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WOW

Wir begegneten einem Göttlichen Wesen. Der Herold, ein Waldmensch aus dem Süden, erzählte eine Geschichte über einen Greif, der die Menschen auf Sumus Leib begleitete, aber noch nicht zurückkehren durfte, da seine Buße noch nicht vollendet war. Nehazet bat mich, wohl einer Eingebung folgend, einen zweiten Blick auf ihn zu werfen. Und wahrhaftig! Vor den versammelten Augen der Turneiteilnehmer wandelt ein göttlich strahlendes Wesen und erzählt uns eine Geschichte. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um seine eigene Geschichte.

Die Menschen hängen andächtig an seinen Lippen und lauschen seinen Worten. Während mein Blick allein auf seiner weiß schimmernden Aura liegt. Mir kommen fast die Tränen, so schön und so rein ist sie. Dergleichen habe ich in dieser Menge noch nie zuvor gesehen. Unsere Amulette und Gegenstände leuchten, ja. Und geweihte Tempel schimmern ebenfalls weiß. Aber das hier? Das ist hier, ist wahrhaftig der göttliche Geist.

…..

Kam schon der Sieg Sieghelms über den Schwarzen Ritter in der Tjoste und somit der Sieg in dieser Disziplin überraschend, verblüffte mich Jane vollends. Offenbar hat sie im vergangenen Jahr unheimlich viel trainiert. Mit Leichtigkeit besiegte sie ihren verdutzten Gegner. Ja, deklassierte ihn geradezu. Ich bin beeindruckt!

Jetzt stellt sich die Frage eher, ob ich es mit ihr aufnehmen kann und nicht umgekehrt. Hoffentlich treffen wir erst im Finale aufeinander. Alles andere wäre doch schade.

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Azinas Gedanken

Schweigen

Mag dich einer verstehen Sieghelm.

Du richtest Tornado, der sich auf den Vortex einließ und als erster Anker fiel. Möglicherweise traft ihm nur wenig Schuld. Wir wissen es nicht. Es war dir egal. Du verwehrtest ihm ein Gericht. Weder weltlich noch göttlich. Er starb lediglich durch dein Wort und deine Hand.

Aber dem Schwarzen Ritter verzeihst du seine Vergehen? Hat auch er sich nicht mit finsteren Mächten eingelassen? Wie viele Menschen fielen ihm und seiner Schar zum Opfer? Wo bleibt da die Sühne?

Doch ich Schweige. Im Gegensatz zu den anderen, die die Reaktionen der Würdenträger ins Feld führen, wenn du dich mit dem Feind bandelst. Gehe deinen eigenen Weg, Sieghelm. Der Weg der Gnade ist schmaler aber doch größer als der des Todes. Ich weiß das.

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Azinas Gedanken

In Punin – notwendige Besorgungen

29. Tsa Punin

Der morgen verlief, geordnet, oder zumindest so geordnet wie möglich, ich konnte mich der Lektüre diverser Zeitungen widmen, sowie dem verfassen weiterer Depeschen. Was ist nur aus meinem Leben geworden, ich wollte mich doch eigentlich nur der hehren Beschäftigung des Verständnisses des Kosmos über die intelektuelle Auseinandersetzung mittels der Magietheorie widmen, doch nun hier bin ich, irgendwie mache ich etwas falsch mit meinem Leben denke ich.

Azina war nicht aufzufinden, sprich Sie lief vermutlich irgendwo draußen herum, vermutlich gut für Sie und auch einer der Vorteile des Aufenthaltes im Pendulum, nicht das ich davon ausgegangen wäre das die Stadtmauern ein unüberwindbares Hindernis für Sie dargestellt hätten, aber sofern es nicht notwendig ist ein weiteres Problem zu erzeugen, so ist dies zur Abwechslung doch auch einmal erfreulich.

Sieghelm, Bothor und Perainius begaben sich zu einer Veranstaltung um den heiligen Gilborn, interesse bezüglich der Teilnahme an Schauspielen wurde auch groß beworben in einigen der Zeitungen.

Sieghelm hatte erneut eine Schriftrolle, diesesmal ein Sprcuh von St. Gilborn, warum landen alle Schriftrollen eigentlich bei ihm?

