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Bermhoin gleitet dahin

„Es tut mir so leid Mara!“, waren die letzten Gedanken, bevor das Schwert des Gardisten auf ihn niederschlug. Tiefe Schwärze umfing ihn, Schmerzlosigkeit war der Lohn dafür. Er spürte nicht, wie die Spitze des Schwertes sich in sein Herz bohrte, aber er hörte das Rauschen von schwingenden Flügeln, die sich näherten. „Dann war es das also mit mir!?“ Erstaunlich, dass man im Tode noch denken konnte.

Er war gespannt, wohin Golgari ihn bringen würde. Zu Praios, dass er ihn in sein Goldenes Buch eintrage, denn immerhin ist er adelig und bei einem praiosgefälligen Auftrag gestorben. Oder in Efferds Wasserreich, denn der Große Flussvater ist der Urvater aller Albernier. Oder auf Tsas Regenbogen, damit er auf der Perfektion seiner geliebten Farben in ein neues Leben reisen kann. Oder doch zu Hesindes Hain, hat er doch immer nach Wissen gestebt und es gemehrt. Außerdem würde er dort seinen Orestas wiedersehen.

„Orestas! Grade noch hast du mich dich gehen lassen und schon bin ich auf dem direkten Wege zu dir! Ich freue mich dich wiederzusehen!“, seufzte Bermhoin gerade noch, als er lautes Flügelschlagen hinter sich hörte. Er hatte nicht mitbekommen, dass er sich schon auf Golgaris Rücken befand. Er drehte sich um und sah dicht hinter sich einen weiteren Raben und auf dessen Rücken saß Mara und winkte ihm zu. Er winkte zurück, doch drehte er sich weg, damit sie nicht seine Tränen sah, die er ob ihres Schicksals vergoss.

Maras Ende

Einsam und allein saß Mara Tannhaus in ihrer Zelle. Ihre Gedanken verweilten bei ihren Freunden und der kommenden Gerichtsverhandlung. Hier zu warten fühlte sich für die Jobornerin wie die Ewigkeit an. Obwohl sie dank des Ritter Primus bessere Nahrung bekam und es Ihr an nicht vielen mangelte.

Im Flur hörte sie gedämpfte Stimmen. Irgendwer kam zu ihrer Zelle. Mal wieder eine Befragung oder ein freundliches Gesicht, vielleicht sollte auch die Gerichtsverhandlung beginnen? Die Zellentür öffnete sich und Mara erschrak. Vor Ihr stand einer der Gardisten. Er war schwer verletzt und blutete. Sofort sprang Mara auf „Bei den Zwölfen! Was ist passiert? Kommt her ich versorge Eure Wunden so gut ich kann. Hektisch und voller Sorge wollte Mara aus den Decken etwas improvisieren als der Gardist vor ihr stand… etwas zu nah. Vor Schreck weiteten sich Maras Augen, als sie den Schmerz unterhalb des linken Rippenbogens bemerkte. Was passierte hier? Sie wollte doch nur helfen.

Dunkelheit umfing sie und sie flog auf den Schwingen eines mächtigen Raben über ein endloses Meer. „Der Herr hat Dich zu sich gerufen“ ertönte die tiefe Stimme des Raben. „Deine Freunde haben alles versucht. Doch die verschworene Gemeinschaft war zu mächtig. Doch sei gewiss sie bekommen ihre gerechte Strafe. Seine Hochwürden Nerziss würde bereits von mir zum Herren des Todes gebracht, da er in Ungnade viel. Doch sorgt Euch nicht Mara wir sind gleich da. Ja ich weiß Ihr seit müde und ich verspreche Euch, Ihr könnt bald sehr lange schlafen. Mara tätschelte das Gefieder des Raben und ihre letzten Gedanken waren bei ihren Freunden. Dabei erschien es ihr so, als würde Bermhoin auf einem anderen Raben in einiger Entfernung neben ihr fliegen und Ihr fröhlich zuwinken. Sie erwiderte den Gruß und lächelte freundlich.

So flog die Hebamme Mara Tannhaus, getragen von Golgari und begleitet von Bermhoin über das Nirgendmeer, dem Vergessen entgegen.

