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Die Geburt eines Namens

Spichbrecher-Wappen-WeißSieghelm ritt zusammen mit den anderen in Richtung Firun, mit jedem Schritt den sie taten, wurde die Luft reiner und wohlriechender, denn der Weg führte in das Kaiserreich – bald würde er dieses für ihn leidlich gewordene Land verlassen. Sieghelm war froh, denn bald würde er wieder darpatische Wiesen unter seinen Füßen spüren können. Die Heimat war nicht mehr weit. Doch vorher galt es einen Abstecher zu Delias Heimat zu machen. ‚Nur einen Tag Umweg‘ hieß es. ‚Was sollte schon groß passieren?‘ dachte sich der Krieger. Mit vor Stolz angeschwollener Brust und Rondras ehrbarem Schwert mit dem bosparanischen Namen ‚Custos tonitrus honoris‘ auf dem Rücken, würde sich nichts und niemand mehr freiwillig in Sieghelms Weg stellen.

Die letzten Tage waren denkwürdige Tage – Sieghelm war nicht nur Sieger der Turnei, sondern auch noch Empfänger des prächtigen Anderthalbhänders, welches von der Donnernden selbst nach Dere gesandt wurde um nun endlich in den Händen des tapferen Streiters gehalten zu werden. Auch wenn er den finalen Kampf gegen den Rondrageweihten verloren hatte, so war es dennoch ein guter und ehrvoller Zweikampf zu Ehren der streitenden Göttin. Sieghelm hatte ihr seinen Mut, seine Stärke und seinen schier unerschöpflichen Willen nach einem ehrvollem Kampf unter Beweis gestellt. Sein Geist war rein, er war bereit ihr Schwert und Schild auf Dere zu werden und so lange zu Kämpfen bis das der letzte Tropfen Blut in ihren Namen vergossen wurde. Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher war bereit – neuer Mut floss durch seine kampfgestählten Muskeln – bereit sich jedem Gegner entgegenzustellen den die Diener des Bösen ihm wagten entgegen zu stellen. Mit dem Anderthalbhänder in der Hand und dem Mut von hundert Kriegern in den Adern würde er stets vorrangehen, Sieghelms Rolle in dieser Welt war gezeichnet, sein Schicksal geschrieben. Nun war es an der Zeit diesen Weg zu beschreiten und dabei Ruhm und Ehre zu mehren, doch nicht im Namen des Hauses Spichbrecher – sondern im Namen Rondras!

„Ich brauche einen neuen Namen … „ flüsterte Sieghelm seinem Dackel Pagol zu als die Reisegruppe Unterwegs eine Rast machte. Die Heimat von Delia sollte nur noch wenige Stunden entfernt sein. Sieghelm saß auf einem Stein und strich mit der Hand andächtig über die Klinge des Schwerts. Die anderen waren gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt um den Monolog des Kriegers mitzubekommen. Selbst Rondrian, der neue Waffenknecht des Herrn war gerade etwas Abseits mit der Waffenpflege beschäftig. Pagol schnüffelte an der Klinge. „Nein, nicht für das Schwert … Pagol.“ raunte er leise. „Für mich!“ Pagol sah etwas verwirrt zu seinem Herrchen auf und legte den Kopf schief. „Mit dem ‚Donnernden Wächter der Ehre‘ in meinen Händen, werde ich nicht mir oder meiner Familie, sondern der Leuin Ehre bringen, und das kann ich nur wenn ich einen Kampfnamen habe und den Namen Spichbrecher ablege …“ Sieghelm strich wieder über die Klinge und schloss die Augen. Seine Hände umschlossen dabei die Schneide, er erspürte seine innewohnende Kraft, sein loderndes Feuer und seine donnernde, bebende Stärke. Mit diesem Schwert würde er über all jene die es Wert waren wachsam sein, bis die Leuin beschloss ihn zu sich zu holen. Ein Geistesblitz durchzuckte ihn – das war es! Sein neuer Name, er würde ihn fortan tragen. Mit ihm würde er der Herrin Ruhm und Ehre bringen: Heute war er geboren, hier auf diesem kalten Stein irgendwo im Nirgendwo zwischen dem Beyrounat Baburin und dem Königreich Perricum. Sieghelm stand auf und ging zu seinem Pferd, es war noch früh den Namen seinen Gefährten mitzuteilen, denn er würde ihn nur im Gefecht annehmen – doch dafür war es noch nicht an der Zeit. „Wir gehen weiter.“ rief er seinen Gefährten zu, die sich sofort aufmachten ihr Gepäck zusammenzutragen. Was zurück blieb war ein in den Sand gekritzelter Name: DONNERWACHT

