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Eindringlinge

— als Geist von Grombasch Sohn des Dramosch —

Ruhelos gleitet der Geist des Zwergen, den man einst Grombasch nannte, durch die großen Hallen der alten ehrwürdigen Zwergenstadt unter dem roten Riesen. Wachsamkeit ist seine Aufgabe. Die Ruhe der Stätte darf nicht gestört werden, bis wieder Zwerge in ihr leben.

„Dam, Dam, hier unterm Berg,

Dam, Dam, hier lebt ein Zwerg,

Dam, Dam, der aufpasst hier,

Dam, Dam, dass hier keinerlei Getier

Dam, Dam, kein Eindringen gelingt mit mir!!“

 

So singt die arme verlorene Seele zeitlos vor sich hin. Als auf einmal Lebende die Höhle betreten. Der Geist kann es kaum glauben! Wer stört hier diese Stadt? Sind es Zwerge, haben sie ihn gefunden? Oder sind es EINDRINGLINGE?

„Hey da, was ist euer Begehr?“ Stellt er sind ihnen entgegen. Doch sie laufen alle durch ihn hindurch. „Hey! Antwortet gefälligst!! Hier geblieben. Ihr dürft hier nicht rein! Gebt euch zu erkennen!!!“

Doch die flimmernden Lichter gehen einfach weiter. Unterschiedlicher Art und Form sind sie. Sie ignorieren ihn, fassen eine Statue an und betreten einen Raum. Der Geist versucht mehrfach sie aufzuhalten. Am Ende prügelt und schlägt er mit seinem Rabenschnabel wild auf sie ein. Bis er sich selbst dabei verletzt, denn der Eine führt Geisterbann mit sich. Der Geist ist nun vorsichtiger, brüllt die Lichter jedoch unentwegt an, sie mögen verschwinden.

Weitere Lichter kommen hinzu. Auch sie reagieren nicht auf ihn. Dabei ist er hier doch dafür zuständig, dass keine Unbefugten diese Höhle betreten!

Eines der Wesen versperrt plötzlich seine Sicht und schließt ihn schließlich in eine Kammer ein. Versucht er zu entkommen, löst er sich auf.

„Schrecklich, so ein Hexenwerk! Was tun sie denn hier? Sie sollen verschwinden! So langsam werde ich richtig WÜTEND!!“

Es öffnet sich ein Spalt und er beginnt erneut auf die Gestalten einzudreschen, doch wieder ohne Wirkung. Im Gegenteil. Eines der Lichter greift ihn an, nachdem er zuvor ein Knurren vernahm. Grauselig. Der Geist beschränkt sich nun abermals auf lautes Brüllen und Rufen. Immer wieder schreit er die Gestalten an.

„Verschwindet! Macht, dass ihr wegkommt!! Bei Angroschs heißer Esse! Ich werde euch alle vernichten!! VERSCHWINDÄÄÄT!!!“

Irgendwann beginnt eines der Wesen mit ihm Kontakt aufzunehmen, versucht mit ihm zu sprechen. Kurzzeitig sieht er sie. Eine junge Frau mit roten Haaren, sitzt auf dem Boden und redet mit ihm. Er hält dies für einen Trick und greift die Frau an. Doch ein doppeltes Bellen wirft ihn zurück. Dabei stößt er einen alten Krug um. Untröstlich, etwas aus diesen Hallen zerstört zu haben, versucht er es zu reparieren. Doch es gelingt ihm nicht. Verzweifelt versucht er die Scherben zu greifen, doch seine Hände gleiten einfach hindurch. Da setzt sich die Frau zu ihm und setzt die Scherben zusammen. Ihre Hände vereinen sich und gemeinsam schaffen sie es. Als sie von ihrer fertigen Arbeit aufblicken, sehen sie sich zum ersten Mal in die Augen.

Der Geist ist verwirrt. „Was, bei allem Hexenwerk, ist denn nun passiert? Und wer bist du?“

Delia hat Grombasch natürlich sofort erkannt und redet behutsam auf ihn ein: Sie sagt, sie wollen nur ihren Mann befreien und dann gehen sie wieder. Doch der Geist glaubt ihr nicht, sagt, sie sollen sofort von hier verschwinden. Delia meint nur, sie waren schon einmal hier gewesen, gemeinsam. Er fordert einen Beweis. Delia sagt, wie weiß, wo sich der Schnaps befindet und fliegt hin, um es ihm zu beweisen. Der Geist folgt ihr.

