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Das Versteckspiel ist zuende

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Nun ist es also soweit. Sedef möchte an Nebahats Stelle Aslabans Erbe antreten und dieses Zepter an sich binden. Ich stelle mir vor, dass es so ähnlich ist, wie die Keulenbindung an die Kaskju. Nur hat Shalima etwas von großen geistigen Anstrengungen erzählt. Das scheint mir schwieriger als die Keulenbindung zu sein, die ja weiß Lieska, auch nicht einfach ist.

Ich habe Istas Geister, die Nebahat das Aussehen einer gepanzerten Echse gaben, mit einigen Anstrengungen vertreiben können. Jetzt kann er sein Erbe antreten, obwohl er noch immer geschwächt ist. Wir müssen ihm also helfen wieder Anschluss an seine Lathjutok zu finden. Dazu müssen wir Sedef, den Bruder von Shalima und Selim an seinem Vorhaben hindern.

Gibt es Selim überhaupt? Ursprünglich hat uns Nebahat erzählt, dass sein Freund Selim entführt worden sei. Also halfen wir ihm, ihn unter der Jurte zu finden. Dazu machte ich eine Geistreise durch die Jurte und fand unter dem Brunnen ein Versteck. Als wir ihn dann fanden, stellte sich heraus, dass nicht Selim dort hing, sondern Nebahat. Es gab ihn also zweimal. Da lüftete er, der nicht angebunden war, diesen faszinierenden Schleier und war plötzlich Selim. Sie hatten die Rollen vertauscht!

Aber Selim war nicht Selim, sondern seine Schwester Shalima! Nebahat war also ein Mädchen. Ähm, nein, ein Mädchen gab sich als Nebahat aus. Sedef hat Shalima also gezwungen sich als Nebahat auszugeben, während der echte Nebahat unten eingesperrt war. Und nun möchte er ihm seine Lathjutok stehlen. So ein böser Mann!

Wir müssen und werden ihn aufhalten! Kelva mi kelvo! Surtha hat auch schon einige Beutelchen vorbereitet die Sedef wohl einschlafen lassen sollen. Zulea ist ja nun auch frei von Geistern und wird uns helfen. Was wird wohl Aslaban zu alledem sagen?

Wenn ich nicht so erschöpft wäre, würde ich mehr tun als vorzuschlagen, sie abzulenken.

Lieska hilf.

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Kelvas Erlebnisse

 

Azinas Geheimnis

Ich werde die anderen Großmeister nun in mein Geheimnis einweihen. Ich habe lange darüber nachgedacht und halte es für das Beste es ihnen zu erzählen. Vielleicht wird das noch wichtig oder gar gefährlich. Es darf auf jeden Fall nicht geheim bleiben. Nicht vor ihnen. Es ist zu wichtig. Wer weiß, was das noch für Folgen haben wird.

Auch soll Nehazet endlich das Zepter des Echsenkaisers bekommen. Das habe ich bei den vielen Ereignissen ganz vergessen. Ich denke, die Gefahr durch die feindliche Übernahme ist gebannt seit die Vettel Kohlhütten den Geist … oder die Seele? … des Kaisers verbraucht hat.

Sie bindet einen Brief an Adaques Kralle.

„Flieg zur Hütte Adaque und bring ihr den Brief. Sie soll herkommen, es wird Zeit das Versteckspiel zu beenden.“

Sie tritt ans Fenster des Rabenturms und überlässt den kleinen Falken dem Wind. Beschwingt stößt Adaque sich ab, breitet die Flügel aus und lässt sich elegant nach oben tragen. Er stößt einen spitzen Schrei aus, ehe er sich gen Effert wendet.

„Auf Bald.“

Wohlwollend nickt sie dem Rabenwart im Vorbeigehen zu. Dieser starrt sie nur an und scheint ein wenig enttäuscht zu sein.

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Diese Szene spielt sich ab, nachdem die neuen Großmeister des Ordens bestimmt wurden und alle Erwählten, sowie Traviahold noch auf Hochstieg verweilen.

