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Einer geht noch …

Spichbrecher-Wappen-WeißZusammen mit seinem treuem Gefährten Pagol marschierte Sieghelm – der Gewinner nach fünf Kämpfen der außerordentlichen Turnei der Donnersturm-Senne –  zurück zum Gehöft seiner Freundin Azina. „Ich habe gewonnen … „ hallt es leise und Gedankenversunken aus Sieghelms Mund. Er kann es selbst noch kaum Glauben, er wußte zwar dass er dank seiner guten Ausbildung und seiner Erfahrungen inzwischen ein standhafter Krieger geworden war, doch das er hier und heute als Sieger der Turnei ausgerufen wurde, konnte er sich nur schwer vorstellen. „Die Leuin hat mir wahrlich beigestanden, mein kleiner Freund.“ spricht Sieghelm nun etwas lauter in gewohnt präsenter Stimme. Pagol belohnt seinerseits sein Herrchen mit einem tapferem Bellen. „Der Kampf gegen diesen riesenhaften Nordmann, verlief sogar leichter als gedacht. Ja war ich denn der einzige der sich all seine Kämpfe zuvor angesehen hat um genau zu wissen wo seine Schwachpunkte waren? Hätte er mich mit seinem Schwert einmal getroffen … nun … dann hätte es anders ausgesehen, aber ich konnte seine grobschlächtigen Hiebe stets vorausahnen und so schlimmerem entgehen.“ Der Junker wurde ein wenig nachdenklich, er musste wieder an seine Zeit an der Akademie in Rommilys denken, und zwar im speziellen an Schwertmeister von Ochsenbrecht, er unterrichtete Taktik & Strategie. Schon damals hing der junge Kämpfer an den Lippen des alternden Schwertmeisters, während die anderen Schüler seine Lehren oft als albern und unsinnig abtaten, war Sieghelm einer seiner glühendsten Zuhörer – und wie sich am heutigen Tage herausgestellt hat, mit Erfolg!

„Kenne deinen Feind wie dich selbst und du wirst siegreich sein“Schwertmeister Wulfhelm von Ochsenbrecht

Wache für eine Freundin

Spichbrecher-Wappen-Weiß„Es gibt die Zeit des Kämpfens, und es gibt die Zeit des Rast – letztere ist nun für Euch gekommen, Azina.“ Sieghelms Worte dulden keinen Einspruch, während er seine schwer blutende Freundin in seinen starken Armen hält und vorsichtig auf die Holzbank gleiten lässt. Azina schließt die Augen, ihr Kampf ist vorbei, der Junker wird über sie wachen. Sieghelm presst seine großen Hände auf die kleine Schulter seiner eisigen Weggefährtin. Ihr warmes Blut dringt dabei zwischen seinen Fingern hervor und tränkt seine Hände in Rondrarot.

Rondrian, der fleißige Waffenknecht des Streiters war bereits auf dem Weg zum Wundarzt. Sieghelm und Azina würden so einen kurzen intimen Moment miteinander haben – einen Moment an den sich Azina nicht erinnert wird, denn sie hatte sich schon längst gestattet in den sicheren Armen ihres Freundes ihr Bewusstsein zu verlieren. Sieghelms Blick fiel auf die ergrauten, leicht bläulich schimmernden Strähnen in ihrem Haar, während ihr Kopf auf seinem Oberschenkel ruhte. Den Runenspeer fest umklammert, blieb sie selbst im Angesicht des Todes standhaft – sie würde den gar beeindruckenden Speer nicht noch einmal verlieren.

„Bleib Standhaft, meine kleine tapfere Botin Firuns … “ hauchte Sieghelm, der dieser Titel soeben in den Sinn gekommen war. Andächtig legte der Darpate sein Kinn auf die Brust, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das warme sprudelnde Blut zwischen seinen Händen. Der Körper der jungen Aranierin war inzwischen stark ausgekühlt – was kein gutes Zeichen war, auch nicht für eine Dienerin Firuns. „Weißer Jäger, Herr des Winters und grimmiger Prüfer – sieh herab auf deine Dienerin. Als Botin deiner Lehre hat sie sich gegen einen übermächtigen Gegner gestellt, und sich dabei selbst überwunden. Denn selbst im Angesicht des Todes hat sie sich nicht gestattet zu wanken, denn allein Dein ist ihr Wille. Du bist ihre unerschöpfliche Kraft, dir allein gebührt die Ehre ihres Sieges über sich selbst. Gestatte deiner Botin nun zu rasten – dein Werk ist vollbracht.“

Gefolgt von einem kühlen Windhauch, der selbst Sieghelm für einen kurzen Moment frösteln ließ, sah er wieder auf, zwischen den Zelten näherte sich mit schnellen Schritten der Wundarzt. Der Hauptmann schnaufte mit einer Mischung aus Erleichterung und Traurigkeit, gleich würde seine Wacht vorbei sein und der schlanke Heiler würde die junge Botin Firuns übernehmen. Nie hatte der Junker jene Nacht in Ferdok vergessen, in der er beinahe ums Leben gekommen war, nur dank des beherzten Eingreifens der jungen Tulamidin war er noch am Leben. Sieghelm schuldete ihr sein Leben, und niemals zuvor fühlte er sich einer anderen Person so sehr verpflichtet wie in diesem Moment. Auch wenn Azina und Sieghelm auf den ersten Blick nur wenig Gemeinsamkeiten hatten, so verband sie im inneren mehr als nur die gemeinsame Karmalqueste. Beide waren sie Streiter vom ganzen Herzen, doch während die eine ihren Kampf gegen sich selbst zu schlagen hatte, stritt der andere gegen die Gefahren von außen. Das Leben ist für beide ein ewiger Kampf – und für beide gab es nichts ehrvolleres als in einem solchem Kampf sein Leben zu lassen. Doch heute, sollte dieser Tag nicht gekommen sein.