Dort muss er feststellen, dass sie die Wahrheit sagt. Überdies überfällt ihn Schwermütigkeit, weil er nichts von dem Schnaps trinken zu trinken vermag. Beruhigt, aber traurig, machen sie sich auf den Rückweg zur Ritualkammer.

„Nun gut, befreie nur deinen Mann … aber dann verschwindet ihr!“

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Gedanken eines verwirrten Geistes

 

Der Traum vom Fliegen

Sie streift mit ihren nackten Händen über die rauen biegsamen Federn. Sie spürt, wie sich die kräftigen Muskeln darunter auf und ab bewegen, wenn er mit seinen riesigen Flügeln schlägt und der ganze Körper darauf antwortet. Seine Wärme steigt in ihr auf, verdrängt die beißende Kälte des Windes. Sie schließt die Augen und atmet tief ein; den Duft der Freiheit. Dann legt sie ihren Kopf an den gefiederten Hals. Er stutzt kurz und schaut sich nach ihr um. Fast könnte man meinen, er lächle, wenn ein scharfer Krummschnabel denn lächeln könnte, ehe er sich wieder versonnen nach vorne wendet.

Eine Weile gleiten sie mit dem Wind. Ihr Körper ruht auf dem Seinigen. Ihr Geist löst sich langsam und gleitet nach unten und wird eins mit dem gefiederten Wesen. Nunmehr spürt sie seine Muskeln als wären es ihre eigenen. Auf und ab schlagen die Flügel. Ihre Krallen greifen ins Leere. Stark und tödlich. Der Schnabel öffnet sich zu einem langezogenen Schrei, der weit über die Landschaft hallt.

Langsam öffnet sie die Augen. Blickt hinrunter auf eine grüne endlose Hügellandschaft, deren hohes Gras sich wellenförmig mit dem Wind bewegt. Viele Mulden und Teiche sind zu erkennen. Wie kleine Ameisen sehen die Lebewesen von hier oben aus. Wie sie so wuselig umherstreifen, lässt sie lächeln. Sie sehen sie. Ahnen, wer über ihnen hinwegzieht. Mit einer Geschwindigkeit, die selbst hartgesottenen Seefahrern die Knie weich werden ließe. Sie aber fühlt keine Angst. Fühlt keinen Schmerz. Nur Geborgenheit und Glück und Freiheit.

Dann durchbricht sie eine Wand. Die Wand einer Kapsel der Zeit. Die Landschaft unter ihr ist noch die gleiche. Nur hat sie sich verändert. Doch nicht minder schön ist sie anzusehen. Statt der grünen Wiesen sieht sie nun eine weiche Schneedecke. Die Teiche sind zugefroren und das Schilf ist steif und mit Eiszapfen behangen. Nur einige Spuren, die von schwarzen Erdlöchern ausgehen, zeugen von Leben unter der Oberfläche. Alles andere verharrt in der Zeit. Wartet auf Tsas Schlüsselblume und Ifirns Gnade.

Klar und rein ist die Luft. Unverbraucht. Sie gestattet sich, sich für einen Augenblick selbst zu verlieren. Möchte bleiben. Für immer. Doch er schiebt sie sanft und doch bestimmt, zurück in ihren eigenen Körper. Ein letzter gemeinsamer Blick gilt einem Gebirge in der Ferne.

Ich danke dir, Zeitenflug.

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Azinas Gedanken

Nach Süden

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Sie haben einen gemeinsamen Traum. Von den Manikku geschickt. Er handelt von einem ihnen unbekannten Artefakt. Und diesem Traum folgen sie. Sie folgen den Erzählungen der der Alaani nach Süden. Weit in den Süden. Von den Nivesenlanden bis in das Diamantene Sultanat. Der Elf mit dem silbernen und die Nivesen mit dem roten Haar schaffen es dabei alle kulturellen Eigenheiten der durchquerten Lande zu umgehen, indem sie sich in der Nähe von Wäldern aufhalten und sich von ihnen ernähren. Unterwegs beschäftigen sie sich viel mit ihrer Musik und der Schönheit der Landschaft sowie mit ihrem eigenen kulturellen Erbe. Demzufolge sind sie vollkommen unbefleckt, als sie später das erste Mal in Kontakt mit den hiesigen Einwohnern treten.

