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wandernde Gedanken

(N)irgendwo/(N)irgendwann

Was gibt es noch zu tun, Vorbereitungen, vorbereitungen – die Zeit sie fließt und vergeht, naja in gewisser Weise, der Fluss ist nicht überall der gleiche.

Was vorteilhaft ist, so kann ich mich weiteren Vorbereitungen widmen, verschiedene Canti erfordern weiteres Studium, der Cantus der Contra Moventia beispielsweise, Contra Transformatorica ebenfalls, der Cantus der Transformatorica et Temporalis, genannt Objectofixo erfordert weitere Studien ebenso, bietet dieser doch die beste Möglichkeit ein Objekt vor temporärer Zerstörung zu schützen, findet doch eine fixierung des Objektes im Zeitfluss statt, noch weiter vertiefende Studien die über das notwendige Verständnis der Limbologica hinausgehen im Transversalis, damit endlich dieses vermaledeite Reichweiten Problem mitigiert werden kann, ich sah die Möglichkeit in ter Winkels Thaumatursom und habe wieder und wieder diese Idee durchdacht, wenn nicht hier, wo dann, sollte ich in der Lage sein das dafür notwendige zu lernen, eine Kombination dieser Canti mit eventuell verhehlender Magie, sollte es uns erlauben dem Drachen seine Bewegung zu erschweren, eventuell sogar diesen an den boden derischer Tatsachen zu binden.

Delia hat vermutlich noch nicht gelernt Bann- oder Schutzkreise zu errichten, das ist etwas, was wir eventuell beheben sollten, hmm ob ein Kraftspeicher genutzt werden könnte, um den Akt des erfüllens der Arkanoglyphen mittels vis arcana auch einem Individuum, welches keinerlei arkane Begabung besitzt zu ermöglichen, der Geist müsste natürlich geschult werden, das bedarf weiterer Forschung.

Schutz vor Untoten, ist Erwartendswerterweise relevant, aufgrund der gegebenen Umstände.

Thaumatursome für die anderen, belegt mit Auarcania Deleatur als Cantus Effectionis, sollten ebenfalls hilfreich sein, vermutlich werden diese weder für Delia, noch mich selbst relevant sein, wobei ich mich vermutlich auch im Diesseits darum bemühen kann, sind die gegebenen Umstände vermutlich ausreichend dafür, womit das Studium des arkanen weiterhin vorzuziehen ist.

Der Accuratum Cantus ist eine Überlegung wert, würde dieser doch verzauberte Gewandung zu einem gewissen Grade vor anderen Canti der Transformatorica schützen, zugegebenermaßen eine Spielerei, welche ich nicht gedacht hatte mich mit dieser auseinanderzusetzen.

Schutz vor Untoten, hmm, das einfachste wäre eine Kugel zu verzaubern mit dem entsprechenden Ritus, ich sollte eine Kugel vorbereiten lassen,

Ambareth kann bestimmt eine Nachricht für mich weiterleiten an eine geeignete Akademie, Punin, Rashdul oder Mherwed kommen in Frage um eine von Dschinnenhand gefertigte Kristallkugel zu erschaffen, eine natürlich gewachsene Kugel aus Bergkristall, wäre vorzuziehen, aber es ist unwahrscheinlich das eine solche kurzfristig aufzutreiben wäre, wenn ich schon dabei bin, sollte ich mir weitere Gedanken machen, die Kugel die ganze Zeit in der Hand zu halten, ist doch partiell einschränkend und vermutlich ermüdend auf die Dauer,

der zerstörte Zauberstab bietet hier tatsächlich eine Gelegenheit, ein kombiniertes Traditionsartefakt bestehend aus Kugel und Stab ist naheliegend, was zu den weiteren Überlegungen bezüglich des Stabes führt,

hmm, aufgrund der Beschäftigung mit Thaumatursomen, habe ich verschiedenste geeignete Materialien zur Verfügung,

das Holz, insofern mir nichts besseres einfällt sollte Rashtulszeder oder vom Baum des Reisenden sein,

die Metallkappen, Eternium ist vermutlich zu unpraktisch, wobei es durchaus fasznierend wäre herauszufinden was für Auswirkungen Eternium auf einen Zauberstab hat, das nächste probate und definitiv in ausreichenden Mengen vorliegende Metall, wäre Arkanium, damit wäre das Material für die obere Kappe, wobei Kappe eventuell nicht ganz zutreffend ist in diesem fall, gefunden, die untere das arkane abschirmende ist traditionellerweise aus Eisen, das erscheint mir ungenügend, in diesem Fall, Gold oder eventuell Toshkril oder Zwergenstahl, sollte zur Kompensation des veränderten Flusses der vis arcana besser geeignet sein, das Metall sollte in Khunchom verarbeitbar sein, sollte also auch kein Problem dastellen,

einen der Gwen Petryl Steine einzulassen in das Holz erscheint mir eine gute Idee, in der Thaumaturgie verringert es den Kraftaufwand der Impensation, ähnliches sollte sich auf den Stab auswirken, zumal ein Orange leuchtender Gwen Petryl Stein aufgrund der Umstände auch passend erscheint.

Das Leder ist ein Problem, idealerweise wäre es ebenfalls von arkaner Natur, aber es erscheint mir unwahrscheinlich entsprechendes zu finden,

hmm, die Tsa Kirche, kennt doch diesen Ritus des jungen Aussehens, wenn ich mich recht erinnere häutet sich die Person dabei, ob wenn ich mich dem Ritus unterziehe, ich meine Haut als Leder für den Zauberstab verwenden könnte, diese sollte arkan probat sein, ich denke ich sollte in Punin oder Khunchom nachfragen, vermutlich dürfte dies etwas neues für die betreffenden Diener Tsas sein und das könnte ihre Aufmerksamkeit wecken.

Wobei ein verjüngtes aussehen, eventuell ungünstig ist für mich, ob mich dann überhaupt noch jemand erkennt?

Ich nehme an der Bart müsste neu wachsen, bedeutet das die restlichen Haare auch oder bleiben die erhalten?

Weitere Frage für die Diener Tsas.

Gehen wir ersteinmal davon aus, dass dies nicht funktioniert, Schlangen- oder Echsenleder, wäre vermutlich die nächste Wahl.

Das schnitzen der Zeichen des arkanen, wenn ich die Zeit habe, sollte ich dies übernehmen, da ich aber nicht davon ausgehen kann die Zeit zu haben (basierend auf Erfahrungen), sollte ich dies jemand anderen überlassen, ich kann genaue Angaben über die zu verwendenden Zeichen niederschreiben, kundige dafür sind zu finden in der Academia Arcomagica, womit die Einzelteile geklärt wären, hmm das Holz lässt sich einzeln verarbeiten, für die obere Metallkappe, sollte die Kristallkugel vorliegen, denke ich, vermutlich wäre es sinnvoll diese in ein Geflecht des Arkaniums einzubetten, die untere Kappe sollte einzeln erstellbar sein, vermutlich könnten sich zwei unterschiedliche Schmiede darum kümmern, besser wäre natürlich, wenn der hölzerne Corpus des Stabes schon vorliegen würde und die metallenen Kappen an diesem sogleich befestigt werden würden, das sollte ich ebenfalls niederschreiben, wobei der Gwen Petryl Stein, ebenso schon eingelassen sein sollte in dem Stab, vermutlich lokalisiert unter der oberen Kappe, gäbe es noch andere zu beachtende Materialien, Materialien, welche die vis arcana halten können, wären eine Überlegung wert, Perlen und Diamanten vermutlich, Sangurit sheidet aus und Kashrasteine sind zu selten.

Ja, ich denke damit hätte ich schon eine grobe Idee von dem neuen Stab, Rashtulszeder, Arkanium, Gold und ein Gwen Petryl Stein liegen vor, blieben eventuell Holz des Baumes des Reisenden, Toshkril oder Zwergenstahl, das Leder aller Wahrscheinlichkeit, gut Schlangen- oder Echsenleder ließe sich in Khorestan auftreiben, idealerweise sollte das Leder aber nicht von irgendeinem Getier sein, sowie natürlich die Kristallkugel, ich sollte genügend Bergkristall herumliegen haben (für die Clarobservantia affine Steine, natürlich habe ich welche davon auf Vorrat), ich kann Rashim oder Zuhal um die Weiterleitung an eine entsprechend qualifizierte Person bitten.

Eventuell sollte sich noch einen Sapphir, den Stein Travias in den Stab einlassen, würden weitere Sympathethische Steine sinn machen?

Alles in Allem sollte das nicht allzu lange dauern, die meisten Schritte wären in Punin und Khunchom zu verrichten, die meisten Resourcen sind in Shirdar, alles simpelst verbunden via meiner NLP.

Ja – ich werde ein paar Schreiben aufsetzen, hoffentlich kann Ambareth diese ebenfalls weiterleiten, es zeigt sich wiedermal, es war eine Weise Entscheidung an den Hesinde Disputen teilzunehmen, ohne diese wäre das alles viel komplizierter.

Schade das, die Sache mit Yal’Burudh, damals nicht funktionierte, aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit (wiedermal Zeit), zugegebenermaßen ergibt es für mich nachwievor keinen Sinn, die Bedingungen, welche es stellte um überhaupt den Versuch zu starten Yal’Burudh unter den eigenen Willen zu zwingen, diese sollten erfüllt sein, dennoch weigerte es sich, „Der erbe Aslabans, ein Sohn Tulams, kein Mudramul“, all dies trifft auf mich zu, dennoch verweigerte es sich, ich gebe ja zu, das ich darüber verbittert bin und dies, wie ich im Nachhineinerkennen kann, zu unrecht ausgelassen hatte an anderen, ich denke zwar immer noch, das Yal’Burudh mein ist und dementsprechend bei mir sein sollte, aber aufgrund des Eigensinns, ist es für mich effektiv ziemlich bedeutungslos.

Ich sollte vermutlich mit Delia über Emotionen reden, ich habe zwar keine Ahnung wie, aber ich denke, das es sein könnte, dass das im Studium nahegelegte verfahren mit Emotionen, einige Nachteile haben könnte, eine Person, wie Delia, welche weitaus geübter darin ist mit ihren Gefühlen zu leben und zu funktionieren, könnte da wahrscheinlich hilfreich sein.

Vielleicht bin ich zu, äh zugeknöpft und bestrebt nach zu viel kontrolle, wenn ich so darüber nachdenke, die Möglichkeit des Kontrollverlustes hat auch dafür gesorgt, das die Auseinandersetzung mit erheiternden Geistern nichts für mich ist, woher dieses Gefühl kommt sich kontrollieren zu müssen?

Was Geschah

Ich sollte meine Gedanken sammeln, zumindest wäre das irgendwann einmal gut nehme ich an.

Nun da die Forschung akzeptable Ergebnisse erreicht (oder kurz davor ist, theoretisch ist die Thesis ja schon erstellt), kann ich mich kurz dem hier widmen, was geschah:

Von Punin aus ging es, wie geplant weiter nach Gareth. Ich wäre gerne in der Arcomagica Scholaque Puniensis geblieben um weiter an dem Vortexhandschuh und den entsprechenden Vorbereitungen zu arbeiten, naja ich dachte in Gareth hätte ich dazu auch noch Zeit und dann kammen ein paar Sachen dazwischen.

Okay es ein paar Sachen zu nennen, ist vermutlich auch für mich eine leichte Untertreibung.

In Gareth kümmerte ich mich erst einmal um eine Unterkunft für uns, dazu war die Stadtbürgerschaft notwendig, die wievielte ist dies nun?

(Khunchom, Punin, Donnerbach zählt vermutlich nicht, für Lowangen, Andergast und Thorwal kann ich mich auch nicht an einen relevanten bürokratischen Akt dahingehend erinnern – die Traviakirche und andere relevante interessensgruppen waren da durchaus hilfreich)

Über Janes Verbindungen zu einem Händler namens Storrebrandt, irgendwo habe ich den Namen schon einmal gehört, vielleicht von Tulachim er erzählte ja ab und zu mal von anderen Händlern, wurde dann auch erst einmal der finanzielle teil gedeckt (wieder etwas das über Zeit abgearbeitet werden muss, aber glücklicherweise gibt es ja die Laboratorien, die Geschäfte mit Tulachim, die Einnahmen Khorestans, der Handel [generell – eventuell sollte ich mit Bienenwachs handeln, das ist wohl leidlich erträglich, ich kann mir zwar nicht vorstellen warum, aber Bienenwachs war auch nie von gesonderten interesse für mich], die Schule, das Hospiz, die Post – was halt so anfällt), wenig relevante Kleinigkeiten.

Ich fand auch schnell eine Unterkunft in erstaunlich guter Lage, welche recht preiswert war, irgendwelche Geschichten davon das es dort Spukt oder so, also sollte ich mir das ganze mal arkan ansehen.

