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Der Tod als Chance

Ich danke dir große Mutter!

Demütig und dankbar senkt Azina ihr Haupt. Eine schwere Last fällt von ihr ab. Die Last für den Tod ihres Kameraden, nein ihres Freundes Nehazet, verantwortlich zu sein.

Dabei wollte ich alles richtig machen! Während die anderen innerhalb dieser magischen Wand gegen Turnak’riin kämpften stellte ich mich zwischen Delia und Nehazet, um den Feind abzufangen und meine Freunde zu schützen, sollte er sich erneut teleportieren. Meine Rechnung ging auch auf. Nur dass ich, anstatt den tödlichen Hieb für Nehazet abzufangen, ihn noch schwerer verletzt habe. So schwer verletzt habe, dass meine … zitternden … Hände ihn nicht mehr zu helfen vermochten. Das Blut quoll in Sturzbächen aus ihn heraus. Er war tot!

Zum Glück hat die große Mutter Travia unsere Gebete erhört und ihm eine zweite Chance gegeben, sich ihr als würdig zu erweisen. Ich hoffe, du nutzt sie weise Adeptus.

Emotional und körperlich am Ende ihrer Kräfte angelangt, setzt sie sich an das Feuer und bettet Elfenbeins Kopf in ihren Schoß. Sie krault ihn geistesabwesend und beobachtet Sieghelm, wie er sich ebenfalls setzt.

Sieghelm hat Turnak’riin mit Hilfe der anderen besiegt. Nichts Anders habe ich von ihm erwartet. Sehr gut! Nur die Hinrichtung von Tornado kann ich nicht gutheißen. Ich weiß, du bist anderer Meinung Firun. Aber deine Tochter würde mir beipflichten. Tornado hätte die Chance bekommen müssen, sich zu erklären, um Verzeihung zu bitten. So starb er ohne die Möglichkeit zur Buße. Nun, Rondra wird schon mit ihm zu verfahren wissen. Noch ist er nicht verloren.

Zumindest haben wir zunächst einmal ein wenig Ruhe vor den Vortexwesen. Irk’raan wurde ja ebenfalls vernichtet, sodass uns der Feind nicht mehr so leicht aufspüren kann. Nun können uns ein wenig erholen und überlegen wie es weitergehen soll. Sieghelm hat Recht mit seiner Erkenntnis: Wir dürfen nicht warten bis die Gefahr zu uns kommt. Wir müssen die anderen Anker finden und sie unterstützen. Nur wie stellen wir das an? Wie erreichen wir sie und wie erkennen wir sie, wenn wir ihnen begegnen?

Und was ist aus Saria, Nicolo und Matral geworden. Anker der Hesinde, Tsa und Boron. Ich fürchte, Saria und Nicolo sind gefallen.

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Azinas Gedanken

Turnak’riin der Seelenfresser und Irk’raan die Dornenzunge

Der geschwärzte Boden reißt auf. Ein Riss in Form eines großen Ringes, der sich um die Helden legt, hindert sie an der Flucht. Doch an Flucht denken sie nicht. Sie sind bereit für den Kampf. Den ersten direkten Kampf gegen den Vortex. Sollten sie hier siegreich sein, werden weitere folgen, bis der welthungrige Blutkaiser von seinem Vorhaben abrückt, sich diese Sphäre einzuverleiben.

Aus dem Riss entsteigt der erste gefallene Anker Rondras – Turnak’riin, der Seelenfresser – zusammen mit Irk’raan, der Dornenzunge, dem zweiten gefallenen Anker der Donnernden. Ihnen gegenüber, einen schützenden Kreis um den bewusstlosen Sieghelm, Junker von Hochstieg, Erwählter der Leuin, positionieren sich die Helden dieses Zeitalters: Mædnir der Bär, bewaffnet mit dem Dreizack Efferds und seinem großem Thorwalerschild. Seine Haut ist überzogen mit einer Schicht aus Muscheln und Algen und seine Haare ‚wehen‘ unterwassergleich über seinem angespannten Körper. Hinter ihm, steht Delia al Cumrat bân Rezzan, Hexe Satuarias, Erwählte der Rahja mit erhobenen Stab über Sieghelm. Ihr Blick verrät ihre Abscheu und doch ihre Liebe zum Leben. Und mit einem leuchtenden geschlossenen Buch in der Hand starrt Jane Peddersen, Erwählte der Hesinde, interessiert zu den beiden schwarzen Gestalten hinüber und wartet angespannt auf ihre Reaktion, bereit ihr Buch aufzuschlagen, während sich Azina saba Belima, Erwählte Firuns, grimmig und wütend über den schlimmen Verrat ihres ehemaligem Mitstreiters Tornado, mit einer dünnen, blassen, schimmernden Schicht aus Eis überzieht. Eiskristalle hängen vereinzelt in ihrem schwarzen Haar. Traviahold orangegewandeter Bruder von Travia und Sieghelm, bittet die Götter stumm um Beistand, während er einmal mehr erfolgreich um seine Fassung ringt. Vitus, Korporal von Hochstieg steht verunsichert Delia zur Seite. Igan, der geläuterte Teil von Irk’raan, der Dornenzunge, schaut furchtsam auf seine dunkle Seite. Er selbst hat eben erst zu den Göttern, zu Rahja, zu Delia, zurückgefunden, während sein Dunkles ich Rondra abtrünnig wurde und den es nun zu bekämpfen gilt. Sie alle umgibt, ihren unterschiedlichen Gefühlen zum Trotz, eine Aura der Entschlossenheit. Sie halten Ihre Waffen griffbereit, um Sieghelm – um Dere – zu verteidigen.