Eines Abends treffen sie – völlig überraschend und unerwartet – die Dekurio, Verzeihung, die Optio Surtha aus dem Bosperanischen Reich wieder, die in nun geheimer Mission mit vier ihrer Legionäre nach Feinden ihrer Nation Ausschau hält. Die Optio nimmt die Begegnung mit ihren alten Bekannten weit weniger entspannt auf, als die beiden Nordländer. Gar hadert sie dem Schicksal, dass ausgerechnet hier,  ausgerechnet zu dieser Zeit und ausgerechnet diese Beiden ihren Weg kreuzen. Sie ahnt bereits, dass es sie viele Nerven kosten wird, diese entrückten Geschöpfe sicher durch die Lande zu geleiten und nebenher ihre höhst eigenartige Mission zu erfüllen. Denn prompt  haben sich der Bogenschütze und die Schamanin mit dem Verweis auf ihre göttliche Mission ihr und ihrem Gefolge angeschlossen und sorgen sogleich für ordentlichen Wirbel, da sie die Bräuche nicht kennen und sich den einen oder anderen Bardo leisten und leisten werden. So hat Kelva zum Beispiel dem Sohn der Hausherren ein rasch aus dem Schilf seines eignen Flusses gebasteltes Amulett als Gastgeschenk überreicht. Umso erstaunlicher ist, dass sie damit ungeschoren durchkommen. Ihre naive und unvoreingenommene Art scheint den hiesigen Herrschersohn so zu inspirieren, dass er sich – aus der Langeweile heraus – bemüht, mit Hilfe eines seltenen Buches, die Sprache der Nivesen, das Nujuka, zu erlernen, in der Kelva und Imion die ganze Zeit munter vor sich hin plappern.

So bestaunen sie dabei, was es hier so alles gibt und sind ganz fasziniert von den Lebensgewohnheiten und Bauweisen der Tulamiden. Auf Kissen sitzend genießen sie feinstem Tulamidischem Tee und vergleichen ihn ernsthaft mit dem Tuuki.

Sie treffen im Anwesen auch einen Brieffreund von Imion, der ihnen ein wenig über die Eigenschaften von Sanduhren erzählen konnte und ihnen Anhaltspunkte gab, was es damit auf sich haben könnte. Die erste Spur führt nach Elem (Selem), den Sündenpfuhl Aventuriens. Sofort sind Imion und Kelva bereit sich in die Sümpfe zu wagen. Denn Imion kennt sich mit Sümpfen aus! Doch Surtha sieht bereits die Probleme, die auf sie zukommen werden und rät ihnen davon ab.

Wie es nun mit ihnen weitergeht, wird die Zeit zeigen. Vielleicht gibt es im Hause des Herrschers noch den einen oder anderen Hinweis, der ihnen weiterhilft.

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Kelvas Geschicke

 

Wartezeit

Gemütlich sitzt Azina in ihrem schäumenden Badewasser. Spielerisch pustet sie ein wenig von dem Schaum von ihren ausgebreiteten Handflächen.

„Ich frage mich, wie lange ich hier noch verweilen muss. Mich dürstet es durch die Lande zu ziehen. Dämonen wollen gejagt werden. Vortexdiener gehören vernichtet. Und Menschen sollten für unsere – und für ihre – Sache eingebunden werden. Doch ich liege hier gemütlich im Wasser und lasse meine Füße mit Seife umspülen. Ist das nicht lächerlich Elfenbein?“

Sie schaut zu dem weißen Wolf hinüber. Er hat es sich vor der Tür bequem gemacht und schaut gelangweilt drein. Das Leben auf der Burg ist nichts für ihn. Frei muss er sein. Herumtollen auf Wiesen und zwischen den Bäumen. Es ist zwar ganz amüsant, dass sich die Leute immerzu vor ihm erschrecken. Aber das ist nur ein kleiner Trost in der steinigen Ödnis hier.

