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Weiter… immer weiter…

Die Helden verließen den Bargelterhof und zogen weiter gen Winhall. Von dort aus sollte es dann nach Nostria gehen. Mara, die junge Joborner Heilerin und Hebamme, hing auf dem Weg fort vom Hof ihren Gedanken nach. Was war alles passiert in der kurzen Zeit? Sie hatten Fabelwesen getroffen. Wassergeister, Troll und Kobold. Sie hatten eine Familie wieder zusammen geführt und trotzdem dafür gesorgt, dass der Kobold besänftigt war.

Tja doch was hatten sie verloren? Ihr Kind… Ihr kleine, liebes Goblinkins namens Kurgan. Sie hatte dieses Wesen in ihr Herz geschlossen. Doch die wahren Eltern, sein Volk verlangten es wieder. Für einige wenige Tage war sie Mutter. Mara hoffte dem Kind würde es gut ergehen.

Rondrigo hatte sie auch verloren… Er ertrug das Kind nicht. Das war für sie Grund genug nicht weiter mit ihm eine Partnerschaft zu führen. Wie könne er denn dann erst ein gemeinsames Kind ertragen? Es war zu spät darüber nach zu denken. Sie würde einen anderen Mann finden müssen.

Nun ja etwas Gutes blieb noch: Ludevico. Mara verstand sich immer besser mit diesem unbekannten. Er war es der es schaffte dass die Heilerin ihren Wert erkannte. Sie wusste nun was sie für ihre Dienste nehmen konnte und so würde sie ein angehmes und ehrliches Leben führen können.

Stolz erhobenen Hauptes schritt Mara voran. Dem Abenteuer und Vard’Han entgegen. Sie hatten versprochen ihn zu retten. Das waren sie Orestas schuldig. Was danach kommen mag war ohne Belang. Die Götter würden ihre Schritte schon leiten.

Vorabend der Abreise

Abend des 14. Firun 1029 n.B.F.

Als der Händler Ludevico G. Ll. Eichauer endlich auf seinem Zimmer war, lehnte er die Tür an, sich von innen dagegen, sodass sie ins Schloss fiel. So blieb er noch eine Weile stehen. Hätte man in der Dunkelheit des Raums sehen können, so hätte man erkannt, dass der sonst so gut aussehende Händler recht angeschlagen war. Bei jedem Atemzug hörte man ein Rasseln und Keuchen, die Augen waren gerötet und angeschwollen, der Teint blass.

Oh ich hole mir hier noch den Blutigen Rotz! Dämliche Natur, mich armen Salzarelenbändiger einfach so zu empfangen! Am Ende sattelt mich noch irgendein Egel auf! Und dieser elendige Torflilie werd ich noch zeigen, wo sie sich demnächst den Torf stechen geht! Ha! Vielleicht kann ich ihn ja in den Becher stecken lassen. Firunian wird ihn schon holen. Schade, dass es in Winhall keine Graue Tafel gibt. Ich muss dann wohl erst einen Spatz nach Nostria absetzen. Erhunian wird sicher einiges in Bewegung setzen können.

Er stieß sich mühsam unter Schniefen von der Tür ab und fingerte ein wenig in seinem Rucksack herum, den er auch erst nach einigem Zusammenstoßen mit Möbeln und darauffolgenden Flüchen fand. Kurz darauf sah man in der Dunkelheit einige Funken fliegen, die bald einer zunächst kleinen, dann größer werdenden Flamme einer Öllampe Platz machten. Der Lichtkegel mit dem Händler im Mittelpunkt bewegte sich nach kurzer Orientierung durch den Raum, bis er seinen Platz an einem Schreibtisch fand.

Der Graue ist mir hold, wenigstens habe ich hier einen vernünftigen Schreibtisch, um einen halbwegs lesbaren Spatz aufzusetzen. In Winhall findet sich sicher ein Bote, der bereit ist, gegen ein Entgelt diesen Brief schnellstmöglich an die gewünschte Stelle zu bringen.

So setzte er sich an den Tisch, legte sich Federkiel, Tinte und Pergament zurecht und schrieb.

