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Der Achorhobai

Der Krug ist zerbrochen! Welch Unglück! Schurke, wer dafür verantwortlich ist! Da stehen diese guten Krüge über 3000 Jahre unversehrt herum und kaum will ein Angroschim sie ihrer Bestimmung zuführen und sie von ihrer elenden Warterei erlösen, da zerbrechen sie nacheinander und ergießen sich auf dämonisch verseuchtes Gebiet! Argh! Welch eine Schande!

Die Großlinge haben mal wieder eine ihrer Diskussionen. Es geht wohl darum, was zu tun ist. Sollen sie, ich setz‘ mich hier in die Ecke und warte. Weiteren Schnaps hole ich besser erst, wenn hier Ruhe eingekehrt ist. Nicht, dass noch mehr kaputt geht.

Oho. Sie haben sich entschieden. Ein Erkundungstrupp zur Befreiung der restlichen Gefangenen soll es sein. Und die verletzten sollen den Berg verlassen. Eine gute Entscheidung.

So machen sich also einige Männer unter Führung von Heerführerin Jane Pedderson auf den Weg, die letzte Bastion des Feindes einzunehmen. Oder vielmehr zu erkunden. Denn der Achorhobai ist fort. Auch von den Gefangenen fehlt jedwede Spur. Sie untersuchen gerade die erbärmlichen Quartiere, als unvermittelt Felsbrocken von der Decke stürzen. Sie scheinen gezielt auf die Menschen fallen zu wollen. Viele von ihnen werden gnadenlos zerquetscht. Rasch rennen sie aus der Kammer. Ein kopfgroßer Felsbrocken trifft Grombasch an der Schulter und kugelt ihm den Arm aus. Wie die Brocken um ihn herum, fällt er schwer getroffen zu Boden und bleibt liegen. Jane fasst sich ein Herz und versucht vergeblich Grombasch fortzuziehen. Mædnir eilt ihr zu Hilfe und trägt den bewusstlosen Zwerg schließlich den Weg bis zur tsageweihten Schmiede.

Unterwegs rennen sie an fallenden Felsbrocken vorbei und weichen blitzschnellen Tentakeln aus, die aus den Wänden nach ihnen greifen. Während der ganze Trupp aufgerieben und zerfetzt wird, zieht ein Tentakel Adeptus Nehazet direkt in das Gestein. Einzig sein Stab bleibt klappernd zurück. Doch bleibt keine Zeit den Verlust zu betrauern. Der Dämon treibt sie unermüdlich weiter vorwärts. Bei der Schmiede angekommen, stehen nur noch Jane und Mædnir aufrecht. Der Rest ist tot, verschwunden oder bewusstlos. Die Beiden stellen sich mutig dem Dämon entgegen. Sie wähnen sich durch Tsas Beistand geschützt. Tatsächlich gelingt es ihnen den Angriffen Stand zu halten und den Dämon gar zu verletzen, bis er schließlich von ihnen ablässt und sich hörbar auf den Weg nach oben macht. Zur Treppe! Wo gerade die Verletzten zu fliehen versuchen! Mædnir zögert keine Sekunde und hastet davon. Jane jedoch hadert kurz, dreht bei und renkt Grombaschs Arm wieder ein. Ein wenig Riechsalz bringt den völlig zerbeulten und zerschundenen Angroschim wieder zu sich.

Huch! Bei Angroschs Bart! Das tat weh. *Ächz* Ich kann bin am Ende. Ich kann mich kaum mehr rühren. Heerführerin! Ich bin euch zu Dank verpflichtet …

„Bei Angroschs Bart! Das war heftig.“ Er grummelt noch irgendetwas vor sich hin.

Jane zieht ihn hoch und gemeinsam humpeln sie zur Treppe. Dort versucht bereits Traviahold von Spichbrecher, Hochwürden auf Zeit unter dem Berg, die aufgewühlte Menge zu beruhigen. Denn es ging nicht weiter. Der Weg ist versperrt! Teufelseisengitter verriegeln die Tür. Delia und Igan machen sich daran mit Hilfe eines Elixiers von Magister Steinfest die Verriegelung zu lösen. Aber es dauert.

Der Anführer der Trollzacker erhält von Grombasch den Angrosch-geweihten Hammer, um die Eisenstreben vor der Pforte zu zerschlagen und eilt nach oben. Unterdessen greift der mehrgehörnte Dämon mit Tentakeln aus den Wänden an! Die Trollzacker kämpfen tapfer und opfern sich einer nach den anderen, um die Menschen zu beschützen. Auch Thornia, Traviahold, Jane und Grombasch tun ihr Möglichstes. Traviahold versucht gar sich den Göttern als Ausgleich anzubieten, jedoch verschmähen diese sein bereitwilliges Opfer. Jane gelingt es zumindest mit einem weiteren Elixier den Dämon zu vergiften. Indessen treibt dieser sie immer weiter nach oben, wo es langsam eng wird. Bis schließlich Delia und Igan die Verriegelung lösen können und die Menschen panisch nach draußen auf die Spitze des roten Riesens stürzen.

Als Delia das Hexenportal öffnet und letzte Nutzungsanweisungen weitergibt, bricht der Achorhobai durch das Gestein und zerstört die Fluchtwege. Nun sehen sich 80 teils Schwerverletzte einem wurmartigem Monstrum mit zahlreichen Tentakeln gegenüber, welches sich geifernd mehrere Schritt über ihnen in die Höhe schraubt.

Was zum … ANGROSCH STEHE UNS BEI!!! … Soll das das Ende sein? Furcht ergreift von ihm Besitz. Sie sind in der Falle!! Es gibt keinen Weg hier weg. Nur über die Asche dieses Unholds.

Aus den Wolken löst sich ein blauer Blitz und fährt wuchtig in den Leib des Achorhobai. Dieser kreischt laut auf. Grombasch sieht nach oben gegen das Licht und erblickt ein Wesen wie aus einer anderen Welt. Ein Hippogriff!! Und auf seinem Rücken sitzt eine Gestalt in einem Wolfsfell.

Das muss die verschollene sogenannte Botin Firuns sein! Ein Zeichen der Götter! Es ist also an der Zeit einen mehrgehörnten Dämon zu vernichten! Wohl denn; wollen wir es vollbringen!!!

„LASST MICH NACH VORN!!!!“

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Grombaschs Gedanken

Azinas Verbleib V

hier ist der vorherige Teil

Gefährten

Sie weiß, dass Garnan sich nähert, ehe sie ihn sieht und öffnet die Augen. Zur Antwort auf ihre ungestellte Frage, ob alles zu seiner Zufriedenheit sei, nickt er nur wohlwollend und bittet sie, ihm zu folgen. Bei der Hütte angekommen, erkundigt sie sich nach Borans Zustand. Es gehe ihm gut, meint er, doch für Gespräche sei es noch zu früh. Sie brauche außerdem ihre Konzentration für die morgige Aufgabe. Sie wird noch früh genug mit ihm sprechen können. Überhaupt werden beide noch eine Weile bei ihm bleiben und voneinander lernen.