Das Turnier, war halt ein Turnier – abgesehen von den paar unerwarteten Ereignissen,

  • wie dem entwenden von Finsterfang (einem zwergischen Geschenk an den damaligen Reichsbehüter Brin),
  • dem Gurgulum,
  • Onkel Dschelefs zusammentreffen mit Bannstrahlern,
  • dem Greif (welcher ein Greif war/ist, ich muss zugeben etwas neidisch bin ich auf Azinas zweite Sicht schon, da studiere ich Jahre lang Canti der arkanen Analyse und Sie kann sich das einfach so [verhältnismäßig betrachtet] ansehen, es scheint auch keine impensation notwendig zu sein und dann kommt noch hinzu, das es ihr möglich ist Dinge wahrzunehmen, welche sich bislang meinen Möglichkeiten entziehen [gut die vis vortex ist mittlerweile recht einfach wahrzunehmen] – würde Sie sich doch nur Sachen desöfteren ansehen),

    gab es in der Zeit für mich auch nicht viel zu tun, da es dem Turnier an arkanen disziplinen fehlte, also wettete ich etwas, zum schluss hin wurde es dezent absurd, dadurch das meine Freunde praktisch alle Disziplinen gewonnen hatten oder nur sich selbst [also anderen Freunden unterlagen], Ende des ganzen war, das aus irgendeinem grund niemand hier neue Wetten mit mir abschließen will und das ich etwas Siedlungsgrund gewinnen konnte, ich denke ich werde die mich begleitenden Travia Geweihten bitten, sich um die Angelegenheit mit dem Dorf vorerst zu kümmern, (basierend auf den verschiedenen Prophezeiungen und anderen Berichten, dürfte das etwas sicherer sein, als sich in meiner Umgebung aufzuhalten, dachte ich mir und war auch korrekt).

Zwischen durch holte ich irgendwann, die bei Collegus Syronius die für Bothor in auftrag gegebenen Thaumatursome ab, wenn mehr Zeit dagewesen wäre, hätte ich mich auch darum kümmern können, aber diese war halt nicht gegeben, gut das ich ihn schon frühzeitig informiert hatte.

Sieghelm wurde zum Ritter geschlagen

(was verständlicherweise etwas wie ein wunder Punkt für ihn bislang war, vermutlich ähnlich zu dem Adeptus [füllte sich irgendwie immer seltsam an, nun ist es Magus oder Magister {wobei ich nicht verstehe warum Magister – sicher die fachliche Kompetenz ist unumstritten da, nur eine akademische Festanstellung ist etwas unwahrscheinlich für mich} was sich etwas besser anfühlt, vermutlich habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, wenigstens ist es nicht mehr Adeptus, das weitere neun Götterlöufe zu ertragen wäre eine Herausforderung gewesen] für mich, freut mich also für ihn),

wir waren bei dem Bankett, vorher noch in einer der Thermen hier, was ich primär eingehüllt in ein Badetuch verwickelt erlebte, Jane wurde Gunstbandträgerin des zwergischen Hochkönigs Albrax (welcher wollte das ich mit ihm ein Wettdrinken veranstalte, was vermutlich recht einseitig sein wird, aber wenn es ihm eine freude bereitet), Bothors Kampf gegen Rohaja, die Sache mit dem schwarzen Ritter [und dem daranhängenden Gurgulum – wirklich seltsam, was da herumdisktutiert wude, nachdem diese Offensichtlichkeit bekannt wurde, wenigstens Reichsgroßgeheimrat Dexter Nemrod war vernünftig und ich konnte den Dämon zurück schicken], Reichsbehüterin Emers Alpträume, den Informationen der K.G.I.A. Und dem sich daraus ergebenden befristeten aushelfen dieser

(ich hätte nicht gedacht das ich einmal Inquisitor sein würde, Delia hätte sich über den Sachverhalt entweder köstlich amüsiert oder ungläubig geschockt darauf reagiert, vor allem, wenn Sie selbst zur Inquisitorin ernant worden wäre, was vermutlich geschehen wäre, wäre Sie dort gewesen), vereinzelte Besprechungen erfolgten, schlussendlich gingen wir jedoch wieder auf Reise (womit meine Vorbereitungen für den Vortrag auf dem Konvent unterbrochen waren, gut der Vortrag selbst war schon seit erreichen Gareths fertig, sollte also nicht so schlimm sein, vermutlich sind wir vor dem Konvent wieder in Gareth, dachte ich mir), dank Onkel Dschelefs Unterstützung ging dies auch recht rasch.

Oh und dann, war noch ein hilfreiches Buch von Dexter – welches für Khorestan von Vorteil sein sollte (was eine Person alles zu lernen hat, naja es heißt ja „ziehe aus um dein Wissen zu mehren“, ich denke das funktioniert einigermaßen – zumal Lesen ja auch nicht solange dauert, danach kann ich die Werke ja meistens sowieso ins Regal zurückstellen) und die Gespräche mit Sarthassa, die Angelegenheit mit der NLP Niederlassung ist momentan irgendwo octtär oder so, also „später“.

Nachfolgende Ereignisse waren auch wieder gemischt, zugegebenermaßen die Sache mit den Incognito namen war etwas amüsant „Alam Bey“ (zutreffende und dennoch praktisch nichts sagende Beschreibung, wenn auch sich etwas seltsam anfühlend, im Rückblick), ich lernte eine weitere Tochter Satuarias kennen (ich begegne erstaunlich vielen Töchtern Satuarias, warum wohl), eine Untersuchung eines Klosters, etwas experiementieren, ein verrückter Greif (ich wusste vorher nicht, das diese dazu neigen zu explodieren – ich riet Azina einige der Federn und so an sich zu nehmen, arkan inhibierende elemente sollten vorteilhaft sein bei den ganzen vorkommnissen, was noch achja die Kisten gen Gareth mit den Greifenüberresten, die können dort besser versorgt werden als hier), eine Burg, dessen Burgherr sich als Paktierer (ich sollte vermutlich mehr Leute arkan analysieren in Zukunft, einfach um sicher zu gehen), rückblickend hat Sieghelm erstaunlich schnell reagiert, was die Sache mit dem Paktierer ziemlich kurz gehalten hat, was zu unserem Vorteil war (erfreulich das meiner expertise nun deutlicher vertraut wird als damals in Hammerschlag), denke ich, die verzauberte/unter den Willen gezwungene Sphinx (bin ich froh, das Serania nicht gestorben ist, das hätte sie nachdem, was ihr angetan wurde nicht verdient, gut das sie sich jetzt ersteinmal in Khorestan ausruhen kann) und einem alten Puniner Archomagus (einem sehr alten Puniner Archomagus – wir können glücklich sein, das sein Herz [oder Geist/Verstand?] nicht wirklich an der Sache zu hängen schien, denn wäre dem so gewesen, ich bin mir recht sicher das ich es noch nicht mit einem Meister der arkanen Kunst aus meiner Akademie aufnehmen kann, welcher mehr als tausend Götterläufe Erfahrung gegenüber mir hat [nur eine Vermutung, aber Puniner Archomagi sind in der Regel recht beeindruckend – es leben immerhin mindestens drei Puniner Archomagi, keine andere Akademie hat so viele lebende Archomagi oder selbst zur gleichen Zeit agierenden Archomagi und es sind auch mehr Archomagi als die Bruderschaft des Wissens insgesamt hat], das Ritual konnte dementsprechend gestört werden und der vorher schon erwähnte Greif (welcher wie erwähnt ein Greif war/ist) konnte gerettet werden.

Danach ging es mit Seranias Unterstützung nach Wehrheim (Sieghelm kümmerte sich noch um die Sicherung der Burg, was vermutlich auch keine schlechte Idee war, die Burg ist vermutlich sicherer [war definitiv sicherer] als das nächste Schlachtfeld), unterwegs lernte ich noch ein Ritual um einen Limbus zugang zu erschaffen (benötige ich dafür einen Dispens, eigentlich ist ja nur der Planastrale „verboten“?), in Wehrheim gab es dann noch einige denkwürdige Ereignisse.

Mit Travias hilfe konnte ich Wehrheim etwas schützen (aber wenn ich an das Ausmaß des Magnum Opus denke, zweifle ich daran, wie viel das geholfen hat – unbedingt bei nächster sich bietender Gelegenheit nachforschen), die Schlacht selbst war, ich bin mir nicht sicher, jemand der sich mehr mit dieser Thematik auskennt kann darüber genauer schreiben, also belasse ich es dabei,

das meine Freunde beeindruckend waren,

Sieghelm stritt gegen den König der Untoten (Amagomer, dessen Krone als Phylacterion fungierte), vier untote Oger wurden in bruchteilen, zu äh bruchteilen durch Bother, Azina, Jane und Sieghelm, Tsatan der junge Begleiter von Bothor konnte Rhazzazor vertreiben mit einem artefakt des Boron, während ich lediglich das Plagenknäuel untersuchte, während es von einer Prozession Geweihter (da ich etwas abgelenkt war mit meiner Analyse – so irgendetwas um 8 Rondra, 1 Efferd, 2 Peraine, 4 Hesinde, und 6 Praiosgeweihte, sowie ein Erzmagister und ihre Magnifizienz Racalla von Horsen-Rabenmund und ein paar weitere, 2 Boron und 2 Travia Geweihte, wenn ich das aus den Augenwinkeln richtig mitbekommen habe, schon ein beachtliches Aufgebot aber Rahastes, ist Rahastes) zu einem für den Exorzismus geeingeten Ort gebracht wurde um diesen in einen großen Ritus durchzuführen (Azina, hatte ja dankenswerter weise bestätigen können um welche heptasphärische Entität es sich handelte – was mir auch einen Anhaltspunkt auf den wahren Namen dieser Entität bei der laufenden Vorbereitung gab, denke ich), eventuell war ich etwas tollkühn und voreillig (definitiv tollkühn rückblickend – ich sollte die Exorziven Canti tiefgehender studieren, denke ich, da diese ja nicht in meine Expertise fallen [theoretisch]), aber nachdem ich auf diese art und weise den wahren namen eruiert hatte, bannte ich Rahastes (das mitgeführte Pentagramm auf meinen Mantel erwies sich dabei wieder als hilfreich – okay das bannen war eine Herausforderung, was allerdings zu erwarten war, sind Exorzismen doch nicht mein Feld, aber den Göttern, Los und dem Schicksal sei dank gelang es mir Rahastes zu bannen, während die Geweihten noch dabei waren sich vorzubereiten – ich werde mir vermutlich einiges deswegen anhören müssen, wenn ich wieder im Diesseits bin),

mit bannen Rahastes brach die Welt über uns ein (nicht ganz, ein Widharcalisches Magnum Opus, welches die konzentrierten Mächte der vier Unelemente die unter der Herrschaft dieses Erzdämonen standen, wurde ausgeführt – Zeit für eine genaue Untersuchung dessen, hatte ich leider nicht), anschließend flogen Gargyle über das Feld und entführten Leute, wie sich später herausstellte um diese als Kraftspeicher einmaliger Verwendung, basierend auf ihrem Sikaryan zu nutzen, da muss es doch eine bessere Lösung für geben.

Wir gelangten mit der Unterstützung des guten, alten Leonarda in den Thronsaal Kolak-Kais, hier befanden sich Gaius Cordovan Galotta und viel wichtiger unsere Freunde Delia und Kalkarib.

Über das Ende Gaius Cordovan Galottas bin ich nicht ganz froh, also schon das es ein Ende gab, aber nicht das wie – aber auch in diesem Fall wäre ein Magierduell, nach den Ereignissen des Tages (und vermutlich auch ohne diese – einen Tiefen Paktierer des Tyakra’man und träger des Splitters Widharcals, welcher dazu noch die magica controllaria meisterlich beherscht, wenn nicht besser – das wäre nicht einfach gewesen, mit genügend Vorbereitung eventuell machbar) keine weise Entscheidung gewesen, ich nehme an streng genommen, habe ich gegen die Gebote der Gastfreundschaft verstoßen, darüber lässt sich aber auch streiten (dennoch fühlt es sich nicht gut an), wie dem auch sei – ich trank Tee mit Galotta, das ich dabei die gleiche Komponente des Zwei-Komponenten Giftes getrunken habe, war eine bewusste Entscheidung, für den sehr unwahrscheinlichen Fall, das es für meine Freunde hilfreich/notwendig sein sollte.

Ich hätte gerne Galottas Zauberstab mitgenommen um diesen zu untersuchen (und weil dies, vermutlich Ritualgegenstand nummer drei gewesen wäre, welches mir vorenthalten würde, würde ich danach fragen dieses zu nutzen), rankten sich doch einige Gerüchte um diesen, aber der Splitter war relevanter und da ich den gefestigsten Geist gegenüber arkanen Einflüssen habe [und aufgrund der Erschöpfung meiner vis arcana keine erhöhte Bedrohung für meine Freunde darstellte] hatte ich diesen kurzfristig an mich genommen um ihn aus Kolak-Kai zu transportieren, aufgrund der Konzentration auf den Splitter bekam ich nicht allzu viel mit, von dem was um mich geschah, irgendwann sind wir irgendwo angekommen, war auch nicht so wichtig.

Viel relevanter war die Verwahrung des Splitters, an dem ich mit Leonardo begann zu arbeiten, was die anderen in der Zwischenzeit getan haben, entzieht sich meinem Kenntnisstand, hoffentlich konnten sich die Guten etwas ausruhen und erholen, nach all dem was vorgefallen war, ich war anscheinend kein Inquisitor mehr, vielleicht auch besser so, Dexter nahm den Ring zurück (und wie erwähnt wichtigeres zu tun – was zumindest dieses mal auch nicht in frage gestellt wurde).

Zuerst erfolgte eine genaue (so genau, wie es möglich war, in einem für mich vernünftigen Rahmen unter dem Zeitdruck) arkane Analyse des Splitters um die entsprechenden Randparameter herauszufinden um eine Möglichkeit der Verwahrung zu erschaffen (die Analyse des rohalschen Gefässes damals, wäre hier bestimmt hilfreich gewesen, wurde mir ja aber verwehrt).