 

Hoch verehrter Erhunian,

als Botaniker auf Forschungsreise habe ich einen unglaublichen Fund gemacht, von dem ich euch unbedingt erzählen muss! Ich befinde mich gerade kurz vor Winhall, wo ich noch eine Weile bleiben werde, doch ich bin auf dem Weg zu euch. Ich fand im Moor die seltene Torflilie, die wir nur aus den Büchern kennen! Ich denke, sie ist eine männliche, was man an den roten Hüllblättern erkennen kann, doch sie hat ungewöhnliche runde stachlige Seitentriebe. Ich habe mir sogar an ihr eine kleine Wunde zugefügt.

Sucht ihr mal einen schönen Becher aus, in den wir sie tun können. Könntet ihr wohl etwas über ihr Habitat herausfinden, damit sie uns dort auch lang erhalten bleibt?Ich bin mir sicher, Firunian möchte sie darin bestimmt auch einmal sehen. Sie ist so selten, man hat sie sonst wohl nur in Kalleth gesehen, vielleicht hilft euch das. Sie ist in einem gesonderten Tross untergebracht und folgt mir gerade. Oh und ich habe sie nach eurem Vater „Lilia torfosa Aimos“ genannt. Brilliant, nicht wahr? Ich bin sicher, er hätte sich darüber gefreut.

Hochachtungsvoll, euer grauer Vater L.G.L.E

P.S. Ich hatte die Gelegenheit, über unsere letzte Partie Karten nachzudenken, die Lösung des Patts in dem wir steckten, war ganz einfach. Man muss nur die dreiundzwanzig Haken über die neunundzwanzig Decken legen, dann kommt man zwei Schritt vor den Berg!

 

Er ließ die Tinte noch ein wenig trocknen, dann rollte er das Pergament zusammen, verschloss er es mit einer Kordel und Siegelwachs, tat es in eine scheinbar dafür vorgesehene runde Holzschatulle und verstaute es im Rucksack.

Es ist schon spät, ich sollte mich zu Bett begeben. Das Problem mit dem magischen Wesen ist nun nicht mehr meins, so dachte er. Vielleicht werde ich morgen noch einmal einen Blick auf die Mühle werfen. Das bin ich wohl den Leuten schuldig, die uns so freundlich und nett bewirtschaftet hatten. Empfehlen kann ich diesen Hof wohl, sehr traviagefälliges Volk, das hier so haust. Für ländliche Verhältnissse jedenfalls.

Er lachte lautstark, doch das Lachen endete in einem weiteren Husten- und Schnupfenanfall, den er erst nach einigem weiteren Röcheln beendete. Der Phexensjünger begab sich noch einmal kurz nach unten und fand nur noch Thalania vor, die gerade noch die letzten Tische bereinigte.

„Gute Frau, bitte weckt doch mich und den almadischen Streiter zeitlich so wie Ihr uns heute geweckt habt.“

Thalania nickte nur kurz, offenbar hatte sie einen anstrengenden Tag hinter sich. Ludevico nickte noch einmal zurück, bevor er sich hoch in sein Zimmer begab. er löschte noch eben die Öllampe, dann kuschelte der Andergaster sich unter die Decke. Nach einigen Husten- und Niesanfällen fand er doch irgendwann den Weg in Bishdariels Arme.

 

[Falls jemandem einiges komisch vorkommt: Habe, Spielhilfe sei dank, einiges in Füchsisch geschrieben. Hier mal die Übersetzungen. Denke, am Ende des Beitrags ist es besser als mittenreingekliert. Sortierung nach Auftreten im Text.

Salzarelenbändiger=Kaufmann

Egel=Gauner

Torflilie=Söldner

Torf=Geldbeutel, demnach Torf stechen~Geld verdienen

Becher=Kerker

Firunian=Hunger

Spatz=Brief

Graue Tafel=Phextempel

der Graue=Phex

Grauer Vater=Phexgeweihter

Im P.S. ist das aktuelle Datum und die Uhrzeit verschlüsselt.]

