Zumindest geht es voran. Der Krieg ist abgewendet und die Rettung Sieghelms rückt näher. Wir haben nun alle Schlüsselsteine. Oder wie soll ich es eher sagen: die Kristalle für das Gespräch … das Schauspiel, die … na ja, die Begegnung mit den Rissos.
Zwar ist es Firun seiner unwürdig auf solche Tricks zurückzugreifen und die Rissos so zu täuschen. Aber wir haben wohl keine Wahl. Wir brauchen diese Amulette. Nehazet erwähnte hunderte von Rissos. Niemals wären wir in der Lage sie ihnen gewaltsam zu entreißen. Zumal sie ein ganzes Meer als Versteck haben. Auch eine gerechte Verhandlung würde wohl zu nichts führen. Wir verstehen einander einfach nicht. Opfern wir also den Glauben der Rissos an ihren Echenkönig zur Ehre Phexes und zur Errettung Deres!
Da fragt man sich, was noch alles zum Wohle von Sumus Leib geopfert werden muss. Ein Ende ist nicht in Sicht. Was mag wohl noch alles passieren?
Nun, Phex! Sei uns hold. Immerhin ist dies dein Mond, wenn ich nicht irre. Wie viel Zeit wohl schon vergangen ist? Es ist, als sei Sieghelms Verschwinden bereits mehrere Wochen her. Vielleicht ist es das auch? Was spielt der Mond da für eine Rolle? Zu wessen Spielball sind wir hier geworden? Nichts verläuft in geordneten Bahnen. Wie sollen wir an die Ordnung glauben, wenn alles durcheinander gerät? Es geht hier doch nur um Macht! Um den, der sie hat und um die, die sie begehren. Gut, dass Nehazet in Travias Schoß zurückgekehrt ist. Denn klar ist, dass die Zwölfe derzeit die Macht besitzen. Nur brauchen sie wirklich unsere bescheidene Hilfe, um sie zu halten?
Sie lässt ihren Blick schweifen. Von Mædnir, der sich mit seiner Axt in aller Schnelle einen Speer aus einem jungen Baum schnitzt; hinüber zu Nehazet, der sich einmal mehr in ein Buch vertieft hat. Dann zu Delia, Jane und Igan, die das Possenspiel proben. Wobei Igan den unterwürfigen Risso mimt und Delia den Echsenherrscher. Und schließlich zu Traviahold, der sich anschickt, ein Herdfeuer zu entfachen, um die Früchte ihrer Jagd zuzubereiten.
Das ist das höchste Gut der freien Menschen, das es zu bewahren gilt: Ein Stück Normalität.
Sie selbst steht am Eingang zur großen Höhle und wartet auf Mædnir, um mit ihm gemeinsam ein Wildschwein zu Ehren Firuns und zum Füllen ihrer Bäuche zu jagen.
Nur eines. Nicht mehr. Nur ein altes schwaches zähes Wildschwein. Mehr ist nicht nötig.
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Azinas Gedanken