

Sieghelm Gilborn
von Spichbrecher

Kalkarib
al’Hashinnah

Adellinde
Peraine-Geweihte
Die Überzahl der Söldner und die schlechten Sichtverhältnisse ließen die Situation für Albrax, die Zwerge und Kalkarib zwar nicht aussichtslos, aber als schwere Hürde erscheinen. Überraschenderweise gingen die Söldner koordiniert vor, was die Lage zusätzlich erschwerte. Die Zwergengruppe hatte ihre Formation geändert, inzwischen standen sie in einer Reihe Seite an Seite und boten somit eine geeinte Linie gegen die Überzahl an Gegnern, an dessen einen Ende sich Kalkarib eingereiht hatte. Beide Seiten tauschten ein paar prüfende, aber nicht allzu ernst gemeinte Stiche und Hiebe aus, es waren die klassischen ersten Versuche auszuloten, wie fähig die andere Seite war und wo ihre Schwachstellen lagen. Kalkaribs besorgter Blick ging dabei immer wieder durch die Reihen zu Sieghelm und dem schwarzen Ritter, die sich noch immer abwartend in sicherer Entfernung gegenüberstanden und anscheinend miteinander sprachen.
„So sieht man sich wieder“, sprach der fremde Ritter in geschwärzten Plattenteilen. Seine Stimme war kehlig und rau, wie von jemanden, der kürzlich eine schwere Atemwegsentzündung durchgemacht hatte. Seine Worte machten Sieghelm neugierig und er beschloss sich standesgemäß vorzustellen, damit sein Gegenüber wusste, wer ihn zu Boron schicken würde. „Ich bin Reichsritter und Ordensmeister Sieghelm Gilborn von Spichbrecher, ich streite im Namen Rondras für Königin und Kaiserreich – und mit wem habe ich die Ehre die Waffen zu kreuzen?“ Sieghelms Höflichkeit war keineswegs ernst gemeint, gehörte aber zum normalen Adeligensprech. Der ältere Ritter, dessen Gesicht von einer Kettenhaube eingerahmt wurde, hatte ein eingefallenes Gesicht und tiefe Falten um seine braunen Augen. „Ich bin Markwart von Graufenck, Baron von Eslamsbrück. Ich war in der Schlacht auf dem Mythraelsfeld und habe gesehen, wie ihr den erhobenen Amagomer den Blutigen in den Staub getreten habt. Meine Glückwünsche, ich konnte ihn eh nicht ausstehen.“ Sieghelm dachte nach, seine Kenntnisse über die besetzten Gebiete waren begrenzt. Da fiel es ihm wieder ein. „Eslamsbrück, das liegt in der Grafschaft Tobimora“, stellte er fest. „Wir nennen es jetzt Taubrimora. Doch genug geplaudert, lasst uns zur Sache kommen“, schloss Markwart von Graufenck und nahm wieder eine Kampfhaltung ein. „Sehr gerne, euer Hochwohlgeboren“, bestätigte Sieghelm, ging ebenfalls ein eine Kampfhaltung über und richtete die letzten Worte vor dem Zweikampf an Rondra, in dem er etwas nach oben schaute: „Dieser Kampf ist mein Gebet an dich, Herrin.“ Der Warunker Hammer des Ritters und Custoris begegneten sich klirrend in der Luft. Mit jedem Schwung seiner Waffe ertönte ein den Kampfplatz überschallender Donner. Da Sieghelms aktuelle Rüstung dem des vollplattierten Ritters unterlegen war, musste Sieghelm nicht nur vorsichtig sein, er musste auch versuchen seine Schläge gezielt zu setzen, da er sonst nur Plattenteile einbeulte. Sieghelm wusste, ein Warunker Hammer, dessen andere Seite mit einer scharfen Axtklinge versehen war, konnte mit genügend Schwung verheerenden Schaden anrichten, die Langwaffe war beliebt bei Söldnern, da man mit ihr sowohl gegen Plattenträger, als auch leichte Rüstungen gut gewappnet war. Der stachelige Hammerkopf eignete sich gut, um Plattenteile jeder Art zu knacken, während das lange Axtblatt genügte, um gegen weiche Ziele vorzugehen. Sieghelm trug aktuell nur Kettenteile, weshalb beide Seiten der Waffe für ihn gerade gefährlich waren. Zu guter Letzt hatte der Hammer am Ende einen tödlichen, zehn doppelfinger langen Eisendorn, wenn auch selten eingesetzt, konnte ein geübter Kämpfer diesen überraschend zum Einsatz bringen und damit seinen Gegner aufspießen.