Irgendwann, erfuhr ich das mein Großvater entführt wurde, rückblickend reagierte ich (ich will nicht schreiben überreagierte ich, es handelt sich schließlich um Familie) voreillig (der Splitter mag da seinen Einfluss gehabt haben, was hatte Leonardo gemeint, „er ist nicht gut für die Seele“) und wirkte den Transversalis cantus um diesen Sachverhalt sofort aufzuklären und meinen Großvater zu retten (das ich ohne meinen Stab aufgebrochen bin, spricht definitiv dafür, das ich nicht ganz klar gedacht habe), nur das aufgrund der Geschehnisse um Gareth, etwas gänzlich anderes geschah als ich erwartet hätte.

Ich landete im Limbus und musste mich schleunigst (auf die Problematiken von Raum und Zeit für die Astralebene, gehe ich aus gründen der einfachen Verständlichkeit hier nicht näher ein) mit meinem Willen fortbewegen, während ich den Auarcania Deleatur wirkte um meine Präsenz zu verhehlen und anschließen den Gardianum um mich zu schützen, erst im Anschluss hatte ich die Möglichkeit einen Oculus Astralis cantus zu wirken und mich zu orientieren (ich sollte daran arbeiten, mehrere Canti besser zu synergieren – später, wenn die Zeit dafür da ist), ich befand mich abseits der Kraftlinien die durch Gareth flossen (und auch anderer mir bekannter Kraftlinien), so das ich etwas herumirrte, irgendwann wurde ich von Menacoriten gefunden (das wie, überlasse ich diesen).

Und diesmal halfen sie auch, gut ich habe ihnen meine expertise zur Verfügung gestellt, da ebensolche in den Bereichen der theoretica gesucht waren um an der Forschung eines Cantus zur Versiegelung limbologischer Effekte zu helfen, der gute Magister Ambareth, hat da wohl vermittelnd eingegriffen.

Oh, ich hatte erwähnt das es drei lebende Puniner Erzmagier gibt, ich traf einen weiteren Taphîrel ar’Ralahan (rekonstrukteur des Auge des Limbus cantus), mit beiden zusammen fiel die Vermittlung und der Wissensaustausch auch weitaus einfacher, selbstredend habe ich im Zuge der Forschung und nebenbei einiges über die magica Limbologica gelernt (es wäre schwer und albern gewesen, dies nicht zu tun).

„Irgendwann erfuhr ich das mein Zauberstab zerstört sei, seltsamerweise hinterließ dies nicht viel von einem Eindruck bei mir, vermutlich aufgrund der Situation, dies erfuhr ich von einigen neuen Freunden über meine anderen Freunde, im Zusamenhang mit der Übergabe etwas hilfreichen, an dem ich ebenfalls gearbeitet hatte (die weitere Vertiefung in Thaumatursome, erschien mir hilfreich als Nebenprodukt der Matrizenforschung, beschäftigt sich diese doch eindrucksvoll mit der tieferen Einbindung in Objekte und bietet somit einen guten praktischen Anteil für die Forschung da die entsprechenden protomatrizen einfacher zu erhalten sind auf diesen Weg)“

Was nun? Eigentlich sollte ich an dem Cantus weiterforschen, aber wie erwähnt es liegen akzeptable Ereignisse vor und ich habe ebenfalls Verantwortungen an anderer Stelle, das ich „so lange“ hiergeblieben bin, ist der Tatsache der Wichtigkeit dieses Cantus geschuldet (neben den Sphärenstabilisierenden Aspekt, der sich ergeben sollte – ist der Cantus auch ein guter Ausgangspunkt für das weitere vorgehen gegen den Vortex, naheliegenderweise).

Und zugegebermaßen die Astralebene ist unangenehm, die Kälte die ich in meinen Knochen spüre, das zehren an meinen Corpus, das ständige Rauschen, der mangel an verbalisierter sprache (hätte nicht gedacht, das mir dies mal fehlen würde), die Tatsache das sich kein vernünftiger Tee hier zubereiten lässt, geschweige den genießen lässt, die Trennung von meinen Freunden und den Kindern, für die ich die Verantwortung übernommen habe (gut da helfen die Travia Geweihten und auch andere Leute aus, dennoch – ich sollte mehr Zeit mit ihnen verbringen, da gebe ich ihnen schon eine Chance und schaffe es dennoch nicht für Sie dazu sein, ich hoffe das wird nicht der Fall sein, sollte ich irgendwann einmal eigene Kinder haben [ich vermute das wird erwartet, mit Travia und natürlich auch von der Familie]), das ständige Gefühl des Fallens und so weiter darüberhinaus gibt es noch so viel anderes zu tun, zu viel wie mir manchmal scheint.

Und anscheinend muss ich mich um einen neuen Zauberstab kümmern, abgesehen davon das es ein relevanter Standesgegenstand ist – bin ich seltsamerweise ziemlich wenig fokussiert darauf, die Schale und Kugel wären von interesse, sind aber in nächster Zeit nicht sonderlich hilfreich, abgesehen von der Kugel eventuell, es wird unpraktisch sein, diese die ganze Zeit zu halten, vielleicht sollte ich die Kugel (okay zuerst benötige ich eine Kugel, das ist ein kleines wichtiges Detail, aber eine geeignete Kugel sollte zu bekommen sein) in den neuen Stab integrieren, einige Collegae tun dies ja auch, dann muss ich die Kugel wenigstens nicht die ganze Zeit tragen, wenn ich diese nutzen will.

Das meiste für einen passablen Stab sollte ich zuhause haben, wobei etwas besseres als ein passabler Stab natürlich nett wäre, nehme ich an (ob man mir glauben schenken mag, das ich ein Magus bin [klingt irgendwie seltsam, besser als Adeptus, aber irgendetwas daran – naja, wie auch immer] ohne Stab, das wäre definitiv noch so ein Punkt, wo der Stab als entsprechend notwendiges Standessymbol hilfreich wäre, nicht das mich jemand für einen Scharlatan oder so hält).

Wie es den anderen wohl geht?

Das letze was ich gehört habe war das diese auf einer Reise sind, vermutlich um sich zu erholen, gut für Sie, Rhazzazor wird ja einige Zeit benötigen um wieder aktiv handeln zu können, nachdem was vorgefallen ist, dementsprechend gut, wenn Sie die Zeit dafür nutzen.

Und wo ich nun nicht mehr vollends mit Forschung beschäftigt bin, fällt mir ein das ich wohl unter geistiger Umnachtung leide, Collegus Ambareth oder Magnifizienz ar’Ralahan hätten bestimmt Nachrichten weiterleiten können, wenn ich Sie darum gebeten hätte.

Irgendwie scheine ich etwas in meinem Kopf zu verschwinden, wenn ich mit einem Problem konfrontiert bin, ob das schon irgendjemanden aufgefallen ist.

Was wohl aus dem Konvent und dem Vortrag geworden ist, auch zu den Gesprächen mit den zahlreichen Collegae denen ich Depeschen geschrieben hatte ist es nicht gekommen, da hätte ich endlich mal ein paar meiner Forschungsergebnisse präsentieren können und mehr Aufmerksamkeit auf die vortex basierten umtriebe lenken können und dann so was, der nächste Konvent ist zu lange entfernt, also eventuell die Hesinde Dispute oder ähnliches, was nicht das gleiche ist, aber immerhin noch ein paar Collegae erreichen sollte.

Was noch, ach so Unterstützung für meine befreundeten Menacoriten, da sollte sich auch etwas einleiten lassen Elixiere dürften, von dem was ich mitbekommen habe hilfreich sein.

Azina in Aranien

Ein junger in dünnes Leder gerüsteter Tulamide mit kurzem braunen Haaren und einem spitzbübischen Lächeln betritt ihr Arbeitszimmer auf dem ausgebauten heimischen Hof. Er stößt dabei mit seinen Reiterstiefeln absichtlich gegen den Türrahmen noch bevor er den Mund öffnet um zu sagen: „Oh großartige Meisterin des Nordens, kann ich euch kurz ersuchen?“ „Rashim, du sollst mich nicht so nennen.“ Streng wirft sie kurz ihren Blick nach oben, ehe sie sich wieder ihren Schriftrollen widmet. Nach einer schwungvollen Unterschrift rollt sie das Pergament zusammen und verstaut es in einer Kartusche. „Jane wäre stolz auf mich“, denkt sie bei sich. Dann steht sie auf und tippt Rashim mit der Rolle auf die Brust. „Was ist?“ fragt sie ihn, die Augen zu Schlitzen verengt. „Nun Herrin, oh Eisblume des Südens, ich habe eine Nachricht für euch.“ Und reicht ihr einen versiegelten Brief.


Sie verzieht die Lippen leicht und nimmt ihm den Brief sanft ab. „Das ist alles? … Dann geh.“ Er verbeugt sich lächelnd und geht rückwärts zur Tür hinaus. Danach betrachtet sie das Siegel und lächelt. Es ist ihr eigenes. Sie bricht es rasch und überfliegt die Zeilen. Mit eisiger Mine zerknüllt sie den Zettel und schreitet mit sauertöpferischem Gesichtsausdruck zur Tür hinaus.


„Sattelt mein Pferd!“, würde jeder andere Hausherr jetzt sagen. Doch nicht sie. Sie lenkt ihre Schritte wortlos zum Tor der Ställe und greift sich im Vorbeigehen einen beliebigen Sattel, den sie auf das erstbeste Pferd wirft. Dieses Mal handelt es sich um einen Hengst namens Aslan. Überhaupt reitet sie am Liebsten Hengste. Sie haben Feuer im Blut. „Komm Aslan, wir reiten aus.“ Dem Stallknecht wirft sie nur ein Nicken zu.


Sie führt Aslan am Zügel an den Arbeitern vorbei, die den inzwischen großen wildwüchsigen Bau um weitere Einheiten ergänzen. Alle blicken von ihrem Tagewerk auf und winken ihr fröhlich zu. Sie muss sich noch an die ganze Ehrerbietung gewöhnen, die ihr die Menschen hier zuteil kommen lassen. Sie gab vielen eine zweite Chance und etwas zu tun, um ihr Brot zu verdienen. Das war nur zweckdienlich, da die Mittel begrenzt sind und diese Menschen dankbar die Arbeit annahmen. Der höhere Zweck ihrer Mission beseelt sie zusätzlich. Nicht Wenige sind sogar Opfer von dämonischen oder vortexischen Umtrieben. Dank ihrer zweiten Sicht, die ihr Firun für ihre Aufgabe verliehen hat, erkennt sie eine Pervertierung sofort. Und mit ihrem eisblauen Speer verfügt sie auch über das Mittel, um alles Verderbte auszumerzen. Jeder verdient eine zweite Chance … sofern er bereit ist den rechten Pfad zu beschreiten.


Sie muss sich nicht umsehen, um sich zu vergewissern, dass Rashim ihr mit seinem eigenen Pferd mit respektvollen Abstand folgt. Seit sie ihn von seinem Pakt befreit hat, weicht er ihr nicht mehr von der Seite. Machmal ist es ihr etwas lästig, doch er erkennt ihre Stimmung und zieht sich dann freiwillig – aber nicht ohne Provokation – zurück. Meist ist er sehr nützlich, da er in seinem früheren Leben offenbar schon einmal einem Herrn gedient hat und Wünsche zu erfüllen weiß. Er spricht jedoch nicht über diese Zeit. Und sie fragt nicht danach.


Wichtig ist nur die Sache: Hier in Aranien nahe Baburin auf dem ehemaligen Hof ihrer Familie einen Hauptposten des Schutzordens der Schöpfung zu errichten, zu verwalten und ihn zu halten, gegen alles was da kommen mag. Dazu hat sie Kooperationen mit den hiesigen Adligen geschlossen. Vor allem die Familie der Sarjabarans, mit denen sie einst eine Fehde austrug. Doch diese Fehde konnte über den Dächern von Fasar im 1026 Götterlauf n. BF in einem Falkner-Schwert-Kampf gütlich beendet werden.


Seitdem ist viel passiert, was sie reifen und härten ließ, obgleich sie mit ihren 19 Götterläufen eigentlich noch viel zu jung für eine solche Verantwortung ist. Doch sie konnte von ihren Gefährten sehr viel lernen. Von Sieghelm lernte sie, wie man Menschen um sich scharrt. Von Jane schaute sie sich das Staatsmännische und die Verwaltungsarbeit ab, ohne dass diese es bemerkte. Nehazet verbesserte ihr Lesen und Schreiben, während sie sehr viel über Magie lernte. Delia war immer für eine Überraschung gut: sie dachte um die Ecken und ihre ungezwungene Herzlichkeit erinnerte sie an ihr früheres Ich. Das war bevor sie von Firun erwählt wurde. Von Bothor blieb ihr die Ehre und Rechtschaffenheit, wobei auch Sieghelm Ehre besaß, nur es bei ihm eher eine Frage des Prinzips war. Bisweilen recht nervig, aber auch beeindruckend. Was wohl aus ihnen allen …


„Ordensmeisterin! …“ wird sie aus ihren Gedanken gerissen. „Schau, wie gut das Getreide wächst.“ Sie heißt die Ablenkung willkommen, springt aus dem Sattel und bückt sich am Feld zu den ersten Pflänzchen hinunter und betrachtet sie eingehend. Sie lächelt den Bauer freundlich an: „In der Tat, das sieht wirklich hervorragend aus. Wir können auf eine reiche Ernte hoffen. Gute Arbeit.“ Lobt sie ihn. „Gute Arbeit!“ ruft sie laut, so dass alle sie hören konnten.