Auf dem Felsplateau angekommen, stockt er und sieht sich nach Elfenbein um. Einen Augenblick lang schauen sie sich in die Augen, ehe er an Azina gerichtet sagt: „Elfenbein wird dich von nun an auf deinen Wegen begleiten. Er gehört jetzt zu dir, wie Ifirn zu Firun gehört und mildernden Einfluss auf ihn ausübt.“ Azinas Blick huscht zu Elfenbein. „Wenn er denn möchte …“ Eine Welle von Zuneigung durchflutet sie als er auf sie zu sprintet. Sie breitet die Arme aus und zieht ihn in eine innige Umarmung. „Gib gut auf ihn acht!“ ermahnt der Alte sie. „Das werde ich! Bei Ifirn, das werde ich!“

Am nächsten Morgen treten sie im Hof vor die Zielscheiben. Zunächst weist Garnan sie an, den Speer wurfbereit zu halten. Stundenlang. Ab und an kommt der alte Mann mit einer dampfenden Tasse Tee herbei und korrigiert hier und da ihre Haltung. Ihre Augen sind geschlossen; sie konzentriert sich mit Hilfe ihrer neu gewonnenen zweiten Sicht auf das nahe Ziel. Elfenbein sitzt an ihrer Seite und stärkt ihre Konzentration. Nun vermag sie es, das Ziel näher an ihr Bewusstsein zu rücken. Sie sieht den schwarzen Punkt der Zielscheibe genau vor sich. Jederzeit könnte sie den Speer nach vorn schleudern und ihn mitten ins Schwarze versenken. Doch erst als Garnan ihr endlich das Zeichen gibt, schleudert sie den Speer mit aller Kraft nach vorn, wo er tatsächlich in der Mitte der Scheibe stecken bleibt. Als sie ihre Augen öffnet, entfernt sich das Ziel wieder von ihr. Sie schwankt ein wenig unter den plötzlichen Eindrücken. Es scheint, als erleichtere die zweite Sicht ihre Fähigkeit, das Ziel zu finden.

Zufrieden lässt Garnan sie den ganzen Tag trainieren. Auch das Zurückrufen des Speeres funktioniert nun zuverlässig. Sie steht gerade an der Klippe, wo er vor wenigen Tagen mit einem Pfeil das unmögliche Ziel traf und konzentriert sich auf den Wind, der in verwirrenden Bahnen an ihr vorüberpfeift, als dieser stete Fluss blauer Energie plötzlich unterbrochen wird: 

Ein rotes Flimmern taucht zwischen den Baumwipfeln auf. Etwas Großes fliegt in einiger Entfernung an ihr vorüber. Sie ist noch dabei das wunderschöne Tier zu betrachten, als jäh aufflammender Schmerz sich in ihr Bewusstsein schiebt. Der Hippogriff wankt und trudelt zu Boden.

Erschrocken rennt sie zur Hütte. Doch Garnan ist nicht da. So eilt sie nur mit Elfenbein an ihrer Seite zur vermeintlichen Absturzstelle. Dank ihrer zweiten Sicht findet sie das hektische rote Flimmern zwischen den Bäumen zielsicher. Aufgeregt schlägt der Hippogriff mit den Flügeln hin und her. Feinde kann Azina in nächster Umgebung keine entdecken. So versucht sie sich dem majestätischen Tier vorsichtig unter Aufbietung all ihrer Kenntnisse über Vögel und Pferde zu nähern. Elfenbein wetzt davon. Azina spürt, dass er eine Idee hat und setzt ihren Versuch den Hippogriff zu beruhigen fort. Ein gefiederter Pfeil ragt direkt vor ihr aus seiner rechten vorderen Flanke heraus. Sie weiß, nur ein einziger Hieb mit dem krallenbewehrten Vorderbein und sie könnte verloren sein. Elfenbein kehrt zurück und birgt einen Hasen im Maul, den er Azina in die Hand drückt. Sie hält dem Hippogriff mit der offenen Hand die Beute hin, hoffend, dass er nicht zu ungestüm zupackt. Skeptisch beäugt er das Angebot mit schief gelegtem Kopf, ehe er blitzschnell und zielsicher zuschnappt. Sie zögert keine weitere Sekunde, macht einen Satz nach vorn und zieht den Pfeil mit einem Ruck heraus. Ihr darauf folgender hektischer Seitensprung bringt sie nicht mehr außer Reichweite der mächtigen Schwingen und so wird sie einige Meter davon geschleudert. Schwer atmend bleibt sie am Boden liegen und betrachtet das Pferdewesen, das sich nun auf die Hinterläufe gestellt hat und wild kreischt. „Flieg, mein Freund, flieg.“ Ermuntert sie ihn. Doch … er beruhigt sich wieder und betrachtet sie interessiert und … ja, und dankbar.

Lächelnd schließt sie die Augen, um seine Gefühle in sich aufzunehmen, als vor ihr eine Explosion auftaucht. Der Berg am Horizont spuckt schmerzende rote Blitze. Ihr Bewusstsein rast auf den Roten Riesen zu, durch den Eingang nach unten und sieht, wie ihre Freunde vor etwas davon laufen. So unvermittelt die Vision auftaucht, so rasch ist sie hinfort. Keuchend zieht sie scharf Luft ein. Elfenbein stupst sie mit seiner Nase an. Etwas zieht sie zum Berg. Sehnsüchtig starrt sie in die Ferne.

Der Hippogriff beginnt sich zu regen. Als hätte er ihre Sorge gespürt, geht er in die Knie und senkt das Haupt zu einer eindeutigen Pose. Azina schaut kurz zu Elfenbein und sieht, dass er der gleichen Ansicht ist. Dann gehen die beiden auf das Vogelwesen zu und steigen vor Ehrfurcht zitternd auf seinen Rücken.

Kaum sitzen sie auf, stößt er sich mit einem Ruck vom Boden ab und gewinnt rasch an Höhe. Nach kurzer Zeit hat er die Spitzen der Wolken erreicht. Azina hat Mühe sich und Elfenbein auf dem schwankenden Rücken des Hippogriffen festzuhalten. Verzweifelt krallt sie sich mit den Händen in die Federn an seinem Hals und mit ihren Beinen umklammert sie seine Mitte. Dennoch findet sie die Zeit, an seinem rauen Gefieder vorbei nach unten zu schauen und die atemberaubende Aussicht zu genießen. Etwas Vergleichbares hat sie noch nicht erlebt. Noch nie hat sie Aventurien von so hoch oben gesehen. In der Ferne gen Praios kann sogar sie die vertrauten weiten Ebenen ihrer Heimat Aranien erblicken. Auf einem Plateau des Roten Riesen kann sie hektisches Treiben erkennen. Der Hippogriff fliegt instinktiv darauf zu.

Als sie näher heran fliegen, kann sie eine große Menge Menschen auf dem Gipfel des Berges sehen, die wie Ameisen hektisch aus dem Berg strömen und hin und her wuseln. Auf einmal erzittert der Rote Riese. Sie kann noch nicht unterscheiden, ob das ohrenbetäubende Kreischen vom Berg oder von dem riesigen mehrgliedrigen wurmartigen Dämon stammt, der just aus dem Gestein hervorbricht und sich drohend vor der verängstigten Menge aufbaut. Sie zögert nicht lange und drückt dem Hippogriff mit der einen Hand nach unten, während die Andere Firuns Speer im Sturzflug direkt auf den Dämon wirft. Wie ein blauer Blitz schlägt der Speer des Alten in den Körper des Dämons ein. Dieser kreischt laut auf.

Ja, es war der Schrei des Dämons!! Zufrieden nickt sie innerlich.

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib IV

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Bestehen der Prüfung

Gemeinsam mit Elfenbein kehrt sie ergriffen zum Schwanenthron zurück. Dieses Mal fällt es ihr ungleich leichter, sich mit geschlossenen Augen durch das dichte Unterholz fortzubewegen. Ohne hinzusehen, setzt sie sich erneut mit überkreuzten Beinen auf den Felsen und verschmilzt gedanklich mit der Natur. Nach nur kurzer Zeit explodiert die gesamte Umgebung um sie herum in leuchtendem Blau. Sie ‚sieht‘, wie sich das Meer der Bäume im Winde wiegt. Sie hört eine wohlklingende Melodie, die von diesem Wald ausgeht. Sie beginnt sich in ihrem Takt zu wiegen, geht in Gedanken von Baum zu Baum und tanzt im Gleichklang mit der Natur. Es ist ein schönes Gefühl. Nie war sie ihrer Geliebten Natur näher. Fasziniert saugt sie die Eindrücke in sich auf.