Ein magischer Ort

Das Fest wogte lange und stürmisch hin und her, der Bruder Delias sorgte für Stimmung und Unterhaltung, so wie des Efferds Element den Durst aller Wesen zu stillen vermag, ausgelassen wurde getanzt, gesungen, gespeist und getrunken. Dabei wurde die Stimmungen zum schluss nach dem Verzehr einiger Gurkenstücke noch einmal angehoben. Viele Geschichten, welche die anderen erheiterten wurden ausgetauscht, auch wenn ich viel davon nicht verstand, aber die anderen waren glücklich. Ich rang mich zum schluss durch auch eines der Gurkenstücken zu probieren, mir fiel der strahlenden irisierende Glanz der Dinge auf, welcher mir vorher nicht bewusst war, es war wie der Blick aus einer anderen Perspektive. In den nächsten Tagen habe ich viel Zeit damit verbracht Schrift und Sprache der Tulamiden und die Zeichen Kusliks zu erlernen. Den Kampf gegen den Sieger der letzten Turnier hat Sieghelm trotz seiner vorherigen überragenden Leistungen, zumindest gehe ich davon aus das jene überagend war, nicht gewonnen, aber er war wohl in den Augen aller ein sehr ehrhafter Wettstreit zwischen zwei Dienern der Leuin. Aufgrund der schweren, wenn auch oberflächlichen, Verletzungen heilten sowohl Jane, Delia als auch ich ihn, wobei Delia und ich auf unsere Kräfte zurückgriffen, so wie auch schon bei Azina vor ein paar Tagen.

Am 20.Firun, waren wir wie verabredet im Rondratempel, ich wollte ja eigentlich nicht hinein in diese unwirtlichen feurigen Hallen, aber ich fasste meinen Mut zusammen, wenn gleich ich dies wohl ohne meine Freunde nicht getan hätte, und wagte mich in die Höhle der Löwin, selbige war erleuchtet von unzähligen Feuerbecken und die Schäge des Gongs tönten wie ein Donnerschlag in diesen Hallen, die Diener der Löwin die Anwesend waren schienen auf uns zu warten. Hm eigentlich seltsam, das einer Sturm und Regengottheit, auch Feuer zugeordnet wird, erscheint mir etwas kontraintuitiv. Die Atmosphäre im Tempel war wirklich bedrückend, so das ich mich an Jane wandte, nur meine Freunde, welche in meiner Nähe weilten, verhinderten das ich vor Schreck erstarrte oder aus Panik davon rannte, an Jane gekauert schritt ich hinter ihr her den anderen folgend weiter durch den Tempel. Bis Wir weit genug in dem Inneren des Tempels waren und die Meisterin der Senne Süd, sich an uns, nun mehr an meine Freunde, denn mich, aber das war in Ordnung, ich war ja nur wegen meinen Freunden hier, wandte und uns, also ihnen, eine Frage stellte. Jene wurde von ihr allerdings in kürzester Zeit selbst beantwortet und dabei zeigte sie Sieghelm eine ungewöhnlich gezackte Klinge, welche sie ihm darbot. Diese heilige Klinge der Löwin sollte für einen würdigen Diener der Leuin sein, und die Meisterin der Senne Süd meinte diesen in Sieghelm gefunden zu haben. Nachdem Sieghelm die Klinge in seine Hände nahm, wurde er von der Meisterin der Senne Süd angegriffen, aber mit dieser Waffe parierte er jeden einzelnen Angriff. Delia und ich wollten schon zu unseren Kräften greifen um unseren zur hilfe zu eilen aber, Jane deutete Delia, und damit mir da ich ja immer noch in ihrer Nähe stand, an das dies keine Weise wahl wäre, da es sich dabei wohl um einen Test handel würde. Dieser wurde dann auch von Sieghelm bestanden. Danach wurde noch eine Klinge für den neuen Waffenknecht von Sieghelm erworben.

Am darauffolgenden Tag brachen wir auch in Richtung des Heimatdorfes von Delia auf. Wir reisten auf unsere Art, Sieghelm hoch zu Pferde, Jane, Azina, Delia und Rondrian laufend und ich laufend oder schwimmend, je nachdem was sich gerade anbot.

