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Satinavs Wille – Und die Zeit spielt doch eine Rolle

So ein Idiot!! Würdevoll und erhaben stampft die junge Firunsgläubige durch den Schnee zum Hexenportal. Der Weg ist weit und führt an Hochstieg vorbei. Er ist verletzt und trägt kaum Kleidung. Wenn ich ihn für einen Schwächling gehalten hätte, hätte ich ihm meinen Umhang gegeben oder ihn mit durch das Portal näher zu seinen Leuten geschickt. Eine Frechheit, mein minimalistisches Geschenk so rüde abzulehnen. Ich habe ihn doch nicht gebeten mit mir in den heißen Quellen zu baden! Ach, so ein Idiot!!

Beim Portal angekommen wartet sie darauf, dass Delia es öffnet. Shakriin Boran ist bereits verschwunden, nachdem sie ihm wütend das stumpfe Ende ihres Speeres kräftig vor die Brust stieß und mit einer theatralischen Geste, die etwas mit wehenden Haaren zu tun hatte, davon rauschte. In Gedanken versunken betrachtet sie nun ihre Begleiter, die sich ihr erleichtert nähern. Von Azinas aufwühlenden Gedanken und Gefühlen, ist in ihrer grimmigen Miene nichts zu lesen.

Sie sind tatsächlich ahnungslos! Was für ein Wahnsinn! Unfassbar, was da gerade geschehen ist! Ich kann es noch immer kaum glauben … Traf ich die richtige Wahl? Wäre es anders nicht besser gewesen? … Nein! Das Wissen darf nicht verloren gehen. Ich bin es den anderen schuldig, meinen Beitrag zur Mission zu leisten.

Bleibt die Frage, was ich ihnen sagen darf. Wer entscheidet, wer vor Ifirns Träne gelassen wird und wer nicht? Ist nicht die Göttin selbst dafür verantwortlich, wem sie was preisgibt? Bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet? Ja. Irgendwie habe ich Gefühl, dass ich dieses Heiligtum schützen muss, dass es nicht gut wäre, es der Welt zu offenbaren. Weder der Kristall noch das Paradies dahinter dürfen gefährdet werden. Denn diese schier unerschöpfliche Energiequelle würde allerlei Gezücht anlocken und Hochstieg wäre wahrscheinlich dem Untergang geweiht. Die Schwarzen Lande sind so nah.

Aber wir brauchen diese Magie, um gegen den Feind bestehen zu können. Ich darf ihnen diese Kraft nicht vorenthalten. Was, wenn wir scheitern, weil ich meinen Freunden zu wenig Vertrauen entgegenbrachte. Das könnte sich als fatal herausstellen und ich mir niemals verzeihen. Das heißt, ich selbst muss wachsam sein und gut darauf achtgeben, so wie die Zeit mir dies ermöglicht.

Ich hoffe, ich tue das Richtige, Herrin. Wir werden unser Bestes zum Wohle Deres geben!

Ein Plan manifestiert sich in der Erwählten Firuns.

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Azinas Gedanken

Schicksalsergeben

Was für ein Durcheinander! Es wird Zeit, dass Sieghelm wieder kommt und diesen unkoordinierten Haufen Querdenker in die richtige Richtung lenkt. Mit jeder Stunde, die wir hier vertrödeln, könnte sich Boran entschließen, nicht mehr bei Garnan zu verweilen. Er dürfte inzwischen gesundet und zum Aufbruch bereit sein. Ich kann nur auf Firun vertrauen, dass Garnan ihn noch zurückhält bis wir mit Blut dort ankommen, um den Angriff der Trollzacker abzuwenden. Seltsam ist jedoch, dass sich diese Stümper vom Provinzmilitär scheinbar keine Gedanken um Informationen über diese sogenannte ‚Belagerung“ machen. Oder sie halten die Informationen schlicht zurück … oder bauschen sie auf … aber das sie einfache Landwehr einsetzen, um mich zu überwachen, sagt ja schon alles aus. Diese ganze Scharade war doch mehr Schein als Sein. Als ob mich Leutnant Kohlhütten alleine daran hätte hindern können dem Gerichtssaal zu entfliehen. Lachhaft. Aber es hätte unangenehme Komplikationen nach sich gezogen. Es war schlicht zwecklos dem Vogt sein Papier zu verweigern. Und als sie erzählten, was für eine Art Befragung dies ist, und klar war, das ich beeinflussen konnte, was Nehazet sieht, war die Farce eher lästig, als bewegend.

Wenigstens bin ich nun vorbehaltlos … wobei es nach unserem jetzigen Aufbruch bereits anders sein wird. Aber ich habe sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sie…

„Azina!“ unterbricht Mædnir flüsternd ihre Gedanken. Sie lässt sich langsam zu ihm zurückfallen. „Wir werden verfolgt.“ „Ein Offizieller?“ antwortet sie ebenfalls flüsternd. „Nein.“ „Willst du oder soll ich?“ Der Mann von einem Bär schaut an sich selbst hinunter. „Zu auffällig.“ Sie nickt nur, obwohl sie sich denkt: Und ich mit meinem glimmenden Speer, dem weißen Fellumhang, dem Falken und dem riesigen weißen Wolf nicht? Aber sie verschwindet dennoch um die nächste Ecke.

So jetzt noch einen Augenblick warten … mal sehen, wer uns da verfolgt. … Niemand? Wo ist er hin? … Er muss hinten entlang sein. „Komm Elfenbein.“

Ihnen gelingt es mühsam, eine frische Spur kleiner Abdrücke ausfindig zu machen. Ihr kommt in den Sinn, um wen es sich handeln könnte und seufzt innerlich. Kurz vor dem Portal sieht sie ihn hinter einer Häuserecke stehen. Sie macht kurzen Prozess: sie packt den überraschten Jungen am Nacken und wirft ihn rücklings in den weichen Schnee. Er macht große Augen und stammelt nur: „Tötet mich nicht“, als sie ihm das stumpfe Ende ihres Speeres gegen den Hals drückt.

„Du hast nichts gesehen! Wer hat dich geschickt?“ herrscht sie ihn an. Sie greift nach ihrem Geldbeutel … weg … Ach ja, der liegt ja noch bei Garnan. Argh. Sie zögert. Was nun? Wie bringe ich den Burschen verträglich bei, dass er den Mund halten soll? Einfach abstechen, wäre ehrlos. Außerdem ist es ein Kind! „Der Vogt schickt mich.“ Antwortet es. Sich unsicher auf ungewohntes Terrain begebend, fährt sie fort: „Ich gebe dir ein Silberstück, wenn ich wieder komme und du dem Vogt nichts von uns erzählst.“ „Ja, aber ich bin nicht käuflich! Ich bin nur der Junge, der immer alles weiß und immer alles sieht, was soll ich denn sagen?“ stammelt er.

Tja, was soll er sagen? Dass wir durch das Tor gegangen sind? Nein, das ist leicht zu überprüfen und würde zu lange dauern. Was bleiben denn für Alternativen? Völlig egal, was der Bursche erzählt, der Vogt wird es sowieso wissen. Ich kann nur hoffen, dass er nicht genau gesehen hat, wo die anderen hingegangen sind. Sollten wir wieder hier her zurückkommen, können wir nicht einfach durch das Portal spazieren. Sie werden uns erwarten. … Ach was solls, ich hatte sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sieghelm befreit haben.