Nach dem Kampf, ist vor dem Kampf!

Spichbrecher-Wappen-WeißMit schwer blutender linker Schulter schleppt sich Sieghelm zurück zu seinem Zelt. Rondrian, der Waffenknecht des Junkers, nimmt ihm dabei rasch seinen Anderthalbhänder ab und legt die Blutverschmierte Klinge auf eine Holzbank. „Hol Fräulein Pedderson, Junge – sie wird bestimmt irgendwo herumlaufen und nach mir suchen …“ lautet Sieghelms Weisung, während er sich die klaffende Wunde an der linken Schulter hält. Sein Arm hängt Schlaff von seinem Körper herab und ist Blutüberströmt. Der Kämpfer mit der Hellebarde, Emmeran Olben, hatte anscheinend eine Lücke in Sieghelms Kettenpanzer gefunden und diese mit der Pike getroffen – nur unter großen Schmerzen und höchster Anstrengung gelang es ihm das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden.

„Es war der erste Angriff, ich war wohl zu Unaufmerksam geworden.“ raunt der Junker mit zusammengebissenen Zähnen, auf einer Bank in seinem Zelt sitzend und auf die Heilerin wartend. Er sah zu der kleinen Rondrastatuette die er auf einem kleinen improvisiertem Altar im Zelt aufgebaut hatte. „Herrin Rondra …“ schnaufte er, fasste sich dann und begann mit lauter Stimme seine Herrin anzurufen: „Dein ist die Herrlichkeit des Kampfes! Nach deinen Geboten überwand ich den Gegner, doch dir allein gebührt die Ehre des Sieges!“ Mit den letzten Worten wurde ihm leicht schummrig – er hatte wohl doch mehr Blut verloren als er gedacht hatte. Wo bleibt nur Fräulein Pedderson?

Vorsichtig lehnte er sich im sitzen gegen die Mittelstange des Zelts. Er musste an die beiden vorherigen Kämpfe am 28. und am 24. Hesinde denken. In der ersten Runde hatte Sieghelm einen leichten Gegner: Jantur Okdarn – ein Mittelländer mit Schwert & Schild, der allerdings mit beiden nicht allzu gut umzugehen wußte und dann auch noch das Pech hatte bei einem Sturz direkt in Sieghelms Schwert zu fallen. Auch wenn ein Sieg ein Sieg ist, so war kein großer Ehrgewinn in diesem Kampf – denn Jantur Okdarn war noch ein Anfänger, und noch dazu einer mit Pech. Seine Gedanken gingen weiter, zu dem Tulamiden mit dem imposantem Doppelkhunchomer – eine Waffe reichlich verziert, doch allem Anschein nach sehr unhandlich. Denn die Angriffe des Tulamiden konnte Sieghelm mit Leichtigkeit austänzeln, dennoch gelang es dem Kämpfer durch seine Erfahrung zwei Treffer zu landen – er würde einen Streiter mit dieser Waffe nicht mehr so schnell unterschätzen. Doch der härteste Brocken war bisher der Kämpfer mit der Hellebarde, an Rüstung Sieghelm recht gleich, verstand er sich gut im Umgang mit dieser Waffe.

Ein plötzlicher Schmerz durchzuckte Sieghelms Leib, was ihm aus der Konzentration riss. „Wo bleibt nur dieser Junge mit Fräulein Pedderson!“ fuhr es aus ihm heraus. Noch zwei Kämpfe standen ihm bevor, und so es das Schwert & Schild Averans will – war er dann der Sieger des Turniers. Er hoffte nur, dass er nicht gegen Azina antreten muss. Sicherlich würde Sieghelm ohne zu Zögern mit ihr die Klingen kreuzen, doch wurde ihm ganz anders bei dem Gedanken daran, eine Freundin verletzten zu müssen, auch wenn es für ein höheres Ziel stand

Sendschreiben an den Vogt von Hammerschlag

Spichbrecher-Wappen-Weiß

Praios und Rondra zum Gruß, ehrenwerter Baduar Raul Vogt von Hammerschlag

ich nehme an, dass Euch mein Schreiben vor einigen Wochen bereit erreicht hat, und ihr über die Umstände meines plötzliches Verschwindens informiert seid. Ich habe heute Baburin erreicht, welches – wie ihr sicherlich wisst – die Grenze zum Mittelreich bildet – ich werde hier wohl einige Umläufe verweilen, da mich andere Verpflichtungen hier eine Zeitlang binden. Darüber hinaus findet hier derzeit ein Turnei zu ehren der Leuin statt, welches ich beizuwohnen gedenke.

Sobald das Turnei beendet und meine Verpflichtungen abgeschlossen sind, werde ich zu meiner Heimat Darpatien reisen. Ein Besuch meines Junkernguts stand sowieso an. Ich habe vor dort mindestens einen Mond lang nach den Staatsgeschäften zu sehen und mich um wichtige Belange kümmern zu können. Solltet ihr mich während dieser Zeit versuchen wollen zu erreichen, wendet euch an das Junkerngut Hochstieg in der Baronie Dettenhofen.