Nachdem wir die Grenzfestung Araniens hinter uns gelassen hatten wanderten wir durch einen Wald, bis wir an einen Ort kammen der gezeichnet war von zwei Birken die einen Eingang formten, wenn man davon wusste, an den Birken wuchsen Beeren und ein Stein mit dem Symbol der Phasen der Mada war ersichtlich. Die Tatsache das Delia meinte Ihr Dorf wäre direkt vor uns und das sie nach durchschreiiten des Eingang nicht mehr zu sehen war, war genug um mich zu veranlassen mir diesen Eingang genauer nach dem Odem des Arcanen anzusehen. Und tatsächlich entpuppte es sich das hier Magie herrschte, wahrscheinlich alte und mächtige, wenn gleich doch offensichtliche, Magie. Wir waren In Delias Dorf, ein kleinen Siedlung vornehmlich aus Fachwerkgebäuden und einzelnen Häusern mit Bäumen oder aus Bäumen, welche den Namen Mahtab trug, angekommen. Unser Weg führten uns zu einem Gasthaus, welches wohl keinen Namen trug, Azina entschied selbst für ihr Mahl zu Sorgen, als wir durch die Tür traten und eines Barden ansichtig wurden, welcher auf einem Instrument, das aussah wie als wäre es aus Eis, spielte, wurde uns gewahr das wir uns nicht mehr bewegen konnten, tatsächlich schien sich nichts mehr zu bewegen, auch die Sprache versagte uns den Dienst, ich beschaute mir die Situation an und suchte nachdem Odem des Arcanen und fand diesen auch, bei dem seltsam gewandten Barden mit den Hautbildern der auf diesem kühlen Instrument vor seinem Buch und Gefäß spielte. Kaum war seine Laute und seine Stimme verklungen, endete auch sein Bann auf uns und wir waren wieder im Besitz unserer Kräfte, aber von dem Barden war nichts mehr zu sehen. Der Wirt ein Tuluf ibn Ali bewirtete uns noch.

Die Zweite Reise

Wir sind aufgebrochen. Eine neue Reise beginnt. Zwei Götterläufe nach meinem ersten Aufbruch aus Baburin. Diesmal jedoch ist alles anders. Dieses Mal gehe ich gestärkt. Dieses Mal gehe ich mit dem Segen der Zurückgebliebenen. Sei es meine Familie, die gut versorgt ist oder sei es die Rondrakirche, die von unserem Auftrag weiß und Sieghelm endlich das Schwert der Queste in einer beeindruckenden Zeremonie überreichte. Ja, sogar Ferujas Segen erhielt ich, als ich versprach, ihren Sohn – meinen künftigen Ehemann – Muhalla zu suchen. Ein guter Rat – danke Onkel Omar. Gern hätte ich dir meine Freunde vorgestellt, aber du musstest leider geschäftlich fort.

Ich werde meiner Familie Ehre bereiten. Meine alte Schande ist getilgt. Die Nachricht wird auch Fasar erreichen. Tante Tulmirya wird stolz sein.

Mama, Papa. Grämt euch nicht. Ich weiß, ihr schafft es, unser Haus erneut zum Wohlstand zu führen. Die Vorarbeit ist getan, die Herde wächst. Mezzek wird euch helfen, auch Alhina und Rafid sind noch bei euch. Erzieht mir Arima zu einer starken selbstbewussten Frau. Der Hexenzirkel wird über euch wachen. Versorgt ihre Abgesandten gut und ihr seid vor politischen und geschäftlichen Machenschaften sicher geschützt. Und solltet ihr je meine Hilfe brauchen, wisst ihr, wie ihr mich benachrichtigen könnt. Es schmerzt mich, euch erneut zurück lassen zu müssen, aber euer Leben ist nicht das meinige. Werdet froh und glücklich.

Wer weiß, wann ich das nächste Mal nach Aranien kommen werde. Zunächst begleite ich Delia zu ihrer Mutter und anschließend Sieghelm in seine Heimat Darpatien. Danach versuche ich gen Firun in die Rote Sichel zu gelangen. Ich habe von Fahrenden Händlern Gerüchte gehört, dass dort Hippogriffe zu finden seien. Sollte es mir gelingen, eines der Eier zu finden, könnte ich es möglicherweise ausbrüten und aufziehen. Vielleicht gelingt es mir sogar zu fliegen. Die Feinde der Welt werden nirgends vor uns sicher sein! Wir werden sie bis ans Ende der Welt jagen und zur Strecke bringen!

Wie sagte die Meisterin der Senne? „Viel wird von uns verlangt.“ Setzen die Götter unser Leben ein, um Aventurien zu retten? Sind wir ein Spielball der Alveraner?

ICH BIN BEREIT!!

