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Der gequälte Fels

— als Grombasch —

Sachte legt er seine Hand auf das furchige Gestein. Es schweigt. Seine Qualen müssen es Verstummen lassen haben. Sie haben das rote Gestein scheinbar ‚abgesaugt‘.

Der arme Berg. Kein Stein sollte so leiden müssen. Bei Angroschs Werk, wir werden den Berg heilen!

Sorgenvoll dreht er sich zu seinen neuen Kameraden um. Seine Braunen bilden eine einzelne kupferrote Linie.

Ich habe ja schon die ganze Zeit gesehen, dass dies ein völlig unkoordinierter undisziplinierter Haufen ist. Wie konnte Thornia mich mit diesem Gesindel nur allein lassen? Sie weiß doch, dass ich das nicht kann. Sonst wär ich hier ja wohl der Weibel! Hat sie denn vergessen, was damals geschah?

Wir waren von vornherein verloren ohne Thornia. Nur die Aussicht auf ein paar zünftige Prügelleien, um endlich mal Dampf abzulassen, lies mich weiter machen. Und vielleicht erwischt es im Kampfgetümmel auch diese freche Zauberin. – Hey, ich habe sie gewarnt oder?

Warum wirkt die Dunkelheit in dieser Mine nur so bedrohlich? Seit wann habe ich denn Angst im Dunkeln? HarHar. Angrosch hat diese Welt aus Stein errichtet. Wir sind seine Söhne. Wir behüten sein Werk. Wir fürchten nichts! Ein Fels fürchtet nichts. Auch nicht diese verfluchte ~bedrohliche~ Dunkelheit. Hörst du? Verschwinde!

Die Haufen abgenagter menschlicher Knochen und des Thorwalers Paranoia – von den gestammelten Angstgeschwafel der Helden ganz zu schweigen – schockieren ihn nicht annähernd so sehr, wie das Verschwinden des einzigen Ausganges. Zunächst vorsichtig klopft er die Wand ab. Dann haut er mit seinem Hammer kräftig dagegen. Klonk. Eine Wand aus Stein. Sie saßen wie Ratten in der Falle. Und die Dunkelheit verdichtet sich Zusehens.

„INS GLIED, LOS ALLE MANN IN DIE MITTE. ANGRIFFSLINIE BILDEN!!!“

Fassungslos starrt er auf seine ‚Mitstreiter‘, die sich gegenseitig und seelenruhig ihre Zipperlein bemuttern und – ihn ignorierend – kreuz und quer durch die Höhle umherwuseln.

Wo bin ich denn hier nur reingeraten? Narren, alle samt! So! Ich stell mich jetzt hier hin! Sollen die Ratten doch kommen. Dunkelheit hin oder her. Ich warte. Kommt nur, kommt nur. Klick. Klick.

Der griesgrämige, sonst so unerschütterliche, Angroschim stellt sich breitbeinig mit erhobenem Rabenschnabel in der Rechten und der brennendenden Fackel in der Linken, in die Mitte der Höhle; bereit jederzeit zuzuschlagen oder loszulaufen und harrt ihres gemeinsamen Schicksals. Er hat jedoch mehr Angst, als er zuzugeben bereit ist. Angst,  um ihrer aller Leben.

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Grombaschs Gedanken

Schwere Kost

— als Grombasch —

Grombasch ist auf dem Weg zu den Gesindeschlafplätzen der Burg Hochstieg. Das viele gute Essen und das Bier liegen ihm besser im Magen als die Tischgespräche.

Nun ja, meine erste Vermutung hat sich bestätigt. Diese Menschen sind alle irgendwie gleich. Reden einem den Bart fusselig. Und was die alles reden, das glaubst du nicht Väterchen! Dabei ist die Sache doch klar: wir gehen unter den Berg und ziehen diesen Rattenwesen einen Hammer über den Schädel. Dann ist der Spuk hier zu Ende! Und was Sieghelm betrifft … ja, da müssen sie scheinbar irgendwelche Zutaten sammeln. Das sollen se mal ruhig machen, die Gelehrten.