Ergeben

Nun hat er mir seinen Sohn Gro’jesh mitgegeben. Dabei wollte ich doch … IHN! Aber offenbar möchte er nicht. Er tat zwar verwirrt, als ich mich anbot. So als ob er nicht verstünde, was ich von ihm möchte. Dennoch ich bin überzeugt davon, dass er mich auch begehrt. Warum sonst hat er mir seine Welt von Sumu gezeigt. Schama nannte er sie, die Lebenskraft der Natur, die in allem fließt. Er wanderte mit mir eine ganze Nacht unter dem Madamal durch diese verschneiten Berge, die gerade beginnen Ifirns Gnade zu empfangen.

Auch griff er mich bei unseren ersten beiden überraschenden Begegnungen nicht an und raubte mich nicht nach Kurgaart. Und bei unserer Dritten blendete ihn seine Wut und sein Schmerz. Haben wir doch einige seiner Leute getötet, die uns angriffen, weil sie dachten, dass wir Schuld am Verschwinden ihrer Stammesmitglieder seien. Ich habe noch versucht sie aufzuhalten, doch sie waren voller Hass. In Wahrheit hatte sie der mehrgehörnte Dämon Achorhobai entführt, den wir mit ihnen gemeinsam auf der Spitze des Berges vernichteten. Leider kamen wir unter Garnans Dach nicht mehr dazu, uns zu unterhalten. Vieles hätte man bereits dort teilen können.

Auch wollte er nicht, dass ich gegen seinen Sohn um das Tal kämpfe, weil er meine Niederlage fürchtete. Und er wollte nicht, dass ich verliere. Denn das hätte meinen Tod bedeutet, den er offenbar nicht wünscht.

Ich vermute, er konnte wohl nicht anders handeln. Er ist der Anführer seines Stammes. Er hat Verpflichtungen. Vielleicht hat er auch eine Frau, der er treu bleiben muss. Für seinen Stamm war ich unbekannt, fremd, ein … Geist. Er hat ihnen nichts von alledem erzählt, hat ihnen nichts von mir erzählt. Sie sollen es nicht wissen, brauchen es nicht wissen. Nun, jetzt kennen sie mich. Den Geist.

Wir werden uns wiedersehen, Shakriin Boran. Ja, das werden wir. Und so lange werde ich in deinen Träumen spuken, wie du es in meinen tust. Mögen unsere Wurzeln sich einst vereinen. Ich habe dir gesagt, wo du mich findest. Du wirst kommen und dir holen, was du begehrst.

Ich werde derweil gut auf deinen Sohn aufpassen. Ich glaube dir nicht, dass du ihn so bereitwillig verstoßen hast, wie du tust. Er ist dein. Für immer. Ich werde ihm die Welt zeigen und ihn durch viele Gefahren führen. Er wird mich mit seinem Leben beschützen und wir streiten gemeinsam für unsere Welt. Vielleicht kann er doch eines Tages wiederkehren, ehe unser aller Ende kommt. Dann ist er entweder ein großer Anführer oder ein Fremder.

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Azinas Gedanken

Kampf um einen Pfad des Schicksals

Mit klopfendem Herzen stellt sich die Botin Firuns dem Kampf um das Tal. Dem Tal wo die Göttin Travia erschien, den Propheten der heiligen Mutter rettete und sie gemeinsam zwei Diener des Vortex vernichteten. Ihr Gegner ist der Sohn des Shakriin Boran vom Stamme der Mach’natûl. Sein Vater und Schamane verstärkt ihn vorab mit Zaubern, die seinen Leib hinter einer dicken Borke schützen. Dadurch scheinen seine Bewegungen jedoch etwas behäbiger zu sein, als sie es ohnehin bei einem sehr großen massigen Krieger sind. Azina selbst hat sich ebenfalls mit Zaubern verstärken lassen, die ihre körperlichen Attribute und vor allem ihre Geschwindigkeit erhöhen. Dazu kam der göttliche Beistand Firuns, der sie in eine glitzernde Aura aus Eis hüllt.

