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Begegnung im Schnee

Die ersten Tage waren ereignisreich. Kaum ist der Junker wieder auf seinem Gut, schon sind allerhand aufgeschobene Probleme zu lösen. Als hätten sie auf uns gewartet, versetzen sie das Land in eine Starre der Ungewissheit. Das Verschwinden der zwei Grenzgardisten aus dem Warnturm macht mir besonders sorgen. Wohin ist der zweite Gardist verschwunden? Die Türe war von innen verriegelt. Da stimmt etwas nicht. Und dann diese Spur, die unseren Weg kreuzt. Immer wieder diese Spur. Nun hat sie mich hier her geführt. Lass sehen, was das Schicksal von mir erwartet.

Azina schleicht sich gebückt, in weiße Felle gehüllt und den Runenspeer in den Händen, an ihr Ziel, ein großes zotteliges weißfelliges Wesen mit einem widderköpfigen Stab in der Hand, heran. Unmerklich knirschen ihre Stiefel im feinen Pulverschnee. Ihr trainierter Körper ist angespannt, bereit zuzuschlagen. Doch sie weiß noch nicht, was sie tun wird. Sie reagiert instinktiv. Sie ist in ihrem Element. Sie ist erfreut und doch aufgeregt, ob der mysteriösen Wesenheit. Doch niemals vergisst sie die Gefahr.

So bedrohlich das Wesen auch ist, es scheint intelligent zu sein. Und offenbar friedlich. Denn ich bin … ihm … schon einmal begegnet. Es muss Schicksal sein, dass wir uns erneut über den Weg laufen. Es wäre nicht recht, ihn nur aufgrund seiner Andersartigkeit zu töten. Ich begnüge mich zunächst damit, ihn zu beobachten, vielleicht offenbart er ja sein Ansinnen. Es muss einen Grund geben, warum er hier so offen und allein durch die Wälder streift. Eigentlich müsste ihn doch jemand gesehen haben. Im ganzen Land müssten Gerüchte umgehen. Anschläge an Brettern sollten Aussicht auf Beute verheißen. Viele Jäger könnten nicht widerstehen. Solch ein Fell wäre vielen ein Leben wert. … Es sei denn die Personen, die ihn sahen, sind verschwunden. Vornehmlich Jäger, die der verheißungsvollen Spur folgten …

Mit einer Ruckartigen Bewegung dreht sich das Wesen um und blickt der nahenden Jägerin direkt in die Augen. Überraschung blitzt in beider Augenpaaren auf. Beide halten eine ewigwährende Sekunde inne, in der Azina eine wichtige Entscheidung trifft: Sie richtet sich auf und breitet die Arme zur Wehrlosigkeit aus. Das Wesen zögert kurz, ehe es sich langsam und bedrohlich auf sie zubewegt. Sie beginnt rückwärts zurück zu weichen als Zeichen der Entschuldigung ihn gestört zu haben. Doch das Wesen reißt ruckartig den Stab nach vorn. Ehe Azina zur Seite hechten konnte, hatten bereits grüne Ranken ihre Beine umschlungen und arbeiten sich zu ihrer Hüfte vor. So gefesselt stellt sie den Speer auf dem Boden ab und harrt des nun näher rückenden Wesens. Sie ist bemüht nicht aggressiv zu wirken. Bakkus jedoch wird nervös und kann sich nicht mehr halten. Er greift, wider dem rasch gebellten Befehl, an, um seine Herrin zu verteidigen. Ein kurzer Blitz aus der nackten Hand des Wesens bringt ihn verletzt zum Schweigen. Azina schluckt.

Bakkus nein … es ist ihm nicht zu verübeln. Ich hoffe er ist nicht allzu schwer verletzt. Ich sehe, er atmet noch. Auch dem Wesen kann ich nicht böse sein. Er hat sich nur verteidigt. Aber wie geht es weiter? Was hat er vor. Vielleicht kann man mit ihm reden, ihn fragen, was er hier unten sucht. Und er muss etwas suchen, sonst wäre er nicht hier.

Nun beginnt das Wesen zu sprechen. Gebrüllte Worte verlassen seinen Mund. Seine kräftigen Arme gestikulieren wild. Die Falknerin ist verdutzt. Sie ist unfähig mit ihm zu kommunizieren. Immerhin gelingt es, dass sie seinen Namen erfährt. Er heißt Shakling Boran. Aber sonst ist alles vergebens. Kopfschüttelnd greift er nach dem bewusstlosen Bakkus. Eine Hand führt plötzlich ein Messer, sie fährt hoch und … wird von einem „NEIN!!!“ Azinas unterbrochen. Zornesfalten ziehen sich durch ihr Gesicht. Sie hebt den Speer und verheißt ihm einen blutigen Kampf, sollte er sein Vorhaben vollenden. Er hält inne und schaut sie verwundert an.

Nein! Das wirst du schön bleiben lassen! … Wieder spricht er. Was will er mir bloß sagen? Warum macht er sich die Mühe mit mir zu sprechen. Es muss einen Grund geben. Oh Hesinde, gibt mir Wurm Erleuchtung, ich bitte dich.

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Azinas Gedanken

 

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