Leider habe ich mich in Igan getäuscht. Er ist auch einer dieser affektierten Höflinge. So wandelbar, wie eine Ratte.*brummel* Ein guter Vergleich! Aber solange er nicht mir die Ohren vollsülzt, solls mir Recht sein. Sein Interesse scheint ja doch eher den Frauenzimmern zu gelten. Diese sind aber in Ordnung, ebenso wie ihre zwei schmächtigen männlichen Begleiter. Nur ein wenig naiv sind se alle. Plaudern fröhlich aus dem Siebenerrat, der die Beteiligten zur Verschwiegenheit verpflichtet hat, direkt vor dem Militär der hiesigen Burg. *Harhar* Die Trollzacker als vorgeschobener Grund für die Aushebung einer Landwehr? *Hm.*

Wenigstens dieser Árngrimr ist ein Mann, wie ich ihn mir vorstelle. Zwar immer noch ein Mensch, aber ein zugegeben stattliches und vernünftiges Exemplar.

Morgen geht es endlich los. Wenn ich nicht bald ein paar Ratten zerquetschen kann, sauf ich hier den Keller leer!

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Grombaschs Gedanken

Bei Angroschs Bart!

— als Grombasch —

Was bei Angroschs Bart ist denn hier nur los? Erst verlieren sich reihenweise Menschlein in den Wäldern, dann tauchen überall Trollzacker auf und nun hat sich auch noch der Junker in eine Wand saugen lassen! Dabei hätte ich dem guten Siggi ein wenig mehr zugetraut!

Mich wundert nur, dass die Übrigen die Wand nicht einfach eingerissen haben. Obwohl … wenn ich so an die schmuddeligen kümmerlichen Gestalten im Thronsaal denke, wundert’s mich doch nicht. Weichlinge allesamt! Ein bisschen Schnee und se fallen alle um, wie Orken unter meinem Hammer!

Der Siebenerrat wird nun entscheiden was zu tun ist. Wenn er klug ist, schickt er mich mit ein paar Männern unter den Roten Riesen, um diesen Hort des Bösen zu zerschlagen. Der Thorwaler und der Mittelländer sollen ruhig mitkommen. Sie kennen den Weg und sehen überdies ganz brauchbar aus. Im Gegensatz zu diesen merkwürdigen Südländern.

Wenn ich so an die dritte Dämonenschlacht an der Trollpforte zurückdenke … das war noch was! … Da wurde richtig gekämpft! … Und seitdem stehe ich mir hier als Wache die Beine in den Bauch! Grml! Ich hoffe, es passiert bald mal was, ich werd schon ganz hibbelig.

„Ey Burschn, rolls mir mal n Fass rüber!“

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Grombaschs Gedanken

Verwehrt und verweht

Die eisigen Winde ziehen noch immer über das gefangene Land. Schnee und Kälte sind seine grimmigen Begleiter.

Wer sich hier aufhält ist des Todes! Wer ist dieser unwirklichen Umgebung gewachsen? Hier, wo sich jede Spur verliert.

 

Wir streifen durch den Schnee, auf der Suche unserem Begehr´.

Ein jeder hat seinen eigenen Grund hier zu sein. Doch nicht jeder Grund ist es wert, sein Leben zu riskieren.

 

Viele Schlachten habe ich geschlagen. Allein heute habe ich drei Leben genommen. War es das wert? … Nein. …

Wir alle müssen büßen für unsere unendliche Narretei!

 

Doch welcher Weg ist der Richtige? Sag es mir!

Geschunden, entkräftet und erfroren. Was ist wichtig? Was zählt im Angesicht dessen was vor Einem scheint?

Ist dies dein Plan, oh Weißer Jäger?

