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Echsenverschwörung

Es tut mir Leid Adeptus. Aber es muss sein. Ich fürchte um dich.

Gedankenverloren sitzt sie am Höhleneingang und schaut den rauschenden Wassern der heißen Quellen bei ihrem Fall zu.

Zu leicht. Der Kampf um unsere Würdigkeit war zu leicht. Ein Jahrtausende alter echsischer Gottkaiser schickt ein paar zerbrechliche alte Echsenleichen gegen eine Überzahl an andersgöttlich Auserwählten und gibt dann freiwillig seine Existenz auf, nur, weil er weiß, dass ein einfacher Mensch, der ihn vor nur hundert Götterläufen überlistet hat, tot ist.

Nein! Das kann nicht sein. Wozu, frage ich mich, hat er dann all die Äonen zuvor ausgeharrt? Die Rache an Xindan oder seinen Nachkommen scheint mir nur nebensächlicher Natur zu sein. Vielmehr brauchte sein Geist ein neues Gefäß, um diese Höhle verlassen zu können.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sein Geist in das mächtigste Wesen von uns – in Nehazet – gefahren ist, um das zu vollziehen, worauf er seit unzähligen Götterläufen gewartet hat. Die Prüfung der Würdigkeit, war lediglich ein Test, um unsere Stärke abzuschätzen, wer als Opfer oder vielmehr als Gefäß für seinen mächtigen Geist taugt.

Ich vertraue Nehazet und seiner Stärke. Aber ich fürchte eine Jahrtausende alte Magie und Willenskraft. Mein Wissen über Beherrschungsmagie ist nur oberflächlich, aber es reicht aus, um zu wissen, dass es möglich ist. Ja, es tatsächlich möglich ist, dass ein fremder Geist in Nehazet gefahren ist und ihn kontrolliert. Er kennt seine Erinnerungen und tut so als wäre er unser Adeptus. Er verhält sich so, wie wir es kennen und täuscht unsere Sinne. Er weiß, dass er das Szepter nicht einfach fordern oder nehmen kann, ohne sich zu verraten! Jetzt denke ich schon wie der Erzmagus. Eine Echsenverschwörung!

Ich werde Nehazet ein wenig Zeit geben, sich gegen den fremden Geist aufzulehnen und aus eigener Kraft zu uns zurück zu kehren, da uns die Mittel fehlen, ihn von außen vom fremden Einfluss zu befreien. Ich vertraue darauf, dass du es schaffst, Adeptus!

Und wenn ich mich irre – was ausgesprochen gut wäre – verliert Nehazet nur ein wenig Studienzeit, die er gerade sowieso nicht hat. Und wir brauchen das Schlangenszepter nicht für unsere Mission, denn wir haben die Unterstützung der Götter!

Eine Frage jedoch bleibt unbeantwortet: Wer war Xindan? Der so leicht und zielsicher an das Herz der heißen Quellen gelangt ist? Er ist unbeschadet am Gottkaiser vorbeigekommen. Es muss etwas Besonderes an ihm sein. Er kann kein einfacher Söldneranführer gewesen sein! Das ist ausgeschlossen!

Sie beginnt zu schreiben. Lange sitzt sie da und grübelt, formuliert und schreibt. Als sie fertig ist, rollt sie die Zettel zusammen und bindet sie Elfenbein um den Hals.

„Elfenbein, du weißt, was zu tun ist?“

Es ist, als nicke der schneeweiße Wolf. Er erhebt sich von seiner liegenden Position an ihrer Seite, leckt ihr einmal über die Wange und rennt in die Nacht hinaus.

Sorgenvoll blickt sie ihn hinterher, ehe sie sich ermattet nach ihrer Wache schlafen legt.

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Azinas Gedanken

Ein friedliches Mahl

„Vielen Dank. Möge deine Seele in Firuns Reich einkehren und dort unserem Herrn dienen.“

Ein sauberer Stich erlöst das gejagte Wildschwein von seinen Schmerzen und schickt seine Seele zu Firun. Die Jägerin wischt das Messer am Gras ab, ehe sie den Thorwaler bittet, das Schwein zu schultern. Sie selbst schneidet mit ihrem Speer – einmal in Kreis laufend – einen riesigen Pilz ab.

Ja. Eine gute Jagd.

Das Lagerfeuer prasselt bereits gemütlich vor sich hin, als Azina sich anschickt, das Fleisch für die Zubereitung vorzubereiten. Zunächst muss das Fell herunter. Sorgfältig schneidet sie mit ihrem Jagdmesser entlang der untersten Hautschicht. Doch leider gelingt es ihr dies nicht gut. Mehrfach rutscht sie ab und schneidet lange Schnitte in das Fell und teilt so Haut und Haare in mehrere unbrauchbare Fetzten. Missgestimmt betrachtet sie ihr „Werk“.

Es tut mir Leid mein Freund. Es ist eine Schande, ich weiß. Ich werde mich bessern, auf dass das nicht mehr so häufig vorkommt. Aber es wird noch lange dauern, bis ich diese Kunst gemeistert habe.

