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Eine Höhle aus Eis

*Was war nur in sie gefahren? Warum war Azina einfach so aus der Höhle verschwunden ohne Bescheid zu sagen. Es wäre Selbstmord hinaus in den eisigen Schneesturm zu gehen und sie zu suchen. Azina kann so einen Sturm überleben. Sie ist die einzige der ich das zutraue. Sie ist die Botin Firuns. Oder soll das ganze gar ein Test für uns sein? Für unsere Gemeinschaft? Was ist wenn der Sturm kein Sturm ist… wenn es nur eine Illusion der Götter ist, um uns zu testen. Sollte es ein Test sein, so müssen wir hinausgehen, so müssen wir zu Azina… Doch was stimmt? Herrin Rahja ich brauche einen Rat von Dir…*

Denkt Delia, eingeschneit in der kalten Höhle. Sie schaut sich um und sieht in die Gesichter ihrer Gefährten. In alle bis auf das Gesicht von Azina. Jeder von ihnen wurde aus einem bestimmten Grund ausgewählt. Von jenem der Zwölfgötter die seinem Wesen entspricht oder wo der Gott der Meinung ist, dass dem so sei. Delias Aspekt soll Rahja sein. Die Göttin des Rausches, der Feste, der Freude und… und der Pferde. „DIE PFERDE!“ rief Delia in die Stille der Höhle und kroch zu dem sterbenden Tier hinüber. Wenn nichts geschehen würde, dann würde auch dieses Tier der Göttin sterben. Sie konnte zwar nicht viel tun. Sie konnte das Leben des Tiers verlängern. Vielleicht flaute der Sturm in der Zeit ja ab, oder sie verließen die Höhle, um sich dem Test der Götter zu stellen. Ein Pferd war schon gestorben… für sie, um sie zu ernähren. Das andere Tier musste am Leben bleiben. So untersuchte sie mit gekonnten Griffen das Tier. Ja… es würde sterben. Rahja zu Ehren und um die Natur ihrer Magie ein wenig zu tarnen sprach sie das Folgende, als sie den Zauber zur Heilung des Tiers wirkte.

„Herrin Rahja erhöre mein Flehen, lass durch meine Hände ein Wunder geschehen. Du sprachst dereinst:
Ein Wesen will ich gebären, das geeignet ist, meine Verehrer zu tragen.
Dieses Wesen soll geliebt sein von allen auf Dere. Es soll aber gefürchtet sein von allen, die meinen Geboten zuwiderhandeln.
Und so erschufst Du das Pferd und sprachst zu ihm:
Dich habe ich erschaffen ohnegleichen. Alle Schätze der Erde ruhen zwischen deinen Augen. 

Meine Feinde sollst du treten unter deine Hufe, meine Freunde aber sollst du tragen auf deinem Rücken, 
dieser soll zugleich Sitz sein, von dem Gebete zu mir aufsteigen. Auf der ganzen Erde sollst du glücklich sein und 
vorgezogen allen Geschöpfen dieser Erde, denn dir gehört meine Liebe.
DU SOLLST FLIEGEN OHNE FLÜGEL, DU SOLLST SIEGEN OHNE SCHWERT!“

Mit diesen Worten beendete Delia ihren Zauber und ließ auch den letzten Rest heilender Magie in das Wesen vor ihr fließen. Damit sollte es noch eine Zeit weiter leben können. Ihre Gefährten in der Höhle blickte sie an „Wir sollten Azina suchen gehen!“

Schutzlos…

Fassungslos starrte Delia auf den Gebetsteppich ihres Mannes und den Fleck aufgewühlter Erde. Wie konnte das nur geschehen sein und warum traf es Kalkarib? Sie hoffte inständig, dass er noch am Leben war. Die Götter trieben ein merkwürdiges Spiel mit ihr und ihren Freunden. Zuerst verschwand Sieghelm und nun auch noch Kalkarib. Beides Männer von denen sie sich stets beschützt gefühlt hatte. Für Delia war es eine unumstößliche Tatsache, dass ihr Mann und ihr guter Freund, der Wüstensohn und der Krieger immer für sie da sein würden, um sie zu beschützten. Selbst wenn die ganze Welt blutend darnieder lag würden ihre beiden tapferen Männer noch stehen und bis zum letzten Atemzug kämpfen. Doch nun wurden ihre beide binnen kurzen Augenblicken genommen.

