Ein Diener klopfte an die Tür des Gästezimmers. Der Schall des alten Holzes der mittelländischen Festung hallte noch lange in dem kühlen Gang wider. Es folgt ein gerufenes „Herein“, der Diener machte demütig ein paar Schritte hinein. Der junge Novadi Kalkarib saß mit steifem Rücken auf einem großem roten Kissen, seine Hand fuhr vorsichtig mit einem kleinen Schleifstein über die Klinge seines Säbels.
„Ahlan Sahib Kalkarib, ich habe hier einen Brief für euch.“ sprach der Diener, der von dem bronzefarbenen jungen Mann nicht eines blickes gewürdigt wurde, da er viel zu sehr in die Pflege seiner Waffe vertieft war. „Legt ihn auf den Sekretär.“ antwortete dieser kurz angebunden. Der Diener wollte gehorchen, doch aus einem mutigen Anflug seines Instinktes heraus wagte er es seinem eigenen Satz noch etwas hinzuzufügen: „Er ist von Delia.“ Kalkarib rutschte mit dem Schleifstein von der Klinge ab, das gleichmäßig beruhigende Geräuch wurde durch ein kratziges Schaben unterbrochen. Er seufzte, atmete tief durch und belegte den Diener mit einem wütendem Blick – eine Wut die jedoch nicht ihm golt, denn der Novadi wußte schon worum es sich dabei handeln würde: Ein Abschiedsbrief. „Gebt ihn mir.“ sprach er mit fester Stimme und ließ sich den Brief aus leicht zittrigen Händen übergeben. „Lasst ein Pferd satteln und lasst mir von Asiala drei Verpflegungspakete packen.“ „Sofort.“ antwortete der Diener knapp und war auch schon verschwunden. Kalkarib besah sich den Kratzer im Material seines Säbels, anschließend den geschlossenen Brief und er unterdrückte das Verlangen sofort aufzuspringen und wild über diese Frau zu schimpfen.
Eine halbe Stunde später stand der junge Novadi auf dem Exerzierplatz der Burg, ein Stalljunge führte ein Pferd heran und im Hintergrund eilte eine junge Rastullahgläubige mit Priviantpaketen heran. Kalkarib sah mit dünnen Augenschlitzen herauf zur Sonne, das Licht war eine wohltat auf seiner Haut, denn seine Hände waren inzwischen stark verkrampft da diese die ganze Zeit zu fäusten geballt waren.
Kalkarib packte sein Proviant in die Satteltaschen, zog noch einmal seinen Säbel um einen letzten Blick auf die Scharte in der Klinge zu werfen und warf sich dann geschmeidig auf das Pferd. Mit einem lautem Kommando gab er der Stute die Sporen – die Torgardisten schafften es nur knapp noch rechtzeitig die Flügel des Tores beiseite zu schieben.