„Ja, ich weiß, dir geht es ebenso! Nun guck mich nicht so vorwurfsvoll an! Noch können wir nicht weg. Nicht solange die Gefahr eines Krieges besteht. Die Diplomaten im Thronsaal müssen erst die Weichen für unsere Basis stellen. Für die Ordensburg der SOS. Des Schutzordens der Schöpfung. Das war bisher das Beste was ich gehört habe. Natürlich kam es von Nehazet. Und es umgeht auch alle lästigen diplomatischen Windungen und Fallstricke von denen die anderen gesprochen haben. Das klingt ja auch alles durchaus sinnvoll. Ach, wenn nur nicht immer so viel Gewese darum gemacht würde, wer wem wann was wie sagt. Die Menschen sind sehr kleinlich und eitel. Das nervt total. Ich weiß schon, warum ich das alles hinter mich gelassen habe. Weißt du, Elfenbein, ich war früher genauso. Ich wurde dazu erzogen so zu handeln und mich einzufügen. Aber ein einziger kleiner Fehler … na gut, es war ein sehr großer Fehler … und schon ist man gesellschaftlich am Ende. Heute ist mir das gleich. Sollen sie Leute von mir denken, was sie wollen. Ist mir egal. Ich schulde nur einem Rechenschaft. Und das ist der Alte vom Berg höchstpersönlich.“

„Wenn das hier ausgestanden ist und hoffentlich kein Krieg über das beschauliche Hochstieg hereinbricht, werden wir zurück zu Garnan gehen. Das habe ich versprochen. Auch muss ich noch viel lernen und trainieren. Ich bin zu schwach. Zu schwach um nützlich zu sein.“

„Und wenn Garnan uns entlässt, werden wir Aventurien bereisen und von allem üblen Einfluss befreien, der uns begegnet! Ja, das machen wir.“

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Azinas Gedanken

Hriosaris Erbe und der Berg der Geister

Es begab sich zu einer Zeit. Lange Zeit nach Kisa, die ihre Nivayak durch Hriosaris tödliches Eis führte. Als sich Hriosaris Erbe erneut erhob und Verderben über die Tuundarae brachte. Drei große Kristalle schwarzen Eises beherbergten je einen schwarzen Fienlauki. Sie bedrohten das Leben der Nivauesä. Denn die Karene waren verwirrt. Da es Sommer war, sollte es warm sein und frisches Gras zu fressen geben. Doch stattdessen gab es nur Eis und Schnee.

So zog die Kaskju Kelva, von den Kisa-Nivayak, in Begleitung von dem Legendensänger Imion Sturmsänger und der Surtha von den Decurio aus, um das Problem zu lösen. Drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, sollten der Tuundra das Leben zurückgeben.

Sie marschierten viele Tage lang. Bis sie schließlich die Kristalle erreichten. Ganze Herden von verwirrten Fienlauki entströmten den Kristallen und verwehrten ihnen den Weg. Gemeinsam jedoch zerstörten sie die schwarzen Steine im Inneren der Kristalle mit Hilfe der Kekkääle (Geister des Feuers).

Die Legenden sagten einst, dass ein sagenumwobener Berg die Ursache für die Geschehnisse war. So zogen die drei abermals los. Dieses Mal in Begleitung vieler Jäger und einiger weiterer Jänak.

Im Berg fanden sie viele Geister der Elemente, die gegen ihren Willen dort gebunden waren. Sie umgingen die Fallen mit Rokjoks (Rotschweifs) Hilfe und fanden einen Jänak namens Davros. Er hatte eine Maske aus Eis mit drei Kristallaugen auf seinem Gesicht. Er sprach von Wahnsinn. Kelva begab sich in die Geisterwelt und entriss ihm die Maske in einem harten Kampf, während ihre Gefährten, den Körper des Mannes beschäftigten. Ohne die Maske war der Mensch schwach.

Die Maske jedoch bäumte sich auf und sammelte viele Fienlauki um sich herum, um seine Feinde zu zerschmettern. Doch Kelva rief Fienjei (Firngrimm) an. Sie kam und befreite die Fienlauki. Die Maske fiel zu Boden und wurde den Kekkäälen übergeben. Doch sie konnte nicht zerstört werden.

Es begab sich nun, dass Ysta Mandrakor zufällig eintraf. Er nahm die Maske an sich und verwahrt sie bis zum heutigen Tag.

