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Flug auf einem Greifen – ein Traum wird wahr

14. Peraine 1027 n. BF

Ein Licht blitzt vor dem Hintergrund der schwarzen fliegenden Festung auf. Diejenigen die auf dem Boden staunend nach oben blicken, können sehen, wie sich ein Greif aus der Feste Kholak-Kai befreit und anmutig einige Flügelschläge nach oben steigt, ehe er sich langsam in weiten Kreisen den Ruinen von Gareth nähert. So als würde er den Moment so lange wie möglich auskosten wollen. Auf seinen Rücken sitzen ein großer Trollzacker mit einem schlichten Holzspeer in der Pranke, ein riesiger weißer Wolf, der ängstlich den Boden herbeisehnt und eine kleine ganz in Leder und Fellen gekleidete junge Frau. Sie schlingt ihre Arme um den gefiedertes Hals vor ihr, während sie entrückt in die Ferne schaut. Die Freude, die ihrem Gesicht abzulesen ist, überstrahlt selbst das Leuchten des heiligen Greifen. Denn sie und ihre Gefährten in der Rettungskapsel haben gerade den Dämonenkaiser Gaius Cordovan Eslam Galotta besiegt und somit seine fliegende Festung über Gareth zum Abstürzen gebraucht. Doch die Gefühle für diesen Sieg lassen sich am ehesten mit ‚Erleichterung‘ beschreiben. Erleichterung, dass sie es überlebt haben. Und dass sie die finstere Macht zurückgeschlagen haben, die danach trachtete das Mittelreich zu vernichten und damit ganz Aventurien ins Chaos zu stürzen.

Die Freude jedoch, die die Botin Firuns bei diesem Flug empfindet, fußt auf jenem Wesen, das sich ihr so bereitwillig als Reittier anbot. Es war der Greif Obaran, dessen Seele sie vor kurzem in der Schwarzen Sichel vor der Schändung retteten. Er war der Hochherold der Praios-Kirche, der sie zurück nach Wehrheim in den Kampf gegen den unendlichen Heerwurm schickte. Er überlies ihnen Araschar, sein kostbares Greifenschwert. Mit ihm konnte letztlich der Leib Galottas in seinem eigenen Thronsaal hoch über den Wolken, noch mit der vergifteten Tasse Tee in der Hand, durchstoßen werden. Das Erstaunen über die plötzliche Wendung der Ereignisse wird noch eine Weile auf seinem leblosen Gesicht zu erkennen sein.

Die junge Tulamidin ist stolz. Stolz auf sie alle. Aber vor allem stolz auf sich selbst. Sie ist erneut über sich hinausgewachsen. Sie hat wie viele andere in der Schlacht vor Wehrheim tapfer gekämpft und viele untote Diener vernichtet. Sie hat dem Magnus Opus getrotzt: sie hat die peitschenden Winde mit der Macht ihres Willens und ihres Glaubens widerstanden und damit viele andere tapfere Kämpfer vor dem sicheren Tod bewahrt. Sie entwich den Feuerbällen und den Flammensäulen. Und sie entkam dem Auseinanderbrechen der Erde. Die Gargoyle, die die Überlebenden für die Versorgung der Lebensadern, der bereits weiterziehenden Festung einsammelten, vernichtete sie. Ihren unbeugsamen Willen sich allem Dämonischen zu widersetzen, belohnte Praois mit dem letzten Erscheinen von Obaran, der sie der Festung hinterhertrug, damit sie ihren Gefährten im Kampf gegen Galotta beistehen konnte.

Es ist nun ein berauschendes Gefühl so hoch oben zu fliegen. So kurzzeitig befreit von aller Last zu sein. Sie kann gar nicht genug davon bekommen, wie der Wind ihre schwarzen Haare wild umherfliegen lässt und ihr eiskalt unter die Lederrüstung zieht. Doch das macht ihr nichts aus. Sie genießt die unendliche Freiheit dieses göttlichen Augenblicks. Neben ihr – nur 50 Schritt entfernt – stürzt die siebengezackte Feste Kholok-Kai unaufhaltbar in die Tiefe. Unvermittelt lässt ein spitzer Schrei, neben ihr, sie herumschnellen. Adaque, ihr treuer Falke fliegt an ihrer Seite. Lachend krault sie im Flug seinen Bauch. Eine letzte Firunsbrise aus dem Norden scheint ihr mitzuteilen: Gut gemacht, meine Auserwählte.

Und auch Praois, der himmlische Richter, scheint zufrieden mit ihr zu sein. Sie badet in seinem Licht. Sie streckt die Arme weit von sich; den Runenspeer in ihrer Rechten. Und sie schreit ihre Gefühle in die weite Welt hinaus.