Einzig Adeptus Nehazet ibn Tulachim, Erwählter der Travia wider Willen, schickt sich an, auf die Entgegnung Turnak’riins „Wenn ihr euch ergebt, verspreche ich euch einen raschen Tod. Solltet ihr euch hingegen wehren werden ihr unendlich leiden!“ einen entspannten Dialog mit dem Finsteren zu führen. Denn so könnte ein kollegialer Austausch zwischen zwei Weltenwanderern doch interessantes Wissen zu Tage fördern. Schließlich hat es schon einmal nicht geklappt. Und auch diesmal ist ein Diener des Blutkaisers nicht gewillt mit den engagierten Magier zu sprechen: Mit einer wegfegenden Geste schleudert Turnaak’iin Nehazet an den hinteren Rand des Ringes.

Zeitgleich setzen sich die schwarzen Vortexwesen in Bewegung. „BEI SWAFSKARI!“ brüllt Mædnir und stürmt ihnen todesmutig entgegen. Igan folgt ihm nur zögerlich, während Jane längst ihr Buch geöffnet und auf Urtulamidia eine Lichtgestalt in Form einer jungen Tulamidin mit einem großen Doppelkhunchomer hinter den Gegner hat erscheinen lassen. Die ersten zwei Schläge vom Geist und von Mædnir treffen Turnak’riin ohne auch nur einen einzigen Schaden zu verursachen. Sein zweihändiges Schwert schwingt er schnell wie ein biegsames Rapier zwischen den Helden hin und her.

Azinas anfangs geworfener Speer ist ebenfalls an der schwarzen Rüstung funkensprühend abgeprallt ohne einen einzigen Finger einzudringen. Daraufhin ist sie unschlüssig, was zu tun ist. Wie kann das schreckliche Schicksal gewendet werden, wenn normale Angriffe wirkungslos verpuffen? Traviahold betet Travia an, sie möge ihm beistehen und sie und Sieghelm mit ihrem Schutz belegen. Azina und Vitus stimmen in das Gebet mit ein, unterstützen ihn. Unterdessen wirkt Delia den Zauber Satuarias Herrlichkeit und überstrahlt das Schlachtfeld mit ihrer lieblichen Präsenz. Sie pumpt ihre Kraft in Sieghelm und versucht die Feinde zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Nehazet, entrüstet von der Feinde Unvernunft, beginnt in die Untiefen der Vortexmagie vorzustoßen. Seine Gedanken greifen nach der übermächtigen Präsenz der fremdartigen Zauberstruktur. Er beobachtet auch, wie sich Turnak’riin, blitzartig vor Sieghelm teleportiert. Nur mit magischem Blick ist eine Fokussierung der Matrix in seiner Umgebung kurz vor Ausübung des Zaubers zu erkennen. Der junge Adeptus versucht die verschiedenen Zauber zu imitieren. So schickt er den Seelenfresser zurück zu seinem Ursprungsort, wo er weiter von Janes Geist und von Mædnir beschäftigt wird. Doch sind Nehazets Tätigkeiten nicht unbemerkt geblieben. Denn Turnak’riin beginnt nun Nehazet in ein magisches Duell zu verwickeln. Er greift gedanklich nach ihm und entzieht ihm stückweise die Lebensenergie. Tulachims Sohn verlassen die körperlichen Kräfte, doch sein Geist ist stark und wehrt sich gegen den Andrang. Er begreift die Matrix des Zaubers und schafft es, ihn aufzuhalten. Erbittert tobt hier eine zweite Schlacht auf Leben und Tod parallel zur Physischen.

Igan sieht sich inzwischen allein seinem dunklen selbst gegenüber. Er schlägt sich wacker. Viele Schläge tauschen sie miteinander. Igan gelingt es Irk’raan am rechten Bein zu verletzen. Doch einige schnelle Hiebe später kippt der Schwertgeselle ohnmächtig nach hinten über und Irk’raan wendet sich Mædnir zu, der Zusehens in Bedrängnis gerät und bereits einige Fleischwunden hat hinnehmen müssen.

Delia beginnt unter dessen wieder mit der Reanimation von Sieghelm. Sie massiert ihm die, von der Folter angespannten, Muskeln. Ganz langsam kehrt die Farbe in sein Gesicht zurück. Er entspannt sich. Ist jedoch noch immer ohnmächtig.

Azina hat eine Idee nachdem sie die Umgebung mit ihrer zweiten Sicht untersucht hat: Sie rammt Firuns Speer in die Mitte des schwarz verseuchten Bodens und bittet Firun, den Gott des Winters und der Jagd, die unseelige Magie zurückzudrängen, den Boden zu läutern, die Feinde zu schwächen. Nach einigen stummen Gebeten und immenser Konzentration, muss sie jedoch feststellen, dass sich keinerlei Veränderung einstellt, dass sie scheitert. Geradezu verzweifelt, ersinnt sie einen neuen Plan: sie begibt sich in den Rücken Turnak’riins und versucht ihn ihren Speer unter die Rüstung zu schieben, um dort sein Fleisch zu verletzen und ihn zu behindern, während er noch mit Jane und Mædnir kämpft. Doch auch dies misslingt.

