Am späten Nachmittag des 7. Hesinde erreichte die Reisegruppe, bestehend auf Fräulein Pedderson, Fräulein von Quell, dem achtbaren Herrn Muhalla, dem Angroschim Beremosch und der Scharlatanin Radajahna wieder das Gehöft, welches sie vor knapp einer Woche verlassen hatten um nach dem aranischen Edelmann zu suchen. Sieghelm saß hoch zu seinem Ross und bog gerade auf den kleinen Weg ein der zu dem Haus führte, als er seinen treuen Weggefährten bereits bellen hörte: Pagol. Schnell wie Rondras Donner flitzte der kleine Dackel über den staubigen Weg den Rückkehrern entgegen. Sieghelm stieg von seinem Pferd ab, ging in die Hocke und empfing seinen treuen Freund mit herzlichen ausgebreiteten Armen. Pagol hüpfte hin- und her, bellte vor Freude und schlabberte seinem Herrchen durch das Gesicht. „Jaja, ist doch gut – Herrchen ist wieder da. Jaaaa – und es geht ihm gut!“ Der Junker hatte Mühe den Dackel zu beruhigen, schon lange waren Herrchen und Hund nicht mehr so lange voneinander getrennt. Er streichelte und liebkoste den kleinen Kleffer etwas mehr als er es sonst tat und stand dann, als sich der Hund etwas beruhigt hatte, wieder auf.
Während Fräulen Pedderson und Fräulein von Quell auf einem Pferd gerade an ihm vorbei ritten, blickte Sieghelm zu dem Gehöft, wo Fadime – die Gutsbesitzerin – gerade dabei war mit Sahiba Alhina und Delia aus dem Haus herauszutreten um die Wiederkehrenden zu empfangen. Auch um Muhalla und Radajahna wurde sich gekümmert, Beremosch ließ es sich, als Kammerdiener des achtbaren Herrn, nicht nehmen sich sofort um deren Wohl zu sorgen. Sie war also doch da – dachte sich der Streiter der Leuin, und meinte damit natürlich die aranische Hexe, die vor einigen Tag nach dem Verwandlung Hjaldars plötzlich verschwunden war. Der Darpate wollte schon fast die nächste Rettungsaktion anleiern, ließ sich jedoch von Fräulein Pedderson Worten beruhigen, dass sie bestimmt nur zum Gehöft geflogen sei wo sie dann bestimmt auf alle warten würde.
Der Hauptmann von Hammerschlag nutzte die Gelegenheit einen kurzen Spaziergang mit Pagol einzulegen, in dem Drunter-und-drüber würde es schon keinem auffallen – dachte er sich – machte sein Pferd am Zaun fest und schlenderte davon.
Pagol folgte seinem Herrchen auf Schritt und Tritt, immer wieder sah der betagte Dackel dabei zu seinem Herrchen auf, wobei sich der Junker nicht ganz wohl fühlte. „Schau nicht so … „ murrte er, doch der Dackel ließ sich von dem kläglichen Versuch dem Gespräch auszuweichen nicht beirren. Stattdessen blickte er jetzt sogar noch mehr und – Sieghelm hätte es schwören können – strenger zu ihm auf, fast schon so als würde er sagen wollen: ‚Was nun, Siggi?‘ Sieghelm konnte sich des langen Blickes seines stummen Gefährten nicht länger erwehren und wurde weich: „Was sollte ich denn machen?“ platzte es plötzlich aus ihm heraus, wobei er sich hilflos gestikulierte. „Sie war einfach so verschwunden am nächsten morgen … hatte sich davon gestohlen wie eine feige aranische Katze. Ich hatte keine Gelegenheit mit ihr zu reden.“ Was folgte, war eine längere Zeit des Schweigens. Pagol vermied es jetzt zu seinem Herrchen aufzuschauen, stattdessen schnupperte er desinteressiert an einem Busch oder an einem alten Zaunpfahl. Das Pagol ihn nun quasi ignorierte, gefiel dem Streiter Rondras jedoch ebenfalls nicht. „Sie hat mit ihrem Verhalten uns alle in Gefahr gebracht! Am liebsten hätte ich sie für ihr Verhalten sofort gemaßregelt – so wie man es mit mir tat wenn ich in der Akademie einen Fehler begangen hatte. Fehler bei denen man andere in Gefahr gebracht hatte waren die schlimmsten! Meister Bregelsaum kannte da keinen Spielraum!“ Pagol blieb, so wie sein Herrchen, aufgrund des längeren Erklärungsmonologs stehen und starrte ihn nur Mimikfrei an. „Jetzt schau nicht so! Sie … Argh!“ Sieghelm ballte die Fäuste und stieß ein wütendes knurren aus. Als Pagol den Kopf etwas schief legte, hatte er gewonnen: „Jaaa gut …“ raunte der Darpate kleinlaut. „Sie hatte nur SICH in Gefahr gebracht dadurch …“ Pagol hechelte zufrieden. „Aber ist es nicht meine Aufgabe auf ALLE meiner Reisegruppe aufzupassen?“ Der Leutnant erleichterte sich an eine Zaunpfahl. Sieghelm seufzte, und schlurfte dann, wissend dass sich Pagol nicht auf so eine Diskussion einlassen würde, weiter.
Es verging wieder etwas Zeit, zusammen erreichten sie das Ende des Feldes. Das Gehöft war noch zu sehen, doch inzwischen schienen alle Wiederkehrenden sich im Haus eingefunden zu haben. Auch Sieghelm Pferd wurde vom Zaun abgemacht und in den Stall gebracht. Als Sieghelm sich über alldies versicherte hatte, machte er einen Knick Querfeldein.
„Weißt du Pagol, diese Angelegenheit zwischen Radajahna und Muhalla ist wirklich …“ Sieghelm stockte und suchte nach einem passenden Wort: “ … kompliziert. Einerseits verstehe ich Muhalla, sie ist seine wahre Liebe – doch seine Eltern verlangen von ihm das er eine ihm völlig Fremde ehelicht. Welchen Bund sie wohl begehen würden? Der Phexbund wäre wohl am wahrscheinlichsten. Aber ob das im Sinne von Azina wäre? Schon immer wurden die Ehen von den Eltern arrangiert, nur in den seltensten Fällen ging es dabei tatsächlich um Liebe, vielmehr um Ländereien, Bündnisse, Macht und Geld.“ Sieghelm blieb mitten auf dem beackerten Feld stehen und stieß einen kleinen Stein von dannen. „Ich glaube nicht das Azina ihn wirklich ehelichen möchte. Bestimmt will es die Familie so, und wenn Muhalla sich dazu entscheiden sollte die Ehe platzen zu lassen, dann würde er damit beide Familien diffamieren und entehren.“ Der Junker schnaufte nachdenklich, während er erneut einen Stein mit dem Fuß wegkickte. Pagol sah dabei nur gelangweilt hinterher, er wusste nicht genau ob dies nur klägliche versuche von seinem Herrchen waren mit ihm ‚Fang-das-Stöckchen‘ zu spielen oder ob sein Herrchen nicht wusste was ein Stöckchen überhaupt war. „Das beste … „ begann der Darpate dann mit einem leicht verschwörerischem Unterton. “ … wäre es eigentlich, wenn Muhalla unterwegs etwas zustößt und verschwindet.“ Woraufhin ein bellen des Dackels zu vernehmen war … womöglich weil Sieghelm erneut einen Stein, anstatt eines Stöckchens beschleunigt hatte.