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Azinas Triumphflug

Kampf vor Wehrheim

14. Peraine 1027 n. BF

Razzazor fliegt gen Rahja. Geschlagen. Zumindest vorerst. Er schwor blutige Rache. Einen Götterlauf gab er dem Leben Zeit, ehe er wiederkehren und alles vernichten wird. Azina nahm sich einen Augenblick Zeit ihm nachzuschauen. Trotzt der mentalen Macht, die der Heptarch auf sie niederdrückt. Als der schwarze Knochendrache die fliegende Festung passiert, bleibt Azinas Blick an dessen Unterseite hängen, wo noch vor wenigen Stunden ein roter Lichtstrahl die Erde berühte. Das Licht der Liebe. Das Licht der Rahja.

Was Delia wohl durchmachen wird? In Bothors Traum kämpft sie dort oben ganz allein in einem dunklen Kerker um das Leben Kalkaribs. Nicht, dass ich Kalkarib eine Träne nachweinen würde. Aber Delia liebt ihn nun einmal. Und trotz aller Pein schafft sie es dennoch uns allen hier unten auf dem schrecklichen Schlachtfeld eine mentale Botschaft mit einem Lichtstrahl der Liebe Rahjas zu schicken. Er durchbrach die Wolke. Er durchbrach Rahastes! Was mag sie das gekostet haben? Nun ist es an uns, zu ihr zu gelangen und sie beide zu retten. Doch wie? Noch schwebt Rahastes nach wie vor am Himmel und verbirgt die Stadt. Noch ahnen die tapferen Verteidiger nicht, was sie erwarten wird. Ich kann nur hoffen, dass viele Menschen in den Heimen Travias Zuflucht finden. Doch was ist mit den mutigen Seelen um uns herum? Wer wird sie retten, die so tapfer für andere streiten? Die stetig und mit dem Mut der Verzweiflung die ganze unheilige Verderbnis immer wieder und wieder abwehren. Sie widerstehen unsagbarem Schrecken. Der Fäulnisgeruch macht einem das Atmen schwer. Und wenn der Nebenmann sich plötzlich umdreht und im Wahnsinn die eigenen Leute abschlachtet, frage ich mich, warum sie nicht alle schreiend davonlaufen.

Ich fürchte niemand kann sie retten. Und uns auch nicht. Wir spielen hier nur eine kleine Rolle und hoffen, dass die Götter uns gnädig sind. Rondrasil Löwenbrand, der Heermeister der Rondra, erhielt diese Gnade offenbar nicht. Er ist gefallen durch den „König der Untoten“. Dieser riss ihm einfach das Herz aus der Brust. Doch Sieghelm hat diesen ‚König‘ vernichtet. Kurz darauf ist dann Razzasor gelandet. Direkt vor uns. Sieghelm sackte sofort zu Boden. Als stärksten Kämpfer wird der Drache ihn … SIEGHELM!

Es kommt Bewegung in die Botin Firuns. Rasch begibt sie sich zu ihrem Ordensgroßmeister und überprüft seine Vitalfunktionen.

Er ist nur ohnmächtig. Rondra sei Dank. Sie hält ihre schützende Hand über ihn. Eine starke Macht muss ihn niedergerungen haben. Sonst hätte er nicht den Kampf gegen Razzazor gescheut, den nun Jane, Bothor und … BOTHOR!

„Passt auf ihn auf.“ Herrscht sie im Vorbeigehen einige Männer an, die immer noch erleichtert dem fliehenden Drachen nachglotzen. Sie eilt an Bothors Seite. Sein Zustand lässt keinen Zweifel daran bestehen, dass er dringend einen Heiltrank von Nehaezt braucht. Behutsam flößt sie ihm einen solchen ein. Erst danach beginnt sie mit der Untersuchung.

Um dich steht es schlecht mein Freund. Ich sah, wie der Schwanz dich traf. Ein gewaltiger Hieb. Ein Wunder, dass du noch lebst. Du standest direkt vor seinen Krallen und hast auf seinen Kiefer eingeschlagen. Und ich wagte mich kaum in die Nähe des Drachen. Wie tollkühn kann ein Mann sein? Oder wie dumm? Sie unterdrückt ihre Tränen und verbindet behelfsmäßig seine schlimmsten Verletzungen und richtet seine Knochen, auf dass der Heiltrank sein Übriges täte. Noch bei Bothor knieend krault sie Elfenbein hinter den Ohren. Sein dreckverschmiertes Maul lässt ihn gräulich aussehen. Sie legt ihren Kopf in den Nacken und blickt erneut dem fliehenden Drachen nach. Er ist nicht mehr zu sehen.

Wir haben gegen Razzazor, den schwarzen Knochendrachen, gekämpft und haben es überlebt …

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Azinas Gedanken

Bestimmung

14. Peraine 1027 n. BF

Der gute Bothor spricht weise Worte. Worte geformt mit vielen Jahren Erfahrung. Er versteht es, einem Mut zu machen – Wir sind Helden. Wir sind Erwählte. Wir sind mächtig. Mächtig durch die Gaben, die uns unsere Götter gaben – Vertrauen wir also auf sie. Auf, dass sie uns unseren Weg weisen. Selbst wenn wir es in unserer Schlichtheit nicht bemerken.