Traviahold hat sein Gebet inzwischen beendet und marschiert, strotzend vor karmaler Kraft, einen Bogen schlagend, auf Turnak’riin zu. Er ignoriert Irk’raan und umarmt Turnak’riin von hinten, wirft sein karmales Selbst auf den Seelenfresser. Doch die Dornenzunge zieht ihm zweimal das gezackte Schwert über den Rücken, sodass er blutend und besinnungslos zu Boden sackt.

Turnak’riin beachtet das Treiben in seinen Rücken nicht und schlägt mit einer heftigen Kombination auf Janes Geist ein. Jeder schwere Treffer schlägt sich direkt in ihren Gedanken nieder bis sie schließlich schwankt und ihr Hesindes Buch aus den Händen fällt. Der Geist verschwindet. Auch Mædnir kann sich kaum mehr länger gegen die zwei Vortexwesen erwehren. Die Helden sehen, was noch nie vorher geschah. Der mächtige Hüne von Torwaler geht in die Knie und hält nunmehr nur noch sein Schild gegen die Irk’raans Hiebe erhoben. Turnak’riin wendet sich der Botin Firuns hinter ihm zu. Diese aktiviert ihre letzten Reserven. Obwohl sie weiß, dass sie hoffnungslos unterlegen ist, ist sie nicht bereit sich abschlachten zu lassen. Vielleicht, ja nur vielleicht, wacht Sieghelm doch noch rechtzeitig auf, wenn sie ihn nur lange genug beschäftigen kann. Sie spürt förmlich, wie er sein Gesicht unter dem Helm zu einem bösartigen Grinsen verzerrt, als ihm der erste schwere Treffer gelingt, der ihr sie beinahe aus den Stiefeln wirft. Schmerz durchflutet trotz der Eisrüstung ihren geschundenen Körper. Sie weiß nicht, wie sie es geschafft hat, aber es gelingt ihr tatsächlich, die nächsten gewaltigen Schläge zu parieren, von denen sie weiß, dass sie ihr Leben vorzeitig beendet hätten. Sie taumelt unter dem trügerischem Triumpf als plötzlich aus der Ferne, vom Hügel her, eine kreischende Stimme ertönt:

„HEHEHE, DIES IST NICHT DEIN LAND! WARUM LEGST DU DICH NICHT MIT JEMANDEN VON DEINER MACHT AN, HEHEHE?“ Verhöhnt die alte Vettel Kohlhütten den Seelenfresser. Turnak’riin, meint nur, dass er das erledige, teleportiert sich aus dem Kreis heraus und schreitet gemächlich auf sie zu. Die Hexe schickt ihm kreischend einen mächtigen Strahl aus den schwarzen Raben entgegen, die zu hunderten an seiner Rüstung zerschellen. Sein Vormarsch wird dadurch deutlich verlangsamt.

Zwischen den Helden erscheint aus dem Nichts ein kleiner Kristall. Der Boden färbt sich unter Azinas geschlossenen Augen weiß. Die Magie Deres. So sieht sie also aus! Fantastisch! In die Helden kehrt die Kraft zurück. Sie richten sich auf. Sogar Igan und Traviahold erholen sich. Irk’raan schaut verunsichert in die Runde der Erwählten, die ihren entschlossenen Blick nun gemeinsam auf ihn richten. Sofort stürmen Mædnir und Janes Geist auf ihn los. Iran setzt an: „E-Er lebt nur durch mich. Wenn ich …“ Weiter kommt er nicht, denn da hat ihn Azina bereits an der Schulter herumgerissen. Sie starrt ihm fest in die Augen. „Los kämpfe! Nur du kannst ihn besiegen.“ Herrscht sie ihn an. „A-Aber ich habe mich von Rondra abgewandt.“ „Dann streite für die Rose. Für Delia!“ Hilfesuchend schaut Igan zu Delia. Diese entgegnet aufmunternd: „Igan, Kampf kann auch Tanz sein. Kämpfe nun!“ Neue Entschlossenheit flutet seinen Körper. Er bittet seine Kameraden, Irk’raan ihm zu überlassen. Nur widerwillig lassen Jane und Mædnir von ihm ab. Igan stellt sich. Die Helden bilden posend einen Halbkreis um die Beiden und wünschen Igan mehr als Erfolg.

In einem harten Schlagabtausch, dem Kampf zweier ebenbürtiger Gegner, gelingt es Igan seine dunkle Hälfte in Bedrängnis zu bringen. Er könnte zum finalen Schlag ausholen, breitet jedoch deutungsscher „Ich vergebe dir!“ sagend, die Arme aus und fängt sich einen kraftvollen Hieb tief in die Schulter ein. Irk’raan leuchtet auf einmal von innen heraus hell auf. Seine schwarze Schattenrüstung bläht sich unter dem hervorquellenden Licht. Schließlich sprengt das Licht die unselige Rüstung und lässt von Irk‘raan nichts als Asche, die vom sofort vom Wind erfasst und fortgeweht wird, übrig. Igan bricht zusammen. Sofort springen alle Helden auf ihn zu und beglückwünschen ihn. Azina ist als erstes bei ihm, drückt seine schwere Wunde zusammen und flüstert ihm unhörbar für die anderen zu. „Das hast du gut gemacht. Ich verzeihe dir!“ Als die anderen ihn erreichen verlässt sie die Szenerie und wendet sich Sieghelm zu, der nun unbewacht ist.