Sie gehen zu ihren Pferden zurück. „Diese Leute beten euch an.“ Bemerkt Rashim nicht zum ersten Mal spitzbübisch. Leichte Röte zieht ihre Wangen hinauf. Nach langem Schweigen antwortet sie ihm: „Das sollten sie nicht. Sie sollten die Götter anbeten! Sie sind es, deren Segen wir erbeten müssen.“ Rashim winkt ab: „In diesem Punkt irrt ihr, sonst so unfehlbarer Stern aus Eis. Was haben die Götter für diese armen Menschen bisher getan? Waren sie nicht alle gottesfürchtig genug? Dennoch erlitten sie sehr viel Leid. Ihr seid es, die ihnen Hoffnung gebt und die ihnen bewiesen hat, welch kühle, aber herzliche Macht ihr besitzt und wie ihr sie einsetzt.“ Jetzt ist es an ihr abzuwinken: „Das ist nur verliehe Macht bis meine Mission erfüllt ist. Was danach folgt, wissen nur die Zwölfe. Uns stehen schwere Zeiten bevor. Wir müssen uns wappnen.“ Sie breitet die Arme aus. „Dies alles wird sehr bald nötig sein. Wenn erst die Verheerung beginnt. Es wird Hunger und noch viel mehr Leid geben. Ich benutze diese fleißigen Menschen nur gegen das Schicksal.“ Rashim lacht kurz auf. „HA! Sie wollen doch von euch benutzt werden.“ Die Stirn in Falten ziehend wendet sie sich von ihm ab und sitzt wieder auf. Rashim schaut ihr einen Augenblick lächelnd nach, eher er ihr folgt.


Eine Weile reiten sie schweigend die Grenzen ihres kleinen Reiches ab. Sie denkt dabei an ihren Brief, der sie zur Tat zu schreiten zwingt. „Wir hatten eine Vereinbarung! Ich hier, du dort. Was soll das nun? Was ist im Effert des Reiches so wichtig, dass ich unsere Kinder verlassen soll, um das Volk ihres Vaters zu retten? Und was ist mit meiner Aufgabe hier? Wer soll diesen Stützpunkt aufbauen? … Nun ja, zugegeben, das können auch Andere, Fähigere. … Aber was soll nur aus Zahira und Zahir werden? Ich kann sie doch nicht zurücklassen!“ Tiefe Traurigkeit überfällt sie. Gut, dass hier in dem kleinen Wäldchen, welches sie gerade durchreiten, niemand ist, der die Tränen sehen kann.


„Alles in Ordnung, meine Eisblume?“ Fast niemand. Rashim ist plötzlich heran und legt aus seinem Sattel heraus einen Arm um ihre Schultern. Er muss ihren Stimmungsumschwung gespürt haben. „Ach Rashim, ich muss fort. Fort, um ein Volk zu retten.“ „Warum denn, oh zarter Eiskristall?“ Schwach versucht sie seinen Arm wegzuschieben. „Lass das.“ Doch er gibt nicht nach. Eine Weile lässt sie es geschehen. Lässt diese Schwäche geschehen. Sie hat sich verändert, seit sie hier ist. Seid sie Mutter ist. Sie kann doch nicht weggehen. Aber wenn die Pflicht es doch verlangt?


Als der Moment der Schwäche verfliegt, schüttelt sie seinen Arm und ihre Gefühle ab, schnalzt einmal mit der Zunge und gibt ihrem Hengst die Hacken. In wildem Galopp reitet sie auf den Hügel, der sich über nahe dem Anwesen erhebt und blickt in die Ferne. Tief atmet sie ein und nimmt den Anblick selbstberuhigend in sich auf. Wie automatisch schließt sie die Augen und ihr Sichtfeldverändert sich. Nun sieht sie alles in rot und blau vor sich ausgebreitet. Die blauen Flächen mit den roten wimmelnden Bewegungen darauf. Alles ist wie immer. Doch halt. Etwas nähert sich dem Anwesen. Erneut treibt sie ihr Pferd an. Dieses Mal noch schneller. Den Hügel hinunter zum Haupttor. Kurz bevor der Karren das Tor passiert, prescht sie durch Selbiges hindurch und wendet Aslan hart, sodass er sich aufbäumt und ein klagendes Wiehern ausstößt. Beruhigend kopft sie ihm auf die Schulter und flüstert ihm einige Worte zu, ehe sie ruft: „Bleibt stehen.“ Doch das war gar nicht mehr nötig. Der Kutscher hat seinen Karren bereits zum Stehen gebracht und starrt sie mit schreckensgeweiteten Augen an.


Behände springt sie vom Pferd und tritt zur Seite mit dem Rücken zum Anwesen, den Blick fest auf den Karrenlenker gerichtet, der furchtvoll immer kleiner zu werden schien. „Ahhh.“ Stöhnt die umstehende Menge auf, als aus dem Haus der wohlbekannte Speer herausfliegt und ihr direkt in die Hand gleitet. Fest packt sie ihn, während sie zur Rückseite des Karrens geht und dort mit der Speerspitze etwas aus der Ladefläche hebelt und zu Boden purzeln lässt. Es ist ein kleines hölzernes Kästchen. Wortlos geht sie zum Zugpferd des Karrens und deutet dem Kutscher weiterzufahren. Dieser gehorcht und wendet sein Gefährt auf dem Hof, um zu sehen, was da hinter ihm zurückblieb. Rashim treibt sein Pferd neben ihn und zieht seinen Khumchomer.


Azina begutachtet währenddessen unbeirrt das Kästchen, das da vor dem Tor so harmlos auf dem Boden liegt. Nachdem sie es einmal umrundet hat, stößt sie unvermittelt ihren Speer in den schmalen Schlitz des Deckels und treibt ihn so tief hinein, dass das Kästchen zerspringt. Zeitgleich erhebt sich ein Kreischen und Qietschen, das nach einer kurzen Zeit wie in weiter Ferne abklingt. Die Umstehenden nehmen sich erst nach und nach schaudernd die Hände von den Ohren und murmeln Gebete vor sich hin.


Azina zieht ihren Speer aus dem Kästchen, macht ein paar Schritte und wirft ihn wieder zum Haus, wo er in einer Spalte verschwindet und wo er offenbar irgendwo steckenblieb ohne klappernd herunterzufallen. „Bearbeite seinen Ersuch und dann lass ihn weiterziehen.“ wirft Azina Rashim im Vorbeigehen zu und betritt wieder das Haus auf dem Weg zu ihrem Arbeitszimmer. Den Brief von Azina lässt sie in den Eimer fallen und schaut mit verschränkten Armen aus dem Fenster.


Rashim tritt etwas später zur Tür herein. „Erneut eine Nachricht, oh Auserwählte Firuns, vom gleichen Absender.“ „Was?“ hektisch dreht sie sich um und reißt ihm das Pergament mit dem Siegel aus der Hand.“ Sie wendet sich rasch wieder dem Fenster zu, bricht das Siegel und überfliegt die Zeilen. Seufszend wirft sie den Brief in den Eimer und schaut wieder aus dem Fenster.


Von Neugier gepackt nimmt Rashim die Briefe aus dem Eimer. Dabei sorgt er dafür, dass sie das Knistern hören muss. Als eine Reaktion ausblieb, liest er die Briefe in der richtigen Reihenfolge.


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Ahlan und Firun zum Gruße Azina,

die schwarzen Lande sind noch nicht besiegt. Wir sollten an Borans Volk und die möglichen Folgen denken.

Es tut mir Leid.

Dare azîz

Deine Reisende Azina

13. Ingerim 1027 n. BF – Abilacht/Albernia

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Ich schreibe diese Zeilen voller Hast. Ahlan Azina, ich werde selbst gehen. Mögen unsere Gefährten ihren eigenen Weg finden. Sorge du das Deine.

Dare azîz

Deine Reisende Azina

16. Ingerim 1027 n. BF – Abilacht/Albernia

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Verwirrt schaut Rashim zu ihr am Fenster und legt die Stirn in Falten.


Sie hingegen blickt wieder hinaus auf die Felder und die Menschen und lächelt breit.


„Hier gehöre ich hin.“

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Azinas Schicksal

Gedanken eines Witwers

Es ist der Abend des 11. Praios 1028 BF. Am Morgen ist die Gruppe, in Begleitung von Lady Koschdane und dem Trauerzug ihres Bruders, aus Salmingen abgereist, auf dem gemeinsamen Weg nach Hammerschlag und zur Feste Friedstein. Direkt hinter Salmingens Stadtmauern machten sie einen kurzen Halt, damit Bothor in den Rondra-Tempel konnte, um seine versprochene Belohnung abzuholen. Aber wie konnte Bothor ahnen, welche Pläne die Hohepriesterin noch hatte…

Bothor sitzt auf dem Boden seines Zimmers im Gasthaus „An der Tarnel“ in Tarnelfurt. Sanfte Tränen fließen über seine Wangen. Die Beine hat er eng an seinen Körper gezogen. Auf seinen Knien hat er seine Hände abgelegt, die Finger ineinander verschränkt, die Handflächen offen nach oben zeigend, in ihnen ein kleines Ton-Amulett. Es zeigt zwei Gänse ein Ei flankierend. Es ist rau und schon leicht abgegriffen, zu oft in den Händen gehalten für seine einfache Machart…

Oh meine geliebte Hellena! Zwei Tage und drei Monde fehlen bis zu unserem 30. Traviatag! Oh einzige Liebe, die je in meinem Herzen war! Oh, wie kann ich mir nur erdreisten, heute in meinen Träumen dir in die Augen zu schauen? Wie soll ich dir, Mutter meines Sohnes, je wieder vor die Augen treten? Als wir uns im Namen der Großen Mutter schworen einander zu lieben, welche Tage auch immer kommen mögen, schworen wir uns auch, dass Rahja dir neben mir nur Stuten schicken möge und mir neben dir nur Hengste. Nie waren wir Kinder der Traurigkeit, aber immer waren wir uns treu, ich dir auch, seit dem ich verflucht bin allein auf Dere zu wandeln! Wie konnte ich dich heute nur betrügen? Wie konnte ich Lolgramoth anheimfallen? Immer trug ich dich in meinem Herzen und meine ewige Liebe zu dir stolz nach außen! Meine Tränen führten dich über das Nirgendmeer, wohin tragen mich meine Tränen heute? Oh Boron, Herr der du mich erwählt hast, ich bitte dich, lass die Liebe meines Lebens meinen Verrat vergessen! Soll ihre Seele nicht durch meinen Betrug Schmerzen leiden. Oh ihr Göttinnen Travia und Rahja, ich bitte euch, straft mich auf jede Art, die euch beliebt! Mein Herz, meine Gefühle, mein Verlangen liegt in euren Händen. Oh Mutter Rondra, so lang habe ich dir treu gedient. Ja, ich habe dich strafen wollen mit meinem Schweigen, aber handelte ich je gegen dich? Wieso führtest du mich in diesen Kampf? In deinem Haus? Gegen dich selbst? Wie sollte ich nicht unterliegen? Welche Chance hatte ich, siegreich hervorzugehen? Ist dies deine Strafe? Soll es Güte sein? Oh ihr Götter, ihr alle, in deren Blick ich liege, zeigt mir einen Weg! Gebt mir die Chance, einst mich mit der Seele meiner Hellena wieder verbinden zu können, ohne dass der Verrat und der Betrug dieses Tages zwischen uns stehen. Ich bitte euch! Hellena, ich liebe dich. Seit ich dich das erste mal sah, bis zu dem Moment, in dem ich das letzte Mal etwas sehen werde und allzeit darüber hinaus!

Bothors Nacht war still, unruhig, traumlos und kaum erholend. Wie schon am Tag zuvor ließ er sich dank all seiner Selbstbeherrschung nicht anmerken, wie aufgewühlt er im Inneren war. Spätestens zur Mittagsstunde, als Fräulein Peddersen das Gespräch auf ihre Vision und das Vortex-Buch brachte, verdrängte Bothor das Geschehene wieder und konzentrierte sich auf die anstehende Rettung der Welt…

Abschied

Während es sich die Helden am 15. Ingerimm 1027 n. BR in Honingen im Gasthaus einrichten zieht es Azina einmal mehr in die Wildnis. Hier vor den Toren der Stadt liegt der Honinger Forst, worin sie sich dieses Mal zurückzieht. Erneut geht ihr Vieles durch den Kopf. Vieles womit sie die anderen nicht belasten möchte. Sie haben ihre eigenen Sorgen und Nöte. Und sie meistern sie bisher sehr gut. Man mag nicht immer einer Meinung sein; wie der ‚Pakt‘ mit dem Feuerdämon unter dem Berg oder der Verwendung des Schwarzen Auges. Auch die brieflich geschilderten Geschehnisse in Hammerschlag wecken ihren Argwohn. Denn sie ist der festen firunischen Überzeugung, dass von den Dämonen nichts Gutes kommen kann und sie und ihre Absichten unbedingt bekämpft werden müssen. Den Dämonen ist nicht zu trauen! Doch ihre Gefährten erweisen sich in dieser Hinsicht als flexibler. Man mag sehen, wohin das Führen wird. Was sie jedoch eint, ist der unerschütterliche Glaube an das Gute und an das Leben. Auch Dämonenpakte können daran nichts ändern. Noch ist nicht entschieden, ob es Mut oder Torheit war, der die anderen trieb. Aber sie vertraut ihnen.

