sind, vermutlich um sich zu erholen, gut für Sie, Rhazzazor wird ja einige Zeit benötigen um wieder aktiv handeln zu können, nachdem was vorgefallen ist, dementsprechend gut, wenn Sie die Zeit dafür nutzen.

Und wo ich nun nicht mehr vollends mit Forschung beschäftigt bin, fällt mir ein das ich wohl unter geistiger Umnachtung leide, Collegus Ambareth oder Magnifizienz ar’Ralahan hätten bestimmt Nachrichten weiterleiten können, wenn ich Sie darum gebeten hätte.

Irgendwie scheine ich etwas in meinem Kopf zu verschwinden, wenn ich mit einem Problem konfrontiert bin, ob das schon irgendjemanden aufgefallen ist.

Was wohl aus dem Konvent und dem Vortrag geworden ist, auch zu den Gesprächen mit den zahlreichen Collegae denen ich Depeschen geschrieben hatte ist es nicht gekommen, da hätte ich endlich mal ein paar meiner Forschungsergebnisse präsentieren können und mehr Aufmerksamkeit auf die vortex basierten umtriebe lenken können und dann so was, der nächste Konvent ist zu lange entfernt, also eventuell die Hesinde Dispute oder ähnliches, was nicht das gleiche ist, aber immerhin noch ein paar Collegae erreichen sollte.

Was noch, ach so Unterstützung für meine befreundeten Menacoriten, da sollte sich auch etwas einleiten lassen Elixiere dürften, von dem was ich mitbekommen habe hilfreich sein.

Brief von Delia an Janiha von Lindentreu

06. Ingerimm 1027 B.F.

Delia saß in ihrem Zimmer in Elenvina. Über dem kürzlich erhaltenen schwarzen Auge ruhte immer noch ihr Schal, in der Hoffnung das Auge abschirmen zu können. Die Hexe nahm sich Federkiel und Tinte und begann einene Brief aufzusetzten.

„!Persönlich! An Candidata Janiha von Lindentreu – Akademie der vereinten Künste von Schwert und Zauberstab – Kaiserlich Garethisches Lehrinstitut der angewandten kombattiven Magie, vom Schwert und Stabe zu Gareth, der Herrin Rondra und der Herrin Hesinde zum Wohlgefallen“ Gesiegelt mit dem Ring der Inquisiton der KGIA.

So den Empfänger hatte sie schon auf dem Einband des Briefes geschrieben, das war der einfache Teil. Während ihr Kater Nasir neben ihr schlief fuhr sich Delia durch ihr flammend rotes Haar. Es durfte nichts schief gehen. Sie war auf einer heiligen Mission im Namen der Liebe und der Herren Rahja unterwegs. Sie war fest entschlossen bei der Angebeteten von Voltan ein gutes Wort einzulegen. Dann leuchtete ein Feuer in ihren Augen auf und sie begann zu schreiben.

„Hesinde, Rondra und Rahja zum Große Candidata Janiha,

Ihr werdet mich nicht kennen, aber ich bin ein Mitglied des Schutzordens der Schöpfung, mit welchem Voltan derzeit auf Reisen ist. Vorab ihm geht es gut.

Ich möchte für Voltan Fürsprache halten. Voltan hat in der kurzen Zeit, in welcher er uns begleitet erstaunliches geleistet. Er zeigte außergewöhnlichen Mut, Disziplin, Ergeiz, Treue zu den Zwölfen und über seinen Stand als Candidatus hinaus gehendes magisches Wissen. Leider kann ich hier nicht genaueres schreiben, da ich nicht sicher bin, ob diese Nachricht abgefangen wird. Außerdem denke ich, dass Voltan Euch selbst gerne von seiner Reise mit uns berichten mag.

Das Voltan und Euch ein besonderes Band im Sinne der Herrin Rahja verbindet wurde mir schnell offenkundig. Als Dienerin der weißen Stute erfreut mich das sehr und selbstverständlich ist Euer Geheimnis (welches keines sein sollte) sicher. Ich finde es betrüblich, dass die Statuten der Akademie solche knopsende Liebe unterdrückt. Lasst mich versichern, dass Euer Herz sich den richtigen Mann ausgesucht hat. Er ist nicht nur gebildet, stark, magisch fähig und sieht darüberhinaus noch gut aus, sondern hat auch einen beachtlichen Stammbaum, derer von Spichbrecher. Ich selbst bin mit dieser Familie gut bekannt und nenne Reichsritter Sighelm Gilborn von Spichbrecher einen guten Freund. Ihr wäret sicherlich in der Familie sehr wilkommen.

Was die Kosten Eurer Ausbildung und die von Voltan betrifft, so denke ich, dass sich hier eine Einigung finden lässt. Ich würde Euch gerne unterstützen, damit Ihr nicht mit Schulden in Euer junges Leben geht.

Des Weitern ist es meine heilige Pflicht Euch mitzuteilen, dass von diesem Moment an Eure Liebe unter meinem persönlichen Schutz und damit unter dem Schutz des Schutzordens der Schöpfung steht.

Es würde mich sehr freuen von Euch zu lesen und Euch eines Tages persönlich kennenlernen zu dürfen. Spätestens wenn ich Voltan zu Euch zurückbringe.

Möge die weiße Stute und alle Zwölfe die schützenden Hände über Euch halten.

Hochachtungsvoll

Delia saba Isaria ban Rezzan al Cumrat
Auserwählte der Herrin Rahja
Schwanenhüterin zu Hochstieg
Ehefrau von Kalkarib al’Hashinnah ben Hilal bân Rezzan
Ordensgroßmeisterin des Schutzordens der Schöpfung
Inquisitorin der KGIA“

Mit zufriedenem Lächeln versiegelte Delia den Umschlag. Ihr grinsen wurde noch breiter, als sie sich erneut der absurden Situation bewusst wurde, dass sie als Hexe einen Brief mit dem Siegel eines Inquisitors der KGIA siegelte.

Überreaktion

Was war denn heute nur mit Candidatus Voltan los? Ich weiß ja, er ist unerfahren und lebte bisher – wie irgendwie alle angehen Magier – sehr abgeschottet in seiner eigenen (Gedanken-) Welt. Aber das, wie er sich heute aufgeführt hat, hat mich doch etwas erschreckt, muss ich gestehen. Dabei fing alles so vielversprechend an:

Er stellte sich gemeinsam mit mir den Dämonen der gefallenden Festung in Gareth. Dann half er bis zur eigenen Erschöpfung Jane bei der Wundversorgung von Schwerstverletzten. Beides kann den Geist eines Menschen schweren Schaden zuzufügen. Doch er hat es scheinbar gut überstanden.

Dann nahmen wir ihn mit zu unseren denkwürdigen Aufträgen, liehen ihn sogar für längere Zeit von der Akademie aus, obwohl seine Prüfungen zum Adepten anstehen. Er nächtigte mit mir in der Wildnis und ließ sich interessiert alles zeigen. Er zeigte einen starken willen und lernte rasch sich zwischen uns zurecht zu finden. Man konnte ihn bei seiner Entwicklung gut zuschauen. Einzig seinen stets vorhandenen Argwohn konnte er nicht ablegen. Das will ich ihm auch nicht zur Last legen.

Aber heute? Was ist denn in ihn gefahren, dass er so die Beherrschung verlor. Und das als angehender Weißmagier. Es war nicht so, als würden wir das offene Meer ohne rettendes Ufer befahren. Auch sank das Boot nicht so schnell, als dass es unser Leben ernsthaft in Gefahr bringen würde.

Und die Opferung der Ziege war lange vorher bekannt. Ich hatte tatsächlich mit einer rituellen Tötung gerechnet. Und dass sie nun plötzlich weg war … nun gut. Ich weiß, dass es viele Dinge auf und um Dere gibt, die wir Menschen nicht begreifen können. Diese können wir nur als Teile dieser Welt betrachten und respektieren. Seine Reaktion scheint mir indes unangebracht.

Aber vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag. Oder vielleicht sitzt seine Furcht sehr viel tiefer als ich ahne. Jeder hat irgendwo seinen Schmerz. …

Oder das Buch Nehazets hat ihn irgendwie beeinflusst. Ich werde ihn auf jeden Fall im Auge behalten. Es wird noch viel Schreckliches kommen, sollte er bei uns bleiben. Es ist gut, wenn sich Delia um ihn kümmert. Obgleich sie selbst viel Schreckliches anrichten kann, scheint ihr Herz grundsätzlich am rechten Fleck.

Ein paar gedankenlose Atemzüge später …

Bothors Aktion war allerdings beeindruckend. Nun ja. Bei längerem Nachdenken schwindet leider das Imposante daran. Wir ankerten am Ufer. Der Weg war nicht weit. Er stammt von einer Insel, umgeben von Meer. Und Entitäten existieren nun mal überall. Aber vielleicht lag es schlussendlich nur an der nackten Brust … und … und an der Überreaktion von Voltan.

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Azinas Gedanken

Brief nach Hause 21. Peraine 1027 n. BF

Ahlan aram,

Großes hat sich zugetragen. Vorweg möchte ich euch sagen, dass es meinen Gefährten und mir gut geht.

Ich warnte euch in meinem letzten Brief vor einer Gefahr aus Richtung Rahja. Die Schwarzen Lande entfesselten vor kurzem unvorstellbares Grauen. Sie boten massives Kriegsgerät, hartgesottene Söldner, wandelnde Leichen, Ghule, Untote Oger, blanke Skelette und noch vieles mehr auf, um das Mittelreich zu vernichten. Begleitet wurden sie von einer gigantischen schwarzen Wolke, um das unseelige Heer vor Praios‘ Blick zu verbergen. Wie ein langer dunkler Wurm wälzte sich das Heer zunächst geradewegs auf Wehrheim zu. Nichts hielt ihn auf. Gehöfte wurden überrannt und Boronsanger geplündert. Ja, geplündert. Die Frevler schändeten die Toden und ließen sie wieder auferstehen, um sie gegen uns ins Feld zu führen.

Wir befanden uns gerade nördlich jener Reichsstraße in der schwarzen Sichel, um die letzten Greifen zu retten. Eine Sphinx schickte uns durch den Limbus am Feind vorbei nach Wehrheim. Während der wahrhaft unbeschreiblichen Reise warf ich einen Blick aus dem Limbus heraus in das Innere der schwarzen Wolke. Ich weiß nicht wie genau, aber es scheint mir, als könne mein … unser Wille viel Bewegen. Aber was ich erblickte war grauenhaft. Und ER bemerkte meine Anwesenheit. Mir lief es kalt den Rücken herunter als er mir seinen Namen zuraunte. Er lautete … RAHASTES, der Plagende, der dem der Hunger folgt. In seiner Wolkenerscheinung verbarg er eine große Anzahl von Irrhalken, riesige Fledermäuse und den schwarzen Knochendrachen Razzazor mit seinem Drachengefolge. Mir schwanden beinahe die Sinne ob der Übermacht. Aber ich hielt dem Blick stand.