Sie behält ihre strenge Miene bei, als sie ihm droht: „Wehe, du erzählst dem Vogt, was du gesehen hast. Ich werde herausfinden, wenn du etwas gesagt hast und dich finden!“ Sie drückt noch einmal gefühlt sachte mit dem Speer gegen seinen Kehlkopf. „So, und nun verschwinde!!“ Sie nimmt ihren Speer von seinem Hals und untermauert ihre Aussage mit einer herrischen Geste. Sie sieht ihm nach bis er außer Sicht gerannt ist und kehrt zu den anderen zurück.

Ah, dann verschleiert Nehazet also den Zugang. Sehr gut!

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Azinas Gedanken

Eine dritte Fraktion

Unglaublich! Da liegt man einmal unschuldig in der Badewanne, ist kurz davor sich ein wenig aufzutakeln, um den Ruf der wilden Frau etwas zu mildern – warum eigentlich? So schlecht ist der doch gar nicht! Eher schmeichelhaft, wie ich finde. Und natürlich ist es nicht schlimm in einen Eimer zu pinkeln. Aber … Nein … also … Nein! Ich entscheide, wohin ich pinkle! Frechheit. Einer Dame … so etwas anzutun … na ja, ähm … egal … – und schon kommt Igan mit unglaublichen Offenbarungen daher.

Es war ja absehbar, dass die Sache mit dem Feigling noch nicht zu Ende war. Aber mit so etwas rechnet doch niemand! Wenn Auserwählte der Götter ihren Glauben verlieren, werden sie zu gefallenen Ankern und ermöglichen dem Vortex den Vormarsch nach Dere bzw. in unsere Sphäre, wie Nehazet es ausrücken würde. Dann werden uns die Armeen des Blutkaisers vernichten oder versklaven.

Ich bin gespannt, was Nehazet zu alledem sagen wird. Und ob er sich noch immer mit einem der Magier des Blutkaisers über die „Expertise“ unterhalten möchte. Ich hoffe, er ist in seinem Glauben an die große Mutter nun ein wenig gefestigt. Wenn ich es recht überlege, muss es sogar so sein. Wenn die Male des Blutkaisers auf den Schultern von Delia und Nehazet verschwunden sind … bedeutet dies, dass die Kraft der Götter in ihnen nun stärker ist? Igan erwähnte, dass Turnaak’riin … Tornado … meinte, dass sie nahe daran waren sie zu holen. Waren damit die Male an den Schultern gemeint? Auch Igan hat von so einer Stelle berichtet. Nur, statt sich an Rondra zu wenden, hat er den Mut verloren und wurde überwältigt. Schwächling! Aber kann er noch gerettet werden? Kann er seine zweite Chance erhalten? Er sagt zumindest, dass er bereut, dass er den Göttern wieder näher ist. Dafür spricht die Bereitwilligkeit uns Informationen über den Vortex zu geben. Es könnten aber auch Falschinformationen sein. Den Kampf gegen die Dämonen unter dem Berg kann man nicht für ihn und seine Gesinnung auslegen. Haben wohl auch die Dämonen ein Interesse daran, den Vortex von uns fern zu halten. Aus eigennützigen Interesse natürlich. Eine Armee Hölleneisenkonstrukte sähe der Blutkaiser sicher nicht gern in seiner neuen Welt. Wie dem auch sei, wir müssen ihn im Auge behalten. Schon allein aus dem Grund, weil er ein Anker des Vortex ist und die Verbindung gewollt oder ungewollt aufrechterhält. Die Frage ist: Hat Igan tatsächlich seinen freien Willen noch? Und wie stark müssen die Verlockungen und Versprechungen des Blutkaisers sein, dass Turnaak’riin sich für seine Sache einsetzt? Kann man mit ihm sprechen? Oder ist es sinnlos? Vielleicht kann auch er eine zweite Chance erhalten. Wenn die Anker dem Blutkaiser entfallen, ist Dere gerettet! Oder müssen sie dafür sterben?

In jedem Fall ist es nun eindeutig: Wir dürfen den Glauben an unsere Götter nicht verlieren! Ganz gleich, was auch geschieht. Sie sind so stark, wie wir es sind!!

Soll Turnaak’riin doch kommen! Sieghelm wird ihn im ehrenhaften Zweikampf besiegen! Ich werde nun sein Schwert an mich nehmen und es nicht mehr aus den Augen lassen, bis es in den Händen seines Besitzers ist! Sonst kommt der Feind noch auf die Idee, es verschwinden zu lassen.

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Azinas Gedanken

Gefühlschaos

Die Schlacht ist geschlagen.

Sie bückt sich und hebt die weiße Feder mit der schimmernden blauen Spitze auf und schaut wehmütig in die Ferne. Sie kann den stolzen Hippogriff nicht mehr erblicken. Leise flüstert sie im Wind: „Ich danke dir. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. Gehab dich wohl.“

Sie krault Elfenbein den Hinterkopf. „Komm, machen wir uns an den Abstieg.“

Sie schweigt während des langen Abstiegs nach Hochstieg und beobachtet die geschundenen Menschen um sie herum, die sie hin und wieder neugierig betrachten. Einige von ihnen hat sie persönlich verbunden. Allen jedoch gab sie Hoffnung im Kampf gegen den Wurmdämon, der so viele von ihnen auf dem Gewissen hatte. Oft schlug sie vom Rücken des geflügelten Pferdes den Speer Firuns in den unseeligen Leib, bis er schließlich vor ihrer aller Kraft kapitulierte und leblos in sich zusammensackte. Diese Menschen haben Großartiges geleistet. Das ganze Ausmaß der Tragödie, die sich in den letzten Stunden abgespielt hat, hat die Botin Firuns noch nicht erfassen können.

Es ist schön sie alle zu sehen. Zum Glück sind sie noch am Leben. Ich kann nur erahnen, was sich hier zugetragen hat. Es gibt viel zu erzählen.

So nennen die Menschen Jane Heerführerin. Welche Umstände mögen dazu geführt haben? Nehazet krabbelte aus dem Maul des toten Dämons! Und dennoch hat er überlebt. Wieder einmal. Warum überrascht mich das nicht? Delias Mann habe ich im Gegenzug noch nicht gesehen … Der Bruder von Spichbrecher erfreut sich bester Gesundheit. Nur warum trug er Nehazets Amulett? Selbst der verschollene Thorwaler, der sich als Erwählter Efferds entpuppte, ist wieder aufgetaucht.

Doch am meisten, muss ich sagen, überrascht mich Igan. Wie bei Phexes Geschick, kommt er hier her? Ich dachte, er sei tot, umgekommen in dem Feuer damals? Ich war mir sicher, da Sieghelm nun das Amulett Rondras „trägt“. Doch nun muss ich erfahren, dass er zwar lebt, aber sich Rondras Gunst als unwürdig erwiesen hat. Für diese Schwäche verachte ich ihn! … Aber ich bin froh, dass er lebt. Ich werde mich später noch einmal mit ihm unterhalten, wenn es ihm besser geht. Delia lässt ihn nicht aus den Augen. Sie vermutet wohl einen Verrat. Aber Igan ist ein guter Mann. Ja, er war ein Feigling. Ja, er hat Rondras Ideale verraten. Aber er ist doch kein Dämonenfreund! Und hat er nicht ebenfalls tapfer gegen den Wurm gekämpft? Ist er nicht in demselben Kampf schwer verwundet worden? Er hat Mut bewiesen, seinen Mann gestanden! Haben wir nicht alle eine zweite Chance verdient?