Am Morgen des 16. Ingerim 1027 nach Bosparans Fall erwartet Azina ihre Gefährten, als sie das Stadttor von Honingen passieren. An ihrem Gesichtsausdruck können sie bereits ahnen, dass sie etwas zu sagen hat.

„Freunde … es ist euch bereits gewiss aufgefallen, dass ich in der letzten Zeit sehr viel allein … allein mit Elfenbein, Adaque und Gro’jesh … blieb. Dieses Verhalten galt nicht euch. Ich selbst bin in vielerlei Gedanken versunken. Gedanken über die Zukunft und Gedanken über uns. Und ich fürchte diese Reise verdrießt mich. Ich werde hier nicht gebraucht.

Als wir letztens darüber sprachen, dass die Feuer der schwarzen Lande noch nicht erloschen sind, Hochstieg ihnen gefährlich nahe liegt und Gro’jeshs Volk sowohl gefährdet ist, als auch selbst eine Gefahr für Hochstieg darstellt. Das Wissen und die Macht eines Shakriin Boran kann sie nun nicht mehr schützen.

Daher habe ich beschlossen, an dieser Stelle umzukehren und nach Hochstieg zu gehen, um die Trollzacker zu bewahren. Und ich bin es mir schuldig, es selbst zu tun. Vielleicht finden wir sogar wieder einen Platz für Gro’jesh bei seinem Volk, wenn die Tat nur groß genug ist.“

Sie atmet tief ein und mit einem Seufzer aus. Dann wendet sie sich jedem ihrer Gefährten noch einmal persönlich zu.

„Delia …“ Sie geht auf die Erwählte der Rahja zu und schließt sie sanft in ihre Arme. „Du bist mir eine liebe Freundin. Dich zu verlassen fällt mir am Schwersten. Vieles haben wir in der kurzen Zeit gemeinsam erlebt, durchgestanden und gefeiert. Und doch … ich sehe, wie sich unsere Leben und unsere Vorstellungen zunehmend unterscheiden. Und ohne meinen Einfluss fürchte ich um dich. Ich weiß, es mag albern klingen aus einem Munde, der so viel jünger ist. Aber … lass dich nicht verleiten. Denk daran: den Dämonen ist nicht zu trauen … dir vertraue ich.“

Sie sieht ihr noch einmal intensiv in die Augen, als wolle sie sich ihren unverfälschten Anblick einprägen. Dann wendet sie sich ab, ehe Flüssigkeit ihren Blick trübt.

„Jane … HA … wir waren nicht oft einer Meinung. Doch ich kann mir keinen besseren und respektableren Ordensgroßmeister vorstellen als dich. Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg. Ich weiß, du wirst es schaffen, diesen Haufen ans Ziel zu bringen und wenn du dabei die Zeit selbst durchschreiten musst.“

Sie klopft ihr lächelnd auf die rechte Schulter, ehe sie sie in eine feste Umarmung zieht. Danach wendet sie sich Bothor zu, dem sie ihren Arm für einen Kriegerhandschlag darbietet.

„Bothor … wir fochten sehr erfolgreich Seite an Seite. Ich weiß, dass man sich auf dich verlassen kann. Beschütze die deinen.“

In dieser Aussage schwingt viel Vertrauen, Respekt und ein endgültiges Willkommen mit. Sie lächelt grimmig und nickt, ehe sie sich mit schief gelegtem Kopf Voltan zuwendet und langsam auf ihn zu geht.

„Voltan … ich weiß, wir kennen uns noch nicht lange. Doch die Zeit und die Gespräche, die wir miteinander hatten, bedeuten mir dennoch viel. Für die Zukunft kann dir nur sagen: Halte am Glauben fest. Lasse dich nicht beirren. Ich bin überzeugt, dass du deinen göttlichen Weg gehen wirst. Denke an mich, wenn es gilt, standhaft zu bleiben.“

Damit macht sie den letzten Schritt auf ihn zu, stellt sich auf die Zehenspitzen und haucht ihm einen Kuss auf die rechte Wange.

Danach wendet sie sich wieder allen zu: Eine kurze dankbarkeitsbezeugende Verbeugung, ein Blick in die Augen von jedem und sie wendet sich gen Rahja.

„Erwartet mich zur rechten Zeit.“ Spricht sie in den Wind und geht.

….

Auf einem Hügel steht sie da und blick zurück hinab in die Ebene. Sehnsüchtig sieht sie der kleinen Gruppe nach, die langsam am Horizont verschwindet. Sie aktiviert ihren Armreif, den sie einst von Nahema in Ferdok bekam, um mit Adlerauge Luchsenohr, alle noch einmal genau ins Bild zu fassen. Gefährten, Kameraden und Freunde nennt sie sie. Viel haben sie gemeinsam erlebt. Und vieles liegt noch vor ihnen. So das Schicksal es will, so kommen sie dereinst wieder zusammen und streiten gemeinsam.

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Azinas Abschied

Brief an Ordensgroßmeisterin Jane Peddersen

Meine lieben Freunde!

Lang ist es her dass wir in Hochstieg Kunde von euch erhielten. Eine Depesche darüber daß der werte Herr Magus nicht mehr bei euch weilt wäre hilfreich gewesen. Vielleicht hätte der Orden souveräner auf die Frage nach Tee für Nehazet reagieren können die zwei merkwürdige Gestalten in einer Art Loch im Raum in der Küche an uns stellten. In meiner Verwirrung verwieß ich sie an euch Fräulein Peddersen woraufhin sie einfach im Nichts verschwanden. Mir ist nicht bekannt ob sie euch fanden oder was das überhaupt zu bedeuten hatte. Ich hoffe an dieser Stalle daß alle Wohlauf sind?

Nun das ist aber eigentlich nicht der Grund warum ich diesen Brief aneuch schreibe. Der Grund ist die erfolgreiche Niederkunft meiner geliebten Darpatia! Seit heute Morgen haben wir eine Tochter! Sie wird morgen Abend in einer großen festlichen Zeremonie von Trondbald und Helfwiege auf den Namen Lindegard Thalionmel von Spichbrecher-Hardmund getauft! Ein toller Name oder? Darpatia und ich haben auch nicht seit zwei Monden über die mögliche Namensgebung disputiert… Tatsächlich bedrückt es uns daß keiner von euch in der Lage ist anwesend zu sein auch wenn wir die Gründe natürlich vollends verstehen.

Wo auch immer ihr gerade seid und welchen Gefahren ihr auch immer ausgesetzt seit – ganz Hochstieg grüßt euch und wünscht euch Wohlbefinden.

Liebste Grüße
Traviahold

Den Dämonen ist nicht zu trauen

Alle starren fasziniert auf den Stein, den Delia da offenbart. Ohne die anderen darauf Aufmerksam zu machen, krallt sie ihre Linke in Elfenbeins Nackenfell und besinnt sich auf Ihre Umgebung bis sich die Farben verändern. Während Delia nur ganz kurz zu sehen ist, ehe sie verschwindet, zieht sich die Magie des Auges mit dämonischen spuren durch den ganzen Raum. Ein leichter Schwindel befällt sie, da sie sich des Eindrucks der endlosen Ausdehnung nicht erwehren kann. Nur mit Mühe kann sie die Konzentration halten und erkennt, dass das Auge aktiv ist. Angewidert wendet sie den Blick ab.

Das ist Dämonenwerk! Wie können meine Gefährten ernsthaft erwägen dieses Ding zu nutzen, um mit Dämonen Zwiesprache zu halten? Überhaupt habe ich ernsthafte Bedenken, was die Entwicklung der Geschehnisse und unsere Entscheidungen betreffen. Wir können gar nicht ermessen, zu was dieses Auge imstande ist. Am Ende werden wir von ihm beeinflusst das falsche zu tun. Wir wissen einfach zu wenig über all die Geschehnisse.

Warum sind die Dämonen und somit auch ihre Erwählten offenbar stärker als wir? Sie verfügen über uns, wissen mehr und versuchen uns anzuleiten oder zu beeinflussen. Noch töten sie uns nicht; vielleicht, weil sie ob eines göttlichen Schutzes es nicht vermögen? Oder aber weil wir ihnen noch von Nutzen sind.

Und was wissen wir über den Vortex? Praktisch nichts! Es gibt keine Informationen auf Dere … von denen wir wissen. Und warum schweigen die Götter? Sie geben uns keine Hinweise. Es scheint mir eine Prüfung in Gottestreue zu sein. Nur blindes Vertrauen in die Götter und ihre Lehren kann uns retten. Die Dämonen und ihre Erwählten wissen offenbar mehr oder wollen es uns glauben machen, um nach dem Scheitern des Vortex die Macht in unserer Sphäre zu übernehmen. Ihnen ist nicht zu trauen!

Solange mir meine Götter nichts anderes Befehlen, werde ich mit dieser Brut keine Gemeinheiten machen! Ich werde nicht zulassen, dass wir gesteuert werden! Bleiben wir uns selbst treu und streiten auf unsere Weise!

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Azinas Gedanken

Brief von Delia an Janiha von Lindentreu

06. Ingerimm 1027 B.F.

Delia saß in ihrem Zimmer in Elenvina. Über dem kürzlich erhaltenen schwarzen Auge ruhte immer noch ihr Schal, in der Hoffnung das Auge abschirmen zu können. Die Hexe nahm sich Federkiel und Tinte und begann einene Brief aufzusetzten.

„!Persönlich! An Candidata Janiha von Lindentreu – Akademie der vereinten Künste von Schwert und Zauberstab – Kaiserlich Garethisches Lehrinstitut der angewandten kombattiven Magie, vom Schwert und Stabe zu Gareth, der Herrin Rondra und der Herrin Hesinde zum Wohlgefallen“ Gesiegelt mit dem Ring der Inquisiton der KGIA.

So den Empfänger hatte sie schon auf dem Einband des Briefes geschrieben, das war der einfache Teil. Während ihr Kater Nasir neben ihr schlief fuhr sich Delia durch ihr flammend rotes Haar. Es durfte nichts schief gehen. Sie war auf einer heiligen Mission im Namen der Liebe und der Herren Rahja unterwegs. Sie war fest entschlossen bei der Angebeteten von Voltan ein gutes Wort einzulegen. Dann leuchtete ein Feuer in ihren Augen auf und sie begann zu schreiben.

„Hesinde, Rondra und Rahja zum Große Candidata Janiha,

Ihr werdet mich nicht kennen, aber ich bin ein Mitglied des Schutzordens der Schöpfung, mit welchem Voltan derzeit auf Reisen ist. Vorab ihm geht es gut.

Ich möchte für Voltan Fürsprache halten. Voltan hat in der kurzen Zeit, in welcher er uns begleitet erstaunliches geleistet. Er zeigte außergewöhnlichen Mut, Disziplin, Ergeiz, Treue zu den Zwölfen und über seinen Stand als Candidatus hinaus gehendes magisches Wissen. Leider kann ich hier nicht genaueres schreiben, da ich nicht sicher bin, ob diese Nachricht abgefangen wird. Außerdem denke ich, dass Voltan Euch selbst gerne von seiner Reise mit uns berichten mag.

Das Voltan und Euch ein besonderes Band im Sinne der Herrin Rahja verbindet wurde mir schnell offenkundig. Als Dienerin der weißen Stute erfreut mich das sehr und selbstverständlich ist Euer Geheimnis (welches keines sein sollte) sicher. Ich finde es betrüblich, dass die Statuten der Akademie solche knopsende Liebe unterdrückt. Lasst mich versichern, dass Euer Herz sich den richtigen Mann ausgesucht hat. Er ist nicht nur gebildet, stark, magisch fähig und sieht darüberhinaus noch gut aus, sondern hat auch einen beachtlichen Stammbaum, derer von Spichbrecher. Ich selbst bin mit dieser Familie gut bekannt und nenne Reichsritter Sighelm Gilborn von Spichbrecher einen guten Freund. Ihr wäret sicherlich in der Familie sehr wilkommen.

Was die Kosten Eurer Ausbildung und die von Voltan betrifft, so denke ich, dass sich hier eine Einigung finden lässt. Ich würde Euch gerne unterstützen, damit Ihr nicht mit Schulden in Euer junges Leben geht.

Des Weitern ist es meine heilige Pflicht Euch mitzuteilen, dass von diesem Moment an Eure Liebe unter meinem persönlichen Schutz und damit unter dem Schutz des Schutzordens der Schöpfung steht.

Es würde mich sehr freuen von Euch zu lesen und Euch eines Tages persönlich kennenlernen zu dürfen. Spätestens wenn ich Voltan zu Euch zurückbringe.

Möge die weiße Stute und alle Zwölfe die schützenden Hände über Euch halten.

Hochachtungsvoll

Delia saba Isaria ban Rezzan al Cumrat
Auserwählte der Herrin Rahja
Schwanenhüterin zu Hochstieg
Ehefrau von Kalkarib al’Hashinnah ben Hilal bân Rezzan
Ordensgroßmeisterin des Schutzordens der Schöpfung
Inquisitorin der KGIA“

Mit zufriedenem Lächeln versiegelte Delia den Umschlag. Ihr grinsen wurde noch breiter, als sie sich erneut der absurden Situation bewusst wurde, dass sie als Hexe einen Brief mit dem Siegel eines Inquisitors der KGIA siegelte.