Während die anderen also unterwegs waren um sich St. Gilborn zu widmen, erledigten Ingrasdotter und ich einige notwendige Besorgungen, etwas Kleidung, ein bischen Spielzeug, ein paar Pferde, eine Kutsche, etwas Ausstattung für die Kutsche, was halt zu erwarten wäre in so einer Situation. Hmm, mit der Ordensniederlassung in Hammerschlag und unserem baldigen aufbruch gen Gareth, wo ich mich wohl ebenfalls um eine angemessene Residenz bemühen sollte, wäre es vermutlich auch sinnvoll mir Gedanken zu machen über den Aufbau eines Transportnetzwerkes um Waren aus der Heimat zu senden und in diese, zumal mit Bothors Anwesenheit wäre ein Ausbau der NLP in das Horasreich und die Zyklopeninseln naheliegend, hmm ich sollte mich nocheinmal über Schiffe informieren. Tulachim wird sich vermutlich über den Ausbau möglicher Handelsbeziehungen für AwB freuen.

Am Abend waren wir wieder um die gemeinsame Tafel versammelt, das Travianische Tischgebet, selbstverständlich in Aureliani, oblag aus diversen Gründen mir, sollte die Zeit reichen, wäre es eventuell interessant, wenn Thordis mein Repertoire um Thorwalsche Tischgebete erweitern würde.

Als der Rabe uns höchstselbst, natürlich bot ich ihm einen Tee an, einen Besuch abstattete.

Irgendwie denke ich nicht, das ich die nächste Tage in Pendulum sein will, erst nutzt Sieghelm eine Veranstaltung der Bannstrahler um interessenten zu meiner Residenz zu schicken (wenn auch unter, zumindest zu erwartender weise, erfreulicheren Umständen als dies normalerweise für von Veranstaltungen der Bannstrahler ausgehenden Individuen, welche gen Behausungen von nutzern arkaner Kräfte gesandt werden) und nun der Rabe samt Entourage.

Ein neues Ordensmitglied

An den hochachtbaren Kyrios Bothor dylli Memnos, Protospartharios katacheo

Rethis, 3.Phex 2519 Horas

 

Möge Unsere Mutter Rondra und Ihr schweigsamer Bruder mit Euch sein Mein Freund,

Eure Worte bewegten Mich sehr. Nie, so fürchte Ich, werde Ich wieder einen solch treuen Gefährten an Meiner Seite wissen, wie Ich es mit Euch tat. Ich erinnere Mich noch gut an den Moment, als Ich Euch den Säbel überreichte, selten fiel Mir eine Meiner majestätischen Aufgaben so schwer. Doch diese Zeilen an Euch zu schreiben, dies fällt Mir leicht. Da Ich bei Praios weiß, in Euch allzeit einen Freund zu haben, so entbinde Ich euch hiermit von allen geleisteten und geschworenen Eiden. Ich werde mit diesem Brief nach Vinsalt aufbrechen, um eine Audienz bei Ihrer horaskaiserlichen Hoheit wahrzunehmen und mit Ihr Eure Warnung zu besprechen.

Mögen die Götter mit einem Auge über Euch wachen, Hochwürden.