Ich reite hier mit einigen tapferen Recken dem Heerwurm entgegen. Wagen uns nah an seine Ausläufer heran. Fast schon können wir mit einem Speerwurf die ersten Plagen unschädlich machen. Und doch halten wir uns zurück. Unsere Aufgabe ist zunächst das Spähen. Nichts weiter. Wir würden vernichtet, sollten wir uns aus der Deckung wagen. Denn auch der Himmel ist nicht unser. Praios‘ Antlitz ist hier nicht allgegenwärtig.

Wenn es denn an der Zeit ist, frage ich mich, wo mein Platz in dieser Schlacht sesin wird? Soll ich weiter in sicherer Entfernung um das feindliche Heer herumreiten? Auf meiner bisherigen Reise seit meinem Aufbruch aus Aranien vor gut vier Götterläufen, kämpfte ich lediglich in kleineren Gefechten. Kein Vergleich zu dieser Masse an Feinden vor uns. Schrecken an Schrecken. Unzählige giftmäulige Ghule, wie ich auf Hochstieg lediglich einen einzigen hinter Gittern tötete. Hunderte halb verfaulte wandelnde Leichname. Klappernde Skelette mit tiefen leeren Augenhöhlen. Doch auch ein paar Menschen befinden sich im Gefolge des Grauens. Jene zumindest weiß ich zu verletzen. Kopf und Herz sind ihre Schwachpunkte. Doch wie tötet man etwas, das bereits tot ist? Muss man sie in Stücke hacken, bis sie endlich ihre letzte Ruhe finden?

Ich kämpfe nicht in geordneten Reihen oder in wilder Meute an der Front. Nein, mein Schlachtfeld ist ein Anderes. Kein Klappern der Schilde. Kein Gestampfe auf dem Feld. Nein. Meine Bestimmung ist die Jagd! Nicht nur Hirsch oder Bär. Auch Träume von Erfolg und Wahnsinn.

Sogar eine solche Armee birgt empfindliche Ziele. Wer beschwört und kontrolliert Rahastes und all jene willenlosen Diener? Wer? Wo sind jene Magier, die der Feldmarschall erwähnte? Dort vorne, in der Mitte des Heeres, steigt verdächtiger Rauch auf. Rauch, der die Wolke nährt. Dort scheint mein Ziel zu sein. Nur wie dort herankommen? Wie empfindlich sind diese widernatürlichen Kreaturen wirklich? Vermag mein Speer wirklich jene Wunder vollbringen, von denen Bothor so schwärmte?

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Azinas Gedanken

Entscheidungen formen die Zukunft

Einige Jahre später nach dem 13. Peraine 1027 n. BF

Der Blick Azinas, schwanger vor Erinnerungen, ruht einen Augenblick auf den erwartungsvollen Gesichtern ihrer Kinder. Vor ihrem inneren Augen sah sie jedoch die längst vergangenen Ereignisse vor sich, als wären sie erst gestern geschehen.

Wir lagerten in Wehrheim. Einen Tagesmarsch von uns entfernt walzte sich ein unendlicher Heerwurm durch das damalige Darpatien direkt auf uns zu. Eine Wolke, schwärzer noch als Rauch, gab den untoten Horden Schutz vor der Praiosscheibe: Rahastes, der Plagende, verdirbt das Land dort wohin sein Schatten fällt. Seine Nekromanten schänden die Gefallenen, die sich daraufhin dem Heer anschließen. Ganze Boronsanger wurden entweiht.

Ich weiß nicht mehr, wann uns die Erkenntnis einholte, dass Wehrheim verloren war. Ich selbst befürchtete es bereits beim Anblick des mehrgehörnten Dämons. Doch gab mir Dexters „Wunder“ Hoffnung. Rahastes konnte gebannt werden! Wir befahlen dem Großinquisitor der Feste Auralet, dass er uns das Plagenknäul aushändigen solle, damit Nemrods Wunder geschehen konnte.

Doch Bothor dylli Memnos träumte in der Nacht zum 13. Peraine 1027 n. BF erneut eine Zukunftsvision seines erwählten Gottes. Er sah, was Rahastes vor unseren Blicken verbarg: Er sah eine schwarze fliegende Festung. Um sie herum schwirrten Irrhalken, riesige Fledermäuse und sogar der schwarze Knochendrache. Er sah wie unser schwer angeschlagenes Heer neben Hügeln von faulenden Leibern furchtsam nach oben starrte.

Er sah, wie aus der fliegenden Feste ein dämonischer Wind entströmte, sah, wie die Reste unserer Truppen hinweggefegt wurde, sah wie Wehrheim in einem einzigen Atemstoß vernichtet wurde.

Als er erwachte, erstattete er Dexter Nemrod umgehend Bericht. Doch dieser wusste es. Er wusste was passieren wird! Er bezeichnete Wehrheim als Puffer für Gareth. Das stolze Wehrheim. Das ach so stolze Darpatien als Puffer für die Hauptstadt des Mittelreiches. Tausende werden sterben, um noch mehr tausend retten zu können.