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Azinas Gedanken

Tag des Schicksals

Die Geschehnisse häufen sich. Das kann doch alles nicht wahr sein! Was geht hier nur vor?

Benommen steht Azina vor dem Erdloch. Lediglich sein Betteppich kündet von Kalkaribs vergangener Anwesenheit. Sie sieht wie ihre Freundin Delia in die Knie geht und fassungslos auf den leeren Fleck starrt. Ohnmächtig und unfähig etwas zu unternehmen, steht die Tierbändigerin einfach nur da. Die Ereignisse beginnen ihren Tribut zu fordern. Ihre Fassade bröckelt. Der Verlust so vieler Gefährten und anderer Menschen lässt niemanden kalt. Nicht einmal sie …

Sie legt die Hand auf Delias Schulter. Sie ist froh, dass sie ihr Gesicht nicht sehen kann während sie folgende Worte – sanft aber bestimmt – an sie richtet:

„Wir werden ihn zurückholen. Genauso wie Sieghelm. Wir werden das Rätsel lösen und die Geschehnisse aufklären und wenn es das Letzte ist, was wir tun!! Ich schöre dir Delia – bei Firuns eisigem Atem – ich werde nicht eher ruhen bis wir die Verantwortlichen zur Strecke gebracht haben!“

Sie merkt nicht, wie sich ihre Hand kräftig in Delias Schulter krallt, was ihr ein wenig schmerzen wird, sie jedoch nicht kümmert, da sich ein viel stärkerer Schmerz in ihrem Herzen ausbreitet.

Sie lässt die Hexe los und zieht ihre Keyfira hervor, um erneut ein wenig Erde einzusammeln. Sie legt ihre ganze Überzeugungskraft in ihre Stimme als sie mit entschlossener Miene zu Delia aufschaut.

„Wir schaffen das! Zunächst sollten wir versuchen mit den Trollzackern zu sprechen. Sie wissen mit Sicherheit genaueres über die hiesigen Vorfälle. Bestimmt werden auch einige ihrer eigenen Leute vermisst. Jane wird das Buch studieren bis ihr ein Schlangenschwanz wächst! Nehazet wird derweil das Rätsel studieren, die Bibliothek durchforsten und diese Erde untersuchen … Komm! Wir gehen zu den anderen zurück und berichten, was geschehen ist.“

Sie streckt ihr die Hand entgegen. Eine Antwort auf diese Geste ist zweideutig zu verstehen. Zum einen das schlichte Aufhelfen aus einer kauernden Situation und zum anderen das ergreifen der hilfreichen Hand in Zeiten der Not in der Gewissheit, dass man nicht allein ist.

Wir schaffen das Delia, sei gewiss! Sagt sie in Gedanken zu sich selbst.

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Azinas Gedanken

Barbarisch

In ihrem Zelt liegt sie noch einige Minuten Wach und überdenkt die Geschehnisse der vorherigen Tage. Neben ihr schläft Jane Pedderson.

Jane … schon wieder bist du mir zuvor gekommen. Überall mischst du dich ein. Alles weißt du besser.

Sie presst die Lippen unwirsch ein wenig zusammen.

Die Lehrerin steckt noch tief in ihr. Das geht mir noch immer auf die Nerven, obgleich ich mir vorgenommen habe drüber zustehen. Aber kaum hat man mal eine mysteriöse Begegnung im Schnee mit einem mächtigen Barbarenzauberer und möchte sich – hesindegefällig – ein wenig mit seiner (Sprach-)Kultur auseinandersetzen, da hat sie schon das weit und breit einzige Buch zu dem Thema in ihrer Gewalt. Und dann prahlt sie auch noch mit dem Wissen, welches ich ihr aus erster Hand verschafft habe.

Sie seufzt und dreht sich auf die andere Seite.