Als wir schließlich auftauchten fanden wir auf unserer Seite vor Wehrheim ein rasch ausgehobenes Heer des Mittelreiches aus mehrheitlich Fußtruppen und daher ohne Verteidigung gegen Angriffe aus der Luft, außer den Bogenschützen, zu denen ich mich gesellte. Zum Glück spielte unser Feind seinen übermächtigen Vorteil nicht aus, sodass wir dem Unheil standhalten konnten. Selbst der Knochendrache ließ sich dazu herab mitten unter uns zu landen, sodass wir ihn bekämpfen konnten. Dabei stellte ich fest, dass der Runenspeer Firuns dem dämonischen Feueratem des Razazor standzuhalten vermag. Es gelang seinen Atem abzulenken, als ich ihn in seinen Rachen warf. Leider ohne weiteren Erfolg. Statt uns traf der Strahl leider andere Teile der Armee. Bothors Begleiter Tsatan führte von uns unbemerkt letztlich ein mächtiges Artefakt, den Stab des Vergessens, mit sich und setzte ihn gegen Razazor ein. Daraufhin floh der schwarze Drache und ließ das Feindesheer zurück.

Am Ende schlugen wir am Boden tapfer das Heer des Feindes, während Nehazet Rahastes vor den verblüfften Blicken der Praiosdienerschar mal eben in seinen Umhang bannte. Als die Wolke schließlich dadurch verschwand, offenbarte sie eine schwarze fliegende Festung mit sieben Türmen. Sie glich einer unheilvollen Krone. Mit unserem Sieg auf dem Mythraelsfeld zwangen wir den Feind zu einer Reaktion. Er entfesselte seine wohl schrecklichste Kraft. Er verdarb die Elemente mit seinem Magnus Opus, wie Nehazet ihn nannte, ein gewaltiges Inferno, das unser restliches Heer fast vollständig vernichtete. Tosende Winde brachten die ersten als lebende Energiequelle in die Feste. So wohl auch die strahlende Rohaja, Königin des Mittelreiches, die seitdem verschollen ist. Mir half meine Eisrüstung als Gegenelement zur Luft, die ich mit meinem Willen über eine Gruppe Soldaten ausweiten konnte. Dem übrigen Übel konnte ich knapp ausweichen. Unsere übrigen Gefährten ließen sich von Gargoyle nach oben zur Festung tragen, um sie im Inneren zu bekämpfen. Doch ich widersetzte mich ihnen und erschlug gar einen von ihnen. Doch durch göttliche Fügung trug es sich, dasss der Greif und Herold des Mittelreiches Obaran sich bereit erklärte mich zur Festung zu tragen und Galotta gemeinsam zu bekämpfen.

So trug es sich zu, dass ich zum Erstaunen aller Anwesenden, einschließlich Feldmarschall Leomar vom Berg auf einen Greifen stieg. Gemeinsam flogen wir der Festung hinterher, die sich rasch Gareth näherte. Im Inneren der Festung kamen wir gerade noch rechtzeitig, um meinen tapferen Gefährten im Kampf gegen Galotta beizustehen. Schließlich gelang es Nehazet ihn mit einem Tee von Dexter zu vergiften, während wir seine schrecklichen Diener bekämpften. Mit seinem Tod stützte auch die Festung ab. Leider genau über der Stadt des Lichts. Während die anderen sich in einer Art Rettungskampsel in Sicherheit brachten, durfte ich noch einmal auf dem Greifen hinunter in die Stadt des Lichtes fliegen. Dort offenbarte sich uns das schreckliche Schicksal der Stadt Gareth: Ein dämonenverseuchtes Trümmerfeld.

Nun sind wir derweil dabei das unsägliche Leid der Menschen in Gareth zu lindern. Wir bergen und behandeln Verletzte und löschen dämonische Reste der zerstörten Feste aus, während wir für Dexter wichtige geheime Aufträge erfüllen.

Wir sind nun Ehrenbürger der Stadt Gareth. Ich sende euch den Bürgerbrief. Die Leute erkennen uns und unseren Orden. Janes Krankenstation hat vielen Menschen geholfen. Ich denke sie wird dauerhaft Bestand haben und ausgebaut werden. Die 200 Dukaten jeden Götterlauf habe ich ebenfalls zu euch senden lassen, wobei es möglich ist, dass die Geldvorräte Gareths sich zunächst erholen müssen. Den goldenen Orden von Kaiser-Rauls-Schwertern trage ich mit stolz.

Wir reisen nun nach Elenvina, um vor dem Reichskonkreß über die Schlacht vor Wehrheim auszusagen.

Magus Nehazet ist im Limbus verschwunden. Wir wissen noch nicht, wie wir ihn da herausholen sollen. Auch die gesamte Expertise der Stadt vermag dafür keine Lösung zu finden. Vielleicht schafft er auch das wieder allein und taucht dann irgendwo wieder auf. Ich gebe zu, ich mache mir nur wenig sorgen. Auch wenn ich mit meiner zweiten Sicht kurze Ausschnitte aus den parallelen Welten sehen konnte und sah, wie er an vielerlei Orten weilt. Bestimmt nutzt er seine Zeit gut. Ich habe gelernt, dass mein Wille vieles zu tun vermag. Wir müssen ihn stärken.

Das Land selbst ist im Aufruhr. Rohaja ist immernoch verschollen und Emer Ni beneien wurde von Razzazor entführt. Wir tun unser Bestes. Passt auf euch auf.

Dare azid

Eure reisende Azina

Teil I – Vorboten (2)

Perz – 15. Peraine, 35 nach Hal – Gegen Mittag
Ordensmeister
Sieghelm Gilborn
von Spichbrecher

„Ihr Bestien!“, knurrte der Reichsritter, als er einen beherzten Schritt nach vorne tat. Seine panzerfaustbewehrten Hände umschlossen bei jedem Schritt, den er tat, sein Schwert Custoris noch fester. Die Bestien – wie Sieghelm sie nannte – waren abscheuliche graugrünhäutige und krallenbewehrte Wesen des Namenlosen, auch bekannt unter der Bezeichnung Ghule. Überall dort, wo der Krieg vorübergezogen war und Elend und Tod hinterlassen hatte, und kein Boronpriester schnell genug die Leichen unter die Erde bringen und segnen konnte, war es wahrscheinlich, dass vom Geruch des Todes angelockt, Ghule Einkehr fanden, um sich am verrottenden Fleisch der jüngst Verstorbenen zu laben. Davor waren leider auch einstmalige göttliche Orte nicht gefeit. Der Tempel schien ohnehin entweiht, doch Sieghelm verlor keinen Gedanken daran, was wohl geschehen sein mag, dass dieser Boden nunmehr nicht mehr heilig war. Fünf Ghule drehten sich fauchend und gallespritzend zum Krieger um, der sie gerade bei einem Festmahl gestörte hatte. Auf dem ehemaligen Altar der Göttin Peraine lag ein Berg aus blutigen und zerfetzten Leichen, an denen sich die namenlosen Wesenheiten bereits mehr als gütig getan hatten. Mit blutbeleckten Mäulern und scharfen Krallen stürzten die Ghule allesamt auf Sieghelm zu.

Den ersten und schnellsten von Ihnen empfing Custoris‘ Schwäche, die letzten zehn Doppelfinger der gewellten Klinge schnitten quer über die Brust der hageren Gestalt und schleuderten sie gegen einen hölzernen Tisch an der Seite des Tempelschiffs. Die darauf stehenden Tonkrüge zerplatzten, als der Körper des Ghuls auf ihm aufschlug und zahlreiche Flüssigkeiten in alle Richtungen stoben. Sieghelms Hände nutzen den Schwung des Schwertes aus und ließen es in den Oberhau übergehen. Er brauchte nicht mehr vorwärts zu gehen, denn die Ghule kamen von ganz alleine auf ihn zu. Zwei von ihnen sprangen ihn mit gelblich glühenden Augen an. Der Reichsritter zog sein rechtes Bein über den Boden hinter sein linkes und brachte sich so aus der Sprungrichtung beider Ghule. Ruckartig zog Sieghelm dann Custoris herab und ließ die Klinge mit Wucht von der Stirn bis zum Unterkiefer des heranspringenden Ghuls fahren. Mit einem Knacken des Schädels erloschen die gelblichen Augen der Unwesenheit sofort, der zweite sprang dank Sieghelms Ausweichbewegung ins Leere. Der vierte Ghul, er hatte inzwischen einen dicken Bauch, da er sich an den Leichen auf dem Altar mehr als satt gefressen hatte, erreichte Sieghelms linke Seite. Seine Krallenhände Kratzten über seine Schulterplatte sowie den Unterarmplattierungen und verursachten dabei widerlich schrille Geräusche, als sie versuchten, sich an Sieghelm festzuhalten. „Rondra, führe meine Klinge!“, rief er im betenden Tonfall, als der fette Ghul versuchte seine blutbeleckten Zähne in eine empfindliche Stelle zwischen den Plattenteilen zu treiben. Sieghelm ließ mit seiner linken Hand den Griff des Schwerts los, so dass nur noch Daumen und Zeigefinger es umklammerten. Mit der Rechten packte er umso stärker zu. Auf diese Weise klappte die lange gewellte Klinge des Schwerts bis zu Sieghelms linken Oberarm herab. Nun drückte er Custoris, den Oberarm als Führung nutzend, über seinen Arm hinweg in Richtung des graugrünen Halses des Ghuls. „Sei’s in Licht wie in … DUNKELHEIT“, setzte er die Litanei fort. Das letzte Wort spie er förmlich aus, als er mit aller Kraft die gesamte Klinge, von der Schwäche bis zur Stärke durch den fleischlichen Hals des Ghuls zog und ihn dabei den Kopf vom Körper trennte, wie ein scharfes Messer, dass einen Kanten von einem Laib Brot schnitt. Der Kopf des namenlosen Wesens flog flutschend und Blut verspritzend quer durch den ehemaligen Altarraum und der Rest des Körpers fiel von Sieghelm herab. Doch es blieb ihm keine Zeit, der Ghul, der an ihm vorbei gesprungen war, hatte sich inzwischen neu positioniert und kam in geduckter Haltung auf ihn zu. Und dann war da noch ein weiterer, sich mehr als satt gefressener Ghul, der sich von der anderen Seite ebenfalls sprungbereit machte. Sieghelm war also von beiden Seiten flankiert und stand mit dem Rücken zu Wand. Die Reichweite seines Schwerts brachte ihm nun keinen Vorteil mehr, er war gezwungen mit den Ghulen in den Nahkampf zu gehen. „Rondra, führe meine Klinge.“ Begann er erneut den Refrain des Gebets, als er Custoris mit der linken Panzerfaust in die Fehlschärfe griff, um es als Halbschwert zu führen. Da hörte er plötzlich ein helles Bellen. Der tapfere Leutnant biss beherzt in den linken Fuß des fetten Ghuls und lenkte ihn damit entscheidend ab. Tapferer Pagol! Ich muss den Überraschungsmoment nutzen, dachte sich Sieghelm und wandte sich dem anderen Ghul zu. Dieser schlug, da er inzwischen recht nah war, erbarmungslos mit beiden Krallenhänden zu. Wieder kratzten die klingenartigen Fingernägel über verschiedene Plattenteile an Sieghelms Unter- und Oberarmen. Wäre er nicht so gut gerüstet, wären seine Arme nun hoffnungslos aufgeschlitzt gewesen. Mit der Schwäche von Custoris schlug er erst nach dem Ghul und setzte dann zu einem Stich an. Dem Schlag wich die unheilige Bestie gekonnt aus, doch den Stich hatte es den Göttern sei Dank nicht kommen sehen. Die Klinge fuhr tief durch die graugrüne Brust und trennte Muskeln und Knochen. Der Ghul war noch nicht besiegt. Erneut schlugen seine Krallenhände zu, doch die Schläge waren ungezielt und wirkungslos, da sie nur über Sieghelms Brust- und Schulterpanzer kratzten. Der Krieger nutze die Verletzung des Ghuls zu seinem Vorteil, erneut rezitierte er den Refrain „Sei’s in Licht wie in Dunkelheit“. Er griff das Schwert um und schlug kräftig mit dem schmalen Parier in das Gesicht des Ghuls. Die Parierstange bohrte sich dabei in das gelblich glühende Auge und versank flutschend darin. Der Ghul war sofort tot und Sieghelm musste den Leichnam der Kreatur von seinem Schwert schüttelt wie jemand, der Dreck von seinem Schwert schüttelt musste.