Er bat Bothor und den Orden Stillschweigen zu bewahren.

Wie würdet ihr reagieren, würdet ihr so kurz vor der Schlacht solch eine Aussicht erhalten? Was tätet ihr in der knappen Zeit, die euch gegeben ist? Seid ihr blinde Helden oder seid ihr Menschen vom Schlage Dexter Nemrods, deren kühle Überlegenheit zwar viele Menschen retten könnte, aber zugleich vielen anderen den sicheren Tod bringen wird. Wer hat schon solch eine Wahl? Wir hatten sie!

Aber manchmal ist es besser, nichts zu wissen. Dann bleibt das Gewissen stumm.

Man reift jedoch auch nicht zur Legende.

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Azinas Erzählungen

Überwältigend

12. Peraine 1027 n. BF

Es ist einfach überwältigend. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es erdrückt mich schier.

Noch innerlich im Aufruhr hört sie den Lagebesprechungen vor den Toren Wehrheims nur mit halbem Ohr zu.

Zunächst träumte Bothor letzte Nacht von dem endlosen Heerwurm vor den der Greif Obaran uns warnte. Er marschiere direkt auf Wehrheim zu. Ein Heer von Untoten, Söldnern, Guhlen und Belagerungsmaschinen begleitet von einer schwarzen Wolke, die das Heer vor der Praiosscheibe schützt. Würden wir also diese Wolke vertreiben, könnten wir siegen. So dachte ich.

Doch dann blickte ich auf Anraten von Nehazet tatsächlich aus dem Limbus heraus direkt auf den sechsgehörnten Dämon Rahastes. Er ist der Plagende. Er ist der dem der Hunger folgt. Der Verderber der Ernten. Er selbst ist die ganze verdammte schwarze Wolke! Er schwebt über dem Heer und beherbergt eine Schaar von geflügelten Albträumen. Ich konnte viele große Fledermäuse und Irrhalken erkennen. Wo er vorüberzieht bleibt nichts als totes Land zurück. Leichen erheben sich aus den Boronsangern und von den Schlachtfeldern und schließen sich dem Heer an. Praios steh uns bei! Deine Greifen sind nicht mehr da, um uns zu helfen. Ohne sie sind wir den Angriffen aus der Luft hilflos ausgeliefert. Wir stehen hier auf freiem Feld mit einer Stadt im Rücken, die tausende unschuldige Seelen birgt. Wie sollen wir sie aufhalten? Wie sollen wir diesen fliegenden sechsgehörnten Dämon und sein Gefolge bloß aufhalten?

Auch wenn Dexter an einem sogenannten „Wunder arbeitet“, wie der Feldmarschall sagt, fällt es mir schwer zu glauben, dass wir ähnliche Kräfte entwickeln können, um dagegen zu halten. Wir haben lediglich zwanzig Magier zur Verfügung. Und Magus Nehazet ist noch nicht da.

Gern wäre ich stattdessen nach Gallys geritten und hätte die dortige Belagerung zerschlagen, um das Heer von hinten anzugreifen und den Nachschub abzuschneiden. Doch wir sind zu Wenige, um gegen selbst nur 200 Untote zu bestehen. Außerdem wies uns Oberan ja nach Wehrheim. Welch kleine Rolle wir in diesem Wahnsinn spielen könnten, vermag ich noch nicht zu erkennen. Wir müssen irgendwie da hoch und Rahastes töten! Aber wie?

Damach müssen wir nur noch zum goldenen Altar, wenn der dunkle Schatten darauf fällt, um den Greifen seine Kraft zurück zu geben. Ist damit die Stadt des Lichts in Gareth gemeint? Ist also gewiss, dass Wehrheim fällt? Wenn ich mir so anschaue, was da auf uns zukommt, wage ich auf keinen Sieg zu hoffen. Ich habe Angst.

Immerhin ist Königin Rohaja mit ihrer Königsgarde da. Sie werden sie wohl nicht ins Feld führen, wenn keine Hoffnung auf Sieg bestünde … oder keine Möglichkeit zum Rückzug … Ich hoffe, dass dieses Reich dem Ansturm gewachsen ist.

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Azinas Gedanken

Eine neue Richtung

Da haben mir dieser Hund und dieser Wolf doch tatsächlich einen Streich gespielt! Ich habe ob der jüngsten Vorkommnisse scheinbar geschlafen wie ein Fels. Was als Jägerin eigentlich tödlich ist. Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde. Immer und zu jeder Zeit. Umso erschreckender ist, dass ich nicht bemerkt habe, dass mir Elfenbein die abgeschlagene Kralle des Greifen wieder zurück brachte. Im ersten Moment dachte ich an göttliches Wirken. An einen Hinweis, dass der mir vorschwebende Weg der Richtige ist. Mit welcher Arroganz ich manchmal gesegnet bin. Ich habe tatsächlich göttliches Wirken in den Transport einer Jagdtrophäe gesehen. Azina schüttelt den Kopf. Wie lächerlich. Wie kämen Firun oder gar Praios dazu? Am Ende war es lediglich Elfenbein … aber ist er nicht auch göttlich? Ist es vielleicht doch ein Zeichen? … Verstohlen linst sie aus den Augenwinkeln zu „ihrem“ schneeweißen Wolf hinüber.