Gut, soll sie mal machen. Ist mir gleich. Ich werde sie ohnehin begleiten müssen, sollte Sieghelm sie auf diplomatische Mission schicken. Allein wäre sie verloren. Ich denke nicht, dass die Barbaren ihr viel Respekt entgegen bringen werden. Sprache hin oder her. Zwar sieht sie in ihrer Lederrüstung wenigstens nicht mehr aus wie eine Gelehrte. Aber noch ist sie zu neu und ungenutzt, das wird den Trollzackern auffallen. Eine Schmuckrüstung wird sie nicht beeindrucken … nur Taten.

Bisher sind wir auf dem Weg zu Sieghelms Schatz noch keinen Spuren der Trollzacker begegnet. – Schade eigentlich – Sie waren also jüngst noch nicht in diesem Teil der Berge. Alles ist seit langem unberührt. Ich verstehe seine Eile nicht. Zumal interessant sein wird, was Delia heute Nacht träumt. So nah an der Quelle. Sie erzählte ja, dass die Gestalten in ihrem Traum ihr sagten, dass sie näher kommt. Es scheint also einen Zusammenhang zwischen dem Gold und ihren Träumen zu geben. Nur, wo ist die Verbindung zwischen dem Gold und den Malen auf Delias und nun auch noch Nehazets Schulter – was ich im Übrigen erst gestern Abend so nebenbei erfahren habe – Und was hat der Zuspruch zu den Göttern damit zu tun?

… Ach was solls. Die anderen werden es schon herausfinden. Sie sprechen ja nicht mit mir nicht über so etwas. Scheinbar sehen sie in mir nur den tumben Waldläufer. Dazu noch jung und unerfahren. HA! Sie wissen nicht um meine geistigen Fähigkeiten. Woher auch? Und dabei kann es ruhig bleiben.

Immerhin sind wir endlich mal draußen in der Wildnis. Herrlich.

Erneut dreht sie sich auf die andere Seite und schläft lächelnd ein.

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Azinas Gedanken

Begegnung im Schnee

Die ersten Tage waren ereignisreich. Kaum ist der Junker wieder auf seinem Gut, schon sind allerhand aufgeschobene Probleme zu lösen. Als hätten sie auf uns gewartet, versetzen sie das Land in eine Starre der Ungewissheit. Das Verschwinden der zwei Grenzgardisten aus dem Warnturm macht mir besonders sorgen. Wohin ist der zweite Gardist verschwunden? Die Türe war von innen verriegelt. Da stimmt etwas nicht. Und dann diese Spur, die unseren Weg kreuzt. Immer wieder diese Spur. Nun hat sie mich hier her geführt. Lass sehen, was das Schicksal von mir erwartet.

Azina schleicht sich gebückt, in weiße Felle gehüllt und den Runenspeer in den Händen, an ihr Ziel, ein großes zotteliges weißfelliges Wesen mit einem widderköpfigen Stab in der Hand, heran. Unmerklich knirschen ihre Stiefel im feinen Pulverschnee. Ihr trainierter Körper ist angespannt, bereit zuzuschlagen. Doch sie weiß noch nicht, was sie tun wird. Sie reagiert instinktiv. Sie ist in ihrem Element. Sie ist erfreut und doch aufgeregt, ob der mysteriösen Wesenheit. Doch niemals vergisst sie die Gefahr.

So bedrohlich das Wesen auch ist, es scheint intelligent zu sein. Und offenbar friedlich. Denn ich bin … ihm … schon einmal begegnet. Es muss Schicksal sein, dass wir uns erneut über den Weg laufen. Es wäre nicht recht, ihn nur aufgrund seiner Andersartigkeit zu töten. Ich begnüge mich zunächst damit, ihn zu beobachten, vielleicht offenbart er ja sein Ansinnen. Es muss einen Grund geben, warum er hier so offen und allein durch die Wälder streift. Eigentlich müsste ihn doch jemand gesehen haben. Im ganzen Land müssten Gerüchte umgehen. Anschläge an Brettern sollten Aussicht auf Beute verheißen. Viele Jäger könnten nicht widerstehen. Solch ein Fell wäre vielen ein Leben wert. … Es sei denn die Personen, die ihn sahen, sind verschwunden. Vornehmlich Jäger, die der verheißungsvollen Spur folgten …