Der nächste Schritt ist das Zerlegen des Fleisches. Mit gut gezielten Schlägen und Schnitten teilt sie das fettige Fleisch in viele kleine Streifen. Ihre Eitelkeit lässt es nicht zu, dass sie sich eine Blöße gibt. Ohne auf Janes Einwände zu achten, beginnt sie die Fleischstreifen zusammen mit Pilzstücken um Stöcker zu wickeln und sie rund um das Lagerfeuer aufzureihen, als ob genau das von Anfang an ihre Absicht gewesen wäre. Traviaholt unterstützt sie dabei. Bzw. übernimmt er bald die Hauptrolle in der Zubereitung.

Der Duft von gebratenem herbem Schweinefleisch durchströmt die gesamte Höhle. Sie garen so viel Fleisch wie möglich, um nichts zu verschwenden und um genügend für den weiteren Weg einzupacken.

Endlich sitzt auch Nehazet bei ihnen und Azina nötigt ihm einen Spieß auf, den er mit schnellen Bissen verschlingt, um sich anschließend „wichtigeren“ Dingen – wie er sagt – zu widmen: Der Analyse der Schlüsselsteine.

Ihr entgeht nicht, dass sich Delia und Jane zieren, von den Pilzen zu essen, aus Angst sie könnten giftig sein.

Ja, wenn etwas außerhalb der gewohnten und studierten Gegebenheiten liegt, ängstigen sie sich eher, als dass sie auf ihre Fähigkeiten der Wahrnehmung vertrauen. Diese Pilze – groß wie halbe Zwerge – sehen aus und schmecken sowohl roh, als auch gebraten, wie Champignons. Ich zweifle weder an mir, noch an den Gegebenheiten, dass diese Pilze essbar sind. Es scheint wohl an der warmen Umgebung und dem Fehlen von Fressfeinden zu liegen, dass sie so groß werden können. Obwohl ich mich schon wundere, dass die Wildschweine sie nicht in jungen Wachstumsphasen auffressen. Aber offenbar ist diese Höhle so reich an Nahrung, dass es dennoch viele schaffen eine stolze Größe zu erreichen. Außerdem bleibt diese Höhle dank Ingerimms Esse von Firuns Atem verschont, sodass er das Wachstum und das Fressen der Tiere nicht hemmt. Und eingeschränkt wird die Population der Schweine von den Schlingern.

Interessanter Lebensraum, den sie hier haben.

Noch während Nehazet in seine magischen Studien vertieft ist, und die anderen seiner harren, probiert sie sich an einigen größeren Fellfetzen. Sie nimmt heiße Asche aus dem Feuer und lässt sie soweit abkühlen, dass sie sie greifen kann. Anschließend reibt sie damit die restlichen Fettschichten der Haut von dem Fell, um es zu reinigen und zu konservieren.

Sie betrachtet anschließend ihr Werk und nickt zu frieden. Ja, so kann man das machen. Und steckt die Stücke ein. Da der Adeptus noch immer beschäftigt ist, die anderen über die langweiligen Inschriften spekulieren und sie sich ein wenig ausgelaugt fühlt, legt sie sich kurzerhand und unbemerkt schlafen.

Sie werden mich schon wecken, wenn das Possenspiel beginnt.

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Azinas Gedanken

Es geht voran

Zumindest geht es voran. Der Krieg ist abgewendet und die Rettung Sieghelms rückt näher. Wir haben nun alle Schlüsselsteine. Oder wie soll ich es eher sagen: die Kristalle für das Gespräch … das Schauspiel, die … na ja, die Begegnung mit den Rissos.

Zwar ist es Firun seiner unwürdig auf solche Tricks zurückzugreifen und die Rissos so zu täuschen. Aber wir haben wohl keine Wahl. Wir brauchen diese Amulette. Nehazet erwähnte hunderte von Rissos. Niemals wären wir in der Lage sie ihnen gewaltsam zu entreißen. Zumal sie ein ganzes Meer als Versteck haben. Auch eine gerechte Verhandlung würde wohl zu nichts führen. Wir verstehen einander einfach nicht. Opfern wir also den Glauben der Rissos an ihren Echenkönig zur Ehre Phexes und zur Errettung Deres!

Da fragt man sich, was noch alles zum Wohle von Sumus Leib geopfert werden muss. Ein Ende ist nicht in Sicht. Was mag wohl noch alles passieren?

Nun, Phex! Sei uns hold. Immerhin ist dies dein Mond, wenn ich nicht irre. Wie viel Zeit wohl schon vergangen ist? Es ist, als sei Sieghelms Verschwinden bereits mehrere Wochen her. Vielleicht ist es das auch? Was spielt der Mond da für eine Rolle? Zu wessen Spielball sind wir hier geworden? Nichts verläuft in geordneten Bahnen. Wie sollen wir an die Ordnung glauben, wenn alles durcheinander gerät? Es geht hier doch nur um Macht! Um den, der sie hat und um die, die sie begehren. Gut, dass Nehazet in Travias Schoß zurückgekehrt ist. Denn klar ist, dass die Zwölfe derzeit die Macht besitzen. Nur brauchen sie wirklich unsere bescheidene Hilfe, um sie zu halten?