Doch plötzlich, auf ihrem mentalen Weg über die Schönheit, unterbricht etwas die Harmonie des Waldes. Weit entfernt sieht sie ein verheerendes Ungleichgewicht. Der Gleichklang ist dort verzerrt. Als sie ihre Aufmerksamkeit auf die Quelle der Unreinheit richtet, erstrahlt direkt vor ihr der Rote Riese in einem brennenden Rot. Nervöse Energieblitze zucken um ihn herum. Aus seinem Bauch dringen blutrote Schlieren, wie aus einer klaffenden Wunde. Abrupt wird ihr Bewusstsein auf die Lichtung zurückgeschleudert. Keuchend reißt sie die Augen auf und realisiert nur langsam, was vorgefallen ist. Ihr trüber Blick sucht den Roten Riesen. Stumm liegt er da. Und doch … etwas regt sich. Sie ist beunruhigt. Sie zittert am ganzen Körper. Sie spürt nun auch den Schmerz des Waldes. Erst jetzt fällt ihr auf, dass Elfenbein nicht mehr bei ihr liegt. Es ist kalt. Er fehlt ihr. Es ist, als wurde ein Teil von ihr genommen.

Einer Eingebung folgend und weil sie zuvor zwischen den Klängen der Melodie auch die gegenwärtige Kälte gespürt hat, die von den Pflanzen besitzt ergreift, erhebt sie sich und schlurft müde und erschöpft zu einem der Bäume, die dem eisigen Wind in besonderen Maße ausgesetzt sind. Sie zieht den kalten Baum in eine hingebungsvolle Umarmung. Ihren Kopf bettet sie gegen den Stamm. Fast scheint es ihr, als seufzte der Baum, doch es könnte auch Einbildung sein, hervorgerufen durch ihren Wunsch, seinen Schmerz zu lindern.

Wie lange sie geschlafen hat, weiß sie nicht. Als sie erwacht, ist es Tag. Sie schaut sich nach Elfenbein um. Die frischen Spuren zeugen davon, dass er zwischendurch hier vorbeigekommen ist. Gerade wollte sie sich erneut auf den Felsen setzen, um ihre Meditation fortzusetzen, als sie ein ungutes Gefühl beschleicht. Eine finstere Ahnung reift in ihr heran. Stirnrunzelnd beschließt sie, den Spuren zu folgen, um sich seines Verbleibes zu vergewissern. Sie vermisst ihn schrecklich. Vermisst seine Wärme, seine Verspieltheit und seine Zuneigung. Ja, sie mag diesen riesigen Wolf, der eine solche Lebensfreude ausstrahlt. Ganz im Gegensatz zu Ebenholz, der irgendwie kalt zu sein scheint. Wie sagte Darnan vor ein paar Tagen?: “Firun wollte euch sterben lassen. Nicht umsonst ward ihr der Kälte erlegen. Ifirn hat euch gerettet.“ War Elfenbein jener weiße Wolf? Elfenbein, der Ifirn im Wesen so ähnlich ist?

Sie packt Firuns Speer und folgt den Spuren ihres neuen Freundes. Die großen Pfotenabdrücke sind im Schnee gut zu erkennen. Sie läuft noch nicht lange, als sie Stimmen vernimmt. Raue Stimmen, die über etwas diskutieren. Sie bleibt stehen und schließt konzentriert die Augen. Ihre neue Wahrnehmung tastet sich vorwärts – zwischen den blauen Baumstämmen hindurch bis sie wieder auf ein rotes Leuchten fällt. Rasch tasten ihre Sinne die Konturen ab. Da liegt Elfenbein im Schnee. Schmerz breitet sich in ihr aus. Rote Blitze zucken aus seiner linken Flanke. Da, wieder diese Stimmen. Vor Elfenbein stehen drei zerlumpte Männer und entscheiden gerade, dass sie den anmutigen Wolf für ihren Eintopf verwenden möchten. Zorn durchflutet sie. Ihr Griff um den Schaft des Speeres wird fester.

Plötzlich regt sich der Speer. Er beginnt zu pulsieren. Er versucht Verbindung zu ihr aufzunehmen. Er … Er möchte geworfen werden! Grimmig starrt sie die eisblaue Waffe an. Soll dieses Mal Firun seine Tochter retten? Ohne weiter zu überlegen, reißt sie den Arm nach hinten und … sieht ihr Ziel klar vor Augen: die rot umrandeten Silhouetten flackern vor ihren geschlossenen Lider auf und ab … sie wirft, wirft, wie sie noch nie geworfen hat, hoch über die niedrigen Tannen hinweg.

Und verfehlt ihr Ziel: Den Schritt Platz zwischen den Männern und Elfenbein. Stattdessen bohrt sich die lange scharfe Speerspitze von oben direkt in die Schulter eines Mannes, der daraufhin laut aufschreit. Sie sieht noch, wie sich die anderen beiden erschrocken umschauen und sich bereit machen sich zu verteidigen, als sie auch schon unbewaffnet nach vorne durch das Dickicht spurtet.

Der Bogen eines kleingewachsenen Banditen zuckt unschlüssig hin und her ehe Azina zwischen den Bäumen hervortritt. „Haltet ein! Ich bin die Botin Firuns! Es war ein Versehen! Lasst mich nach der Wunde sehen.“ Sagt sie und schreitet mit erhobenen Händen langsam auf sie zu. Der Getroffene windet sich am Boden, der Speer steckt tief in seiner Schulter. Die anderen beiden wenden sich ihr mit gezogenen Waffen zu und fragen barsch nach ihrem Begehr. Als sie zu einer Erklärung ansetzt, bedauert sie, dass sie ihren Speer nicht mehr in den Händen hält, als, völlig unvermittelt, ein schmatzendes Geräusch, gefolgt von einem lang gezogenen Schmerzensschrei zu hören ist. Die drei Stehenden starren verblüfft auf den Speer, der geradewegs in Azinas ausgestreckte Hand fliegt. Während die junge Jägerin ihn noch ungläubig anstarrt, nehmen die Männer brüllend Reißaus. Ihren verblutenden Kameraden lassen sie zurück. Azinas Brustkorb hebt und senkt sich heftig. Verwirrt steht sie einfach nur da. Erst ein Winseln von Elfenbein holt sie in die Gegenwart zurück. Rasch eilt sie zu ihm, zieht den Pfeil gekonnt heraus und verbindet die Wunde notdürftig mit ihrer eigenen Winterkleidung – Fell auf Fell. Für den armen Mann kam jede Hilfe zu spät. „Erneut ein Opfer. Es tut mir leid.“ Sie schlägt ein Boronsrad über den Verstorbenen und bedeckt ihn notdürftig mit Schnee. Dann kehren sie langsam zum Schwanenthron zurück. Unterwegs verwischt sie ihre Spuren sorgfältig. Am Thron angekommen versucht sie sich halbherzig noch einmal daran, das Geschehene zu wiederholen: Sie wirft den Speer über den Felsen hinweg in den Schnee und versucht ihn mit einer einladenden Geste zurück zu holen. Doch nichts passiert.

Sie zieht eine Schnute, lässt den Speer einfach im Schnee stecken und setzt sich erneut auf den Felsen. Dieses Mal, mit Elfenbein an ihrer Seite, gelingt es ihr, sich vollkommen mit der Natur zu vereinen. Sie selbst wiegt gemeinsam mit ihrem Bewusstsein im Takt zur Melodie des Waldes. Sie kann nicht nur die Bäume und den Wind wahrnehmen, sondern auch die Lebewesen, die sich in diesen Wäldern aufhalten. Sich selbst sieht sie nun als Teil dieses Waldes. Sie lächelt. Jetzt weiß sie, was die Elfen und Druiden wahrnehmen. Es ist vollkommen!

Erneut belastet etwas ihre Konzentration. Der Rote Riese! Wieder zucken rote Blitze aus seinem Bauch heraus. Der Berg weint. Und nicht nur der Berg. Auch die angrenzenden Bäume und der Schnee scheinen unter der verderbten Last zu flackern. Eine einzelne Träne läuft ihre Wange hinab, so intensiv ist der fremde Schmerz, den sie fühlt, dass selbst ihre eigene innere Kälte aufweicht.