Was sie wohl zu meiner eigenen Geschichte sagen werden? Auch bei mir hat sich viel zugetragen. Firun hat mich geprüft. Und als ich scheiterte, rettete mich seine Tochter Ifirn in Gestalt von Elfenbein. Wieder einmal habe ich eine weitere Chance erhalten. Aber ist nicht das Aufstehen nach einer Niederlage unsere eigentliche Stärke? Unser gemeinsamer Weg ist noch lang, meine Freunde, und wir stehen erst am Anfang. Es wird noch viel geschehen. Viel Leid und Schmerz wird über uns kommen. Wir müssen stark sein!

Bakkus ist tot. Erschlagen von einem mächtigen, gut aussehenden, Mann. Ist es falsch, wenn ich mich für ihn interessiere? Was sagst du dazu Bakkus? War er doch verblendet von seiner Wut und getrieben von seinem Schmerz über seinen Verlust. Ich kann ihm nicht wahrhaftig böse sein. Er ist animalisch und wild. Männlich. Es tut mir Leid.

Sie schlägt für einen Moment die Augen nieder. Beschämt über ihre Gefühle, die sie, ihrer Meinung nach, nicht haben sollte.

Leider hat Garnan bisher verhindert, dass ich mit Boran spreche. Während der ganzen Zeit, musste ich immerzu an ihn denken. Ich muss mit ihm sprechen! Denn ich habe viele seiner Männer getötet. Ich würde es verstehen, wenn er mich hasst. Aber ich hoffe es nicht. Ich hoffe, er versteht, dass ich keine Wahl hatte. Wenn Sieghelm gerettet ist, werde ich eine Weile hier bleiben und von Meister Garnan lernen. Vielleicht verstehen wir eines Tages einander, Shakriin.

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Azinas Gedanken

Nachruf

Boronsrad

Grombasch Sohn des Dramosch

Tsatag:  989 BF

Borontag: 1. Phex 1026 BF

Verstorben auf der Spitze des Roten Riesen im Kampf gegen den viergehörten Achorhobai – Darpatien, Trollzacken

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sang- und klanglos

– Grombasch –

Den Rabenschnabel schlagbereit im Rücken, rennt Grombasch Sohn des Dramosch brüllend auf den riesigen Wurm zu. Er ist dem Tode näher dem Leben. Er atmet schwer und kann sich nur kaum auf den Beinen, geschweige denn die Waffe, halten. Seinen Königshammer hat er zum Wohle aller fortgegeben. Seine einst stolze Rüstung weist deutliche Makel auf. Dennoch stürzt er sich mit einer solchen Inbrunst auf den dämonischen Feind, dass jeder andere Gegner aus Furcht davon gelaufen wäre. Nicht so dieser viergehörnte Dämon aus Agrimoths Domäne. Er bemerkt ihn nicht einmal.

Das ändert sich rasch, als der Angroschim seinen wasserelementbeseelten Hammer tief in dessen Bauch schlägt. Schwarzes Blut spritzt dem Wackeren entgegen. Sich der Gefahr bewusst, schnellt ein schnabelbewehrter Tentakel des Dämons heran, gräbt sich in die Brust des Zwerges und hebt hin mehrere Schritt in die Luft. Der Geisterkrieger von Heerführerin Jane Pedderson setzt dem Tentakel noch nach und trennt ihn mit seinen schimmernden Doppelkunchomer beinahe durch. In der Bewegung gebremst öffnet sich das Maul und Grombasch wird über die Klippe geschleudert.

Soll es so enden? Was habe ich falsch gemacht, dass du mich so hart strafst Angrosch?

Während des Fluges blickt er noch einmal auf das Schlachtfeld. Leichen sind auf dem Plateau nur wenige zu sehen. Stattdessen liegen viele tapfere Männer an den Hängen des roten Riesen. Zerschmettert an den Flanken des Berges. Einfach in den Wind hinausgeschleudert von einem feigen Dämon.

Ich hatte noch so viel vor. Ich bin doch gerade erst 37! Ich will noch nicht sterben!! Jetzt war ich fünf Götterläufe im Exil und tat Buße. Ich habe doch noch so viel zu tun. Wer soll die Schätze dieses Berges bewachen? Wer soll diesen armen Berg mit neuem Leben füllen? Wer soll – bei deinem langen Bart – den ganzen Schnaps austrinken??!! Angrosch, bitte hilf mir …

„SCHEIß DRECKSVIIIIIIIEH!!!“ Brüllt er noch in das Tal, ehe er mit einem Krachen und Scheppern auf nacktem Fels aufschlägt und sofort tot ist.

Oben auf dem Gipfel geht der Kampf ununterbrochen weiter. Ein warmer Regen setzt ein. Verwundete und totgeglaubte erheben sich. Auch Grombasch steht auf und kämpft sich den Berg hinauf. Seinen Hammer in den Händen wiegend starrt er grimmig auf den Dämon. Erneut setzt er zum Sturmangriff an. Den entweihten Boden ignorierend schwingt er den Rabenschnabel in einem weiten Bogen direkt durch den Bauch des Unholds. Hindurch, ohne eine Spur zu hinterlassen. Verwundert starrt er zunächst an der Waffe und dann an sich herab. Er ist ohne Substanz!

„AAAAAAAARRRGGH!!“ Zornig über seinen Tot wütet er so lange bis der Dämon über ihm tot zusammenbricht. Nur war es nicht sein Verdienst. Seine Kameraden haben den Achorhobai bezwungen! Beruhigt lässt er den Hammer sinken. Der entweihte Boden verschwindet. Der Fels heilt. Er sieht zu, wie der Hippogriff landet, wie die Verletzten versorgt und die Toten betrauert werden. Um ihn herum stehen weitere wackere Kämpfer und spähen nach ihren Körpern. Er sieht, wie Thornia an seiner Leiche weint und ihm die Angroschinsignien abnimmt. Doch niemand sonst kümmert sich um ihn. Er ist traurig.

Was habe ich erreicht? Nur Tot und verderben zeichnen meinen Weg. So sterbe ich hier. Allein. Auf nacktem Fels.

Der uralte Zwergenpriester aus dem Berg erscheint plötzlich an Rand des Abgrunds und hält eine kurze lobende Ansprache an die Helden und dankt ihnen im Namen seines Volkes für die Befreiung des Berges. Grombasch merkt, wie ihn der Alte einen kurzen Wimpernschlag lang direkt in die Augen schaut. Noch während seiner Rede beschwört er den Priester:

„Ich bitte euch. Übergebt meinen Körper dem Gestein. Ich will im Tode schaffen, was mir im Leben verwehrt blieb. Dieser Berg soll mein Schicksal sein.“

„So forme ich den Fels mit nach meinem Willen.“ Spricht der Zwergenpriester und schlägt mit dem Hammer des Ingerimm auf den Amboss ein. Sogleich bildet sich eine Treppe vom Felsplateau nach unten in das Tal. Von allen anderen unbemerkt unbemerkt versinkt der Körper Grombaschs im Gestein.

