Mit schwer blutender linker Schulter schleppt sich Sieghelm zurück zu seinem Zelt. Rondrian, der Waffenknecht des Junkers, nimmt ihm dabei rasch seinen Anderthalbhänder ab und legt die Blutverschmierte Klinge auf eine Holzbank. „Hol Fräulein Pedderson, Junge – sie wird bestimmt irgendwo herumlaufen und nach mir suchen …“ lautet Sieghelms Weisung, während er sich die klaffende Wunde an der linken Schulter hält. Sein Arm hängt Schlaff von seinem Körper herab und ist Blutüberströmt. Der Kämpfer mit der Hellebarde, Emmeran Olben, hatte anscheinend eine Lücke in Sieghelms Kettenpanzer gefunden und diese mit der Pike getroffen – nur unter großen Schmerzen und höchster Anstrengung gelang es ihm das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden.
„Es war der erste Angriff, ich war wohl zu Unaufmerksam geworden.“ raunt der Junker mit zusammengebissenen Zähnen, auf einer Bank in seinem Zelt sitzend und auf die Heilerin wartend. Er sah zu der kleinen Rondrastatuette die er auf einem kleinen improvisiertem Altar im Zelt aufgebaut hatte. „Herrin Rondra …“ schnaufte er, fasste sich dann und begann mit lauter Stimme seine Herrin anzurufen: „Dein ist die Herrlichkeit des Kampfes! Nach deinen Geboten überwand ich den Gegner, doch dir allein gebührt die Ehre des Sieges!“ Mit den letzten Worten wurde ihm leicht schummrig – er hatte wohl doch mehr Blut verloren als er gedacht hatte. Wo bleibt nur Fräulein Pedderson?
Vorsichtig lehnte er sich im sitzen gegen die Mittelstange des Zelts. Er musste an die beiden vorherigen Kämpfe am 28. und am 24. Hesinde denken. In der ersten Runde hatte Sieghelm einen leichten Gegner: Jantur Okdarn – ein Mittelländer mit Schwert & Schild, der allerdings mit beiden nicht allzu gut umzugehen wußte und dann auch noch das Pech hatte bei einem Sturz direkt in Sieghelms Schwert zu fallen. Auch wenn ein Sieg ein Sieg ist, so war kein großer Ehrgewinn in diesem Kampf – denn Jantur Okdarn war noch ein Anfänger, und noch dazu einer mit Pech. Seine Gedanken gingen weiter, zu dem Tulamiden mit dem imposantem Doppelkhunchomer – eine Waffe reichlich verziert, doch allem Anschein nach sehr unhandlich. Denn die Angriffe des Tulamiden konnte Sieghelm mit Leichtigkeit austänzeln, dennoch gelang es dem Kämpfer durch seine Erfahrung zwei Treffer zu landen – er würde einen Streiter mit dieser Waffe nicht mehr so schnell unterschätzen. Doch der härteste Brocken war bisher der Kämpfer mit der Hellebarde, an Rüstung Sieghelm recht gleich, verstand er sich gut im Umgang mit dieser Waffe.
Ein plötzlicher Schmerz durchzuckte Sieghelms Leib, was ihm aus der Konzentration riss. „Wo bleibt nur dieser Junge mit Fräulein Pedderson!“ fuhr es aus ihm heraus. Noch zwei Kämpfe standen ihm bevor, und so es das Schwert & Schild Averans will – war er dann der Sieger des Turniers. Er hoffte nur, dass er nicht gegen Azina antreten muss. Sicherlich würde Sieghelm ohne zu Zögern mit ihr die Klingen kreuzen, doch wurde ihm ganz anders bei dem Gedanken daran, eine Freundin verletzten zu müssen, auch wenn es für ein höheres Ziel stand