Teil VI – Die Sehnsucht nach Geborgenheit (4)

Burg Rabenmund – 22. Peraine, 34 nach Hal – Tief in der Nacht

Für den Wüstensohn verstrich die Zeit in den Gemäuern von Burg Rabenmund quälend langsam. Er war hellwach, seine Sinne geschärft und sein Bein schmerzte nicht mehr. Er kostete jeden Moment aus, denn er wusste, dass der kleinste Fehler das Ende von ihm und den Galottanern bedeuten würde. Die verbliebenden Rabenmunder Gardisten würden nicht lange fackeln und kurzen Prozess mit ihnen machen. Ihr Trupp war inzwischen komplett bewaffnet, doch das sollte eher für ihre weitere Flucht außerhalb der Festung dienlich sein als hier. Sicherlich, eine Waffe in den Händen zu halten wäre im Moment einer Entdeckung hilfreich, doch sie alle waren in einer miserablen körperlichen Verfassung und in einem desolaten moralischen Zustand. Im Moment überwog zwar die Hoffnung auf eine erfolgreiche Flucht, doch diese Hoffnung stand – und das wusste Kalkarib – auf Messers Schneide.

Halbhand führte die gemischte Gruppe durch die Mauern des Stammsitzes der mittelländischen Familie. Sie gingen eine Wendeltreppe hinab und waren wieder in einem unterirdischen Gang angekommen, als er plötzlich vor einem großen Wandschrank stehen blieb. „Hier, hier ist es.“ Er zuckte wieder mit dem Augenlid und tapste zaghaft auf das Holz, als wäre es etwas Besonderes, dass man leicht kaputt machen könnte. „Was soll hier sein?“, warf Kalkarib im Flüsterton ein, denn er konnte beim besten Willen nur kalten Stein und einen hölzernen Schrank sehen. „Dahinter ist der Geheimgang nach draußen“, antwortete Halbhand und kaum hatte er es ausgesprochen, machten sich mehrere der Tobrier auch schon daran, ihn anzuheben und vorsichtig zur Seite zu hieven. Kalkarib blinzelte verwirrt und musste erst seine Gedanken sammeln. Hatte Halbhand ihn hinters Licht geführt? Zwar wurde auch in ihm die Freude auf eine gelungene Flucht größer, aber entgegen seiner Anweisung, hatte Halbhand sie nicht zu Belzora, sondern zum Fluchttunnel geführt. „Halt! Wartet, wir müssen noch Belzora retten.“ Doch die Männer machten keine Anstalten mit ihrem Vorhaben aufzuhören, stattdessen wandte sich Karmold an ihn: „Sprich für dich, Novadi – sie ist schon längst tot“, sagte er im ernsten und düsteren Ton, ehe er weitersprach: „Wir sollten machen, dass wir hier rauskommen.“ Karmolds Worte trafen Kalkarib wie Dolche direkt ins Herz. Wie konnte er das nur sagen? Er konnte es nicht wissen. Außerdem war ER der Anführer dieser Gruppe, und nicht Karmold. „Wir müssen sie retten!“, fauchte Kalkarib, packte Karmold an der Schulter und riss ihn herum, er spürte, wie die Wut wieder in ihn hochkochte. Der alte Mann entgegnete ruhig und entschlossen: „Was willst du machen, Novadi? Mich töten? Bei der Herrin der Untoten, wir sind ohnehin schon alle längst tot – sie hier auf der Burg zu suchen käme dem gleich. Ich für meinen Teil, versuche mein Glück lieber da draußen.“ Und mit diesen Worten riss er seine Schulter unsanft aus Kalkaribs Griff und schaute ihm abwartend an. Unterdessen hatte die Tobrier den Schrank zur Seite gehoben und tatsächlich kam dahinter ein schmaler, mit Spinnweben behangener Gang zum Vorschein. Der Wüstensohn blickte von Karmold in die Gesichter der anderen, nacheinander suchte er sie vergeblich nach Unterstützung ab. In ihren bis auf die Wangenknochen ausgemergelten und schmutzigen Gesichtern lag die pure Angst, kein Feuer loderte in ihnen. Wahrscheinlich wären Sie Kalkarib gefolgt, doch nun, wo sie direkt vor dem Ausgang in die Freiheit standen, war die Aussicht auf diese größer, als die frisch entfachte Treue zu einem unbekannten Novadi. Kalkarib wurde in diesem Augenblick schmerzlich bewusst, dass nicht nur Halbhand ihn an der Nase herumgeführt hatte, sondern er auch beim besten Willen keine Worte hätte finden können, die diese Männer und Frauen jetzt dazu zu bewegen würden, sich erneut in Todesgefahr führ ihn oder Belzora zu begeben. Die Wut ihn ihm wich tiefgehenden Mitgefühls, welches er für die Tobrier empfand. „Dann geht“, sagte er kurz angebunden und atmete dabei schwer aus, denn er musste jetzt eine schicksalsvolle Entscheidung fällen. „Ich werde niemanden aufhalten, doch ich suche Belzora und rette sie. Vielleicht sehen wir uns draußen, mögen eure Götter mit euch sein.“ Er machte auf dem Absatz kehrt und kein Widerspruch erklang. Seine Gedanken waren bei seiner Beschützerin aus der Zelle, die ihm das Leben gerettet hatte. Ohne sie hätte er die ersten Tage hier im Kerker nicht überlebt. Seine Ehre gebot ihm, das Selbe nun für sie zu tun, ganz gleich wer sie war oder was sie zuvor getan oder nicht getan hatte. Sie hatte es verdient, dass er es wenigstens versuchen würde, sie zu finden und zu retten. „Los kommt, gehen wir“, hörte er noch Karmold hinter sich sagen, da packte ihn plötzlich jemand an der Schulter und Kalkarib fuhr angespannt herum. Vor ihm standen Yaqi und zu seiner Verwunderung auch der schüchterne Scharlatan Radromir. „Warte, ich helfe dir“, sagte Yaqi und ihre Worte waren wie Balsam für Kalkaribs Gemüt. Radromir, der mit seiner restlichen Sensibilität für soziale Interaktion bemerkte, dass auch er etwas aufbauendes sagen sollte, entschied sich mit unsicherer Stimme für: „Ich kann euch doch nicht allein gehen lassen, ohne mich wäret ihr doch aufgeschmissen.“ Yaqi und Kalkarib belegten den Scharlatan mit einem fragenden Blick und als dieser spürte, wie sich diese wie Dolche in ihn hineinbohrten, schob er erklärend hinterher: „Na, wegen der Schlösser! Keiner von euch kann … Schlösser öffnen, ja?“ Da Radromirs Nervosität von Moment zu Moment immer stärker wurde, entschied sich Kalkarib für ein entschärfendes Lächeln und sagte: „Danke, dass du mitkommst, Radromir. Ich weiß das zu schätzen.“ Erst jetzt wich langsam die Unsicherheit aus Radromir und während er mit dem Finger verlegen in seinen langen Locken spielte, überkam auch ihn ein kleines Schmunzeln. Während Karmold den Großteil der Galottaner durch den Fluchttunnel führte, schlossen sich Kalkarib, Yaqi und Radromir zusammen, um Belzora zu befreien.

Die Suche nach ihr gestaltete sich jedoch nicht einfach, denn keiner von ihnen wusste, wo sie sie hingebracht hatten. Sie wussten, dass vom tiefsten Kerker, über hängende Käfige auf dem Burghof, bis hin zur höchsten Zinne alles möglich war. Zudem kam erschwerend hinzu, dass sie sich die ganze Zeit vorsichtig und langsam fortbewegen mussten, um nicht entdeckt zu werden und es zu allem Überfluss auch noch tiefste Nacht war. Letzteres kam ihrer Heimlichkeit auch zugute, immerhin schlief auch ein Großteil der verbliebenden Burgbesatzung, aber das gleiche konnte auch für Belzora gelten. Fast schon wünschte sich Kalkarib, dass sie gerade gefoltert werden würde, dann würde man zumindest wissen, dass sie noch am Leben war und wo sie sich aufhielt. Nach einer Weile des vorsichtigen Suchens war es Radromir, der eine entscheidende Eingebung hatte: „Wie wäre es, wenn wir jemanden fragen?“ Auch wenn die Frage anfangs äußerst dümmlich erschien, so war sie doch simpel und zugleich zutreffend, dachte Kalkarib. „Hmm, aber wen? Schlafen diese Wachen nicht alle zusammen in einem Raum?“ Die zwei Wachen vor der Waffenkammer konnten sie nicht mehr fragen, die Galottaner hatten ihre Lebenslichter bereits ausgeblasen, nachdem sie zuerst nur betäubt waren. Kalkarib hätte es gerne verhindert, doch dann wäre seine Tarnung wohl oder übel aufgeflogen. „Was ist mit der Kerkerwache?“, warf Yaqi ein. Sie hatten die Kerkertür wieder geschlossen, als sie alle entkommen waren, damit es der Wache nicht auffallen würde. Erst jetzt fiel Kalkarib ein, dass Yaqi einen der Wachschemel hatte mitgehen lassen und das dessen Verschwinden anscheinend – zu ihrem Glück – nicht zu viel Misstrauen bei der Wache hervorgerufen hatte. „Der sollte allein da unten sein, und noch dazu müde. Er wäre ein leichtes Opfer und sollte wissen, wo das Rabenmund-Kind die Gefangenen hinbringt“, sagte Kalkarib und bekräftigte damit Yaqis Plan. Vorsichtig schlichen sie daher zurück in den Kerker der Burg. Unterwegs mussten sie einer Patrouille ausweichen und wären fast entdeckt worden, doch Kalkarib konnte Radromir noch rechtzeitig zurück in den Schatten ziehen.

Im Gang des Kerkers angekommen, sahen sie die bemitleidenswerte Wache dort allein sitzen. Er saß auf seinem verbliebenen Schemel, ein angeschnittenes Stück Käse und ein abgerissenes Stück Brot lagen auf dem Tisch und der Oberkörper der Wache lag auf dem Rest desselben, anscheinend war er im Sitzen eingeschlafen. „Das wird einfach“, gluckste Yaqi freudig und steckte ihr Kurzschwert weg. Sie sprachen sich kurz ab, schlichen sich dann an und zu dritt war es für sie ein leichtes, die schlafende Wache zu überwältigen. Die Wache, ein junger Mann, der gerade einmal im Alter von Kalkarib war, hatte bei der Befragung Todesangst in den Augen und würde ihnen wohl alles verraten. Während Yaqi und Radromir ihn festhielten, baute Kalkarib sich vor ihm auf, um dann mit seinem stärksten Novadi-Akzent zu sagen: „Du verrätst mir jetzt, wo der Rabenmund-Bengel die Gefangenen hinbringt, oder ich schwöre dir, bei Rashdul, dass ich dir was abschneiden werde.“ Der Akzent entfaltete seine Wirkung, denn Kalkarib wusste, dass dieser für Mittelländer angsteinflößend wirkte. Er legte zudem das Ende seines Säbels zwischen die Beine der Wache und stocherte damit ein wenig an der sensiblen Stelle herum. Zudem war es wohl sowohl seinem gespielt starken Akzent, als auch der Arroganz der Mittelländer geschuldet, dass es niemanden auffiel, dass er ‚Rashdul‘, und nicht ‚Rastullah‘ sagte. Wenn er schon so eine Scharade innerhalb einer anderen Scharade spielen musste, musste er nicht auch noch den Namen des Alleinen beschmutzen. Dass die ‚Unschätzbar Alte‘, wie man die Stadt in Mhanadistan auch noch nannte, so ähnlich klang wie seine Gottheit, war außerdem gerade mehr als dienlich. Mit zitteriger Unterlippe und Tränen in den Augen, war dem junge Wachmann anscheinend nach Kooperation zumute: „D-Die w-werden da … da … da hinten hingebracht. Der Gang … da …“ er nickte mehrfach in eine Richtung. „… dort lang. D-d-d-dann die zweite Tür zur rechten Hand.“ Kalkarib nahm den Säbel weg, was schlagartig dazu führte, dass sich der junge Wachmann etwas entspannte. Als Kalkarib sah, wie Yaqi nach ihrem Streitkolben griff, denn für sie waren sie fertig mit ihm, kam ihr Kalkarib zuvor, indem er mit dem Knauf des Säbels dem Wachmann kurzerhand gegen die Schläfe schlug, woraufhin dieser sofort das Bewusstsein verlor und erschlaffte. Yaqi und Radromir legten ihn im Anschluss vorsichtig ab, jedoch eher, um keinen unnötigen Laut zu verursachen und nicht um ihn zu schonen. „Dann lasst sie uns holen“, flüsterte Kalkarib und ging nicht weiter auf die Situation eben ein. Gedanklich zählte er die Sünden, die er beging und Mord sollte nicht dazu gehören.