„Ich danke dir.“ Grombasch verbeugt sich vor dem Geist des versteinerten Priesters. „Danke mir nicht, möge deine gepeinigte Seele eines Tages ihre verdiente Ruhe finden.“ Mit diesen Worten löst er sich auf. Grombasch blickt den schwebenden Teilchen noch kurz nach. Dann verfinstert sich seine Mine zu einem grimmigen Blick, ehe er langsam im Berg versinkt. Sein letzter neidvoller Blick richtet sich auf die Lebenden.

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Dröhnendes Hämmern klingt aus dem Berg. Grober Gesang schallt durch die Halle. Ein einzelner Zwerg in Kettenrüstung sitzt auf der Bank. Vor sich einen Krug stehend, haut er im Takt seiner Trinklieder den Rabenschnabel gegen die glatt polierten Wände.

Man könnte meinen eine ganze fröhliche Gesellschaft belebt die altehrwürdige Halle. Doch es ist nur ein armer einzelner toter Zwerg.

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Grombaschs letzte Gedanken

Der Achorhobai

Der Krug ist zerbrochen! Welch Unglück! Schurke, wer dafür verantwortlich ist! Da stehen diese guten Krüge über 3000 Jahre unversehrt herum und kaum will ein Angroschim sie ihrer Bestimmung zuführen und sie von ihrer elenden Warterei erlösen, da zerbrechen sie nacheinander und ergießen sich auf dämonisch verseuchtes Gebiet! Argh! Welch eine Schande!

Die Großlinge haben mal wieder eine ihrer Diskussionen. Es geht wohl darum, was zu tun ist. Sollen sie, ich setz‘ mich hier in die Ecke und warte. Weiteren Schnaps hole ich besser erst, wenn hier Ruhe eingekehrt ist. Nicht, dass noch mehr kaputt geht.

Oho. Sie haben sich entschieden. Ein Erkundungstrupp zur Befreiung der restlichen Gefangenen soll es sein. Und die verletzten sollen den Berg verlassen. Eine gute Entscheidung.

So machen sich also einige Männer unter Führung von Heerführerin Jane Pedderson auf den Weg, die letzte Bastion des Feindes einzunehmen. Oder vielmehr zu erkunden. Denn der Achorhobai ist fort. Auch von den Gefangenen fehlt jedwede Spur. Sie untersuchen gerade die erbärmlichen Quartiere, als unvermittelt Felsbrocken von der Decke stürzen. Sie scheinen gezielt auf die Menschen fallen zu wollen. Viele von ihnen werden gnadenlos zerquetscht. Rasch rennen sie aus der Kammer. Ein kopfgroßer Felsbrocken trifft Grombasch an der Schulter und kugelt ihm den Arm aus. Wie die Brocken um ihn herum, fällt er schwer getroffen zu Boden und bleibt liegen. Jane fasst sich ein Herz und versucht vergeblich Grombasch fortzuziehen. Mædnir eilt ihr zu Hilfe und trägt den bewusstlosen Zwerg schließlich den Weg bis zur tsageweihten Schmiede.

Unterwegs rennen sie an fallenden Felsbrocken vorbei und weichen blitzschnellen Tentakeln aus, die aus den Wänden nach ihnen greifen. Während der ganze Trupp aufgerieben und zerfetzt wird, zieht ein Tentakel Adeptus Nehazet direkt in das Gestein. Einzig sein Stab bleibt klappernd zurück. Doch bleibt keine Zeit den Verlust zu betrauern. Der Dämon treibt sie unermüdlich weiter vorwärts. Bei der Schmiede angekommen, stehen nur noch Jane und Mædnir aufrecht. Der Rest ist tot, verschwunden oder bewusstlos. Die Beiden stellen sich mutig dem Dämon entgegen. Sie wähnen sich durch Tsas Beistand geschützt. Tatsächlich gelingt es ihnen den Angriffen Stand zu halten und den Dämon gar zu verletzen, bis er schließlich von ihnen ablässt und sich hörbar auf den Weg nach oben macht. Zur Treppe! Wo gerade die Verletzten zu fliehen versuchen! Mædnir zögert keine Sekunde und hastet davon. Jane jedoch hadert kurz, dreht bei und renkt Grombaschs Arm wieder ein. Ein wenig Riechsalz bringt den völlig zerbeulten und zerschundenen Angroschim wieder zu sich.

Huch! Bei Angroschs Bart! Das tat weh. *Ächz* Ich kann bin am Ende. Ich kann mich kaum mehr rühren. Heerführerin! Ich bin euch zu Dank verpflichtet …

„Bei Angroschs Bart! Das war heftig.“ Er grummelt noch irgendetwas vor sich hin.

Jane zieht ihn hoch und gemeinsam humpeln sie zur Treppe. Dort versucht bereits Traviahold von Spichbrecher, Hochwürden auf Zeit unter dem Berg, die aufgewühlte Menge zu beruhigen. Denn es ging nicht weiter. Der Weg ist versperrt! Teufelseisengitter verriegeln die Tür. Delia und Igan machen sich daran mit Hilfe eines Elixiers von Magister Steinfest die Verriegelung zu lösen. Aber es dauert.

Der Anführer der Trollzacker erhält von Grombasch den Angrosch-geweihten Hammer, um die Eisenstreben vor der Pforte zu zerschlagen und eilt nach oben. Unterdessen greift der mehrgehörnte Dämon mit Tentakeln aus den Wänden an! Die Trollzacker kämpfen tapfer und opfern sich einer nach den anderen, um die Menschen zu beschützen. Auch Thornia, Traviahold, Jane und Grombasch tun ihr Möglichstes. Traviahold versucht gar sich den Göttern als Ausgleich anzubieten, jedoch verschmähen diese sein bereitwilliges Opfer. Jane gelingt es zumindest mit einem weiteren Elixier den Dämon zu vergiften. Indessen treibt dieser sie immer weiter nach oben, wo es langsam eng wird. Bis schließlich Delia und Igan die Verriegelung lösen können und die Menschen panisch nach draußen auf die Spitze des roten Riesens stürzen.

Als Delia das Hexenportal öffnet und letzte Nutzungsanweisungen weitergibt, bricht der Achorhobai durch das Gestein und zerstört die Fluchtwege. Nun sehen sich 80 teils Schwerverletzte einem wurmartigem Monstrum mit zahlreichen Tentakeln gegenüber, welches sich geifernd mehrere Schritt über ihnen in die Höhe schraubt.

Was zum … ANGROSCH STEHE UNS BEI!!! … Soll das das Ende sein? Furcht ergreift von ihm Besitz. Sie sind in der Falle!! Es gibt keinen Weg hier weg. Nur über die Asche dieses Unholds.

Aus den Wolken löst sich ein blauer Blitz und fährt wuchtig in den Leib des Achorhobai. Dieser kreischt laut auf. Grombasch sieht nach oben gegen das Licht und erblickt ein Wesen wie aus einer anderen Welt. Ein Hippogriff!! Und auf seinem Rücken sitzt eine Gestalt in einem Wolfsfell.