 

 

Er hat mich verlassen…

*Er hat mich verlassen…* immer wieder ging Mara dieser Satz durch den Kopf, als sie auf dem Rückweg zum Hof der Familie Bargelter waren. Erst vorletzte Nacht hatte er ohne eine Begründung zu sagen sich aus ihrem gemeinsamen Zimmer entfernt, mit einem missbilligendem Blick auf Kurgan. Er wünschte Mara zwar noch eine gute Nacht, aber der Hebamme war klar, dass es nur eine leere Floskel war. Ihre empathischen Sinne verrieten ihr Rondrigos Ablehnung oder bildete sie sich das nur ein? Mara war ganz allein, nur Kurgan das Rotpelzkind war ihr nun geblieben. Schockiert und zu tiefst verletzt von Rondrigos Verhalten sank sie auf das Bett. Unfähig zu irgendeinem Gedanken lies sie ihren Tränen freien Lauf und konzentrierte sich auf den kleinen Rotpelz der sie aus ihren Armen heraus anlächelte. Am Morgen danach und auch an jedem weiterem Tag entzog sich Mara ihm wann immer sie konnte. Stets bemüht sich nicht anmerken zu lassen wie verletzt sie war. Die Reise zum Troll, dessen Pflege, Bernhoims Verletzung, Ludovicos Krankheit, Aimos Geschichten und den Firls Entschlüsselungsversuche ihres magisch versiegelten Tagebuchs, nahm sie nur durch einen nebligen Schleier war.

Nun knapp zwei Tage später lüftete sich dieser Schleier der Trauer und gestatte der Jobornerin das erste Mal wieder klare Gedanken zu fassen. Sie hatte sich in ihm getäuscht. Wie konnte Rondrigo nur bei dem ersten Anzeichen von Schwierigkeiten davonlaufen? Natürlich wollte sie Kurgan aufziehen und beschützen, wenn auch nur für kurze Zeit. Solange bis die Mutter des kleinen gefunden wurde. Wie würde er denn erst reagieren wenn sie selbst ein Kind von ihm empfangen würde, wenn sie schwanger ging oder ein Kind aufzog? Würde er dann auch weglaufen? Hierüber war sich Mara sicher! Somit war er nicht der Vater ihrer Kinder und letztlich auch nicht ihr Mann. Dieser Erkenntnis schmerzte sie sehr. Die schmerzliche Wahrheit, dass Rondrigo so war wie es ihre Mutter und auch Tante Regina ihr sagten. So wie viele andere Männer… Vielleicht waren Ihr die Götter hold nun eines Tages würde sie den Mann finden, welcher der Vater ihrer Kinder sein konnte. Bis dahin würde sie weiter auf die traditionelle Wanderschaft gehen, die seit je her den Abschluss für jeden Heiler darstellte.

Als die Gruppe eine kurze Rast zur Mittagszeit einlegte entschuldigte sich Mara mit dem Vorwand noch etwas aus dem Wald besorgen zu müssen, etwas für ihre Kräuter. Es würde nicht lange dauern. Sollte Ihr jemand gefolgt sein oder sehr gute Ohren haben hätte jener das folgende Lied von ihr hören können, welches sie leise für sich sang, um eine Abschluss zu finden.

Hier der Link zur Musik

„Die donnernden Wellen rufen mich nach Hause, heim zu dir
Das Pochen des Meeres ruft mich nach Hause, heim zu dir.

In einer dunklen Winternacht
an den Ufern des Thuransees
hörte ich deine Stimme
Deine Augen tanzten das Lied
Deine Hände spielten die Melodie
Es war ein Traum von mir.

Wir ließen die Musik hinter uns und der Tanz ging weiter
während wir uns wegstahlen in unsere Arme
Wir rochen das Wasser, spürte den Wind in den Haaren.
Wochen später stahlst Du Dich von mir.

Plötzlich wusste ich, dass du gehen musst
Deine Welt war nicht die meine, das sagten mir deine Augen
Genau dort fühlte die Kreuzwege unserer Schicksale
Und ich fragte mich, warum.

