Nun, betreten wir also wieder Hochstieg. Einst schlichen wir uns wie Diebe hinaus und nun kehren wir als Helden zurück. Nun ja. Sieghelm kehrt als Held zurück. Das Volk feiert ihn für seine Taten. Und er lässt es geschehen. Sollen sie, ich kann mir vorstellen, wie wichtig es ist, gerade jetzt für gute Stimmung zu sorgen, nachdem die Reiterin vorhin von dem ganzen Unmut in der Bevölkerung sprach. Soll das Volk seinen Helden haben. Mich stört das nicht. Nein.
Geben wir Sieghelm ein wenig Zeit die Angelegenheiten zu ordnen. Hey, er hat uns öffentlich als seine Familie bezeichnet! Das nenne ich einen Wandel! Wenn ich so zurück denke, ist das erstaunlich. Ich bin ganz überrascht. Ich wusste nicht, dass er so denkt. Ich fühle mich wirklich geehrt.
Aber ob er Torion in seinem Herzen aus als Familie bezeichnet? Das Aufeinandertreffen fiel zwar herzlich aus, aber die beiden anderen Spichbrechers haben bisher kein lobendes Wort über ihren Bruder verloren. Eher im Gegenteil. Zumindest spricht gegen ihn die Tatsache, dass er Weibel Gaspharin hingerichtet hat, noch bevor Sieghelm wieder da war. Formal hat er zweifelsohne das Recht dazu. Aber er hätte es nicht tun müssen. Außerdem setzt das voraus, dass er sich nach dem Verbleib des Schwertes erkundigt hat! Er wollte in Siehelms Abwesendheit das Schwert zumindest betrachten! Das wiederum stand ihm nicht zu! Unklar ist auch noch der Grund seines Besuches. Er scheint gleich nach seiner Rückkehr von der Jagd aufgebrochen zu sein. Sieghelms Verschwinden ist also nicht der Grund seines Besuches.
Was mir auch noch zu denken gibt, ist die Ankündigung Delias Sieghelm zum Paten ihres Kindes oder vielleicht ihrer Kinder zu machen. Sicher, er wäre in der Tat ein guter Pate. Zumindest aus mittelreichischer Sicht. Er ist von Stand und versteht sich auf Staatskunst und Kampf. Was braucht ein Mann mehr? Was mir jedoch zu denken gibt, ist der kulturelle Unterschied. Delia rennt geradezu ketzerisch von einem Konflikt zum nächsten. Sie sehnt sich förmlich nach ihnen. Auch sehe ich sie sich schon mit Torion anlegen. Vor nicht allzu langer Zeit, da haben sich Delia und Sieghelm selbst massiv gestritten, es war ein Kampf der Kulturen und ein Kampf der Persönlichkeiten. Und plötzlich wirft sie sich an ihn heran, schmeichelt ihm, umgarnt ihn. Wie kommt sie darauf, ihn als Paten einzusetzen? Was bezweckt sie damit? Sie wird sich damit Kalkaribs Zorn zuziehen. Zu Recht, wie ich finde. Sieghelm seinerseits stellt sogar Forderungen auf! Er will das Kind in seinem Ermessen erziehen. Vermessen nenne ich das. Das Kind ist tulamidischer Abstammung! Sogar zur Hälfe novadisch. Die beiden glauben doch nicht ernsthaft, dass Kalkarib oder seine Familie es zulassen, dass es zu Sieghelm nach Darpatien geht, um dort zu lernen, wie es ist ein Mittelreicher zu sein. Und was ist mit der Aranischen Kultur? Bedeutet sie ihnen – ihr – nichts? Wie stellt Delia sich das vor? Das arme Kind! Es wird hin und hergerissen sein. Keine richtigen Wurzeln haben. Unstet und rastlos sein. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich nicht angemessen um ein Kind kümmern können. Wir haben eine Aufgabe vor uns. Sie wird unser Leben fordern. Lebendig oder Tod. Vielleicht verdrängen sie noch die Tatsachen, die uns vor Augen liegen. Wir haben keine Zeit für Kinder … dieser Gedanke … ist traurig. Wie soll … ach … Shakriin …
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Azinas Gedanken