Button

Azinas Verbleib II

hier gehts zum ersten Teil

Was geschah

Azina erwacht. Sie befindet sich in einer einfachen aber soliden Holzhütte. Alles deutet darauf hin, dass hier ein Anhänger Firuns wohnt: Sie ist karg und zweckmäßig eingerichtet. Verschiedene ausgestopfte Tierköpfe zieren die Wände. Direkt über ihrem Bett hängt der Kopf eines Braunbären. Seiner Grimasse zu urteilen gefällt es ihm nicht, dass sie unter seinem Fell liegt. Sie schaut an sich herab. Ihre Brust ist umwickelt mit einem starken Verband. Jede Bewegung ihres Torsos schmerzt. Ihre Arme ruhen schwach neben ihrem Körper.

Wo bin ich? Wie lange liege ich hier schon? Sollen das hier Firuns ewige Jagdgründe sein?

Sie schüttelt sachte den Kopf, um den Blick wieder für die Realität zu schärfen. Sie hat überlebt! Aber wie? Sie versucht sich ein wenig aufzusetzen und umzusehen. In der Hütte kann sie eine kleine Küche, eine Werkbank, einen Tisch mit zwei Stühlen, drei abgehende Türen und einen Kamin erkennen. In dem Kamin prasselt ein wärmendes Feuer. Davor liegt etwas Großes. Etwas sehr Großes. SchwarzWolf2es. Das atmet. Bei genauerer Betrachtung sieht sie, dass es sich dabei um einen gigantischen Wolf handelt. Dieser scheint ihren Blick zu spüren und hebt kurz den Kopf, um sie einen kurzen Augenblick zu betrachten. Doch schnell verlischt sein Interesse wieder und er bettet sein mächtiges Haupt auf seine Pranken.

Eine Tür öffnet sich und ein alter weißhaariger Mann tritt gemeinsam mit einem weiteren großen Wolf ein. Im Gegensatz zum Anderen, ist dieser hier schneeweiß.

Der blinde Mann, der sich selbst als Garnan und seine Wölfe als Ebenholz und Elfenbein vorstellt, Garnanerzählt ihr bei einer Tasse Traschbarttee, wie er sie vor <<<Zeit-Spoiler>>> mit Hilfe seiner Gefährten gerettet hat. Er gibt offen zu, zu wissen, wer sie ist und welche Rolle sie in dieser Zeit spielen soll. Azina hält sich mit den Fragen, die ihr auf der Zunge liegen zurück. Nur die Frage ihres Herzens spricht sie laut aus: Sie fragt nach dem Wohl von Bakkus. Doch Bakkus ist tot. Er liegt im Schuppen bis Azina bereit ist, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Ihr vergeblicher Versuch, sich aufzurichten, zeigt ihr deutlich, dass sie dafür noch nicht bereit ist. Erschöpft lässt sie sich zurück auf das weiche Kissen sinken und lauscht den weiteren Ausführungen Garnans. Elfenbein schaut sie die ganze Zeit neugierig an, während Ebenholz sie keines Blickes würdigt. Gegen Abend versucht sie sich ihm anzunähern, während Garnan mit Elfenbein auf der Jagd ist. Doch sie kann ihm kaum eine Regung entlocken. So setzt sie sich einfach neben ihn vor den Kamin und starrt in das Feuer. Bald kehrt Garnan mit seinem Bogen und zwei erlegten Kaninchen zurück. Gekonnt weidet er sie an der Werkbank aus und kocht eine kräftigende Suppe. Azina schaut ihm interessiert zu und ahnt bereits, dass dieser alte Mann mehr sieht, als seine pupillenlosen Augen tatsächlich zu sehen vermögen.

„Wie seid ihr als Erwählte Firuns in eine solche Situation geraten?“ fragt Garnan unvermittelt während des Essens. „Weil ich noch am Anfang meiner Reise stehe.“ beichtet Azina ohne zu zögern ihre Schwäche. „Firun hätte euch sterben lassen. Dankt seiner Tochter Ifirn, dass sie es von Zeit zu Zeit vermag ihm ein wenig Milde abzutrotzen.“ Als er dies sagt, schaut er zu Elfenbein hinüber, der ihnen beim Essen zuschaut. „Bekommen sie nichts zu essen?“ fragt sie. Er lächelt: „Sie bekommen später etwas.“

Er berichtet ihr anschließend auf Ihre Frage von seiner eigenen Geschichte:

Der Geschichte eines Nivesen, der in der Armee von Darpatien zum Krüppel wurde. Er wandte sich einst von Rondra ab und Firun zu, der ihn auf eine harte Probe stellte. Er solle einen unmöglichen Kunstschuss vollbringen: Einen Pfeil, sollte er unter heftigen Böen in ein 200 Schritt entferntes Ziel schießen. Lange habe er geübt. Er wurde ein nahezu perfekter Bogenschütze. Und doch vermochte er diese unmögliche Aufgabe nicht zu erfüllen. Erzürnt über diese Unfähigkeit nahm Firun ihm sein Augenlicht, um ihn von der Last des Sehens zu befreien. Es ermöglichte ihm, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf das, was er fühlt, wenn er eins mit der Natur wurde.

Garnan führt sie zu der Klippe des windumspielten Felsplateaus, auf der sein bescheidenes Heim stand und schoss einen, von Azina markierten Pfeil, zwischen die entfernten die Bäume. Sie liefen anschließend durch den Schnee nach unten, um den Pfeil zu holen. Und tatsächlich! Er steckte in der Mitte einer Zielscheibe. Ehrfürchtig zieht Azina ihn heraus und dreht sich zu ihm um.

„Wie habt ihr das geschafft?“ Garnan lächelt wissend. „Ich kann dich lehren, wenn du es möchtest. Unter drei Bedingungen: Du musst eine Prüfung bestehen. Sie wird dich auf deine Tauglichkeit testen. Und du bleibst so lange bei mir, wie ich es für nötig erachte. UND du nennst mich ab sofort ‚Meister‘ … Bist du bereit?“

„Ja … Meister.“

______________________________

Azinas Gedanken

3 Responses to Azinas Verbleib II

Schreibe einen Kommentar