Mit einer Ruckartigen Bewegung dreht sich das Wesen um und blickt der nahenden Jägerin direkt in die Augen. Überraschung blitzt in beider Augenpaaren auf. Beide halten eine ewigwährende Sekunde inne, in der Azina eine wichtige Entscheidung trifft: Sie richtet sich auf und breitet die Arme zur Wehrlosigkeit aus. Das Wesen zögert kurz, ehe es sich langsam und bedrohlich auf sie zubewegt. Sie beginnt rückwärts zurück zu weichen als Zeichen der Entschuldigung ihn gestört zu haben. Doch das Wesen reißt ruckartig den Stab nach vorn. Ehe Azina zur Seite hechten konnte, hatten bereits grüne Ranken ihre Beine umschlungen und arbeiten sich zu ihrer Hüfte vor. So gefesselt stellt sie den Speer auf dem Boden ab und harrt des nun näher rückenden Wesens. Sie ist bemüht nicht aggressiv zu wirken. Bakkus jedoch wird nervös und kann sich nicht mehr halten. Er greift, wider dem rasch gebellten Befehl, an, um seine Herrin zu verteidigen. Ein kurzer Blitz aus der nackten Hand des Wesens bringt ihn verletzt zum Schweigen. Azina schluckt.

Bakkus nein … es ist ihm nicht zu verübeln. Ich hoffe er ist nicht allzu schwer verletzt. Ich sehe, er atmet noch. Auch dem Wesen kann ich nicht böse sein. Er hat sich nur verteidigt. Aber wie geht es weiter? Was hat er vor. Vielleicht kann man mit ihm reden, ihn fragen, was er hier unten sucht. Und er muss etwas suchen, sonst wäre er nicht hier.

Nun beginnt das Wesen zu sprechen. Gebrüllte Worte verlassen seinen Mund. Seine kräftigen Arme gestikulieren wild. Die Falknerin ist verdutzt. Sie ist unfähig mit ihm zu kommunizieren. Immerhin gelingt es, dass sie seinen Namen erfährt. Er heißt Shakling Boran. Aber sonst ist alles vergebens. Kopfschüttelnd greift er nach dem bewusstlosen Bakkus. Eine Hand führt plötzlich ein Messer, sie fährt hoch und … wird von einem „NEIN!!!“ Azinas unterbrochen. Zornesfalten ziehen sich durch ihr Gesicht. Sie hebt den Speer und verheißt ihm einen blutigen Kampf, sollte er sein Vorhaben vollenden. Er hält inne und schaut sie verwundert an.

Nein! Das wirst du schön bleiben lassen! … Wieder spricht er. Was will er mir bloß sagen? Warum macht er sich die Mühe mit mir zu sprechen. Es muss einen Grund geben. Oh Hesinde, gibt mir Wurm Erleuchtung, ich bitte dich.

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Azinas Gedanken

 

Hier geht’s weiter:  Forenspiel, Ruhe vor dem Sturm

Am Ende des Pfades

Der herzerweichende Schrei mag kaum verklingen. Denn das Echo der Berge wirft ihn vielfach zurück. Die Botin Firuns steht vor der Schlucht, die auch ihr Leben fordern wollte, und blickt auf den kleinen zerschlagenen Körper des jungen Waffenknechts. Ein laues Lüftchen kommt auf und trägt den Leichnam zu ihnen empor. Andächtig steht sie gedankenverloren da. Keine Regung der Trauer, auch kein Wehklagen, wie das des Junkers, entrinnt sich ihrem Körper. Ein wenig verachtet sie sich dafür, vor den anderen als gefühlskalt da zu stehen. Aber dies ist nunmehr ihre Bestimmung. Ein mentaler Fels in der Brandung der überschäumenden Gefühle. In ihrem Inneren jedoch tobt ein ebensolcher Sturm der sich alle Mühe gibt bahn zu brechen. Sie hält jedoch stand und betet stumm für den Jungen.