Sie lässt ihren Blick schweifen. Von Mædnir, der sich mit seiner Axt in aller Schnelle einen Speer aus einem jungen Baum schnitzt; hinüber zu Nehazet, der sich einmal mehr in ein Buch vertieft hat. Dann zu Delia, Jane und Igan, die das Possenspiel proben. Wobei Igan den unterwürfigen Risso mimt und Delia den Echsenherrscher. Und schließlich zu Traviahold, der sich anschickt, ein Herdfeuer zu entfachen, um die Früchte ihrer Jagd zuzubereiten.

Das ist das höchste Gut der freien Menschen, das es zu bewahren gilt: Ein Stück Normalität.

Sie selbst steht am Eingang zur großen Höhle und wartet auf Mædnir, um mit ihm gemeinsam ein Wildschwein zu Ehren Firuns und zum Füllen ihrer Bäuche zu jagen.

Nur eines. Nicht mehr. Nur ein altes schwaches zähes Wildschwein. Mehr ist nicht nötig.

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Azinas Gedanken

Ithna maga dare beit

Châra!

Natürlich konnte es nicht nur ein normaler Forscher sein. Nein, ein Magier musste es sein! Noch dazu ein Erzmagier. Und ein verwirrter obendrein. Überhaupt scheinen Magier allgemein zu viele Tränke zu schlucken, so irre sind sie. Nicht ein einziges vernünftiges Wort kann man mit ihnen sprechen. Und am Ende regeln sie alles, ohne dass unsereins überhaupt die Spur eines Weges erkennt. Am besten, machen wir es wie immer: den hawshal bewahren und einfach ignorieren! Gehen wir unseren eigenen Weg und tun, was wir können, um Sieghelm zu retten.

Ich jedenfalls hole mir jetzt diesen miftah-stein. Wäre doch gelacht!! Oder eher nicht…

Boron … Sie wirft einen flehenden Blick zur Decke … lass ihn bitte tief schlafen.

Firun, verzeih mir meine Ungeduld. Jedoch drängt die Zeit. Gib mir Kraft und Mut, auf dass wir nicht ohne Not töten müssen.

Wenn wir den Stein haben, werden wir die Höhle weiter erkunden. Sie muss riesig sein, wenn hier solch ein Leben herrscht. Bären als stärkste Gegner … lächerlich. Dieser sultamgahtir kann hier jedoch nicht der Einzige seiner Art sein. Er allein kann die Zeit nicht überdauern ohne sich fortzupflanzen. Es sei denn, dies ist wieder eine … wie sagt Nehazet immer … Anomalie … des Satinav. Ein Zeitparadoxum. Eine eigene Welt, in der es Rissos in einem unterirdischen bahr und Zulneddin hinter einem güldenen bab gibt. Die Götter müssen Hochstieg gewogen sein, dass es die bisherige Zeit überdauert hat. Sieghelm wird seines Lebens nicht mehr froh, wenn er all dies erfährt.

Doch wird unsere Einmischung in diese vorhandenen verstaubten Strukturen eine Menge Wirbel verursachen. Mehr als gut sein wird. Wir tun gut daran zu holen, was wir brauchen und zu verschwinden, ehe wir ein al‘amar anrichten!

Yallah!

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Azinas Gedanken

Der Eingang zum Herz der heißen Quellen

Wo sind wir denn nun schon wieder hineingeraten?

Erst ertrinken wir alle beinahe jämmerlich in dem gefluteten Gang unter den heißen Quellen. Nur Mædnir fühlte sich sichtbar wohl und führte und rettete uns nach unten in die Unterwasserhöhle. War er doch in seinem und seiner Götter Element. Selbst mich hat es einmal erwischt. Ich konnte die Strecke nicht bewältigen und wurde ohnmächtig. Kein Wunder, kann ich doch fast überhaupt nicht schwimmen. Wenn Sieghelm gerettet und Turnak’riiin geschlagen ist, sollte ich mir die Zeit nehmen, hier ein wenig Schwimmen zu üben. Nicht auszudenken, sollte ich einmal in Not geraten und mir nicht zu helfen wissen … Ich muss ja nur einmal in Eis einbrechen und schon war es das von mir. Welche Schande das wäre! „Die Erwählte Firuns ist in Eis eingebrochen und ertrunken.“ Lächerlich! Grotesk!

Und nun sind wir in einer Höhle … nein, einer erbauten Stätte unter Wasser. Vor uns liegt eine gediehende Landschaft mit Bäumen und Lichtquellen von oben, umrahmt von steinernen Wänden! Wie kann das sein? Hier mitten in Sumus Leib. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Ob hier auch Tsas Geschöpfe heimisch sind? Vielleicht ziehen sich Bären hier her zurück, wenn Firuns eisiger Atem über das Land fegt. Wir sollten vorsichtig sein.