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Azinas Gedanken

Einer geht noch …

Spichbrecher-Wappen-WeißZusammen mit seinem treuem Gefährten Pagol marschierte Sieghelm – der Gewinner nach fünf Kämpfen der außerordentlichen Turnei der Donnersturm-Senne –  zurück zum Gehöft seiner Freundin Azina. „Ich habe gewonnen … „ hallt es leise und Gedankenversunken aus Sieghelms Mund. Er kann es selbst noch kaum Glauben, er wußte zwar dass er dank seiner guten Ausbildung und seiner Erfahrungen inzwischen ein standhafter Krieger geworden war, doch das er hier und heute als Sieger der Turnei ausgerufen wurde, konnte er sich nur schwer vorstellen. „Die Leuin hat mir wahrlich beigestanden, mein kleiner Freund.“ spricht Sieghelm nun etwas lauter in gewohnt präsenter Stimme. Pagol belohnt seinerseits sein Herrchen mit einem tapferem Bellen. „Der Kampf gegen diesen riesenhaften Nordmann, verlief sogar leichter als gedacht. Ja war ich denn der einzige der sich all seine Kämpfe zuvor angesehen hat um genau zu wissen wo seine Schwachpunkte waren? Hätte er mich mit seinem Schwert einmal getroffen … nun … dann hätte es anders ausgesehen, aber ich konnte seine grobschlächtigen Hiebe stets vorausahnen und so schlimmerem entgehen.“ Der Junker wurde ein wenig nachdenklich, er musste wieder an seine Zeit an der Akademie in Rommilys denken, und zwar im speziellen an Schwertmeister von Ochsenbrecht, er unterrichtete Taktik & Strategie. Schon damals hing der junge Kämpfer an den Lippen des alternden Schwertmeisters, während die anderen Schüler seine Lehren oft als albern und unsinnig abtaten, war Sieghelm einer seiner glühendsten Zuhörer – und wie sich am heutigen Tage herausgestellt hat, mit Erfolg!

„Kenne deinen Feind wie dich selbst und du wirst siegreich sein“Schwertmeister Wulfhelm von Ochsenbrecht

Das Ende des Turniers?

Nachdem Azina vor ein paar Tagen stark blutend zu ihrem Gehöft zurückkehrte sah es ganz so aus, als würde Sieghelm ihr in diesem Punkte folgen, wurde er doch schwer verletzt durch eine Kämpferin die wohl einen gewissen Kor anbetet, angeblich soll er irgendwie mit Rondra in Verbindung stehen, aber da ich noch in keinem der Tempel der Rondra war, habe ich dahingehend noch keinen Diener Rondras dazu befragt. Allerdings gelang ihm, im gegensatz zu Azina, dennoch den Sieg davon zu tragen, was lediglich bedeutet das er diesen Sturm an schneidenden Schmerzen weiter ertragen darf, ich verstehe ja nicht wirklich warum die sich unbedingt gegenseitig verwunden müssen, ich meine wenn sie sich austoben wollen dann könnten sie doch auch etwas Imman spielen, wobei ich auch da nie verstanden habe was daran so interessant sein soll, aber zumindest sah es nicht so verletzend aus.

Am Tag danach holten Jane und ich dann endlich die in auftrag gegebenen Lederwaren ab, ihre Rüstung und meine Handschuhe, nun ich kann nichts zu der Rüstung sagen, aber es wird wohl eine weile dauern bis ich mich an die Handschuhe gewöhnt habe.  Über das verwendete Leder bin ich mir nicht ganz sicher, aber es scheint sich um eine solide Verarbeitung zu handeln, die Handschuhe sitzen auch bequem, meine Schwimmhäute kneifen nicht und auch die Hautschleier sind bedacht. Ich werde mal sehen ob entsprechende Lederwaren reproduzieren kann, in angemessener Zeit versteht sich, da der Vorteil solcher Bekleidung offensichtlich ist. Ganz davon abgesehen kann ich mich nun auch dieser Gegenstände widmen, die von den anderen Buch genannt werden. Meine Freund besuchten wieder den Rondratempel, ich blieb mit Azina draußen, was sehr nett von ihr war.

Schlußendlich gewann Sieghelm auch noch den letzten Kampf des Turnieres, es sei denn der Kampf gegen den letzten Gewinner wird noch gezählt, dann war das wohl nur der vorletzte Kampf. Dabei fiel auf das dieser Kampf für Sieghelm augenscheinlich weniger schwer, oder zumindest weitaus weniger gefährlich war, wurde er doch im vergleich zum vorherigen Kampf praktisch nicht verletzt. Für heute wollte er eine Feier ausrichten lassen, was auch dazu führte das ich mich erneut in die Fluten des Barun-Ulah begab um zu fischen.