Zurückhaltend, da die eigene Sicherheit gerade im Vordergrund stand, beschränkte sich Sieghelm zuerst darauf zu verteidigen, um taxieren zu können, wie gut sein Gegenüber mit der Waffe umzugehen wusste. Den ersten paar Schwüngen des Barons wich Sieghelm aus. Mit jedem Hieb legte sein Gegner mehr Kraft hinein, was Sieghelm fortwährend dazu zwang Paraden setzen zu müssen. Dem Reichsritter war klar, dass sein Gegner genau wusste, was er vor hatte. Er würde also versuchen seine wahren Fähigkeiten zu verbergen und sie erst zeigen, wenn er sich in einer Vorteilhaften Position sah. Sieghelm musste Baron Markwart also eine überzeugende Schwachstelle anbieten, die ihm dazu verlocken würde, gekonnter zuschlagen zu wollen, damit Sieghelm wiederrum diese exponierte Haltung auszunutzen vermochte.
Während sich der Reichsritter und der Baron von Taubrimora einen taxierenden Schlagabtausch leisteten, war der Kampf, der in unmittelbarer Nähe unterhalb der kleinen Anhöhe stattfand, weniger taktisch. „Für jeden Zwei“, hatte der Hochkönig der Zwerge mit vor Selbstsicherheit geschwellter Brust gesagt. Zuerst war sich Kalkarib nicht sicher, ob der Zwerg witzelte oder ob er es ernst meinte, denn er hatte bisher wenig Erfahrung im Umgang mit den Angroschim. Die mit rauem Kampfgebrüll untermalten Axthiebe der Zwergengruppe ließen den Wüstensohn jedoch vermuten, dass der Hochkönig seine Aussage tatsächlich ernst meinte. Sofort beschloss auch Kalkarib zum Angriff überzugehen, zum einen wollte er sich vor Sieghelm und den Zwergen keine Blöße geben, und zum anderen war die überschäumende Selbstsicherheit des Hochkönigs inspirierend für ihn. Kalkarib musste es mit zwei Gegnern gleichzeitig aufnehmen. Einer von Ihnen trug einen Streitkolben und ein kleines Rundschild, auf dem die Zähne eines Wolfs aufgemalt waren. Der andere hatte einen ihm einen Reichweitenvorteil bietenden Speer. Letzterer stellte sich knapp hinter den mit dem Streitkolben und wurde vom Schild des anderen gedeckt. Es war eine simple, aber dennoch effektive Kampfhaltung der beiden Söldner. Kalkarib war, da er nur einen Khunchomer und keinen Schild führte, in jeder Hinsicht unterlegen. Sie waren zu zweit, besser bewaffnet und zu allem Überfluss auch besser gerüstet. Doch Kalkarib hatte den Glauben an Rastullah auf seiner Seite, was aus Sicht des Wüstensohns den Vorteil der beiden zu genüge ausglich. „Allah maei. Satamut huna!“, fauchte er auf der Sprache der Novadi seinen Gegnern entgegen, um sie zu verunsichern. Für einen kurzen Moment zuckten sie tatsächlich zusammen, denn selbst Söldner der Warunkei fürchteten die Flüche der Novadis. Kalkarib ließ eine rasche Abfolge von Streichen und Hieben auf den Schildträger los, die ihn dazu zwangen in die Parade zu gehen. Die Schneide des Khunchomers regnete dabei pochend und Holzsplitter stobend auf dem Schild hernieder. Währenddessen suchte der Speerträger einen Moment, in der Kalkarib gerade ausholte, um zuzustoßen. Die Spitze des Speers durchstieß den wüstenfarbenen Kaftan von Kalkarib und verfehlte ihn damit knapp. Das war der Moment auf den Kalkarib hingearbeitet hatte. Er visierte sein