Teil V – Sturm

Auf den Wällen

Der unsichtbare Wall hatte keine große Ausdehnung, man stieß schon nach etwa einhundert Schritten hinter den Außenmauern gegen sie. Überall dort, wo die Späher den Rand ausgemacht hatten, nahm das Unheil ihren Lauf. Die Besatzung der Festung Friedstein musste mitansehen, wie sich am Ereignishorizont der Kuppel schmale Risse in der Erde bildeten, die sich dann zu großen klaffenden Wunden vergrößerten, aus denen, wie aus den Niederhöllen stammenden, rotglühendes und unheiliges Licht begann zu pulsieren.…

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11. Friskenmond – Avahütt

Erneut saß Magister Grønte am Mittelfeuer des kleinen Weilers. Auf seinen überschlagenen Beinen ruhte sein Diarium. Hastig kritzelte der Griffel, geführt von zittrigen Händen, über die Seiten. So schnell er konnte, schrieb er alles auf, woran er sich erinnerte. Noch nie zuvor hatte er in die Gedanken eines Orks geblickt und die Bilder und Gedanken, die er gesehen hatte, versetzten ihm einen Schrecken.…

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Teil IV – Momentum

Die Praiosscheibe hing weit hinter den Wolkenfetzen und ließ diese so rot aufglühen, dass man den Eindruck bekam, dass der Himmel bluten würde. Überall auf den Zinnen der Festungsmauern hatten die Bogenschützen und frisch ausgebildeten Infanteristen ihren Platz gefunden. Gustav schritt die Reihen der jungen und alten Soldaten und Rekruten ab. Er spürte, dass viele von Ihnen Angst hatten – sie wussten zu wenig und gleichzeitig zu viel, um keine Angst zu haben.…

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Brief nach Hause

Ahlan aram,

ich hoffe bei Travia, euch geht es gut. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an euch denke. Meine Sehnsucht verzehrt mich zu jeder Stunde.

Ich schreibe euch diese Zeilen aus Gareth nach dem großen Turnier. Wir als Schutzorden der Schöpfung nahmen gemeinsam daran teil.

Es war außergewöhnlich! Ich gewann im Finale der leichten Waffen gegen Jane, die sich in den Vorrunden sehr gut geschlagen hatte.…

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Blut und Tod

Die Ereignisse der letzten Tage hatten Alkrikmir sehr aufgewühlt. Er war so angespannt, seine Nerven waren wie zum zerreißen gespannte Seidenfäden. Er gab sich Mühe, einfach nur zu funktionieren und ein halbwegs normales Bild aufrecht zu erhalten. Er wühlte sich in seinem Strohbett hin und her, konnte nicht schlafen. Zu viel ging ihm in den Gedanken umher.…

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Teil III – Keine Zeit

Burg Friedsteins Ratskammer war eine kleine Stube, die man auf Geheiß des Ritters zu diesem Zwecke umgebaut hatte. In dem breiten Landhauskamin knisterten Buchenscheite leise vor sich hin. Die kühlen Wände der umgebauten Stube wurden inzwischen von vier langen Bannern des Ordens verziert. Im Licht des Kamins schimmerten die silbrigen Halbmonde und Bluttropfen, so dass man den Eindruck bekam, dass sie aus eigener Kraft leuchten würden.…

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Die Auswahl eines neuen Gefährten

„Ich habe dich nicht nur mitgenommen, weil du ein Grünbacher bist“, sprach Sieghelm und klopfte seinem Knappen auf die Schulter, während er das Gatter zum Langstall passierte. Worauf der Ordensgroßmeister anspielte war das Gestüt, welches die Familie des Knappen seit vierzig Götterläufen führten. Perainius bekam kurz große Augen, konnte sich ein Prusten jedoch verkneifen. Wenn er sich selbst hätte einschätzen müssen, würde er sagen, dass er von Pferden kaum bis gar keine Ahnung hatte.…

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Reise nach Rommilys – Teil II „Im Kloster“

Den Galopp hielt Traviahold nur solange bei, bis er an einer Weide ankam, von der er wusste, dass er ab hier nicht mehr von der Stadt aus zu sehen war. Er würde natürlich heute im Kloster übernachten, aber je später er dort ankam, desto weniger Anliegen werden an ihn herangetragen. Er musste den Kopf schütteln, als er daran dachte, wer er von einem Götterlauf war – der drittgeborene Sohn eines Barons, der typischer Weise in ein Kloster abgeschoben wurde und sich nun darauf freute seine älteren Bruder wiederzusehen.…

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Teil II – Dämmerung

Mit einem zügigen Schwung beendet Ser Gneisor den Brief an seine Exzellenz Nehazet ibn Tulachim, welcher zurzeit in Gareth weilt. Der Informationsgehalt der Nachricht ist brisant und – so hofft der Krieger – für ihre Aufgabe nützlich. „Bringt dies dem Siegelmeister, er weiß, was zu tun ist“, befiehlt er dem dabeistehenden Kammerdiener, der nur zu diesem Zweck an der Seite des Schreibtischs des Marschalls in Hab-acht-Stellung gewartet hatte.…

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Reise nach Rommilys – Teil I „Der Abschied“

Traviahold seufzte, als er sich von seinem Schreibtisch erhob. Das Kloster war inzwischen zwar schon geweiht worden, doch außer dem Haupttempel, der Brauerei und einem Teil der Umfassungsmauer gab es noch keine Gebäude, nur Baracken. Und so verbrachte Traviahold noch sehr viel Zeit in Hochstieg, auch um in der Nähe von Darpatia zu sein. Seiner schwangeren launenhaften Frau, der er gleich erklären müsste, dass er dringend nach Rommilys reisen muss.…

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