Tief atmete Delia ein und aus. Sie fühlte sich so schutzlos… und allein… Doch dann durchbrach etwas ihre Trauer und Einsamkeit. Die warme Berührung ihrer guten Freundin. Azina war bei ihr. Die Worte der Jägerin drangen nur dumpf zu Delia durch, doch gaben sie ihr neuen Mut. Sie war nicht allein! Azina, Bakkus, Adaque, Jane, Nehazet, Nasir, Hilal ibn Kalkarib ihr ungeborener Sohn und die Gefolgschaft Sieghelms waren bei ihr. Warm spürte sie das Amulett der Rahja um ihren Hals und schwer das der Rondra in ihrer Tasche. Die Zwöfe… sie waren auch da und mit ihnen alle anderen Götter.

Den Schmerz welchen Azinas kräftige Berührung auslöste ertrug Delia ohne sich etwas anmerken zu lassen. Ruhig rollte sie den Gebetsteppich ihres Mannes ein. Dann blickte Delia zu ihrer guten Freundin auf. Fest ergriff sie ihre Hand und ließ sich aufhelfen. Mit festem Blick und klarer Stimme sprach sie, als sie ihren Stab auf den gefrorenen Boden stieß. „Ja Azina! Gehen wir! Wir werden diejenigen finden welche uns unsere Freunde nahmen und sollten wir dafür die Tore der Spähren einreißen und uns mit allen Dämonen der Niederhölle schlagen müssen. So sollen die Götter meine Zeugen sein, diejenigen die das getan haben… sie werden dafür bezahlen!“ Kalte Wut und grimmige Entschlossenheit blitzte in den Augen der Hexe auf. Nun hatte die andere Seite es eindeutig zu weit getrieben.

Der Schatz in greifbarer Nähe

Delia konnte den wilden Löwen in dieser Nacht nicht bändigen. Natürlich hatte sie das auch nicht vor. Besänftigen ja aber bändigen nein. Sie mochte ihren Kalkarib so voller Feuer und Leidenschaft. Darauf achtend in dieser Nacht etwas ruhiger und somit rücksichtsvoller den anderen Gruppenmitgliedern zu sein, gaben sie sich ihrem Liebesspiel hin.

Später in der Nacht lag die Hexe in den Armen ihres Wüstensohnes, welcher soeben glücklich und zufrieden eingeschlafen war. Nun war nichts mehr da, was ihre Gedanken ablenkte und so war Delia gezwungen an die Träume zu denken. In den letzten Nächten kamen stets die Träume zu ihr. So befürchtete sie, dass es auch in dieser Nacht wieder geschehen mag. So sehr Kalkarib sie auch beschützen wollte, dagegen konnte er nichts tun. Dies war ihre Aufgabe, ihr Schicksal dem sie sich stellen musste. So sprach sie in Gedanken ein Stoßgebet zur schönen Göttin und dankte ihr für ihre Zeichen und Beistand. In der Hoffnung mit dem Glauben und nicht nur dem Glauben an die Zwölfe die Träume besser bestreiten zu können. Je näher sie dem Ziel kamen, desto eindringlicher wurden die Träume. Würden sie enden sobald sie am Ziel waren? Sobald der Fluch des Schatzes aufgehoben wurde? Was war mit Nehazet? Er spielte eine zentrale Rolle in ihrem letzten Traum. Hoffentlich wurden diese Bilder nicht in die Wahrheit des derischen Lebens getragen. Doch etwas Lebensfreude lag auch in diesem Fluch. Sieghelm war so aufgeregt und neugierig wie ein kleines Kind. Delia war sehr erfreut ihren guten Freund auch auf diese Art und Weise erleben zu können und nicht immer nur als disziplinierten Hauptmann.

Neben ihr drückte sich Kalkarib etwas enger an Delia und raunte etwas in ihr Ohr, das sie nicht verstand. Sie wollte schon nachfragen, doch dann viel ihr ein, dass er bereits schlief. Sie war jede Nacht in seinen Träumen, sagte er zu ihr und „In meinem Traum bist Du eine anständige Frau.“ Bei diesem Gedanken musste sie lächeln. Sie wusste genau, dass er sie allzu anständig auch nicht wollte. Sie streichelte über seinen Arm und schlief ein.