Erneut hörte er ein verbissenes Knurren, gefolgt von einem kurzem aufheulen. Der fette Ghule schlug nach Pagol! Die Krallen rutschten über dessen lederne Rüstung und schleuderten ihn gegen den Altar. Es schlug dumpf, als Pagol direkt vor dem Altar der Herrin liegen blieb. „PAGOL!“, rief Sieghelm mit der Sorge eines Vaters, der mit ansehen musste, wie sein Sohn von Fremden geschlagen wurde. Der Ghul war nun zwischen ihm und dem Leutnant, und erschien nicht minder furchterregend. „Das wirst du büßen, unheilige Kreatur!“ Sieghelm griff Custoris nun wieder mit beiden Händen und brachte die Spitze der Klinge zwischen sich und den Ghul.

Gepackt von Wut und Entschlossenheit, ließ Sieghelm eine Abfolge von kontrollierten Schlägen aus verschiedenen Richtungen auf den Ghul niederregnen. Er machte dabei zwei Schritte nach vorne, doch der Ghul wich jedem Hieb geschmeidig wie eine Natter aus. Nur einmal kratzte die Klinge etwas über seine Unterarm. „Leuengleiche, Ehrengleiche, …“, setzte Sieghelm dann das Gebet fort. Mit einem weiteren Schritt nach vorne, ließ er wieder mehrere Schläge auf den Ghul los, doch erneut wich er jedem aus. „ … donnernd Schutz und feste Wehr.“ Sieghelm setzte zu einer Finte an, anscheinend war diesem Ghul wohl nicht anders beizukommen. Er täuschte einen Schlag auf die linke Schulter an, drehte dann aber das Schwert so, dass der Hieb von rechts auf den Körper ging. Die Finte hatte der Ghul nicht kommen sehen und so verursachte Sieghelm einen langen Schnitt über den Bauch des Ghuls, der daraufhin sofort aufplatzte und nach Verwesung riechende, blutige Fleischklumpen quollen heraus. Sieghelm hatte den fetten Wamst getroffen, ihm wurde sofort klar, was dort aus der Kreatur heraus fiel, waren halb verdaute Körperteile der Dorfbewohner. Ihm stockte der Atem, und sofort wurde ihm speiübel. Da bekam er plötzlich einen heftigen Schlag von hinten auf den Kopf und den Rücken, als würde etwas auf ihn fallen. Sofort sah er Krallenhände, die versuchten, sich durch die Schlitze in seinem Helm einen Weg ins Innere zu bahnen. Einer der Ghule musste überlebt haben oder hatte sich versteckt, er hatte Sieghelm von hinten angesprungen und befand sich nun in einer für den Reichsritter sehr gefährlichen Position. Von Panik ergriffen schlug Sieghelm nach sich selbst, oder vielmehr, nach dem Wesen, das auf seinem Rücken kauerte. Er hörte das Fauchen des Ghuls und spürte den nassfauligen Atem in seinem Nacken, als es versuchte, zuzubeißen. Da er mit seinen Hieben der Kreatur nicht beikam und eine Krallen die Schlitze in seinem Held immer weiter öffneten, sprang er beherzt mit dem Rücken voran gegen die Steinwand des Tempels, in der Hoffnung, so den Ghul stark genug zu verletzten, um ihn von sich abzuschütteln.

Es schepperte lautstark, als Sieghelm samt des gesamtem Gewichts seiner Ketten- und Plattenrüstung gegen die Feldsteine sprang. Unter dem Quietschen und Scheppern der Metallteile waren auch knackende Knochen zu hören. Der Ghul fiel schlaff von Sieghelm herab. Der Reichsritter drehte sich sofort um die eigene Achse und trieb die Spitze seiner Klinge voran durch den Brustkorb des nunmehr toten Ghuls bis tief in die hölzernen Planken. Da hörte er das Surren eines Pfeils, welches nur knapp an seinem Kopf vorbeiging. Gefolgt von einem absterbenden Kreischen eines Ghuls. Dem Schrei folgend, blickte Sieghelm in Richtung Altar, wo ein Pfeil in dessen Kopf steckte, dem er zuvor den Wamst aufgeschlitzt hatte. Mit einem lauten ‚Platsch‘, ging damit auch der letzte Ghul tot zu Boden. Sofort fuhr Sieghelm wieder herum und sah zum Eingang des Tempels, wo eine Person stand, ein Bogenschütze. „Ich hatte alles unter Kontrolle“, rief Sieghelm, der anstatt dankenden Worte, eher einen Fluch darüber, dass er eines rondrianischen Kampfes beraubt wurde, auf den Lippen hatte, trotzig.

Teil I – Vorboten (2)

Teil I – Vorboten (1)

Perz – 15. Peraine, 34 nach Hal – Gegen Mittag
Ordensmeister
Sieghelm Gilborn
von Spichbrecher

Das Pferd, auf dem er ritt, schnaufte, denn Sieghelm hielt es schon seit Stunden dazu an, im zügigen Trab, ja fast schon Galopp, über die Reichsstraße zu eilen. Es schepperte bei jedem Schritt, den das Pferd tat, denn die eisernen Hufen wetzten gnadenlos über die seit Jahrzehnten abgeschmirgelten Steine. Immer wieder ritt er dabei an verzweifelt aussehenden Bauern, Händlern oder getürmten Soldaten vorbei, die ihm entgegen kamen. Frauen, Kinder, Familien, die den Magnum Opus des Weltenbrandes überlebt hatten oder die einfach nur nach dem Schrecken, der Wehrheim erfasst hatte, flohen. Immer wieder versuchte Sieghelm für einen kurzen Moment in ihre Gesichter zu blicken und herauszufinden, ob er eines dieser Gesichte erkannte. Doch weder kamen ihm die Wappen, noch die Gesichter der Leute bekannt vor. Also trieb er sein Pferd weiter an, wie er es schon gestern getan hatte. Inzwischen schmerzten ihm die Oberschenkel und sein Hintern und die Innenschenkel juckten, weil sie sich durch den harten Ritt wund gerieben hatten. Nicht nur für das Pferd war der zügige und lange Ritt über Pflastersteine eine Tortur, auch der Reiter wurde dabei einer harten Belastungsprobe ausgesetzt. Doch Sieghelm war entschlossen keine Zeit zu verlieren. Die Nachricht, dass das Regiment seines Vaters Parzalon im Schlachtengetümmel auf dem Mythraelsfeld abgedrängt und aufgerieben sein soll, konnte er nicht glauben. Es hieß, dass man gesehen habe, wie er vom Pferd gestürzt sein soll und dass er nach dem Magnum Opus nicht mehr gesehen wurde. Sieghelm Vater war ein erfahrener Heermeister. Er würde sich niemals in eine solch aussichtslose Situation bringen lassen, davon war Sieghelm überzeugt. Doch was, wenn ihm wirklich etwas zugestoßen war? Der Weltenbrand, der von der Festung Galottas ausging, war so gewaltig, verheerend und gleichwohl willkürlich, dass keine Erfahrung der Welt einem dabei geholfen hätte, sie zu überleben. Wenn Sieghelms Vater also von etwas überrascht werden konnte, dann von dem Weltenbrand, alles andere waren nur infame Behauptungen oder Falschmeldungen, da war er sich sicher. Auch wenn Sieghelm seit seiner Kindheit mit seinem Vater häufiger im Zwist als im Frieden war, so war er trotzdem sein Vater, und es war Sieghelms praios- und traviagefällige Pflicht, nach seinem Vater zu sehen, um sicher zu gehen, dass es ihm gut ging. Und wenn er Hilfe benötigte, würde er durch alle Sphären gehen, um ihm zu helfen.