Träume zum Vergessen

Es ist abends, fast schon Nacht. Bermhoin liegt in seinem Bett. Und obwohl er im Gastraum schon auf dem Tisch eingeschlafen war, jetzt hielten ihn seine Gedanken wach. Was hatte er nur getan? Wozu hatte er sich hinreißen lassen? Wie tief ist er gesunken? Sollte je herauskommen, dass er, Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Hofmaler Ihrer königlichen Hoheit Inhver Ni Bennain, als Fee verkleidet einen einfachen Vorarbeiter versucht hat von etwas zu überzeugen, nun, dann würde er wohl Albernia für immer aus Scham den Rücken kehren. Und wozu das Ganze? Wegen einer unbedeutenden Holzladung eines hinterwäldlerischen Händlers, den er nochnichtmal richtig leiden konnte. Hätte man nicht einfach beim ersten Anzeichen von Problemen nach Nostria weiterreisen können? Und notfalls auch nur zu fünft? Bermhoin hatte Bedenken bezüglich der nächsten Tage. Hatte sich irgendjemand darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Ywain wieder nüchtern ist, oder wie Bermhoin nochmal das Haus verlassen soll? Alle, er selber eingeschlossen, denken viel zu engstirnig und kurzfristig…

Über die Ganzen Fragen nickt Bermhoin langsam ein und findet sich in einem Traum wieder. Es ist ein sehr hektischer Traum, aber ein wunderschöner. Bermhoin findet sich an allen möglichen ihm bekannten Orten Aventuriens wieder, immer begleitet von seinem geliebten Orestas. Sie lachen und freuen sich über ihre gemeinsame Zeit, ihre gemeinsamen Reisen, die sie zusammen verbringen. An den schönsten Orten der Welt stehen sie zu zweit und genießen. Nach und nach werden die Szenerien länger und die Szenenwechsel langsamer. Bis Bermhoin mit Orestas am Bug eines Schiffes stehend auf Bermhoins absoluten Lieblingsort zusteuern: Die Bunten Mauern von Methumis!

Und während Bermhoin die Situation in vollen Zügen genießt, stoßen seltsame unbekannte Melodien an sein Ohr. Und von Orestas mit den Armen umschlungen singt dieser ihm leise ein Lied in sein Ohr. Bermhoin kennt die Sprache nicht, aber er versteht die Worte. Es wird wohl engelisch sein, die Zunge der Engel.

You are the loneliest person that I’ve ever known
We are joined at the surface but nowhere else
I look in the glass and stare at your, strained, grey, motionless face and ask
Underneath, is there a golden soul?

Take care of the ones that you love
Take care of the ones that you love

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds?

Everyone is beginning to breathe as I break down
You are in love with a shadow that won’t come back
Sooner or later we all have to wake
Try forgetting everything
Underneath, there’s a perfect sky

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Ahh Ahh
Ahh Ahh

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds?

(Biffy Clyro – Opposite)

Bermhoin wacht auf. Die ersten Sonnenstrahlen finden ihren Weg auf sein Gedicht. Er kann sich nicht erinnern, was er geträumt hat, er weiß nurnoch, dass es ihn tief bewegt hat. Am Vormittag bleibt er im Kontor, um sich auf seine diestägige Rolle als Orestas vorzubereiten. Doch es fällt ihm schwer. Er hat keine Erinnerungen mehr an sein Auftreten, seine Mimik, seine Gestik, seinen Tonfall. Selbst sein Gesicht sieht er nur noch unscharf…

Komm in die Armee, haben sie gesagt.