Meinen Dienst als Hauptmann der Infanterie werde ich, sobald ich wieder in der schönen Stadt Hammerschlag ankomme, mit gewohnt gewissenhafter Hand aufnehmen. Bitte lasst Leutnant Pagol von Senfes ausrichten, dass er bis dahin dafür Sorge zu tragen hat die Einsatzbereitschaft der Lanze auf dem Niveau zu halten welches ich bei meiner ungewollten Abreise hinterlassen habe.

Bis dahin verbleibe ich mit rondrianischem Gruß,

Euer Hauptmann und Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Hochstieg – Baburin, 23. Hesinde 33 Hal

Der erste Schnitt ist immer der tiefste

Spichbrecher-Wappen-WeißEs ist ein kühler und leicht windiger Abend am 22. Hesinde 1026 BF. Ein flinker Dackel schnellt aus den Eingang eines Gehöfts, gefolgt von einem großgewachsenen Krieger mit breiten Schultern. Der Dackel mit dem Namen Pagol stobt zu einem Busch und bellt verspielt, vermutlich hatte er eine malwieder eine aranische Katze verjagd. Hinter ihm, mit schlendernden Schritt, lief der darpatische Junker. Seine Gedanken galten dem bevorstehendem Turnei und seiner damit bevorstehenden Prüfung im Umgang mit den Waffen.  „In zwei Tagen …“ hauchte er, während er immer wieder kontrollierenden zu den Büschen schaute in denen sich Pagol anscheinend einer kleinen Hetzjagd hingab. „Das heißt ich habe gerade mal einen Tag zum trainieren, viel zu wenig – ich bin aus der Form.“ Sieghelm resignierte ein wenig als er im gehen nach und nach jede Faser seines Körper streckte und dabei seine Knochen knarzen und ächzen zu hören glaubte. Seine Gedanken verliefen sich etwas in den verschiedenen Techniken und Methoden um in kurzer Zeit wieder zur alten Form zurückzukommen, er musste an seine Zeit an der Akademie in Rommilys denken, allem voran an Schwertmeister Perainor von Bregelsaum, der wohl Sieghelms meist verhasster und zugleich bester Ausbilder im Waffengang war.

Es war stets die selbe Aussage des Schwertmeisters, nachdem der junge Sieghelm mit einem älteren und überlegenen Schüler gekämpft und nach einem langem und ausgeglichenen Kampf dennoch unterlegen war. Der Darpate erinnert sich noch genau an das Gesicht des Mannes, der Bart fein gestutzt und die Wangen blank rasiert, eine lange Narbe über dem linken Auge und ein leicht welliger schwarzer Bürstenschnitt. Sieghelm fühlt sich in die Zeit zurück versetzt als er im Staub des Übungsplatzes lag und Meister von Bregelsaum mit hinter den Rücken verschränkten Armen zu ihm herantrat um mit enttäuschtem Blick zu ihm herabzublicken. „Es war ein guter Kampf.“ flüsterte Sieghelm, doch seine Stimme verlor sich dabei im kühlen Wind.

„In einem Kampf Mann-gegen-Mann wird kein zweiter Preis vergeben“ – Schwertmeister Perainor E. von Bregelsaum

Der Junker seufzte. Pagol kam derweil mit etwas hinkendem Bein zurück aus dem Gebüsch. Er sah zu dem Dackel herab und musste unweigerlich wieder an den Satz seines ehemaligen Lehrers denken, doch diesen Verwarf er sofort und er bückte sich zu seinem geschätzten Kameraden herab um sich dessen Verletzung etwas näher anzusehen. „Nur ein kleiner Kratzer, das wird schonwieder – es ist keine Schande auch Mal der Unterlegene zu sein.“ Siehelm Sprach dabei die Worte so aus, dass er sie selbst gut hören konnte um sich von deren Inhalt zu überzeugen.

Auch Azina hat sich bei dem Turnei angemeldet – dachte er. Warum sie das wohl getan hat? Sie ist durch und durch eine Firungläubige, doch welches Interesse könnte sie haben an einem Rondragefälligen Turnier teilzunehmen? Sieghelm dachte an die äußeren Veränderungen die seine alte Freundin Azina seid ihrer letzten Begegnung durchgemacht hatte, und auch an den reich verzierten Runenspeer – eine wahrlich prächtige Waffe. Waren dies vielleicht die Gründe dafür? Bisher hatte der Hauptkamm keine Zeit gefunden sie auf alldies anzusprechen, doch die Zeit würde noch kommen. Irgendetwas in Azina war anders, sie wirkte kühler und berechnender. Sie hatte einst ihre Familie hinter sich gelassen, nun war sie hier und dennoch zieht es sie wieder fort, trotz des desolaten Zustands des Hofes.

Zusammen mit dem leicht hinkenden Pagol lief der Hauptmann um das Gehöft herum, seine Gedanken galten nun dem Ereignis vor dem Dreitempel in Baburin. Selten hatte er die Nähe des Schwerts und Schilds Alverans so sehr gespürt wie in dieser eindrucksvoller Tempelanlage. Er musste auch an die Worte der Knappin der Leuin denken. Beinahe hätte Sieghelm an seinen eigenen Taten gezweifelt und den Willen seiner Göttin missinterpretiert. Allem voran zeigte dies Sieghelm jedoch, dass er noch kein Schwert der ehrvollen Donnergöttin war, seine Geschicke wurden nicht von ihr gelenkt, er ist und war nur ein einfacher Krieger der versucht seiner Göttin nach seinen bescheidenen Möglichkeiten gefällig zu handeln. Doch war er weiterhin Fehlbar – und das alles trotz des Amuletts das er bei sich trug. Die Geweihte hatte ihm zwar seinen Zweifel an seiner Tat bezüglich Muhalla nehmen können, doch warum die Herrin ihm diesen Schmerz gesandt hatte, vermochte sie ihm nicht zu erklären.