„Brrrr!“, stieß Sieghelm zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Das Pferd wurde immer langsamer, bis es ganz anhielt. Sieghelm war jetzt nur noch zehn Meilen von Wehrheim entfernt. Das wusste er genau, denn der Ort, der vor ihm lag, hieß Perz und Sieghelm kannte die Strecke und Entfernung von Perz bis nach Wehrheim auswendig. Doch waren es keine Bauernhäuser, die Perz ankündigten, sondern bis auf die Grundmauern heruntergebrannte Reste einer einstmals schönen Siedlung auf der Reichstraße zwischen Wehrheim und Gareth. Aufgrund des hohen Aufkommens an Durchreisenden hatte die kleine Siedlung mehrere Gasthäuser und Tavernen gehabt. Erst vor kurzem hatte Sieghelm in einer dieser Schenken Halt gemacht. Er musste an die Schankmaid denken, die ihn den Abend bewirtet hatte. Wie war doch gleich ihr Name? Dara? Daria? Oder so ähnlich? Sieghelm hielt sein Pferd dazu an, vorsichtig weiter zu traben. Der Geruch von verbranntem Holz lag in der Luft, denn der Wind wehte die dichten schwarzen Rußwolken direkt zu ihm herüber. Perz lag zu weit außerhalb von Wehrheim, als das es vom Weltenbrannt zerstört werden konnte. Dies konnte nur das Werk von Söldnern oder versprengten untoten Truppen des endlosen Heerwurms sein. „Bei Rondra, Pagol. Perz hatte auch einen Peraine-Tempel!“, stieß Sieghelm schockiert aus, als seine Erinnerung an diesen Ort zurückkehrte. Seine Anrufung richtete sich an seinen Leutnant. Der Dachshund stand etwas schwankend auf seinem kleinen Pfoten auf dem Rücken des Pferdes in einer speziellen Tragevorrichtung, die Sieghelm improvisiert hatte, da er rasch aus Gareth aufbrechen musste. Der Ritter erinnerte sich daran, dass Perz einen Tempel der gebenden Göttin hatte. „Wir müssen nachsehen, ob jemand überlebt hat und unsere Hilfe braucht, Pagol“, entschied er mit entschlossener Stimme. Der braunrote Dachshund verstand sofort und ließ sich vorsichtig am Sattel des Pferdes herab. Kaum war er am Boden angekommen, flitzte er auch schon los. Sein kleines Halsband schepperte dabei über die Pflastersteine der Reichsstraße. Sieghelm hatte keine andere Wahl, er gab seinem Pferd wieder die Sporen, um mit dem vorschnellenden Leutnant mithalten zu können.

Als er und Pagol zwischen den verbrannten Bauernhäusern ankamen, wurde Ihnen schnell klar, dass dies das Werk von unzufriedenen Söldnern Galottas war, die sich wohl noch rechtzeitig davongestohlen hatten, um nicht selbst vom Weltenbrand erfasst zu werden. An dem Querbalken der Pforte des Gasthauses hatten diese ruchlosen Söldner den Wirt und seinen Knecht aufgeknüpft. Für sie kam jede Rettung zu spät. Wahrscheinlich hatten die Söldner alles gründlich geplündert und die Weiber des einstmals idyllischen Wegortes geschändet, bevor sie es in Brand gesteckt hatten. Auf Sieghelms Miene zeichnete sich eine tiefe Unzufriedenheit ab. Er wünschte sich hier gewesen zu sein, um diese Gräueltat verhindern zu können.

Mit bitterem Schwermut holte Sieghelm die Leichname der beiden Männer vom Querbalken herunter und legte sie ordentlich an den Zaun. Er beschloss sie später wie ein guter Gläubiger der Zwölfe beizusetzen, doch zuerst wollte er nach dem Perainetempel sehen. Nachdem er die Männer an den Zaun gelegt hatte, trafen sich seine und die Blicke Pagols. Er musste sofort daran denken, dass er eigentlich auf der Mission war, seinen Vater zu suchen. Doch konnte er auf der Reise dorthin nicht sich selbst und seine ritterlichen Schwüre vergessen. „Ich kann nicht anders, Pagol. Ich muss das tun“, sagte er im entschuldigenden Tonfall zu seinem Hund, dessen trauriger Blick und die herabhängenden Ohren ihn in seiner trübsinnigen Stimmung in keinster Weise aufmunterten. „Ich werde mich später um die Zwei kümmern. Komm, lass uns nach dem Tempel sehen.“ Mit schweren Schritten ging er zusammen mit Pagol an verbrannten, einstmals mit Leben gefüllten Häusern vorbei. Sein Gesicht war rußig, denn der schwarze Rauch fing sich in dem Schweiß auf seinem Gesicht und legte sich über seine Haut wie eine zweite, schmierige Schicht, die ihn nicht vergessen ließ, was hier fürchterliches geschehen war. Der Tempel der Göttin der Saat befand sich zwischen zwei Feldern und war größtenteils aus Stein gebaut. Nur der Turm, von dem man über die Felder blicken konnte, war aus Holz errichtet worden. Als Sieghelm quer über das Feld lief, entschuldigte er sich bei Peraine dafür, doch es gab keine Bauern mehr, die dieses Feld bewirtschafteten. Schon von weitem sah er, dass der hölzerne Turm des Tempels nicht mehr stand. Er war bis zum Boden niedergebrannt und schwarzer Rauch quoll aus den Überresten hervor. Der aus Stein gebaute Teil schien jedoch noch erhalten zu sein, was dem Reichsritter ein wenig Hoffnung gab. Als die beiden die eingeschlagene Eingangstür erreichten, tat Pagol das, was ein guter Wachhund tat, wenn er eine Bedrohung witterte: Er knurrte. Sieghelm verlor keinen weiteren Gedanken und reagierte sofort auf das Warnsignal seines treuen Weggefährten. Mit einem langen *Ziiing*, surrte sein göttlicher Anderthalbhänder aus der Rückenscheide. Mit einem kräftigen Tritt ließ Sieghelm die ohnehin eingeschlagene Tür des Tempels aus den Angeln fliegen. Fast zeitgleich schnellten Pagol und Sieghelm kampfbereit durch den nun türlosen Rahmen und was sie sahen, ließ beiden einen kalten Schauder den Rücken hinunterfahren.

Teil I – Vorboten (1)

Teil XI – Leben und Tod (3)

Marschall
Gneisor Geldwin
von Ochsenstolz

Auf dem Dach des Burgfrieds

Aus Vidkuns rechter Hand wuchs ein langes blankes Schwert und er konzentrierte sich darauf, wieder eine einzelne äußere Form anzunehmen. Die brodelnde und schwefelnde Stelle an seiner linken Schulter würde er dennoch nicht verstecken können. Die Gestalt wurde jünger und schlanker, er war nun Anfang 20 Götterläufe jung, trug einen dunkelblauen Gambeson und eine einfache Lederrüstung. Er hatte blondes Haar, das ihm ins Gesicht fiel, und auf dem Wappenrock, den er trug, prunkte das Hauswappen von Lady Brangane. Vidkun war nun wieder der junge Knecht, als er die Informationen von der verhüllten Gestalt vor zwei Tagen entgegennahm, er hielt diese Form für diesen Moment am passendsten. Über den Rand der Zinnen erhob sich der vom Vortex verzerrte Halrik, noch immer war sein Gesicht mit dunklen, ja fast schon schwarzen Adern überzogen, der Rest seiner Haut war aschfahl und seine Augen glichen großen Obsidiansteinen. Er schwebte langsam über die Zinnen, während er in seinen Händen vor der Brust den leblosen und zerschundenen Körper des Knappen Ingmar hielt. Seine Rüstteile hingen zerfetzt von ihm herab, ebenso wie Teile seines Körpers, die beim Aufschlag auf die scharfkantigen Felsen von der schieren Wucht des eigenen Gewichts zerschmettert wurden.

„Es ging dir nie um das Wissen, dass du den Spährenbewohnern hier bringst…“, begann Vidkun mit der Stimme des jungen Knechts, die jedoch ein wenig metallisch klang. „…nicht wahr? Es ging dir allein darum, dass ich Sara’kiin vernichte.“ Vidkun hatte Halrik schon als die verhüllte Gestalt aus dem Heuschober erkannt, kurz nachdem er ihm den Dolch in den Rücken gestochen hatte. Vidkuns Kontaktperson und Halrik waren ein und dieselbe Person. Vor zwei Tagen im Heuschober, hatte Halrik Vidkun beauftragt den jungen Studiosus zu retten. Er hatte also seinen eigenen Rettungsplan initiiert, doch Vidkun wäre nicht ein Meister der Blendung, wenn er nicht sofort erkannt hätte, dass es Halrik gar nicht darum ging sich selbst zu retten. Halrik hatte ihn benutzt, ihn getäuscht. In Wahrheit wollte er nur, dass er sich nach Burg Friedstein begab, um Sara’kiin zu stellen und zu vernichten – weil es im Moment niemand anderen gab, der es hätte tun können. Halrik schwebte auf die Planken des Burgfrieds und legte Ingmars zerschlagenen Körper sanft ab. Da er nicht antwortete, sprach er weiter: „Du warst also hier als Sara’kiin diese Burg zerstörte und alle darauf tötete und bist entkommen.“ Er machte eine kurze Pause und sah wie Halrik sich neben den Leichnam kniete und zu ihm aufschaute. „Alle außer mir wurden getötet.“, begann der Studiosus mit sanfter Stimme. „Ich trat gegen sie an, so wie auch dieses Mal. Und sie gewann, ebenfalls wie dieses Mal. Mit meinem Wissen über den Vortex konnte ich beim ersten Mal jedoch entkommen. Ich brauchte dich, um das Geschehene zu verändern.“ Halrik ließe Hände über Ingmar gleiten, als würde er einen Segen vorbereiten. Die Gesichtszüge von Vidkun in Form des jungen blonden Knechts wurden wütend. Er wusste, dass er benutzt wurde, aber das Halrik es auch so ganz unverhohlen zugab, machte ihn noch wütender. „Sie sind auch dieses Mal alle verreckt, es scheint mir nicht so, als hättest du irgendetwas bewirkt oder verändert. Mich für deinen Plan zu benutzen war nutzlos!“ Vidkun spottete ihm und lief aufgeregt auf und ab. Er konnte es noch immer nicht fassen: Er, der Meister des Intrigenspiels, wurde selbst hereingelegt, und das auch noch von einem jungen Fleischling. „Das ist nicht richtig.“, entgegnete Halrik und strich mit den aschfahlen und von schwarzen Adern überzogenen Händen über den zerschundenen Körper des toten Knappen. Für einen kurzen Moment blickte er nach oben, die Vortexkuppel war kurz davor zusammenzubrechen, er musste sich also beeilen, solange die Wortzauberei noch funktionierte. Er bemächtigte sich wieder dieser und sprach den Zauber, den er schon im Innern der Festung gesprochen hatte, erneut: „Ia’chau“ Die zahlreichen Verletzungen im Körper des Jungen schlossen sich, das Blut verschwand, Knochen verbanden sich und auch das Fleisch wuchs wieder zusammen. Das Gesicht des Jungen, was kurz zuvor nur noch ein verunstaltetet Blutklumpen war, war wieder zu erkennen. Es schien fast so, als würde er ruhig schlafen. Die zerfetzte Rüstung des Knappen blieb jedoch so zerstört wie zuvor. Kettenteile blieben zersprungen und die Plattenteile verbeult, doch der Körper des Knappen wurde mittels Halriks Wortzauberei geheilt. Vidkuns Lippen wurden schmal und er schüttelte den Kopf. „Was findest du nur an diesem Jungen?“,platzte es aus ihm heraus, doch dann hat er eine Erkenntnis und er fuhr fort: „Es ging dir um ihn, richtig?“ Während sich Halrik erhob, sah er herüber zu der kopflosen Sara’kiin, dessen Körper sich immer mehr auflöste und ihre wahre Gestalt preisgab. Saria Fuxfell, die Eismagierin, war schon gut zu erkennen. „Er muss leben“, antwortete Halrik knapp und mit einem Tonfall, als würde seine Antwort einfach alles erklären.