In Ewigkeit

Seekönig Palamydas

Traviaholds Antwort-Brief

Mein lieber Sieghelm,

Ich erfreue Mich daran schon so recht kurz nach Deiner Abreise von Dir hören zu dürfen. Ich musste Deinen Brief doch des Öfteren lesen um zu erfassen was Du Mir alles mitzuteilen gedachtest. Ich werde versuchen mit geordneten Gedanken Dir zu antworten. Wenn Ihr schon aus El~Trutz abgereist seid so nehme Ich an, Delia hat die nunja „schwierige“ Geburt gut überstanden? Ich hoffe Du versteht Meine Andeutung welche Ich nicht vertiefen will; Ich bin mir nicht sicher welche unerwünschten Leser es da geben könnte. Ich fürchte das Kind ~Welchen Namen trägt es denn?~ hat keinerlei Segen der Herrin Mutter oder von Mir aus der Herrin Tsa oder irgendeinen zwölfgöttlichen Segen erhalten? Ich hoffe inständig Du hast Dich anständig verhalten und Ihr auch in Meinem Namen gratuliert. Mit Versenden diesen Schreibens breche Ich nach Rommilys auf, um dem Hohen Ehepaar von Euren Befürchtungen zu berichten. Sollte die Warunkei erneut entfesselt werden und Rhazzazor gar selbst auftreten, so muss unser geliebtes Darpathien gewappnet sein, bis das restliche träge Reich Uns zur Hilfe kommt. Es war eine gute Entscheidung, die Reichsregentin zu informieren, auch wenn Ich nicht glaube, dass Sie die Turney deswegen absagen wird. Du hast den Ritterschlag Dir redlich verdient und Ich kann garnicht ausdrücken, wie stolz Ich darüber bin. Die Offenbarung eines neuen Auserwählten ist zweifelsohne sehr erfreulich, auch wenn Ich meine, dass es schon einen Auserwählten des Herrn Boron gegeben haben sollte. Wenn dieser gefallen ist, sollten Wir dringend Nachforschungen dazu anstellen. Wenn Seine Exzellenz Ihn anerkennt könnte Er auch den Orden anerkennen, das wäre ein enormer Gewinn. Da können Wir von Glück reden dass Er Horasier ist und damit dem Al~Anfaner Ritus wahrscheinlich nicht minder abgeneigt ist, als Wir Mittelreicher. Ich würde Dir anraten auf Nehazet und Jane zu hören und zu versuchen Ihn über freundschaftliche Bande an den Orden heranzuführen. Wenn er ein Krieger ist, wird er ein ebensolcher Sturkopf sein wie Du. Ich vermute stark dass Er nicht nur Bothor heißt sondern einen längeren Namen besitzt. Würdest Du die Güte besitzen, diesen Uns noch zukommen zu lassen? Ob Er dem Orden nun beitritt oder nicht; Wir sollten alle relevanten Informationen über Ihn sammeln; ähnlich wie Wir es mit Maednir tun. Zu guter Letzt freue Ich mir sehr darüber, dass der Rote Pilger so mundet. Vielen Dank auch für Deine Glückwünsche. Ich bin selber noch sehr stolz, allerdings habe Ich das Gefühl Darpatia wird noch launischer als Sie es eh ist.

Bitte grüße alle recht freundlich von Mir.

Dein Dich liebender Traviahold

Ein Brief über Bier, Pfade und andere frohe Kunde

Verehrter Traviahold,

der heilige Travinian möge auf dich herabblicken, mein geliebter Bruder. Ich wende mich an dich, um meine Gedanken zu Ordnen. Ich schreibe dir diese Zeilen gerade aus Punin, und zwar aus einem kleinen Anwesen unseres zaudernden Freundes Nehazet. Die Ereignisse zwangen uns rasch zu handeln und so schnell wie nur möglich hierher zu kommen. Wir mussten dafür dieses luftige Zauberwerk nutzen, mit jenen mich Nehazet einst aus Hammerschlag in den Balash geholt hatte. Du erinnerst dich bestimmt, ich erzählte dir davon. Doch eins nach dem anderen:

Die Probebrauung des „Roten Pilgers“, welches zu mir zukommen ließest, mundet wahrlich köstlich! Man schmeckt darin die Kraft und die Leidenschaft eines echten Darpaten! Vollmundig und würzig, so wie ein Bier sein soll. Sogar so gut, dass es selbst einem weintrinkenden Horasier mundet. Ja du liest richtig, einem Horasier! Genau genommen einem Inselbewohner, einem Zyklopäer. Sein Name ist Bothor und er wurde in unserem Beisein in El’Trutz von dem schweigenden Gott erwählt. Vielleicht hätte ich vorher erwähnen sollen, dass du dich setzen sollest. Ja auch hier liest du richtig. Wir haben einen neuen Auserwählten gefunden – er ist leider Horasier. Ich habe ihn zwar noch nicht streiten sehen, aber er scheint nicht ganz kampfuntauglich zu sein, da er von einer Kriegerakademie von dort kommen soll. Ich habe jedoch noch nie davon gehört, dass es dort überhaupt eine gibt. Wusstest du, dass bei den renommierten Feuerlilien einen horasischen Schwertmeister gibt? Sein Name ist Plinian von Kalarkis – ich hatte ein paar Lehrstunden bei ihm. Ich habe ihn jedoch nie richtig respektiert, da er einen undarpatischen Kampfstil hatte. Wir nannten ihn Aufgrund seiner Namens unter uns Schülern immer „Die Kakerlake“, wohl auch als Verballhornung, da er die ganzen Waschungsritualle viel länger fröhnte als alle anderen – doch ich schweife ab.