Die kommenden Tage würden Herrn von Spichbrecher jedoch noch erleuchtung bringen, da war er sich sicher, denn er hatte es irgendwie im Gefühl dass etwas großes Bevorstand.

Spaziergang auf dem Hof – Oder: Ein neuer Anfang

Am späten Nachmittag des 7. Hesinde erreichte die Reisegruppe, bestehend auf Fräulein Pedderson, Fräulein von Quell, dem achtbaren Herrn Muhalla, dem Angroschim Beremosch und der Scharlatanin Radajahna wieder das Gehöft, welches sie vor knapp einer Woche verlassen hatten um nach dem aranischen Edelmann zu suchen. Sieghelm saß hoch zu seinem Ross und bog gerade auf den kleinen Weg ein der zu dem Haus führte, als er seinen treuen Weggefährten bereits bellen hörte: Pagol. Schnell wie Rondras Donner flitzte der kleine Dackel über den staubigen Weg den Rückkehrern entgegen. Sieghelm stieg von seinem Pferd ab, ging in die Hocke und empfing seinen treuen Freund mit herzlichen ausgebreiteten Armen. Pagol hüpfte hin- und her, bellte vor Freude und schlabberte seinem Herrchen durch das Gesicht. „Jaja, ist doch gut – Herrchen ist wieder da. Jaaaa – und es geht ihm gut!“ Der Junker hatte Mühe den Dackel zu beruhigen, schon lange waren Herrchen und Hund nicht mehr so lange voneinander getrennt. Er streichelte und liebkoste den kleinen Kleffer etwas mehr als er es sonst tat und stand dann, als sich der Hund etwas beruhigt hatte, wieder auf.

Während Fräulen Pedderson und Fräulein von Quell auf einem Pferd gerade an ihm vorbei ritten, blickte Sieghelm zu dem Gehöft, wo Fadime – die Gutsbesitzerin – gerade dabei war mit Sahiba Alhina und Delia aus dem Haus herauszutreten um die Wiederkehrenden zu empfangen. Auch um Muhalla und Radajahna wurde sich gekümmert, Beremosch ließ es sich, als Kammerdiener des achtbaren Herrn, nicht nehmen sich sofort um deren Wohl zu sorgen. Sie war also doch da – dachte sich der Streiter der Leuin, und meinte damit natürlich die aranische Hexe, die vor einigen Tag nach dem Verwandlung Hjaldars plötzlich verschwunden war. Der Darpate wollte schon fast die nächste Rettungsaktion anleiern, ließ sich jedoch von Fräulein Pedderson Worten beruhigen, dass sie bestimmt nur zum Gehöft geflogen sei wo sie dann bestimmt auf alle warten würde.

Der Hauptmann von Hammerschlag nutzte die Gelegenheit einen kurzen Spaziergang mit Pagol einzulegen, in dem Drunter-und-drüber würde es schon keinem auffallen – dachte er sich – machte sein Pferd am Zaun fest und schlenderte davon.

Pagol folgte seinem Herrchen auf Schritt und Tritt, immer wieder sah der betagte Dackel dabei zu seinem Herrchen auf, wobei sich der Junker nicht ganz wohl fühlte. „Schau nicht so … „ murrte er, doch der Dackel ließ sich von dem kläglichen Versuch dem Gespräch auszuweichen nicht beirren. Stattdessen blickte er jetzt sogar noch mehr und – Sieghelm hätte es schwören können – strenger zu ihm auf, fast schon so als würde er sagen wollen: ‚Was nun, Siggi?‘ Sieghelm konnte sich des langen Blickes seines stummen Gefährten nicht länger erwehren  und wurde weich: „Was sollte ich denn machen?“ platzte es plötzlich aus ihm heraus, wobei er sich hilflos gestikulierte. „Sie war einfach so verschwunden am nächsten morgen … hatte sich davon gestohlen wie eine feige aranische Katze. Ich hatte keine Gelegenheit mit ihr zu reden.“ Was folgte, war eine längere Zeit des Schweigens. Pagol vermied es jetzt zu seinem Herrchen aufzuschauen, stattdessen schnupperte er desinteressiert an einem Busch oder an einem alten Zaunpfahl. Das Pagol ihn nun quasi ignorierte, gefiel dem Streiter Rondras jedoch ebenfalls nicht. „Sie hat mit ihrem Verhalten uns alle in Gefahr gebracht! Am liebsten hätte ich sie für ihr Verhalten sofort gemaßregelt – so wie man es mit mir tat wenn ich in der Akademie einen Fehler begangen hatte. Fehler bei denen man andere in Gefahr gebracht hatte waren die schlimmsten! Meister Bregelsaum kannte da keinen Spielraum!“ Pagol blieb, so wie sein Herrchen, aufgrund des längeren Erklärungsmonologs stehen und starrte ihn nur Mimikfrei an. „Jetzt schau nicht so! Sie … Argh!“ Sieghelm ballte die Fäuste und stieß ein wütendes knurren aus. Als Pagol den Kopf etwas schief legte, hatte er gewonnen: „Jaaa gut …“ raunte der Darpate kleinlaut. „Sie hatte nur SICH in Gefahr gebracht dadurch …“ Pagol hechelte zufrieden. „Aber ist es nicht meine Aufgabe auf ALLE meiner Reisegruppe aufzupassen?“ Der Leutnant erleichterte sich an eine Zaunpfahl. Sieghelm seufzte, und schlurfte dann, wissend dass sich Pagol nicht auf so eine Diskussion einlassen würde, weiter.