Das muss die verschollene sogenannte Botin Firuns sein! Ein Zeichen der Götter! Es ist also an der Zeit einen mehrgehörnten Dämon zu vernichten! Wohl denn; wollen wir es vollbringen!!!

„LASST MICH NACH VORN!!!!“

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Grombaschs Gedanken

Azinas Verbleib V

hier ist der vorherige Teil

Gefährten

Sie weiß, dass Garnan sich nähert, ehe sie ihn sieht und öffnet die Augen. Zur Antwort auf ihre ungestellte Frage, ob alles zu seiner Zufriedenheit sei, nickt er nur wohlwollend und bittet sie, ihm zu folgen. Bei der Hütte angekommen, erkundigt sie sich nach Borans Zustand. Es gehe ihm gut, meint er, doch für Gespräche sei es noch zu früh. Sie brauche außerdem ihre Konzentration für die morgige Aufgabe. Sie wird noch früh genug mit ihm sprechen können. Überhaupt werden beide noch eine Weile bei ihm bleiben und voneinander lernen.

Auf dem Felsplateau angekommen, stockt er und sieht sich nach Elfenbein um. Einen Augenblick lang schauen sie sich in die Augen, ehe er an Azina gerichtet sagt: „Elfenbein wird dich von nun an auf deinen Wegen begleiten. Er gehört jetzt zu dir, wie Ifirn zu Firun gehört und mildernden Einfluss auf ihn ausübt.“ Azinas Blick huscht zu Elfenbein. „Wenn er denn möchte …“ Eine Welle von Zuneigung durchflutet sie als er auf sie zu sprintet. Sie breitet die Arme aus und zieht ihn in eine innige Umarmung. „Gib gut auf ihn acht!“ ermahnt der Alte sie. „Das werde ich! Bei Ifirn, das werde ich!“

Am nächsten Morgen treten sie im Hof vor die Zielscheiben. Zunächst weist Garnan sie an, den Speer wurfbereit zu halten. Stundenlang. Ab und an kommt der alte Mann mit einer dampfenden Tasse Tee herbei und korrigiert hier und da ihre Haltung. Ihre Augen sind geschlossen; sie konzentriert sich mit Hilfe ihrer neu gewonnenen zweiten Sicht auf das nahe Ziel. Elfenbein sitzt an ihrer Seite und stärkt ihre Konzentration. Nun vermag sie es, das Ziel näher an ihr Bewusstsein zu rücken. Sie sieht den schwarzen Punkt der Zielscheibe genau vor sich. Jederzeit könnte sie den Speer nach vorn schleudern und ihn mitten ins Schwarze versenken. Doch erst als Garnan ihr endlich das Zeichen gibt, schleudert sie den Speer mit aller Kraft nach vorn, wo er tatsächlich in der Mitte der Scheibe stecken bleibt. Als sie ihre Augen öffnet, entfernt sich das Ziel wieder von ihr. Sie schwankt ein wenig unter den plötzlichen Eindrücken. Es scheint, als erleichtere die zweite Sicht ihre Fähigkeit, das Ziel zu finden.

Zufrieden lässt Garnan sie den ganzen Tag trainieren. Auch das Zurückrufen des Speeres funktioniert nun zuverlässig. Sie steht gerade an der Klippe, wo er vor wenigen Tagen mit einem Pfeil das unmögliche Ziel traf und konzentriert sich auf den Wind, der in verwirrenden Bahnen an ihr vorüberpfeift, als dieser stete Fluss blauer Energie plötzlich unterbrochen wird: 

Ein rotes Flimmern taucht zwischen den Baumwipfeln auf. Etwas Großes fliegt in einiger Entfernung an ihr vorüber. Sie ist noch dabei das wunderschöne Tier zu betrachten, als jäh aufflammender Schmerz sich in ihr Bewusstsein schiebt. Der Hippogriff wankt und trudelt zu Boden.

Erschrocken rennt sie zur Hütte. Doch Garnan ist nicht da. So eilt sie nur mit Elfenbein an ihrer Seite zur vermeintlichen Absturzstelle. Dank ihrer zweiten Sicht findet sie das hektische rote Flimmern zwischen den Bäumen zielsicher. Aufgeregt schlägt der Hippogriff mit den Flügeln hin und her. Feinde kann Azina in nächster Umgebung keine entdecken. So versucht sie sich dem majestätischen Tier vorsichtig unter Aufbietung all ihrer Kenntnisse über Vögel und Pferde zu nähern. Elfenbein wetzt davon. Azina spürt, dass er eine Idee hat und setzt ihren Versuch den Hippogriff zu beruhigen fort. Ein gefiederter Pfeil ragt direkt vor ihr aus seiner rechten vorderen Flanke heraus. Sie weiß, nur ein einziger Hieb mit dem krallenbewehrten Vorderbein und sie könnte verloren sein. Elfenbein kehrt zurück und birgt einen Hasen im Maul, den er Azina in die Hand drückt. Sie hält dem Hippogriff mit der offenen Hand die Beute hin, hoffend, dass er nicht zu ungestüm zupackt. Skeptisch beäugt er das Angebot mit schief gelegtem Kopf, ehe er blitzschnell und zielsicher zuschnappt. Sie zögert keine weitere Sekunde, macht einen Satz nach vorn und zieht den Pfeil mit einem Ruck heraus. Ihr darauf folgender hektischer Seitensprung bringt sie nicht mehr außer Reichweite der mächtigen Schwingen und so wird sie einige Meter davon geschleudert. Schwer atmend bleibt sie am Boden liegen und betrachtet das Pferdewesen, das sich nun auf die Hinterläufe gestellt hat und wild kreischt. „Flieg, mein Freund, flieg.“ Ermuntert sie ihn. Doch … er beruhigt sich wieder und betrachtet sie interessiert und … ja, und dankbar.

Lächelnd schließt sie die Augen, um seine Gefühle in sich aufzunehmen, als vor ihr eine Explosion auftaucht. Der Berg am Horizont spuckt schmerzende rote Blitze. Ihr Bewusstsein rast auf den Roten Riesen zu, durch den Eingang nach unten und sieht, wie ihre Freunde vor etwas davon laufen. So unvermittelt die Vision auftaucht, so rasch ist sie hinfort. Keuchend zieht sie scharf Luft ein. Elfenbein stupst sie mit seiner Nase an. Etwas zieht sie zum Berg. Sehnsüchtig starrt sie in die Ferne.

Der Hippogriff beginnt sich zu regen. Als hätte er ihre Sorge gespürt, geht er in die Knie und senkt das Haupt zu einer eindeutigen Pose. Azina schaut kurz zu Elfenbein und sieht, dass er der gleichen Ansicht ist. Dann gehen die beiden auf das Vogelwesen zu und steigen vor Ehrfurcht zitternd auf seinen Rücken.