Ich offenbarte ihm seine Bestimmung. Dass er von nunan unserem Pfad zu folgen habe und es sein Schicksal sei, sich Borongefällig zu verhalten. Ich offerierte ihm auch die Aufnahme in den Orden. Nehazet und Jane sprachen sich jedoch dagegen aus, sie wollen, dass er sich selbst dafür entscheide und rieten ihm nach Punin zu reisen um den Patriarchen zu seiner Bestimmung zu befragen. Die nächsten Tage erhielt dieser Zyklopäer dann prophetische Visionen, welche später, von seiner Erhabenheit Bahram Nazir selbst als wahr eingestuft wurden. Oh an dieser Stelle möchte ich dich bitten – falls du es nicht ohnehin schon tust – dich zu setzen. Eine Vision offenbarte uns, dass die Warunkei dabei ist wohl einen Feldzug zu starten. Der Heptarch Rhazzazor ist erwacht und scharrt dunkle Truppen umsich. Ein Brief geht aus diesem Grunde auch deine Frau Gemahlin, der Anweisungen enthält über die sie dich bestimmt noch in Kenntnis setzen wird. Ich habe natürlich sofort der Reichsregentin geschrieben und sie darum geben die Frühlingsturnei, zu der ich eingeladen bin um zum Reichsritter geschlagen zu werden, abzusagen. Oh, das hätte ich wohl vorher schreiben sollen? Mich erreicht ein Schreiben vom Reichstruchsess Fingorn, der mich einlud an der Frühlingsturnei in Gareth teilzunehmen, um im Anschluss dann zum Reichsritter geschlagen zu werden – was aus politischer Sicht sicherlich interessant ist, aber darum soll sich deine Schwiegermutter kümmern. Dass ich zum Ritter geschlagen werde, und das auch noch von der Reichregentin höchstpersönlich, bei meiner Treu, das hätte ich mir in kaum erträumen können.

Grüß bitte deine Schwiegermutter von mir. Achso: Glückwunsch übrigens! Es freut mich, dass mein Bruder in bälde Vater wird! Ich schreibe dir wieder, sobald ich die Zeit dazu finde.

Ich verbleibe, mit rondrianischen Grüßen,

dein dich liebender Bruder, Sieghelm

Gassi im Nirgendwo

Im Phex 1027

An einer staubigen Straße im Nirgendwo ist nur das leise aber hastige Tapsen von kurzen Hundebeinen zu hören, welches nur vom gelegentlichen knarzen und metallenen Scheppern einer hochwertigen Metallrüstung übertönt wird. Ordensgroßmeister Sieghelm kneift die Augen zusammen, als er über die trockene und steinige Ebene schaut, während Pagol – sein treuester Begleiter – nach einem Ort ausschau hält den er bewässern kann. „Vermisst du auch die saftigen Wiesen Darpatiens, Pagol.“ beginnt Sieghelm mit nostalgischer Stimme das Gespräch – oder wäre ‚Monolog‘ das passendere Wort dafür? Pagol schnuppert vorsichtig an einer vertrockneten Pflanze. „Ich auch … “ raunt er. „Praios straft dieses Land mit einer schier unerträglichen Hitze. Die gebende Göttin versagt ihm ihr wohlwollen und lässt kein einzig anständig Kraut wachsen.“ Sieghelm wendet seinen verkniffenen Blick vom Horizont ab und blickt nach Pagol. Dieser scheint ebenfalls unzufrieden mit dem Ort und schaut seinerseits nach seinem Herrchen. „Vielleicht ist es dort hinten besser.“ spricht er und nickt in Richtung einer weiterer Steingruppe.