Es verging wieder etwas Zeit, zusammen erreichten sie das Ende des Feldes. Das Gehöft war noch zu sehen, doch inzwischen schienen alle Wiederkehrenden sich im Haus eingefunden zu haben. Auch Sieghelm Pferd wurde vom Zaun abgemacht und in den Stall gebracht. Als Sieghelm sich über alldies versicherte hatte, machte er einen Knick Querfeldein.

„Weißt du Pagol, diese Angelegenheit zwischen Radajahna und Muhalla ist wirklich …“ Sieghelm stockte und suchte nach einem passenden Wort: “ … kompliziert. Einerseits verstehe ich Muhalla, sie ist seine wahre Liebe – doch seine Eltern verlangen von ihm das er eine ihm völlig Fremde ehelicht.  Welchen Bund sie wohl begehen würden? Der Phexbund wäre wohl am wahrscheinlichsten. Aber ob das im Sinne von Azina wäre? Schon immer wurden die Ehen von den Eltern arrangiert, nur in den seltensten Fällen ging es dabei tatsächlich um Liebe, vielmehr um Ländereien, Bündnisse, Macht und Geld.“ Sieghelm blieb mitten auf dem beackerten Feld stehen und stieß einen kleinen Stein von dannen. „Ich glaube nicht das Azina ihn wirklich ehelichen möchte. Bestimmt will es die Familie so, und wenn Muhalla sich dazu entscheiden sollte die Ehe platzen zu lassen, dann würde er damit beide Familien diffamieren und entehren.“ Der Junker schnaufte nachdenklich, während er erneut einen Stein mit dem Fuß wegkickte. Pagol sah dabei nur gelangweilt hinterher, er wusste nicht genau ob dies nur klägliche versuche von seinem Herrchen waren mit ihm ‚Fang-das-Stöckchen‘ zu spielen oder ob sein Herrchen nicht wusste was ein Stöckchen überhaupt war. „Das beste … „ begann der Darpate dann mit einem leicht verschwörerischem Unterton. “ … wäre es eigentlich, wenn Muhalla unterwegs etwas zustößt und verschwindet.“ Woraufhin ein bellen des Dackels zu vernehmen war … womöglich weil Sieghelm erneut einen Stein, anstatt eines Stöckchens beschleunigt hatte.

Gedanken an die Heimat

Es war Nacht. Nur ein laues Lüftchen wehte über die Felder des Hofes, während der Darpate einsam auf einem Baumstumpf saß und in die Ferne blickte. Sein Blick war gen Firun gerichtet, wo seine Heimat – das Fürstentum Darpatien – nicht mehr allzu weit entfernt lag. Viele Götterläufe waren inzwischen vergangen seit er einst von dort aus aufgebrochen war um sich im Reich ein Namen zu machen. Sieghelm zog einen langen Atem durch die Nase ein, er glaubte die saftigen Wiesen seines Landes schon fast riechen zu können.

Zu seinen Füßen lag Pagol, der stolze Dackel des Junkers. „Kannst du das riechen, Pagol? Darpatien …“ und dabei sprach er den Namen auf eine Art und Weise aus, als wäre es das schönst auf ganz Dere. “ … es ist nicht mehr weit. Nachdem wir den Achtbaren Herrn Muhalla in Barburin an Azina saba Belima übergeben haben, ist es nur noch ein Katzensprung bis ins Fürstentum.“ Sieghelm Blick ging wieder in die Ferne. Er seufzte. Er musste an seine zwei Brüder denken, Torion und Traviahold – was ist wohl inzwischen aus ihnen geworden? Ob Torion wohl inzwischen die Staatsgeschäfte des Vaters weiter übernommen hat? Und ob sich Traviahold – ganz gemäß seines Namens – inzwischen weiter der Traviakirche zugewandt und Priester geworden ist? Sieghelm musste auch an sein Junkerngut denken. An Hochstieg, wie sich die Landschaft des kleines beschaulichen Dorfes im Tal der Berge sanft um den Fluss Hard schlengelt. Er dachte auch an seine kleine Festung, an die Hardpassmine, das Gasthaus „Schlägel & Eisen“ – ja ganz besonders an das Gasthaus, die ein oder andere Nacht hatte er sich dort um die Ohren geschlagen. Sieghelm hatte gerade erst seinen Ritter verloren und war noch mit der Verarbeitung der Dämonenschlacht beschäftigt, als sich die gute alte Wirtin Jadwina seiner annahm. Ohne sie – wenn man es so rückwirkend betrachtet – hätte er die Zeit wohl nicht überstanden. Sie war es auch die ihm als erstes auf die Idee gebracht hatte das Land zu bereisen um auf andere Gedanken zu kommen. Jadwina leistete wohl die Arbeit, die sonst ein Deuter Bishdariels getan hätte.