Als sie ihn erreicht beginnt er sich zu regen. „W-Was? Wo bin ich?“ fragt er schwach. „Sieghelm, du bist frei.“ Antwortet sie ihm. Sie kniet sich nieder und bettet seinen Kopf auf ihren Schoß. Seinen Kopf dreht sie in Richtung der Szenerie um Igan:

Sein Bruder und seine Freunde knien sorgenvoll bei einem schwer verletzten Mann innerhalb eines kreisförmigen Risses in seinem geliebten Land. Geradezu – vom Hügel herunter – marschiert ein dunkler schattenhafter grausamer Ritter ihnen entgegen. Unzählige Raben stoben in alle Himmelsrichtungen davon. In der Hand hält Schlächter den Kopf einer alten Frau, der Frau aus der lokalen Legende um die Vettel Kohlhütten. Jener so mächtigen Hexe, die ihnen eine zweite Chance gegeben hat. „Jedoch wirst du gleich kämpfen müssen.“

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Azinas Erinnerungen

Er kommt von unten

Welch ein Glück: Er lebt! Sein Zustand ist jedoch jämmerlich. Aber ich bin zuversichtlich, dass Jane und Delia ihn schon wieder hinbekommen. Er wird sich erholen und für die Leuin streiten. So wie es für ihn vorgesehen ist. Vorausgesetzt es gelingt uns, den ersten gefallenen Anker Rondras – Tornado oder eher Turnaak’riin, den Seelenfresser – aufzuhalten. Ich bezweifle jedoch, dass er sich so einfach vernichten lassen wird. Doch wenn er hier persönlich auftaucht, muss er sich seiner Sache sehr sicher sein. Oder Sieghelm ist zu gefährlich, um am Leben gelassen zu werden. Die Gelegenheit ist für ihn günstig. Ich fürchte, dass nur Sieghelm in der Lage ist, ihn wirklich zu vernichten. Ihn mit Hilfe von Rondras Essenz zu zerstören. Seine Magie zu brechen. Auszulöschen. Nichts anderes verdient dieser Gottverräter!

Hier stehen wir nun. Am Ende eines Tals in den Trollzacken, das mit Schlamm und schmelzendem Schnee bedeckt ist. Bereit uns unserem Schicksal zu stellen. Ich bete, dass wir siegreich aus diesem Kampf hervorgehen: Bitte Firun, schick uns deinen Grimm, deine Entschlossenheit, deine Härte, auf dass wir nicht weichen. Keinen Fuß breit wird dieses Scheusal in diesen Kreis seiner tapferen Beschützer setzen!

Entschlossen positionieren sich die Helden um den bewusstlosen Sieghelm. Ein jeder bezeugt seine Entschlossenheit mit einigen pathetischen Worten.

„Ich, Azina saba Belima, Botin Firuns und Wächterin des Heiligtums der Ifirn, bringe Firuns Zorn über jeden, der es wagt, sich diesem Kreis zu nähern!!“

Wettert sie noch zornerfüllt. Dann setzt sie sich sanft auf den schlammigen Boden und versucht mit ihrem zweiten Sehvermögen zu erahnen, von wo sich Turnaak’riin nähern wird. Sie sammelt sich und stimmt sich auf die Umgebung ein. Vergisst für einen Augenblick die Gefahr, in der sie schweben, vergisst welch Herausforderung vor ihnen liegt, vergisst sogar, dass Elfenbein nicht an ihrer Seite ist. Langsam beginnen sich die Konturen der Umgebung in einem kräftigen Blau vor ihrem geistigen Auge zu manifestieren. Die wenigen Bäume des Tals und ihre Kameraden leuchten hingegen in strahlendem Rot. Der schlammige Boden jedoch verdunkelt sich zusehens.

Es gibt also doch mehr Farben als blau und rot. Turnaak’riins Erscheinen färbt den Boden schwarz. Er schändet den Boden. Der Boden! „Er kommt von unten! Vorsicht!“

Sie steht auf. Atmet noch einmal tief die klare Bergluft ein, während sie ihren Blick in die Ferne richtet, als suche sie jemanden. Plötzlich pfeift sie zwei Mal laut das Tal hinunter. Dem folgt ein kräftiges langes wölfisches Heulen, ehe sie grimmig zum klaffenden Spalt starrt, aus dem gerade das Unheil hervortritt. Das Unheil, das die Welt, wie die Menschen sie kennen, vernichten möchte.

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Azinas Gedanken

Ordnung ins Chaos bringen

Nun, mein Gedanke hat sich als fatal herausgestellt. Ich dachte, man könnte den falschen Nehazet, wie damals den Echten, mit dem Schlangenzepter lähmen und so eine Möglichkeit finden, wie wir die Seele übertragen können. Nun ist das Zepter scheinbar an den Echsenherrscher gebunden, sodass ausschließlich er ihn benutzen kann. Außerdem ist Nehazets Geist zersplittert. Man kann nicht vernünftig mit ihm reden. „Ordnung ins Chaos bringen.“ Typisch. Passend aber wenig hilfreich. Dafür sind wir wohl zu dumm. Selbst Jane. Und dass erst Traviahold darauf kommt … Nun, es war sowieso vergebens, da der Gottkaiser bereits Vorbereitungen getroffen hat, uns gebührend zu empfangen. Wir hatten keine Chance. Während Igan und Maednir gelähmt und Jane gefesselt waren, war ich unfähig mich ihm zu stellen. Ich konnte es nicht! War es, weil es Nehazet war? Nein, ich wusste, dass der Körper leiden musste, um ihn zu erlösen. Es muss irgendeine Magie gewesen sein, die mich befangen hat. Ich scheine Magie tatsächlich nicht den geringsten Widerstand entgegenzusetzen. Und schwimmen kann ich auch nicht! Mehrfach bin ich heute am Wasser gescheitert, welch eine Schmach. Ich sehe, ich muss noch viel an mir arbeiten! Ich muss meinen Körper und meinen Geist stählen, auf dass mich eines Tages niemand mehr aufhalten kann!