Als ich meinen Blick auf Mühlbach wendete
kam eine Vision über mich,
von donnernden Hufen und Flügelschlagen
in den Wolken am Himmel.

Während Du dich zum Gehen wandtest, hörte ich dich meinen Namen rufen.
Du warst wie ein Vogel in einem Käfig, der seine Flügel ausbreitet zu fliegen.
„Die alten Wege sind verloren“ hast du gesungen, als du flogst.
Und ich fragte mich, warum.

Die donnernden Wellen rufen mich nach Hause, heim zu dir
Das pochende Meer ruft mich nach Hause, heim zu dir.“

(Originaltext und Musik von Loreena McKennitt – The Old Ways)

Inständig hoffte Mara, dass trotz der gescheiterten Beziehung eine weitere und gute Freundschaft mit Rondrigo noch möglich war. Immerhin hatten sie einiges zusammen erlebt und durchlitten. Außerdem war er der erste Mann der sie berührte und ihr die Unschuld nahm. Er würde immer einen Platz in ihrem Herzen haben, ob sie Freunde blieben oder nicht.

Dunkle Tiefen

[als Orestas]

See

 Als der Magier von der Brücke aus Eis, die das Elementar baute, glitt, schien alles in Zeitlupe zu geschehen. Sein Versuch, sich noch schnell mit der Hand am glatten Untergrund festzuhalten, ging schief und er rutschte ab. Während er fiel, konnte er noch den Schrecken in Bermhoins Gesicht erkennen.

Verphext nochmal, ich hätte ihm auftragen sollen, die Brücke rauer zu gestalten. Ich kriege sicher eine Erkältung, wenn ich erst einmal aus dem kalten Wasser heraus bin.

Dann platschte es und Orestas fiel ins kalte Nass. Seine Versuche, zu schwimmen, waren nicht gerade von Erfolg gekrönt. Ewigjunge, lass mich jetzt nicht im Stich! Als er verzweifelt strampelte, war das einzige, das er erreichte, eine Menge Wasser zu verspritzen. Seine Kräfte ließen im kühlen Wasser, das ihn seiner Körperwärme beraubte, schnell nach und er fing an, zu sinken. Seinen Stab loszulassen, um sich besser im nassen Element fortzubewegen, darauf kam er in der Eile nicht. Langsam benebelten sich seine Sinne, während er sank. Vom Fackelschein seiner Gefährten an der Oberfläche sah er kaum noch etwas. Doch was war das? Vernahm er dort eine Gestalt, die sich langsam von oben in seine Richtung bewegt? Bermhoin? Seid Ihr das?  Oh, Ihr mutiger, mutiger Streiter! Niemals würde ich mein Leben mit jemandem der an Euch herankommt, verbringen können!  Er versuchte, einen Hoffnungsschimmer in Form der Gestalt erspähend, sich gegen den Sog, der von unten kam, zu wehren, doch seine Glieder waren einfach viel zu schwer.  Und so sank er immer tiefer, während die Entfernung zur Person über ihm immer größer wurde.

Das soll also das Ende sein? Nachdem ich einem Granden und aus einer Gefängniszelle entkam, nachdem wir Geistern getrotzt haben, Widrigkeiten überwunden haben, scheitere ich an einem einfachen See? Doch ich bereue nichts, ich habe immer die Grundsätze Tsas verfolgt und nach Dere herausgetragen. Ja, Aventurien ist ein wenig tsagefälliger geworden! Wenn auch nicht viel, so habe ich der doch ein wenig von mir hinterlassen! Oh, Bermhoin, wo seid Ihr nur? Mir ist so kalt. Es ist so dunkel. Ich habe Angst.

Währenddessen schwanden seine Sinne, als er immer tiefer sank.