Wobei … eine Jagdtrophäe ist die Kralle ja nicht. Ich behielt die Kralle und einige Federn nur, weil Nehazet meinte, sie können noch nützlich sein bei der Errettung der anderen Greifen. Dank des Tempels in Katay wissen wir vermutlich, dass es hier in der Gegend acht Greifen gab. Das Licht von fünf der Statuetten ist bereits erloschen. Einem wurde letzte Nacht vor unseren Augen die Seele von einer Sphinx entzogen, weil ich ein Rätsel nicht beantworten konnte. Es war ein gar schrecklicher Anblick wie auch er in sich zusammenfiel und schließlich explodierte. Das Rätsel aber war so schwer nicht. Jane wusste es auf Anhieb. Nur ich nicht. (und Sieghelm auch nicht).

Sieghelm hat noch zu verhindern versucht, dass ich antworte. Vielleicht in der Hoffnung, dass die Sphinx von ihrem Opfer abließe, wenn die Antwort aufgeschoben wird. Aber irgendetwas in der Stimme der Schimäre sagte mir, dass eine gegebene Antwort zumindest eine Chance auf Rettung darstellte, während keine Antwort den Tod als Gewissheit hätte. Ich hätte mir meine Feigheit nicht verziehen. Und noch hatte ich keine gewirkte Magie in meine Richtung gesehen. Lieber hätten wir die Sphinx bei einer falschen Antwort bekämpft und wären bei dem Versuch gestorben, als mit der Schande der Untätigkeit zu leben. Das wäre einer Erwählten nicht würdig.

Erwählten … was mag das wirklich bedeuten? Könnte dieses Zwischenwesen … Azina spuckt gedanklich auf den Boden aus … am Ende doch Recht haben? Ist uns die Weihe nicht gegeben? Einige von uns haben ja schon besondere Kräfte und Fähigkeiten, die über normale Menschen hinausgehen. Sie sind auch anders als die Gaben der Geweihten. Und sie werden offenbar von Gottes Gnaden stärker. Nur wo entspringt der Macht Quelle? Von den Göttern? Aus uns selbst? Oder aus den Gegenständen? Und welche Rolle spielen die Amulette? Sie waren von Beginn an da. Uns zeichnend. Ohne Erklärung. Ohne Bedeutung? Wir können sie nicht wirklich fortgeben. Sie sind an uns gebunden. Und sie strahlen in göttlichem Weiß.

Gestern Abend hat mich Nahazet auf interessante Gedanken gebracht. Wir haben meine Fähigkeiten der zweiten Sicht trainiert. Experimentell versuchten wir herauszufinden, ob ich vielleicht Schatten oder Spuren vergangener Präsenzen entdecken kann. Leider war dies nicht der Fall. Dennoch könnte es aber ein Weg zum Ziel sein: Training der gegebenen Fähigkeiten.

Wie viel stärker wir wohl noch werden (müssen), um dem Gegner trotzen zu können?

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Azinas Gedanken

Den Göttern gefällig

8. Peraine 1027 n. BF

Gemächlich schreitet Mhanach voran. Ein Glied in der Kette der Gefährten, die sich durch das karg bewaldete Gebiet östlich der schwarzen Sichel bewegt. Auf ihm sitzt die Botin Firuns tief in Gedanken versunken.

Das war sie also. Meine erste Begegnung mit einem Firungeweihten. Er konnte mir nicht helfen. Er hatte offenbar noch kaum Erfahrung. Stattdessen schickt er mich in eine sogenannte Schwitzhütte zur Meditation. Hitze statt Kälte, um Firun nahe zu sein …

Dennoch schweiften meine Gedanken rasch weit weg. Zu einer schneebedeckten kargen Ebene. Es war jedoch nicht kalt. Nicht einmal als ich meine Stiefel auszog. Es zeichnete sich keine Erhebung ab. Eine sehr geordnete Leere. Nur in der Ferne war ein kleiner Wald zu sehen. Doch außer der kleinen Jagdhütte fand sich kein Leben in diesem Wald, keine Spur zeichnete sich ab, nicht ein einziger Hinweis. Im Innern der Hütte hielt sich ein Wesen in Gestalt eines alten Mannes auf, welches sich selbst als Zwischenwesen bezeichnete. Als ein Weisen zwischen Alveranier und Jenseitigem. Als ein Wesen des Ausgleichs.

Er wusste von meinem Wunsch die Weihe Firuns zu erfahren. Er wusste überhaupt alles von uns. Er offenbarte mir, dass ich ja bereits von Firun erwählt sei und ihm daher nicht näher zu kommen ‚brauche‘. Firungeweihte im Allgemeinen schauen zu mir auf, wie die Geschichte im Holz des Tempels bezeuge. Eine Weihe sei für meine Aufgabe daher nicht vorgesehen.