Hinter uns liegen zwei Skelette mit einer – wie sagte Jane? – Spitze eines Rissospeeres zwischen den Rippen. Beide wohl um die hundert Götterläufe alt. Rissos sind Fischwesen, die sich an Land fortbewegen können. Stammen wohl aus dem Süden. Nur wie kommen sie hier her? Und wer sind die beiden Leichen? Hatten sie spezielle Kleidung an? Waren es Wächter der hiesigen Anlage? Oder Eindringlinge? Ich konnte nichts Bemerkenswertes an ihnen ausmachen.

Nun zu den Spuren! Hier ist seit langem niemand mehr gewesen. So sind die beiden frischen Spuren zweier Menschen gut zu erkennen. Der eine scheint etwas schwerer zu sein. Eventuell stark bepackt. Ein Forscher und sein Träger vielleicht? Was wollen sie hier? Und gerade jetzt? Eine göttliche Fügung?

Ich denke, wir haben nun das „Herz der heißen Quellen“ gefunden. Lasst uns doch einmal nachschauen, ob wir hier finden, was wir suchen.

Kurz schaut Azina nach hinten zurück.

Und was ist mit Nehazet? Er wird sich das hier wohl nicht entgehen lassen … und mein Gefühl sagt mir, dass wir ihn noch brauchen werden, ehe wir hier raus sind. Aber ich brauche mir keine Gedanken machen. Er wird in weniger als einen halben Tag hier bei uns sein. Entweder schwebt er von oben herab, manifestiert sich direkt vor uns oder steigt aus einem Portal oder Riss in der Sphäre. Aus der Wand oder dem Boden kommend wäre neu …

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Azinas Gedanken

Satinavs Wille – Und die Zeit spielt doch eine Rolle

So ein Idiot!! Würdevoll und erhaben stampft die junge Firunsgläubige durch den Schnee zum Hexenportal. Der Weg ist weit und führt an Hochstieg vorbei. Er ist verletzt und trägt kaum Kleidung. Wenn ich ihn für einen Schwächling gehalten hätte, hätte ich ihm meinen Umhang gegeben oder ihn mit durch das Portal näher zu seinen Leuten geschickt. Eine Frechheit, mein minimalistisches Geschenk so rüde abzulehnen. Ich habe ihn doch nicht gebeten mit mir in den heißen Quellen zu baden! Ach, so ein Idiot!!

Beim Portal angekommen wartet sie darauf, dass Delia es öffnet. Shakriin Boran ist bereits verschwunden, nachdem sie ihm wütend das stumpfe Ende ihres Speeres kräftig vor die Brust stieß und mit einer theatralischen Geste, die etwas mit wehenden Haaren zu tun hatte, davon rauschte. In Gedanken versunken betrachtet sie nun ihre Begleiter, die sich ihr erleichtert nähern. Von Azinas aufwühlenden Gedanken und Gefühlen, ist in ihrer grimmigen Miene nichts zu lesen.

Sie sind tatsächlich ahnungslos! Was für ein Wahnsinn! Unfassbar, was da gerade geschehen ist! Ich kann es noch immer kaum glauben … Traf ich die richtige Wahl? Wäre es anders nicht besser gewesen? … Nein! Das Wissen darf nicht verloren gehen. Ich bin es den anderen schuldig, meinen Beitrag zur Mission zu leisten.

Bleibt die Frage, was ich ihnen sagen darf. Wer entscheidet, wer vor Ifirns Träne gelassen wird und wer nicht? Ist nicht die Göttin selbst dafür verantwortlich, wem sie was preisgibt? Bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet? Ja. Irgendwie habe ich Gefühl, dass ich dieses Heiligtum schützen muss, dass es nicht gut wäre, es der Welt zu offenbaren. Weder der Kristall noch das Paradies dahinter dürfen gefährdet werden. Denn diese schier unerschöpfliche Energiequelle würde allerlei Gezücht anlocken und Hochstieg wäre wahrscheinlich dem Untergang geweiht. Die Schwarzen Lande sind so nah.

Aber wir brauchen diese Magie, um gegen den Feind bestehen zu können. Ich darf ihnen diese Kraft nicht vorenthalten. Was, wenn wir scheitern, weil ich meinen Freunden zu wenig Vertrauen entgegenbrachte. Das könnte sich als fatal herausstellen und ich mir niemals verzeihen. Das heißt, ich selbst muss wachsam sein und gut darauf achtgeben, so wie die Zeit mir dies ermöglicht.

Ich hoffe, ich tue das Richtige, Herrin. Wir werden unser Bestes zum Wohle Deres geben!

Ein Plan manifestiert sich in der Erwählten Firuns.