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Plötzlich wachte er auf. Erst konnte er kaum etwas sehen, es war sehr schummrig. Irgendjemand schmiegte sich an ihn. Bermhoin? seid Ihr das?  Zunächst dachte er, das alles war nur ein Traumgespinst gewesen und er wäre irgendwo in der Andergastschen Wildnis im Zelt mit seinem Freund. Doch dann trafen ihn Kopfschmerzen, so stark, wie nach einem langen Gelage. Er hatte sich wohl auch am Hals irgendwo an einem Felsen geschnitten. Er hatte dort eine brennende kleine Wunde.  Aber er lebte! Moment, du bist nicht Bermhoin! Und dann erkannte er, dass er in einer der sargähnlichen Kisten lag und eine Elfin sich an ihn schmiegte.

Doch auf dem Gedanken konnte er sich nicht ausruhen. Denn kurz danach barst der Sarg in einem lauten Getöse auseinander und die Elfin, die neben ihm lag zerplatzte in einer Explosion aus Staub. Plötzlich sah er Bermhoin!  Und die anderen waren auch dort! Er war gar nicht tot! Oh, das muss ein Wunder Tsas sein! Oh Schöpferin, das kann ich dir nie ausreichend danken!  Tränen des Glücks rannen über seine Wangen. Doch dazu, etwas zu sagen, kam er nicht, denn Bermhoin stürzte sich gleich auf ihn und drückte ihn so kräftig, Tränen in den Augen, dass ihm förmlich die Luft wegblieb.

Oh, es ist wie ein Traum! Plötzlich merkte er, wie Bermhoin unsanft von ihm heruntergerissen wurde und Aimos stand vor ihm, mit wie gewohnt grimmiger Miene. Bevor Orestas etwas zu seiner Verteifigung sagen konnte, sauste der Streitkolben des Korkriegers auf sein Gesicht herab.

Muttergefühle

Goblin Child2Auf dem Weg zur Mine trug Mara den kleinen Rotpelzsäugling dicht an ihrem Körper. Es war zwar nicht das schönste Kind und vielleicht auch nicht das schlauste. Dennoch war es ein kleines zerbrechliches Wesen, welches ihre Hilfe brauchte. In der jungen Heilerin wurden Gefühle wach, welche sie noch nie so tief fühlte.

*Irgendwie ist er schon niedlich. Wie ruhig er schläft und selbst die kleinen Hauer wirken niedlich. Ich hoffe meine Kenntnisse bei Menschenkindern kann ich auch auf dieses Rotpelzkind anwenden. Mögen Travia, Peraine und Tsa mir hold sein.*

Kurz zuckte das kleine Wesen es schien zu träumen. Ein kleiner krächzender Laut entfuhr seiner Kehle.

*hm… es ist frisch gewickelt und auch genährt. Vielleicht träumt er nur. Ach kleiner Kurgan… aus Dir wird einst ein stolzer Krieger werden, das spüre ich. Ihr Götter lasst die anderen und gerade Rondrigo mich dieses Kind behalten. Auch wenn ich hoffe eines Tages auch ein eigenes Kind zur Welt zu bringen. Ein Kind von Rondrigo… Sollte dieser Mensch dann ein Junge sein werde ich ihn Orestas nennen.

Doch zuerst gilt es diesem kleinen Geschöpf einen guten Start ins Leben zu geben. Ach kleiner Kurgan. Was wirst Du nur eines Tages über mich denken?*

So setzten die Heilerin und ihre Gefährten ihren Weg fort. Träumend lag Kurgan der Rotpelz in den behütenden Armen Maras.

Depesche an Professor Davidio Berlinghân

An: Professor Davidio Berlinghân, Zwölfgöttliche und Kaiserlich-Bosparanische Hohe Schule der Wissenschaften und Lehren der zwölfgöttlichen Lande, Nandus-Schule, Fakultät der Sprachwissenschaft, Institut der Geschichtswissenschaften, Abteilung der Nördlichen Landen, Methumis

 

Sehr geehrter Herr Professor Berlinghân,

 

im Jahre 1025 BF schrieb ich bei ihnen einmal eine Commentatio über sagenhafte Orte in den Regionen Andergast’s und Nostria’s. Die zahlreichen Disputationes mit ihnen und Seiner Hochwürden Alexandrian Bergamotte über die Possibilitas einer Lokalisierung des Perlmutt-Tempels im Thuransee sind mir noch in allerbester Memoratio.

