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Das Land der Bauernschlauen

13. Efferd 1022 n.BF

Auszug aus dem Diarium

Ich befinde mich in einem – die Alveriane mögen mir diese Bezeichnung verzeihen – Namenlosem Gasthaus in einem Namenlosen Gehöft nördlich von Thorwal. Mittels eines simplen Bannbaladin-Cantus ist es mir gelungen eine eigene Stube zu organisieren, und zwar die der Besitzer dieser beschaulichen Wirtschaft. Wahrlich, die Gastlichkeit des Bornlandes scheint mir bisher die wohl beste des ganzes Kontinents zu sein, denn nirgendwo bin ich bisher so ruppig behandelt worden, und alldies nur wegen meines Standes. Dabei sollte man doch eigentlich meinen, dass ein Magus der Weißen Gilde, noch dazu an ausgebildeter Wundarzt und treuer Gefolgsmann der Herrin Hesinde überall dort wo sich die einheimichen als „Zivlisiert“ bezeichnen ein gern gesehener und willkommenen Gast ist – beim heiligen Herdfeuer! Doch wie mich doicht, lag ich bisher mit dieser wohl allzu naiven Annahme falsch. Ein jedes mal, wenn diesen der comtemplation nicht gerade allzu mächtigen riesenhaften Wesen offenbar wird, dass ich ein Magus bin, werde ich mich bäuerlicher Skepsis beäugt und falschen Anschuldigungen belegt. Wie mir scheint, haben die Collega aus der Halle des Windes in Olport bisher nicht gerade dazu beigetragen den Ruf der Magier in den letzten 500 Götterläufen nachhaltig zu verbessern – denn schon so lange sind die Magierkriege nun schon her. Mir drängt sich daher die These auf, dass sich wohl auch die Kultur dieses Landes in den letzten 500 Götterläufen nicht weiter entwickelt hat. Zur Verteidigung der hiesigen Hühnen, muss jedoch meiner sicherlich etwas lapidar formulierten These hinzugefügt werden, dass sie dafür wiederrum wahrliche Meister der Handwerkskunst sind! Liebes Tagebuch: Noch nie habe ich eine derart beeindruckende Zimmermanns- und Schnitzarbeit gesehen, wie sie mir im Tempel der Herrn der Gezeiten in Thorwal gewahr wurde! Ein flüchtiger Observant würde mit Sicherheit die Theorie formulieren, dass derart große und grobschlächtig anmutende Menschen maximal dazu befähigt werden ein Wagenrad Rund zu schleifen – doch niemals würde er zu dem Schluss kommen dass sie über fast schon zwergische Kunstfertigkeiten verfügen!

Ich verfange mich jedoch wieder in meinen eigenen Ausführungen, was ich dir eigentlich mitteilen wollte, geschätztes Diarium, ist die Tatsache, dass die Gesetze dieses Landes mit dem Codex Albyricus zu kollidieren scheinen. Gefährte von Wind und Wogen Værgersson erzählte mir zusammen mit dem mir erst kürzlich bekannten Herrn Swafnan Eiriksson davon, dass das Erwähnen von Verbannten Personen in dieser Gegend dazu führt, dass man irgnoriert und vielleicht sogar gehängt werden kann – eine Zitat der Paragraphen aus den achtbarem Codex ließ sie jedoch unbeeindruckt – darüber hinaus auch eine Ausführung darüber das Magier – wie ich es einer zu Sein pflege – nicht von der weltlichen Gesetzgebung zu richten sind, natürlich insofern es sich dabei um arkane Vergehen handelt. Was mich wieder zu meine These führt, dass die Große Graue Gilde des Geistes nur sehr lapidar mit dem Codex umgeht – allen vorran die Halle des Windes.

Sehr verwundert war ich zudem über die ablehnende Haltung der oben genannten Herren bezüglich meiner Erlebnisse mit Hetfrau Jandra Sturmkind Havalasdottir (Der Verbannten) – meine Ausführungen zu dem Xenophoben Cantus der Chronomagica drängte die zwei, nur recht wenig mit Hesindes Gaben gesegneten Thorwaler, in ihren verstaubten und archaischen von Vorurteilen und Bauernschläue gelenkten Geist hinein. Selbst der Corpus Delicti – die Harfe des Skalden Tjure Guraldsson – welche mit zahlreichen Runenschnitzereien übersäht ist – ließ sie gänzlich kalt.

„Was der Bauer nicht kennt, das ißt er nicht“ – Volksmund im Bornland

Unsere Reise über den Avesweg führt uns in Gebirge, und womöglich sogar nach Aurilia – dem Dorf in dem Herr Garen Arvesson und ich in der Vergangenheit Zeugen einer Art Gerichtsverhandlung wurden, bei der Jandra Sturmkind von Rundolf Eiriksson wegen Mordes an dessen Vater angeklagt und anschließend verurteilt wurde. Vielleicht, bei Hesinde, ist es mir möglich dort mehr über die Vergangenen Ereignisse zu erfahren, ich muss mir bis dahin jedoch eine Möglichkeit überlegen mit der Bevölkerung über sie sprechen zu können, ohne dabei ihren Namen zu erwähnen und die potenziellen Informanten aufgrund absurder hiesiger Traditionen zu vergraueln.

– Adeptus Minor Jasper J. Ouvensen

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