Was für ein Durcheinander! Es wird Zeit, dass Sieghelm wieder kommt und diesen unkoordinierten Haufen Querdenker in die richtige Richtung lenkt. Mit jeder Stunde, die wir hier vertrödeln, könnte sich Boran entschließen, nicht mehr bei Garnan zu verweilen. Er dürfte inzwischen gesundet und zum Aufbruch bereit sein. Ich kann nur auf Firun vertrauen, dass Garnan ihn noch zurückhält bis wir mit Blut dort ankommen, um den Angriff der Trollzacker abzuwenden. Seltsam ist jedoch, dass sich diese Stümper vom Provinzmilitär scheinbar keine Gedanken um Informationen über diese sogenannte ‚Belagerung“ machen. Oder sie halten die Informationen schlicht zurück … oder bauschen sie auf … aber das sie einfache Landwehr einsetzen, um mich zu überwachen, sagt ja schon alles aus. Diese ganze Scharade war doch mehr Schein als Sein. Als ob mich Leutnant Kohlhütten alleine daran hätte hindern können dem Gerichtssaal zu entfliehen. Lachhaft. Aber es hätte unangenehme Komplikationen nach sich gezogen. Es war schlicht zwecklos dem Vogt sein Papier zu verweigern. Und als sie erzählten, was für eine Art Befragung dies ist, und klar war, das ich beeinflussen konnte, was Nehazet sieht, war die Farce eher lästig, als bewegend.
Wenigstens bin ich nun vorbehaltlos … wobei es nach unserem jetzigen Aufbruch bereits anders sein wird. Aber ich habe sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sie…
„Azina!“ unterbricht Mædnir flüsternd ihre Gedanken. Sie lässt sich langsam zu ihm zurückfallen. „Wir werden verfolgt.“ „Ein Offizieller?“ antwortet sie ebenfalls flüsternd. „Nein.“ „Willst du oder soll ich?“ Der Mann von einem Bär schaut an sich selbst hinunter. „Zu auffällig.“ Sie nickt nur, obwohl sie sich denkt: Und ich mit meinem glimmenden Speer, dem weißen Fellumhang, dem Falken und dem riesigen weißen Wolf nicht? Aber sie verschwindet dennoch um die nächste Ecke.
So jetzt noch einen Augenblick warten … mal sehen, wer uns da verfolgt. … Niemand? Wo ist er hin? … Er muss hinten entlang sein. „Komm Elfenbein.“
Ihnen gelingt es mühsam, eine frische Spur kleiner Abdrücke ausfindig zu machen. Ihr kommt in den Sinn, um wen es sich handeln könnte und seufzt innerlich. Kurz vor dem Portal sieht sie ihn hinter einer Häuserecke stehen. Sie macht kurzen Prozess: sie packt den überraschten Jungen am Nacken und wirft ihn rücklings in den weichen Schnee. Er macht große Augen und stammelt nur: „Tötet mich nicht“, als sie ihm das stumpfe Ende ihres Speeres gegen den Hals drückt.
„Du hast nichts gesehen! Wer hat dich geschickt?“ herrscht sie ihn an. Sie greift nach ihrem Geldbeutel … weg … Ach ja, der liegt ja noch bei Garnan. Argh. Sie zögert. Was nun? Wie bringe ich den Burschen verträglich bei, dass er den Mund halten soll? Einfach abstechen, wäre ehrlos. Außerdem ist es ein Kind! „Der Vogt schickt mich.“ Antwortet es. Sich unsicher auf ungewohntes Terrain begebend, fährt sie fort: „Ich gebe dir ein Silberstück, wenn ich wieder komme und du dem Vogt nichts von uns erzählst.“ „Ja, aber ich bin nicht käuflich! Ich bin nur der Junge, der immer alles weiß und immer alles sieht, was soll ich denn sagen?“ stammelt er.
Tja, was soll er sagen? Dass wir durch das Tor gegangen sind? Nein, das ist leicht zu überprüfen und würde zu lange dauern. Was bleiben denn für Alternativen? Völlig egal, was der Bursche erzählt, der Vogt wird es sowieso wissen. Ich kann nur hoffen, dass er nicht genau gesehen hat, wo die anderen hingegangen sind. Sollten wir wieder hier her zurückkommen, können wir nicht einfach durch das Portal spazieren. Sie werden uns erwarten. … Ach was solls, ich hatte sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sieghelm befreit haben.
Sie behält ihre strenge Miene bei, als sie ihm droht: „Wehe, du erzählst dem Vogt, was du gesehen hast. Ich werde herausfinden, wenn du etwas gesagt hast und dich finden!“ Sie drückt noch einmal gefühlt sachte mit dem Speer gegen seinen Kehlkopf. „So, und nun verschwinde!!“ Sie nimmt ihren Speer von seinem Hals und untermauert ihre Aussage mit einer herrischen Geste. Sie sieht ihm nach bis er außer Sicht gerannt ist und kehrt zu den anderen zurück.
Ah, dann verschleiert Nehazet also den Zugang. Sehr gut!
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Azinas Gedanken