Den Berg jedoch. Den hat Kelva später noch einmal besucht. Viele Umläufe Madas blieb sie dort und befreite all die Geister, die Hriosari dort eingesperrt hatte. Nun ist der Berg nur noch ein gewöhnlicher Berg der Juajok (Geister der Erde). Und manchmal weht von dort Fianjeis (Arngrimms) Atem als erstes über Tuundra und die Karene singen mit dem Wind.

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Kelvas Legenden – Heldenmut

Der Berg ruft

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Die Helden kehren mit ihren Begleitern in die Lathjutok der Kisa-Nivayak zurück. Die Gefahr durch den plötzlichen Wintereinbruch ist gebannt. Der Schnee geschmolzen. Die Karene beruhigen sich. Die Sippe bleibt. Es war jedoch nicht Hriosari aus der Legende der Nivesen, der dieses Unheil über sie gebracht hat. Es war eine Maske aus Eis, mit der der Lehrer Hriosaris’ verbunden war. Diese Eismaske mit den drei Kristallaugen hat von einem bosperaner Magier Besitz ergriffen und ihn beeinflusst. Gemeinsam vermochten es die Helden den Zaubern und Fallen des Berges zu trotzen, den Einfluss auf das Land zu unterbinden und den güldenländischen Geist der Maske aufzuhalten.

Auf dem Rückweg durch den Matsch berichtete Kelva ihrer Mentorin Saari, was sich im Berg zugetragen hat:

„… ach Saari, es war schrecklich. All die Geister. Die vielen Uonii des Wassers, Gabetaj der Luft, Kekkääle des Feuers, Juajok der Erde und vor allem Fienlauki des Eises. Alle waren an diesem Ort gefangen. Wider den Willen der Manikku. Wider den Wechsel der Jahreszeiten. Dieser Mensch namens Davros hat nur das, was Hriosari einst hinterlassen hat, für seine Zwecke benutzt. Es war die ganze Zeit da. Die ganze Zeit. Es gibt die vielen Geschichten um den Berg. Und jeder wusste, es kann wieder passieren. Und wir haben darauf gewartet, um dann einen der unsrigen zu schicken, um Hriosari aufzuhalten. Am Ende war es jedoch nur ein Mensch. Ein Jänak mit der bösen Maske. Ysta Mandrakor hat sie nun. Aber es wird wieder passieren. Irgendwann kommt wieder ein Jänak und bringt Gefahr in die Tuundra. Doch damit ist nun Schluss! Ich werde gehen und bleibe viele Umläufe bis alle Geister des Berges befreit! Kelva-mi kelvo!!“

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Kelvas Erzählung

Bannung des Fienlauki

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Nachdem sie bereits zwei Kristalle und ihren schwarzen Kern auf unterschiedliche Art und Weise zerstört haben und ihre gefangenen wütenden Fienlauki in die Nivaleiken geschickt haben, besinnt sich Kelva auf die Erzählung Saaris, dass Hriosari bereits zwei Mal jeweils stärker zurückgekehrt sei, als sein böser Geist in die Kekkasavu gebannt wurde. Daher beschließt sie, den letzten wütenden Fienlauki des schwarzen Steines stattdessen in ein Gefäß zu bannen und aufzubewahren, bis eine endgültige Lösung gefunden wird.

Dazu stapft sie, beim Kristall angekommen, durch den Schnee und sucht sich einen geeigneten Ritualplatz in Sichtweite des Kristalls. Dort zeichnet sie einen großen Kreis in den Boden und springt in dessen Mitte. Dann holt sie, vor sich hin summend, nacheinander zum sanften Rhythmus ihrer Bunga ihre Sachen aus dem Rucksack und breitet diese vor sich aus. Danach malt sie mit der freien Hand einige Symbole und Zeichen rings um sich in den Schnee und setzt sich ihre Wolfsmaske auf. Anschließend setzt sie sich ihre Beinflöte an die Lippen und beginnt mit einem Spiel, das die Schönheit der unendlichen Weiten des Landes preist, das das Gras der Ebene im Winde wiegen lässt und den Sommer herbeiruft. Dabei wiegt sie sich selbst im Takt hin und her und lässt den schneidenden Wind an ihr vorüber ziehen.

Ihr Geist löst sich von ihrem Körper und nähert sich vorsichtig dem Kristall.