Kaum sitzen sie auf, stößt er sich mit einem Ruck vom Boden ab und gewinnt rasch an Höhe. Nach kurzer Zeit hat er die Spitzen der Wolken erreicht. Azina hat Mühe sich und Elfenbein auf dem schwankenden Rücken des Hippogriffen festzuhalten. Verzweifelt krallt sie sich mit den Händen in die Federn an seinem Hals und mit ihren Beinen umklammert sie seine Mitte. Dennoch findet sie die Zeit, an seinem rauen Gefieder vorbei nach unten zu schauen und die atemberaubende Aussicht zu genießen. Etwas Vergleichbares hat sie noch nicht erlebt. Noch nie hat sie Aventurien von so hoch oben gesehen. In der Ferne gen Praios kann sogar sie die vertrauten weiten Ebenen ihrer Heimat Aranien erblicken. Auf einem Plateau des Roten Riesen kann sie hektisches Treiben erkennen. Der Hippogriff fliegt instinktiv darauf zu.

Als sie näher heran fliegen, kann sie eine große Menge Menschen auf dem Gipfel des Berges sehen, die wie Ameisen hektisch aus dem Berg strömen und hin und her wuseln. Auf einmal erzittert der Rote Riese. Sie kann noch nicht unterscheiden, ob das ohrenbetäubende Kreischen vom Berg oder von dem riesigen mehrgliedrigen wurmartigen Dämon stammt, der just aus dem Gestein hervorbricht und sich drohend vor der verängstigten Menge aufbaut. Sie zögert nicht lange und drückt dem Hippogriff mit der einen Hand nach unten, während die Andere Firuns Speer im Sturzflug direkt auf den Dämon wirft. Wie ein blauer Blitz schlägt der Speer des Alten in den Körper des Dämons ein. Dieser kreischt laut auf.

Ja, es war der Schrei des Dämons!! Zufrieden nickt sie innerlich.

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib IV

hier gehts zum vorherigen Teil

Bestehen der Prüfung

Gemeinsam mit Elfenbein kehrt sie ergriffen zum Schwanenthron zurück. Dieses Mal fällt es ihr ungleich leichter, sich mit geschlossenen Augen durch das dichte Unterholz fortzubewegen. Ohne hinzusehen, setzt sie sich erneut mit überkreuzten Beinen auf den Felsen und verschmilzt gedanklich mit der Natur. Nach nur kurzer Zeit explodiert die gesamte Umgebung um sie herum in leuchtendem Blau. Sie ‚sieht‘, wie sich das Meer der Bäume im Winde wiegt. Sie hört eine wohlklingende Melodie, die von diesem Wald ausgeht. Sie beginnt sich in ihrem Takt zu wiegen, geht in Gedanken von Baum zu Baum und tanzt im Gleichklang mit der Natur. Es ist ein schönes Gefühl. Nie war sie ihrer Geliebten Natur näher. Fasziniert saugt sie die Eindrücke in sich auf.

Doch plötzlich, auf ihrem mentalen Weg über die Schönheit, unterbricht etwas die Harmonie des Waldes. Weit entfernt sieht sie ein verheerendes Ungleichgewicht. Der Gleichklang ist dort verzerrt. Als sie ihre Aufmerksamkeit auf die Quelle der Unreinheit richtet, erstrahlt direkt vor ihr der Rote Riese in einem brennenden Rot. Nervöse Energieblitze zucken um ihn herum. Aus seinem Bauch dringen blutrote Schlieren, wie aus einer klaffenden Wunde. Abrupt wird ihr Bewusstsein auf die Lichtung zurückgeschleudert. Keuchend reißt sie die Augen auf und realisiert nur langsam, was vorgefallen ist. Ihr trüber Blick sucht den Roten Riesen. Stumm liegt er da. Und doch … etwas regt sich. Sie ist beunruhigt. Sie zittert am ganzen Körper. Sie spürt nun auch den Schmerz des Waldes. Erst jetzt fällt ihr auf, dass Elfenbein nicht mehr bei ihr liegt. Es ist kalt. Er fehlt ihr. Es ist, als wurde ein Teil von ihr genommen.

Einer Eingebung folgend und weil sie zuvor zwischen den Klängen der Melodie auch die gegenwärtige Kälte gespürt hat, die von den Pflanzen besitzt ergreift, erhebt sie sich und schlurft müde und erschöpft zu einem der Bäume, die dem eisigen Wind in besonderen Maße ausgesetzt sind. Sie zieht den kalten Baum in eine hingebungsvolle Umarmung. Ihren Kopf bettet sie gegen den Stamm. Fast scheint es ihr, als seufzte der Baum, doch es könnte auch Einbildung sein, hervorgerufen durch ihren Wunsch, seinen Schmerz zu lindern.

Wie lange sie geschlafen hat, weiß sie nicht. Als sie erwacht, ist es Tag. Sie schaut sich nach Elfenbein um. Die frischen Spuren zeugen davon, dass er zwischendurch hier vorbeigekommen ist. Gerade wollte sie sich erneut auf den Felsen setzen, um ihre Meditation fortzusetzen, als sie ein ungutes Gefühl beschleicht. Eine finstere Ahnung reift in ihr heran. Stirnrunzelnd beschließt sie, den Spuren zu folgen, um sich seines Verbleibes zu vergewissern. Sie vermisst ihn schrecklich. Vermisst seine Wärme, seine Verspieltheit und seine Zuneigung. Ja, sie mag diesen riesigen Wolf, der eine solche Lebensfreude ausstrahlt. Ganz im Gegensatz zu Ebenholz, der irgendwie kalt zu sein scheint. Wie sagte Darnan vor ein paar Tagen?: “Firun wollte euch sterben lassen. Nicht umsonst ward ihr der Kälte erlegen. Ifirn hat euch gerettet.“ War Elfenbein jener weiße Wolf? Elfenbein, der Ifirn im Wesen so ähnlich ist?

Sie packt Firuns Speer und folgt den Spuren ihres neuen Freundes. Die großen Pfotenabdrücke sind im Schnee gut zu erkennen. Sie läuft noch nicht lange, als sie Stimmen vernimmt. Raue Stimmen, die über etwas diskutieren. Sie bleibt stehen und schließt konzentriert die Augen. Ihre neue Wahrnehmung tastet sich vorwärts – zwischen den blauen Baumstämmen hindurch bis sie wieder auf ein rotes Leuchten fällt. Rasch tasten ihre Sinne die Konturen ab. Da liegt Elfenbein im Schnee. Schmerz breitet sich in ihr aus. Rote Blitze zucken aus seiner linken Flanke. Da, wieder diese Stimmen. Vor Elfenbein stehen drei zerlumpte Männer und entscheiden gerade, dass sie den anmutigen Wolf für ihren Eintopf verwenden möchten. Zorn durchflutet sie. Ihr Griff um den Schaft des Speeres wird fester.

Plötzlich regt sich der Speer. Er beginnt zu pulsieren. Er versucht Verbindung zu ihr aufzunehmen. Er … Er möchte geworfen werden! Grimmig starrt sie die eisblaue Waffe an. Soll dieses Mal Firun seine Tochter retten? Ohne weiter zu überlegen, reißt sie den Arm nach hinten und … sieht ihr Ziel klar vor Augen: die rot umrandeten Silhouetten flackern vor ihren geschlossenen Lider auf und ab … sie wirft, wirft, wie sie noch nie geworfen hat, hoch über die niedrigen Tannen hinweg.