„Wollt ihr nicht rein kommen, es ist schon spät?“ hörte Sieghelm eine Stimme hinter sich und fuhr herum, er war so sehr in seinen Gedanken versunken, dass er sie gar nicht hatte kommen hören. Es war Fadime, die Besitzerin des Hofes. „Ich …“ begann Sieghelm etwas stotternd. “ … komme gleich. Ich muss noch über die heutigen Ereignisse nachdenken und den morgigen Tag planen.“ antworte er ihr, wobei ihm für einen kurzen Moment ein Lächeln über die Lippen flog. „Natürlich, ich lasse euch eine Kerze an, damit ihr auf Euer Zimmer finden könnt – Gute Nacht.“ sprach Fadime und dreht sich dann um.„Gute Nacht, Fadime.“

Mit seinem Seufzer wandte sich der Junker wieder seiner Gedanken zu. Es war wirklich ein Ereignisreicher Tag. Es gab einen Kampf, der – den Göttern sei es gedankt – ohne Verluste auf eigener Seite verlief, die Gefährten wurden schwer verletzt, und das alles nur wegen der verschmähten Liebe zwischen dem Achtbaren Herrn Muhalla und dieser Scharlatanin Radajahna. Sieghelm schimpfte innerlich über den Händler, hätte er sich doch nur eher ihm anvertraut – dann hätte er besser darauf reagieren können. Dobra war nur ein Handlanger, der wohl mit Hilfe von Radajahne aus dem Gefängnis in Zorgan entkommen konnte. Doch warum wurde Muhalla dann von Dobras Leuten am heutigen Tage angegriffen? Wenn der Scharlatanin wirklich so viel an ihm läge, dann würde sie es nicht riskieren das er verletzten werden würde. Oder war es vielleicht nur Dobras persönliche Rache für den Misslungenen Entführungsversuch in der Karawanserei in Zorgan? Leider würden sie ihn nicht mehr fragen können, denn Dobra erlag seinen Verletzungen und weilt nun in Borons Hallen. Der Hauptmann dachte über das weitere vorgehen nach. Eine wirklich sehr interessante und überraschende Komponente bildete Hjaldar – der Gjalskerländer aus dem fernen Norden, der ehemals Adeptus Nehazet als persönliche Wache diente. Ihn hatte wohl niemand mehr auf der Rechnung, aber es war nur allzu klar das er irgendwann weiter ziehen würde. Immerhin war Adeptus Nehazet schon lange nicht mehr in Hammerschlag, und jemand wie Hjaldar würde nicht brav wie ein Haustier darauf warten das sein Herrchen zurückkommt.

Als sich Sieghelm vorstellte wie Hjaldar durch die Straßen von Hammerschlag marschierte, schoß es ihm durch den Kopf – Hammerschlag! Inzwischen mussten die Leute dort glauben das er tot sei, es sei denn der erste Brief den er verfasst hatte war inzwischen angekommen. Sieghelm hatte es bisher nicht geschafft einen zweiten Brief zu verfassen und nach Hammerschlag zu schicken. Sobald er Barburin erreichen würde, würde er einen Brief aufsetzen – Hammerschlag musste wissen, dass Hauptmann von Spichbrecher noch unter den Lebenden weilt und bald zurück sein würde!

Offiziere auf See

Der Junker stemmte seine Arme auf die Reling der Zedrakke, welche den klangvollen Namen Al’Azila trägt. Er ließ seinen Blick über die weitere See streifen wo in der Ferne die Praiosscheibe begann aufzugehen. Einer der Matrosen erzählte ihm, dass man diesen Teil von Efferds Wogen das „Perlenmeer“ nennt. Sieghelm vergewisserte sich, dasskein anderer um ihn herum war bevor er wieder dazu ansetzte mit seinem kleinen aber treuen Weggefährten zu sprechen:

„Das muss wohl deine erste Reise auf hoher See sein, Pagol.“ Der Junker sag zu seinem Dackel herab, der sich neben ihm an sein Bein kauerte. Sie waren bereits seit zwei Tagen unterwegs, und noch immer schien sich der Hund nicht an den wackelnden Untergrund gewöhnt zu haben. „Mir liegt es auch nicht, als Darpate bevorzuge ich einen festen Stand, und den kann man hier wahrlich nicht bekommen.“ Pagol jaulte wieder leise und sah an seinem Herrchen herauf, Sieghelm entgegnete mit einem wissendem Nicken.

Zehn Momente später, kam es zu einem weiteren Dialog zwischen den beiden, doch diesmal waren die Ereignisse im Balash am Ongalo das Thema: „Kannst du dich noch an den Kampf erinnern den ich mit diesem Wilden ausfechten musste? Wie haben die anderensie doch gleich genannt … achja … Ferkinas. Der Krieger den ich in einem ehrvollem und rondragefälligen Zweikampf besiegt habe, war nicht älter als dreizig Götterläufe, und er galt als Veteran. Soweit ich das verstanden hatte, wollten die anderen Wilden das er stirbt, und zwar in einem Kampf damit er einen ehrvollen Tod bekommt anstatt an der Last des Alters zu sterben.“ Sieghelm machte eine Pause und sah wieder angestrengt in die Ferne des Ozeans. „Es kommt, die Leuein möge mir verzeihen, unserem Glauben sehr nahe, findest du nicht?“ Pagol machte keine Regung und gab auch keinen Ton von sich. Sieghelm besah sich seinen treuen Weggefährten kurz an als würde er auf eine Reaktion warten um dann wieder auf die See zu schauen und dabei nachdenklich auf der Unterlippe zu kauen, welche durch die salzige Seeluft spröde geworden war. „Ein ehrvollen Tod in einem ehrvollem Zweikampf – ich sollte mal Fräulein Pedderson fragen ob diese Wilden vielleicht sogar eine Abwandlung von Rondra anbeten, oder ob es einfach nur Zufall ist.“ Sieghelm seufzte kurz.

