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sang- und klanglos

– Grombasch –

Den Rabenschnabel schlagbereit im Rücken, rennt Grombasch Sohn des Dramosch brüllend auf den riesigen Wurm zu. Er ist dem Tode näher dem Leben. Er atmet schwer und kann sich nur kaum auf den Beinen, geschweige denn die Waffe, halten. Seinen Königshammer hat er zum Wohle aller fortgegeben. Seine einst stolze Rüstung weist deutliche Makel auf. Dennoch stürzt er sich mit einer solchen Inbrunst auf den dämonischen Feind, dass jeder andere Gegner aus Furcht davon gelaufen wäre. Nicht so dieser viergehörnte Dämon aus Agrimoths Domäne. Er bemerkt ihn nicht einmal.

Das ändert sich rasch, als der Angroschim seinen wasserelementbeseelten Hammer tief in dessen Bauch schlägt. Schwarzes Blut spritzt dem Wackeren entgegen. Sich der Gefahr bewusst, schnellt ein schnabelbewehrter Tentakel des Dämons heran, gräbt sich in die Brust des Zwerges und hebt hin mehrere Schritt in die Luft. Der Geisterkrieger von Heerführerin Jane Pedderson setzt dem Tentakel noch nach und trennt ihn mit seinen schimmernden Doppelkunchomer beinahe durch. In der Bewegung gebremst öffnet sich das Maul und Grombasch wird über die Klippe geschleudert.

Soll es so enden? Was habe ich falsch gemacht, dass du mich so hart strafst Angrosch?

Während des Fluges blickt er noch einmal auf das Schlachtfeld. Leichen sind auf dem Plateau nur wenige zu sehen. Stattdessen liegen viele tapfere Männer an den Hängen des roten Riesen. Zerschmettert an den Flanken des Berges. Einfach in den Wind hinausgeschleudert von einem feigen Dämon.

Ich hatte noch so viel vor. Ich bin doch gerade erst 37! Ich will noch nicht sterben!! Jetzt war ich fünf Götterläufe im Exil und tat Buße. Ich habe doch noch so viel zu tun. Wer soll die Schätze dieses Berges bewachen? Wer soll diesen armen Berg mit neuem Leben füllen? Wer soll – bei deinem langen Bart – den ganzen Schnaps austrinken??!! Angrosch, bitte hilf mir …

„SCHEIß DRECKSVIIIIIIIEH!!!“ Brüllt er noch in das Tal, ehe er mit einem Krachen und Scheppern auf nacktem Fels aufschlägt und sofort tot ist.

Oben auf dem Gipfel geht der Kampf ununterbrochen weiter. Ein warmer Regen setzt ein. Verwundete und totgeglaubte erheben sich. Auch Grombasch steht auf und kämpft sich den Berg hinauf. Seinen Hammer in den Händen wiegend starrt er grimmig auf den Dämon. Erneut setzt er zum Sturmangriff an. Den entweihten Boden ignorierend schwingt er den Rabenschnabel in einem weiten Bogen direkt durch den Bauch des Unholds. Hindurch, ohne eine Spur zu hinterlassen. Verwundert starrt er zunächst an der Waffe und dann an sich herab. Er ist ohne Substanz!

„AAAAAAAARRRGGH!!“ Zornig über seinen Tot wütet er so lange bis der Dämon über ihm tot zusammenbricht. Nur war es nicht sein Verdienst. Seine Kameraden haben den Achorhobai bezwungen! Beruhigt lässt er den Hammer sinken. Der entweihte Boden verschwindet. Der Fels heilt. Er sieht zu, wie der Hippogriff landet, wie die Verletzten versorgt und die Toten betrauert werden. Um ihn herum stehen weitere wackere Kämpfer und spähen nach ihren Körpern. Er sieht, wie Thornia an seiner Leiche weint und ihm die Angroschinsignien abnimmt. Doch niemand sonst kümmert sich um ihn. Er ist traurig.

Was habe ich erreicht? Nur Tot und verderben zeichnen meinen Weg. So sterbe ich hier. Allein. Auf nacktem Fels.

Der uralte Zwergenpriester aus dem Berg erscheint plötzlich an Rand des Abgrunds und hält eine kurze lobende Ansprache an die Helden und dankt ihnen im Namen seines Volkes für die Befreiung des Berges. Grombasch merkt, wie ihn der Alte einen kurzen Wimpernschlag lang direkt in die Augen schaut. Noch während seiner Rede beschwört er den Priester:

„Ich bitte euch. Übergebt meinen Körper dem Gestein. Ich will im Tode schaffen, was mir im Leben verwehrt blieb. Dieser Berg soll mein Schicksal sein.“

„So forme ich den Fels mit nach meinem Willen.“ Spricht der Zwergenpriester und schlägt mit dem Hammer des Ingerimm auf den Amboss ein. Sogleich bildet sich eine Treppe vom Felsplateau nach unten in das Tal. Von allen anderen unbemerkt unbemerkt versinkt der Körper Grombaschs im Gestein.

„Ich danke dir.“ Grombasch verbeugt sich vor dem Geist des versteinerten Priesters. „Danke mir nicht, möge deine gepeinigte Seele eines Tages ihre verdiente Ruhe finden.“ Mit diesen Worten löst er sich auf. Grombasch blickt den schwebenden Teilchen noch kurz nach. Dann verfinstert sich seine Mine zu einem grimmigen Blick, ehe er langsam im Berg versinkt. Sein letzter neidvoller Blick richtet sich auf die Lebenden.

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Dröhnendes Hämmern klingt aus dem Berg. Grober Gesang schallt durch die Halle. Ein einzelner Zwerg in Kettenrüstung sitzt auf der Bank. Vor sich einen Krug stehend, haut er im Takt seiner Trinklieder den Rabenschnabel gegen die glatt polierten Wände.

Man könnte meinen eine ganze fröhliche Gesellschaft belebt die altehrwürdige Halle. Doch es ist nur ein armer einzelner toter Zwerg.

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Grombaschs letzte Gedanken

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