Hastig eilt Pagol an die Seite seines Herrchens, dabei hat Mühe er mit ihm mitzuhalten. „Was hältst du eigentlich von dem neuen – dem Zyklopäer?“ Der Krieger hält sich die Hand vor die Augen, um ohne die selbigen kneifen zu müssen zu Pagol schauen zu können. Doch der Dackel starrt nur schnurstrack nach vorne. „Hmm, vielleicht hast recht – es ist noch zu früh für eine Meinung.“ Nachdenklich stößt Sieghelm einen Kieselstein beiseite. „Der schweigende hat ihn auserwählt, wie es scheint. Ganz gleich was ich oder die anderen von ihm halten, es ist fortan sein Schicksal dem ihn vorgezeichneten Pfad zu folgen. Tut er dies nicht, wird sein Anker fallen und unsere Gemeinschaft vor größere Probleme stellen.“ Da das Gespräch plötzlich an Tiefe gewonnen hat, bleibt Pagol kurz stehen und schaut zu seinem Herrchen auf. Er legt seinen Kopf ein wenig schief als würde er eine Frage stellen wollen. „Verstehst du es nicht? Wenn dieser Bothor nicht seinem Schicksalspfad folgt, wird er ein Diener des Blutkaisers und wird fortan gegen uns streiten – wie einst Tornado.“ Der Blick des Hundes wendet sich ab, mit der Nasenspitze schnüffelt er an einem trockenen Büschel Gras. „Was? Ist dir das etwa egal?“ platzt es aus Sieghelm empört heraus, wobei seine Rüstung einen bedenklichen Quitscher von sich gibt. „Darüber hatten wir schon gesprochen!“ – wettert er in erhöhter Lautstärke hinterher. Doch Pagol lässt sich davon nicht irritieren. Seine Nase wandert von dem Grasbüschel zu einer vertrockneten Eidechse. Sieghelm fällt die Kinnlade herunter, perplex schaut er sich hilfesuchend nach Unterstützern um, die ihm bei seiner Meinung bekräftigen könnten. Doch als er bemerkt, dass nur er und sein Hund hier sind, konzentriert er sich wieder. „Hör zu …“ beginnt er im leiseren aber belehrenden Tonfall. Wobei er mit seinen Händen bedeutungsschwangene Gesten in die Luft, zur Untermauerung seines Arguments zeichnet. „Ich weiß, dass du der Meinung bist, dass es das Schicksal ist, dass manche Anker fallen MÜSSEN – da es uns im Kampf gegen den Blutkaiser dichter zusammenrücken lässt.“ Pagol wendet sich von der Eideche angewidert ab und tapst hastig um einen größeren Stein herum – Sieghelm eilt genervt und belehrend hinterher. “ … aber ich bin der Meinung, dass jedes Leben kostbar ist und wir es uns nicht leisten können die Jenseitigen zu stärken. Jeder muss gerettet werden, ob er will oder nicht! Und das können nur wir – bei Farmelors Schuppen – wenn er UNSEREM Pfad folgt!“ Sieghelm sticht beharrlich mit seinem Finger in einen in der Luft gedachten Pfad. Der Leutnant scheint inzwischen den Ort seiner Begierde gefunden zu haben und hebt an einem dicken und kantigen Stein seine Hinterpfote. Sieghelm, der ohnehin schon in der Hitze in seiner schwarzen Rüstung brütet – kocht nun vor Wut. Wohl auch, da es seinem treuesten Weggefährten kein bisschen zu interessieren scheint, was er da gerade gesagt hat. Er stößt einen wütenden Schnaufer aus, der fast einen Mindergeist erschaffen hätte, und dreht sich wütend zur Seite weg. Unglücklicherweise genau in Richtung der Praiosscheibe. Zuerst verkneift er wieder die Augen, doch durch seine aufkeimende Wut und seinem allgemeinen Hass auf dieses trostlose – von den Göttern verlassene Land – hebt er wieder wütent die Hand vor die Augen. Ein leises Plätschern unterstreicht die unidyllische Stimmung.