Als Mara so im Heim der Seehoffs saß und der Magd beim hektischen verteilen von Primeln und eisernen Nägeln zusah, da war sie doch schon recht amüsiert. Es war eigentlich ein guter Tag. Firl würde bald lernen mit den Händen zu reden und der Rest der Helden auch. Somit konnten sie alle zusammen „reden“. Darauf freute sich Mara sehr. Sie konnte heute auch schon mehrfach Bernhoim als Fee begutachten. Ach eigentlich war es doch ein guter Tag. Bis auf die Tatsache, dass Rondrigo fast ums Leben gekommen war. Warum mussten sich Krieger nur immer und überall duellieren. Nur weil einer eine andere Nase hatte, nicht so adelig war oder nur das falsche Wappen trug. Aimos hatte absolut recht! Daran gab es keine Ehre. Viele Meilen von hier kämpften tapfere Männer und Frauen gegen die Dämonenhorden von Borbarads Jüngern und hier rieben sich die kampfähigen Männer selbst auf. Was für ein Unsinn. Warum kämpften sie nicht alle zusammen gegen die Dämonen? Selbst Mara hatte in diesen schweren Zeiten das Angebot bekommen mit zu kämpfen. Der hohe Herr hatte vorhin gesagt „Komm zur Armee“. darüber hatte sie noch nie nachgedacht. Als Feldscherer in der Armee zu dienen. Ihr Traum war es bisher eine eigene Praxis zu eröffen, bzw. die Praxis „Maras Rose“ in Joborn zu übernehmen, nachdem sie einige Zeit durch die Lande gereist war. Doch wenn sie der Armee beitrat, dann konnte sie so viel Gutes tun, so vielen Menschen helfen und außerdem würde sie dafür auch noch gut bezahlt werden.

Hierfür war der Unterricht von Ludevico wahrhaft goldwert gewesen. Dem hohen Herren gegenüber hatte Mara das erste Mal in ihrem Leben eine Abrechnung erstellt. 34D und 16S waren die Kosten, um Rondrigos Leben zu retten. Der hohe Herr war sehr spendabel und gab Mara 40D dafür. Nun besaß sie über 60 D, ob sie damit so reich wie Bernhoim war? Auf jeden Fall wollte sie sich damit ein Pferd und einen kleinen Karren kaufen. Gerade groß genug für das Gepäck, sich selbst und einen Verwundeten. Einen Karren, den man mit den Zeltplanen zu einem gemütlichen Nachtlager machen konnte. Vielleicht wollte ja einer der Händler oder der Bauern hier ihr ja einen Karren und ein Pferd verkaufen.

Bernhoims „Nein! So laufe ich auf keinen Fall mehrere Tage rum!“ lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Gefährten und auf die Fee Berwina.

Sein und Schein

Kalt viel der Schnee auf Mara. Die Hebamme war auf dem Weg zurück von der Kräuterfrau, der sie am nächsten Tag den Drachenschlund verkaufen wollte. Sie schlenderte durch die leicht verschneiten Straßen Winhalls und ließ ihre Gedanken kreisen. Diese Erfahrung im Rahjasschoß waren… zwiespaltig. Einerseits genoss sie trotz ihrer großen Scham die Dienste ihres wundervollen, novadischen Liebhabers und andererseits waren es halt nur Dienste. Sie spürte durch ihre Empathie, dass er sie zwar auch sehr anziehend fand und das alles auch sehr genoss… doch die Gefühle der er offen zeigte… die waren übertrieben und nur gespielt. Als die Jobornerin nach den Dienstleistungen ihre Zeche bezahlte und durch den Raum blickte, da flossen viele Gefühle und Stimmungen auf sie ein… und fast alles war eine Illusion. Natürlich war dies ein Teil der Dienstleistungen, aber das bemerkte bewusst niemand… niemand außer Mara. Sie schwelgte noch ein wenige in den angenehmeren Erinnerungen als sie so durch die Straßen schritt. Dennoch drängten sich immer noch die widersprüchlichen Emotionen auf. So schwor sich Mara, dass sie derlei Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen würde. Das könnte sie sich selbst und auch nicht den Bediensteten antun.

Sie zog ihren Mantel enger um sich und erfreute sich an der Wärme. Fast so warm wie die starken und feurigen Umarmungen des Novadi. Sie würde sich zwar nicht mehr in solche Dienste begeben, aber hatte mehr Gefallen an den Männern gefunden. Selbst wenn in ihrer Welt Mara Tannhaus, niemals einen Mann einfach so ansprechen oder gar verführen würde. Sie verstand einfach nicht was die Männer an ihr fanden und oft leuchtende Blicke zuwarfen. Sie war doch nur Mara, die Joborner Heilerin und Hebamme.