Ziel an und zuckte mit dem Khunchomer blitzschnell hindurch. Die letzten fünf Finger der gewölbten Klinge schnitten sich mühelos durch den weichen Hals des Speerträgers. Noch während der Söldner Kalkarib mit weit aufgerissenen und ungläubigen Augen anstarrte und zu spät realisierte, dass das schneidige Geräusch der Luft nicht Bishdariel, sondern die Klinge des Wüstensohns war, hiebte der andere mit seinem Streitkolben nach ihm. Kalkarib versuchte auszuweichen, doch der Speer verhakte sich in seinem Kaftan und hielt ihn an Ort und Stelle. Ein betäubender Schmerz durchzuckte seinen linken Oberschenkel, als ihn der Kopf des Kolbens dort traf. Das Bein gab nach und Kalkarib ging auf die Knie. Der Speerträger hatte seine Waffe inzwischen los gelassen und hielt sich nun rückwärts taumelnd und blutgurgelnd den Hals. Der andere Kämpfer hatte sich jedoch gefangen und wurde rasend vor Wut. Während Kalkarib den Schmerz im Oberschenkel versuchte zu ignorieren, kam der Kopf des Streitkolbens erneut auf ihn zu. Zweimal musste Kalkarib die kraftvollen Hiebe aus der benachteiligten Position ablenken, was den Schmerz im Bein jedoch noch mehr befeuerte. Da stürzte sich der Söldner plötzlich und unerwartet auf ihn. Mit dem Rundschild voran warf er sich auf Kalkarib, der dieses Manöver wahrhaftig nicht hatte kommen sehen. Er schlug mit dem Rücken auf dem Boden auf, erneut brüllte der Schmerz in Kalkaribs Bein so intensiv, dass ihm kurz schwarz vor Augen wurde. Als er wieder zu sich kam, sah er den Söldner mit hasserfülltem Blick über sich sitzen. Das Schild drückte er auf Kalkaribs Brust und rechter Schulter und hielt damit seinen Waffenarm fixiert. Kalkarib versuchte unter dem Druck des Schilds seinen Khunchomer zu bewegen, doch gelang es ihm nicht. Der Söldner holte zum finalen Schlag aus, Kalkarib blieb keine Wahl, er zückte ohne darüber nachzudenken den Waggif, das kleine geschmückte Messer, und stach damit ziellos zu. Die schlanke gekrümmte Klinge zwängte sich mühelos zwischen den Kettengliedern hindurch und verschwand bis zum Schaft im Brustkorb des Söldners. Es verstrich ein langer Moment, in dem alles verharrte und nichts geschah. Selbst den Kampflärm drumherum nahm Kalkarib nicht mehr war. Da hustete der Söldner plötzlich und Blut rann über seine Lippen. Der Streitkolben rutschte aus dessen Hand und plumpste zu Boden. Die Gelegenheit nutzend, schob er den Mann mit Hilfe des Schilds von sich runter. Es schepperte als er neben ihm zu Boden ging, mühsam rappelte sich Kalkarib auf – der Schmerz in seinem linken Bein war noch immer da. Als er seinen Familien-Waggif aus der Brust des Mannes zog, schaute ihn dieser ungläubig an, bevor ihm die Augenlieder ein letztes Mal zufielen. „Rastullah ich danke dir“, murmelte er in seiner eigener Sprache und strich das Blut von der Klinge des Waggifs. Da ließ ihn plötzlich ein ohrenbetäubender Schrei zusammenzucken. Der Novadi realisierte, dass der Kampf zwischen den Angroschim und den Söldnern noch immer in vollem Gange war, auch wenn sich ihre Überzahl inzwischen dezimiert hatte. Humpelnd ging Kalkarib der Zwergengruppe entschlossen zur Hilfe.