Letztlich griff die Hexe Kohlhütten ein und entzog Nehazets Körper die Magie, sodass Traviahold ihn überwältigen konnte, ehe er zum Grab von Xindan entführt worden wäre.

Wir hatten Glück, dass uns der Echsenherrscher verschont hat. Er hätte uns leicht töten können. Und nun tun wir ihm Schreckliches an. Ich misstraue der Vettel Kohlhütten. Doch sie wird uns nicht schaden. Hat sie doch mit Delia diesen Pakt. Und wenn sie mit dem Geist des Gottkaisers nur ihre Lebensdauer weiter verlängern möchte, ist das ein fairer Preis für die Rettung Nehazets. Zwei Leben für eins. Das wir nun schon wieder Blutmagie benutzen ist natürlich bemerkenswert, aber nicht verwunderlich.

Nehazets Seele ist geordneter als die Delias. Dort konnten wir uns frei bewegen und uns frei entfalten. Hier ist alles streng reglementiert in einem Konstrukt der Puniner Akademie ähnlich. Selbst Firuns Speer hat hier keine Macht. Wir müssen die verschiedenen Teile seiner Seele mit profanen Mitteln miteinander vereinen. Ein Teil haben wir schon, durch Argumentation in einem schwelenden Disput. Und jetzt müssen wir die rote Karawane überfallen und die Figuren schlagen. Es scheint, als habe Nehazet einige offene Punkte in seiner Vergangenheit, die ihm auf der Seele brennen. Vielleicht ist ihm anschließend in mehr als einer Hinsicht geholfen.

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Azinas Gedanken

Ausgesperrt

Ich wusste es! Ich wusste es! Verflucht! Ich hatte gehofft, dass mein Gefühl mich täuscht!

Grimmig starrt sie die Krone des Echsengottkaisers an in der sich der Geist des Auserwählten der Travia befinden soll.

Es hilft auch nicht, dass du verstimmt bist Nehazet! Woher sollten wir das wissen? Viel wichtiger ist: wie bekommen wir dich da heraus? Und bist du es überhaupt wirklich? Immerhin hat der Geist, der deinen Körper beherrscht, es zugelassen, dass Traviahold die Krone mitnimmt. Was wäre geschehen, hätte er sie zerstört oder dafür gesorgt hätte, dass wir sie zurücklassen? Und das Szepter! Das Szepter darf nicht in seine Hände fallen! Er hat sich einige Kristalle von der Statue genommen. Daher hat er wohl Zugang zu seiner Magie zusätzlich zu der von dir. Leider ist Sulaxi schon weg.

Azina schaut noch einmal hinter der Fee hinterher. Doch sie ist nicht mehr zu sehen.

Lebe wohl Kleines. Ein wirklich bezauberndes Wesen und ein wahrhaft magischer Ort, den du dein Zuhause nennst. Phantastisch, friedlich und so fröhlich. Es hat mir viel Freue bereitet eure Welt zu besuchen. Leider war es mir nicht vergönnt ein wenig zu verweilen und sie kennen zu lernen. Vielleicht komme ich wieder oder ziehe ich mich eines Tages dorthin zurück, wenn ich diese Gefilde verlasse. Aber das hat noch Zeit. Zeit genug, um hier meine Spuren zu hinterlassen und diese Welt zu retten, um die Schönheit zu bewahren, die noch in ihr steckt.

Vielleicht sollten wir Nehazet in die Feenwelt bringen. Möglich, dass wir oder die Feen ihm helfen können … Nein, wie viele andere Wunder in der Nähe von Hochstieg auch, ist dieser Ort zu kostbar, um ihn in unseren Kampf hineinzuziehen. Die Feen kannten keine Tränen! Das muss man sich einmal vorstellen. Was kann es schöneres geben, als ein glückliches Leben? Ein Leben ohne Unbill und Schmerz? Firun ist nur so hartherzig, weil er es sein muss. Die Menschen sind schwach. So schwach, dass sie an ihre Schwäche erinnert werden müssen, da sie sonst hochmütig würden und das Leben anderer verdürben! Deswegen MUSS der Frost kommen. Als Warnung, dass auch wir nur ein kleiner Teil dieser Welt sind und dem Kreislauf der Natur unterliegen.

Sollen diese Berge doch verscheid bleiben!

Und um Nehazet müssen wir uns selbst kümmern. Ich weiß auch schon wie … „Delia!“

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Azinas Gedanken

Echsenverschwörung

Es tut mir Leid Adeptus. Aber es muss sein. Ich fürchte um dich.

Gedankenverloren sitzt sie am Höhleneingang und schaut den rauschenden Wassern der heißen Quellen bei ihrem Fall zu.