Leise aber hastige Pfotenschritte nähern sich dem Ordensgroßmeister von hinten. Dieser schmollt jedoch noch immer und badet sich gerade in seiner Wut. Für Sieghelm ist es unverständlich, dass seine Gefährten – und damit meint er Nehazet und Jane – ihm nicht sofort zugestimmt haben. Gerade sie, müssen doch wissen, wie wichtig ihre göttliche Queste ist. Dass der Wille des einzelnen nicht so wichtig ist, wie das Wohl der Gemeinschaft. Doch sie können es nicht verstehen – sie sind keine Darpaten, denn nur echte Darpaten wissen, was es heißt, nicht nur an sich zu denken, sondern für das Wohl aller im Mittelreich zu arbeiten. Sie sind Individualisten, die denken, dass jeder eine freie Wahl haben sollte. Freie Wahl? Das ist wider der praiosgefälligen Ordnung und führt unweigerlich zu Anarchie, Hunger und Elend. Und genau ist es was uns schwach macht – und ein schwaches Darpatien, ist ein Geschenk für ein erstarkendes Warunk. Solange es noch Darpaten gibt, die mit stolz stets einen Schritt mehr gehen als andere, die stets nicht an sich, sondern an die Gemeinschaft denken, werden die schwarzen Landen keinen Schritt Land gewinnen. „Keinen Schritt!“ zischt Sieghelm zwischen zusammengebissenen Zähnen wütend hervor und dreht sich dabei achtlos nach Pagol um. Der Dackel erschrickt, als sein Herrchen sich so wutentbrannt zu ihm wendet und macht einen Hüpfer nach hinten. Zuerst verängstigt, doch dann sich seiner Jagd-Erziehung ergebend, knurrt Pagol mutig zurück. Die Blicke der beiden treffen sich, und beide fletschen für einen Moment die Zähne. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ ermahnt der Ordensgroßmeister und macht dann auf dem Hacken kehrt zurück zu Karawane der Individualisten. Pagol bleibt noch einen kurzen Moment in der Angriffshaltung stehen und tapst dann ebenfalls wütend hinterher.

Briefe, die geschrieben werden müssen

Bothor saß im Anwesen seiner Hochgelehrten Hochwürden Nehazet und versuchte zwei Briefe aufzusetzen. Einen Großteil der Zeit verbrachte er damit, Löcher in den Limbus zu starren, da er Ereignisse in Worte zu fassen hatte, für die er selbst keine hatte.

 

An seine Exzellenz Großadmiral Praiokles Aleistos zu Rethis                                                                                                                                                                                                      Punin, 23. Tsa 2519 Horas

Sei gegrüßt Praiokles,

ich hoffe Peraines Segen weilt auf dir. Wie steht es um meine geliebte Heimat? Wie macht sich Rondrakles als neuer Protospartharios? Du wirst dich wundern, warum du so früh Nachricht von mir erhälst, doch ist meine Reise nicht so gelaufen, wie ich es plante. Ich benötige deinen Rat und deine Hilfe als Freund, sowohl als der meinige, als auch der seiner Majestät.

Ich bin so eben von einer Audienz bei seiner Erhabenheit dem Raben von Punin zurückgekehrt. Mir wurde ein außergewöhnlicher Segen zu Teil. Der Schweigsame höchstselbst erhob mich zu seinem Auserwählten, oder Abgesandten, wie es seine Erhabenheit nannte. Er erwählte mich dadurch zu seinem Krieger in einem Kampf gegen mir unbekannte Feinde, die die Götter und die Welt vernichten wollen. Und ich spreche wohl von größeren Übeln, als Dämonen. Wie es die Götter so schmiedeten traf ich von wenigen Tagen auf einen recht ungewöhnlichen Haufen Männer und Frauen, die sich der „Orden zum Schutze der Schöpfung“ nennen und die – zumindest die sechs Ordensmeister – ebenso von den Göttern erwählt worden sind. Ich habe garnicht genügend Pergamente, um dir zu schreiben, was ich über diesen Haufen denke. Vor Allem der Ordensgroßmeister, seine Exzellenz Sieghelm Gilborn von Spichbrecher, wäre der Grund unerschöpflicher Schimpferei. Du erinnerst dich an Alaios, den jungen Ausbilder in deinem zweiten Jahr an der Akademie? Seine Exzellenz ist recht ähnlich, nur noch sturer, dickköpfiger, eingebildeter, selbstherrischer, ich schweife ab. Ich wollte schreiben, dass trotzdem, oder vielleicht deswegen, viele Krichen dem Orden ihren Segen gegeben haben. Seit heute wegen mir auch die Kriche des Schweigsamen, aber am wichtigsten, auch seine Eminenz Nepolemo ya Torese. Nun wurde das Angebot an mich herangetragen, dem Orden beizutreten, ein Schritt, der mir recht vernünftig erscheint. Denn Boron vermachte mir die Gabe der Visionen. Und was ich sah, war eine entfesselte Warunkei, ein Ereignis, dass auch für unser Königreich und selbstredend auch das Horasreich von Bedeutung ist. Doch du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich nicht ohne die Erlaubnis seiner Majestät eine solche Entscheidung treffen kann. Hier bitte ich dich, ihn davon zu überzeugen, mich von meinem Eid zu entbinden. Und in Rahjas Namen, ich weiß, dass du das kannst.