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Azinas Gedanken

Schicksalsergeben

Was für ein Durcheinander! Es wird Zeit, dass Sieghelm wieder kommt und diesen unkoordinierten Haufen Querdenker in die richtige Richtung lenkt. Mit jeder Stunde, die wir hier vertrödeln, könnte sich Boran entschließen, nicht mehr bei Garnan zu verweilen. Er dürfte inzwischen gesundet und zum Aufbruch bereit sein. Ich kann nur auf Firun vertrauen, dass Garnan ihn noch zurückhält bis wir mit Blut dort ankommen, um den Angriff der Trollzacker abzuwenden. Seltsam ist jedoch, dass sich diese Stümper vom Provinzmilitär scheinbar keine Gedanken um Informationen über diese sogenannte ‚Belagerung“ machen. Oder sie halten die Informationen schlicht zurück … oder bauschen sie auf … aber das sie einfache Landwehr einsetzen, um mich zu überwachen, sagt ja schon alles aus. Diese ganze Scharade war doch mehr Schein als Sein. Als ob mich Leutnant Kohlhütten alleine daran hätte hindern können dem Gerichtssaal zu entfliehen. Lachhaft. Aber es hätte unangenehme Komplikationen nach sich gezogen. Es war schlicht zwecklos dem Vogt sein Papier zu verweigern. Und als sie erzählten, was für eine Art Befragung dies ist, und klar war, das ich beeinflussen konnte, was Nehazet sieht, war die Farce eher lästig, als bewegend.

Wenigstens bin ich nun vorbehaltlos … wobei es nach unserem jetzigen Aufbruch bereits anders sein wird. Aber ich habe sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sie…

„Azina!“ unterbricht Mædnir flüsternd ihre Gedanken. Sie lässt sich langsam zu ihm zurückfallen. „Wir werden verfolgt.“ „Ein Offizieller?“ antwortet sie ebenfalls flüsternd. „Nein.“ „Willst du oder soll ich?“ Der Mann von einem Bär schaut an sich selbst hinunter. „Zu auffällig.“ Sie nickt nur, obwohl sie sich denkt: Und ich mit meinem glimmenden Speer, dem weißen Fellumhang, dem Falken und dem riesigen weißen Wolf nicht? Aber sie verschwindet dennoch um die nächste Ecke.

So jetzt noch einen Augenblick warten … mal sehen, wer uns da verfolgt. … Niemand? Wo ist er hin? … Er muss hinten entlang sein. „Komm Elfenbein.“

Ihnen gelingt es mühsam, eine frische Spur kleiner Abdrücke ausfindig zu machen. Ihr kommt in den Sinn, um wen es sich handeln könnte und seufzt innerlich. Kurz vor dem Portal sieht sie ihn hinter einer Häuserecke stehen. Sie macht kurzen Prozess: sie packt den überraschten Jungen am Nacken und wirft ihn rücklings in den weichen Schnee. Er macht große Augen und stammelt nur: „Tötet mich nicht“, als sie ihm das stumpfe Ende ihres Speeres gegen den Hals drückt.

„Du hast nichts gesehen! Wer hat dich geschickt?“ herrscht sie ihn an. Sie greift nach ihrem Geldbeutel … weg … Ach ja, der liegt ja noch bei Garnan. Argh. Sie zögert. Was nun? Wie bringe ich den Burschen verträglich bei, dass er den Mund halten soll? Einfach abstechen, wäre ehrlos. Außerdem ist es ein Kind! „Der Vogt schickt mich.“ Antwortet es. Sich unsicher auf ungewohntes Terrain begebend, fährt sie fort: „Ich gebe dir ein Silberstück, wenn ich wieder komme und du dem Vogt nichts von uns erzählst.“ „Ja, aber ich bin nicht käuflich! Ich bin nur der Junge, der immer alles weiß und immer alles sieht, was soll ich denn sagen?“ stammelt er.

Tja, was soll er sagen? Dass wir durch das Tor gegangen sind? Nein, das ist leicht zu überprüfen und würde zu lange dauern. Was bleiben denn für Alternativen? Völlig egal, was der Bursche erzählt, der Vogt wird es sowieso wissen. Ich kann nur hoffen, dass er nicht genau gesehen hat, wo die anderen hingegangen sind. Sollten wir wieder hier her zurückkommen, können wir nicht einfach durch das Portal spazieren. Sie werden uns erwarten. … Ach was solls, ich hatte sowieso nicht vor zurück zu kehren, ehe wir Sieghelm befreit haben.

Sie behält ihre strenge Miene bei, als sie ihm droht: „Wehe, du erzählst dem Vogt, was du gesehen hast. Ich werde herausfinden, wenn du etwas gesagt hast und dich finden!“ Sie drückt noch einmal gefühlt sachte mit dem Speer gegen seinen Kehlkopf. „So, und nun verschwinde!!“ Sie nimmt ihren Speer von seinem Hals und untermauert ihre Aussage mit einer herrischen Geste. Sie sieht ihm nach bis er außer Sicht gerannt ist und kehrt zu den anderen zurück.