Und verfehlt ihr Ziel: Den Schritt Platz zwischen den Männern und Elfenbein. Stattdessen bohrt sich die lange scharfe Speerspitze von oben direkt in die Schulter eines Mannes, der daraufhin laut aufschreit. Sie sieht noch, wie sich die anderen beiden erschrocken umschauen und sich bereit machen sich zu verteidigen, als sie auch schon unbewaffnet nach vorne durch das Dickicht spurtet.

Der Bogen eines kleingewachsenen Banditen zuckt unschlüssig hin und her ehe Azina zwischen den Bäumen hervortritt. „Haltet ein! Ich bin die Botin Firuns! Es war ein Versehen! Lasst mich nach der Wunde sehen.“ Sagt sie und schreitet mit erhobenen Händen langsam auf sie zu. Der Getroffene windet sich am Boden, der Speer steckt tief in seiner Schulter. Die anderen beiden wenden sich ihr mit gezogenen Waffen zu und fragen barsch nach ihrem Begehr. Als sie zu einer Erklärung ansetzt, bedauert sie, dass sie ihren Speer nicht mehr in den Händen hält, als, völlig unvermittelt, ein schmatzendes Geräusch, gefolgt von einem lang gezogenen Schmerzensschrei zu hören ist. Die drei Stehenden starren verblüfft auf den Speer, der geradewegs in Azinas ausgestreckte Hand fliegt. Während die junge Jägerin ihn noch ungläubig anstarrt, nehmen die Männer brüllend Reißaus. Ihren verblutenden Kameraden lassen sie zurück. Azinas Brustkorb hebt und senkt sich heftig. Verwirrt steht sie einfach nur da. Erst ein Winseln von Elfenbein holt sie in die Gegenwart zurück. Rasch eilt sie zu ihm, zieht den Pfeil gekonnt heraus und verbindet die Wunde notdürftig mit ihrer eigenen Winterkleidung – Fell auf Fell. Für den armen Mann kam jede Hilfe zu spät. „Erneut ein Opfer. Es tut mir leid.“ Sie schlägt ein Boronsrad über den Verstorbenen und bedeckt ihn notdürftig mit Schnee. Dann kehren sie langsam zum Schwanenthron zurück. Unterwegs verwischt sie ihre Spuren sorgfältig. Am Thron angekommen versucht sie sich halbherzig noch einmal daran, das Geschehene zu wiederholen: Sie wirft den Speer über den Felsen hinweg in den Schnee und versucht ihn mit einer einladenden Geste zurück zu holen. Doch nichts passiert.

Sie zieht eine Schnute, lässt den Speer einfach im Schnee stecken und setzt sich erneut auf den Felsen. Dieses Mal, mit Elfenbein an ihrer Seite, gelingt es ihr, sich vollkommen mit der Natur zu vereinen. Sie selbst wiegt gemeinsam mit ihrem Bewusstsein im Takt zur Melodie des Waldes. Sie kann nicht nur die Bäume und den Wind wahrnehmen, sondern auch die Lebewesen, die sich in diesen Wäldern aufhalten. Sich selbst sieht sie nun als Teil dieses Waldes. Sie lächelt. Jetzt weiß sie, was die Elfen und Druiden wahrnehmen. Es ist vollkommen!

Erneut belastet etwas ihre Konzentration. Der Rote Riese! Wieder zucken rote Blitze aus seinem Bauch heraus. Der Berg weint. Und nicht nur der Berg. Auch die angrenzenden Bäume und der Schnee scheinen unter der verderbten Last zu flackern. Eine einzelne Träne läuft ihre Wange hinab, so intensiv ist der fremde Schmerz, den sie fühlt, dass selbst ihre eigene innere Kälte aufweicht.

Knirschende Schritte lenken ihre Aufmerksamkeit vom Berg ab.

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Azinas Gedanken

Azinas Verbleib III

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Die Prüfung

Sie kehren als Meister und Schülerin zur Hütte zurück. Ehe Azina sich wieder zur, dringend nötigen, Ruhe bettet, möchte sie Bakkus‘ Leichnam einen Besuch abstatten. Mit zusammengepressten Lippen und zitternden Fäusten betrachtet sie ihren treuen Jagdhund einen Augenblick lang schweigend.

„Was machst du nur? Was sollte das? Ach Mensch Bakkus!“ Sanft streichelt sie seinen Kopf. Krault ihn hinter den Ohren, wie er es so gerne mochte. „Ich danke dir! … Ich danke dir für die Zeit, die ich an deiner Seite verbringen durfte. Ruhe in Frieden mein kleiner Freund. Möge deine Beute dir in Firuns ewigen Jagdgründen niemals entkommen.“ Ergriffen segnet sie seinen Leichnam ihrem Herrn, schlägt ein Boronsrad und deckt ihn mit zitternden Händen wieder zu. Zwei stumme Tränen entrinnen ihren trüben Augen. Traurig wendet sie sich ab.

Ein leises Stöhnen aus der Ecke des Schuppens schreckt sie aus ihren Grübeleien. Ihr Blick fällt auf Garnan, der gelassen im Türrahmen steht. Misstrauisch nähert sie sich der Quelle des Geräusches. Dort in einer Nische liegt Shakriin Boran besinnungslos auf einem Fell. Er ist ebenfalls schwer verletzt und verarztet worden. Garnan beobachtet die Tulamidin ganz genau, als sie vor dem Trollzacker umständlich in die Knie geht und seine körperliche Verfassung begutachtet.

Woher seine Verletzungen wohl herrühren? Vielleicht hat er noch weitere Eiszapfen abbekommen, ohne dass ich es mitbekam. Ist das die Antwort auf die Frage, warum ich noch lebe? Sie seufzt schwer. Ich trage dir meinen Verlust nicht nach Shakriin. Ich kann mir vorstellen, was du fühlst. Wir sind alle Narren und lassen uns blenden. Du von deiner Wut und ich von meiner Naivität. Nun haben wir mit dem Leben unserer Kameraden dafür gebüßt. Denn auch du hast große Verluste erlitten. Ich hoffe, du kannst mir vergeben, dass ich deine Gefährten tötete. Jedoch mussten wir uns verteidigen! … Erhol dich erst einmal. Wir werden uns später unterhalten. Vielleicht gibt es einen Weg uns gegenseitig zu helfen. Gemeinsam werden wir einen Weg finden die verschwundenen Personen zu retten.

Am nächsten Morgen geht es ihr schon etwas besser. Sie kann wieder einigermaßen laufen und lässt sich von Garnan, eingehüllt in ihre Winterkleidung und bewaffnet mit ihrem Speer, zu einer Lichtung im Wald führen, inmitten jener ein großer flacher Findling liegt. Garnan nennt ihn geheimnisvoll Schwanenthron. Er erklärt ihr knapp und bedeutungsvoll: „Wer im Einklang mit der Natur ist, dem schadet sie nicht. In drei Tagen komme ich wieder.“ Mit diesen Worten lässt er sie zurück. Unschlüssig, was sie nun tun soll, steht sie noch einige Zeit untätig da. Schließlich setzt sie sich – einer Eingebung folgend – im Schneidersitz auf den Felsen. Der Speer ruht waagerecht auf ihren Oberschenkeln, während sie versucht ihren Geist zu leeren und an nichts zu denken.