Armer tapferer Rondrian. Du warst noch nicht bereit. Warst noch zu schwach und zu klein, um diesen Pfad zu bestehen. Doch dein unerschütterlicher Mut und deine Entschlossenheit ehren die Leuin und den Alten vom Berg gleichermaßen und sollen Vorbild für alle sein! Beide Götter werden dich in ihren Paradiesen willkommen heißen. Du hast erneut die Wahl dein Schicksal zu bestimmen. Sei es nun so, wie es ist. Ruhe in Frieden kleiner tapferer Mann.

Er hat weder geklagt noch lamentiert. Ganz im Gegensatz zu den anderen. Vor allem Kalkarib entpuppt sich als Schwächling. Sicher, er ist die Kälte nicht gewohnt, aber muss man sich darum so gebaren? Nein! Und erst diese lächerliche Frage, wer für ihn kämpfen möge. Pah. Wer Mut und Entschlossenheit in der gerechten Sache zeigt, dem gebührt mein Beistand. Er wird ihn bekommen. Doch zuerst: kämpfe selbst und zeige mir, dass du es Wert bist, dass du es verdienst!!!

Dazu wird es auch genügend Gelegenheiten geben. Delias Pervertierung macht mir Sorgen. Selbst mein Speer konnte nicht helfen. Wäre ja auch zu einfach. Ich schätze, dies ist eine Aufgabe für Nehazet. Wir werden ihm dabei unterstützen.

Es gibt auch sonst viel zu tun auf Hochstieg. Ich versprach Traviahold mit ihm zu dem Turm zu gehen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Auf diesem Weg kann ich viel über diesen interessanten Landstrich erfahren. Außerdem muss ich noch Erkundigungen über das mysteriöse Wesen einholen, dessen Fußspuren ich in der Dorfruine fand. Mal sehen, ob es Aussicht auf eine ereignisreiche Jagd verheißt.

Hochstieg. Wir sind da. Schade dass es schon vorbei ist. Die anderen sind noch nicht bereit, diese Pilgerreise zu beenden. Aber wer ist schon bereit für etwas, was einem unverhofft wiederfährt?

Bei diesen Gedanken fällt ihr Blick auf die Trage. Sie presst die Lippen fast unmerklich zusammen und richtet ihre Aufmerksamkeit auf den jungen Jäger, der seinem Hund aus dem Gebüsch folgt.

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Azinas Gedanken

Auf Pilgerreise

Mit einem sollst du Recht behalten alter Mann.

Schwer stapft sie in ihren neuen Stiefeln den schneebedeckten Hang hinauf. Der Pfad der Ifirn ist kaum zu erkennen.

Die Sorgen und Nöte der Menschen, drücken gar sorgenschwer auf das Gemüt. Sowohl auf ihr eigenes, als auch auf das ihrer Reisegefährten. Die Stimmung meiner Kameraden kann ich nur als jammernd empfinden. Zeigen sie tatsächlich Schwäche? Freveln sie so meinem Gott? Oft reiste ich mit ihnen durch die Städte, oft besuchte ich Bibliotheken, Akademien, Märkte, Garnisonen und nächtigte in Gasthäusern. Ich bereiste fast ausschließlich WEGE!! Zu FUß, während sie ritten.