Ah, dann verschleiert Nehazet also den Zugang. Sehr gut!

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Azinas Gedanken

Eine dritte Fraktion

Unglaublich! Da liegt man einmal unschuldig in der Badewanne, ist kurz davor sich ein wenig aufzutakeln, um den Ruf der wilden Frau etwas zu mildern – warum eigentlich? So schlecht ist der doch gar nicht! Eher schmeichelhaft, wie ich finde. Und natürlich ist es nicht schlimm in einen Eimer zu pinkeln. Aber … Nein … also … Nein! Ich entscheide, wohin ich pinkle! Frechheit. Einer Dame … so etwas anzutun … na ja, ähm … egal … – und schon kommt Igan mit unglaublichen Offenbarungen daher.

Es war ja absehbar, dass die Sache mit dem Feigling noch nicht zu Ende war. Aber mit so etwas rechnet doch niemand! Wenn Auserwählte der Götter ihren Glauben verlieren, werden sie zu gefallenen Ankern und ermöglichen dem Vortex den Vormarsch nach Dere bzw. in unsere Sphäre, wie Nehazet es ausrücken würde. Dann werden uns die Armeen des Blutkaisers vernichten oder versklaven.

Ich bin gespannt, was Nehazet zu alledem sagen wird. Und ob er sich noch immer mit einem der Magier des Blutkaisers über die „Expertise“ unterhalten möchte. Ich hoffe, er ist in seinem Glauben an die große Mutter nun ein wenig gefestigt. Wenn ich es recht überlege, muss es sogar so sein. Wenn die Male des Blutkaisers auf den Schultern von Delia und Nehazet verschwunden sind … bedeutet dies, dass die Kraft der Götter in ihnen nun stärker ist? Igan erwähnte, dass Turnaak’riin … Tornado … meinte, dass sie nahe daran waren sie zu holen. Waren damit die Male an den Schultern gemeint? Auch Igan hat von so einer Stelle berichtet. Nur, statt sich an Rondra zu wenden, hat er den Mut verloren und wurde überwältigt. Schwächling! Aber kann er noch gerettet werden? Kann er seine zweite Chance erhalten? Er sagt zumindest, dass er bereut, dass er den Göttern wieder näher ist. Dafür spricht die Bereitwilligkeit uns Informationen über den Vortex zu geben. Es könnten aber auch Falschinformationen sein. Den Kampf gegen die Dämonen unter dem Berg kann man nicht für ihn und seine Gesinnung auslegen. Haben wohl auch die Dämonen ein Interesse daran, den Vortex von uns fern zu halten. Aus eigennützigen Interesse natürlich. Eine Armee Hölleneisenkonstrukte sähe der Blutkaiser sicher nicht gern in seiner neuen Welt. Wie dem auch sei, wir müssen ihn im Auge behalten. Schon allein aus dem Grund, weil er ein Anker des Vortex ist und die Verbindung gewollt oder ungewollt aufrechterhält. Die Frage ist: Hat Igan tatsächlich seinen freien Willen noch? Und wie stark müssen die Verlockungen und Versprechungen des Blutkaisers sein, dass Turnaak’riin sich für seine Sache einsetzt? Kann man mit ihm sprechen? Oder ist es sinnlos? Vielleicht kann auch er eine zweite Chance erhalten. Wenn die Anker dem Blutkaiser entfallen, ist Dere gerettet! Oder müssen sie dafür sterben?

In jedem Fall ist es nun eindeutig: Wir dürfen den Glauben an unsere Götter nicht verlieren! Ganz gleich, was auch geschieht. Sie sind so stark, wie wir es sind!!

Soll Turnaak’riin doch kommen! Sieghelm wird ihn im ehrenhaften Zweikampf besiegen! Ich werde nun sein Schwert an mich nehmen und es nicht mehr aus den Augen lassen, bis es in den Händen seines Besitzers ist! Sonst kommt der Feind noch auf die Idee, es verschwinden zu lassen.

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Azinas Gedanken

Gefühlschaos

Die Schlacht ist geschlagen.

Sie bückt sich und hebt die weiße Feder mit der schimmernden blauen Spitze auf und schaut wehmütig in die Ferne. Sie kann den stolzen Hippogriff nicht mehr erblicken. Leise flüstert sie im Wind: „Ich danke dir. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. Gehab dich wohl.“

Sie krault Elfenbein den Hinterkopf. „Komm, machen wir uns an den Abstieg.“

Sie schweigt während des langen Abstiegs nach Hochstieg und beobachtet die geschundenen Menschen um sie herum, die sie hin und wieder neugierig betrachten. Einige von ihnen hat sie persönlich verbunden. Allen jedoch gab sie Hoffnung im Kampf gegen den Wurmdämon, der so viele von ihnen auf dem Gewissen hatte. Oft schlug sie vom Rücken des geflügelten Pferdes den Speer Firuns in den unseeligen Leib, bis er schließlich vor ihrer aller Kraft kapitulierte und leblos in sich zusammensackte. Diese Menschen haben Großartiges geleistet. Das ganze Ausmaß der Tragödie, die sich in den letzten Stunden abgespielt hat, hat die Botin Firuns noch nicht erfassen können.

