Es war Nacht. Nur ein laues Lüftchen wehte über die Felder des Hofes, während der Darpate einsam auf einem Baumstumpf saß und in die Ferne blickte. Sein Blick war gen Firun gerichtet, wo seine Heimat – das Fürstentum Darpatien – nicht mehr allzu weit entfernt lag. Viele Götterläufe waren inzwischen vergangen seit er einst von dort aus aufgebrochen war um sich im Reich ein Namen zu machen. Sieghelm zog einen langen Atem durch die Nase ein, er glaubte die saftigen Wiesen seines Landes schon fast riechen zu können.
Zu seinen Füßen lag Pagol, der stolze Dackel des Junkers. „Kannst du das riechen, Pagol? Darpatien …“ und dabei sprach er den Namen auf eine Art und Weise aus, als wäre es das schönst auf ganz Dere. “ … es ist nicht mehr weit. Nachdem wir den Achtbaren Herrn Muhalla in Barburin an Azina saba Belima übergeben haben, ist es nur noch ein Katzensprung bis ins Fürstentum.“ Sieghelm Blick ging wieder in die Ferne. Er seufzte. Er musste an seine zwei Brüder denken, Torion und Traviahold – was ist wohl inzwischen aus ihnen geworden? Ob Torion wohl inzwischen die Staatsgeschäfte des Vaters weiter übernommen hat? Und ob sich Traviahold – ganz gemäß seines Namens – inzwischen weiter der Traviakirche zugewandt und Priester geworden ist? Sieghelm musste auch an sein Junkerngut denken. An Hochstieg, wie sich die Landschaft des kleines beschaulichen Dorfes im Tal der Berge sanft um den Fluss Hard schlengelt. Er dachte auch an seine kleine Festung, an die Hardpassmine, das Gasthaus „Schlägel & Eisen“ – ja ganz besonders an das Gasthaus, die ein oder andere Nacht hatte er sich dort um die Ohren geschlagen. Sieghelm hatte gerade erst seinen Ritter verloren und war noch mit der Verarbeitung der Dämonenschlacht beschäftigt, als sich die gute alte Wirtin Jadwina seiner annahm. Ohne sie – wenn man es so rückwirkend betrachtet – hätte er die Zeit wohl nicht überstanden. Sie war es auch die ihm als erstes auf die Idee gebracht hatte das Land zu bereisen um auf andere Gedanken zu kommen. Jadwina leistete wohl die Arbeit, die sonst ein Deuter Bishdariels getan hätte.
„Wollt ihr nicht rein kommen, es ist schon spät?“ hörte Sieghelm eine Stimme hinter sich und fuhr herum, er war so sehr in seinen Gedanken versunken, dass er sie gar nicht hatte kommen hören. Es war Fadime, die Besitzerin des Hofes. „Ich …“ begann Sieghelm etwas stotternd. “ … komme gleich. Ich muss noch über die heutigen Ereignisse nachdenken und den morgigen Tag planen.“ antworte er ihr, wobei ihm für einen kurzen Moment ein Lächeln über die Lippen flog. „Natürlich, ich lasse euch eine Kerze an, damit ihr auf Euer Zimmer finden könnt – Gute Nacht.“ sprach Fadime und dreht sich dann um.„Gute Nacht, Fadime.“
Mit seinem Seufzer wandte sich der Junker wieder seiner Gedanken zu. Es war wirklich ein Ereignisreicher Tag. Es gab einen Kampf, der – den Göttern sei es gedankt – ohne Verluste auf eigener Seite verlief, die Gefährten wurden schwer verletzt, und das alles nur wegen der verschmähten Liebe zwischen dem Achtbaren Herrn Muhalla und dieser Scharlatanin Radajahna. Sieghelm schimpfte innerlich über den Händler, hätte er sich doch nur eher ihm anvertraut – dann hätte er besser darauf reagieren können. Dobra war nur ein Handlanger, der wohl mit Hilfe von Radajahne aus dem Gefängnis in Zorgan entkommen konnte. Doch warum wurde Muhalla dann von Dobras Leuten am heutigen Tage angegriffen? Wenn der Scharlatanin wirklich so viel an ihm läge, dann würde sie es nicht riskieren das er verletzten werden würde. Oder war es vielleicht nur Dobras persönliche Rache für den Misslungenen Entführungsversuch in der Karawanserei in Zorgan? Leider würden sie ihn nicht mehr fragen können, denn Dobra erlag seinen Verletzungen und weilt nun in Borons Hallen. Der Hauptmann dachte über das weitere vorgehen nach. Eine wirklich sehr interessante und überraschende Komponente bildete Hjaldar – der Gjalskerländer aus dem fernen Norden, der ehemals Adeptus Nehazet als persönliche Wache diente. Ihn hatte wohl niemand mehr auf der Rechnung, aber es war nur allzu klar das er irgendwann weiter ziehen würde. Immerhin war Adeptus Nehazet schon lange nicht mehr in Hammerschlag, und jemand wie Hjaldar würde nicht brav wie ein Haustier darauf warten das sein Herrchen zurückkommt.
Als sich Sieghelm vorstellte wie Hjaldar durch die Straßen von Hammerschlag marschierte, schoß es ihm durch den Kopf – Hammerschlag! Inzwischen mussten die Leute dort glauben das er tot sei, es sei denn der erste Brief den er verfasst hatte war inzwischen angekommen. Sieghelm hatte es bisher nicht geschafft einen zweiten Brief zu verfassen und nach Hammerschlag zu schicken. Sobald er Barburin erreichen würde, würde er einen Brief aufsetzen – Hammerschlag musste wissen, dass Hauptmann von Spichbrecher noch unter den Lebenden weilt und bald zurück sein würde!