Zu leicht. Der Kampf um unsere Würdigkeit war zu leicht. Ein Jahrtausende alter echsischer Gottkaiser schickt ein paar zerbrechliche alte Echsenleichen gegen eine Überzahl an andersgöttlich Auserwählten und gibt dann freiwillig seine Existenz auf, nur, weil er weiß, dass ein einfacher Mensch, der ihn vor nur hundert Götterläufen überlistet hat, tot ist.

Nein! Das kann nicht sein. Wozu, frage ich mich, hat er dann all die Äonen zuvor ausgeharrt? Die Rache an Xindan oder seinen Nachkommen scheint mir nur nebensächlicher Natur zu sein. Vielmehr brauchte sein Geist ein neues Gefäß, um diese Höhle verlassen zu können.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sein Geist in das mächtigste Wesen von uns – in Nehazet – gefahren ist, um das zu vollziehen, worauf er seit unzähligen Götterläufen gewartet hat. Die Prüfung der Würdigkeit, war lediglich ein Test, um unsere Stärke abzuschätzen, wer als Opfer oder vielmehr als Gefäß für seinen mächtigen Geist taugt.

Ich vertraue Nehazet und seiner Stärke. Aber ich fürchte eine Jahrtausende alte Magie und Willenskraft. Mein Wissen über Beherrschungsmagie ist nur oberflächlich, aber es reicht aus, um zu wissen, dass es möglich ist. Ja, es tatsächlich möglich ist, dass ein fremder Geist in Nehazet gefahren ist und ihn kontrolliert. Er kennt seine Erinnerungen und tut so als wäre er unser Adeptus. Er verhält sich so, wie wir es kennen und täuscht unsere Sinne. Er weiß, dass er das Szepter nicht einfach fordern oder nehmen kann, ohne sich zu verraten! Jetzt denke ich schon wie der Erzmagus. Eine Echsenverschwörung!

Ich werde Nehazet ein wenig Zeit geben, sich gegen den fremden Geist aufzulehnen und aus eigener Kraft zu uns zurück zu kehren, da uns die Mittel fehlen, ihn von außen vom fremden Einfluss zu befreien. Ich vertraue darauf, dass du es schaffst, Adeptus!

Und wenn ich mich irre – was ausgesprochen gut wäre – verliert Nehazet nur ein wenig Studienzeit, die er gerade sowieso nicht hat. Und wir brauchen das Schlangenszepter nicht für unsere Mission, denn wir haben die Unterstützung der Götter!

Eine Frage jedoch bleibt unbeantwortet: Wer war Xindan? Der so leicht und zielsicher an das Herz der heißen Quellen gelangt ist? Er ist unbeschadet am Gottkaiser vorbeigekommen. Es muss etwas Besonderes an ihm sein. Er kann kein einfacher Söldneranführer gewesen sein! Das ist ausgeschlossen!

Sie beginnt zu schreiben. Lange sitzt sie da und grübelt, formuliert und schreibt. Als sie fertig ist, rollt sie die Zettel zusammen und bindet sie Elfenbein um den Hals.

„Elfenbein, du weißt, was zu tun ist?“

Es ist, als nicke der schneeweiße Wolf. Er erhebt sich von seiner liegenden Position an ihrer Seite, leckt ihr einmal über die Wange und rennt in die Nacht hinaus.

Sorgenvoll blickt sie ihn hinterher, ehe sie sich ermattet nach ihrer Wache schlafen legt.

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Azinas Gedanken

Ein friedliches Mahl

„Vielen Dank. Möge deine Seele in Firuns Reich einkehren und dort unserem Herrn dienen.“

Ein sauberer Stich erlöst das gejagte Wildschwein von seinen Schmerzen und schickt seine Seele zu Firun. Die Jägerin wischt das Messer am Gras ab, ehe sie den Thorwaler bittet, das Schwein zu schultern. Sie selbst schneidet mit ihrem Speer – einmal in Kreis laufend – einen riesigen Pilz ab.

Ja. Eine gute Jagd.

Das Lagerfeuer prasselt bereits gemütlich vor sich hin, als Azina sich anschickt, das Fleisch für die Zubereitung vorzubereiten. Zunächst muss das Fell herunter. Sorgfältig schneidet sie mit ihrem Jagdmesser entlang der untersten Hautschicht. Doch leider gelingt es ihr dies nicht gut. Mehrfach rutscht sie ab und schneidet lange Schnitte in das Fell und teilt so Haut und Haare in mehrere unbrauchbare Fetzten. Missgestimmt betrachtet sie ihr „Werk“.

Es tut mir Leid mein Freund. Es ist eine Schande, ich weiß. Ich werde mich bessern, auf dass das nicht mehr so häufig vorkommt. Aber es wird noch lange dauern, bis ich diese Kunst gemeistert habe.

Der nächste Schritt ist das Zerlegen des Fleisches. Mit gut gezielten Schlägen und Schnitten teilt sie das fettige Fleisch in viele kleine Streifen. Ihre Eitelkeit lässt es nicht zu, dass sie sich eine Blöße gibt. Ohne auf Janes Einwände zu achten, beginnt sie die Fleischstreifen zusammen mit Pilzstücken um Stöcker zu wickeln und sie rund um das Lagerfeuer aufzureihen, als ob genau das von Anfang an ihre Absicht gewesen wäre. Traviaholt unterstützt sie dabei. Bzw. übernimmt er bald die Hauptrolle in der Zubereitung.

Der Duft von gebratenem herbem Schweinefleisch durchströmt die gesamte Höhle. Sie garen so viel Fleisch wie möglich, um nichts zu verschwenden und um genügend für den weiteren Weg einzupacken.