Nein! Bei des Ebers Hauer, das ist nicht wahr!

Ich wollte mit einem Abgesandten Firuns sprechen und nicht mit diesem Wesen, welches mich arglistig zu täuschen versucht. Niemals hätte mich Firun oder einer seiner Abgesandten einfach so empfangen, ohne mich schon auf dem Weg dorthin mit Kälte und Verzicht zu prüfen. Und wie kann es einen Wald ohne Leben geben? Das wäre das Ende allen Seins. Das wäre das Reich Nagrachs! Elender! Steht der Firungeweihte in Gallys bereits unter dämonischem Einfluss? Erstreckt sich die Macht der Schwarzen Lande bereits bis hier? Ich habe das nicht überprüft! Welch eine Schande! Ich war zu sehr mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt.

Wie oft habe ich versucht Kontakt mit Firun aufzunehmen? Ihn gebeten mir zu weisen was ich tun soll? Bin ich seiner Gegenwart unwürdig oder fordert er von mir Selbstbestimmtheit? Scheinbar von den Göttern verlassen, streiten wir für sie. Oder ist es ihnen vielleicht nicht möglich mit uns direkten Kontakt aufzunehmen? Das passt ja alles gut zusammen. Und jetzt soll ich einfach zulassen, dass ein „Wesen des Ausgleichs“ Zweifel in mir säht? Nicht mit mir!

Man kann seinem Gott nicht nah genug sein! Alle Menschen streben danach. Ich wiederstehe der Versuchung. Ich werde nicht von meinem Ziel ablassen. Nein! Jenseitiger Alveraner! Nein! Fahr in die Niederhöllen oder noch weiter weg! Das war nur ein weiterer Versuch einen Anker zu fällen. Doch ich bleibe standhaft!

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wird Firun mich weihen! Ich finde einen anderen Geweihten, der mir hilft. Oder auch nicht. Dann eben ohne Priester! Nehazet hat mir versprochen, dass wir nach Norden in die Eiswüste ziehen. Tun wir das! Dort werde ich Firun persönlich seinen Speer zu Füßen legen. Kälte und Hunger können mich nicht aufhalten. Und Hitze ist ja wohl ein schlechter Scherz.

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Kurz darauf kämpft die Gruppe gegen einen dämonisch beeinflussten Greifen. Azina sprang auf seinen Rücken und versuchte ihn am Weiterkämpfen zu hindern, als Sieghelm ihm mit einem gewaltigen Streich den Bauch aufschlitzt. Sie wurde zwei Mal schwer von reiner göttlicher Energie getroffen und kann sich nun kaum noch auf den Beinen halten.

Das … war … heftig. Ich fühle mich ganz schwach. Dieser Greif ist ja beim Sterben explodiert. Ich trage keine sichtbaren Wunden davon. Es ist, als ob mich sämtliche Energie verlassen hat. Aber ich nehme keinen Heiltrank. Das fühlt sich falsch an. Ich bin getroffen von göttlicher Energie, das muss mein Körper von allein schaffen.

Nehazet meinte, ich solle die abgeschlagene Kralle sowie einige Federn behalten. Sie seien unempfindlich gegen Magie und können diese beeinträchtigen.

Wir töteten ein göttliches Wesen. Ja, er hat uns angegriffen und ja, wir mussten uns verteidigen. Aber ich bin mir sicher, dass Nehazet eine Möglichkeit gefunden hätte, ihn von seiner dämonischen Beeinflussung zu befreien. Immerhin hat diese Beeinflussung auch Einzug in seinen Kopf gefunden. Und Nehazet findet immer eine Lösung. Wir hätten ihn vereint niederringen können. Dann hätte Nehazet genügend Zeit für die Heilung gehabt. Aber kaum erholte sich Sieghelm von seiner Blendung, hat er nichts Besseres zu tun, als ihn zu töten. Da nützt auch sein Gebet an Praios wenig. Das war voreilig.

Ich trauere um diese göttliche Existenz. Ich erinnere mich wie strahlend schön der Herold in Gareth aussah. Auf diesem armen verwirrten Greifen konnte ich nur einen kurzen Blick werfen, ehe er völlig ausrastete. Zumindest wissen wir nun wahrhaftig, womit wir es zu tun haben. Die Greifen der schwarzen Sichel werden pervertiert. Sein Opfer darf nicht umsonst gewesen sein. Nehazet muss einen Weg finden sie zu heilen. Denn wir können doch unmöglich alle befallenden Greifen schlachten. Vielleicht helfen uns hier wirklich seine wenigen Überreste weiter.

Bitte verzeihe uns diese Sünde. Wir tun es für die anderen Greifen, auf dass ihnen das zugedachte Schicksal erspart bleibe.

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Azinas Gedanken

erste Legenden

Schlaflos wälzt sich die Botin Firuns in ihrem Bett hin und her. Gro’jesh grunzt neben ihr vor sich hin und lässt sich nicht stören. Wie klein sie neben ihm ist.

