Wie können wir unsere Kräfte bündeln? Wie können wir der Lage Herr werden? Kaum haben wir Turnak’riin mit Hilfe der Vettel Kohlhütten vernichtet, stehen wir vor dem nächsten Problem: die befreiten Sklaven sind unzureichend versorgt. Die Stadt Hochstieg ist an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Die Vorratskammern sind leer. Der Vogt und der ältere Bruder Sieghelms sind untätig. Sieghelm verliert vielleicht sein Lehen, wenn er die von Rabenmund nicht heiratet oder anderweitig bei seinem Vater in Ungnade fällt. Wir müssen etwas tun! Zunächst müssen die Menschen ausreichen versorgt werden, damit sie sich auf die beschwerliche Heimreise zu ihren Familien machen können. Zum Glück konnte Ifirn ihren Vater schließlich überreden seinen Griff um die Trollzacken zu lockern. Obgleich ich der Ansicht bin, dass der strenge Winter hier nur so lange anhielt, damit das Dämonengezücht den Roten Riesen nicht verlässt. Nicht auszudenken was passiert wäre, hätten sie zur Schneeschmelze Hochstieg überrannt. Der Alte vom Berg hat uns alle gerettet!
Als ihr diese Erkenntnis erfährt, betet sie in stiller Andacht gen Firun: „Wir danken dir für deine Weitsicht. Herr über Eis und Schnee. Gebieter des Winters. Dank deiner Strenge ist uns unser Sieg geglückt. Ich widme dir diesen Sieg über das dämonische Gezücht, auf dass du stolz auf uns ein mögest.“ Dabei umfasst ergriffen sie den abgetrennten Zahn des Achorhobai, der um ihren Hals baumelt. „Tod den Dämonen, wie es dein Wille ist.“
Noch einmal tief einatmend setzt sie sich wieder bequem hin und verfolgt ihren vorherigen Gedanken weiter.
Vielleicht können die Trollzacker uns helfen. Nicht nur die jetzige Hilfe für Hochstieg liegt mir im Sinne. Nein, ich fürchte, mit der Zeit könnte das Haus Spichbrecher zu der Ansicht gelangen, die Trollzacker bedrohen den Frieden in diesem Land und legen es auf eine Konfrontation an, die für beide Seiten verlustreich enden wird. Des Vogtes harsche Worte geben mir zu denken. Und dass es so wenig Wissen über sie gibt, ist bedenklich und gefährlich. Nichts ist unheimlicher als das Mysteriöse. Würden die Trollzacker nun entgegen allen Vorurteilen überraschend und Einmalig zur Hilfe eilen, würde die Bevölkerung Hochstiegs das wohlwollend stimmen.
Nur warum sollten sie uns helfen? Ich werde während der Jagd Ausschau nach ihnen und ihren Spuren halten. Vielleicht ergibt sich ja eine Chance. … Obwohl, wenn ich es recht bedenke … Boran war nicht sehr erpicht darauf, mein dargebotenes Proviantpaket anzunehmen. Auch Blut war unsere Hilfe nur Recht, weil wir ihm zu seinen Shakriin, seinem Schamanen, brachten, wo er durch dessen Hand sterben wollte. In Ehre sterben wollte. Ehre. Das scheint ihnen auf irgendeine merkwürdige Art und Weise wichtig zu sein. Nur auf welche Art? Wie packt man sie bei ihrer Ehre?
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Azinas Gedanken