Sie beide hörten plötzlich Geräusche aus dem Burgfried unter ihnen. Es waren Stimmen. Halrik und Vidkun sahen sich an. „Anscheinend haben doch noch welche überlebt“, spekulierte Vidkun, der nicht allzu begeistert klang. „Wir müssen nun fort von hier.“ Halriks Stimme erschien endgültig und duldete keinen Widerspruch. „Warte … wo wirst du hin? Du kannst nicht zurück in unsere Sphären. Sie würden sich aufspüren und finden, und du wärst eine Gefahr für alle die dich umgeben“, fragte Vidkun in fast schon besorgtem Tonfall, der sich schon darauf konzentrierte, sich erneut zu verwandeln. Halrik schloss seine obsidianfarbenden Augen und antwortete: „Ich werde im Vortex bleiben, ihn studieren und mich zur rechten Zeit wieder an euch wenden.“ Dann sprach er zwei Worte, die Vidkun nicht vernahm, da er sich gerade verwandelte. Halrik verschwand, er löste sich einfach auf und war hinfort. Vidkun hingegen nahm die Gestalt eines weißköpfigen Adlers an und erhob sich mit zwei mächtigen Flügelschlägen in die Lüfte, um binnen Lidschlägen durch die immer größer werdenden Spalten in der Vortexkuppel zu verschwinden.

Als er gerade hindurch war, flog die Dachluke des Burgfrieds auf und sowohl Tarn, als auch Elfa, sprangen kampfbereit heraus. „Sie ist fort. Und wer zum Geier ist das?“, stieß Tarnelius im rauen Tonfall aus. Seine Rüstung und sein Wappenrock waren zerschlissen und in seinem Gesicht waren zahlreiche Kratzer. Mit der Spitze seines Schwerts zeigte er auf die am Boden liegende Magierin Saria Fuxfell. Elfa, die ebenfalls einiges abbekommen hatte und einen dicken Verband am linken Arm und um die Hand trug, entspannte ihren Bogen, als sie zu Ser Gneisor ging, um seine Lebenszeichen zu prüfen. Sie legte zwei Finger auf eine Stelle an seinem Hals. „Oh, bei den Göttern. Der ist hinüber.“ Ihre glockenhelle Stimme war dabei keineswegs spöttisch, sie meinte es genau so, wie sie es sagte: Gneisors Seele war schon hinüber gegangen in das Totenreich. „Der hier lebt noch!“, rief Tarn, der gerade Ingmars Lebenszeichen prüfte. „Bei Ingerimm, sieh dir nur seine Rüstung an, komplett zerstört und kein einziger Kratzer – ein Wunder“, fügte er noch an, als er Ingmar an der Schulter ruckelte, um ihn aufzuwecken. Ingmar, der Knappe des Marschalls der Festung, stöhnte, als er rüde aufgeweckt wurde. Er blinzelte und blickte in das von Verletzungen gezeichnete Gesicht des erfahrenen Infanteristen. „Was … wo … ich sollte …“, brachte er schwach und verwirrt hervor. Tarn schloss daraus, dass er wohl mächtig eins auf den Kopf bekommen haben musste und noch etwas verwirrt war. „Ganz ruhig junger Herr, ihr müsst gestürzt sein.“ Tarn wusste nicht, wie viel Wahrheit in seiner Aussage lag. „Ich sollte Tod sein – schon wieder“, hauchte Ingmar und versuchte aufzustehen, doch die zerbeulte Rüstung hinderte ihn daran. Tarn rollte mit den Augen. „Man man man, ihr müsst wohl ganz heftig was abbekommen haben. Ihr phantasiert, junger Herr.“ Tarn reichte dem jungen den Arm, um ihm aufzuhelfen. Er zog ihn hoch, es klapperte, quietschte und kratzte metallisch, als er den Knappen aufrecht hinstellte und noch ein paar Momente stabilisierte. Tarns Blick fiel kurz auf den toten Ritter. Er wusste nicht, ob der Knappe es schon wusste und beschloss es ihm sofort zu sagen. Besser er erfuhr es jetzt, als später. „Ich muss euch etwas sagen, junger Herr … euer Ritter …“, begann er mit so viel Einfühlsamkeit, wie er besaß, da wurde er von Elfas schneidiger Stimme im Befehlston unterbrochen. „Tarn! Lass den Jungen und hilf mir hier.“ Tarnelius prüfte noch kurz, ob es der Knappe schaffte alleine zu stehen und ging dann mit einer entschuldigenden Geste zu Elfa herüber, die mit gespannten Bogen vor der erwachenden Magierin stand. Das Ende ihres Pfeils war dabei auf ihr Gesicht gerichtet. „Nimm ihr den Stab ab.“,befahl sie weiter.Tarn wollte schon protestieren, immerhin wussten sie nicht, wer sie ist, und sie richteten gerade einen Pfeil auf eine Magierin, doch da erkannte auch er sie: „Das ist … das ist …“,stotterte er. „Saria! Die ehemalige Herrin dieser Festung und gefallener Anker Hesindes“, brachte Elfa Tarns Satz mit einer anschließenden Erklärung zu Ende. Sie lag da und hatte sich etwas aufgerichtet, ihr weißer Magierstab lag in Griffreichweite zu ihr, doch Elfa hielt sie in Schach. Tarn näherte sich ihr vorsichtig und fingerte ihr dann den Stab weg. „Was hast du mit ihr vor?“, erkundigte sich Tarn bei Elfa, in seiner Stimme lag Besorgnis. Die Augen der Bogenschützin waren feine Schlitze, als sie auf die Gesichtsmitte der Magierin zielte. Sie antwortete nicht, man sah nur, wie die Wut über all das Verderben, das sie als Sara’kiin über sie gebracht hatte, in ihr hochkochte. Elfas Finger lockerten sich von der Sehne, da hallte plötzlich Ingmars Stimme über den Burgfried: „Sie soll leben!“, quietschend und klappernd schloss er zu den beiden auf. „Sie soll uns Rede und Antwort stehen. Sie weiß mehr über den Vortex, als wir alle, sogar mehr, als die Großmeister. Legt ihr den Praioskragen an, legt sie in metallene Fesseln und bringt sie in den Kerker … und lasst sie nicht aus den Augen.“ „Jawohl, Herr“,antworteten Elfa und Tarn im Gleichklang. Nach dem Tod von Ser Gneisor war er nun wohl der neue Herr von Festung Friedstein.

Teil XI – Leben und Tod (2)

Marschall
Gneisor Geldwin
von Ochsenstolz

Kurz zuvor im Innern des Burgfrieds

Lady Branganes Füße flogen die steinernen Stufen den Burgfrieds hoch. Die Schnelligkeit mit der die voll gerüstete Frau über die Treppenstufen hinter sich ließ, erschien unnatürlich. Einen Absatz tiefer hörte sie den schwer verletzten Ser Gneisor keuchen und japsen. Er war trotz der Hilfe seines Knappen viel zu langsam. „Kommt schon! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“ brüllte sie und ihre Stimme hallte im Treppenaufgang mehrmals wieder. Einen kurzen Moment hielt sie an, lehnte sich über das Geländer und wartete auf eine Antwort, doch sie blieb aus. Sie musste weiter, sie hatte keine Zeit zu verlieren und der schwer verletzte Fleischsack wäre ohnehin keine Hilfe im Kampf gegen Sara’kiin. Sie hatte eine Mission: Sie musste Halrik retten. Er war – so hatte es die verhüllte Gestalt gesagt – wichtig für die Bewohner der 3. Spähre. Brangane, oder besser gesagt Vidkun, war ein Quitslinga, ein Dämon der Imitation aus der Domäne Amazeroths. Wenn er etwas sehr gut, ja fast schon perfekt konnte, dann war es Beobachten und Imitieren, weshalb er nicht nur eine geradezu perfekte Auffassungsgabe, sondern auch eine ausgesprochen gutes Gedächtnis hatte. Während Branganes Füße wieder über die Treppenstufen schnellten, erinnerte er sich jedes Wort seines Auftraggebers:  „Die Quelle verriet uns, dass dort in zwei Tagen ein junger Studiosus dem Buch ‚Jenseits der Sphären‘ eine Information entlocken wird, welche für den Orden sehr wichtig sein wird. Ohne diese Information, werden sie noch viele Jahre im Dunkeln umherirren.“

Sie erreichte die oberste Etage des Burgfrieds, nun trennte sie nur noch eine Leiter von dem Dachebene, von dem aus sie Halrik am besten erreichen konnte. „Ich muss ihn retten“ – immer wieder schoss ihr dieser Gedanke durch den Kopf, doch wie sie das anstellen sollte, war ihr noch nicht klar. Während sie die Leiter erklomm, wurde es draußen still. Der magische Kampf zwischen Sara’kiin und dem Studiosus pausierte wohl, oder war er gar beendet? War sie etwa zu spät? Der Studiosus konnte nicht gewonnen haben, denn er war nicht derjenige, der Sara’kiin besiegen konnte. Er konnte sie schwächen, ja, aber nicht besiegen. Das vermochten nur sie und die Auserwählte Hesindes. Die Stille bedeutete also nichts Gutes. Entweder hatte Sara’kiin den jungen Mann in Stücke gerissen, oder Halrik war es gelungen sie für einen kurzen Moment zu Schwächen, doch dann, befand er sich in noch größerer Gefahr, denn dann wog er sich in trügerischer Sicherheit. Egal was geschehen war, sie musste zügig weiter.