So beginnt es also. Das sind meine ersten Legenden. Geschichten, erzählt von einem Firungeweihten aus Gallys während eines Gottesdienstes. Ich selbst habe sie ihm erst tags zuvor erzählt. Unglaublich, dass bereits vor fünf Götterläufen feststand, dass ich – oder zumindest eine Frau – die Erwählte des Firun wird. War es vorherbestimmt, dass ich scheitere? Dass ich niemals die Gunst einer Familie erlangen würde? Ich hatte mein Ziel aus den Augen verloren. Fern der Heimat schlug ich mich als Glücksritter durch, der mehr Glück als Verstand hatte. Das ist mir heute klar. Eigentlich unglaublich, was einem so widerfährt. Die verderbte Druiden damals hätte mich rasch erledigen können.

Wen hätte es an meiner statt treffen können, wäre ich gestorben? Musste es eine Frau sein? Oder stand von Anfang an fest, dass ich es sein musste? Und wann war der Anfang? Wie lange schon bereitet sich die achte Sphäre auf den Kampf vor. Wie lange wissen die Götter darum? Es ist unwirklich.

Aber ich vertraue auf Firun, dass es richtig ist. Ich bin sein Werkzeug, um den Vortex zu vernichten! Oder um zumindest meinen Teil dazu beizutragen. Mein Leben zu geben. Firun … oder vielleicht eher Ifirn hat ermöglicht, dass … dass ich noch ein anderes Leben führen kann. Ein Anderes.

Rasch hat sie einen Entschluss gefasst. Vorsichtig und leise schleicht sie sich aus der Taverne. Elfenbein begleitet sie auf samtenen Pfoten. Alles liegt ruhig da im Licht des Madamals. Keine menschlichen Schattenwesen treiben hier in der Nacht ihr Unwesen. Zu karg und zu gesichert ist diese Grenzstadt. Doch Azina hat ein Ziel. Schon bald erhebt sich der hölzerne Firunstempel vor ihr. Sie kniet vor seiner Schwelle nieder und wartet. Den Blick zu Boden und in sich gekehrt.

Früh am Morgen, wo Jane nur Gro’jesh im Nachbarbett vorfinden wird, tritt der Firungeweihte vor die Schwelle des Tempels. Interessiert schaut er auf die Tulamidin herab.

„Was ist dein Begehr?“ fragt er sie.

Sie hebt den Blick und starrt ihm herausfordernd in die Augen. Und sie antwortet mit fester Stimme: „Ich möchte eine Geweihte Firuns werden. Was muss ich dafür tun?“

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Azinas Gedanken

Brief nach Hause

Ahlan aram,

ich hoffe bei Travia, euch geht es gut. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an euch denke. Meine Sehnsucht verzehrt mich zu jeder Stunde.

Ich schreibe euch diese Zeilen aus Gareth nach dem großen Turnier. Wir als Schutzorden der Schöpfung nahmen gemeinsam daran teil.

Es war außergewöhnlich! Ich gewann im Finale der leichten Waffen gegen Jane, die sich in den Vorrunden sehr gut geschlagen hatte. Sogar einen höfischen Firunsanhänger konnte ich bezwingen. Am Abend tauschten wir uns noch über unsere Vorstellungen im Dienste Firuns aus. Zu meiner Enttäuschung legte er Firuns Gebote sehr sanft aus. Stets durch die Wildnis zu pilgern war ihm fremd. Doch ein Traum von einer letzten großen Reise schwelt noch unerfüllt in ihm. Es tat gut mal mit jemanden mit gleicher Gesinnung zu sprechen. Vielleicht führt uns unser Weg noch gen Firun. Das hoffe ich. Vielleicht sehen wir in den Gebirgen des Nordens sogar Zeitenflug wieder. Seine Feder trage ich stets bei mir.

Bei den Wurfwaffen fehlte mir nur ein einziger Treffer zum Sieg. Ich konnte überraschend gut mithalten, obgleich ich bereitgestellte Wurfspeere nutzen musste, so rasch war die Wurffolge.

Beim Wagenrennen unterstützte ich Jane zusammen mit Sieghelms Knappen Perainius und konnte ihr mit einem entscheidenden Speerwurf in die Speichen des Gegners zum Sieg verhelfen. Ihr hättet seine Verblüffung sehen sollen, als mein Speer sein Rad komplett zerlegte und er mit hängender Achse ins Ziel trieb.

Im Buhurt trat der Schutzorden der Schöpfung gemeinsam gegen alle anderen an. Der Hochkönig der Zwerge Albrax hat das so herbeigeführt. Offenbar schlugen sich alle Teilnehmer aus dem Orden so hervorragend, dass unser Sieg wohl als zu sicher galt. Groß hervor getan habe ich mich dabei nicht. Wir bildeten eine standfeste Gruppe Seit an Seit stehender Kämpfer, an der sich unsere Gegner mit ihren kurzen Waffen die Zähne ausbissen. Bothor und Sieghelm warfen an den Flanken die Gegner reihenweise aus dem Kampf, indem sie ihnen die Wimpel auf den Helmen wegschlugen.