Nun ergab sich vor wenigen Tagen eine andere gar famose Superoccupara. Tief in den Wäldern Nostrias stieß ich auf die Reliqiae der Stadt Thunata. Sie können sich vorstellen, welche Agitatio mich ergriff. Beiligend zu diesem Scriptium, in dem ich ihnen einen Consummatio über meine Agnitiones gebe, liegt eine von mir angefertigte Pictura, die ihnen einen schnellen Überblick verschaffen soll. Ich kann mir vorstellen, dass sie meine Versiones schwer glaubhaft empfinden werden, doch habe ich Apodixis und Testis. Doch nun zu meinen Agnities:

 

Die Legenden über Thunata mögen erst mit ihrem Untergang um 850 BF beginnen, doch der Grund beginnt schon gegen 623 BF. Zu dieser Zeit hat ein Elfen-Vampier den Posten des Hohepriesters der Göttin Travia an sich gerissen. Wie meine Funde zeigen auf geheime Weise und nicht öffentlich. Ein verwirrender Gedanke, dass niemand in der Stadt in den folgenden 200 Götterläufen etwas davon mitbekommen haben soll. Zu irgendeinem Zeitpunkt in diese Spanne – ich vermute jedoch erst ab ungefähr 830 BF – begann man unter dem Tempel der Großen Mutter, wo sich ein geheimes Höhlensystem befindet, entführte Elfen zu opfern, vermutlich als Nahrungsquelle des Vampiers. Zu diesem Zeitpunkt muss schon die uns bekannte Magierin Regina sich in Thunata niedergelassen haben. Die oben erwähnte Pictura ist von ihrem Turm aus angefertigt worden, daher ist dieser nicht auf der Skizze verzeichnet. In den Jahren um 850 BF muss der Herrin Travia das dämonische Handeln in ihrem Haus zu viel geworden sein.

Die folgenden Ereignisse sind mir leider nur unzulänglich bekannt und sind nur rekonstruiert.

Die Große Mutter scheint ein Raum-Portal geöffnet zu haben, eventuell sogar ein Zeit-Portal. Aus diesem, im Travia-Tempel befindlich, strömten ihr ergebene Krieger, eines mir unbekannten Volkes. Der ganze Stamm scheint den Kriegern gefolgt zu sein. Diese töteten die gesamte Bevölkerung, mit Ausnahme der unschuldigen Regina, die Forschungen über den Stamm anstellte. Im Folgenden möchte ich, der Magierin folgend, diesen als “Neanderthaler” bezeichnen. Die Neanderthaler scheinen eine Kreuzung aus humanoiden Wesen – Menschen gar – und Affen zu sein. Seltsamer Weise sprechen sie eine Abart des Orkischen, ohne physonomisch mit diesen sich zu ähneln. Es ist an dieser Stelle dringend zu erwähnen, dass die Neanderthaler kulturschaffend sind! Die Magierin meint in ihnen eine Art “Vormensch” zu sehen, eine Hypothese, die ich nicht so unterstützen möchte, da sie der Götterlehre widerspricht. Trotzdem verdient es dieses Volk näher untersucht zu werden. In den etwa 180 Götterläufen seit ihrem Erscheinen scheinen sich die Neanderthaler nicht wirklich weiterentwickelt zu haben. Sie besitzen jedoch eine große Gottesfürchtigkeit – sie kennen alle 12 Götter – vor allem der Großen Mutter gegenüber. Sie sind ein grundsätzlich friedliches Volk, das in einer matrilinearen Hierachie zu leben scheint.

Sollten sie und ihre Abteilung an einer Näheren Erforschung interessiert sein, so bitte ich sie mir eine Antwort zukommen zu lassen. Da ich mich weiterhin in den andergast-nostrischen Wäldern aufhalte sollten sie diese Antwort an Admiral Rateral XIII Sanin zu Havena zukommen lassen, er kennt am ehestens meine Aufenthaltsorte.