„…aus den Fängen ihres Mannes…“

„Delia! Bleibst Du wohl hier! Du kannst doch nicht alleine durch diese vom Alleinen verlassene Burg gehen!? Schon gar nicht mit meinem Sohn in Dir. Was willst Du überhaupt mit diesem Magier?“ aufgebracht schnaubte der Novadi durch das Zimmer. Wären die Gesetzte der Gastfreundschaft nicht so streng hätte er sicherlich irgendetwas zerschlagen. Seine rothaarige Shanja entfernte sich wieder von der Tür und glitt auf ihren Mann zu. „Ach Kalkarib…“ leicht lustvoll hauchte sie diese Worte und lehnte sich an ihn. „… mein stolzer Löwe. Was soll mir denn hier schon widerfahren. Wir stehen unter dem Gastrecht und dem Schutz von Sieghelm und seinen Leuten.“ bevor er etwas erwidern konnte hob sie die Hand „Ja ich weiß. Es sind alles Gottlose, aber sie ehren die Gastfreundschaft, genau wie wir es tun… und ungeborenes Leben steht auch bei den Gottlosen unter besonderem Schutz. Daher sei ganz unbesorgt. Mir wird nichts passieren. Außerdem haben wir heute bei den Kampfübungen allen gezeigt, dass die Familie Rezzani sehr wehrhaft ist. Alle wissen, dass wenn sie mir zu nahe kommen, dann bekommen sie es mit dem Wüstensohn, zu tun.“ Zärtlich streichelnd schwebte ihre Hand über seine Brust. „Daher sorge Dich nicht mein Geliebter. Wer würde wagen mir etwas zu tun wenn Du über mich wachst. Mit einem Mann wie Dir legt man sich nicht an.“ Ihre Schmeicheleien bewirkten, dass er etwas ruhiger wurde, aber verflogen war sein Unmut nicht. Brummend setzte er zur Antwort an. „Das stimmt, meine Wüstenblume! Und das sollten diese …“ um die Gastfreundschaft nicht zu entehren schluckte er das novadische Schimpfwort hinunter „… diese Gottlosen auch nicht wagen! Aber Du willst Dich auch mit diesem Magier treffen. Er ist nicht gut für Dich. Nachher verwirren Dich seine Zauber und…“ Überrascht küsste Delia ihren Mann und unterbrach damit sein Gerede über Magier. „Aber nein Kalkarib. Wie könnte er? Glaubst Du er könne mehr Macht wirken als die Macht die uns verbindet? Nein… der Alleine selbst und die Sippe haben unseren Bund besiegelt und selbst der Bey von Shirrdar kann dies nicht ändern. Außerdem wäre dies niemals sein Ansinnen.“ dann lies sie ihre Stimme ein wenig gekränkt und traurig wirken. „Oder ist es nicht seine verwirrende Magie die Dich besorgt, sondern meine Treue zu Dir? Vertraust Du Deiner Shanja etwa nicht? Das ich ein paar Augenblicke allein sein kann ohne Dir untreu zu werden?“ Verwirrt, irritiert und überfordert mit ihren Worten, kam nur ein „Nein natürlich nicht… Ich meinte… nur… Ich… „ Bevor er sich wieder fangen konnte und sowas wie „hör mit Deinem weibischen Gewäsch“ auf sagen konnte, drückte sie sich fest an ihn und küsste ihn leidenschaftlich. So dann nutze sie die Gelegenheit um aus seinen Armen zur Tür zu fliehen. Sie warf ihm noch einen vielsagenden Blick zu und verschwand durch die Tür. Bevor die Tür ins Schloss viel Stand er schon auf dem Flur. „Wenn Du in einer Stunde nicht wieder da bist, dann komme ich Dich suchen! Hörst Du!“ warf er Ihr in Tulamydia noch hinterher. Mit dem Gefühl irgendwie doch gewonnen und seine widerspenstige Shanja ein Stück im Griff zu haben ging er wieder ins Zimmer. Schließlich musste er sich auf sein Abendgebet vorbereiten.

Maras Ende

Einsam und allein saß Mara Tannhaus in ihrer Zelle. Ihre Gedanken verweilten bei ihren Freunden und der kommenden Gerichtsverhandlung. Hier zu warten fühlte sich für die Jobornerin wie die Ewigkeit an. Obwohl sie dank des Ritter Primus bessere Nahrung bekam und es Ihr an nicht vielen mangelte.