Gesamtsieger wurde natürlich der Auserwählte der Leuin nachdem er sowohl den Gang der schweren Waffen als auch die Tjost gewann. Meine Gefährten haben reichlich für den Orden gegeworben und wir konnten Land und Leute für unsere Sache gewinnen. Nehazet hat, obwohl er nicht an den Kämpfen teilnahm, am meisten gewonnen. Phex war ihm so hold, wie uns Rondra.

Ich erhielt einen großen Gewinn vom Kaiserhaus. Mit diesem Brief erreicht euch ein Großteil dessen:

  • 200 Dukaten
  • das Langschwert Larelein

Bitte bewahrt Larelein gut für mich auf. Es möge Zeugnis meines Sieges sein. Vielleicht wird es eines Tages von unseren Kindern getragen, wenn ihnen der Khunchomer nicht zusagt. Rondra möge sie davor behüten!

Mein gewonnenes leichtes Streitross aus dem kaiserlichen Gestüt werde ich Mhanach nennen und Aventurien künftig zu Pferde beschützen. Er ist ein schöner Warunker mit schwarz weißen Fell. Seine Haarfärbung gleicht der meinen und so habe ich ihn gleich erprobt und war sofort angetan von seiner Kraft und seiner Wendigkeit. Er wird ein teurer Gefährte werden. Ich habe Jane gebeten eine Zeichnung seiner stolzen Majestät anzufertigen. Ich lege sie diesem Brief bei.

Auf dem Weg nach Gareth konnten wir den Auserwählten des Schweigsamen als Großmeister gewinnen. Ich sehne den Tag herbei, da ich ihn euch vorstellen kann. Er ist ein guter Mann und er steht treu zu uns.

Doch der Morgen bringt hier dunkle Wolken. Bitte gebt auf euch Acht.

Dare azîz

Eure reisende Azina

5. Peraine 1027 n. BF

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Azinas Briefe

Die Gedanken treiben

Angelegentlich stochert Azina mit einem Stock im Lagerfeuer herum und starrt in die Flammen, als sähe sie ein Bildnis von großer Schönheit. Elfenbein sitzt hinter ihr und wärmt ihr den Rücken, während es sich ausnahmsweise mal Adaque auf ihrem Schoß gemütlich gemacht hat. Versonnen streichelt sie ihm über die Federn.

Schade. Nach den ganzen packenden Vorkämpfen habe ich im Finale der schweren Waffen einen spannenderen Kampf erwartet. Insgeheim habe ich natürlich auf Bothor gehofft. Hätte er gewonnen, hätte ich mit einem Sieg in dem Buhurt auf den Gesamtturniersieg hoffen können. Aber Rondra war dem guten Bothor wohl nicht hold. Oder sie war heute eher Sieghelm zugeneigt. Es hat ja auch mehr Symbolkraft, wenn natürlich der Ordensmeister der Leuin den Zweikampf gewinnt, statt der des Ewigen.

Und um Symbolkraft im Dienste der Sache des Ordens geht es uns ja bei diesem Turnier. Sieghelm und Nehazet sind auch eifrig dabei, Kämpfer und Ländereien zu gewinnen. Da gilt es unsere persönlichen Gefühle hinten an zu stellen. Dennoch werde ich versuchen den Buhurt zu gewinnen. Und wenn ich am Ende Sieghelm selbst überwinden muss. Hm. Ich glaube, wir haben noch nie miteinander gefochten. Nicht einmal im Training. Zumindest ist dies wenn dann einige Götterläufe her.

Aber. Bisher ging alles viel zu glatt. Die einzelnen Turnierkämpfe werden abgehalten. Sieger werden gekürt. Auffällig ist, dass der Orden sehr gut abschneidet. Was ja gut für uns ist. Aber es wirft für mich die Frage auf: Geht es mit rechten Dingen zu? Ist das nicht alles zu leicht? Oder sind wir einfach nur gut. Wobei natürlich auffällt, dass hier fast ausschließlich Adelige antreten, `die neben dem Kämpfen noch andere Aufgaben haben.´

Auf jeden Fall funktioniert die Organisation des Turniers zu gut. Es gibt keine Störungen, keine Auffälligkeiten. Ich suche schon die ganze Zeit nach pervertiertem Einfluss. Aber Nehazet hat wohl den einzigen Dämon vor Ort gebannt. Von den winzigen fliegenden Spionen mal abgesehen. Sonst nichts! Wo sich angeblich hinter den Kulissen weittragende Dinge abspielen und wir armseligen einfachen Menschen nichts davon wissen dürfen.

Nun ja, ich vermute, unsere Rolle werden wir wohl noch spielen. Wenn dieses Turnier vorbei ist, werden wir versuchen weitere Unterstützer zu finden und uns auf den Weg gen Rahja machen, um die schwarze Gefahr aufzuhalten und vor allem Hochstieg zu schützen. Wenn nicht wieder etwas dazwischenkommt.

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Azinas Gedanken