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Bei den Elfen

Weit war der Tag schon fortgeschirtten und stille lag über dem Heim der Elfen. Kein Blatt bewegte sich im Wind und kein Tier schien einen Laut von sich zu geben. Maras Kopf ruhte auf einem alten, blutbefleckten Baumstumpf, ihre Hände auf dem Rücken gebunden. Ein Elf stand hoch über ihr und erhob, fließend und langsam sein Schwert. Der tapfere Junge Firl  versuchte sich dem Griff zweier Elfen zu entwinden, um der Heilerin zu Hilfe zu eilen. Sie wirkten nicht einmal als müssten sie sich anstrengen ihn zu halten. Mutig, aber vergebens waren seine Mühen. Maras Ende schien besiegelt, diesmal würde niemand ihr zur Hilfe eilen können.

Da füllte eine Stimme die Stille sie sang von Schmerz, Liebe und der bitte nie vergessen zu werden.

Hier die Melodie da zu —> klick mich <—

„Als der dunkle Wald vor mir unterging
Und alle Wege zuwuchsen
Als die Priester des Hochmuts sagten, es gibt keinen anderen Weg
Pflegte ich meine Sorgen aus Stein

Ich habe nicht geglaubt, weil ich nicht sehen konnte
Obwohl du zu mir kamst in jener Nacht
Als das Erwachen für immer verloren schien
Zeigtest du mir deine Liebe im Licht der Sterne

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Dann erhob sich der Berg vor mir
Am tiefen Brunnen der Begierde
Aus der Quelle der Vergebung
Jenseits von Eis und Feuer

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Obwohl wir diesen Weg der Demut gemein haben, allein
Wie zerbrechlich ist das Herz
Oh gib diesen wackligen Füßen Flügel zum Fliegen
Um das Antlitz der Sterne zu berühren

Hauche Leben in dieses schwache Herz
Lüfte diesen sterblichen Schleier der Angst
Nimm diese zerfallenen Hoffnungen, getränkt mit Tränen
Wir werden über diese irdischen Sorgen hinauswachsen

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele auf das Meer
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich
Bitte erinnere dich an mich
Bitte erinnere dich an mich“

Es war Maras Stimme die den Elfenwald erfüllte, während ihr Gesicht tränennass im Licht der untergehenden Sonne glänzte. Alle blieben still stehen. Der elfische Henker ließ sein Schwert herniederfahren… und zerschnitt die Fesseln, welche Mara banden. Firl entriss sich dem Griff seiner Bewacher und stürzte auf Mara zu um sich schützend über sie zu stellen. Doch niemand der Elfen wollte der jungen Frau ein Haar mehr krümmen.

Zweifel

Nachdem der erste Schrecken über das Verschwinden Firls und Maras verklungen war, seufzte Orestas kurz. Und wieder verschlug es ihn in die Wildnis der streitenden Königreiche. Er seufzte erneut. Nun hatte die gegnerische Gruppe schon einen Vorsprung von ein paar Tagen. Und nun? Ständig tun sich neue Probleme auf! Können dieses Rotzgör und die Quacksalberin, die sich nicht einmal gegen eine Vogelscheuche verteidigen kann, nicht EINMAL auf sich aufpassen? Er müsste nun seinen armen Bruder einfach im Stich lassen, nur um diese beiden Pechvögel aus den Klauen von Elfen zu retten. Alles klar. Elfen. Im Wald. Warum nicht gleich Nahema zu einem Duell herausfordern. Er knirschte mit den Zähnen.

Orestas, beruhige dich. Wie oft hat denn Mara dir und der Gruppe geholfen? Kleine Kratzer versorgt. Große Wunden verbunden. Knochen wieder eingerenkt. Nicht einen Augenblick hat sie gezögert, dir in der Stunde der Not gegen Sklavenjäger zu helfen. Und Firl. Selbstlos bot er an, mit der Gruppe zu reisen. Obwohl er sich der Gefahren bewusst war. Wie sehr hat sein Beisein die Gruppe bereichert? Wie kannst du nur so denken? Natürlich werden wir die zwei befreien! Vard’Han wäre schon längst auf dem Weg! Nicht einen Moment hätte er gezögert, für Menschen einzustehen, die ihm nahe stehen! Wie er mich immer vor den anderen Straßenkindern beschützt hat, selbst wenn sie in der Überzahl waren und die Chancen schlecht standen! Ja! Ich werde dir ein ebenso guter Bruder sein! Halt nur noch ein wenig aus, liebstes Brüderlein. Nur noch ein wenig. Sobald dies überstanden ist, eilen wir zu deiner Rettung!

Elfen

Mara wollte am Morgen nur nach den Pferden sehen, um dann mit Rondrigo und ihren Freunden das Frühstück einzunehmen. Doch dann kam alles anders. Die junge Heilerin betrat die Stallung und erstarrte. Vor ihr standen vier Elfen. Mara hatte noch nie Elfen gesehen. Die Sagengestallten wirkten etwas fehlplatziert in dem alten von Menschen geschaffenen Bauwerk. Mara hatte gedacht, dass wenn sie jemals Elfen sehen würde, dann in einem Wald, auf einer vom Mond beschienenen Lichtung oder so. Doch nun standen die vier vor ihr, mit der Körperhaltung gefährlicher Raubtiere. Dennoch spürte sie keinen Hass oder Aggression. Die Gefühle die von den Elfen auf sie zuströmten fühlten sich wie das ruhige fließen eines Flusses an. Gleichmut und Harmonie mit gespannter Erwartung und Neugier. Einer der Elfen fesselte gerade den Stallburschen an einen Pfeiler. Während ein anderer auf Mara zuglitt.

„Suilad adaneth“ Es schien Mara als würde das Wesen mit zwei Stimmen gleichzeitig zu ihr sprechen, so melodisch waren die Worte. Sie verstand ihren Sinn nicht, aber vernahm keine Bedrohung. Der Elf legte seinen Kopf leicht schief, wie ein Vogel der etwas interessantes mustert „Ihr seit besonders Menschenfrau“ Mara wusste nicht was der Elf meinte und blieb wie angewurzelt stehen. Der Elf mussterte sie weiterhin. Eine der anderen Elfen rief ihm etwas zu und er nickte kaum merklich. „Werdet Ihr uns begleiten? Wenn nicht werden wir einen anderen Menschen mit uns nehmen. Als Pfand für unsere entführten Geschwister. Der stumme Junge hat sich für den gefesselten Jungen eingetauscht“ Mit diesen Worten deutet er von dem Stallburschen zu Firl, der neben den Elfen steht und sie mit großen Augen mustert. Auf die Frage des Elfen hin nickt Mara nur und stellt sich zu Firl.

Die beiden Geißeln werden von den Elfen aus dem Stall geführt hinein in das Dickicht des Waldes. Einen letzten Blick wirft Mara auf das Gasthaus, wo Rondrigo wohl auf sie wartet…