Der Junker von Hochstieg saß auf einem alten Baumstamm und sah in das große Festfeuer. Der Waffenknecht des Edelmannes saß bei ihm, zusammen mit dem Dackel Pagol der sich großer Beliebtheit unter den zahlreichen Hexen erfreute. Der rondrianische Streiter hätte es niemals für möglich gehalten irgendwann zwischen knapp zwei dutzend Hexen zu sitzen und eindem ihrer seltsamen und vorallem ungöttlichen Rituale zuzusehen. Ansich sind die Hexen ja ganz friedlich – dachte er sich und versuchte über die Lehren der Zwölfgöttlichen Kirche nachzudenken. Der Schamanismus, die Scharlatanerie und die Hexerei waren die Kinder die nicht mitspielen durften, während die zwölf anderen lieber unter sich blieben und zu den anderen herabsahen als wären sie Kinder zweiter Klasse. Allmählich verstand Sieghelm weshalb die Zwölfgöttliche Kirche sie nicht mochte – sie waren emotionale und unkontrollierte Zauberer, die sich selbst nur wenigen bis gar keinen Regeln unterwarfen – gleich den wilden Tuzakern oder den barbarischen Ferkinas aus Mhanadistan. Derartige Gruppieren sind meist klein und leben in Abgeschiedenheit, was auch notwendig war, denn würden sie in die Dörfer und Städte gehen, müssten sie sich den dortigen Gesetzen beugen – wozu sie jedoch nicht bereit waren. Hexen, Schamanen und Scharlatane sind folglich Feinde einer geordneten und zivilisierten Gesellschaft – denn sie sind das genaue Gegenteil davon. Wären sie selbst jedoch zahlreicher, müßten sie auch einst Gesetze und Regeln schaffen. Sumudai – Sieghelms plötzliche Cousine – berichtete davon, dass derartige „Stämme“ selten mehr als 20 oder 30 Personen werden. Und selbst wenn es soweit war, würde sich eine neue Gruppe bilden die sich dann einen neuen Ort zum Leben suchen würde um einen neuen Stamm zu bilden. Und da ist der Beweis – derlei Zauberei sind für eine in einer großen Gemeinschaft lebenden Zivilisation nicht geeignet, ja Sieghelm ging sogar so weit für sich selbst zu behaupten dass sie sogar daran zerbrechen würden da sie durch ihre unkontrollierte emotionalität nicht in der Lage wären für Recht und Ordnung zu sorgen. Unterm Strich … war es also gut dass die Hexen hier in der abgeschiedenheit waren. Sie erhielten sich dadurch selbst, genauso wie es die Menschen in den Dörfern und Städten taten. Solange sich beide in Ruhe lassen, gäbe es keinen ärger – denn weder die einen noch die anderen haben ein Interesse – noch die Fähigkeit – daran mit den anderen zu leben.
„Ich werde dann mit den anderen tanzen … wollt ihr mitkommen?“ fragte Sumudai, die noch immer in der Nähe von Sieghelm saß und sich gerade aufmachte den Frauen und Männern die um das Feuer herum saßen anzuschließen. Sieghelm sah aus den Gedanken gerissen zu ihr und stockte kurz. „Oh, nein nein … geht nur, vielleicht später.“ Die junge Frau lächelte und begann dann sich rhytmisch zu bewegen und den anderen anzuschließen. Sieghelms Blick fiel auf Delia und Kalkarib – sie saßen zusammen. Delia trug ein grünes novadisches Gewand und saß brav neben dem jungen Wüstensohn. Der Junker mochte den arroganten Jüngling nicht sonderlich, er hatte allerdings auch nichts wirkliches gegen ihn. Es war schlichtweg seine Andersartigkeit, sein Glaube und dessen in Sieghelms Augen barbarische Kultur die ihn unsympathisch machten. Delia liebte ihn, da war sich Sieghelm spätestens nach der Traumwelt sicher – doch was fand sie nur an ihm? Der Hauptmann von Hammerschlag verstand es nicht – und er wollte es auch nicht. Solange sie glücklich war und es freiwillig tat, war es für Sieghelm in Ordnung.
Wenig später am Abend, Sieghelm hatte sich inzwischen dazu hinreißen lassen doch mit einer der Damen zu tanzen, kam es zu einem kleinen Ritual welches die die Hexen praktizierten. Es war so eine Art Tsagefälliges Erneuerungsritual bei dem man die Dinge die man wünscht hinter sich zu lassen symbolisch ins das Feuer warf um sich somit Glück und göttlichen Beistand für etwas neues zu erbitten. Nach und nach warfen die Männer und Frauen etwas in das große Feuer – Sieghelm sah zu wie Kalkarib Delias Besen zerbrach und mit ihr gemeinsam dem Flammen übergab. Er war nicht gerade sehr erbaut darüber, ließ es jedoch mit versteinerten Miene geschehen. Der Junker dachte nach: Würde auch ich etwas opfern können? Und wenn ja, was? Sieghelm war sich recht sicher, dass es der erneuernden Göttin es gefallen würde wenn er ihr zum Gedenken etwas opferte. Er sah sich um, und nach kurzer Zeit fiel sein Blick auf seinen Wappenrock. Das rotgelbe Wappen seiner Familie prunkte darauf. Sein Blick verhaarte darauf und er begann darüber nachzugrübelm. Plötzlich erschreckte er sich über sich selbst, als er sich dabei ertappte darüber nachzudenken das Symbol seiner Familie dem Feuer zu übergeben – würde es nicht ein Frevel sein? Immerhin fußte ein großer Teil seines Gedankenguts darauf, dass er ein Abkömmling der Adelsfamilie Spichbrecher war. Doch was hatte die Familie schon letztendlich für ihn getan? Zugegeben, sie hatte seine Ausbildung bei der Kriegerakademie bezahlt, welche der Grundstein für Sieghelms bisherige Laufbahn war. Doch war es nicht schon vorher sein Wunsch einst ein Krieger zu werden? Ein Streiter für die donnernde Göttin! Seit seinem plötzlichem Aufbruch aus Dettenhofen, war Sieghelms Leben ein selbstbestimmtes Leben geworden. Er hatte sich Ansehen und Titel verdient – und wurde sogar von der Leuin höchst selbst erwählt. Spätestens seit dem Erhalt von Custoris war klar, dass der Weg des Junkers in eine Richtung führte, den er ohne die Hilfe seiner Familie beschreiten musste. Sieghelm war und blieb ein Mitglied der Familie Spichbrecher, und er würde ihr auch auf immer treu bleiben und sie unterstützen. Fatas unentdecktes Land jedoch, würde er selbstbestimmt beschreiten. Dies war sein Leben, und sein Weg. Er war Sieghelm G., Wächter von Custoris