Kopfschüttelnd betrachtet sie die träumerisch verschneiten Berge der Efferdseite der Trollzacken. Oben angekommen fällt ihr Blick auf den Schnee zu ihren Füßen am Rande des Steilhangs. Langsam geht sie in die Knie. Sie zieht ihre Handschuhe aus und lässt sie achtlos fallen. Ehrfürchtig gleitet sie mit ihren nackten Fingern durch Firuns Element. Tief atmet sie ein. Ihre Kameraden sehen sich nach ihr um, wie sie so dasitzt, ein weißes buschiges Fell über den Rücken geworfen, kniend im reinen Schnee und voll Wonne, der Erde des Wintergottes nah.

Und kaum geht es ein einziges Mal auf einem PILGERPFAD halbwegs durch die Wildnis, quengeln sie alle, wie kleine Kinder. Einzig Sieghelm und die beiden alten Herren sind Musterbeispiele an Enthusiasmus. Und Rondrian. Aber der ist eh stets auf seines Herren Seite. Alle anderen haben keinen Sinn für die Schönheit der Natur! Deren atemberaubendes Antlitz zu betrachten und zu zeichnen reicht nicht aus Jane. Man muss sie erleben, spüren! So, wie ich es gerade andächtig tue. Hm, Schnee. So kalt und so schön. Nur dann ist man der Natur nahe. Aber was nützt es, wenn sie nicht einmal erkennen, worin der Sinn ihres Seins besteht. Im Einklang zu leben. Im Einklang zur Natur, im Einklang zu sich selbst und natürlich im Einklang mit seinen Göttern.

Sie richtet sich auf und sieht, wie ihre Kameraden im Schnee spielen. Und wendet sich grummelnd ab.

Der Sturz des alten Ardo reißt sie aus ihren Gedanken. Rasch eilt sie herbei, um gemeinsam mit Kalkarib Sieghelm zu helfen, Jane und Traviahold hochzuhieven. Ardo und Traviahold verlieren den Halt zueinander und der alte Mann fällt gen Tal. Nur ein elementarer Diener der Luft Nehazets verhindert seinen Aufschlag. Als der tapfere Rondrian an einem Seil hinabgelassen wird, steht die Tierbändigerin einige Schritt abseits auf einen Felsvorsprung und beobachtet mit erhabener Miene die Szenerie.

Schon besser Leute.

Am Abend gelangen sie in die Dorfruine Kohlenhüttens an einer Weggabelung am Ende des Ifirnpfades. Sieghelm versprach am Vortag eine “traviagefällige Heimstadt“, welche nun aus einem mit Brennholz bestücktem Lagerplatz samt offen Kamin bestand.

Ich weiß nicht, worüber sich die anderen aufregen. Es ist eine angemessene Heimstadt. Leider verdirbt Nehazet das firunsche Erlebnis durch eine sehr traviagefällige Geste. Sein erbetenes Dach verleiht der der Heimstadt tatsächlich ein wenig Glanz der Heiligen Mutter. Aber so richtig stolz und zufrieden scheint er nicht zu sein. Es düngt mir, er hadert außerordentlich stark mit seinem Schicksal. Was mag ihm zugestoßen sein, als ich in Aranien war? Er beschwerte sich ja schon immer, dass er durch die Wildnis müsste, aber so mürrisch und übellaunig kenne ich ihn gar nicht. Kann es sein, dass ihm die verwehrte Hochzeit doch sehr nahe geht? Doch was kümmert es mich? Im Zweifel wird Travia höchstpersönlich dafür Sorge tragen, dass ihr Auserwählter angemessen ist.

Eine schöne Nacht hier draußen. Ob diese Vettel Kohlenhütten tatsächlich existiert?

Noch einmal atmet sie die frische Bergluft, vermischt mit einer Note Eintopf, ehe sie sich auf ihren Umhang bettet und für eine weitere Nacht in Borons Domäne tritt.