Die Boten werden mich in Gareth auf der Kaiserlichen Turney antreffen. Der Auserwählte unserer Mutter Rondra wird zum Reichsritter geschlagen, ein Ereignis, dass ich mir nicht entgehen lassen möchte.

In ewiger Zuneigung

Bothor


An seine Seekönigliche Majestät Palamydas Thaliyin zu Rethis                                                                                                                                                                                                  Punin, 23. Tsa 2519 Horas

Die Götter mit Euch meine Majestät!

Schweren Herzens sende ich euch die folgenden Zeilen. Seine Erhabenheit, der Rabe von Punin, eröffnete mir heute in einer persönlichen Audienz, dass der Schweigsame mich auserwählte als sein Streiter zu dienen im Kampfe gegen Wesenheiten wider der Götter, welche Vortexwesen genannt werden. Die Herren Alverans ließen es geschehen, dass ich derzeit mit einer ehrenhaften Gruppe von Männern und Frauen reise, die sich der „Orden zum Schutze der Schöpfung“ nennen und welche den gleichen Segen erfahren haben wie ich: Seine Exzellenz Ordensgroßmeister Sieghelm Gilborn von Spichbrecher als Auserwählter der Herrin Rondra, seine Hochwürden Nehazet Alam el Ketab ay Yash-Hualay von Punin Rohaldor ibn Tulachim als Auserwählter der Herrin Travia, ihre Hochwürden Azina saba Belima als Auserwählte des Herrn Firun, ihre Hochwürden Jane Peddersen als Auserwählte der Herrin Hesinde, ihre Hochwürden Delia al Cumrat bân Rezzan als Auserwählte der Herrin Rahja sowie mir noch nicht persönlich bekannt seine Hochwürden Mædnir Hasgarsson als Auserwählter des Herrn Efferd. Dieser Orden besitzt nach meinem Kenntnisstand mindestens zwei Burgen sowie die Legitimation mehrerer Kirchen, darunter eine persönliche Bestätigung seiner Eminenz Nepolemo ya Torese. Wie es scheint plant auch ihre Kaiserliche Hoheit Reichsregentin Emer Ni Bennain den Orden anzuerkennen, da sie seine Exzellenz zu einem Reichsritter zu schlagen gedenkt. Dieser Orden nun trug an mich heran, ich solle ihm beitreten, um gemeinsam zu streiten. Hier sei euch mitgeteilt, dass mit meiner Auserwählung durch den Schweigsamen zweierlei mit mir geschah. Zum einen wurde mir die Gabe zu Teil ein Lebensalter zu erreichen, dass das eure wohl überschreiten wird. Zum anderen empfange ich in meinen Träumen Visionen von Dingen, die einst waren, und Dingen, die dereinst sein werden. Zu letzteren gehört die Entfesselung der Warunkei und ihr Einfall in das Mittelreich, ein Ereignis, das unter ungünstigen Umständen auch unsere allseits geliebte Heimat zu betreffen droht.

Daher erbitte ich, euer langjähriger Diener und, worauf ich allzeit stolz sein werde, Freund, euch, meine Majestät, mich von meinem Eid allein euch allzeit bis in meinen Tod zu dienen, zu entbinden. Mein Herz wird sich nie von seiner Liebe zu euch lösen. Wie immer füge ich mich bedingungslos eurem Wort.

Ergebenst

Kyrios Bothor dylli Memnos, Protospartharios katacheo

Der Abschied von Hochstieg – Wege in die Heimat

Nach einer letzten gemeinsamen Nacht im Warnturm wurden die letzten Habseligkeiten wurden gepackt und verschnürt. Delia und Kalkarib betraten ein letztes Mal Hochstieg, um sich von Sieghelm und ihren Freunden zu verabschieden.