Im Flur hörte sie gedämpfte Stimmen. Irgendwer kam zu ihrer Zelle. Mal wieder eine Befragung oder ein freundliches Gesicht, vielleicht sollte auch die Gerichtsverhandlung beginnen? Die Zellentür öffnete sich und Mara erschrak. Vor Ihr stand einer der Gardisten. Er war schwer verletzt und blutete. Sofort sprang Mara auf „Bei den Zwölfen! Was ist passiert? Kommt her ich versorge Eure Wunden so gut ich kann. Hektisch und voller Sorge wollte Mara aus den Decken etwas improvisieren als der Gardist vor ihr stand… etwas zu nah. Vor Schreck weiteten sich Maras Augen, als sie den Schmerz unterhalb des linken Rippenbogens bemerkte. Was passierte hier? Sie wollte doch nur helfen.

Dunkelheit umfing sie und sie flog auf den Schwingen eines mächtigen Raben über ein endloses Meer. „Der Herr hat Dich zu sich gerufen“ ertönte die tiefe Stimme des Raben. „Deine Freunde haben alles versucht. Doch die verschworene Gemeinschaft war zu mächtig. Doch sei gewiss sie bekommen ihre gerechte Strafe. Seine Hochwürden Nerziss würde bereits von mir zum Herren des Todes gebracht, da er in Ungnade viel. Doch sorgt Euch nicht Mara wir sind gleich da. Ja ich weiß Ihr seit müde und ich verspreche Euch, Ihr könnt bald sehr lange schlafen. Mara tätschelte das Gefieder des Raben und ihre letzten Gedanken waren bei ihren Freunden. Dabei erschien es ihr so, als würde Bermhoin auf einem anderen Raben in einiger Entfernung neben ihr fliegen und Ihr fröhlich zuwinken. Sie erwiderte den Gruß und lächelte freundlich.

So flog die Hebamme Mara Tannhaus, getragen von Golgari und begleitet von Bermhoin über das Nirgendmeer, dem Vergessen entgegen.

Die Vorteile von novadischen Liebhabern

Hinter den gewaltigen Bergen Hochstiegs lies sich der erste Schimmer, die erste Ahnung des neuen Tages erkennen. Es würde noch viel zeit vergehen bis die Praiosscheibe das Land erhellte. Delia genoss den Ausblick. Sie war erschöpft und überglücklich. Vor wenigen Augenblicken hatte ihr Wüstenlöwe sie zum wiederholten Male in dieser Nacht genommen. Hätte sie gewusst wie wild diese Nacht wird und wozu er alles fähig war, dann hätte sie es mit ihrem betörenden Einfluss nicht übertrieben. Die erste Runde ging an sie, da sie ihn überraschte, mit Charme, Magie und Kompott mit Vanillesoße. Doch danach fand er seine Fassung wieder und mit tiefer, fordernder Stimme sagte er: „Nun bin ich dran, meine kleine Scharte!“ Und er war wieder und wieder dran. Bis er sich in den frühen Morgenstunden dafür entschied seine Männlichkeit genug bewiesen zu haben. Sie genoss es, wenn er sie so vollkommen in Besitz nahm und Wellen der Lust durch ihren Körper sendete.

Doch nun lagen sie eng umschlungen in dem warmen Bett des Gästezimmers von Sieghelms Junkerngut. So schön hatte sie Sieghelms Heimat sich nicht vorgestellt. „Schlafe meine Wüstenblume, Du musst Dich schonen.“ raunte Kalkarib hinter ihr und schon bald wurde sein Atem ruhiger, er schlief. Delia fand keinen Schlaf. Sie war zu erschöpft und dachte an die kommenden Tage und Abenteuer, die Sieghelm ankündigte. Delia freute auch darauf. Die Hexe hoffte, dass Sieghelm und Kalkarib sich dann besser verstehen würden. Was es wohl mit diesem Schatz auf sich hatte? Mit den verschwundenen Menschen?

Delia drehte sich zu ihrem Wüstensohn, um mit dem Kopf an seiner massigen Brust und in seinen starken Armen Schlaf zu finden. Ein tiefes Grollen gab er von sich und zog sie eng an sich. Sein herb männlicher Duft nach Wüste und Zedernholz umfing sie wie feiner Nebel. Zufrieden schlief sie mit einem leichten Stöhnen ein.

Der lange Weg

Mit einem kaum hörbaren, dumpfen Geräusch schlug der schreiende Körper Romdrians auf dem Boden der Schlucht auf. Ob mit Magie oder ohne, Delia wusste genau, dass sie ihm nicht hatte helfen können. Seine Zeit war gekommen. Boron hatte ihn zu sich geholt. Niemand hätte das verhindern können. Das stand für Delia fest. Dennoch war es sehr traurig, dass dieser junge Streiter von ihnen gehen musste. Den ganzen Weg nach Hochstieg trugen Siehhelm und sein Bruder den Leichnam, um ihn eine würdige Totenstatt zu bereiten. Delia schlug dem Hauptmann nich an der Brücke vor jene nach Rondrian benennen zu lassen.