Wache für eine Freundin

Spichbrecher-Wappen-Weiß„Es gibt die Zeit des Kämpfens, und es gibt die Zeit des Rast – letztere ist nun für Euch gekommen, Azina.“ Sieghelms Worte dulden keinen Einspruch, während er seine schwer blutende Freundin in seinen starken Armen hält und vorsichtig auf die Holzbank gleiten lässt. Azina schließt die Augen, ihr Kampf ist vorbei, der Junker wird über sie wachen. Sieghelm presst seine großen Hände auf die kleine Schulter seiner eisigen Weggefährtin. Ihr warmes Blut dringt dabei zwischen seinen Fingern hervor und tränkt seine Hände in Rondrarot.

Rondrian, der fleißige Waffenknecht des Streiters war bereits auf dem Weg zum Wundarzt. Sieghelm und Azina würden so einen kurzen intimen Moment miteinander haben – einen Moment an den sich Azina nicht erinnert wird, denn sie hatte sich schon längst gestattet in den sicheren Armen ihres Freundes ihr Bewusstsein zu verlieren. Sieghelms Blick fiel auf die ergrauten, leicht bläulich schimmernden Strähnen in ihrem Haar, während ihr Kopf auf seinem Oberschenkel ruhte. Den Runenspeer fest umklammert, blieb sie selbst im Angesicht des Todes standhaft – sie würde den gar beeindruckenden Speer nicht noch einmal verlieren.

„Bleib Standhaft, meine kleine tapfere Botin Firuns … “ hauchte Sieghelm, der dieser Titel soeben in den Sinn gekommen war. Andächtig legte der Darpate sein Kinn auf die Brust, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das warme sprudelnde Blut zwischen seinen Händen. Der Körper der jungen Aranierin war inzwischen stark ausgekühlt – was kein gutes Zeichen war, auch nicht für eine Dienerin Firuns. „Weißer Jäger, Herr des Winters und grimmiger Prüfer – sieh herab auf deine Dienerin. Als Botin deiner Lehre hat sie sich gegen einen übermächtigen Gegner gestellt, und sich dabei selbst überwunden. Denn selbst im Angesicht des Todes hat sie sich nicht gestattet zu wanken, denn allein Dein ist ihr Wille. Du bist ihre unerschöpfliche Kraft, dir allein gebührt die Ehre ihres Sieges über sich selbst. Gestatte deiner Botin nun zu rasten – dein Werk ist vollbracht.“

Gefolgt von einem kühlen Windhauch, der selbst Sieghelm für einen kurzen Moment frösteln ließ, sah er wieder auf, zwischen den Zelten näherte sich mit schnellen Schritten der Wundarzt. Der Hauptmann schnaufte mit einer Mischung aus Erleichterung und Traurigkeit, gleich würde seine Wacht vorbei sein und der schlanke Heiler würde die junge Botin Firuns übernehmen. Nie hatte der Junker jene Nacht in Ferdok vergessen, in der er beinahe ums Leben gekommen war, nur dank des beherzten Eingreifens der jungen Tulamidin war er noch am Leben. Sieghelm schuldete ihr sein Leben, und niemals zuvor fühlte er sich einer anderen Person so sehr verpflichtet wie in diesem Moment. Auch wenn Azina und Sieghelm auf den ersten Blick nur wenig Gemeinsamkeiten hatten, so verband sie im inneren mehr als nur die gemeinsame Karmalqueste. Beide waren sie Streiter vom ganzen Herzen, doch während die eine ihren Kampf gegen sich selbst zu schlagen hatte, stritt der andere gegen die Gefahren von außen. Das Leben ist für beide ein ewiger Kampf – und für beide gab es nichts ehrvolleres als in einem solchem Kampf sein Leben zu lassen. Doch heute, sollte dieser Tag nicht gekommen sein.

