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Worte gerichtet an meine Göttin (von Traviahold)

Auf dem Rückweg vom Perainetempel zur Burg spürte Traviahold einen starken Drang. Den Drang vor den nächsten unausweichlichen Schritten einige Worte loszuwerden. Nicht an jemanden in seiner unmittelbaren Nähe, sondern an seine Göttin. Also entschuldigte er sich vor der Zugbrücke bei der Frau Delia und ging weiter zur Taverne „Schlegel und Eisen“. Dort angekommen richtete er seine ersten Worte an die Wirtin: „Travia mit euch Jadwina. Wenn ihr keine Einwände habt würde ich gern einige Zeit ungestört im Gänsestall verbringen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten ging er wieder hinaus auf den Hinterhof und begab sich in den Gänsestall. Freudig wurde er von seinem treuen Ganter Travian begrüßt. Er setzte sich im Schneidersitz in Mitten der großen Schar älterer und junger Gänslein und nahm Travian auf seinen Schoß. Wärend er mit der einen Hand den Ganter streichelte und der anderen Brotkrumen in die Gänseschar warf begann er zu beten:

Travia, meine Herrin, gütige Mutter,

Bewahrerin des Herdfeuers, Beschützerin der Familie, Erste Gans,

auf Schritt und Tritt wahre ich deine Tugenden und Ideale,

alles, was dir wichtig ist, ist auch mir wichtig.

Mein Glaube an dich ist meine Heimat,

meine Familie und Freunde sind meine Liebe und Kraft.

Nie hab ich an dir gezweifelt, auch in den letzten Tagen nicht,

wenn sie auch meine Anschauung von der Welt änderten

und ich nicht mehr wusste, ob ich weiß.

Doch ich danke dir Herrin für deine Fürsorge und deine Gaben,

für deine Zeichen und Wege, denn sie zeigten mir, dass ich bin.

Dass ich der und das bin, was ich schon immer war

und das ich mehr sein werde, als ich noch bin.

Dank dir Herrin fühle ich mich stark genug im Glauben,

um die Aufgaben, die du mir auferlegt hast zu bewältigen.

Ich werde ich für dich streiten, mit Herz, Verstand und auch Arm.

Mögest du weiterhin deinen Segen und deine schützende Hand über mich,

meine Familie und meine Gefährten halten.

Travia ich danke dir!

Er blieb noch etwas sitzen und sammelte einzelne Federn der Gänse auf, um seinen Vorrat wieder aufzufüllen. Danach ging er langsam und ich Gedanken versunken zurück zur Burg. Dort wieß er den ersten Knecht, der ihm begegnete an, sich darum zu kümmern, dass für die Nacht ihm ein Quartier zugewiesen wird, da er diesmal in der Burg zu nächtigen gedachte.

Was zum Namenlosen…

(Als TRAVIAHOLD)

 

Ein Blitz, ein Knall, Rauch und dann Nichts. Nichts an der Stelle, an der eben noch mein großer Bruder stand. Nur Rauch und die Reste seiner Kleidung. Schwärze macht sich vor den Augen breit, ein Tunnel durch den ich blicke ohne etwas zu sehen. Ich höre mich nicht schluchzen, ich spüre nicht, wie ich aus der Höhle gezerrt werde. Langsam fang ich wieder an meine Umgebung wahrzunehmen. Jemand redet auf mich ein. Ich höre Worte wie „Ist nicht tot“ oder die Frage nach Tee. Jeweils nicke ich und halte zügig einen Krug dampfenden Tee in der Hand. Er wirkt Wunder und ich erhole mich rasch vom Schock, auch weil ich nun zugänglich für Argumente bin. Sieghelm lebt noch, soviel steht fest. Die Höhle wird erforscht, Indizien gesammelt. Und im Handumdrehen folgt der nächste Schock. Ein paar Skelette im Boden. Übliche Vorbereitungen und dann in Anwesenheit des Fräuleins ein Grabsegen, wie so oft. Doch noch nie brannten die Federn, noch nie lief einer der Verstorbenen als Geist an mir vorbei. Was geht hier vor? An was für einen Ort sind wir gelangt? Eine rege Diskussion entbrennt, doch von Verschonung kann nicht die Rede sein. Kaum entschließen wir uns zum Aufbruch wird der Ungläubige vermisst. Spurlos verschwunden ist er stellt sich heraus. Seine…Frau…trauert ehrlich. Scheint wirklich Liebe zu sein. Aber wie kann jemand wenige Schritt einer nicht grad inkompetenten Gruppe verschwinden, ohne das etwas bemerkt wird? Drei Rätsel die den Verstand sprengen an einem Tag. Zu viel.