 

Ich verbleibe mit ergebenen Grüßen

Ihr Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Absolvent der Tsa-Schule zur Universität zu Methumis, Edler des Albernischen Königshofes

Briefwechsel mit Aedha Ni Llud Ui Niamad

Seid gegrüßt Mutter,

 

leider erst heute merke ich, dass zu viele Tage vergangen sind, seid dem ihr das letzte Mal von mir hörtet. Wobei ich nicht weiß, wie viel ihr über mich durch andere Quellen erfahren habt, allen voran durch Onkel Thernonlli. Die Worte die gesprochen wurden bei unserer letzten Zusammenkunft, sie schmerzen noch immer, doch heute, da schmerzt es mich mehr, dass ich euch, geliebte Mutter, mit strafte durch mein langes Schweigen. Ich weiß, dass das Leben, das zu führen ich mich entschloss, meinem Vater nie wirklich zusagte und dass vorallem nach dem Tod seines geliebten Sohnes, meinem Bruder, er mich gerne als Soldaten sähe, aber der bin ich nicht. Oder vielleicht doch? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr erfahren haben werdet, dass ich vor einiger Zeit Havena gen Firun verlassen habe. Seid ich Albernia verließ, kreuzte vieles meinen Weg. Einige Menschen lernte ich sehr zu schätzen, andere weniger. Und ich vermute, ich hoffe gar, wenn mein Vater wüsste, wie viel Blut an meinen Händen klebt und wie vielen Menschen, Freunden, ich das Leben rettete und auch, wie oft ich mich schon in Boron’s Hallen wähnte, er würde anders über mich denken. Doch all das, das nicht in einen einfachen Brief passt, ist nicht der Grund für diesen.

 

Ich habe vor zwei Tagen einen Menschen verloren, den ich geliebt hatte wie zuvor noch niemanden. Orestas war sein Name und er war oberflächlich gesehen mein Leibmagier, doch schon bei unserem ersten Zusammentreffen im herrschaftlichen Hause des Admirals Sanin spürten wir beide Rahjas Atem in unseren Herzen. Er ist nicht mehr bei mir, gestern ließen wir ihn sich an den Tisch der Großen Mutter sich setzen. Doch nicht nur einmal, nein gleich zweimal straften mich die Götter mit seinem Tod, die genauen Umstände erspare ich dir. Doch wichtig scheint mir für dein Wissen, dass ich bei seinem ersten Tod bereit war mein Leben für das seine zu geben – erfolglos, wie du siehst.

Desweiteren möchte ich dich, und auch die Familie, darüber in Kenntnis setzen, dass ich für mich den Traviabund eingegangen bin – einer der beiden guldenen Ringe steckt an meinem Finger, der zweite in seinem Grab. Nein, kein Priester segnete diesen Bund und auch mein Gatte – gewöhn dich bitte an diese Formulierung – wusste vor seinem Tod nichts von seinem Glück, denn die Ringe fand ich in seinem Nachlass. Mir ist bewusst, dass ihr den Bund nicht akzeptieren werdet. Dies müsst ihr auch nicht.

Ich weiß nicht, wann und ob wir uns wiedersehen werden Mutter. Zu viele Möglichkeiten gingen mir in den letzten zwei Tagen durch den Kopf. Ich weiß noch nicht, ob ich weitermache wie bisher, ob ich versuche in einem Tempel der Jungen Göttin die Weihe zu erlangen, ob ich zurück nach Methumis gehe oder ewig durch die Wildnis streifen möchte, sollte ich mich entscheiden, ich werde euch informieren.

Bis dahin gehabt euch wohl geliebte Mutter.