Firun gib mir die Kraft diesen Kampf zu gewinnen. Es geht um mehr, als nur dieses Tal. Es geht um das Symbol unseres Kampfes. Zeigen wir ihnen, was wir vermögen. Lass das Opfer nicht umsonst gewesen sein. Es lastet schwer auf meinen Schultern.

Zur Eröffnung des Kampfes schleudert Azina ihren Speer aus nur fünf Schritt Entfernung auf Ihren Gegner. Unfähig dem auszuweichen schlägt er wuchtig in die Borke. Kurzerhand packte er den Speer, zog ihn aus seinem Panzer und warf ihn achtlos beiseite.

Doch sein siegessicheres Lächeln gefror ihm, als der Speer, noch ehe er den Boden berührte, in Azinas Hand zurück flog. Anerkennend nickte er und geht zum Angriff über. Doch die Aranierin wich geschickt nach hinten aus und warf den Speer erneut mit aller Kraft auf den Borkenleib. Wieder blieb er stecken. Und erneut zog er ihn heraus, behielt ihn dieses Mal jedoch fest in der Hand. Da war es an ihr überrascht zu starren. Verkniffen schallt sie sich selbst für ihre Dummheit.

Ohne jedoch weiter zu Zögern zog sie noch im vollem Lauf Khunschomer und Linkhand, unterlief seinen Speer und griff seinen linken Arm an. Sie lieferten sich ein entscheidendes Nahkampfgefecht. Er mit dicker Rinde, langsam und unnachgiebig wie eine Eiche. Sie wie ein tosender Wirbelsturm aus Klingen. Immer wieder traf sie seinen Arm empfindlich. Zwei Mal gelang es ihm, sie zu treffen, doch die Barriere aus göttlichem Eis, verhinderte Schlimmes. Schließlich konnte sie den entscheidenden schweren Treffer landen. Einen Augenblick schwächte sich sein Griff um den eiskalten Runenspeer, den sie sofort mit beiden Händen an sich zog. Noch direkt vor ihm stehend, unterhalb seiner mächtigen Brust, fuhr sie ihn mit einer schnellen Bewegung einmal quer über den Bauch, um nach einer halben Drehung, das stumpfe Ende mit einem gewaltigen Schlag unter das Brustbein zu hämmern.

Erschüttert, wankte er ein paar Schritte rückwärts und hielt sich schwer atmend den Bauch. Doch er gab nicht auf. Erneut hob er seinen Speer zum Angriff. Azina folgte der Aufforderung und griff ihn mit ihren eigenen Speer an, mehrere Treffer musste er einstecken, bis sein Blut den Boden tränkte, während es ihr immer wieder gelang seinen Angriffen zu entgehen. Die Borkenhaut löste sich langsam auf. Schließlich stand vor ihr nur noch er selbst. Ein hünenhafter Trollzacker mit nackter breiter Brust. Keuchend und verwundet. Doch noch immer gab er nicht auf. Erst nach einem erneuten schweren Treffer in die Brust, entfährt ihm ein tiefer Schmerzensschrei. Er sackte nach vorn auf die Knie, ehe er mit dem Gesicht voran in sein eigenes Blut fiel.

Azina reckte die rechte Faust mit ihrer Waffe in die Höhe und vergewisserte sich in den fassungslosen Blicken der Umstehenden des Sieges. Erst dann ließ sie den Speer fallen, ging vor Ihrem Gegner auf die Knie und drehte ihn auf den Rücken. Rasch entkorkte sie zwei der Einbeerensäfte von Jane und schüttete ihren Inhalt in den Mund des Trollzackers.