Auf der kleinen Anhöhe wurde der Kampf zwischen dem alten Baron von Taubrimora und dem Ordensmeister inzwischen ernster. Auch wenn keiner von beiden bisher einen Treffer hatte landen können, so hatten sie beide viel über das Kampfverhalten des anderen gelernt. „Wollt ihr mich ermüden, Ritter?“, spottete Baron Markwart, dem das Getänzel begann zu langweilen, mit belegter Stimme. „Ich helfe euch gerne dabei, euch zur letzten Ruhe zu legen, euer Hochwohlgeboren“, konterte Sieghelm mit spitzer Zunge. Doch Markwart ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, ganz im Gegenteil, er schmunzelte sogar ob der Aussage Sieghelms. „Ihr kämpft so zaghaft wie die Akoluthinnen bei der kläglichen Verteidigung ihres Perainetempels in Perz“, sprach er in rauem Ton und ließ den Warunker Hammer erneut rotieren. Sieghelm wich den Schlägen mühelos aus. „Ihr brüstet euch mit euren Schandtaten!?“ Sieghelms Stimme kippte vom spöttischen ins ernste, auch er hatte langsam genug davon. Als der Baron begann sich mit den Gräueltaten in Perz zu profilieren, wurde ihm übel und wütend zugleich. „Ich habe die zwei jungen Akoluthinnen zwei Mal auf dem Altar gepfählt – und ich kann euch sagen – bei einem davon hatten auch sie ihren Spaß.“ Das ekelhaft schmutzige Grinsen auf den faltigen Lippen des Barons, als er beschrieb was im Tempel geschah, ließ den Reichsritter erzürnen. Die Vorstellung, was dieser widerliche alte Bastard den Bewohnern von Perz angetan hatte, war schon fürchterlich genug, doch dass er nun auch noch begann zu beschreiben wie er den Tempel schändete, kochte es in Sieghelm hoch. „Schweigt!“, brüllte Sieghelm und beschloss dem alten Mann jetzt und hier sein verdientes Ende zu setzen. Der Reichsritter schwang in mächtigen Kreisen Custoris, Donner grollte über das Wäldchen und mit wütend angewidertem Blick machte er Schritt für Schritt nach vorne. Markwart wurde in die Parade gezwungen und wich zurück. Er ließ Sieghelms Schläge ins Leere laufen, während das widerwärtige Grinsen auf seinen Lippen nicht verging. Er hatte seinen Kontrahenten nun da, wo er ihn haben wollte. Es verlangte schon sehr viel Kühnheit oder auch Wahnsinn, um sich Sieghelms Ausfall und Abfolge von Schwüngen entgegen zu stellen, wahrscheinlich besaß Markwart beides, als er plötzlich stehen blieb und Sieghelm weiter auf sich zukommen ließ. Durch die Verkürzung der Distanz, rammte Custoris Stärke donnernd auf die linke Schulterplatte des Barons. Der Plattenpanzer gab ächzend unter der Kraft nach und Markwart spürte wie ihn die Klinge durch die Rüstung hindurch traf. Er federte die Wucht mit den Beinen ab und blieb so, Angesicht zu Angesicht zu seinem Angreifer stehen. Während Sieghelms Gesicht vor süßem Zorn strahlte, überkam Markwart aus dem tiefsten Innern eine aufsteigende Übelkeit. Erst gluckste es in seiner Brust, dann in seinem Hals und als würde er ein dickes Knäuel Haare, wie ein Greifvogel das Gewölle ausspuckte, hervorbringen, drang plötzlich aus seinem Mund ein ohrenbetäubendes Rülpsen, gefolgt von einer giftgrünen Wolke, die zuerst über Sieghelms Gesicht, und dann dessen ganzen Körper waberte. Der Reichsritter, der eben noch entzückt von seinem Treffer war, erschrak und atmete einen tiefen Schwall von der übelriechenden Wolke ein. Er taumelte reflexartig zurück und auch ihm wurde sofort speiübel. Mit jedem Schritt, den er tat, spuckte und schniefte er. Es gelang ihm geradeso die Selbstbeherrschung aufzubringen, sich nicht zu übergeben. Auch seine Augen tränten für einen Moment, was Sieghelm dazu veranlasste, Custoris schützend vor sich zu halten, falls Markwart vorhatte, seinen Moment der Blindheit auszunutzen. Doch der Baron von Taubrimora blieb an Ort und Stelle stehen, er rückte seine Schulterplatte zurecht, wischte sich den Mund ab, als hätte er gerade von einer fettige Schweinshaxe abgebissen und letztlich formte sich ein überlegenes und wissendes Lächeln auf seinem Gesicht. „War das alles was ihr könnt, Herr Ritter?