Knirschende Schritte lenken ihre Aufmerksamkeit vom Berg ab.

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib III

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Die Prüfung

Sie kehren als Meister und Schülerin zur Hütte zurück. Ehe Azina sich wieder zur, dringend nötigen, Ruhe bettet, möchte sie Bakkus‘ Leichnam einen Besuch abstatten. Mit zusammengepressten Lippen und zitternden Fäusten betrachtet sie ihren treuen Jagdhund einen Augenblick lang schweigend.

„Was machst du nur? Was sollte das? Ach Mensch Bakkus!“ Sanft streichelt sie seinen Kopf. Krault ihn hinter den Ohren, wie er es so gerne mochte. „Ich danke dir! … Ich danke dir für die Zeit, die ich an deiner Seite verbringen durfte. Ruhe in Frieden mein kleiner Freund. Möge deine Beute dir in Firuns ewigen Jagdgründen niemals entkommen.“ Ergriffen segnet sie seinen Leichnam ihrem Herrn, schlägt ein Boronsrad und deckt ihn mit zitternden Händen wieder zu. Zwei stumme Tränen entrinnen ihren trüben Augen. Traurig wendet sie sich ab.

Ein leises Stöhnen aus der Ecke des Schuppens schreckt sie aus ihren Grübeleien. Ihr Blick fällt auf Garnan, der gelassen im Türrahmen steht. Misstrauisch nähert sie sich der Quelle des Geräusches. Dort in einer Nische liegt Shakriin Boran besinnungslos auf einem Fell. Er ist ebenfalls schwer verletzt und verarztet worden. Garnan beobachtet die Tulamidin ganz genau, als sie vor dem Trollzacker umständlich in die Knie geht und seine körperliche Verfassung begutachtet.

Woher seine Verletzungen wohl herrühren? Vielleicht hat er noch weitere Eiszapfen abbekommen, ohne dass ich es mitbekam. Ist das die Antwort auf die Frage, warum ich noch lebe? Sie seufzt schwer. Ich trage dir meinen Verlust nicht nach Shakriin. Ich kann mir vorstellen, was du fühlst. Wir sind alle Narren und lassen uns blenden. Du von deiner Wut und ich von meiner Naivität. Nun haben wir mit dem Leben unserer Kameraden dafür gebüßt. Denn auch du hast große Verluste erlitten. Ich hoffe, du kannst mir vergeben, dass ich deine Gefährten tötete. Jedoch mussten wir uns verteidigen! … Erhol dich erst einmal. Wir werden uns später unterhalten. Vielleicht gibt es einen Weg uns gegenseitig zu helfen. Gemeinsam werden wir einen Weg finden die verschwundenen Personen zu retten.

Am nächsten Morgen geht es ihr schon etwas besser. Sie kann wieder einigermaßen laufen und lässt sich von Garnan, eingehüllt in ihre Winterkleidung und bewaffnet mit ihrem Speer, zu einer Lichtung im Wald führen, inmitten jener ein großer flacher Findling liegt. Garnan nennt ihn geheimnisvoll Schwanenthron. Er erklärt ihr knapp und bedeutungsvoll: „Wer im Einklang mit der Natur ist, dem schadet sie nicht. In drei Tagen komme ich wieder.“ Mit diesen Worten lässt er sie zurück. Unschlüssig, was sie nun tun soll, steht sie noch einige Zeit untätig da. Schließlich setzt sie sich – einer Eingebung folgend – im Schneidersitz auf den Felsen. Der Speer ruht waagerecht auf ihren Oberschenkeln, während sie versucht ihren Geist zu leeren und an nichts zu denken.

Im Einklang mit der Natur. Erinnert sie sich an seine deutungsschweren Worte. Sie versucht zunächst ihrer Umgebung zu lauschen. Lange sitzt sie da und horcht auf die verschiedenen Geräusche des verschneiten Waldes. Doch sie kann nichts festhalten. Sie wird unruhig. Sie spürt die Kälte immer stärker, bis sie schließlich von ihren Gedanken Besitz ergreift und ihre Meditation unterbricht. Sie schaut sich irritiert um. Sie sitzt noch immer auf dem Felsen. Sie hat jegliches Zeitgefühl verloren. Über dem Wald leuchten die Sterne am wolkenlosen Himmel. Sie versucht die Kälte zu ignorieren; sie aus ihren Gedanken zu verbannen und schließt erneut die Augen. Dieses Mal versucht sie sich an etwas Einfacherem. Sie konzentriert sich nur auf eine einzige Sache: Das Rauschen der Bäume im stetigen Wind. Es gelingt ihr tatsächlich, sich auf das Rauschen einzustimmen und sämtliche anderen Geräusche auszublenden. Zwar spürt sie die Kälte noch immer; doch sie ist nicht mehr allgegenwärtig. Sie beherrscht nicht mehr ihr Sein. Nach einer kleinen Weile unterbricht ein leises Geräusch die scheinbare Monotonie des Waldes. Es sind langsame Schritte, die im Schnee knirschen. Irgendetwas nähert sich ohne Zögern der Lichtung. Was mag das wohl sein? Sie schalt sich innerlich und versucht auch dieses Geräusch auszublenden und wieder nur das Rauschen der Bäume wahrzunehmen. Vor dem Schwanenthron verstummen die Schritte und plötzlich spürt sie, wie sich etwas Warmes, einem Mantel gleich, um sie legt. Nach einer Weile weicht die Kälte aus ihrem Körper und ein Gefühl der Wonne durchströmt sie. Nun gelingt es ihr, sich vollkommen auf die Natur einzustimmen. Sie ‚ fühlt‘ das sanfte Wiegen der Tannen nun mehr als sie es hört. Lange sitzt sie so da. Wie lange weiß sie nicht. Doch die Anstrengung beginnt ihren Tribut zu fordern. Sie ist müde. So unterbricht sie die Trance und öffnet die Augen. Erstaunt sieht sie Elfenbein um sich liegen. Vorsichtig streichelt sie ihm den Hinterkopf. Er lässt sie gewähren und kuschelt sich sogar noch enger an sie. Zufrieden tut sie es ihm gleich und schläft ein.

Am nächsten Morgen macht ihr Elfenbein ein gefangenes Kaninchen zum Geschenk. Sie nimmt es dankbar an. Anschließend nimmt sie es mit Hilfe ihres Speeres aus und entfacht umständlich ein Feuer aus trockenen Ästen im Schatten des Findlings. Sie gart das Fleisch gewürzlos auf offener Flamme. Elfenbein tut sich erst an den Innereien gütlich und erhascht später noch eine knusprige Keule.

Nach dem Mahl kuscheln sie sich wieder auf den Felsen und versuchen sich gemeinsam auf die Umgebung einzustimmen. Aber so recht mag ihr das dieses Mal nicht gelingen, obwohl ihr Elfenbein genügend Wärme spendet. Also stehen sie auf und vergnügen sich, angestiftet vom lebhaften Elfenbein, spielerisch im Schnee. Ihr fällt zwar auf, dass er sich ihr und ihrer Verletzungen zuliebe sehr zurückhält. Aber es macht ihr nichts aus. Denn sie hat so viel unverfänglichen Spaß, wie schon lange nicht mehr.