Erschrocken eilt Boran zu ihnen und packt sie am Arm. „Was tust du da?“ Herrscht er sie an. „Ich rette sein Leben! Das Land hat Blut getrunken. Die Vereinbarung ist erfüllt.“ Entgegnet sie ihm. Kopfschüttelnd möchte er wiedersprechen, doch sie setzt nach: „Das ist meine Tradition. Ich töte meine Freunde nicht! Verfahrt mit ihm wie ihr wollt. Doch er stirbt nicht durch meine Hand!“ Skeptisch mustert er sie. Schließlich nickt er ergeben und erwidert bedächtig: „Ihr habt unsere Tradition gewürdigt und nun würdigen wir die eure. Die Vereinbarung ist erfüllt. Das Tal ist euer.“

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Später in ihrem Zelt spuken die Worte des Shakriin Boran in ihren Träumen: „Was? Du? Aber …“ Sein fassungsloser Blick lässt ihr keine Ruhe. Er wollte nicht, dass ich kämpfe. Warum nicht?

Früh am Morgen, als die ersten Hochzeitsgäste schlaftrunken ihre Zelte verließen, packt Azina ihre Sachen ein. Dazu nimmt sie sich noch etwas von den Resten des Hochzeitsmals. Dem nächsten ihrer Gefährten sagt sie: „Ich habe in diesen Bergen noch etwas persönliches zu erledigen. Bitte sag den anderen, dass ich in ein paar Tagen nach Hochstieg zurückkehren werde. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.“

Damit schultert sie ihren Rucksack, verlässt mit Elfenbein an ihrer Seite das Lager und folgt den deutlichen Spuren ihres Schicksals im Schlamm der Schneeschmelze.

Wurzeln. Ja.

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Azinas Gedanken

Ansprache Azinas zur Vereinbarung der Talnutzung

Ich trage einen magischen Gegenstand, der es mir heute erlaubt, beide Sprachen zu sprechen.

Dies ist ein geschichtsträchtiger Ort in einer geschichtsträchtigen Zeit. Hier an genau dieser Stelle, ist der erste Diener des Vortex gefallen. Das Land darunter war verdorben. Der Vortex trachtet danach uns alle zu vernichten. Es gibt jedoch einige Auserwählte, die dies verhindern können. Unsere Göttin Travia ist hier erschienen, um einen dieser Auserwählten zu retten.

Diese Erwählten haben den Kampf aufgenommen. Doch wir allein können den Vortex nicht vernichten. Wir allein sind der Aufgabe alle Menschen auf Dere zu beschützen, nicht gewachsen! Wir brauchen die Unterstützung aller Stämme und aller Reiche.

Es wird der Tag kommen an dem wir Seite an Seite kämpfen werden, so wir es in diesem Winter bereits einmal getan haben. Unter dem Roten Riesen und auf dessen Spitze, kämpften wir gemeinsam gegen zwei mehrfahrgehörnte Dämonen und ihre unheiligen Krieger. Viele ließen dafür ihr Leben.

Ich rufe heute nicht zu den Waffen, denn wir wissen noch zu wenig über den Feind, wir können heute noch gegen niemanden zu Felde ziehen. Stattdessen rufe ich heute dazu auf, uns nicht gegenseitig zu bekämpfen. Lasst uns den Frieden bewahren. Geben wir dem Bösen durch unseren Zwist keine Nahrung. Lasst uns einfach leben!

Es werden einige Menschen hier her kommen, um das heilige Haus zu betrachten und unserer Göttin Travia nahe zu sein. Und um Zeuge der Zerstörung durch den Vortex zu werden. Aber diese Menschen werden wieder fort gehen. Mach’natûl, folgender Vorschlag: wir jagen euch und euer Wild nicht. Und ihr jagt uns nicht.

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Rede von Azina saba Belima bei der Verhandlung zwischen Shakriin Boran und Sieghelm von Spichbrecher um die Nutzung eines Tals im Gebiet der Trollzacker für einen Schrein der Travia zum Gedenken an den Kampf gegen den Vortexdiener Turnak’riin und zu Ehren der Erscheinung Travias.

Kurze Gedanken von Azina

Azina stellt sich in die Mitte der Kontrahenten. Ein Zeichen ihrer Neutralität. Ein Zeichen, dass der der die Verhandlung stört, es mit ihr zu tun bekommt.

Hm, sieht er wieder gut aus. Das grimmige steht ihm echt gut. Aber wozu haben Sie diesen Mann dabei? Er scheint mir mehr Tod als lebendig. Er ist ein Geschenk, sagt Boran. Was meint er damit? Möchte er ihn als Zeichen seines guten Willen freilassen?