Elementare Enthüllungen im Barun-Ulah

Wir saßen gerade am Tisch um das aktuelle Mahl einzunehmen als Alhina mit einem gewissen Rafid ibn Achmad, ihrer alten Liebe, sich zu uns gesellte. Anscheinend besaß er einstmals Land, welches er einer Familie zur Verwaltung übergab während er reiste, das Schriftstück, welches dies belegte versank jedoch in den Fluten des Barun-Ulah, Alhina dachte ich könnte dies eventuell wieder finden. Ich sah nichts was dagegen spräche und da ich mich gerne in meinem Element aufhalte, machten wir uns dann auch bald auf den Weg, nachdem Jane ihr Gepäck erleichtert hatte. Rafid und Azina führten uns durch Baburin an der dem Barun-Ulah zugewandten Stadtmauer entlang bis zu einer Stelle die irgendwo unter einem großen Gebäude, wohl dem Haus des hiesigen Herrschers, lag. Rafid warf einen Stein mitten in den Fluss, dorthin wo er meinte das Boot gesunken sei, vor fünf Götterläufen, damals hatte ich noch keine Beine, das war kompliziert sich damals an Land fortzubewegen. Ich entledigte mich der hinderlichsten Teile meiner Kleidung, etwas behielt ich an, war ich mir doch bezüglich der aquatischen Flora und Fauna nicht sicher, hätte ja sein können das etwas in den Tiefen lauert das besser nicht an den Leib gerät. Ich nahm lediglich meinen Vulkanglasdolch und das kleine Fischernetz noch mit. Nachdem ich in das Wasser gesprungen und untergetaucht war wirkte ich einen Flim Flam um mich besser zurecht zufinden, was mir unter Wasser leicht gelang, ich war nun mal in meinem Element. Danach schwomm ich eine Weile hin und her, befragte die Fische der Umgebung, naja befragen ist nicht ganz das richtige Wort, Fische sind nun mal recht still, aber ich konnte ihnen mein Anliegen verdeutlichen und die Fische zeigten mir auch verschiedene Wracks, samt diverser Kisten, Kästen und anderer Behältnisse. Vor allem lag am Grund viel Tand, Waffen, KLeidung, Alltagsgegenstände, irgendwann wird wohl der ganze FLuss davon voll sein, da unten sollte jemand aufräumen bevor es zu spät ist und die Geschöpfe Efferds dort nicht mehr leben können. Eine Kiste hatte ich schon an Land geschafft nachdem ich noch ein Ruderboot und ein weiteres Schiff fand, dieses Schiff war sehr zerfallen aber in den Resten der Kajüte fand ich noch eine Truhe. Ich rief einen Diener des Wassers herbei, was entsprechend leicht von meinen Händen ging und bat diesen die Kiste zu meinen Freunden an Land zu bringen, nun ja jedenfalls war dies so gedacht. Zuerst folgte mir mein nasser Freund in den Frachtraum, dort sprach ich ihm nocheinmal meine Bitte aus. Während er also die Kiste an Land brachte sah ich mich weiter um und sammelte alles ein was irgendwie interessant sein könnte, verschiedene Kisten und Kästen, sowie Schatullen, eine Flasche und was mir sonst noch so ins Auge geschwemmt wurde, darunter auch eine schöne Muschel. Der Diener des Wassers fand seinen Weg zu mir zurück und ich bat ihm das von mir gefüllte Fass ebenfalls zu meinen Freunden an Land zu bringen, auch diese Bitte füllte er fließend aus. Auch ich schwamm wieder an die Wasseroberfläche zurück. nahm aber vorher noch den Namen des Schiffes, Seetang, wie lecker, wie ich später erfuhr mit. Meine Freunde waren gerade dabei die gefundenen Schätze zu sortieren und generell zu besehen als uns auffiel das sich weitere Menschen näherten. Wir begrüßten jene freundlich und erzählten was wir taten, irgendwie, wobei meine Freunde wohl der Meinung waren die Gegenstände seien angespült worden, wahrscheinlich ein Missverständnis aufgrund des Wasserelementares. Meine Freunde begaben sich friedlich auf den Weg zurück und ich das Wasser genießend schwamm hinterher, allerdings bedankte ich mich vorher noch bei den Fischen und den Elementar. Auf dem Hof wurde dann Rafids Kiste geöffnet und tatsächlich war das Schriftstück noch erhalten. Jane unternahm noch einige Maßnahmen um den weiteren erhalt zu gewährleisten und es wurde beraten was nun zu tun sei. Am nächsten Tag machten wir uns erneut auf in die Stadt und besahen und den Tempel des Nebel- und Handelsgottes, naja Delia und ich besahen uns diesen die anderen berieten sich mit in graue Gewänder gehüllte Gestalten. Als wir später zum Hof zurückkammen dauerte es nicht lange bis ein Wagen gezogen von Sieghelm den Hof erreichte in diesem lag die schwerverlezte Azina, ohne lange nachzudenken eilten Delia und ich an ihre Seite und nutzten unsere Fähigkeiten um ihr Linderung und Heilung zu verschaffen, was uns auch gelang. Danach fühlte ich mich zwar bis auf die knochenausgetrocknet, aber das war es wert. Wenigstens würde Sie sich jetzt nicht mehr in dieser seltsamen Veranstaltung verletzen, nun bleibt nur noch zu hoffen das Sieghelm es möglichst unbeschadet daheraus schafft.