Vorsichtig drückte sie die Dachluke auf und lugte zwischen dem schmalen Spalt hindurch. Sie erblickte den Studiosus, er stand in seiner grauen Kutte mit dem Rücken zu ihr auf dem Burgfried und reckte seine Arme einen Kelch formend gen Kuppel. Von Sara’kiin war keine Spur. Es war Halrik also für einen kurzen Moment gelungen sie zu schwächen und nun nahm er arrogant an, dass er sie besiegt habe – dieser mittelländische Hundsfott. Angereichert mit der Macht des Vortex aber trotzdem beschränkt durch den Geist eines naiven Kindes. Wieder hallten die Worte der verhüllten Gestalt in ihrem Kopf wieder: Du musst ihn retten! Doch wie sollte sie das anstellen? Sie musste ihn vor Sara’kiin schützen, und das konnte sie nur, indem sie die Limbusverschlingerin besiegte. Denn im Moment war ER für sie zwar keine Bedrohung, aber dennoch ein sehr lästiger Störenfried, dem sie sich mit Sicherheit als erstes zuwenden würde.

Vorsichtig und vollkommen lautlos schob Brangane die Dachluke etwas weiter auf. Währenddessen begann Halrik zu sprechen: „Ausghairm banna áit.“ Blitzartige Gebilde zuckten über den Kuppelrand, als er die Worte mit hoch erhobenen Armen aussprach. Vidkun wusste, jetzt war der Moment gekommen an dem er etwas tun musste. Sara’kiin würde sich die Zauberei des Jungen nicht lange mitansehen und in Kürze wieder erscheinen. Er konnte sich aber auch nicht Sara’kiin offen stellen – er war kein Kämpfer, sondern ein listenreicher Blender der aus dem Verborgenen agiert. Außerdem, selbst wenn er sich ihr in Gestalt von Brangane stellen würde, wäre er aus Sicht von Sara’kiin noch immer nicht der gefährlichste Gegner und ihre Angriffe würden sich weiter auf Halrik richten. Da hatte der Dämon plötzlich einen Gedankenblitz: Was, wenn er Halrik aus dem Spiel nehmen würde, wie eine Figur die man vom Brett nehmen würde, um nicht zur Zielscheibe des Gegners zu werden?

Als Brangane öffnete Vidkun die Dachluke, und als Matral, dem gefallenen Anker Borons, schloss er sie wieder. Vidkun war nun in gehüllt in schwarze, eng anliegende Kleidung, gewoben aus einem Stoff, der so dunkel war, dass es jedes Licht verschluckte, das darauf traf. An Stelle des Bihänders der Kriegerin, war dort nun ein schlanker, nadelartiger Dolch in seiner rechten Hand. Auch wenn Vidkun selbst keinerlei Organe besaß, so kannte er sich mit ihnen sehr gut aus. Er wusste genau, welche Organe wichtig zum Überleben waren, wo die sich befanden, wie sie sich im Innern wandten und was passierte, wenn man sie gezielt punktierte. Auch wenn sich Halriks Körper aufgrund des Einflusses des Vortex inzwischen verändert hatte, so mussten seine Organe noch immer die gleichen Funktionen haben, wie zuvor. Um Halrik zu retten war Vidkun gezwungen ihn vorübergehend auszuschalten. Und damit schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe! Er würde Halrik nicht nur sprichwörtlich ‚vom Brett nehmen‘, er würde der Limbusverschlingerin sogar vortäuschen, auf ihrer Seite zu sein. Vielleicht würde sie den Köder schlucken und es würde ihm gelingen, nah genug an sie heran zu kommen, um bei ihr einen tödlichen Stich zu setzen. „Ausghairm banna áit“, sprach Halrik zum zweiten Mal und die Blitze am Rand der Kuppel wurden immer größer. Der Junge war wirklich talentiert – dachte sich Vidkun und schaute sich seinen Rücken sehr genau an. Mit den Augen sezierte er ihn und legte eine Route fest, die sein schlanker Dolch nehmen musste, um ihn so zu verletzten, dass es so aussah, als ob er tödlich verletzt worden wäre, er den Stich aber überleben würde. Es bedurfte also einem Höchstmaß an Konzentration und Präzision. Nur einen halben Fingerbreit zu tief, oder zu weit rechts, links, oben oder unten gestochen, und Halrik würde bei Bewusstsein bleiben, oder schlimmer noch: sterben.

Halrik setzte zum dritten mal an: „Ausghairm ban …“ Da stach Vidkun in der Form von Matral dem Jungen ruckartig von hinten in den Rücken. Die schlanke Klinge fuhr mühelos durch dessen Körper und trat vorne wieder aus. Der Dolch verursachte ein ganz leises matallischess Kratzen, als er durch die Brust de Jungen, vorbei an Rippen, fuhr und dabei dessen Lunge an einer fatalen Stelle punktierte. Matral zog an dem Dolch und er flutsche mühelos aus dem Körper des Studiosus heraus. Die Klinge hatte seiner Meinung nach den richtigen Weg genommen, Halrik musste also in Kürze zusammenbrechen – die Verletzung war schwer genug, um ihn sofort auszuschalten, doch würde er sie überleben, was Vidkun Zeit gab, sich zuerst um Sara’kiin zu kümmern.

Halrik ließ still die Arme sinken und drehte sich nach seinem Peiniger um. Vidkuns Darstellung von Matral war so, dass sein Gesicht vollkommen verhüllt war und er auf dem Kopf einen mit metallischen Zacken gekrönten Helm trug – so wie alle Jenseitigen Anker. Er hatte also keine für außenstehende erkennbaren Augen, und doch trafen sich für einen kurzen Moment der Blick von Halrik, dessen Augen obsidianfarbene Steine waren und Matral, der das Gesicht des Jungen nun das erste Mal erblickte und es sofort wiedererkannte. Das Gedächtnis eines Quitlinga-Dämons, vergaß nämlich nie ein Gesicht, auch wenn es so verunstaltet war, wie das von Halrik.

Hinter dem Studiosus öffnete sich ein schlanker Spalt. Der Spalt, dessen Öffnung wie ein länglicher aufrechter Mund mit schmalen Lippen aussah, knisterte vor entropischer Energie als sich die Lippen voneinander trennten. Der Spalt weitere sich und Sara’kiin die Limbusverschlingerin wurde aus den schmalen Vortexschlund ausgespuckt. Ihr schwarzweißes Gewand wallte dabei, als wäre es im ständigen Fluss, an Grazilität und Anmut hatte die ehemalige Eismagierin Saria Fuxfell bei ihrer finsteren Verwandlung kein bisschen eingebüßt. Direkt hinter ihr schloss sich der Schlund wieder, und binnen einen Lidschlags endete auch das entropische Knistern – der Spalt war verschwunden. Sara’kiin dreht anmutig ihren langen Stab wie eine Windmühle durch die Luft und mit einer flüssigen Bewegung traf ihr finaler Schwung Halrik von hinten gegen die rechte Schulter. Mit einer Wucht, als hätte ihn ein darpatischer Ochse im vollen Lauf von der Stelle gepflügt, flog er zur Seite und donnerte gegen die inneren Burgzinnen, wo er mit knackenden Knochen und zerplatzten Muskeln in einer abstrakten Haltung liegen blieb.

Sara’kiin und Matral standen sich nun direkt gegenüber. Vidkuns Plan war aufgegangen, die Limbusverschlingerin sah ihn als einer der ihren an und Halrik war vorrübergehend ausgeschaltet, und so Amazeroth will, würde er auch trotz ihres Hiebs lange genug überleben, dass er genug Zeit hatte, den gefallenen Anker Hesindes zu vernichten. Matrals Blick ruhte jedoch noch immer auf dem zerschundenden Körper des Jungen, auch wenn sein Plan funktionierte, musste er erstmal verstehen, wie es sein konnte, dass Halrik die Person war, für die er ihn hielt.

Teil XI – Leben und Tod (1)

Marschall
Gneisor Geldwin
von Ochselstolz

Auf dem Dach des Burgfrieds

Durch den von der blauen Explosion ausgehenden Druck flog der Knappe Ingmar hoch über die Zinnen des Burgfrieds. Er hatte sich schützend vor seinen Ritter geworfen, da er wusste, dass dieser die Druckwelle aufgrund seiner Verletzungen nicht aushalten würde. Noch im Flug muss Ingmar an die Worte seines Herrn denken – war er wirklich dort unten in den Gängen des Burgfrieds gestorben? Hatte Halrik ihn wiederbelebt? Es waren die Gedanken eines Jungen, der sein Leben in den letzten Momenten vor seinem Tode an sich vorbeiziehen sah. Ingmars Körper beschrieb eine hohe Flugkurve, weshalb er nicht sofort über die Zinnen stürzte, zuerst schlug er samt seiner Rüstung scheppernd auf der Kante einer Zinne auf, Knochen brachen und dumpfer Schmerz brachte Ingmar bis an den Rand der Ohnmacht. Ohne Kontrolle über seinen Körper rutsche er über den Rand hinweg und stürzte in die Tiefe. Dort waren nur spitze Felsen und scharfkantiges Geröll … niemand der hier herabfallen würde, würde den Sturz überleben. Ingmar sah die Felsen näher kommen, da wurde sein Fall ruckartig unterbrochen. Am äußeren Rand seiner Wahrnehmung, denn Ingmar war aufgrund der Schmerzen noch immer kurz vor der Ohnmacht, hörte er die Stimme seinen Herrn. Er konnte seine Worte nicht verstehen. War es etwa so? Stirbt man auf diese Weise? Sehr langsam und mit den Worten der Menschen in den Ohren, die einem wichtig waren? Doch die Stimme wurde lauter und Ingmars Besinnung kehrte zurück. „Nimm, meinen Arm!“, brüllte Gneisor blubbernd. Ingmar blickte durch verschwommene Augen nach oben. Der Marschall hatte Ingmar am linken Arm gepackt und lugte mit hochroten Kopf und bluttriefenden Mund zwischen den Zinnen hervor. Mit seinem nicht gebrochenen Arm war es Gneisor irgendwie gelungen, rechtzeitig zu den Zinnen zu kommen und Ingmars tödlichen Sturz in die Tiefen zu verhindern. Seine Brust klemmte er hinter die Kante und hielt den Jungen somit in der Luft. Doch Gneisor war zu schwer verletzt, um Ingmar alleine hoch zu ziehen. „Ich lass dich nicht erneut sterben, Junge!“ Gneisors Worte wurden begleitet von zahlreichen Blutspritzern, die auf den Knappen hernieder regneten.