Die Verhandlung beginnt. Die beiden Anführer stellen sich vor. Auf der einen Seite steht Shakriin Boran, der Schamane der Machnatul und auf der anderen Seite Sieghelm Gilborn von Spichbrecher. Der Shakriin tritt vor und bietet einen alten abgeranzten Mann als Geschenk an. Er zieht einen Dolch. Einer seiner Männer entblößt des Mannes Kehle.

Oh nein. Solch ein Geschenk! Die Gänseritterin hat ja heute Nacht davon fabuliert. Jetzt erinnere ich mich auch, dass er mir schon bei unserer ersten Begegnung Bakkus opfern wollte als Schutz vor dem Bösen. Auch das war ein Geschenk und ich habe es ausgeschlagen. Was für ein Trottel! Er muss doch mitbekommen haben, dass bei uns Ofer nicht gewollt sind. Das ist eine Provokation! Das wird er noch bereuen!

Boran nähert sich mit erhobenen Dolch dem Mann.

Es ist zu spät. Nun, der Mann war eh schon so gut wie tot. So hat sein Leid ein Ende, lebend kommt er sowieso nicht hier heraus. Hier und jetzt gilt es ein Blutbad zu verhindern. Ich hoffe, es tut jetzt keiner etwas unüberlegtes. Dieser Mann ist leider nicht zu retten.

Gerade als der Schamane den Dolch an die Kehle des Mannes setzt, öffnet Jane Pedderson ihr Buch der Hesinde und beschwört hinter Shakriin Boran ihren Geisterkrieger, der auch sofort zum Schlag ausholt.

JANE NEIN!! Ist sie von Sinnen? Es werden vielleicht viele Menschen sterben, jetzt und zukünftig.

Sie reißt ihren Speer aus dem Boden und pariert den Angriff des Geistes. Es sprühen blau-weiße Funken, als die heiligen Waffen zum ersten Mal aufeinandertreffen.

 

Wessen Land?

Natürlich beobachten uns die Trollzacker. Wir betreten schließlich ihr Land. Dass sie uns noch nicht überfallen haben, spricht entweder für unsere Stärke oder ihre Vorsicht. Das letzte Mal sind sie über uns hergefallen und haben es mit Blut teuer bezahlt. Es ist jedoch nicht auszudenken, was passiert, wenn der ganze Stamm über diese Prozession herfällt. Das wird ein Gemetzel mit hohen Verlusten auf beiden Seiten, das es zu verhindern gilt. Auch muss eine dauerhafte Lösung für die Nutzung dieses Tals gefunden werden. Sie werden sich nicht davon abbringen lassen, den Schrein zu bauen. Bezahlen müssen dann die ahnungslosen Pilger mit ihrem Leben, ehe es zum Krieg kommt. Ja, Krieg, auch wenn Sieghelm das nicht so sehen möchte. Die Trollzacker kennen sich hier bestens aus. Hartfurten kann ihnen nicht standhalten. Rasch ist Hochstieg von der Außenwelt abgeschnitten. Sieghelm tut in diesen Zeiten gut daran, sich mit seinem Nachbarn gutzustellen.

Ich kann verstehen, dass dieser Tempel notwendig ist. Einmal zur Huldigung von Travias Erscheinung.

Bei dem Gedanken an die heilige Mutter, die sie ja selbst mit eigenen Augen gesehen hat, wird ihr vor Ehrfurcht ganz flau im Magen. Die Gütige ist Azinas verzweifelten, von Schuldgefühlen begleiteten, Ruf gefolgt, um den Propheten (Nehazet) vor dem Tod zu bewahren, nachdem er im Kampf gegen den Vortexdiener Turnack’riin von diesem und Azinas eigenem fehlgeleitetem Speerstoß schwer verwundet wurde.