Die Hexe drängte sich den Weg über an den warmen Leib ihres Ehemannes. Sie brauchte nun seine Wärme und Nähe. Sie hoffte so sehr, dass Kalkarib sich bald besser mit ihren Freunden verstehen würde. Doch bis dahin war noch ein weiter weg.
Die Wärme des Wüstensohns und seine beschützenden Arme hielten nicht nur die Trauer sondern auch die Angst von Delia fern. Die Angst sie könnte Sieghelm an das böse verlieren. Der Traum war eindeutig gewesen. Auf der anderen Seite, bei den Gegnern da Stand Sieghelm, anscheinend unter dem Bann des Bösen. Das machte ihr große Angst. Es konnte und durfte nicht sein, so etwas durfte niemals passieren. Von Sieghelm würde sie zu letzt erwarten, dass er fiele. Dieser unerschütterliche Krieger würde nicht die Seiten wechseln. Welche Macht ihn auch verführen möge.
Unwillkürlich drückte Delia sich noch näher an Kalkarib. Das war es! Wenn jeder mit seinen Waffen kämpfen sollte und sie die Auserwählte Rahjas war, dann könnte es helfen wenn sie den dunklen Sieghelm im Traum umarmte, ihn wieder zur richtigen Seite verführte. Das klang skurril, selbst für die Hexe aber eine Möglichkeit wär es. Sollte der Traum wieder zu Ihr kommen, dann würde Diebes versuchen.

Kurz blieb der Tross stehen. Kalkarib sah seine Shanja frieren aber tapfer an. Er war überrascht als Delia diese Pause nutzte um ihn lange und leidenschaftlich zu küssen. Er erwiderte er den Kuss und zog sie fest an sich. Für diesen Moment fühlte Delia sich vollkommen sicher.

Schnee und Eis / Feuer und Glut

Noch lange lag Delia in dieser Nacht wach. Zu erst dieser Traum von Kriegen in finsteren Rüstungen, ihr Amulett war immer noch ganz warm davon. Denn im Traum glühte es fast. Nach diesem Alptraum dann die Gestalt der alten Schwester, die durch die Ruinen schlich. Jene gute Schwester die Rache nahm an den Bannstrahlern, die sie verbrannten. All das Bot Delia genug Stoff zum nachdenken.

Als sie sich gerade mit den angenehmen Erinnerungen an die Schneeballschlacht und den herrlichen Ausblicke ablenken wollte, da zog etwas anderes ihre Aufmerksamkeit auf sich. Etwas kleines, kaum spürbares, im Werden begriffenes. Ein Keimling des Lebens. Isaria prophezeite ihr dies. Sie würde ein Kind von Kalkarib empfangen. Ob es jene feurige Nacht zur Sonnenwende war, die Hochzeitsnacht oder die erste Nacht im Aram, sie wusste es nicht. Doch es war da. Er war da. Er sollte ein Junge werden, sofern er geboren worden war. Kalkarib wusste noch nichts davon. Delia wartete noch auf den richtigen Moment ihm und ihren Freunden alles zu erzählen.

Delia strich sich über ihren noch flachen Bauch und wie zur Antwort zog sich etwas in Ihr zusammen. Sie keuchte aufgrund des plötzlichen, krampfartigen Schmerzes und zuckte leicht. Kalkarib holte tief Luft und brummte missgestimmt. Während er sie enger an sich zog und in seinen starken Armen hielt. Sogar im Traum beschützte er sie. Sie legte dem schlafenden Wüstensohn ihre Hand auf die Brust und sog seinen herb männlichen Duft in sich auf. Die Krämpfe ließen nach. Auch wenn ihre Freunde sie nicht verstehen konnten. Sie liebte diesen sturen, dickköpfigen, hitzigen, aufbrausenden… einfach wundervollen Mann. Ihren Mann.