Die zweite Tür zur rechten Hand, wie der Wachmann sagte, war so unscheinbar wie alle anderen auch und noch dazu unbewacht, was sowohl ein gutes, aber auch ein schlechtes Zeichen sein konnte, dachte Kalkarib. Zu dritt lauschten sie zuerst an ihr, doch vernahmen sie keinen Laut aus dem Innern. Als sie die Tür vorsichtig öffnen wollten, stellten sie fest, dass sie verschlossen war, was Radromir ins Spiel brachte. Fast schon wie ein eingespieltes Team lehnten sich der Wüstensohn und die junge Frau mit den Schlagenhautbildern am Kopf mit ihren Rücken gegen die Wand und schautet demonstrativ weg. Radromir begann sich erneut die Hände zu reiben und sein ‚Ding‘ zu machen. Sie hörten ihn flüstern, es schien fast so, als würde er ein Monolog mit dem Schloss führen, bei dem er versuchte, es dazu zu ‚überreden‘, sich zu öffnen. Es dauerte ein paar Momente und tatsächlich, das Schloss schnappte auf. Wie ein Diener, der eine höhergestellte Person die Tür aufhielt, machte er einen Schritt zur Seite und verneigte sich mit einer ausladenden Geste vor seinem ‚Herrn‘. Kalkarib trat an die Tür und drückte sie leise auf. Der Raum, der gerade einmal vier mal vier Schritt groß war und in dem es nach verschmortem Fleisch und scharfen Urin roch, war nur spärlich erhellt. Auf einer kleinen Anrichte stand eine Öllaterne und auf mehreren hohen Hockern lagern blutverschmierte gusseiserne Instrumente bereit, die Kalkarib zum Teil aus seiner Zeit, als er noch im Stall arbeitete, kannte. Ihm überkam sowohl ein Gefühl der Erleichterung als auch ein Gefühl der Übelkeit, als er Belzora in der Mitte des Raumes hängen sah. Mit zwei schmiedeeisernen Ringen an den Händen hing sie an der niedrigen Decke. Doch das war längst nicht das schlimmste. Ihr Körper war übersät mit scheinbar wahllos gesetzten Schnitten und Stichen, überall ronn frisches und altes Blut an ihr herab, vermischte sich mit ihrem Schweiß und Dreck zu seiner widerwärtig stinkenden dunklen Kruste. Ihr langes blondes Haar klebte an ihr. Trotz ihres erbärmlichen Zustands war jeder ihrer massigen und beeindruckenden Muskeln, die ihr Körper zu bieten hatte, in einem Zustand der Anspannung. Ihr Körper wurde dadurch zu einer einzigen Muskellandschaft aus Hügeln und Tälern, die erneut in Kalkarib ein warmes Glühen in seiner Körpermitte aufkeimen ließ. Er stürzte voran, er musste wissen, ob sie noch lebte. Seine Hände griffen nach ihrem Kopf und als er spürte, dass noch Wärme in ihr war, fiel ihm ein Stein von Herzen. „Belzora? Bist du wach?“, hauchte er mit sanftem Akzent und suchte sie nach Verletzungen im Gesicht ab, da auch dieses Blutverschmiert war. „Hey, kleiner“, sagte sie und lächelte ihn mit blutigen Zähnen und aufgeplatzten Lippen an. „Du siehst furchtbar aus, du musst mehr essen.“ Belzoras Worte überraschten Kalkarib, so dass er zuerst nicht bemerkte, dass sie nur scherzte. Hinter ihm begann Yaqi zu kichern. „Dir geht’s anscheinend besser als du aussiehst. Wir sind hier, um dich zu retten“, sagte Kalkarib, der das offensichtliche aussprach und nach einer Möglichkeit suchte, sie zu befreien. Die Handschellen waren mit Schlössern versehen und einen Schlüssel sah er auf Anhieb nicht. „Radromir, kannst du …?“ Kalkarib deutete auf die zwei Schlösser die Belzoras Handfesseln sicherten. „Ähm, ja … ich kann es … versuchen.“ Er trat heran und tastete eines der Schlösser in Deckenhöhe ab, während sich Yaqi und Kalkarib im Raum nach einem banalen Schlüssel umsahen. „Wo sind die anderen?“, fragte Belzora nuschelnd, der es schwer fiel deutlich zu sprechen, da ihre Lippen von der Folter angeschwollen waren. „Die sind … schon vor.“ Kalkarib entschied sich für die diplomatische Antwort, doch Yaqi schob eine etwas ehrliche Variante hinterher: „Karmold, die feige Sau, hat dich hier hängen lassen und ist abgehauen.“ Belzora schnaufte wissentlich. Anscheinend war ihr bewusst, dass es unter den ihrigen jemanden gab, der nur darauf gewartet hatte, die Führung zu übernehmen. Kalkarib wurde wieder bewusst, dass er sich hier nicht unter einer Gruppe ehrhafter Vertreter des Mittelreiches befand, sondern unter einem Haufen gefangenen Galottaner, für die Verrat und Heimtücke Alltag waren. Doch auch unter Solchen konnte man Ehre finden, dachte er sich. Immerhin hatte Belzora ihm grundlos geholfen. Und Yaqi und Radromir waren ebenfalls hier, um ihm zu helfen und sie zu befreien. Anscheinend gab es auch in den dunkelsten Landen einen Funken Licht und Hoffnung. „Meh, ich kann den Schlüssel nicht finden.“ ächzte Yaqi, die gerade in einem Eimer voller blutiger Lumpen gewühlt hatte. „Sucht ihr den hier?“, tönte eine arrogante und junge Stimme von der Tür und sofort rutschte Kalkarib das Herz in die Hose. Sie alle erstarrten als sie rumfuhren und zur Tür schauten, wo zwei gerüstete Wachen standen, kalten Stahl in den Händen, während hinter ihnen, gerade so über die Schultern hervorguckend, das makellose und blonde Gesicht des Rabenmunder Bengels zu sehen war, der verspielt einen kleinen Schlüssel in der Hand hielt. Kalkarib hatte instinktiv seinen Säbel herausgezogen und auch Yaqi hatte ihren Streitkolben schon in der Hand. Während Radromir noch hastig nach seinen Langdolch, den er in der Waffenkammer hatte mitgehen lassen, fingerte. Währenddessen schoben sich vier bewaffneten Wachen in den Raum und stellten sich nebeneinander auf. Kalkarib wog die taktische Situation ab: Sie waren nur zu dritt, da Belzora keine Hilfe war, ganz im Gegenteil, sie war sogar ein taktischer Nachteil, da sie mitten im Raum blutig von der Decke hing. Hinzukommend waren sie nur spärlich bewaffnet, wohingegen die vier Rabenmunder Wachen allesamt Äxte und Streitkolben hatten. Zu ihrem Glück trug keiner von ihnen Kettenhemden oder andere metallene Rüstungen, da sie auf ihrer eigenen Burg schließlich nicht erwarteten auf Feinde zu treffen. Additiv war da noch der Bursche, doch der schien sich im Moment eh rauszuhalten und war nur mit einem Dolch bewaffnet, weshalb Kalkarib, die Situation abwiegend, „Lasst uns verhandeln“, vorschlug.

Teil VI – Die Sehnsucht nach Geborgenheit (3)

Im Kerker von Burg Rabenmund – 22. Peraine, 34 nach Hal – In der Nacht

Stille war in den Kerker eingekehrt, doch ob das ein gutes Zeichen war, vermochte Kalkarib nicht einzuschätzen. Kein Laut drang zu ihnen, nachdem sie Belzora an seiner statt geholt hatten. Vielleicht war sie wirklich so stark wie sie aussah, oder vielleicht war ihr Geist sogar noch stärker. Zumindest redete der Wüstensohn sich das ein, denn an etwas anderes wollte und konnte er einfach nicht glauben. Sie hatte sich, um ihn zu retten, nach vorne gestürzt und so ihr eigenes Schicksal besiegelt. Spätestens jetzt befahl ihm seine Ehre, dass er in ihrer Schuld stand. Doch eins nach dem anderen. Im Moment stand er zusammen mit den anderen Insassen, die allesamt so sehr stanken, dass er das Gefühl hatte, inmitten eines Dunghaufens zu stehen, direkt vor der Zellentür, an der sich der Scharlatan Radromir gerade zu schaffen machte. Zuvor hatten sie an ebendieser gelauscht, um sicher zu gehen, dass die Wache gerade nicht auf ihrem Platz war. Es gab also ein kleines Zeitfenster, an dem sie etwas lauter sein konnten. „Jetzt mach schon“, zischte jemand ungeduldig. „Was dauert denn da so lange?“, sagte eine andere Stimme. „Pscht!“, zischte es von vorne zurück. Der langhaarige Radromir, in dessen braunen und welligen Haaren ganz viel Stroh steckte, fuhr mit finsterem Blick herum. „So geht das nicht“, intonierte er melodramatisch und machte eine Geste mit den Händen die so aussah, als würde er etwas zerbrechliches in den Händen hälten. „Ich brauche dafür … Ruhe, ja? Und ein wenig Zeit.“ Er drehte sich wieder zur Tür, während einige der anderen nur mit den Augen rollten oder ungeduldig ihr Gewicht von einem auf das andere Bein verlagerten. Wieder vergingen einige Momente. Kalkarib blickte angespannt zwischen den umstehenden Mitinsassen umher, die ihm allesamt einen respektvollen Abstand gaben: Links neben ihm stand ‚Halbhand‘, der – wie sich später herausstellte – eigentlich Tharsonius hieß, weshalb Kalkarib ihn weiterhin gedanklich als ‚Halbhand‘ in Erinnerung behielt, da er sich den Namen nicht hätte merken können. Dieser kannte die Burg, den Weg zur Waffenkammer und den vermeidlichen Fluchtunnel, von dem er den anderen nicht erzählen wollte. ‚Zu meiner eigenen Sicherheit‘, sagte er und Kalkarib konnte in anbetracht der anderen Insassen sehr gut nachvollziehen, wieso er damit hinter dem Berg hielt. An seiner Stelle würde er sich wohl genauso verhalten, immerhin wurde er so zu einer taktisch beschützenswerten Person. Zu seiner rechten stand Yaqi, ein junges und hageres, aber nicht minder muskulöses Weib mit sehr kurzen Haaren und Hautbildern mit Schlangenmotiven auf beiden Kopfseiten, die, als Kalkarib vorhin nach Belzoras Entfürung das Wort erhob, die erste war, die ihn unterstützte. ‚Lasst ihn ausreden!‘, fauchte sie mit einer so garstigen Bestimmtheit, dass man glaubte, ein Fluch käme über jeden, der es wagen würde, ihr zu widersprechen. Denn kurz nach Belzoras Entführung war es Kalkarib, der das Wort ergriff, um die Tobrier dazu zu bringen jetzt nicht zu verzagen und an Belzoras Plan festzuhalten. Doch hatte er nicht damit gerechnet, dass es selbst hier, im Kerker auf Burg Rabenmund, soetwas wie eine Hierarchie, oder sollte man besser sagen ‚Hackordnung‘, gab. Er wurde nämlich jäh von einem älteren Mann unterbrochen, sein Name war Karmold, der Kalkaribs Autorität sofort in Frage stellte. ‚Was glaubst du wohl wer du bist, Novadi! Es ist niemand mehr da, der dich beschützt!‘ Das waren seine Worte, als er aufstand und sich vor ihm aufbaute. Auch wenn er Schmerzen im Bein hatte, so stellte sich Kalkarib ihm gegenüber, um ihn die Stirn zu bieten. Zu seinem Glücke war da Yaqi, die genau in diesem Moment dazwischen ging, denn ohne seine Waffen und in seinem Zustand, wäre er dem offensichtlichen kriegsgestandenen alten Mann unterlegen gewesen. Kalkarib bestand darauf, den Plan weiter auszuführen und Belzora aus der hochnotpeinlichen Befragung zu befreien, in der sie sich ohne Zweifel befand und dass er und die andere es ihr schuldeten. Es war ihr einziger Weg in die Freiheit und nur eine Frage der Zeit, bis der Knabe jeden hier einen nach dem anderen rausgeholt haben würde. Jeder sollte sich also die Frage stellen, ob er bereit war, sich heute seine Freiheit wieder zu holen oder ob er lieber hier auf Burg Rabenmund sterben wollte. „Und was macht dich zum neuen Anführer?“, wollte der grauhaarige Karmold wissen und schob dabei provizierend das Kinn nach vorne. Kalkarib dachte zuerst an Sieghelm, doch ihm wurde schnell genug bewusst, dass er ihn nicht als Argument benutzen konnte. Er kramte in seinen Gedanken nach einem anderen Argument, irgendetwas, das er diesen verzweifelten Männern und Frauen anbieten konnte, das sie davon überzeugen würde, ihm zu folgen. So sehr er sich auch anstrengte, ihm fiel auf die Schnelle nichts ein. Er brachte daher nur ein abgehacktes ‚Weil …‘ heraus. Der alte Karmold nutze Kalkaribs Moment der Unsicherheit, wandte sich an die Zelleninsassen und posaunte überheblich heraus: ‚Seht ihr! Er weiß es nicht. Lasst uns also nichts überstürzen und die Situation neu bewerten.‘ Kalkarib sah, wie einige der Insassen nickten und andere unsicher zwischem ihm und seinem Herausforderer hin- und her schauten. Er konnte ihn unmöglich angreifen, Karmold war zwar ebenfalls in einem heruntergekommenen Zustand, doch sein sehniger Körper und die vielen Narben erweckten den Eindruck, dass er sich auch schon so manch nachteiliger Situation befreien konnte. Eine körperliche Konfrontation war für den Wüstensohn daher im Moment ausgeschlossen, was ihn wütend werden ließ. Wütend darüber, wie er überhaupt in diese Situation geraten war, wütend über die Lüge, die er hier im Kerker leben musste und dass ihm nicht einmal die Wahrheit vor schlimmeren bewahren konnte. Mit geballten Fäusten machte er einen Schritt nach vorne, heran an Karmold, der sich seines Sieges schon sicher war und sich wegen Kalkaribs Herantreten nun erneut aufbaute. ,Weil …‘ setzte der Novadi erneut an, wobei dieses Mal viel mehr Tiefe in seiner Stimme lag. Er fixierte seinen Kontrahenten, er spürte wie die heißspornige Wut in ihm hochkochte und er alle Kraft aufwenden musste, um nicht unkontrolliert auf ihn loszugehen. Er hörte sich die folgenden Worte sagen, war sich jedoch nicht seiner Erscheinung dabei bewusst, die alle anderen in dieser Kerkerzelle wahrnahmen. Seine braunen Augen wurden schlagartig zu roten Feuerbällen und eine Brust schwoll an und glomm von innen heraus wie ein heißer Kohlenofen, als er sagte: ‚Der Alleinige ist mein Zeuge – Weil du es bereuen würdest dich mit mir angelegt zu haben, so wahr ich hier stehe stehe.‘ Kalkarib war heiß, er spürte wie sein Blut in ihm kochte und sein Körper pulsierte, als er dies sagte. Es fühlte sich an, als wäre er ein Fass, das bis zum Überlauf gefüllt war mit kochendem Wasser. Nur ein kleiner Tropfen würde genügen, um es zum Bersten zu bringen. Doch entgegen Kalkaribs Erwartung, bekam Karmold große, furchterfüllte Augen, legte seine Hände schützend vor sein Gesicht und nahm eine unterwürfige Haltung ein. ‚Ganz ruhig, ganz ruhig‘, begann er wimmernd, was das Gemüt des Wüstensohns ein wenig abkühlte. Seine glühende Brust verglomm, als er die beschwichtigenden Worte seines Kontrahenten vernahm. ‚Wir müssen es ja nicht gleich überstürzen. Vielleicht sollten wir, ähm, an Belzoras Plan festhalten.‘ ‚Ja, genau das werden wir tun‘, sprach Kalkarib, dessen rotglühenden Feuerbälle sich wieder zu braunen Augen normalisierten. ‚Und wir werden sie nicht nur retten, sondern auch sicher hier rauskommen.‘ Seit diesem Moment wagte es niemand mehr etwas gegen Kalkarib zu sagen. Er selbst hatte es nicht mitbekommen, wie sein innerstes Geheimnis kurz davor war aus ihm herauszubrechen, doch das Spektakel entfaltete sofort seine Wirkung und seit diesem Moment gaben alle Mitinsassen ihm ein kleines bisschen mehr gebührenden Abstand als zuvor.  