Und er ist ein wichtiges Zeugnis für die Wichtigkeit des Kampfes gegen den Vortex und somit auch für den Orden. Menschen werden hier herkommen, um Zeuge der Wunder und Zeuge der Zerstörungen zu werden, die beide diese bewegte Zeit begleiten. Nicht auszudenken, wenn sie hier durch die Trollzacker Schaden nehmen. Das würde dem Ansehen des Ordens Schaden und damit unserer Aufgabe. Und diese steht über allem anderen.

Natürlich haben auch die Trollzacker ein Anrecht auf dieses Land. Schließlich waren sie vorher hier und haben alles Recht, es zu verteidigen. Meine Aufgabe ist es, ihnen begreiflich zu machen, warum wir hier sind. Vielleicht verstehen sie es und lassen uns unter Auflagen gewähren. Ich hoffe es.

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Azinas Gedanken

Unfrieden in der Lathjutok

— als Kelva von den Kisa-Nivayak —

Da sind wir nun. Hier im Süden. In einer großen steinernen Jurte, die aus mehreren Teilen besteht. Sie ist sehr schön geschmückt mit allerlei Wandbemalungen und Schmuckgegenständen. Teileweise sind die Wände mit handbearbeiteten bunten Fellen behangen. Die gefallen mir. So einen Teppich, wie sie ihn nannten, wäre auch etwas für uns, um die Jurten warm zu halten. Insgesamt sind die Jurten jedoch sehr ungeeignet für ein Nomadenleben in den Steppen der Tuundra. Aber hier im Süden ist es ja sehr warm und selbst im Fien, sollte es noch warm genug sein. So müssen die Jänak nicht zusammen mit den Kamelen im Wind singen und können hier bleiben. Wozu aber brauchen sie dann die Kamele? Sie essen sie nicht, hat Surtha gesagt. Nur zum Tragen sind sie gut. Aber was tragen sie, wenn sie nicht wandern?

Und hier hin haben uns die Himmelswölfe geführt. Sogar Surtha und ihre Dekurio hat es hierher verschlagen. Auch wenn sie den Ruf der Manikku nicht hören können, sind sie doch hier und helfen uns die Aufgabe mit dieser Sanduhr zu lösen. Nach einigen Fragen und einer unheimlichen Begegnung mit einem Geisterseher fanden wir heraus, dass hier Übles am Werk ist. Außerdem ist die ganze Jurte von Geistern besetzt. Aber nicht solche Geister, wie der Geisterseher meint, der mit den Toten hier auf der Erde spricht. Kelva schüttelt sich vor Abscheu und Angst. Sondern mit den guten Geistern der Natur. Vor allem die Gabetaj scheinen sich hier wohl zu fühlen und verbergen geheime Kammern vor unseren Blicken. Kelva-mi kelvo! Wir haben sie gefunden. Doch die Geister sind nicht das Problem. Der Friede in der Lathjutok ist gestört. Selim ist verschwunden und Sedef scheint dafür verantwortlich zu sein. So schreibt es Selim selbst auf einem geheimen Papier, das Surtha gefunden hat.

Der Sohn des Lathi Aslaban, Nihabat heißt er, bat uns ihm zu helfen seinen Freund Selim zu finden. Dieser kommt von einer Schule, die eine Sanduhr hat. Er erklärte das mit der Art der Magie. Der Magie der Zeit. So konnte Nihabat plötzlich hinter uns sein, ohne, dass wir es bemerkten. Er kann die Zeit beeinflussen. Ich weiß nicht recht, ob die Manikku das für richtig halten. Wir Kaskju kennen so etwas nicht. Es gibt nur diese Zeit in der wir leben. Die Gegenwart liegt hinter uns und die Zukunft liegt vor uns. Wie kann denn etwas Künftiges jetzt passieren? Das verstehe ich nicht. Ich werde Saari fragen, wenn wir zurückkommen. Ich hoffe ihr und den anderen geht es gut.

Jedenfalls konnte ich mit Hilfe der Fetische von Selim die Spur seines Geistes zurückverfolgen. Er befindet sich in einem Jutenteil unter dem Brunnen an der Wand gefesselt. Ich berichtete Nihabat davon. Doch bisher haben wir noch keine Idee, wie wir ihn da rausholen können. Wir wissen auch nicht, ob Nihabats Vater Aslaban davon weiß. Er mag Sedef wohl sehr und wird nicht erfreut sein, dass dieser seinen Bruder festhält. Oder doch?