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Azinas Gedanken

Am Rande des Rastullah-Bundes

Wie durch einen Schleier nahm Azina die Hochzeit wahr, obwohl sie als eine der wenigen Frauen keinen trägt. Sie hat keine Angst, der Braut die Show zu stehlen. Nicht hier. Nicht sie. Die eisblaue Klinge ihres weißen Runenspeeres ist sorgfältig mit einem Tuch verhüllt. Sie selbst trägt ein geborgtes schlichtes braun-weißes novadisches Kleid mit einigen wenigen Verzierungen. Ihre wahre charismatische Anmut offenbart sich nur, wenn sie sich in einer engen Lederrüstung elegant bewegt. Ihr Blick streng und stolz. Weich nur in Augenblicken der Schwäche oder der Unaufmerksamkeit. Ein kostbares Gut ihrer Mitreisenden.

Ihre derzeitige Sicht ist vergleichbar mit jener, die Kalkarib auf seine liebreizende Delia hinter dem Baldachin hat. Nur Schatten und Konturen. Nicht mehr. Nur eine Ahnung dessen, was er erwartet. Die Braut lässt sich Zeit, lässt ihn zappeln und warten. Er hält es kaum noch aus. Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. Zu schnell, zu rasch ging alles. Zu reibungslos. Wo doch in den Monden zuvor solch Ungewissheit herrschte. Waren sie für einander bestimmt, oder nicht? Können sie die Prüfung bestehen und ihre kulturellen Unterschiede überwinden? Wie stark ist ihre Liebe? Oder war es nur heißes ungestilltes Verlangen? Er war ehrlich besorgt, wie sie ihre Entscheidung treffen wird. Die Sprunghaftigkeit seiner künftigen Frau ist ihm nur zu gut bekannt. „Blamier mich jetzt bloß nicht, meine kleine Scharte, sagt sein sorgenvoller Blick.

Azina bekommt von seinen Gefühlen nichts mit. Sie ist in ihren eigenen Gedanken versunken. Aber als Delia schließlich doch vor den Vorhang tritt umspielt ein zartes Lächeln ihr Gesicht, während der überwältigende Rest der Gesellschaft in stürmischen Jubel ausbricht. Die Leute drängen nach vorn, um ihnen beiden zu gratulieren. Braut und Bräutigam fallen sich in die Arme. Sie sind nun rechtmäßig Mann und Frau. Endlich.

Wie wird es jetzt weitergehen? Wird Delia weiter mit uns reisen? Ich hoffe es. Nicht nur, weil wir einen göttlichen Auftrag von höchster Bedeutung haben. Nein, auch möchte ich ihre Gegenwart nicht missen. Kalkarib zieht es bestimmt vor mit ihr hier sesshaft zu werden und eine Familie zu gründen. Aber das kann ich mir bei Delia nicht vorstellen. Sie wird einen Weg finden ihn zu überzeugen mit uns zu reisen. Schließlich ist sie eine Hexe. Auch wenn sie offenbar davon abgeschworen hat. Er wird auch lernen sich an Janes und meine Gegenwart zu gewöhnen. Lange wird er seine Feindseligkeit nicht aufrechterhalten können. Jane wird ihm schon zeigen, wo sein Platz ist. Notfalls wird er schlicht ignoriert. Das kann ich gut. Er ist nicht der erste Mann, der meint, mir was vorschreiben zu müssen. Damit ist Schluss!

Ich bin gespannt auf Darpatien. Sieghelm hat bisher kaum etwas davon erzählt. Vor ungefähr zwei Götterläufen bin ich schon einmal dort durchgereist. Es ist, als sei es schon eine Ewigkeit her. Mit ihm als Führer sollten sich viel mehr Eindrücke offenbaren, als bei meiner Flucht.

Die Bewegung der Menge erinnert sie daran, dass sie noch ein Geschenk zu übergeben hat. Ihr erstes selbst gegerbtes Fell. Von dem unglücklichen Hasen in Mathab mal abgesehen. Sie wartet bis sie an der Reihe ist. Wie immer.

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Azinas Gedanken