Es wurde Zeit in die Heimat zurückzukehren. Die Wege ins Tal entglitten dem eisigen Griff des Winters und wurden wieder passierbar. In Kohlhütten legten Sie eine kleine Rast ein. Delia stahl sich von der Seite ihres Mannes, mit der Ausrede sich erleichtern zu müssen. In Wahrheit schlich sie sich zu der Stelle, an welcher sie das erste Mal die alte Vettel Kohlhüten sah. Dort legte sie ein kleines Geschenk nieder und wünschte der Vettel alles Gute. So setzten sie ihre Reise fort. Mit jedem Höhenmeter abwärts schien es wärmer zu werden, ganz zur Freude von Kalkarib. Ab und an blickte Delia ein wenig wehmütig zurück. Ihr gefiel Hochstieg und sie hatte sich fast schon etwas heimisch dort gefühlt. Auch würde sie ihre Freunde nun eine ganze Weile nicht wiedersehen können. Bis auf Nehazet und Jane, welche nicht weit entfernt von El´Trutz wohnten. Doch Azina, Sieghelm und Traviahold würde sie schon sehr vermissen. Sie würde sie jedoch wiedersehen, soviel war sicher. Das Schicksal verband die Freunde miteinander und so war es nur eine Frage der Zeit und davon hatte die Hexe eine ganze Menge. Vielleicht würde sie eines fernen Tages auch nach Hochstieg ziehen. Spätestens wenn Kalkarib starb oder ihre Alterslosigkeit zu sehr auffiel.

Ab Dettenhofen wurde ihre Reise deutlich einfacher. Die Straßen waren ausgebaut und breit genug für eine angenehme Reise. Kurz vor der Grenze zu den Tulamidenlanden tauschten sie ihre mittelländische Währung in ihre heimische Währung um. Delia bemerkte, dass Kalkarib mit jeder Meile näher an El´Trutz freudiger wurde. Er freute sich sehr auf das Wiedersehen mit seiner Familie. Obwohl ihm sein „Geschenk“, welches als Waffe in ihm ruhte, viel Unbehagen bereitete. Kurz war er verleitet mit seiner jungen Familie ein einsames Dasein fern ab von allem zu führen. Doch wie sollte er das seiner Familie erklären? Delia nutzte die lange Reise, um ihn mit ihrer geschickten Zunge gut zu zureden. Letztlich gelang es ihr, ihn zu überzeugen, dass es für sie und das ungeborene Kind bessere wäre innerhalb von El´Trutz zu wohnen und somit auch den Schutz seiner Sippe genießen zu können. Delia brachte Kalkarib Meditationen bei, mit denen er sich beruhigen und zentrieren konnte. Auch war sie sich bewusst, dass sie selbst der Auslöser für die Waffe war, so wurde es ihr gesagt.

Die Ankunft in El´Trutz wurde gebührend gefeiert. Erst recht, als Kalkarib der Sippe verkündete, dass Delia ein Kind von ihm empfangen würde. Für Delia war es nicht leicht sich in die Sippe zu integrieren. Zwar waren alle sehr freundlich und nahmen sie gerne auf, doch aufgrund ihrer Schwangerschaft durfte sie sich nicht so in die Sippe einbringen, wie sie es sich wünschte. Kalkaribs Eltern waren sehr stolz auf ihren Sohn und auf darauf, dass Delia ihm ein Kind schenken würde.

Nun von einem Kind wussten sie, doch von dem befleckten Kind erzählte Delia nichts. Nur Ihrer Mutter Isaria teilte sie diesen Umstand mit. Sicherlich würde sich auch hierfür eine Lösung finden lassen. Die Geburt und die Feierlichkeiten hierzu ließen jedoch Spannendes erwarten.

Für Delia stellte sich mit jedem Tag aufs neue heraus, dass es die richtige Entscheidung war Kalkarib zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gründen. Obwohl sie schon ihre alte Lebensweise misste, doch das wurde von der Liebe der Sippe und von ihrem Ehemann, der sie auf Händen trug, wieder wett gemacht.

Die Monde zogen ins Land und ihr Bauch wurde immer runder. Dann war es an der Zeit ihre Freunde zu, Fest der Geburt einzuladen. Hierfür hatte sie sich etwas besonderes ausgedacht.