Vielleicht haben Imion und sein Freund Hamil eine Idee! Für Geschichten, so wichtig sie auch sind, um die Geschehnisse den Nachkommen zu hinterlassen, ist später noch genug Zeit. Wir müssen das Rätsel der Sanduhr in unseren Träumen entschlüsseln. Dafür sind wir hier.

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Kelvas Erlebnisse

Wurzeln

Azina macht sich mit ihrem Wolf auf den Rückweg zum Warnturm. Die Luft ist klar und frisch. Das Madamal spendet durch den wolkenlosen Himmel etwas Licht. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie an die zurückliegenden Stunden denkt.

„Ist er nicht prachtvoll, Elfenbein? So stark, so männlich! Und er duftet nach Natur. Herrlich! Und er hat mir seine Welt gezeigt. Sie besteht aus mehr als diesen Bergen, diesem Schnee und diesen Bäumen. Ich meine, ich habe einmal etwas von Sumu gehört. Von der Kraft der Natur. Der gefallenen Riesin. Beide Geschichten stimmen überein.

Er nannte es Shamar. Das Shamar ist die Lebenskraft, die aus der Erde kommt. So erzählte er es mir und er zeigte es mir.“

Gedankenverloren fährt sie noch einmal mit ihren Fingern ihre Adern an ihrem Handgelenk nach. Sie erschauert.

„Und Firun lässt mich sie sehen! Rot wie das Blut in den Adern aller Lebewesen. Blau wie das Erz aus der Erde, das die Pflanzen in sich aufnehmen. Weiß untermalt die Neutralität der Magie. Violett ist die Farbe der Dämonen. Und schwarz ist der Vortex. Er stammt nicht aus dieser Welt. Er ist etwas Fremdes. Ein farbloses gefährliches Dunkel, das unsere Welt zu verschlingen droht.“

Sie bleibt kurz stehen und schließt die Augen. Ihre Hände tasten nach Elfenbeins Kopf und kraulen ihn hinter den Ohren. Der Schatten ihrer Augenlider weicht einer strahlenden Helligkeit. Blaue Linien erweitern zuckend ihre Sicht bis sie das gesamte Gebirgsmassiv vor sich sehen kann. Mit jedem einzelnen Vorsprung und jedem Spalt. Sie blickt hinunter auf Elfenbein. Seine rote Aura gewinnt an Tiefe, je länger sie ihn betrachtet. Feinste Fassetten seines Seins offenbaren sich ihr. Mit dem Gedanken an den Ursprung des Lebens folgt sie den Strängen und findet kein Ende.

„Alles kommt aus Shamar. Oh welch eine Ehre ist es, dies sehen zu dürfen. Die Lebensadern unserer Welt. Firun, welch ein Geschenk! Womit habe ich das verdient? Nein, nicht verdient. Ich erhielt sie, um sie zu nutzen und um zu dienen. Wie kann ich das im Besten Sinne tun? Wie kann ich, mit dem was mir gegeben ist, am besten dienen? Ich kann sehen, was sonst keiner sieht. Zumindest nicht auf so einfache Weise. Ich sehe, was in dieser Sphäre fremd ist. Und ich kann bekämpfen, was ich sehe.

Und vielleicht ist es mit dieser Gabe sogar möglich zu heilen. Zerrissene Lebensadern wieder zusammenzufügen. Zu reinigen. Wieder herzustellen, was verdorben ist.

Wenn ich in einigen Tagen zu Garnan zurückkehre, werde ich ein Jahr lang eine Augenbinde tragen! Bis ich meine Wurzeln finde … Nein … Boran irrt sich. Ich habe meine Wurzeln bereits gefunden. Ich habe vier Jahre danach gesucht. Ich sehne mich nach ihnen. Und doch kann ich noch nicht  verweilen. Aufgaben erwarten mich. Denn ich bin der Bote. Und als solcher bringe ich die Kunde Firuns. Tod und Verderben allen Dämonen und Vortexwesen! Ich werde sie aufspüren und vernichten. Ich bleibe eine Jägerin. Doch meine Beute ist eine Andere.