Es ist schön sie alle zu sehen. Zum Glück sind sie noch am Leben. Ich kann nur erahnen, was sich hier zugetragen hat. Es gibt viel zu erzählen.

So nennen die Menschen Jane Heerführerin. Welche Umstände mögen dazu geführt haben? Nehazet krabbelte aus dem Maul des toten Dämons! Und dennoch hat er überlebt. Wieder einmal. Warum überrascht mich das nicht? Delias Mann habe ich im Gegenzug noch nicht gesehen … Der Bruder von Spichbrecher erfreut sich bester Gesundheit. Nur warum trug er Nehazets Amulett? Selbst der verschollene Thorwaler, der sich als Erwählter Efferds entpuppte, ist wieder aufgetaucht.

Doch am meisten, muss ich sagen, überrascht mich Igan. Wie bei Phexes Geschick, kommt er hier her? Ich dachte, er sei tot, umgekommen in dem Feuer damals? Ich war mir sicher, da Sieghelm nun das Amulett Rondras „trägt“. Doch nun muss ich erfahren, dass er zwar lebt, aber sich Rondras Gunst als unwürdig erwiesen hat. Für diese Schwäche verachte ich ihn! … Aber ich bin froh, dass er lebt. Ich werde mich später noch einmal mit ihm unterhalten, wenn es ihm besser geht. Delia lässt ihn nicht aus den Augen. Sie vermutet wohl einen Verrat. Aber Igan ist ein guter Mann. Ja, er war ein Feigling. Ja, er hat Rondras Ideale verraten. Aber er ist doch kein Dämonenfreund! Und hat er nicht ebenfalls tapfer gegen den Wurm gekämpft? Ist er nicht in demselben Kampf schwer verwundet worden? Er hat Mut bewiesen, seinen Mann gestanden! Haben wir nicht alle eine zweite Chance verdient?

Was sie wohl zu meiner eigenen Geschichte sagen werden? Auch bei mir hat sich viel zugetragen. Firun hat mich geprüft. Und als ich scheiterte, rettete mich seine Tochter Ifirn in Gestalt von Elfenbein. Wieder einmal habe ich eine weitere Chance erhalten. Aber ist nicht das Aufstehen nach einer Niederlage unsere eigentliche Stärke? Unser gemeinsamer Weg ist noch lang, meine Freunde, und wir stehen erst am Anfang. Es wird noch viel geschehen. Viel Leid und Schmerz wird über uns kommen. Wir müssen stark sein!

Bakkus ist tot. Erschlagen von einem mächtigen, gut aussehenden, Mann. Ist es falsch, wenn ich mich für ihn interessiere? Was sagst du dazu Bakkus? War er doch verblendet von seiner Wut und getrieben von seinem Schmerz über seinen Verlust. Ich kann ihm nicht wahrhaftig böse sein. Er ist animalisch und wild. Männlich. Es tut mir Leid.

Sie schlägt für einen Moment die Augen nieder. Beschämt über ihre Gefühle, die sie, ihrer Meinung nach, nicht haben sollte.

Leider hat Garnan bisher verhindert, dass ich mit Boran spreche. Während der ganzen Zeit, musste ich immerzu an ihn denken. Ich muss mit ihm sprechen! Denn ich habe viele seiner Männer getötet. Ich würde es verstehen, wenn er mich hasst. Aber ich hoffe es nicht. Ich hoffe, er versteht, dass ich keine Wahl hatte. Wenn Sieghelm gerettet ist, werde ich eine Weile hier bleiben und von Meister Garnan lernen. Vielleicht verstehen wir eines Tages einander, Shakriin.

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Azinas Gedanken

sang- und klanglos

– Grombasch –

Den Rabenschnabel schlagbereit im Rücken, rennt Grombasch Sohn des Dramosch brüllend auf den riesigen Wurm zu. Er ist dem Tode näher dem Leben. Er atmet schwer und kann sich nur kaum auf den Beinen, geschweige denn die Waffe, halten. Seinen Königshammer hat er zum Wohle aller fortgegeben. Seine einst stolze Rüstung weist deutliche Makel auf. Dennoch stürzt er sich mit einer solchen Inbrunst auf den dämonischen Feind, dass jeder andere Gegner aus Furcht davon gelaufen wäre. Nicht so dieser viergehörnte Dämon aus Agrimoths Domäne. Er bemerkt ihn nicht einmal.