Ein kaum hörbares metallisches Klicken war zu vernehmen. Radromir drehte sich mit einem verschmitzen Lächeln um und nickte. „Es ist offen“, flüsterte er und trat sofort beiseite. Er war zwar derjenige, der die Tür öffnen konnte, aber gewiss nicht der, der zuerst hindurch durchtreten würde. Das überließ er lieber jemand anderen. Doch niemand machte die anstalten die Zellentür zu öffnen, stattdessen schauten die Insassen nur nervös hin und her und bald schon wurde Kalkarib mit mehreren auffordernden und hoffnungsvollen Blicken belegt. Ehe er realisieren konnte, was gerade geschah, schob sich auch schon der grauhaarige Karmold nach vorne zur Tür durch. „Ich gehe zuerst“, sagte dieser, was Kalkarib recht war. Der grauhaarige Tobrier drückte vorsichtig die Tür auf, dahinter lag ein schmaler Gang, der nach links und rechts abging und nur von schwachem Fackelschein erleuchtet wurde. Zaghaft folgten ein paar der Mitinsassen. Karmold wandte sich an Halbhand und erkundigte sich nach dem Weg. Dieser sah sich suchend um und nach einem kurzen Augenblick deutete er selbstsicher in eine Richtung. Es war ein seltsames Schauspiel, das sich in den nassfeuchten Kerkermauern abspielte. Über ein dutzend Männer und Frauen, ausgemergelt und am Rande der Erschöpfung, gezeichnet durch Mangelernährung und schlechter Unterbringung, versuchten mehr schlecht als recht auf abgetreten Stiefeln oder gar barfuß so leise wie möglich durch einen schmalen Gang zu schleichen. Während sich der ein oder andere recht geschickt dabei anstellte, sich duckte, klein machte oder sich, soweit es möglich war, im Schatten aufhielt, gab es andere, die sich fast schon übertrieben aufrecht und ganz und gar nicht lautlos fortbewegten. Kalkarib gehörte eher zur ersten Gruppe, wobei sein verletztes Bein es ihm immernoch etwas schwer machte. Aus reiner Verzweiflung und in Ermangelung besserer Alternativen, entschied sich Yaqi, die junge Tobrierin mit den Hautbildern auf dem Kopf, dazu, den hölzernen Schemel der Wache als improvisierte Waffe mitzunehmen, was Kalkarib mit einer Mischung aus Grinsen und anerkennendem Nicken quittierte. Zwei Abzweigungen und eine Wendeltreppe, die sie nach oben führte, später, erreichten sie die vermeidliche Waffenkammer. „Da vorne ist sie“, flüsterte Halband, zeigte mit zwei Fingern auf eine Tür und zuckte dabei unkontrolliert mit dem Augenlid. Doch die Tür wurde bewacht, an einem Tisch saßen zwei Wachen in schwarzweißen Rabenmund-Wappenröcken und spielten gelangweilt miteinander Karten. Von ihrer Position aus mussten sie mindestens fünf Schritt bis zu ihnen überbrücken, was den Wachen – selbst, wenn sie überrascht waren – genug Zeit gab, auf ihr Anstürmen zu reagieren. Sofort machte sich Zweifel breit und Kalkarib hörte wie die Leute hinter ihm entmutigt miteinander flüsterten, wie sie dies bloß bewerkstelligen sollten. Kalkarib musste etwas unternehmen, ehe die Leute begannen, etwas Dummes zutun. Er packte Karmold an der Schulter und bekam dadurch seine Aufmerksamkeit. „Du übernimmst die rechte, ich den linken.“ Kaum hatte er es ausgesprochen, warf Karmold einen ungläubigen Blick zu den Wachen. „Hat dich der Namenlose geritten, Novadi? Wir zwei gegen die?“, zischteder gealterte Kämpfer ungläubig und deutete bei sich selbst an die Stelle, an der normalerweise eine Waffe hing. „Mit einer Waffe, kein Problem, aber so … vergiss es“, schob er noch hinterher und schüttelte den Kopf. „Ohne mich“, sagte Karmold. „Dann mach ich es.“ Kalkarib blickte zu der Stimme, die zu Yaqi gehörte, die ihren hölzernen Wachschemel schon kampfbereit in den Händen hielt. Karmold machte bereitwillig für Yaqi Platz, die an seiner statt nach vorne trat. „Gut, dann wir“, entschied Kalkarib mit einen Blick auf den Schemel. Auch wenn ein bisschen Wahnsinn in den Augen der jungen Frau lag, so kam es ihm gerade nur mehr als recht. „Ich werde sie ablenken. Du kommst dann nach, sobald sie dir den Rücken zugedreht haben“, befahl er im Novadi-Akzent und wartete ihr bestätigendes Nicken ab. Er atmete ein letztes Mal tief durch und trat dann aufrecht aus dem Schatten zu den Wachen heran. „Salamaleikum, meine Freunde!“, sagte er in seinem besten Garethi und streckte dabei seine Arme ganz weit aus. „Eure Götter haben uns eine wundervoll kühle Nacht geschenkt, bei der selbst Rastullah neidig werden würde“, fuhr er fort und trat dabei Schritt für Schritt näher an die Waffenkammer heran. Die Wachen, eine Frau mit langem braunem Zopf und ein Mann mit ledriger Haut und einem dichten, zotteligen Bart, hatten sich inzwischen erhoben und ihre Hände an ihre Streitkölben gelegt. „Ich danke Rondra dafür, dass euer Herr mir meine Freiheit geschenkt hat, gepriesen sei die Weisheit das Hauses Rabenmund!“ Inzwischen hatten sich die beiden Wachen direkt vor die Waffenkammertür gestellt und Kalkarib stand genau vor Ihnen, was aufgrund des Winkels der Tür zu dem Gang, in dem die Tobrier warteten, dazu führte, dass sie jetzt mit dem Rücken zum Gang standen. „W-Wer bist du?“, platze es aus der Wache heraus. „Wer ich bin?“, entfuhr es Kalkarib mit gespielt höchster Empörtheit. „Ich bin die Spektabilität der geheimen Wüstentruppen der Magierakdemie zu Punin“, improvisierte er, vollführte dabei eine ausladene Geste und hoffte, dass Yaqi jeden Moment den Holzschemel über den Kopf der Wache ziehen würde. „Geheime Wüstentruppen? Was für Wüstentruppen?“, hakte die Wache nach und strich sich nachdenklich mit der Hand durch seinen Bart. „Die des …. Kalifen Malkillah, im Auftrag von Bey Nehazet ibn Tulachim.“ Kalkarib sah, wie seine flüchtig improvisierte Scharade so langsam einzustürzen drohte, weshalb er ins Schwitzen geriet, denn lange würde er die Wachen nicht mehr hinhalten können. „Bey Nehazet? Von dem habe ich schon mal gehört“, sagte die Frau und wirkte ernsthaft interessiert. „Ist das nicht der Prophet der …“ KNACK! Die Frau wurde jäh von einem hölzernen Schemel unterbrochen, der mit hoher Geschwindigkeit auf ihrem Hinterkopf aufschlug und sie auf der Stelle nicht nur zu Boden, sondern auch aus ihrem Satzbau schleuderte. Hinter ihr kam die breit grinsende Yaqi zum Vorschein. Kalkarib, der nur für einen kurzen Moment abgelenkt war, packte den langen Stil des Streitkolbens vom Wachmann und drückte mit aller Kraft dessen metallenen Kopf in Richtung des anderen fleischlichen. Noch ehe die Rabenmunder Wache seine Muskeln anspannen und seine Niederlage damit verhindern konnte, traf das Spitze des Streitkolbens seine Stirn, woraufhin er ohne Umschweife mit einer blutigen Wunde zu Boden sackte. Beide Wachen waren ausgeschaltet und ein Alarm schien ausgeblieben zu sein. „Was hast du so lange gemacht?“, erkundigte sich Kalkarib nervös bei Yaqi. „Ich war mir nicht ganz sicher auf welcher Seite du bist“,entgegnete die kahlköpfige Frau und brach in ein unterdrücktes Kichern aus. Kalkarib, der mit dieser Reaktion nicht so recht umzugehen wusste, entschied sich ebenfalls zu einem schwachen Grinsen, manchmal war es besser einfach nicht nachzufragen. Karmold und Yaqi nahmen die Streitkölben der Wachen ansich, während die anderen sie nach anderen Kurzwaffen und Münzen absuchten. Kalkarib winkte Radromir heran, denn mit Sicherheit war die Waffenkommen ebenfalls abgeschlossen. Dieser hüpfte angewidert über die betäubten Wachen und machte sich sofort am Schloss zu schaffen. „Gebt mir einen Moment der Ruhe, ja?“, sagte er noch und blickte die direkt bei ihm stehenden Yaqi und Kalkarib lange an. „Ich kann nicht wenn jemand guckt“, schob er noch hinterher und wirkte dabei wie ein kleines Kind, das soeben aus Versehen die Lieblingsvase ihrer Mutter kaputt gemacht hatte und reumürig um Vergebung bat. Mit einem synchon langen Ausatmen drehten sich Kalkarib und Yaqi um und blickten demonstrativ in andere Richtungen. Wäre die Situation, in der sie sich befanden, nicht so lebensbedrohlich gewesen, wäre sie absurd genug, um daraus eine Szene für ein Bühnenstück auf den Schauspielbühnen Havenas zu machen. Kurze Zeit später war auch diese Tür geöffnet und tatsächlich, sie hatten die Waffenkammer gefunden, welche jedoch entgegen ihrer Erwartung sehr leer war. Dann wurde ihnen bewusst, dass ja ein großteil der Besatzung der Burg momentan nicht hier war und sie daher nur noch wenig Ausrüstung hier hatten. Doch der spärliche Rest genügte, um sie trotzdem alle zu bewaffnen. Kalkarib fühlte sich für einen kurzen Augenblick lang sehr glücklich, als er unter einem grob gewebten Tuch seinen Säbel wiederfand. Auch, wenn es ihm nicht unbedingt den Erfolg sicherte, aber er war der Freiheit damit ein Stück näher gerückt und hatte sein Schicksal nun wieder in seinen eigenen Händen, zumindest fühlte es sich für ihn so an. „So, auf geht’s, holen wir Belzora und dann verschwinden wir von dieser Burg“, waren seine Worte, als er mit seinem Khunchomer die Waffenkammer verließ und vor sich einen kleinen Haufen Tobrier vorfand, die nicht nur bewaffnet, sondern auch noch in höchsten Maßen bereit waren ihm und seinem Befehl zu folgen. Er verschwendete keinen Gedanken daran, dass er gerade zum Anführer eines verfeindeten Trupps geworden war, der eine verfeindete Gefangene befreien wollte und bereit war, dafür verbündete Streitkräfte zu töten.

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