„Wo wir schon bei dem Fräulein sind, was hältst du von ihr, Pagol? Sie scheint mir eine recht vertrauenswürdige und zuverlässige Dame zu sein die weiß was sie will. Wir haben – auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermuten mag – viele Gemeinsamkeiten, und damit meine ich nicht nur unsere gemeinsame mittelländische Herkunft die uns immer wieder mal über die Sitten und Gebräuche dieses Landes schmunzeln lassen.“ Sieghelm drehte sich von den Reling weg und kniete sich nun zu Pagol herunter um ihm sein kleines Köpfchen anzuheben um somit seine Aufmerksamkeit zu bekommen. „Wir sind beide Zielstrebig, wir wollen beide diejenigen die sich nicht selbst helfen können unterstützen, wir sind beide studierte Mittelländer, wenn auch verschiedener Zweige.“ Pagol kniff die Augen zusammen und jaulte kurz mit zusammengebissenen Zähnen. Sieghelm ließ sein Köpfchen wieder los, so dass er sich wieder zusammenrollen konnte. „Und außerdem sind wir beide Diener der Götter – sie dient der Wissenden, ich der Streitenden. Ich denke, dass sie auf weiteren Reisen nützlich sein kann, zumal sie sich auch noch gut mit Adeptus Nehazet versteht, ihre Fachgebiete scheinen sich gut zu ergänzen – und wir beide wissen, dass Männer und Frauen wie der Herr Adeptus und das Fräulein Männer wie uns brauchen, um sie vor den Gefahren dieser Welt zu beschützen.“ Sieghelm stand wieder auf um erneut auf die See blicken zu können, die Praiosscheibe war inzwischen fast komplett aufgegangen. „Ich werde Sie einladen mich in Hammerschlag besuchen zu kommen wenn alldies hier vorbei ist, ich bin mir sicher, dass ihre Fähigkeiten noch von Nutzen sein werden.“

Erkenntnis

15. Travia 1026 BF

Sieghelm hiefte sich etwas schwerfällig auf den alten klapprigen Gaul herauf, sein Bein schmerzte, trotz der professionellen Behandlung von Fräulein Pedderson, immernoch etwas. Er warf einen Blick in die Runde, offenbar waren alle bereit aufzubrechen und so blies Sieghelm zum Aufbruch. Nach wenigen Schritten kam Sieghelm Delias Satz in Erinnerung: „Der Hund sollte bei der Wüstenhitze mit seinen kurzen Beinen nicht so lange strecken laufen.“ Der Junker murrte kurz und ließ sich von einem der Dörfler dann den kleinen Pagol hoch aufs Pferd heben. Der Dackel hechelte stark, sein Fell war sandig und seine Pfötchen waren leicht gereizt.

„Dies ist wahrlich kein guter Ort für einen Dackel und einen Darpaten, nicht wahr, Pagol?“ raunte der Junker etwas lauter als gewollt und sah sich, kaum das letzte Wort ausgesprochen, auch schon etwas erschreckt um da ihm in Erinnerung kam dass die anderen ja bemerken könnten dass er mit seinem Hund redet. Sieghelm gab Rohal einen kleinen Klaps um sich so von der Gruppe ein wenig abzusetzen.

„Sei froh dass du draußen geblieben bist – auch wenn du aufhören solltest dich im Sand so viel herumzutollen, das ist nicht gut für dein Fell.“ sprach er und zupfte dem Hund ein paar Sandkörner aus dem Fell. Pagol ließ es mit einer nüchtenen Gelassenheit über sich ergehen. „Mich dolcht, dass diese Angelegenheit größere Ausmaße annehmen wird als anfangs angenommen. Der Adeptus hatte anscheinend tatsächlich einen guten Grund mich hierher zu … bestellen.“ Pagol jaulte aufgrund der etwas unsanften Fellpflege kurz auf. „Ja Pagol – wie dich – lässt es mich auch jetzt noch bis ins Mark erschaudern an den Gedanken an diese Reise.“ Sieghelm schüttelte sich unwillkürlich kurz und setzte dann seinen Gedanken fort: „Dieser Magier hatte ein Zepter – eines was wohl stärker ist als er selbst – und es wurde entwendet, es gilt jetzt also dieses zu finden. Doch wo sollen wir in diesem gottverlassenen Land bloß anfangen? Es könnte überall sein … hinter dieser Düne dort …“ Sieghelm machte ein kurzes Nicken in die Richtung des Sandhügels auf der rechten Seite. „… in den tiefen der nächsten Krypta, in irgendeiner Kiste tief vergraben – oder vielleicht sogar hoch oben auf einem Magierturm. Wer weiß das schon.“ Der Hund in seinem Schoß machte vorsichtig die Augen zu und legte sein Köpfchen auf den Unterarm seines Herrn. Sieghelm blickte zu seinem Hund herab – ein lächeln flog über sein Gesicht und sogar ein zufriedener Seufzer überkam seine Lippen. „Ja du hast recht, Pagol – jetzt ist erstmal Zeit für eine Rast. Rondra wird uns morgen dorthin leiten wo das Zepter sich befindet, denn dort wo der Kampf ist, wird auch das Zepter sein.“

Und so ritt seine Wohlgeboren von Spichbrecher mit seinem Hund im Arm weiter den Sonnenuntergang entgegen.