Endlich sitzt auch Nehazet bei ihnen und Azina nötigt ihm einen Spieß auf, den er mit schnellen Bissen verschlingt, um sich anschließend „wichtigeren“ Dingen – wie er sagt – zu widmen: Der Analyse der Schlüsselsteine.

Ihr entgeht nicht, dass sich Delia und Jane zieren, von den Pilzen zu essen, aus Angst sie könnten giftig sein.

Ja, wenn etwas außerhalb der gewohnten und studierten Gegebenheiten liegt, ängstigen sie sich eher, als dass sie auf ihre Fähigkeiten der Wahrnehmung vertrauen. Diese Pilze – groß wie halbe Zwerge – sehen aus und schmecken sowohl roh, als auch gebraten, wie Champignons. Ich zweifle weder an mir, noch an den Gegebenheiten, dass diese Pilze essbar sind. Es scheint wohl an der warmen Umgebung und dem Fehlen von Fressfeinden zu liegen, dass sie so groß werden können. Obwohl ich mich schon wundere, dass die Wildschweine sie nicht in jungen Wachstumsphasen auffressen. Aber offenbar ist diese Höhle so reich an Nahrung, dass es dennoch viele schaffen eine stolze Größe zu erreichen. Außerdem bleibt diese Höhle dank Ingerimms Esse von Firuns Atem verschont, sodass er das Wachstum und das Fressen der Tiere nicht hemmt. Und eingeschränkt wird die Population der Schweine von den Schlingern.

Interessanter Lebensraum, den sie hier haben.

Noch während Nehazet in seine magischen Studien vertieft ist, und die anderen seiner harren, probiert sie sich an einigen größeren Fellfetzen. Sie nimmt heiße Asche aus dem Feuer und lässt sie soweit abkühlen, dass sie sie greifen kann. Anschließend reibt sie damit die restlichen Fettschichten der Haut von dem Fell, um es zu reinigen und zu konservieren.

Sie betrachtet anschließend ihr Werk und nickt zu frieden. Ja, so kann man das machen. Und steckt die Stücke ein. Da der Adeptus noch immer beschäftigt ist, die anderen über die langweiligen Inschriften spekulieren und sie sich ein wenig ausgelaugt fühlt, legt sie sich kurzerhand und unbemerkt schlafen.

Sie werden mich schon wecken, wenn das Possenspiel beginnt.

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Azinas Gedanken

Es geht voran

Zumindest geht es voran. Der Krieg ist abgewendet und die Rettung Sieghelms rückt näher. Wir haben nun alle Schlüsselsteine. Oder wie soll ich es eher sagen: die Kristalle für das Gespräch … das Schauspiel, die … na ja, die Begegnung mit den Rissos.

Zwar ist es Firun seiner unwürdig auf solche Tricks zurückzugreifen und die Rissos so zu täuschen. Aber wir haben wohl keine Wahl. Wir brauchen diese Amulette. Nehazet erwähnte hunderte von Rissos. Niemals wären wir in der Lage sie ihnen gewaltsam zu entreißen. Zumal sie ein ganzes Meer als Versteck haben. Auch eine gerechte Verhandlung würde wohl zu nichts führen. Wir verstehen einander einfach nicht. Opfern wir also den Glauben der Rissos an ihren Echenkönig zur Ehre Phexes und zur Errettung Deres!

Da fragt man sich, was noch alles zum Wohle von Sumus Leib geopfert werden muss. Ein Ende ist nicht in Sicht. Was mag wohl noch alles passieren?

Nun, Phex! Sei uns hold. Immerhin ist dies dein Mond, wenn ich nicht irre. Wie viel Zeit wohl schon vergangen ist? Es ist, als sei Sieghelms Verschwinden bereits mehrere Wochen her. Vielleicht ist es das auch? Was spielt der Mond da für eine Rolle? Zu wessen Spielball sind wir hier geworden? Nichts verläuft in geordneten Bahnen. Wie sollen wir an die Ordnung glauben, wenn alles durcheinander gerät? Es geht hier doch nur um Macht! Um den, der sie hat und um die, die sie begehren. Gut, dass Nehazet in Travias Schoß zurückgekehrt ist. Denn klar ist, dass die Zwölfe derzeit die Macht besitzen. Nur brauchen sie wirklich unsere bescheidene Hilfe, um sie zu halten?

Sie lässt ihren Blick schweifen. Von Mædnir, der sich mit seiner Axt in aller Schnelle einen Speer aus einem jungen Baum schnitzt; hinüber zu Nehazet, der sich einmal mehr in ein Buch vertieft hat. Dann zu Delia, Jane und Igan, die das Possenspiel proben. Wobei Igan den unterwürfigen Risso mimt und Delia den Echsenherrscher. Und schließlich zu Traviahold, der sich anschickt, ein Herdfeuer zu entfachen, um die Früchte ihrer Jagd zuzubereiten.

Das ist das höchste Gut der freien Menschen, das es zu bewahren gilt: Ein Stück Normalität.

Sie selbst steht am Eingang zur großen Höhle und wartet auf Mædnir, um mit ihm gemeinsam ein Wildschwein zu Ehren Firuns und zum Füllen ihrer Bäuche zu jagen.

Nur eines. Nicht mehr. Nur ein altes schwaches zähes Wildschwein. Mehr ist nicht nötig.

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Azinas Gedanken

Ithna maga dare beit

Châra!