Aufbruch – Reise

Als die Pferde gesattelt waren und auch Ludevicos treuer Esel, da murmelte der andergastsche Händler der Gruppe zu: „Ich muss noch kurz etwas erledigen.“ Dann nahm er aus seiner Satteltasche eine hölzerne runde und längliche Schatulle heraus und verschwand damit zügigen Schrittes im Gasthaus. Dort angekommen, musste er sich erst ein wenig an die Dunkelheit gewöhnen, denn draußen hatte die Praiosscheibe den Hof in ein helles Licht getaucht, das trotz des kalten Wintertages etwas angenehme Wärme verbreitete. Hier drinnen spendete ein traviagefälliges Kaminfeuer wohlige Wärme; das war ihm auch wesentlich lieber. Im Gastraum befand sich, das bemerkte er, als sich die Stube von fast vollkommener Dunkelheit in ein Dämmerlicht verwandelte, nur noch Thalania, die ihn zunächst verwundert, dann freundlich anschaute. Sie öffnete den Mund, als wolle sie etwas sagen, doch Ludevico unterbrach sie gleich mit einem Kopfschütteln und lächelte ihr zu. Sie zuckte nur kurz mit den Schultern und fuhr fort, die Gaststube zu reinigen, nun, da der große Gästepulk, der sie ja nunmal waren, einmal das Haus verließ. Ludevico ging auf das Kaminfeuer zu, nachdem er sich sicher war, dass die Magd ihn nicht weiter beachtete. Er öffnete die Schatulle, holte raschelnd das Pergament, das er die Nacht zuvor so sorgfältig schrieb, heraus und ließ es ohne Zögern in die Flammen fallen. Es knisterte heftig, als die Flammen sich durch die trockene Schweinehaut fraßen. Er blieb noch ein wenig vorm Feuer stehen, sichergehend, dass auch der letzte Rest vom Schriftstück verbrannte und kehrte dann mit der leeren Schatulle nach draußen zurück. Die anderen schauten ihn erwartungsvoll an. Er meinte nur: „Wir können dann los.“

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Sie waren gerade ein paar Stunden unterwegs, es war ein wunderschöner Wintertag. Die Praiosscheibe schien, eine leichte Brise spielte mit Ludevicos unter seinem grauen Filzhut hervorschauendem Haar. Auf den Tannenspitzen glänzten von der Ferne einige zu Eis gefrorene Wassertropfen, sodass es schien, als funkelten die Sterne bei Tage. Ein Lächeln zauberte sich auf Ludevicos Gesicht, ließ sich von der Gruppe ein wenig zurückfallen und geriet ins Grübeln.

Ja, das waren so andere Gesellen, als die gekaufte Söldnergruppe, die sich kurz vor Hillhaus einfach so TROTZ BEZAHLUNG aus dem Staub machten und im Stich ließen. Einfach so nach dem Nachtlager verlassen worden bin ich. Die Pferde Hatten sie auch mitgenommen.  Der Gedanke daran lässt mich vor Wut fast bersten!  

Ein zarter Windhauch fegte ein wenig liegengebliebenen Schnee von einer Tanne direkt in seinen Nacken. Nach einigem Gefluche und Getöse befreite sich der Händler vom Übel, schüttelte sich kurz und besann sich wieder auf seine Gedanken.

Auch wenn mir der Almadaner viel zu voll mit Rondrastolz und praiotischer Rechtsauffassung war, so band ihn das doch allzu vorzüglich an mich. Er hatte sich als nützlicher Verbündeter erwiesen. Für einen Schwertgesellen war er erstaunlich gewieft und schien Kopf vor Herz durchs Leben zu gehen. Hoffen wir, dass, sollte das alles vorbei sein, sich eine Gelegenheit ergibt, ihn dauerhaft zu binden. Nützliche Leute sind hierzulande rar, so musste ich mit bedauern feststellen. Und von der handvoll nützlicher gibt es einen Finger voll zuverlässiger, die ihn nicht gleich bei der besten Gelegenheit verraten. Ja, Rondrigo hatte seinen Wert bewiesen.

Sie passierten eine kleine Furt, das Wasser sprudelte Gurgelnd und Glucksend über die Steine und streichte über die am Rand des Flusses hängenden Eisplatten, die noch dort hingen, scheinbar wartend, bis dass Taue oder der Fluss selbst sie mitrissen.