Völlig außer Puste nimmt Azina wieder auf dem Felsen Platz. Es fällt ihr nun sehr leicht, sich auf die inzwischen wohlbekannten Baumwipfel zu konzentrieren. Erneut spürt sie die wogenden Kronen mehr als sie sie hört. Fast sogar meint sie sie zu ‚sehen‘. Kurze blaue Lichtblitze tauchen vor ihren geschlossenen Augen auf. Langsam, sehr langsam, kann sie erahnen, wo die Lichtblitze herkommen. Sie stammen von den Bäumen selbst! Es scheint, als fahren sie an den Konturen der Äste entlang. Sie konzentriert sich nun verstärkt auf einen einzelnen Baum. Und schon nach kurzer Zeit kann sie ihn beinahe komplett wahrnehmen. Plötzlich taucht in der Ferne ein greller roter Blitz auf, der sie aus der Konzentration reißt. Elfenbein springt beherzt vom Felsen und deutet ihr ihm zu folgen. Wagemutig schließt sie erneut die Augen während sie langsam weiterläuft. Der weiße Wolf führt sie zielstrebig und sicher durch das dichte Gehölz. Hier und da stößt sie sich zwar an Zweigen und stolpert über Wurzeln. Doch mit der Zeit scheint es, als würde sie den Hindernissen instinktiv ausweichen. Auch hier scheinen blaue Blitze die Konturen der Bäume nachzeichnen. Fasziniert staunt sie über diese neue Ansicht.

Erneut flammt der intensive rote Blitz auf. So intensiv, dass sie erschrocken die Augen aufreißt. Was sie sieht, lässt beinahe ihr Herz still stehen.

Nicht einmal vier Schritt vor ihr erhebt sich ein gewaltiger Hippogriff drei Schritt in die Höhe. Sein rasiermesserscharfer Schnabel ist blutverschmiert. Die kräftigen Flügel schlagen bedrohlich auf und ab und erzeugen einen starken Luftzug, der ihr die Feuchtigkeit aus den aufgerissenen Augen treibt. Seine krallenbewehrten HippogriffVorderbeine fuchteln wild in der Luft herum. Alles in ihr schrie nach Rückzug. Sie geht langsam in die Hocke und legt ihren Speer auf den Boden. Doch der Hippogriff macht keine Anstalten sich zu beruhigen. Immer wieder schlägt er mit den Flügeln und kreischt markerschütternd. Ihr ist bewusst, dass ein einziger Schlag von ihm ausreichen könnte, um sie außer Gefecht zu setzen. Ihr ganzer Körper steht unter Spannung als sie sich vorsichtig rückwärts bewegt.

Sie geht etwa 15 Schritt nach hinten und setzt sich auf einen Baumstumpf. Das Mischwesen beäugt sie zunächst noch misstrauisch, labt sich dann schließlich doch weiter an seiner Bergziege. Die junge Jägerin schließt die Augen. Ihre Hand sucht Kontakt zu Elfenbein. Sogleich gelingt es ihr, sich auf die Umgebung einzustimmen. Sie konzentriert ihr Bewusstsein auf das mächtige Wesen vor ihr. Nach und nach, beginnen rote Energieblitze die Silhouette des Hippogriffes nachzuzeichnen. Sie spürt die unbändige Kraft, die von dieser beindruckenden Kreatur ausgeht, als sie immer wieder ihren Schnabel in das Fleisch ihrer Beute schlägt und große Stücken herausbricht und im Ganzen verschlingt.

Als der Hippogriff fertig ist, schaut er sich noch einmal prüfend um und erhebt sich mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte. Azina schaut ihm ergriffen nach. Ein Hippogriff? Hier in den Trollzacken? Welche Geschichte mag damit zusammenhängen? Vielleicht sehen wir ihn bald wieder.

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib II

hier gehts zum ersten Teil

Was geschah

Azina erwacht. Sie befindet sich in einer einfachen aber soliden Holzhütte. Alles deutet darauf hin, dass hier ein Anhänger Firuns wohnt: Sie ist karg und zweckmäßig eingerichtet. Verschiedene ausgestopfte Tierköpfe zieren die Wände. Direkt über ihrem Bett hängt der Kopf eines Braunbären. Seiner Grimasse zu urteilen gefällt es ihm nicht, dass sie unter seinem Fell liegt. Sie schaut an sich herab. Ihre Brust ist umwickelt mit einem starken Verband. Jede Bewegung ihres Torsos schmerzt. Ihre Arme ruhen schwach neben ihrem Körper.

Wo bin ich? Wie lange liege ich hier schon? Sollen das hier Firuns ewige Jagdgründe sein?

Sie schüttelt sachte den Kopf, um den Blick wieder für die Realität zu schärfen. Sie hat überlebt! Aber wie? Sie versucht sich ein wenig aufzusetzen und umzusehen. In der Hütte kann sie eine kleine Küche, eine Werkbank, einen Tisch mit zwei Stühlen, drei abgehende Türen und einen Kamin erkennen. In dem Kamin prasselt ein wärmendes Feuer. Davor liegt etwas Großes. Etwas sehr Großes. SchwarzWolf2es. Das atmet. Bei genauerer Betrachtung sieht sie, dass es sich dabei um einen gigantischen Wolf handelt. Dieser scheint ihren Blick zu spüren und hebt kurz den Kopf, um sie einen kurzen Augenblick zu betrachten. Doch schnell verlischt sein Interesse wieder und er bettet sein mächtiges Haupt auf seine Pranken.

Eine Tür öffnet sich und ein alter weißhaariger Mann tritt gemeinsam mit einem weiteren großen Wolf ein. Im Gegensatz zum Anderen, ist dieser hier schneeweiß.

Der blinde Mann, der sich selbst als Garnan und seine Wölfe als Ebenholz und Elfenbein vorstellt, Garnanerzählt ihr bei einer Tasse Traschbarttee, wie er sie vor <<<Zeit-Spoiler>>> mit Hilfe seiner Gefährten gerettet hat. Er gibt offen zu, zu wissen, wer sie ist und welche Rolle sie in dieser Zeit spielen soll. Azina hält sich mit den Fragen, die ihr auf der Zunge liegen zurück. Nur die Frage ihres Herzens spricht sie laut aus: Sie fragt nach dem Wohl von Bakkus. Doch Bakkus ist tot. Er liegt im Schuppen bis Azina bereit ist, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Ihr vergeblicher Versuch, sich aufzurichten, zeigt ihr deutlich, dass sie dafür noch nicht bereit ist. Erschöpft lässt sie sich zurück auf das weiche Kissen sinken und lauscht den weiteren Ausführungen Garnans. Elfenbein schaut sie die ganze Zeit neugierig an, während Ebenholz sie keines Blickes würdigt. Gegen Abend versucht sie sich ihm anzunähern, während Garnan mit Elfenbein auf der Jagd ist. Doch sie kann ihm kaum eine Regung entlocken. So setzt sie sich einfach neben ihn vor den Kamin und starrt in das Feuer. Bald kehrt Garnan mit seinem Bogen und zwei erlegten Kaninchen zurück. Gekonnt weidet er sie an der Werkbank aus und kocht eine kräftigende Suppe. Azina schaut ihm interessiert zu und ahnt bereits, dass dieser alte Mann mehr sieht, als seine pupillenlosen Augen tatsächlich zu sehen vermögen.

„Wie seid ihr als Erwählte Firuns in eine solche Situation geraten?“ fragt Garnan unvermittelt während des Essens. „Weil ich noch am Anfang meiner Reise stehe.“ beichtet Azina ohne zu zögern ihre Schwäche. „Firun hätte euch sterben lassen. Dankt seiner Tochter Ifirn, dass sie es von Zeit zu Zeit vermag ihm ein wenig Milde abzutrotzen.“ Als er dies sagt, schaut er zu Elfenbein hinüber, der ihnen beim Essen zuschaut. „Bekommen sie nichts zu essen?“ fragt sie. Er lächelt: „Sie bekommen später etwas.“

Er berichtet ihr anschließend auf Ihre Frage von seiner eigenen Geschichte:

Der Geschichte eines Nivesen, der in der Armee von Darpatien zum Krüppel wurde. Er wandte sich einst von Rondra ab und Firun zu, der ihn auf eine harte Probe stellte. Er solle einen unmöglichen Kunstschuss vollbringen: Einen Pfeil, sollte er unter heftigen Böen in ein 200 Schritt entferntes Ziel schießen. Lange habe er geübt. Er wurde ein nahezu perfekter Bogenschütze. Und doch vermochte er diese unmögliche Aufgabe nicht zu erfüllen. Erzürnt über diese Unfähigkeit nahm Firun ihm sein Augenlicht, um ihn von der Last des Sehens zu befreien. Es ermöglichte ihm, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf das, was er fühlt, wenn er eins mit der Natur wurde.