Goldrausch in Baburin

Alhina hat es geschafft. Sie hat Ihre Liebe gefunden und wiedergefunden. Rafid, so heißt der arme Kerl. Arm ist er jedoch nur, weil Sefiras Familie sich wieder einmal eingemischt hat. Diese dreißten Diebe! Erst wollen sie Azina und ihre Familie ruinieren und nun Alhina und ihren Geliebten. Machen diese Schurken denn vor gar niemanden halt? Nur gut, dass wir das Schriftstück wiedergefunden haben, hierbei gilt der größte Dank jedoch Luna. Sie hat den Grund des Barun-Uhla abgesucht und schließlich, mit der Hilfe eines Wasserelementars, die Schätze und das Schriftstück geborgen hatte. Die Anklage ist verfasst und eingereicht und die Unterstützung des Phextempels haben wir sicher. Nun heißt es warten. Ich hoffe, dass Sefira und ihre faule Familie endlich das Schicksal bekommen was sie verdienen.

Azina hat ihren letzten Kampf leider verloren. So wie sie aussah hätte sie das auch fast mit dem Leben bezahlt. Nur gut das Sieghelm für einen Heiler sorgte. Sie habe aber trotz der schweren Verwundungen noch Aufrecht gestanden und die Arena verlassen. Das sollte Ihr viel Ansehen gebracht haben. So schnell wird sich niemand mit ihr anlegen. Und Sieghelm? er ist erst in ein paar Tagen dran und hat sich sehr gut von seinen Verletzungen erholt. Meiner Meinung nach ist es unverantwortlich, dass sich Azina und er solchen Gefahren aussetzten und Verletzungen in Kauf nehmen. Nur für die Ehre und nur für den Kampf… Sowas werde ich nie verstehen. Können die beiden Zeiten des scheinbaren Friedens nicht einfach mal genießen?Also ich bin schon froh, dass Sieghelm mittlerweile etwas sanfter im Umgang geworden ist. Aber… ach was mache ich mir um diese beiden Krieger nur solche Sorgen. Sie wissen schon was sie tun. So hoffe ich… Nun ja bald ist die Turney ja vorbei. Jetzt wo Azina ausgeschieden ist gilt es nur noch Sieghelm anzufeuern und lebend durch die letzten Kämpfe zu bringen.

Fragwürdiges Verhalten und Zeitvertreib…

Beinahe könnte man es wohl als Flaute bezeichnen, Azina verwies mich an Nehazet, welcher natürlich nicht hier sondern in Khunchom ist, nun gut ich werde wohl dem Verlauf des Barun-Ulah folgen danach an der Küste entlang schwimmen und so schließelich nach Khunchom kommen, aber vorher werde ich Delias Mutter besuchen möglicherweise kann Sie mir helfen meine Mutter zu finden, denn Sie kann wohl das unergründliche Wesen des Stroms des Schicksals erkunden. Was die Tage sonst so betrifft, so gibt es neben dem langweiligen Turnier, wo Sie sich nur gegenseitig verletzen, und das sogar ziemlich schwer, das ist kaum anzusehen, da möchte man schon das ein oder andere mal auf das Feld laufen um die Leute zu heilen oder es stürmen lassen damit die Kämpfe gar nicht stattfinden, aber denen ist das gegenseitige verletzen so ernst das gäbe bestimmt ärger, wenn sie von ihrem schadhaften Verhalten abgehalten würden. Ansonsten gibt es viel zu tun um meine Gedanken und die der anderen auf Nebenflüsse zu verleiten. Für mich wären das vor allem die Suche nach Nutzpflanzen für den Hof, dabei konnte ich auch die Gegend etwas erkunden. Dann noch ein bisschen Fischerei, mittlerweile habe ich schon die verschiedensten Varianten ausprobiert, mit der Rute, dem Netz, einer Reuse, dem Speer und vor allem Unterwasser, letzteres war entsprechend erfrischend. Das bot mir auch die Gelegenheiten auführlich in dem Fluss zu schwimmen, was für eine labsal, es ist ja nun schon etwas länger her das ich richtig schwimmen konnte, die ganzen Brunnen, Fässer, Becken, Zuber und Wannen sind doch etwas einengend. Ich muss sagen die Landschaft hier ist schön, der rege Schiffsverkehr ist ein bisschen störend aber ich schwimme einfach unter den Booten entlang, das geht schon irgendwie der Fluss ist zum Glück groß genug. Für Arima habe ich auch noch ein paar Holzspielzeuge angefertigt, zuerst einen schönen Delphin, danach eine graziöse Nixe und nun bin ich mit einer anmutigen Schildkröte beschäftigt, ich denke danach wage ich mich an einen Rochen. Mit dem Banner von Sieghelm bin ich auch beinahe fertig, es ist zwar etwas durchnässt, das passiert halt, wenn unter Wasser in der Wanne gestickt wird, aber für den Anlass sollte es wohl genügen. Während der Tage des Turniers waren wir auch der Familie von Muhalla, ich habe mich mit ihnen kaum unterhalten, die anderen wollten nicht das ich allzu viel erzähle. Ich sollte Delia mal nach ihren Stecken fragen, Sie hatte ihn bis vor kurzem noch beinahe überall dabei, aber seit der Wintersonnenwende ist Sie immer seltener mit ihm anzutreffen.