Natürlich konnte es nicht nur ein normaler Forscher sein. Nein, ein Magier musste es sein! Noch dazu ein Erzmagier. Und ein verwirrter obendrein. Überhaupt scheinen Magier allgemein zu viele Tränke zu schlucken, so irre sind sie. Nicht ein einziges vernünftiges Wort kann man mit ihnen sprechen. Und am Ende regeln sie alles, ohne dass unsereins überhaupt die Spur eines Weges erkennt. Am besten, machen wir es wie immer: den hawshal bewahren und einfach ignorieren! Gehen wir unseren eigenen Weg und tun, was wir können, um Sieghelm zu retten.

Ich jedenfalls hole mir jetzt diesen miftah-stein. Wäre doch gelacht!! Oder eher nicht…

Boron … Sie wirft einen flehenden Blick zur Decke … lass ihn bitte tief schlafen.

Firun, verzeih mir meine Ungeduld. Jedoch drängt die Zeit. Gib mir Kraft und Mut, auf dass wir nicht ohne Not töten müssen.

Wenn wir den Stein haben, werden wir die Höhle weiter erkunden. Sie muss riesig sein, wenn hier solch ein Leben herrscht. Bären als stärkste Gegner … lächerlich. Dieser sultamgahtir kann hier jedoch nicht der Einzige seiner Art sein. Er allein kann die Zeit nicht überdauern ohne sich fortzupflanzen. Es sei denn, dies ist wieder eine … wie sagt Nehazet immer … Anomalie … des Satinav. Ein Zeitparadoxum. Eine eigene Welt, in der es Rissos in einem unterirdischen bahr und Zulneddin hinter einem güldenen bab gibt. Die Götter müssen Hochstieg gewogen sein, dass es die bisherige Zeit überdauert hat. Sieghelm wird seines Lebens nicht mehr froh, wenn er all dies erfährt.

Doch wird unsere Einmischung in diese vorhandenen verstaubten Strukturen eine Menge Wirbel verursachen. Mehr als gut sein wird. Wir tun gut daran zu holen, was wir brauchen und zu verschwinden, ehe wir ein al‘amar anrichten!

Yallah!

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Azinas Gedanken

Der Eingang zum Herz der heißen Quellen

Wo sind wir denn nun schon wieder hineingeraten?

Erst ertrinken wir alle beinahe jämmerlich in dem gefluteten Gang unter den heißen Quellen. Nur Mædnir fühlte sich sichtbar wohl und führte und rettete uns nach unten in die Unterwasserhöhle. War er doch in seinem und seiner Götter Element. Selbst mich hat es einmal erwischt. Ich konnte die Strecke nicht bewältigen und wurde ohnmächtig. Kein Wunder, kann ich doch fast überhaupt nicht schwimmen. Wenn Sieghelm gerettet und Turnak’riiin geschlagen ist, sollte ich mir die Zeit nehmen, hier ein wenig Schwimmen zu üben. Nicht auszudenken, sollte ich einmal in Not geraten und mir nicht zu helfen wissen … Ich muss ja nur einmal in Eis einbrechen und schon war es das von mir. Welche Schande das wäre! „Die Erwählte Firuns ist in Eis eingebrochen und ertrunken.“ Lächerlich! Grotesk!

Und nun sind wir in einer Höhle … nein, einer erbauten Stätte unter Wasser. Vor uns liegt eine gediehende Landschaft mit Bäumen und Lichtquellen von oben, umrahmt von steinernen Wänden! Wie kann das sein? Hier mitten in Sumus Leib. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Ob hier auch Tsas Geschöpfe heimisch sind? Vielleicht ziehen sich Bären hier her zurück, wenn Firuns eisiger Atem über das Land fegt. Wir sollten vorsichtig sein.

Hinter uns liegen zwei Skelette mit einer – wie sagte Jane? – Spitze eines Rissospeeres zwischen den Rippen. Beide wohl um die hundert Götterläufe alt. Rissos sind Fischwesen, die sich an Land fortbewegen können. Stammen wohl aus dem Süden. Nur wie kommen sie hier her? Und wer sind die beiden Leichen? Hatten sie spezielle Kleidung an? Waren es Wächter der hiesigen Anlage? Oder Eindringlinge? Ich konnte nichts Bemerkenswertes an ihnen ausmachen.

Nun zu den Spuren! Hier ist seit langem niemand mehr gewesen. So sind die beiden frischen Spuren zweier Menschen gut zu erkennen. Der eine scheint etwas schwerer zu sein. Eventuell stark bepackt. Ein Forscher und sein Träger vielleicht? Was wollen sie hier? Und gerade jetzt? Eine göttliche Fügung?

Ich denke, wir haben nun das „Herz der heißen Quellen“ gefunden. Lasst uns doch einmal nachschauen, ob wir hier finden, was wir suchen.

Kurz schaut Azina nach hinten zurück.

Und was ist mit Nehazet? Er wird sich das hier wohl nicht entgehen lassen … und mein Gefühl sagt mir, dass wir ihn noch brauchen werden, ehe wir hier raus sind. Aber ich brauche mir keine Gedanken machen. Er wird in weniger als einen halben Tag hier bei uns sein. Entweder schwebt er von oben herab, manifestiert sich direkt vor uns oder steigt aus einem Portal oder Riss in der Sphäre. Aus der Wand oder dem Boden kommend wäre neu …

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Azinas Gedanken