Im Einklang mit der Natur. Erinnert sie sich an seine deutungsschweren Worte. Sie versucht zunächst ihrer Umgebung zu lauschen. Lange sitzt sie da und horcht auf die verschiedenen Geräusche des verschneiten Waldes. Doch sie kann nichts festhalten. Sie wird unruhig. Sie spürt die Kälte immer stärker, bis sie schließlich von ihren Gedanken Besitz ergreift und ihre Meditation unterbricht. Sie schaut sich irritiert um. Sie sitzt noch immer auf dem Felsen. Sie hat jegliches Zeitgefühl verloren. Über dem Wald leuchten die Sterne am wolkenlosen Himmel. Sie versucht die Kälte zu ignorieren; sie aus ihren Gedanken zu verbannen und schließt erneut die Augen. Dieses Mal versucht sie sich an etwas Einfacherem. Sie konzentriert sich nur auf eine einzige Sache: Das Rauschen der Bäume im stetigen Wind. Es gelingt ihr tatsächlich, sich auf das Rauschen einzustimmen und sämtliche anderen Geräusche auszublenden. Zwar spürt sie die Kälte noch immer; doch sie ist nicht mehr allgegenwärtig. Sie beherrscht nicht mehr ihr Sein. Nach einer kleinen Weile unterbricht ein leises Geräusch die scheinbare Monotonie des Waldes. Es sind langsame Schritte, die im Schnee knirschen. Irgendetwas nähert sich ohne Zögern der Lichtung. Was mag das wohl sein? Sie schalt sich innerlich und versucht auch dieses Geräusch auszublenden und wieder nur das Rauschen der Bäume wahrzunehmen. Vor dem Schwanenthron verstummen die Schritte und plötzlich spürt sie, wie sich etwas Warmes, einem Mantel gleich, um sie legt. Nach einer Weile weicht die Kälte aus ihrem Körper und ein Gefühl der Wonne durchströmt sie. Nun gelingt es ihr, sich vollkommen auf die Natur einzustimmen. Sie ‚ fühlt‘ das sanfte Wiegen der Tannen nun mehr als sie es hört. Lange sitzt sie so da. Wie lange weiß sie nicht. Doch die Anstrengung beginnt ihren Tribut zu fordern. Sie ist müde. So unterbricht sie die Trance und öffnet die Augen. Erstaunt sieht sie Elfenbein um sich liegen. Vorsichtig streichelt sie ihm den Hinterkopf. Er lässt sie gewähren und kuschelt sich sogar noch enger an sie. Zufrieden tut sie es ihm gleich und schläft ein.

Am nächsten Morgen macht ihr Elfenbein ein gefangenes Kaninchen zum Geschenk. Sie nimmt es dankbar an. Anschließend nimmt sie es mit Hilfe ihres Speeres aus und entfacht umständlich ein Feuer aus trockenen Ästen im Schatten des Findlings. Sie gart das Fleisch gewürzlos auf offener Flamme. Elfenbein tut sich erst an den Innereien gütlich und erhascht später noch eine knusprige Keule.

Nach dem Mahl kuscheln sie sich wieder auf den Felsen und versuchen sich gemeinsam auf die Umgebung einzustimmen. Aber so recht mag ihr das dieses Mal nicht gelingen, obwohl ihr Elfenbein genügend Wärme spendet. Also stehen sie auf und vergnügen sich, angestiftet vom lebhaften Elfenbein, spielerisch im Schnee. Ihr fällt zwar auf, dass er sich ihr und ihrer Verletzungen zuliebe sehr zurückhält. Aber es macht ihr nichts aus. Denn sie hat so viel unverfänglichen Spaß, wie schon lange nicht mehr.

Völlig außer Puste nimmt Azina wieder auf dem Felsen Platz. Es fällt ihr nun sehr leicht, sich auf die inzwischen wohlbekannten Baumwipfel zu konzentrieren. Erneut spürt sie die wogenden Kronen mehr als sie sie hört. Fast sogar meint sie sie zu ‚sehen‘. Kurze blaue Lichtblitze tauchen vor ihren geschlossenen Augen auf. Langsam, sehr langsam, kann sie erahnen, wo die Lichtblitze herkommen. Sie stammen von den Bäumen selbst! Es scheint, als fahren sie an den Konturen der Äste entlang. Sie konzentriert sich nun verstärkt auf einen einzelnen Baum. Und schon nach kurzer Zeit kann sie ihn beinahe komplett wahrnehmen. Plötzlich taucht in der Ferne ein greller roter Blitz auf, der sie aus der Konzentration reißt. Elfenbein springt beherzt vom Felsen und deutet ihr ihm zu folgen. Wagemutig schließt sie erneut die Augen während sie langsam weiterläuft. Der weiße Wolf führt sie zielstrebig und sicher durch das dichte Gehölz. Hier und da stößt sie sich zwar an Zweigen und stolpert über Wurzeln. Doch mit der Zeit scheint es, als würde sie den Hindernissen instinktiv ausweichen. Auch hier scheinen blaue Blitze die Konturen der Bäume nachzeichnen. Fasziniert staunt sie über diese neue Ansicht.

Erneut flammt der intensive rote Blitz auf. So intensiv, dass sie erschrocken die Augen aufreißt. Was sie sieht, lässt beinahe ihr Herz still stehen.

Nicht einmal vier Schritt vor ihr erhebt sich ein gewaltiger Hippogriff drei Schritt in die Höhe. Sein rasiermesserscharfer Schnabel ist blutverschmiert. Die kräftigen Flügel schlagen bedrohlich auf und ab und erzeugen einen starken Luftzug, der ihr die Feuchtigkeit aus den aufgerissenen Augen treibt. Seine krallenbewehrten HippogriffVorderbeine fuchteln wild in der Luft herum. Alles in ihr schrie nach Rückzug. Sie geht langsam in die Hocke und legt ihren Speer auf den Boden. Doch der Hippogriff macht keine Anstalten sich zu beruhigen. Immer wieder schlägt er mit den Flügeln und kreischt markerschütternd. Ihr ist bewusst, dass ein einziger Schlag von ihm ausreichen könnte, um sie außer Gefecht zu setzen. Ihr ganzer Körper steht unter Spannung als sie sich vorsichtig rückwärts bewegt.

Sie geht etwa 15 Schritt nach hinten und setzt sich auf einen Baumstumpf. Das Mischwesen beäugt sie zunächst noch misstrauisch, labt sich dann schließlich doch weiter an seiner Bergziege. Die junge Jägerin schließt die Augen. Ihre Hand sucht Kontakt zu Elfenbein. Sogleich gelingt es ihr, sich auf die Umgebung einzustimmen. Sie konzentriert ihr Bewusstsein auf das mächtige Wesen vor ihr. Nach und nach, beginnen rote Energieblitze die Silhouette des Hippogriffes nachzuzeichnen. Sie spürt die unbändige Kraft, die von dieser beindruckenden Kreatur ausgeht, als sie immer wieder ihren Schnabel in das Fleisch ihrer Beute schlägt und große Stücken herausbricht und im Ganzen verschlingt.

Als der Hippogriff fertig ist, schaut er sich noch einmal prüfend um und erhebt sich mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte. Azina schaut ihm ergriffen nach. Ein Hippogriff? Hier in den Trollzacken? Welche Geschichte mag damit zusammenhängen? Vielleicht sehen wir ihn bald wieder.

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Azinas Gedanken