Ingmar sah, wie die Umrisse seines Ritters plötzlich bläulich aufglommen. Er rief seinem Herrn zu: „Ser! Hinter euch!“ Auch Ingmar musste husten, der Aufprall auf den Zinnen hatte ihn mehrere Rippen gekostet und nun fiel auch ihm das Atmen schwer. Den Arm den Gneisor zu packen bekam war ebenfalls gebrochen – er spürte ihn schon gar nicht mehr. Gneisor lugte hinter sich, und was er sah, ließ ihn verzweifeln. Aus irgendeinem Grund hatte Sara’kiin Matrals letzten Stich überlebt, sie schwebte einen halben Schritt in der Luft, überall aus ihr heraus quoll – ja quasi floss – die schwarze Flüssigkeit. Mit einer Geste hielt sie Vidkun in der Form von Matral einige Schritt von sich entfernt in einer glitzernden blauen, jedoch stark flackernden Kugel in der Luft gefangen. Sie war stark angeschlagen, das sah man ihr an. Sara’kiins Körperhaltung war gekrümmt und ihr Zauber flackerte, doch noch hatte sie nicht genug und Vidkun würde sich nicht alleine aus dieser Position befreien können. Zu allem Überfluss begann die Limbusverschlingerin am Ende ihres Stabes eine blaue Kugel der Macht gedeihen zu lassen. Gneisor war sofort klar, dass war eine dieser Angriffe mit der sie den Wehrturm zerstört hatte. Solch vernichtende Magie wäre selbst für einen Dämon aus der Domäne Amazeroths tödlich.

Der Marschall der Feste musste über das Schicksal entscheiden. Wenn er seinen treuen Knappen dabei half, sich wieder hoch zu ziehen, würde er dafür im Gegenzug Vidkun nicht retten können. Sara’kiin würde, wenn auch geschwächt, mit einem einzelnen Angriff den Dämon in Stücke reißen. Doch wenn er dem Dämon helfen wollte, musste er Ingmar los- und in den sicheren Tod stürzen lassen.  Er müsste einen geliebten und gottesfürchtigen Menschen opfern, um einen mehrgehörnten Dämon zu retten. Gneisor sah zwischen der immer bedrohlicher werdenden Szene zwischen Vidkun und Sara’kiin und seinem Knappen hin und her, der gerade versuchte mit dem anderen Arm nach ihm zu greifen. Das Schicksal lag wortwörtlich in seinen Händen.

Zuvor, kurz nachdem die blaue Kugel aus Licht explodierte und eine Druckwelle über den Burgfried ging, hatte sich Vidkun in Form von Matral unter die Zinnen gekauert. Die Druckwelle erfasste ihn und drückte ihn weiter in die Ecke zwischen Planken und Stein. Doch die Welle ging zu großen Teilen über ihn hinweg und so blieb er unverletzt. Als er wieder aufschaute, war Sara’kiin fort. Gneisor rannte gerade zum Rand der Wehrmauer, wo mit einem ohrenbetäubenden Scheppern Ingmar nieder ging und dann über die Brüstung in den sicheren Tod rutschte. Aus einem ihm unbekannten Instinkt heraus, sprang Vidkun auf, um Gneisor und Ingmar zur Hilfe zu eilen. Blind sprang er Ihnen entgegen, doch kurz bevor er Gneisor erreichte, wurden seine Füße vom Boden abgehoben und ein eiskalter Griff umschlang seinen ganzen Körper. Das blaue Licht erfasste ihn, zog ihn zurück, fort von Gneisor und Ingmar und hob ihn in die Luft. Als sich sein Körper in der Luft langsam drehte, sah er sie: Sara’kiin die Limbusverschlingerin. Wie konnte er nur so dumm und unaufmerksam sein, dachte er sich. Ganz so schnell, würde eine Vortexkriegerin nicht sterben, es würde schon noch etwas mehr brauchen. Er ärgerte sich über sich selbst. Wenn er nicht blindlings hätte helfen wollen, sondern fokussiert geblieben wäre, dann wäre ihm dieser Fehler nicht passiert und er hätte Sara’kiins Wiedererscheinen rechtzeitig bemerkt. Doch nun ist es zu spät, sie mag zwar schwer angeschlagen sein, doch noch hatte sie nicht genug und von seiner Position aus würde er nichts unternehmen können. Da sah er, wie die ehemalige Eismagierin begann, einen blauen Ball aus Licht am Ende ihres Stabes zu formen. Ihm wurde rasch klar, dass dies sein Ende sein würde. Noch nie in der Geschichte seiner Existenz hatte ein Wesen dieser Sphäre einem Dämon geholfen, geschweige denn ihm das Leben gerettet. Auf Gneisor konnte er also nicht zählen. Vidkun schloss die Augen, er wollte Sara’kiin nicht die Genugtuung geben in seine verzweifelten Augen zu blicken, während sie ihn mittels ihres Zaubers in tausend Stücke zerriss.

Das Knistern der Macht, das von der blauen Kugel ausging, wurde immer lauter, als Vidkun beschloss, die Augen zu schließen und sich seinem Schicksal zu ergeben. Er hörte, wie sich die zerstörerische Kraft von ihrem Stab löste und auf ihn zubrauste. Er spürte, wie zersetzende und zerstörende Kraft seine Schulter traf und auflöste. Der Ruck war so heftig, dass er nach hinten gerissen wurde und das Gefühl hatte, zu fallen. Das zersetzende Gefühl breitete sich aus, da schlug er plötzlich auf den Planken des Burgfrieds auf. Er war kurz benommen, wusste nicht wie er die Eindrücke einordnen sollte. Blinzelnd öffnete er nach einem Moment die Augen, seine Schulter blubberte und dampfe, es roch nach Schwefel und sie zersetzte sich nach und nach, aber ihm erschien in Anbetracht der Situation seine Verletzung als zu gering für das, was er eigentlich erwartete. Der Wind trug einen langen, dünner werdenden und markerschütternden Schrei über den Wehrfried, Vidkun erkannte ihn: Es war der vom in den Tod fallenden Knappen Ingmar. Vidkuns Augen schauten durch gelblichen, schwefelhaltigen Rauch hindurch als er sah, wie Gneisor, mit dem Willen einer Löwin, sein Anderthalbhänder durch die Luft schwang. Vor ihm kniete Sara’kiin, ihr linker Arm lag abgetrennt, ihren Stab noch immer in der Hand haltend, am Boden und des Ritters Hieb fuhr mit allerletzter Kraft auf ihren Hals herab. Die Klinge schnitt sauber durch ihren weißen Mantel und ihren Hals, wie eine heißes Messer durch ein Stück Gänseschmalz. Ihr Kopf flog trudelnd durch die Luft und landete pochend auf den Planken. Durch den Schwung der Klinge, die unerbittlich weiter ging, wurde Gneisor herum geschleudert und umgerissen. Er hatte so viel Schwung in diesen finalen Hieb gelegt, dass er ihn nicht kontrollieren konnte. Er fiel wie ein nasser Sack zu Boden und blieb in seiner eigenen Blutlache liegen. Vidkun, dessen Schulter sich immernoch zersetzte und gelblich dampfe, erhob sich langsam. Seine unterschiedlichen Formen verschwammen nun miteinander. Teile seines Körpers waren Matral, andere
wiederum Brangane und wieder andere zeigten Gneisor. Nur das Gesicht blieb größtenteils das von Brangane, als er zum Marschall herüberschlurfte. Vidkun konnte nicht fassen, was dieser Mensch getan hatte. Er hatte Ingmar, seinen treuen Knappen, geopfert, um ihn zu retten.

Der kopflose Körper von Sara’kiin war zur Seite gekippt und lag nun regungslos auf den Planken – sie war endlich besiegt. Vidkun wusste, dass er ihr Herz zwar perforiert und er damit den tödlichen Stich gesetzt hatte, doch war sie dadurch nicht sofort besiegt. Ihr Vortexherz ließ sie noch ein paar Schläge lang weiter agieren, was ihr allerdings – wie man sah – genug Zeit gab, noch zu einem letzten Angriff über zu gehen. Gneisors Rettungstat war, wenn auch sehr heroisch anmutend und wahrscheinlich einmalig in der Geschichte, dumm und sinnlos. Sie wäre ohnehin binnen weniger Lidschläge gestorben, auch wenn sie ihn selbst noch dabei mitgenommen hätte. Und wäre Vidkun hier gestorben, wäre es für immer – denn von dieser Vortexebene hätte er nicht auf die Dämonensphäre zurückkehren können.

Mit nach Schwefel dampfender sowie Blasen schlagender Schulter und sich ständig verändernder Gestalt stelle sich Vidkun über den am Boden liegenden Marschall. Dieser von den Göttern gesegnete Krieger war noch immer am Leben, doch sein Funke, war kurz davor zu erlischen. Er spuckte Blut und das Rasseln, das aus seinen Lungen drang, wurde immer nasser, er war kurz vor seinem Ende. Vidkun sah ihn an, das Gesicht von Brangane zeigte eine Mischung aus Wut und Mitleid. „Du dämlicher Fleischsack. Warum müsst ihr Rondrianer euch immer als die Helden aufspielen, sag es mir!?“ Gneisors Blick suchte Vidkun, es schien, als wäre Bishdariel gerade dabei ihn abzuholen. Seine Lippen bewegten sich, als wolle er etwas sagen, doch außer einem feuchten Husten brachte er nichts mehr hervor. Vidkun konnte nicht anders, er musste es einfach fragen. Er musste es wissen, bevor er starb. Er kniete sich zu ihm herunter und packte ihn am Kragen. „Warum hast du das Leben deines Knappen gegen meins gegeben?“ Der Blick des Marschalls traf den von Vidkun, und in seinem letzten klaren Moment, huschte ihm ein blutiges, aber dennoch süffisantes Grinsen über die Lippen. Fast sah es so aus, als würde Gneisor die Kraft aufbringen etwas zu sagen, doch kein Laut drang über seine Lippen. „WARUM?!“, brüllte Vidkun ihn mit metallisch schnarrender Stimme an. Ganz langsam verflog Gneisors Grinsen. Er schloss die Augen, sein Atem verflachte sich und sein Körper erschlaffte. Als Vidkun ihn losließ, war es totenstill.

Sein Blick ging zu Sara’kiin, ihre Vortexgestalt begann sich aufzulösen, was ein gutes Zeichen war, denn es bedeutete, dass sich auch die Zeitkuppel, in der sie sich befanden, auflösen würde. Er blickte zum Horizont – und tatsächlich – überall waren leuchtende Flecken zu sehen. Die Vortexglobule begann sich allmählich aufzulösen. Wenn Vidkun eine Lunge gehabt hätte, wäre ihm jedoch genau in diesem Moment der Atem gestockt, denn erst jetzt fiel ihm auf, dass Studiosus Halriks Körper fort war. Sofort wuchs aus Vidkuns rechter Hand ein langes blankes Schwert. Der Kampf war gewonnen, doch die Schlacht war anscheinend noch nicht vorbei.