Garnan führt sie zu der Klippe des windumspielten Felsplateaus, auf der sein bescheidenes Heim stand und schoss einen, von Azina markierten Pfeil, zwischen die entfernten die Bäume. Sie liefen anschließend durch den Schnee nach unten, um den Pfeil zu holen. Und tatsächlich! Er steckte in der Mitte einer Zielscheibe. Ehrfürchtig zieht Azina ihn heraus und dreht sich zu ihm um.

„Wie habt ihr das geschafft?“ Garnan lächelt wissend. „Ich kann dich lehren, wenn du es möchtest. Unter drei Bedingungen: Du musst eine Prüfung bestehen. Sie wird dich auf deine Tauglichkeit testen. Und du bleibst so lange bei mir, wie ich es für nötig erachte. UND du nennst mich ab sofort ‚Meister‘ … Bist du bereit?“

„Ja … Meister.“

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib I

gleicher Zeitpunkt, wie im Artikel: Verwehrt und verweht

Kampf im Schnee

Der Wind pfeift um die angespannten Körper der beiden so unterschiedlichen Menschen. Eiseskälte fährt in ihre Glieder. Ihr warmer Atem wird von den schneidenden Winden fortgetragen. Die Maske des Zorns des Shakriins spricht Bände. Drohend hält er die Hand zur Faust geballt erhoben. Schwarze Energie sammelt sich darum.

Nein, Shakriin Boran tu es nicht. Wir sind keine Feinde, du täuschst dich. Es tut mir Leid, um deine Freunde. Ich tue dir nichts. Schau!

Um ihre friedlichen Absichten zu untermauern, die sich aufgrund der Sprachbarriere nicht auszusprechen lohnen, streckt sie beide Arme zu einer offenen Geste weit von sich. Doch der Schamane, blind vor rasender Wut, schleudert seinen Energieblitz auf sie. Sie kann ihm im hohen Schnee nicht mehr ausweichen und stöhnt schmerzverzerrt auf, als er sie in die Seite trifft. Noch während sie sich ihre Taille hält, kommt der Trollzacker mit schwingender schädelbesetzter Keule auf sie zu gestapft. Seine Absicht ist offensichtlich. Doch so leicht lässt sich die Botin Firuns nicht überwältigen – auch wenn sie nach dem langen Marsch und dem Zaubertreffer am Ende ihrer Kräfte ist – und so reckt sie dem Angreifer ihren Speer entgegen. Es entbrennt ein harter Kampf im verschneiten Tal der Sieben Winde.

Bakkus hat sich von seinem Lockzauber erholt und eilt herbei, um seiner Herrin beizustehen, als diese wankt. Die Wucht der Knochenkeule und ein darauf folgender erneuter Energieblitz schleudern den schwarzen nivesischen Steppenhund einige Schritt in den tiefen Schnee hinaus, wo er reglos liegen bleibt.

BAKKUS NEIN!!

Tränen der Wut sammeln sich in ihren Augen.

Neue Kraft erfüllt die junge Jägerin. Sie ist entschlossen ihren Gegner zu überwinden. In schneller Folge stößt sie ihren Speer in den Leib des Schamanen, der unterdessen eine weitere Energiekugel formt. Doch ihre Angriffe scheinen nicht die übliche Wirkung zu haben. Sie werden irgendwie gedämpft. Dennoch schwankt der große Mann ein wenig, um dann umso entschlossener anzugreifen. Gesprochen aus nächster Nähe ist es ihr unmöglich seinem Zauber zu entrinnen. Dumpfer Schmerz breitet sich in ihrer Brust aus. Sie taumelt. Ein wuchtiger Schlag von unten wirft sie in den weichen Schnee. Der Runenspeer Firuns entgleitet ihren Händen.

Über sich sieht sie die Eiszapfen an einem Felsvorsprung hängen, als sich plötzlich  zwei von ihnen lösen und sie direkt in die Brust treffen! Sie kann einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken, der jedoch rasch vom eisigen Wind fortgetragen wird. Die Eiszapfen ragen nun gefährlich aus ihrer Brust heraus. Jeglicher Versuch sich zu bewegen ist vergebens. Kraftlos spürt sie, wie ihre kostbare Lebensenergie, einem Malstrom gleich, aus ihrem Körper fließt. Ihr wird kalt. Sehr kalt.

Mit einer Mischung aus Schmerz, Trauer, Genugtun und Entschlossenheit im Gesicht, schiebt sich Boran in ihr Blickfeld. Er sagt noch etwas in seiner Sprache, als auch ihn unvermittelt ein Eiszapfen trifft und sich tief in seine Schulter gräbt!

Azinas Blick schweift unterdessen nach links, wo sie einen riesigen weißen Wolf langsam auf sie zu tapsen sieht.Wolf

Der Trollzacker hat den Wolf noch nicht bemerkt, den Einschlag jedoch überwunden und formt einen weiteren Energieblitz, um ihr endgültig den Rest zu geben. Verzweifelt versucht sie sich von den Eiszapfen zu befreien, die sie am Boden festnageln. Doch es gelingt ihr nicht. Ihre Hände sind taub und fallen kraftlos zu Boden. Ihr letzter Blick gilt dem mystischen weißen Wolf.

Ist dies dein Plan, oh Weißer Jäger?

Dunkelheit umfängt sie.

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Azinas Gedanken

Kampfgeschick und Heldenmut – Die Schlacht unter dem Berg

— als Grombasch —

„HARHAR, eine Schlacht! Ich werde euch zeigen, was es heißt, die Heimat der Zwerge zu beschmutzen! Und nach euch, knöpfe ich mir den Feuerdämon höchstpersönlich vor! Büßen soll er!! FÜR ANGROSCH UND SEINE SÖHNE!!!!!“

Eben noch betrunken, befeuert der Schnaps jetzt seine innere Esse lediglich noch mehr an. Glühend und brüllend bahnt er sich einen Weg zur Frontlinie.

„Spart euch eure Abschiedsworte Weibelin. Wenn dies hier vorbei ist, heben wir zusammen einen!!“

Mit diesen Worten, dreht der Angroschim noch einmal den Königshammer in den Händen. Bereit ihn der nächstbesten Ratte in die Fratze zu dreschen. In ihm schwillt eine unbändige Kampfeslust. Für all das Leid, dass seinem Volk und den hiesigen Menschen widerfahren ist, steht er hier – endlich – in Reih und Glied mit den letzten Verteidigern dieser Bastion, um dem Feind zu trotzen. Heerführerin Jane Pedderson hält eine bewegende Ansprache, die Mut und Zuversicht in die eigenen Reihen pumpt und sie anspornt standzuhalten.

Wie eine Urgewalt bricht die Welle der Dämonenratten über das zusammengewürfelte Heer herein. Grombasch nimmt kaum mehr wahr, als die zwei Ratten vor ihm, die sich seine Schläge teilen dürfen. Kraftvoll teilt er nach vorne aus. Unseeliges schleimiges Blut spritzt in alle Richtungen, als er mit jedem Treffer Gliedmaßen aufs Groteske zerschmettert. Doch mehr und mehr Ratten stürmen heran und füllen die Lücken der gefallenen Angreifer rasch auf. Bolzen fliegen in beide Richtungen und richten verheerenden Schaden an.