Das ändert sich rasch, als der Angroschim seinen wasserelementbeseelten Hammer tief in dessen Bauch schlägt. Schwarzes Blut spritzt dem Wackeren entgegen. Sich der Gefahr bewusst, schnellt ein schnabelbewehrter Tentakel des Dämons heran, gräbt sich in die Brust des Zwerges und hebt hin mehrere Schritt in die Luft. Der Geisterkrieger von Heerführerin Jane Pedderson setzt dem Tentakel noch nach und trennt ihn mit seinen schimmernden Doppelkunchomer beinahe durch. In der Bewegung gebremst öffnet sich das Maul und Grombasch wird über die Klippe geschleudert.

Soll es so enden? Was habe ich falsch gemacht, dass du mich so hart strafst Angrosch?

Während des Fluges blickt er noch einmal auf das Schlachtfeld. Leichen sind auf dem Plateau nur wenige zu sehen. Stattdessen liegen viele tapfere Männer an den Hängen des roten Riesen. Zerschmettert an den Flanken des Berges. Einfach in den Wind hinausgeschleudert von einem feigen Dämon.

Ich hatte noch so viel vor. Ich bin doch gerade erst 37! Ich will noch nicht sterben!! Jetzt war ich fünf Götterläufe im Exil und tat Buße. Ich habe doch noch so viel zu tun. Wer soll die Schätze dieses Berges bewachen? Wer soll diesen armen Berg mit neuem Leben füllen? Wer soll – bei deinem langen Bart – den ganzen Schnaps austrinken??!! Angrosch, bitte hilf mir …

„SCHEIß DRECKSVIIIIIIIEH!!!“ Brüllt er noch in das Tal, ehe er mit einem Krachen und Scheppern auf nacktem Fels aufschlägt und sofort tot ist.

Oben auf dem Gipfel geht der Kampf ununterbrochen weiter. Ein warmer Regen setzt ein. Verwundete und totgeglaubte erheben sich. Auch Grombasch steht auf und kämpft sich den Berg hinauf. Seinen Hammer in den Händen wiegend starrt er grimmig auf den Dämon. Erneut setzt er zum Sturmangriff an. Den entweihten Boden ignorierend schwingt er den Rabenschnabel in einem weiten Bogen direkt durch den Bauch des Unholds. Hindurch, ohne eine Spur zu hinterlassen. Verwundert starrt er zunächst an der Waffe und dann an sich herab. Er ist ohne Substanz!

„AAAAAAAARRRGGH!!“ Zornig über seinen Tot wütet er so lange bis der Dämon über ihm tot zusammenbricht. Nur war es nicht sein Verdienst. Seine Kameraden haben den Achorhobai bezwungen! Beruhigt lässt er den Hammer sinken. Der entweihte Boden verschwindet. Der Fels heilt. Er sieht zu, wie der Hippogriff landet, wie die Verletzten versorgt und die Toten betrauert werden. Um ihn herum stehen weitere wackere Kämpfer und spähen nach ihren Körpern. Er sieht, wie Thornia an seiner Leiche weint und ihm die Angroschinsignien abnimmt. Doch niemand sonst kümmert sich um ihn. Er ist traurig.

Was habe ich erreicht? Nur Tot und verderben zeichnen meinen Weg. So sterbe ich hier. Allein. Auf nacktem Fels.

Der uralte Zwergenpriester aus dem Berg erscheint plötzlich an Rand des Abgrunds und hält eine kurze lobende Ansprache an die Helden und dankt ihnen im Namen seines Volkes für die Befreiung des Berges. Grombasch merkt, wie ihn der Alte einen kurzen Wimpernschlag lang direkt in die Augen schaut. Noch während seiner Rede beschwört er den Priester:

„Ich bitte euch. Übergebt meinen Körper dem Gestein. Ich will im Tode schaffen, was mir im Leben verwehrt blieb. Dieser Berg soll mein Schicksal sein.“

„So forme ich den Fels mit nach meinem Willen.“ Spricht der Zwergenpriester und schlägt mit dem Hammer des Ingerimm auf den Amboss ein. Sogleich bildet sich eine Treppe vom Felsplateau nach unten in das Tal. Von allen anderen unbemerkt unbemerkt versinkt der Körper Grombaschs im Gestein.

„Ich danke dir.“ Grombasch verbeugt sich vor dem Geist des versteinerten Priesters. „Danke mir nicht, möge deine gepeinigte Seele eines Tages ihre verdiente Ruhe finden.“ Mit diesen Worten löst er sich auf. Grombasch blickt den schwebenden Teilchen noch kurz nach. Dann verfinstert sich seine Mine zu einem grimmigen Blick, ehe er langsam im Berg versinkt. Sein letzter neidvoller Blick richtet sich auf die Lebenden.

—-

Dröhnendes Hämmern klingt aus dem Berg. Grober Gesang schallt durch die Halle. Ein einzelner Zwerg in Kettenrüstung sitzt auf der Bank. Vor sich einen Krug stehend, haut er im Takt seiner Trinklieder den Rabenschnabel gegen die glatt polierten Wände.

Man könnte meinen eine ganze fröhliche Gesellschaft belebt die altehrwürdige Halle. Doch es ist nur ein armer einzelner toter Zwerg.

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Grombaschs letzte Gedanken