„Vielen Dank. Möge deine Seele in Firuns Reich einkehren und dort unserem Herrn dienen.“
Ein sauberer Stich erlöst das gejagte Wildschwein von seinen Schmerzen und schickt seine Seele zu Firun. Die Jägerin wischt das Messer am Gras ab, ehe sie den Thorwaler bittet, das Schwein zu schultern. Sie selbst schneidet mit ihrem Speer – einmal in Kreis laufend – einen riesigen Pilz ab.
Ja. Eine gute Jagd.
Das Lagerfeuer prasselt bereits gemütlich vor sich hin, als Azina sich anschickt, das Fleisch für die Zubereitung vorzubereiten. Zunächst muss das Fell herunter. Sorgfältig schneidet sie mit ihrem Jagdmesser entlang der untersten Hautschicht. Doch leider gelingt es ihr dies nicht gut. Mehrfach rutscht sie ab und schneidet lange Schnitte in das Fell und teilt so Haut und Haare in mehrere unbrauchbare Fetzten. Missgestimmt betrachtet sie ihr „Werk“.
Es tut mir Leid mein Freund. Es ist eine Schande, ich weiß. Ich werde mich bessern, auf dass das nicht mehr so häufig vorkommt. Aber es wird noch lange dauern, bis ich diese Kunst gemeistert habe.
Der nächste Schritt ist das Zerlegen des Fleisches. Mit gut gezielten Schlägen und Schnitten teilt sie das fettige Fleisch in viele kleine Streifen. Ihre Eitelkeit lässt es nicht zu, dass sie sich eine Blöße gibt. Ohne auf Janes Einwände zu achten, beginnt sie die Fleischstreifen zusammen mit Pilzstücken um Stöcker zu wickeln und sie rund um das Lagerfeuer aufzureihen, als ob genau das von Anfang an ihre Absicht gewesen wäre. Traviaholt unterstützt sie dabei. Bzw. übernimmt er bald die Hauptrolle in der Zubereitung.
Der Duft von gebratenem herbem Schweinefleisch durchströmt die gesamte Höhle. Sie garen so viel Fleisch wie möglich, um nichts zu verschwenden und um genügend für den weiteren Weg einzupacken.
Endlich sitzt auch Nehazet bei ihnen und Azina nötigt ihm einen Spieß auf, den er mit schnellen Bissen verschlingt, um sich anschließend „wichtigeren“ Dingen – wie er sagt – zu widmen: Der Analyse der Schlüsselsteine.
Ihr entgeht nicht, dass sich Delia und Jane zieren, von den Pilzen zu essen, aus Angst sie könnten giftig sein.
Ja, wenn etwas außerhalb der gewohnten und studierten Gegebenheiten liegt, ängstigen sie sich eher, als dass sie auf ihre Fähigkeiten der Wahrnehmung vertrauen. Diese Pilze – groß wie halbe Zwerge – sehen aus und schmecken sowohl roh, als auch gebraten, wie Champignons. Ich zweifle weder an mir, noch an den Gegebenheiten, dass diese Pilze essbar sind. Es scheint wohl an der warmen Umgebung und dem Fehlen von Fressfeinden zu liegen, dass sie so groß werden können. Obwohl ich mich schon wundere, dass die Wildschweine sie nicht in jungen Wachstumsphasen auffressen. Aber offenbar ist diese Höhle so reich an Nahrung, dass es dennoch viele schaffen eine stolze Größe zu erreichen. Außerdem bleibt diese Höhle dank Ingerimms Esse von Firuns Atem verschont, sodass er das Wachstum und das Fressen der Tiere nicht hemmt. Und eingeschränkt wird die Population der Schweine von den Schlingern.
Interessanter Lebensraum, den sie hier haben.
Noch während Nehazet in seine magischen Studien vertieft ist, und die anderen seiner harren, probiert sie sich an einigen größeren Fellfetzen. Sie nimmt heiße Asche aus dem Feuer und lässt sie soweit abkühlen, dass sie sie greifen kann. Anschließend reibt sie damit die restlichen Fettschichten der Haut von dem Fell, um es zu reinigen und zu konservieren.
Sie betrachtet anschließend ihr Werk und nickt zu frieden. Ja, so kann man das machen. Und steckt die Stücke ein. Da der Adeptus noch immer beschäftigt ist, die anderen über die langweiligen Inschriften spekulieren und sie sich ein wenig ausgelaugt fühlt, legt sie sich kurzerhand und unbemerkt schlafen.
Sie werden mich schon wecken, wenn das Possenspiel beginnt.
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Azinas Gedanken