Die Linie der Verteidiger gleicht nach kurzer Zeit eher einer s-förmigen Welle. Tapfer hält der Sohn des Dramosch seine Position an vorderster Front. Nur am Rande bemerkt er, wie sich – zu weit entfernt von ihm – die Thorwaler und der Schattenkrieger Janes an dem ersten Golem zu schaffen machen. Eine der Ratten gelingt es indessen gackernd, ihr Messer in seine Schulter zwischen die Teile seiner Kettenrüstung zu schieben. Schmerz betäubt für einen Augenblick seine Sinne, als die Ratte vor ihm auch schon von einem Schwert zu seiner Linken von ihm runtergeschlagen wird. Reflexartig pariert er den heransausenden Hieb der zweiten Ratte mit dem Hammer so kräftig, dass es ihr den Waffenarm bricht. In dieser kurzen Atempause, zieht er sich das Messer aus der hässlichen Wunde und packt anschließend die halb ohnmächtige Ratte am Halsfell, um sie sich vor sich als Bolzenschutz zu halten.

Unvermittelt steht plötzlich aufstampfend das stählerne Bein eines Golems da, wo eben noch eine herangehuschte Ratte Geifer spuckte. Geistesgegenwärtig und weil es schon einmal funktioniert hat, spurtet der Zwerg zwischen die Beine des Kolosses hindurch, um auf dessen Rückseite zu gelangen. Ein einfacher Hieb im Vorbeigehen mit dem Angroschgeweihten Königshammer in die riesige Kniekehle richtet mehr Schaden an, als der Angroschim es für möglich gehalten hätte: Metallplätzchen splittern funkensprühend in alle Richtungen. Zu gern, hätte er seine gesamte Aufmerksamkeit auf den ebenbürtigen Gegner gerichtet, doch das unzählige Rattengezücht vor ihm greift ihn unvermittelt an. Ohne seine Rüstung wäre er inzwischen komplett zerfetzt worden. Mühsam erwehrt er sich der Schläge als eine riesige Faust an ihm vorbeidonnert und ihn gegen das stählerne Bein presst. Zum Glück lassen die Ratten von ihm ab und bringen sich selbst in Sicherheit. Ein weiterer Hieb, diesmal von der anderen Seite, verfehlt ihn jedoch glücklich. Eine einzelne Ratte bezahlt daraufhin den Versuch ihn anzugreifen, mit ihrem unheiligen Leben. Doch die Ablenkung reicht dem Golem aus, um sich hinter seinen kleinen Widersacher in Position zu bringen. Mit zusammengefalteten Fäusten donnert der Teufelseisenkoloss einen mächtigen Hammerschlag auf den erschrockenen Angroschim nieder. Er kann den Schlag gerade eben noch sehen, jedoch nicht mehr ausweichen. In einer heroischen Verzweiflungstat führt er einen wuchtigen Schlag nach oben gegen die Doppelfaust. Es kracht gewaltig als uralter geweihter Zwergenstahl auf unheiliges Teufelseisen mit der Wucht zweier Dampframmen trifft. Teile der Fäuste splittern in alle Richtungen. Der Königshammer wird nach unten geschlagen und die Reste der Armstümpfe rammen den Zwerg ungespritzt in den Boden. Benommen und taumelnd drückt Grombasch einer herannahenden Ratte ihren erschlagenen Kameraden ins Gesicht und schlägt ihr noch die Beine weg, ehe er wieder unter dem Golem wegtaucht, der erneut zum Schlag ausholt.

Inzwischen hat der derzeitige Hochwürden Traviaholt von Spichbrecher aus den Resten einer Suppe einen Schutzsegen in Form einer Linie gezogen, an der die Ratten nicht vorbeikommen. Quietschend und schreiend versuchen sie der nach hinten gerückten Armee nachzusetzen. Die schwer angeschlagenen Verteidiger schöpfen daraus neuen Mut und neue Kraft. Triumphierend schlagen sie nach den Gliedmaßen der Rattendämonoiden, die verzweifelt gegen die Barriere anrennen.

Über allem, an der Decke des Tunnels, fließt ein erstarkender Strom flüssigen Feuers,welches sengende Hitze ausstrahlt.

Als Grombasch hinter dem Golem wieder auftaucht, sieht er sich drei Reihen von Ratten gegenüber, die vergeblich versuchen der Verteidiger hinter einer unsichtbaren Linie habhaft zu werden. Über ihm strömt noch immer die Lava mit der Intensität der Praoisscheibe an der Höhlendecke entlang, während hinter ihm der Golem weit ausholt. Kurzzeitig wankt der Zwerg, schwer angeschlagen, allein inmitten der Feinde. Doch er gibt sich einen Ruck, packt den treuen Hammer noch einmal fester und stürmt voran, den Verteidigern entgegen. Seine Rüstung schützt ihn erneut vor den vielen schnellen Einstichen der Angreifer. Mit einem Sprung rettet er sich hinter die freundliche Linie und plumpst dort ermattet zu Boden.

Traviaholt reicht ihm eine Einbeere, die ihm kurzzeitig neue Kraft verleiht. Schon will er sich wieder in die Schlacht stürzen, als der stetige Feuerstrom nach einem kurzen Intensitätsschub nun doch versiegt. Ein Rumpeln geht durch den gesamten Berg. Die Ratten beginnen sich quietschend aufzulösen. Sämtliches unheiliges Leben weicht aus den nunmehr starren Golemkonstrukten.

Es dauert eine kurze Zeit, ehe der Jubel sich unter den Menschen Bahn bricht und letztlich unendlicher Freude weicht. Sieg. … SIIIEG!

Erschöpft lässt sich der Sohn des Dramosch von zwei Mitstreitern zum Lazarett geleiten.

„Das war ein Fest. HAHAHA. Die nächste Runde geht auf mich! Ich habe da noch was ganz Feines!“

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Grombaschs Erinnerungen

So kurz davor

– als Grombasch –

Warum folgen die dummen Menschen stets dem größten Narren? Die „Heerführerin“ spuckt große Töne und verunglimpft die Weibelin als unfähig. Und damit auch mich. Offensichtlich war sie noch nie an einem echten Gefecht beteiligt und hat ihr Wissen nur aus Büchern! Aus Büchern!! Sonst würde sie nicht von Vermeidung von Bauernopfern sprechen. Es geht nicht anders! Es wird Tote geben. Es wird immer Tote geben. Aber solange Angrosch mit uns ist, ist uns ein Platz in seinen ehrwürdigen Hallen sicher. Was ist schon der Tod im Vergleich zur Sklaverei mit der Aussicht auf Seelenschändung? EINE EHRE!!

Wenn wir jetzt gehen und später wieder kommen, ist entweder der gesamte Berg voller Ratten und Barrikaden oder viel schlimmer: gar NIEMAND MEHR!! Die Dämonen sind jetzt verwundbar! JETZT! Sonst hätten sie keinen Handel vorgeschlagen! Wir haben sie! Eine solche Chance bekommen wir nie – NIE – wieder!!

Ja, wir müssen Opfer bringen. Und bei Angrosch, wir werden Opfer bringen! So oder so. Und spätestens, wenn die „Heerführerin“ während ihrer Nachtruhe von dem Vieh eingesaugt wurde, wird sie sich denken: „Scheiße, hätten wir bloß angegriffen!“

Aber auf mich hört ja keiner. Verdammich noch mal!!!! AARRGHHH!!!!!!! ICH RASTE AUS!! ICH KANN DAS NICHT MEHR MIT ANSEHEN!!!!!

Wütend schmettert er den Königshammer gegen den nächstbesten Felsen, der daraufhin in tausend Einzelteile zerspringt. Die fragenden Gesichter der Umstehenden ignoriert er. Er atmet schwer, um seinen angestauten Frust irgendwie in den Griff zu bekommen.

*GRML* *seufsz* Ich hoffe nur, dass sie noch mehr Macht irgendwo in der Hinterhand haben, sonst sind diese armen Seelen tatsächlich verloren! Beten wir zu Angrosch, dass er den Narren verzeihen möge und sie sich ihres Fehlers bewusst werden! Aber bestimmt haben die Narren mal wieder Glück. Wie immer.

Gedanklich setzt der Sohn des Dramosch einen weiteren Namen auf seine noch-zu-ohrfeigen-Liste.