So oft ich kann, werde ich mich meiner Wurzeln erinnern und meine Kraft daraus schöpfen. Und wer weiß. Wenn alles vorbei ist, finde ich vielleicht, wonach mein Herz sich sehnt.

Doch das kommende Jahr widme ich mich der Quelle Kraft, den Trollzacken und Shakriin Boran!“

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Azinas Gedanken

Gastfreundschaft

Azina sitzt an ihrem Feuer vor dem Warnturm mitten in den Trollzacken und starrt in die Flammen. Elfenbein hat sein noch blutverschmiertes Maul in ihren Schoß gelegt. In Gedanken versunken krault sie ihm hinter den Ohren, während das Bärenfleisch am Stock vor sich hin brutzelt.

Es scheint, als habe ich die letzten zwei Tage verschlafen. Wie konnte mir die Veränderung von Kalkarib entgehen? Nun ja, er hat sehr viel gebetet. Sehr viel. Und des nächtens war Delia bei ihm und hat wer weiß was mit ihm getrieben. Sie haben nun noch etwas gemeinsam. Sie tragen beide dämonisches Wirken in sich. Sie sind beide eine Gefahr für alle. Kalkarib noch mehr als sie.

Er denkt, er sei hier Gast. Ich denke, er steht unter Arrest! Zumindest bis Nehazet eine Lösung für das Problem hat. Ich hoffe, er arbeitet fieberhaft daran. Nicht, dass es uns wieder in die Stadt zieht. Nein. Aber ich habe Garnan ein Versprechen gegeben. Und das will ich halten. Muss ich halten.

Und wenn er gastfreundlich hätte sein wollen, so hätte er nach meiner ersten freundlichen Aufforderung sein Lager abbauen und nicht seinen Besitzanspruch auf das Bett unterstreichen sollen, wie er es getan hat, in dem er seelenruhig seinen Teppich dort verstaute. Gastfreundschaft heißt, für andere auf etwas verzichten. Habe ich ihnen nicht selbstlos das warme Zimmer für die Nächte überlassen? Er selbst verzichtet auf nichts. Er bekommt alles was er braucht, ohne etwas zu tun. Essen, Kleidung, ein Bett, Zeit und meine Wache. Wer wäre zur Stelle gewesen, hätte sich etwas aus ihm gelöst. Wer hätte ihm geholfen? Niemand. Er wäre allein. Er wäre womöglich schon längst tot, wäre ich nicht bei ihm geblieben.

Ich habe nicht übel Lust auf ihn zu fluchen, diesem armseligen Wurm.

Was er sich einbildet so mit mir zu sprechen? Antwortet nicht direkt auf meine Bitten, verweigert den Disput. Ignoriert mich einfach. Mistkerl. Hat sich kein Stück geändert. Immer noch der gleiche Emporkömmling! Man sollte meinen, er wäre nun ein wenig demütiger. Jetzt wo wir ihn gleich zweimal aus unendlichen Qualen befreit haben. Aber nein. Nicht der Herr mit seinem Wasserkännchen.

Noch dazu ist er hoch gefährlich! Ich hätte ihn und das lila Geschwür in ihm sofort töten sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte! Es ist ein Privileg noch am Leben zu sein! Und nun das. So dankt man für das Leben, das einem geschenkt!

Und doch … wer  bin ich, dass ich über Tod und Leben zu entscheiden hätte? Er scheint zumindest stabil zu sein. Ich gebe mich geschlagen. Sieghelm kennt die Situation und weiß, in welcher Gefahr er sich befindet. Und offenbar ist es ihm gleich. So soll es auch mir sein. Nur werde ich keinen Finger mehr für den Sohn der Wüste krumm machen. Soll der Dämon doch seine Eier zermalmen!

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Azinas Gedanken