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Er hat mich verlassen…

*Er hat mich verlassen…* immer wieder ging Mara dieser Satz durch den Kopf, als sie auf dem Rückweg zum Hof der Familie Bargelter waren. Erst vorletzte Nacht hatte er ohne eine Begründung zu sagen sich aus ihrem gemeinsamen Zimmer entfernt, mit einem missbilligendem Blick auf Kurgan. Er wünschte Mara zwar noch eine gute Nacht, aber der Hebamme war klar, dass es nur eine leere Floskel war. Ihre empathischen Sinne verrieten ihr Rondrigos Ablehnung oder bildete sie sich das nur ein? Mara war ganz allein, nur Kurgan das Rotpelzkind war ihr nun geblieben. Schockiert und zu tiefst verletzt von Rondrigos Verhalten sank sie auf das Bett. Unfähig zu irgendeinem Gedanken lies sie ihren Tränen freien Lauf und konzentrierte sich auf den kleinen Rotpelz der sie aus ihren Armen heraus anlächelte. Am Morgen danach und auch an jedem weiterem Tag entzog sich Mara ihm wann immer sie konnte. Stets bemüht sich nicht anmerken zu lassen wie verletzt sie war. Die Reise zum Troll, dessen Pflege, Bernhoims Verletzung, Ludovicos Krankheit, Aimos Geschichten und den Firls Entschlüsselungsversuche ihres magisch versiegelten Tagebuchs, nahm sie nur durch einen nebligen Schleier war.

Nun knapp zwei Tage später lüftete sich dieser Schleier der Trauer und gestatte der Jobornerin das erste Mal wieder klare Gedanken zu fassen. Sie hatte sich in ihm getäuscht. Wie konnte Rondrigo nur bei dem ersten Anzeichen von Schwierigkeiten davonlaufen? Natürlich wollte sie Kurgan aufziehen und beschützen, wenn auch nur für kurze Zeit. Solange bis die Mutter des kleinen gefunden wurde. Wie würde er denn erst reagieren wenn sie selbst ein Kind von ihm empfangen würde, wenn sie schwanger ging oder ein Kind aufzog? Würde er dann auch weglaufen? Hierüber war sich Mara sicher! Somit war er nicht der Vater ihrer Kinder und letztlich auch nicht ihr Mann. Dieser Erkenntnis schmerzte sie sehr. Die schmerzliche Wahrheit, dass Rondrigo so war wie es ihre Mutter und auch Tante Regina ihr sagten. So wie viele andere Männer… Vielleicht waren Ihr die Götter hold nun eines Tages würde sie den Mann finden, welcher der Vater ihrer Kinder sein konnte. Bis dahin würde sie weiter auf die traditionelle Wanderschaft gehen, die seit je her den Abschluss für jeden Heiler darstellte.

Als die Gruppe eine kurze Rast zur Mittagszeit einlegte entschuldigte sich Mara mit dem Vorwand noch etwas aus dem Wald besorgen zu müssen, etwas für ihre Kräuter. Es würde nicht lange dauern. Sollte Ihr jemand gefolgt sein oder sehr gute Ohren haben hätte jener das folgende Lied von ihr hören können, welches sie leise für sich sang, um eine Abschluss zu finden.

Hier der Link zur Musik

„Die donnernden Wellen rufen mich nach Hause, heim zu dir
Das Pochen des Meeres ruft mich nach Hause, heim zu dir.

In einer dunklen Winternacht
an den Ufern des Thuransees
hörte ich deine Stimme
Deine Augen tanzten das Lied
Deine Hände spielten die Melodie
Es war ein Traum von mir.

Wir ließen die Musik hinter uns und der Tanz ging weiter
während wir uns wegstahlen in unsere Arme
Wir rochen das Wasser, spürte den Wind in den Haaren.
Wochen später stahlst Du Dich von mir.

Plötzlich wusste ich, dass du gehen musst
Deine Welt war nicht die meine, das sagten mir deine Augen
Genau dort fühlte die Kreuzwege unserer Schicksale
Und ich fragte mich, warum.

Als ich meinen Blick auf Mühlbach wendete
kam eine Vision über mich,
von donnernden Hufen und Flügelschlagen
in den Wolken am Himmel.

Während Du dich zum Gehen wandtest, hörte ich dich meinen Namen rufen.
Du warst wie ein Vogel in einem Käfig, der seine Flügel ausbreitet zu fliegen.
„Die alten Wege sind verloren“ hast du gesungen, als du flogst.
Und ich fragte mich, warum.

Die donnernden Wellen rufen mich nach Hause, heim zu dir
Das pochende Meer ruft mich nach Hause, heim zu dir.“

(Originaltext und Musik von Loreena McKennitt – The Old Ways)

Inständig hoffte Mara, dass trotz der gescheiterten Beziehung eine weitere und gute Freundschaft mit Rondrigo noch möglich war. Immerhin hatten sie einiges zusammen erlebt und durchlitten. Außerdem war er der erste Mann der sie berührte und ihr die Unschuld nahm. Er würde immer einen Platz in ihrem Herzen haben, ob sie Freunde blieben oder nicht.

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