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Grombaschs Gedanken

Größenwahn

— als Grombasch —

Die Pläne sind geschmiedet. Die Helden warten auf ihren Einsatz. Vor allem wartet der Zwergensöldner Grombasch darauf endlich loslegen zu dürfen. Er hat sich entgegen seiner Bedenken, nun doch den geweihten Hammer des alten Zwergenkönigs geborgt, auf dass er ruhmreich, an seine alten Tage erinnernd, sein Reich verteidigen möge.

*grml* Wann geht es denn endlich los? Nur deswegen bin ich hier! Und nun können sie sich nicht einmal untereinander verständigen. Hach, es ist zum Verrücktwerden! Wozu haben sie die Magie? Ich weiß schon genau wie ich das machen möchte.

Der sachte einsetzende Regen macht den Ratten sichtlich schwer zu schaffen. Sie winden sich unter dem tropfenden Nass. Auf das Zeichen Thornias prescht er los, das Horn an den Lippen, lässt er einen schaurigen Ton erklingen, der die gesamte Halle förmlich vibrieren lässt.

„AUF IHR MENSCHEN, ZU DEN WAFFEN!! ICH BIN GROMBASCH SOHN DES DRAMOSCH, KÖNIG UNTER DEM BERG!!!! EURE RETTUNG IST NAH!!! ZU DEN WAFFEN!!!“

Erneut setzt er das Horn an die Lippen und bläst zum Angriff. In die Massen unten kommt Bewegung. Die Sklaven beginnen, sich gegen ihre Peiniger aufzulehnen.

Grombasch stürmt über die Brücke. Noch ehe die vier Ratten realisieren können, was hier vor sich geht, hat er bereits einer von ihnen den Königshammer mit voller Wucht in den Magen gedroschen. Sämtliche Luft weicht aus dem widernatürlichen Körper, als dieser sich schmerzverzerrt nach vorne krümmt. Er hält sich nicht lange auf, dreht sich einmal um die eigene Achse und drischt den Hammer dem nächsten Biest in die Seite. Grimmig richtet sich sein Blick auf die beiden Armbrustschützen. Zischend fliegen die Bolzen heran. Mit einem *pling* prallen sie an seiner muskelbepackten Brust ab. Lachend stürzt er auf sie zu. Panisch versuchen sie noch ihre Messer zu ziehen. Doch der König kennt kein Erbarmen und zerschmettert auch diese beiden Viecher mit je einem Schlag.

Grombasch richtet sich auf und blickt in die Runde. Die Ratten stürmen zur Brücke herauf, während die Sklaven sich am Ausgang sammeln, ehrfürchtig zu ihm hoch schauen und sich zu formieren beginnen. Als eine vereinte Front marschieren sie nun auf den Aufgang zur Brücke zu, um den Feind in die Zange zu nehmen.

Freudig erwartet der Zwerg das unheilige Gezücht und kommt ihnen sogar entgegen! Wild und kraftvoll um sich schlagend prügelt er sich den Pfad herunter, dass die Ratten nur so auseinander stoben und im freien Fall quietschend ihr endgültiges Ende finden.

Der unkoordinierte Haufen Nagetiere wird zwischen den zwei Armeen zermalmt.

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„Grombasch?“ Mit einem Blick, deutet Thornia ihn, zu beginnen.

Gerade als er sich aufraffen möchte, ruft sie: „AAAAAANGRIIIIIIIFF!!“ und stürmt mit ihrer Eisenwalder voran. Gehetzt rennt er an ihr vorbei, um zur Frontlinie zu gelangen. Noch kurz kann er einmal ins Horn Blasen, als er auch schon den Schild zum Schutz erheben muss. Mit Glück wehrt er die ersten zwei Bolzen ab. Kurz bevor er bei der ersten Ratte ankommt, um ihr im vollen Lauf den Hammer zu verabreichen, wirft er den Schild weg. Wuchtig führt er den Hieb, doch das Mistvieh, springt ihm einfach aus dem Weg. Unbeirrt, den ersten Schlag für die Moral setzen zu müssen, rennt er weiter und rammt den Hammer dem ersten Armbrustschützen so kraftvoll vor die Brust, dass er zu Boden geschmettert wird. Der Passierschlag des zweiten Säbelschwingers prallt an seiner Rüstung ab. Grombasch ist in seinem Element. Fast hat er den verpatzten glorreichen Auftritt vergessen. Fast vergisst er auch die Tatsache, dass Jane nun an seiner statt versucht die Truppen zu mobilisieren, als er inmitten einer eleganten Drehung dem herbeispringenden Rattenwesen, nicht nur das Gesicht zerschmettert und das Genick bricht, sondern es noch gleich von der Brücke nach unten in den Tumult stößt.

Thornia hat unterdessen den anderen Säbelkämpfer, der ihm erbittert Widerstand geleistet hat, mit einem schlafgiftgetränkten Bolzen ruhig gestellt. Grombasch sieht ihn vor sich nur noch zu Boden gleiten. Herausfordernd wendet er sich dem verbliebenden Schützen zu, als ihn ein Bolzen ins Bein trifft. Noch ehe er zum Schlag ausholen kann, sackt auch diese Ratte getroffen zu Boden.

Die kurze Kampfpause, nutzt Grombasch, um gewahr zu werden, dass er entgegen seiner Annahme, doch hier und da etwas abbekommen hat. Innerlich fluchend wendet er sich Fräulein Pedderson zu:

„Verzeihung, Madam, haben sie nicht doch noch so ein Tränklein für mich übrig?“

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Grombaschs Gedanken

 

Ignoranz

— als Grombasch —

Das ist doch reine Schikane! Natürlich ist es kein Problem diese Ratten zu töten, aber das hätte die Gute entweder selbst erledigen können oder es anders sagen können. Ich glaube, sie vergisst, wo sie sich befindet. Wir sind hier nicht auf Hochstieg. Ihre Autorität ist längst untergraben. Und nun versucht sie diese mit allen Druckmitteln an mir zurückzuholen. *grml*

Überhaupt ist dieser undisziplinierte Haufen eine völlige Katastrophe. Sie gehen total unorganisiert vor. Ein ordentlicher Zwergenverband gleicher Stärke hätte diese Sache hier längst geregelt. Nun ja, beim magischen Anteil bin ich mir da nicht so sicher. Aber auch unsere Geoden haben vielfältige Möglichkeiten!

Aber wir dümpeln hier rum und halten uns mit allerlei Nichtigkeiten auf. Aber auf mich hört ja keiner. Die richtige Reihenfolge wäre jene gewesen:

–          Sämtliche Gänge erkunden, nur einen groben Blick auf sämtliche Inhalte werfen

–          Zusammentragen der Informationen

–          Einen Plan aushecken

–          Prüfen, ob Plan umsetzbar ist – also die Anlagen auf Funktion kontrollieren

–          Plan korrigieren

–          Plan umsetzen

So. Das war es. Wir hingegen halten uns ewig an irgendwelchen Sachen auf und tun alles zwergenmögliche, um mir die Nachtruhe zu versauen. Sie klauen Edelsteine, betatschen den Zeremonienhammer des Zwergenkönigs und bringen die Abfolge völlig durcheinander. Da ist mir das Gezücht, das auf den Thron uriniert hat, direkt noch lieber. Das darf ich nämlich meinen Hammer spüren lassen!!! *argh*

Bei dem Gedanken an den Königshammer wird ihm ganz anders.

Ich könnte König unter dem Berg sein! Ich, Grombasch Sohn des Dramosch, König unter dem Berg … nein, das kann ich nicht. Ich würde meine Leute ins Verderben führen. Ich bin nicht würdig diese Bürde zu tragen. Wenn der Hammer bis jetzt verborgen blieb, wird er es auch weiterhin sein. Ich werde diese Hallen nicht mehr verlassen und ihn bewachen bis meine Leute eintreffen.

Scheiß auf den Dienst auf Hochstieg. Damit bin ich fertig! Wenn das hier vorbei ist, werde ich den Dienst quittieren! Sollen sie die Drecksarbeit doch selbst erledigen!

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Grombaschs Gedanken