Nach dem Kampf, ist vor dem Kampf!

Spichbrecher-Wappen-WeißMit schwer blutender linker Schulter schleppt sich Sieghelm zurück zu seinem Zelt. Rondrian, der Waffenknecht des Junkers, nimmt ihm dabei rasch seinen Anderthalbhänder ab und legt die Blutverschmierte Klinge auf eine Holzbank. „Hol Fräulein Pedderson, Junge – sie wird bestimmt irgendwo herumlaufen und nach mir suchen …“ lautet Sieghelms Weisung, während er sich die klaffende Wunde an der linken Schulter hält. Sein Arm hängt Schlaff von seinem Körper herab und ist Blutüberströmt. Der Kämpfer mit der Hellebarde, Emmeran Olben, hatte anscheinend eine Lücke in Sieghelms Kettenpanzer gefunden und diese mit der Pike getroffen – nur unter großen Schmerzen und höchster Anstrengung gelang es ihm das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden.

„Es war der erste Angriff, ich war wohl zu Unaufmerksam geworden.“ raunt der Junker mit zusammengebissenen Zähnen, auf einer Bank in seinem Zelt sitzend und auf die Heilerin wartend. Er sah zu der kleinen Rondrastatuette die er auf einem kleinen improvisiertem Altar im Zelt aufgebaut hatte. „Herrin Rondra …“ schnaufte er, fasste sich dann und begann mit lauter Stimme seine Herrin anzurufen: „Dein ist die Herrlichkeit des Kampfes! Nach deinen Geboten überwand ich den Gegner, doch dir allein gebührt die Ehre des Sieges!“ Mit den letzten Worten wurde ihm leicht schummrig – er hatte wohl doch mehr Blut verloren als er gedacht hatte. Wo bleibt nur Fräulein Pedderson?

Vorsichtig lehnte er sich im sitzen gegen die Mittelstange des Zelts. Er musste an die beiden vorherigen Kämpfe am 28. und am 24. Hesinde denken. In der ersten Runde hatte Sieghelm einen leichten Gegner: Jantur Okdarn – ein Mittelländer mit Schwert & Schild, der allerdings mit beiden nicht allzu gut umzugehen wußte und dann auch noch das Pech hatte bei einem Sturz direkt in Sieghelms Schwert zu fallen. Auch wenn ein Sieg ein Sieg ist, so war kein großer Ehrgewinn in diesem Kampf – denn Jantur Okdarn war noch ein Anfänger, und noch dazu einer mit Pech. Seine Gedanken gingen weiter, zu dem Tulamiden mit dem imposantem Doppelkhunchomer – eine Waffe reichlich verziert, doch allem Anschein nach sehr unhandlich. Denn die Angriffe des Tulamiden konnte Sieghelm mit Leichtigkeit austänzeln, dennoch gelang es dem Kämpfer durch seine Erfahrung zwei Treffer zu landen – er würde einen Streiter mit dieser Waffe nicht mehr so schnell unterschätzen. Doch der härteste Brocken war bisher der Kämpfer mit der Hellebarde, an Rüstung Sieghelm recht gleich, verstand er sich gut im Umgang mit dieser Waffe.

Ein plötzlicher Schmerz durchzuckte Sieghelms Leib, was ihm aus der Konzentration riss. „Wo bleibt nur dieser Junge mit Fräulein Pedderson!“ fuhr es aus ihm heraus. Noch zwei Kämpfe standen ihm bevor, und so es das Schwert & Schild Averans will – war er dann der Sieger des Turniers. Er hoffte nur, dass er nicht gegen Azina antreten muss. Sicherlich würde Sieghelm ohne zu Zögern mit ihr die Klingen kreuzen, doch wurde ihm ganz anders bei dem Gedanken daran, eine Freundin verletzten zu müssen, auch wenn es für ein höheres Ziel stand