Bermhoin

 

Noch nicht abgesendet – voraussichtlich aus Winhall | geschrieben am 11. Firun 1029 BF auf Reisen in Nostria  | Empfänger: Aedha Ni Llud Ui Niamad | Empfangsort: Burg Abagund/Albernia | Entfernung: ca. ??? Meilen | Versandart: ??? | Geschätzte Sendedauer: ca. ??? Tage | Geschätztes Empfangdatum: ??? 1029 BF

Bei den Elfen

Weit war der Tag schon fortgeschirtten und stille lag über dem Heim der Elfen. Kein Blatt bewegte sich im Wind und kein Tier schien einen Laut von sich zu geben. Maras Kopf ruhte auf einem alten, blutbefleckten Baumstumpf, ihre Hände auf dem Rücken gebunden. Ein Elf stand hoch über ihr und erhob, fließend und langsam sein Schwert. Der tapfere Junge Firl  versuchte sich dem Griff zweier Elfen zu entwinden, um der Heilerin zu Hilfe zu eilen. Sie wirkten nicht einmal als müssten sie sich anstrengen ihn zu halten. Mutig, aber vergebens waren seine Mühen. Maras Ende schien besiegelt, diesmal würde niemand ihr zur Hilfe eilen können.

Da füllte eine Stimme die Stille sie sang von Schmerz, Liebe und der bitte nie vergessen zu werden.

Hier die Melodie da zu —> klick mich <—

„Als der dunkle Wald vor mir unterging
Und alle Wege zuwuchsen
Als die Priester des Hochmuts sagten, es gibt keinen anderen Weg
Pflegte ich meine Sorgen aus Stein

Ich habe nicht geglaubt, weil ich nicht sehen konnte
Obwohl du zu mir kamst in jener Nacht
Als das Erwachen für immer verloren schien
Zeigtest du mir deine Liebe im Licht der Sterne

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Dann erhob sich der Berg vor mir
Am tiefen Brunnen der Begierde
Aus der Quelle der Vergebung
Jenseits von Eis und Feuer

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Obwohl wir diesen Weg der Demut gemein haben, allein
Wie zerbrechlich ist das Herz
Oh gib diesen wackligen Füßen Flügel zum Fliegen
Um das Antlitz der Sterne zu berühren

Hauche Leben in dieses schwache Herz
Lüfte diesen sterblichen Schleier der Angst
Nimm diese zerfallenen Hoffnungen, getränkt mit Tränen
Wir werden über diese irdischen Sorgen hinauswachsen

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich
Bitte erinnere dich an mich
Bitte erinnere dich an mich“

Es war Maras Stimme die den Elfenwald erfüllte, während ihr Gesicht tränennass im Licht der untergehenden Sonne glänzte. Alle blieben still stehen. Der elfische Henker ließ sein Schwert herniederfahren… und zerschnitt die Fesseln, welche Mara banden. Firl entriss sich dem Griff seiner Bewacher und stürzte auf Mara zu um sich schützend über sie zu stellen. Doch niemand der Elfen wollte der jungen Frau ein Haar mehr krümmen.

Lied über den Unabhänigkeitskampf Albernias

Dieses albernische Lied muss nach 1032 BF geschrieben worden sein. Der Autor ist unbekannt, es wird die Zukunft zeigen, ob es aus der Feder Bermhoins stammen kann.

(Es basiert auf der Melodie von „Scarborough Fair“, zumindest ungefähr^^)

 

Als wir kämpft’n für Albernia,

Nur die Freiheit unser Ziel war.

All die Zwölfe, sie waren uns hold,

Denn nur die Ehr, die war uns Sold.

 

Als wir stritten für Albernia,

Unsrer Kön’gin wir treu ergeb’n war’n.

All die Burgen und Heere war’n stark,

Sie war’n bereit für den ersten Tag.

 

Als wir fielen für Albernia,

Nur die List Waff‘ des Kaisers war.

All die Schlachten, wir schlug’n sie ehrhaft,

Doch uns Feind hatte nicht dies‘ Kraft.

 

Als wir starben für Albernia,

Unsre Toten bei der Leuin war’n.

All die Opfer, die wir hab’n gebracht,

werden uns bring’n von Nachfahr’n Acht.

 

(langsamer und mit gedämpfter Stimme)

Als wir siegten für Albernia,

Nur die Ehr noch unser Feind war.

All wofür wir kämpften und starben,

Sollt weithin in Kaisers Schoß darb’n.

 

(Die Melodie nur noch gesummt)