Sie sieht, wie sich die Fienlauki, die dem Kristall entströmen, mit zunehmender Intensität, um die Köpfe der Helden legen. Ein jeder trägt bereits hunderte.

Als sie sich auf den großen Geisterbann vorbereitet und gerade einige Symbole im Schnee ergänzt, sieht sie aus den Augenwinkeln, wie die anderen den Kristall mit Holz bewerfen und schließlich dessen Hülle zerstören. Damit liegt der fremdartige schwarze Stein mit der Rune frei.

Kelva nutzt die Gelegenheit und begibt sich erneut in die Geisterwelt. Wieder erblickt sie die vielen wütenden Fienlauki, die sich nach der Zerstörung der Hülle über die gesamte Ebene verteilen und langsam verblassen. Sie wendet sich dem Fienlauki im schwarzen Stein zu. Ihr eigener Geist spricht ihn wütend an: „Ich rufe dich Fienlauki! Höre mich! Deine Zeit ist vorüber! Deine Brüder und Schwestern sind fort. Du bist allein. Du gehörst hier nicht hin. Ich, Kelva von den Kisa-Nivayak, werde ich nun fangen. Unterliege meiner Stärke und folge mir!“

Damit stürzt sie sich auf den Fienlauki. Packt ihn, löst gewaltsam die Verbindung mit dem Geist des Erzes und zerrt ihn somit aus dem Stein Sie hält ihn mit beiden Händen fest. Dann rennt sie über die grüne Ebene des Nivaleiken zu ihrem Körper zurück. An sich gepresst hält sie den Geist des Eises und spricht ihm gut zu: „Ruhig. Ich bringe dich von hier fort. Du musst nicht mehr wütend sein. Schau, hier ist es schön.“

Ihr Geist gleitet wieder in ihren Körper. Nur die Hände haben den Fienlauki noch fest im Griff. Dann stopft sie den Fienlauki mit flinken Bewegungen in das vorbereitete Gefäß. In diesem Augenblick verlassen auch ihre Hände das Nivaleiken und verkorken schnell den Tiegel. Sie bemerkt, dass das Runensymbol statt auf dem schwarzen Stein, nun auf ihrem Gefäß prangt. Rasch malt sie einige eigene Schutzzeichen darüber und versiegelt so den Zauber. Vollkommen erschöpft sackt die junge Kaskju in sich zusammen.

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Kelvas Geschicke

 

 

Hriosari ist zurück!

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Das ist furchtbar! Haben wir die Manikku erzürnt? Warum schicken sie uns Hriosari wieder zurück? Wir müssen den Fienlauki mehr opfern, um sie zu besänftigen. Doch vorher müssen wir diese Kristalle zerstören. Sie üben schlechten Einfluss aus. Unsere Lathjutok ist in Gefahr! Die Karene verschwinden. Wir werden verhungern. Und Saari wird sterben! Dieser Hriosari muss aufgehalten werden. Und ich tue das! Kelva-mi Kelvo!

Imion begleitet mich. Ich bin ihm sehr dankbar. Er ist sehr geschickt mit Pfeil und Bogen. Und Elfen können gute Magie. Die Surtha von den Decurio ist auch bei uns. Sie sieht sehr stark aus und ist schwer bewaffnet und gerüstet. Sie sucht einen verschwundenen Kasknuk. Ob der vom Überzähligen besessen ist und die guten Fienlauka verderbt hat und diese schwarzen Eiskristalle aufgestellt hat?

Der Schneesturm wird stärker, je näher sie dem Berg kommen. Wild peitscht der Wind den drei die Schneeflocken ins Gesicht. Sie halten sich schützend die Hände vor ihre Augen und decken Mund und Nase mit ihrer Kleidung ab. Sie müssen schreien, um sich untereinander zu verständigen. Irgendwann kommt ein großer schwarzer Eissplitter in Sicht. Sie spüren, wie er nach ihren Körpern greift. Ihre Bewegungen werden langsamer, ihre Schritte verkürzen sich, je näher sie dem Splitter kommen. Sie wagen sich schließlich nicht weiter vor und stehen ein wenig ratlos auf der verschneiten Ebene.