“ Markwart wischte sich imaginären Staub von der Brust, während er seinem Gegner erneut spottete. Sieghelm brauchte einen kurzen Moment, doch dann hatte er sich wieder gefangen, die Tränen vergingen und den Geschmack nach verdorbenen Fleisch hatte er erfolgreich ausgespuckt. „Ich habe noch gar nicht angefangen!“ Sieghelm umklammerte Custoris noch fester und ging mit mehr Entschlossenheit auf Markwart zu. Unterwegs zu ihm erfassten ihn plötzlich Schmerzen in Beinen und Armen, als hätte ihn ein Zauber getroffen. Sein rechtes Bein verkrampfte so stark, dass es sich zusammenzog und Sieghelm das Gleichgewicht verlor. Mit aller Macht hielt er Curtsoris fest, als er zu Boden ging und er am ganzen Körper heftige Schmerzen und unkontrollierte Zuckungen hatte. Er unterdrückte den Schmerz, um nicht loszuschreien, wer auch immer ihn verzaubert hatte, er wollte dem Angreifer nicht die Blöße geben zu schreien. Doch was geschah mit ihm? Er sah Markwart langsam näher kommen, der seinen Warunker Hammer lässig über die Schulter geworfen hatte und noch immer das süffisante Grinsen in Gesicht hatte. Er konnte nichts dagegen unternehmen, die Krämpfe und Zuckungen waren zu stark, dass er schon genug damit beschäftigt war, nicht die Besinnung zu verlieren. „Dadurch, dass ich den Peraine-Tempel schändete…“, begann Baron Markwart mit seiner krächzenden Stimme im Plauderton, „ …verlieh mir meine Gottheit mehr Macht als zuvor.“ Er strich sich dabei wie beiläufig über eines der Zeichen auf seiner Rüstung, was Sieghelm erst jetzt als das Zeichen Mishkharas erkannte, der Dämonin der Missernten und der Pestilenz. Sieghelm wurde sofort, allerdings viel zu spät, klar, weshalb der alte Baron seit Kampfbeginn an so ruhig geblieben war. Er hatte einen Pakt mit Mishkhara geschlossen, weshalb er es nicht nötig hatte mit Sieghelm in ein rondrianisches Gefecht zu gehen. Er hatte dank seines Pakts die Macht und Zugriff über zahlreiche wirkungsvolle Gifte. Sieghelm öffnete den Mund, er wollte ihn verfluchen, seine Göttin anrufen oder um Hilfe rufen, doch außer sehr leises Glucksen drang nichts aus seinem Mund, denn auch seine Stimmbänder verkrampfen so sehr, dass er nicht einmal mehr das tun konnte.
Markwart, der sich sicher war, dass Sieghelm ihm nichts mehr anhaben konnte, kniete sich zu ihm nieder, um ihm besser ins krampfende Gesicht blicken zu können. Er wollte den Moment seines Sieges in vollen Zügen auskosten. Es war das zweite Mal, dass Sieghelm das eingefallene Gesicht des alten Mannes von so nahem sehen konnte. Unter der Kettenhaube, die sein Gesicht einrahmte, konnte er rote entzündete Haut ausmachen und auch seine Zähne, die so Gelb und dünn waren wie Kornähren, standen weit voneinander entfernt in dem kranken Kiefer des Paktierers. Sieghelm hatte all die Zeichen übersehen, er hatte sich zu sehr auf das Kampfverhalten des Mannes konzentriert, dass er keinen Blick für dessen Symbole auf der Rüstung oder die Zeichen des Paktes hatte, die ihm sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben standen. „Ich habe eine Idee, ich werde euch meine Ländereien in Taubrimora zeigen“, begann Markwart erneut, dieses Mal in einem absurden Ton, als würde er mit einem Kind sprechen. Seine krächzende und entzündete Stimme – die ebenfalls ein Zeichen war, das Sieghelms übersehen hatte – machte es jedoch makaber. Mit jedem Wort, das er aussprach, wurde sein Grinsen breiter und breiter: „Ich werde euren hübschen Kopf auf einen Speer aufspießen und durch mein Land tragen.“