Teil X – Schicksal (3)

Marschall
Gneisor Geldwin
von Ochsenstolz

Auf dem Dach des Burgfrieds

Die Feldsteine und Brockensplitter des Wehrturms sprengten in alle Richtungen davon. Sara’kiins blauer Zerstörungszauber machte aus dem einst stolzen Turm in Windeseile eine Ruine. Doch die zersprengten Teile des Turms in dem sich Tarn und Elfa befanden, flogen nicht einfach nur zur Seite weg – sie blieben in der Luft hängen als hätte Satinav höchstpersönlich ihnen befohlen nicht weiter zu fliegen. Vidkun, der noch immer in der Form von Brangane war, Gneisor und Ingmar waren inzwischen am Zinnenrand des Burgfrieds angekommen und mussten hilflos mitansehen, wie die Limbusverschlingerin den Wehrturm in Schutt und Asche zerlegte.

„Macht euch bereit, sie wird gleich wieder zu uns kommen“, ermahnte Brangane die anderen mit einem leichten Schnarren in der Stimme. Nachdem der Turm zerstört war, verschwand Sara’kiin wieder, begleitet von einem leisen entropischen Knistern, in einem Vortexspalt. „Macht euch bereit!“, rief Gneisor und eilte mit den anderen zurück zur Mitte des Burgfrieddaches. Sie stellten sich alle drei Rücken an Rücken, die Klingen kampfbereit erhoben, um auf diese Weise so wenig wie möglich Angriffsfläche zu bieten. Die Zeit verstrich quälend langsam, nur das pfeifende Röcheln vom schwer angeschlagenen Gneisor und das angespannte Atmen des Knappen Ingmar waren zu hören. Von Brangane war kein Laut zu vernehmen, denn Vidkun konzentrierte sich nicht mehr darauf, die perfekte Illusion zu erzeugen, weshalb er es nicht mehr für nötig hielt, ein Atmen eines fleischlichen Wesens zu imitieren. Für einen kurzen Moment musste Gneisor genau darüber nachdenken. Es erschauderte ihn, dass er Seit an Seit mit einem Dämon gegen einen gemeinsamen Feind stritt. Doch im Moment hatte er keine andere Wahl.

Es knisterte wieder und aus einem lilafarbenen Vortexspalt schwebte sie nur einige Schritt von der anderen entfernt heraus, Sara’kiin die Limbusverschlingerin. Noch immer tödlich Grazil und unheilvoll anmutig, schwebte sie vor den anderen in der Luft. Pechschwarze und zähe Flüssigkeit drang aus den Wunden ihres Oberkörpers und besudelte ihr einst reinweißes Gewand. Die drei Streiter veränderten ihre Kampfformation und stellten sich ihr gegenüber auf – nun hieß es drei gegen eins. „Dieser Kampf ist für dich, Rondra“, murmelte Gneisor und hob seinen Anderthalbhänder, den er nur noch mit einer Hand schwingen konnte, da der andere Arm gebrochenen in einer Schlaufe hing. Obwohl er der Angeschlagenste von allen dreien war, war er doch der Erste, der auf Sara’kiin zuging. Todesmutig stürzte er voran, Ingmar folgte mit seinem Kurzschwert und auch Vidkum flankierte ihn schützend.

Der Kampf dreier Schwertträger gegen eine einzelne Stabträgerin wäre unter normalen Umständen wohl rasch erzählt. Doch dies war keine profane Stabträgerin, dies war der gefallene Anker Hesindes – eine gestählte und magische Vortexkriegerin gegen einen schwer angeschlagenen Kämpfer, einem jungen unerfahrenen Burschen und einen nicht gerade kampfaffinen Vertreter aus der Domäne des vielgestaltigen Blenders. Und doch, hätte den Kampf jemand von außen betrachten können, hätte er ihn als anmutigen Tanz der Klingen bezeichnet. Alle drei, Gneisor, Ingmar und Brangane schlugen mit allen Mitteln der Kampfkunst auf Sara’kiin ein, doch ihre unnatürliche Gewandheit, gepaart mit ihrer übernatürlichen Geschwindigkeit und dem gekonnten Umgang ihres Stabes wich sie dem Großteil der Hiebe aus, lenkte sie mit ihrem Stab im letzten Moment ab oder erlangte sogar eine vorteilhafte Position. Hatte sie erst einmal eine solche erreicht, setzte sie sofort zu einem tötlichen Schlag an – doch fuhr jedes Mal einer der anderen dazwischen, um sich unter Inkaufnahme eigenen Verletzungen dem anderen das Leben zu retten. Im Gegenzug gelang es den dreien trotzdem die Limbusverschlingerin hier und dort zu treffen und zumindest augenscheinlich zu verletzen. Alle drei bekamen dabei jedoch zahlreiche Blessuren und Platzwunden. Niemand vermag zu sagen, wie lange dieser Tanz der Klingen ging, und hätte die himmliche Leuin es mitansehen können, hätte sie sich diesen Kampf, der einem Gebet an sie gleichkommt, bestimmt nur zu gerne angesehen. Während dieses Gleichstandes, bei dem es keinem der beiden Seiten gelang einen Vorteil zu erkämpfen, beobachtete, ja fast schon studierte der Dämon Amazaroths ihren Widersacher genau. Welcher, wenn nicht ein Dämon der Imitation, war zu einer nahezu perfekten Beobachtungsgabe in der Lage. Vidkun fiel auf, dass Sara’kiin immer wieder versuchte Gneisors Schwäche, den gebrochenen Arm zu ihrem Vorteil auszunutzen. In mitten des Schwerttanzes fasste Vidkun daher den Entschluss, diese Schwäche ihres Mitstreiters, zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Wie vier Löwinnen, die umeinander tanzten und stritten, sprangen auch die vier Kämpfer umeinander her und wechselten ständig die Positonen. Nach einer Abfolge mehrere Schläge und Hiebe von Brangane, drehte sie sich so weg, dass sie Gneisors schwache Körperseite öffnete. Sofort machte Sara’kiin eine vorbereitende Bewegung, um diesen Moment der Schwäche zu nutzen, da nutze Brangane ihre von ihm vorhergesehen Bewegung und schlug ihr mit der Fehlschärfe gegen den zackenbewehrten Helm. Ein metallisches Scheppern erklang und für einen sehr kurzen Moment wirkte sie benommen. Doch anscheinend war Branganes Hieb nicht stark genug, noch immer stand Gneisor in einer unvorteilhaften Position da. Ingmar stand zu weit entfernt, um seinem Herrn beizuspringen und Gneisor wäre selbst nicht in der Lagegewesen, sich von dieser Seite zu verteidigen. Sara’kiin schien diese Gelegenheit nutzen zu wollen. Sie wich einem Hieb von Ingmar aus, drehte sich um die eigene Achse und rotierte mit ihrem Stab so, dass sie Gneisors verzweifelten Streich, sich aus der nachteilhaften Position zu bringen, an ihrem Stab mühelos ablenkte. In den Augen des Marschalls zeichnete sich entsetzte Verzweiflung ab, er wusste, dass sein letzter Moment gekommen war, denn sowohl Ingmar als auch Vidkun konnten ihm in diesem Moment nicht beispringen. Sara’kiin ließ ihren Stab wieder wie eine Windmühle rotieren und schlug dann nach der Seite von Gneisors gebrochenen Arm. Es lag viel Wucht in dem Schlag, es sollte Gneisors letzter Hieb werden, den er einstecken würde. Doch im letzten Moment zog Gneisor den Arm ruckartig aus der Schlinge, packte den Stab und brachte ihn mitten im Bewegungsmoment zum Erstarren. Noch während niemand verstand, was gerade geschah, formte sich auf den Lippen unter Gneisors Bart ein schelmisches Lächeln. Ein schlitzendes Geräusch war zu hören und ein kurzer Ruck durchfuhr Sara’kiins Körper, als eine schmale Klinge in Gneisors rechter Hand zwischen die Unmetallplatten in ihrem Leib stieß. „Stirb endlich!“, fauchte Gneisor mit fremder leicht schnarrender Stimme. Hinter Sara’kiin half Ingmar dem echten Marschall von Burg Friedstein gerade auf die Beine und hielt ihm davon ab, sofort auf Sara’kiin zu stürzen. Er spuckte Blut und hustete beim Versuch stehen zu bleiben. Vidkun hatte, nachdem er die Limbusverschlingerin mit der Fehlschärfe getroffen hatte, sich selbst in die Position von Gneisor gebracht und ihn dafür zur Seite gestoßen. Er hat seinen Platz eingenommen und ihr eine schwache Seite offeriert, die keine war. Vidkun beschloss die Form von Gneisor aufzugeben und verwandelte sich wieder in Matral, dem das süffisante Grinsen im Gesicht eh besser stand. Er presste den schmalen Dolch in seiner rechten Hand noch ein bisschen tiefer und es knackte im Innern des Vortexkriegerin. Ein Zucken durchfuhr ihn – Vidkun hatte endlich die Stelle getroffen die er erreichen wollte.

Erst begann es leise, doch es wurde rasch lauter, so dass es jeder auf dem Burgfried hören konnte. Von Sara’kiin ging ein bedrohliches Surren aus. Matral zog die Klinge aus ihren Körper, wobei ein großer Flatschen schwarzer Flüssigkeit auf den Planken landete. „In Deckung!“, rief er und entfernt sich mit einem beherzten Sprung von ihr. Gneisor, der gerade erst aufgestanden war, war im Moment alles andere als agil und duckte sich nur, während sich Ingmar mit seinem ganzen Körper schützend vor seinem Ritter warf. Binnen eines Lidschlags wurde das Surren so laut, dass es ohrenbetäubend wurde, eine blaue glänzende Aura schwoll um Sara’kiin an, die in einem ohrenbetäubenden entropischen Knall explodierte. Als sich die blaue Aura entlud und das Surren damit endete, stob die Druckwelle bis weit über die Zinnen hinaus.  Ingmar, der mit Abstand der Leichteste war und im Moment die größte Körperfläche bot, wurde von ihr gnadenlos erfasst. Wie eine Puppe, die an Fäden gehalten wird, wurde er durch die Luft gezogen und flog im hohen Bogen bis über die Zinnen.

Als Matral, der sich unter die Zinnen geduckt hatte, wieder die Augen öffnete, war Sara’kiin fort.