Das sind also die Kristalle, die Ysta Mandrakhor erwähnt hat. Wir sollen uns davor in Acht nehmen, sagte er. Imion und Surtha konnten sie mir genau beschreiben. Ich werde einen Blick in die Nivaleiken werfen und ihn mir noch einmal genau ansehen. Dann suche ich mir einen guten Platz, um den Fienlauki zu bekämpfen. Nur nicht zu nah heran. Böser Einfluss auf Herz und Geist.

Nur was mache ich mit ihm? Saari sagt, dass Hriosari schon zwei Mal aus der Verbannung entkommen ist. Und jedes Mal war er stärker als vorher. Was passiert, wenn es noch einmal geschieht? Und wie soll ich das schaffen? Ich kann hier kein Feuer entzünden, um den Geist in das Kekavasu zu geleiten. Ich könnte versuchen den Geist in ein Gefäß zu bannen. Nur, was dann mit dem Gefäß machen?

 

Bündelung der Kräfte

Wie können wir unsere Kräfte bündeln? Wie können wir der Lage Herr werden? Kaum haben wir Turnak’riin mit Hilfe der Vettel Kohlhütten vernichtet, stehen wir vor dem nächsten Problem: die befreiten Sklaven sind unzureichend versorgt. Die Stadt Hochstieg ist an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Die Vorratskammern sind leer. Der Vogt und der ältere Bruder Sieghelms sind untätig. Sieghelm verliert vielleicht sein Lehen, wenn er die von Rabenmund nicht heiratet oder anderweitig bei seinem Vater in Ungnade fällt. Wir müssen etwas tun! Zunächst müssen die Menschen ausreichen versorgt werden, damit sie sich auf die beschwerliche Heimreise zu ihren Familien machen können. Zum Glück konnte Ifirn ihren Vater schließlich überreden seinen Griff um die Trollzacken zu lockern. Obgleich ich der Ansicht bin, dass der strenge Winter hier nur so lange anhielt, damit das Dämonengezücht den Roten Riesen nicht verlässt. Nicht auszudenken was passiert wäre, hätten sie zur Schneeschmelze Hochstieg überrannt. Der Alte vom Berg hat uns alle gerettet!

Als ihr diese Erkenntnis erfährt, betet sie in stiller Andacht gen Firun: „Wir danken dir für deine Weitsicht. Herr über Eis und Schnee. Gebieter des Winters. Dank deiner Strenge ist uns unser Sieg geglückt. Ich widme dir diesen Sieg über das dämonische Gezücht, auf dass du stolz auf uns ein mögest.“ Dabei umfasst ergriffen sie den abgetrennten Zahn des Achorhobai, der um ihren Hals baumelt. „Tod den Dämonen, wie es dein Wille ist.“

Noch einmal tief einatmend setzt sie sich wieder bequem hin und verfolgt ihren vorherigen Gedanken weiter.

Vielleicht können die Trollzacker uns helfen. Nicht nur die jetzige Hilfe für Hochstieg liegt mir im Sinne. Nein, ich fürchte, mit der Zeit könnte das Haus Spichbrecher zu der Ansicht gelangen, die Trollzacker bedrohen den Frieden in diesem Land und legen es auf eine Konfrontation an, die für beide Seiten verlustreich enden wird. Des Vogtes harsche Worte geben mir zu denken. Und dass es so wenig Wissen über sie gibt, ist bedenklich und gefährlich. Nichts ist unheimlicher als das Mysteriöse. Würden die Trollzacker nun entgegen allen Vorurteilen überraschend und Einmalig zur Hilfe eilen, würde die Bevölkerung Hochstiegs das wohlwollend stimmen.

Nur warum sollten sie uns helfen? Ich werde während der Jagd Ausschau nach ihnen und ihren Spuren halten. Vielleicht ergibt sich ja eine Chance. … Obwohl, wenn ich es recht bedenke … Boran war nicht sehr erpicht darauf, mein dargebotenes Proviantpaket anzunehmen. Auch Blut war unsere Hilfe nur Recht, weil wir ihm zu seinen Shakriin, seinem Schamanen, brachten, wo er durch dessen Hand sterben wollte. In Ehre sterben wollte. Ehre. Das scheint ihnen auf irgendeine merkwürdige Art und Weise wichtig zu sein. Nur auf welche Art? Wie packt man sie bei ihrer Ehre?