Ja, das ist ein regelrechtes Konzert! Ich sollte wohl öfters in der Natur unterwegs sein. Die Bäume natürlich, die so herrlich durch Peraines Gabe wuchsen, und sich dann ohne viel zutun in bares Gold verwandelten, haben natürlich ihren Nutzen. Doch der erholsame Effekt der baren Natur auf das Wohlbefinden? Hmmm, ob man das zu Geld machen kann? Ludevico holte ein Pergament aus der Satteltasche, kritzelte mit einem Griffel etwas darauf und verstaute das ganze wieder. Ich werde später darüber nachdenken. Kam nicht diese Hebamme irgendwo hier aus der Nähe? Ich muss sie bei Gelegenheit einmal fragen. Sie hat mich von allen am meisten überrascht. Ich dachte nicht, dass in einem – vor allem WEIBLICHEN – Wesen so viel Potenzial und Anmut steckt. Noch nie habe ich eine Frau so wahrgenommen. Erst Mutter, die nun ihre gerechte Strafe für ihr Handeln abbekam, dann Lysandra . Hach, Lysandra, warum musstest du mich so hintergehen? Nun gut, Jugendsünden. Aber Mara hatte dieses Bescheidene. Sie wollte mich nicht gleich kontrollieren, und sie war nicht an meinem Geld interessiert. Natürlich kann das auch eine ganz ausgephexte Sache sein. Aber ich kenne Menschen. Die meisten jedenfalls. Ich sah den plötzlichen Stolz in ihren Augen. Hatte sie etwa noch nie für Ihre vorzüglichen Leistungen Geld genommen? Ich habe ja die Auflistung gesehen. Ich kenne mich zwar mit den Preisen bei Heilern nicht so gut aus, doch es kam mir vor, als hätte sie mir einen großen Rabatt gegeben. Ich hätte es alles umsonst haben können. Der Verlust des Geldes schmerzt schon, doch mir kommt es vor, das sei es wert gewesen. In ihr hat sich ein Tor geöffnet. Vielleicht nur ein bisschen. Doch scheinen sich dahinter  für sie interessante Dinge zu befinden. Reitet und bewegt sie nun nicht anders? Mir kommt es vor, als sei sie um ein paar Finger gewachsen. Auf sein Gesicht zauberte sich erneut ein Lächeln. Er konnte mit seiner Arbeit hier zufrieden sein. Denn trotz der Verzögerung hatte ihn die Gesellschaft um einiges vorangebracht. Behindert hatte ihn nur Aimos, doch hoffentlich hat sich das jetzt gelegt. Hätte es sich wohl auch früher, wenn er ihm die Befreiung aus dem Elfendorf entlohnt hätte. Vergangen ist vergangen, den Blick sollte man in die Zukunft richten! Wenn Phex ihm hold ist, sehen sie sich über lang sowieso nicht wieder.

Hm zu dem Edlen aus Havena kann ich mir keine so rechte Meinung bilden. War er am Anfang noch voller Trauer und verständlicherweise abweisend, so legte sich das zunehmends. Sehr geliebt zu haben schien er ihn ja wohl nicht. Etwas sprunghaft und affektiert. Also mir ist das ja nichts, Männer miteinander. Ihm schauderte bei dem Gedanken. Aber sollen sie nur, solange sie mich nicht einbeziehen. Ich habe ja sogar zu dem Esel ein besseres Verhältnis als zu ihm. Ja, du hast mir gute Dienste geleistet, Grauer. Sollst auch in Winhall ordentlich viel Heu bekommen. Ich schaue, ob man sich um dich kümmert. Nicht einmal gebockt hast du. Und um dich wird sich ordentlich gekümmert!

Während sie weiterritten, veränderte sich die Landschaft unmerklich. Die noch vereinzelt herumstehenden Eichen wichen zunehmends den Tannen und hier und da sah man das Sonnenlicht, das sich an einzelnen Tümpeln brach, die in der Gegend verteilt waren. Der Tag war jedoch noch jung und Winhall weit. Ludevico ließ den Grauen wieder zur Gruppe aufschließen und suchte das Gespräch.