Sie blickte über sich in die Sterne. Liegend in mitten von Schnee und Eis. Doch in ihrem weichen Schlafsack war es wie an einem warmen Feuer. So sah sie die Sterne über sich treiben im Meer der Unendlichkeit. Es war das Gefühl als hätten Raum und Zeit keine Bedeutung mehr, als würden sie beide in den Sternen treiben und zwischen ihnen entstand ein kleiner weiterer Stern… Ihr erstgeborener Sohn…

Die erste Nacht – Die letzte Nacht

Ich lebe! Nach dem ich in Ohnmacht viel, in einen dunklen Traum in den ich gegen einen tentakelbewehrten Dämon kämpfte, bin ich endlich aus diesem Alptraum erwacht. Ich danke meinen Freunden, sie retten nicht nur mein Leben, sondern auch meine Seele. Wie ich mich fühle kann ich kaum in Worte fassen. Mein Kopf ist noch zu durcheinander von dem was mir passierte und von dem was meine Freunde in ihm taten. Ich fühle zur Zeit nur Freude. Freude über das was sie für mich getan haben. Sie haben ihr Leben riskiert, um mir zu helfen und Kalkarib… mein Wüstensohn… er hielt mich bei sich, hielt mich in dieser Welt.

Tja doch nun ist es raus… Kalkarib weiß was ich bin. Er wandte sich jedoch nicht von mir ab. Er liebt mich und will mich heiraten. Ich soll ganz ihm gehören und auch offiziell seine Shanja sein. Ich danke den Göttern, dass die Liebe siegt. Wenn auch zu einem hohen Preis. Seine Familie darf nicht erfahren was ich bin. Er geht damit ein großes Risiko ein. Er nahm mir auch das Versprechen ab nicht mehr zu zaubern. Nun gut… ich versprach es ihm. Zum Glück ist die Hexennatur nicht so offensichtlich und kann im Geheimen gewirkt werden. Ich hoffe er wird eines Tages verstehen, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern auch grau. Bis dahin werde ich im geheimen Arbeiten. Ein weiterer Wunsch von mir ist jener mit ihm auf Reisen zu gehen. Ich legte ihm die Tradition der Reise nahe und er schien ganz aufgeschlossen zu sein… Nach der Hochzeit in El´Trutz. Oh meine Göttin. Eine Hochzeit nach den Traditionen der Novadis… das wird ein Fest.

All meine Wünsche und auch die Wünsche für meine Freunde wurden zusammen mit meinem Besen verbrannt, als wir alle an dem nachträglichen Wintersonnenwenderitual teilnahmen. Alle waren dabei. Auch ein weiteres Mitglied der Familie Spichbrecher, Sieghelms Cousine Sumudai. Auf der Feier erfreuten sich alle an dem was mein Zirkel bereitete. Wer mochte verbrannte auch seine Wünsche im großen Feuer. Sieghelm verbrannte zu meiner großen Verunderung seinen Wappenrock. Dann tanzten alle. Sogar Sieghelm, Nehazet und Azina tanzten mit. Lehnten jedoch die Angebote meiner Brüder und Schwestern ab, mit ihnen die Lagerstadt zu teilen. Kalkarib musste ich nicht erst bitten. Nach meinem Tanz der stolzen Widerspänstigkeit, in dem ich mich ihm immer wieder entzog, küsste er mich leidenschaftlich und forderte mich auf mit ihm die Nacht zu verbringen. Als er seine Worte mit seiner unglaublich tiefen Stimme raunte, legte ich ihm die Hand auf die Brust und brachte ihm Levthans Feuer. Obwohl ich bezweifele, dass er dem bedarf. Doch ich wollte, dass er diese… unsere erste Nacht… nie vergisst. Oh und das wird er nicht! Bis in den Morgengrauen vergnügten wir uns… und das nicht nur einmal. Bis der Zauber ausklang und wir beide ermattet in den Armen des anderen einschliefen.

Nun liege ich hier… Haut an Haut mit Kalkarib. Ich höre den Vögeln zu und langsam erwacht mein ausdauernder Shadif und streicht mir über den Rücken. „Guten Morgen, meine kleine Scharte. Ich hoffe Du hast gut geschlafen.“ Raunt er und seine Worte triefen nur so vor Selbstzufriedenheit. „Es wird Zeit. Wir müssen aufbrechen, um zu unserer Hochzeit zu kommen!“. Er duldet wie immer keinen Widerspruch und will sich gerade aufrichten… Doch so einfach werde ich mich bestimmt nicht fügen… nicht ohne ihn an letzte Nacht zu erinnern.

Dachte die Hexe Delia lächelnd, als sie ihn zurück auf das Lager drückte und ihren Kopf in seinem Schoß versengte.