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Azinas Gedanken

Einblick in die Gedanken Azinas

Nun, betreten wir also wieder Hochstieg. Einst schlichen wir uns wie Diebe hinaus und nun kehren wir als Helden zurück. Nun ja. Sieghelm kehrt als Held zurück. Das Volk feiert ihn für seine Taten. Und er lässt es geschehen. Sollen sie, ich kann mir vorstellen, wie wichtig es ist, gerade jetzt für gute Stimmung zu sorgen, nachdem die Reiterin vorhin von dem ganzen Unmut in der Bevölkerung sprach. Soll das Volk seinen Helden haben. Mich stört das nicht. Nein.

Geben wir Sieghelm ein wenig Zeit die Angelegenheiten zu ordnen. Hey, er hat uns öffentlich als seine Familie bezeichnet! Das nenne ich einen Wandel! Wenn ich so zurück denke, ist das erstaunlich. Ich bin ganz überrascht. Ich wusste nicht, dass er so denkt. Ich fühle mich wirklich geehrt.

Aber ob er Torion in seinem Herzen aus als Familie bezeichnet? Das Aufeinandertreffen fiel zwar herzlich aus, aber die beiden anderen Spichbrechers haben bisher kein lobendes Wort über ihren Bruder verloren. Eher im Gegenteil. Zumindest spricht gegen ihn die Tatsache, dass er Weibel Gaspharin hingerichtet hat, noch bevor Sieghelm wieder da war. Formal hat er zweifelsohne das Recht dazu. Aber er hätte es nicht tun müssen. Außerdem setzt das voraus, dass er sich nach dem Verbleib des Schwertes erkundigt hat! Er wollte in Siehelms Abwesendheit das Schwert zumindest betrachten! Das wiederum stand ihm nicht zu! Unklar ist auch noch der Grund seines Besuches. Er scheint gleich nach seiner Rückkehr von der Jagd aufgebrochen zu sein. Sieghelms Verschwinden ist also nicht der Grund seines Besuches.

Was mir auch noch zu denken gibt, ist die Ankündigung Delias Sieghelm zum Paten ihres Kindes oder vielleicht ihrer Kinder zu machen. Sicher, er wäre in der Tat ein guter Pate. Zumindest aus mittelreichischer Sicht. Er ist von Stand und versteht sich auf Staatskunst und Kampf. Was braucht ein Mann mehr? Was mir jedoch zu denken gibt, ist der kulturelle Unterschied. Delia rennt geradezu ketzerisch von einem Konflikt zum nächsten. Sie sehnt sich förmlich nach ihnen. Auch sehe ich sie sich schon mit Torion anlegen. Vor nicht allzu langer Zeit, da haben sich Delia und Sieghelm selbst massiv gestritten, es war ein Kampf der Kulturen und ein Kampf der Persönlichkeiten. Und plötzlich wirft sie sich an ihn heran, schmeichelt ihm, umgarnt ihn. Wie kommt sie darauf, ihn als Paten einzusetzen? Was bezweckt sie damit? Sie wird sich damit Kalkaribs Zorn zuziehen. Zu Recht, wie ich finde. Sieghelm seinerseits stellt sogar Forderungen auf! Er will das Kind in seinem Ermessen erziehen. Vermessen nenne ich das. Das Kind ist tulamidischer Abstammung! Sogar zur Hälfe novadisch. Die beiden glauben doch nicht ernsthaft, dass Kalkarib oder seine Familie es zulassen, dass es zu Sieghelm nach Darpatien geht, um dort zu lernen, wie es ist ein Mittelreicher zu sein. Und was ist mit der Aranischen Kultur? Bedeutet sie ihnen – ihr – nichts? Wie stellt Delia sich das vor? Das arme Kind! Es wird hin und hergerissen sein. Keine richtigen Wurzeln haben. Unstet und rastlos sein. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich nicht angemessen um ein Kind kümmern können. Wir haben eine Aufgabe vor uns. Sie wird unser Leben fordern. Lebendig oder Tod. Vielleicht verdrängen sie noch die Tatsachen, die uns vor Augen liegen. Wir haben keine Zeit für Kinder … dieser Gedanke … ist traurig. Wie soll … ach … Shakriin …

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Azinas Gedanken