Um die Karawanserei

14. Travia 1026 BF

Die Praiosscheibe steht hoch am Horizont. Sieghelm ging mit seinem treuem Dackel Pagol eine kleine Runde spazieren, sein Weg führte ihn um die Mauer der Karawanserei herum. Die Luft war für den wesentlich gemäßigtere Temperaturen gewohnten Krieger viel zu trocken und zu heiß. Immer wieder musste er sich den Schweiß von der Stirn wischen, selbst Pagol schien diese Temperatur nicht zu mögen.

„Ja, es ist viel zu heiß hier – und die Landschaft ist ebenfalls alles andere als ein schöner Anblick. Es sieht so aus, als hätte die gebende Göttin dieses Land verlassen … ein wahrlich Gottloses Land.“ Ächzte Sieghelm und sah dann wieder zu seinem Dackel, der ihm seinerseits immer wieder mal eines angestrengten Blickes würdigte. Der Junker dachte über die Ereignisse der letzten Tage nach: Mittels eines Winddschinns ließ Adeptus Nehazet ihn mehrere hundert Meilen durch das Land transportieren. Irgendeinen wichtigen Grund musste das ganze ja haben, ansonsten hätte Nehazet ihn nicht holen lassen – und schon gar nicht auf diese perfide Art und Weise. Was jedoch viel schockierender ist, ist die Tatsache dass Nehazet nun der Schlafkrankheit anheim gefallen ist – und die einzige Verbindung die Sieghelm hier hatte waren zwei ihm unbekannte Frauen die sich als „Gefährten“ des Adepten bezeichneten.

„Was hältst du denn von denen, mh? Die eine scheint mir eine achtbare Dame zu sein, Fräulein Pedderson – wahrlich sowohl von Hesindes als auch von Rahjas gaben gesegnet. Ja zugegeben … ich war ein wenig Forsch zu ihr, aber wer kann es mir schon verdenken, ich wurde soeben mehere Hundert Meilen durch das Land geflogen und meiner neuen Heimat entrissen … und noch dazu in dieses Trostlose von den Göttern verlassene Land.“ Währenddessen verrichtet Pagol an der Karawansereimauer sein Geschäft, was Sieghelm dazu veranlasst stehen zu bleiben und nachdenklich zu schnaufen.„Ich kann verstehen dass jemand wie der Adeptus sich mit ihr umgeben hat, wahrscheinlich haben sie über allerhand Philosophie, die hohe Rechenkunst und derlei Schöngeisterei gesprochen … aber was ist mit diese Feldschererin? Wie passt sie in das Bild …“ Der Junker blickt in die weite Ebene hinaus, als ob dort in der Ferne die Antworten auf seine formulierte Frage lag. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sich Nehazet je für eine Frau interessiert hat … also … im Sinne einer Frau als solches, du verstehst mich doch – oder?“ Pagol sah sein Herrchen verständnislos an, während er gemütlich neben ihn her trottete. „Ich möchte wahrlich nichts schlechtes über ihn sagen, mein Vierbeiniger Freund, aber der Adeptus ist nicht gerade der Typ Mann dem man zutraut im Sinne der berauschten Göttin mit einer Frau das Zimmer zu teilen.“ Sieghelm räusperte sich verlegen und sah kurz verlegen zu Pagol herab. „Wie dem auch sei – zurück zu dem wo der Ochs das Wasser lässt – diese Gegend hier ist nicht nur trostlos, sondern auch noch höchst unzivilisiert. Der Wirt … also dieser schmierige Besitzer dieser, wie nennen sie es? Karawanserei? Also dieser Schenke … die noch nichteinmal einen einzigen Stuhl besitzt … die Götter stehen mir bei und mögen mir Geduld geben … also, wo war ich? Achja … dieser Wirt ist der vertretende Vogt des hiesigen Beyrouns? Was sind denn das für Verhältnisse? Ich kann wahrlich verstehen wieso das Mittelreich dieses Land hier aufgegeben hat …“

Der Hauptmann der Infantrie schlenderte mit seinem Dackel um die letzte Ecke der Karawanserei. Eine kleine Böhe trug eine Prärieknäuel heran, welches der Junker angewidert ansah um dann anschließend einen kleinen Bogen darum zu schlagen. „Wichtig ist nur das Adeptus Nehazet wieder gesund wird, und das dieses Dorf hier von dieser Gefahr bewahr wird … so Gottlos die hier auch alle mir erscheinen mögen, so ist es doch im Sinne der Leuin wenn ich dieses sich selbst überlassene Dorf und dessen bewohner Beschütze, der hiesige Beyroun wird es mir mit sicherheit Danken das ich ihm sein Land, seine Untertanen seine Häuser und somit auch sein Einkommen gesichert habe. Der kampf gegen diese riesige Arachnoide Gestalt war wahrlich ein guter Kampf – bleibt abzuwarten was und noch erwartet … ja vielleicht sogar dieser Aslaban selbst … komm Pagol, lass uns rein gehen und einen Brief an den Bey aufsetzen.“

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