Warum ein Zwerg?

Zurück im Haus des Magus suchte Ragnar nur kurz den Tonkrug mit dem bornländischen Rübenschnaps, von dem er einen kräftigen Schluck nahm, bevor er sich es in seinem Bett gemütlich machte und unruhig einschlief. Die Geschehnisse der Nacht beschäftigten ihn sehr. Natürlich hat die Gruppe, relativ erfolgreich, ihre Aufgaben erfüllt, beide Gesuchten wurden unversehrt befreit, zwei weitere Gefangene noch dazu; Golgari wurde von Phexens Sternen geblendet, sodass der Mantikor-Krieger wieder zurück nach Dere kam. Den einzigen Verlust erlitt die Gruppe durch den kleinen stummen Jungen, der freiwillig sie verlassen wollte. Und trotzdem war Ragnar nicht zufrieden, weder mit der Queste, noch mit den Umständen, geschweige denn mit sich selbst. Dort unter in diesen stinkenden Gängen, der Kanalisation, dort war er er. Die Brücke, sein Geniestreich gegen die Wachen, seine Ungestümtheit an der letzten Tür und sein Kampf gegen den Erz-Dschinn, dass alles war er, wie er sich kannte. Aber seit wann meuchelt ein Ragnar schlafende Menschen? Hatte er seine Swafskari nicht unter Kontrolle gehabt? Muss er Angst haben eine Gefahr für die Gesellschaft zu werden? Diese Gedanken und Sorgen ließen ihn kaum schlafen. Als er durch seine Augenlider bemerkte, dass es zu dämmern begann stand er auf und verließ nur mit leichter Kleidung und seinem Stab ausgestattet das Haus, um sich auf den Weg zur Tommelmündung zu begeben. Dort entkleidete er sich, stieg in die Fluten und bekämpfte die Kälte, um Zwiesprache mit seinem Gott zu halten. „Vater, großer Pottwal, gib mir, deinem Kind, die Kraft und den Mut meine Ungestümtheit zu kontrollieren, dass sie nur die Schuldigen treffe. Lass mich meine Swafskari, deinen Segen, beherrschen, wie du die Weltmeere beherrschst, damit ich dir bessere Dienste leisten kann, als als gesegnetes Kind auf entfernten Inseln. Zeig Gnade den Gefallenen, die durch deine Meere ziehen wollen, bis sie dereinst an deiner Seite gegen die Schlange kämpfen werden, wie auch später einmal ich.“ Mit einem abschließenden „Swafnir ist groß!“ verlässt er das Wasser, reibt sich kurz trocken, zieht sich an und macht sich auf den Rückweg zum Magus, um nicht zu spät zum Frühmahl zu kommen. Er schwört sich nie wieder jemanden seine Axt spüren zu lassen, der nicht selber eine Waffe gegen ihn erhebt.

Bermhoin gleitet dahin

„Es tut mir so leid Mara!“, waren die letzten Gedanken, bevor das Schwert des Gardisten auf ihn niederschlug. Tiefe Schwärze umfing ihn, Schmerzlosigkeit war der Lohn dafür. Er spürte nicht, wie die Spitze des Schwertes sich in sein Herz bohrte, aber er hörte das Rauschen von schwingenden Flügeln, die sich näherten. „Dann war es das also mit mir!?“ Erstaunlich, dass man im Tode noch denken konnte.

Er war gespannt, wohin Golgari ihn bringen würde. Zu Praios, dass er ihn in sein Goldenes Buch eintrage, denn immerhin ist er adelig und bei einem praiosgefälligen Auftrag gestorben. Oder in Efferds Wasserreich, denn der Große Flussvater ist der Urvater aller Albernier. Oder auf Tsas Regenbogen, damit er auf der Perfektion seiner geliebten Farben in ein neues Leben reisen kann. Oder doch zu Hesindes Hain, hat er doch immer nach Wissen gestebt und es gemehrt. Außerdem würde er dort seinen Orestas wiedersehen.

„Orestas! Grade noch hast du mich dich gehen lassen und schon bin ich auf dem direkten Wege zu dir! Ich freue mich dich wiederzusehen!“, seufzte Bermhoin gerade noch, als er lautes Flügelschlagen hinter sich hörte. Er hatte nicht mitbekommen, dass er sich schon auf Golgaris Rücken befand. Er drehte sich um und sah dicht hinter sich einen weiteren Raben und auf dessen Rücken saß Mara und winkte ihm zu. Er winkte zurück, doch drehte er sich weg, damit sie nicht seine Tränen sah, die er ob ihres Schicksals vergoss.

Träume zum Vergessen

Es ist abends, fast schon Nacht. Bermhoin liegt in seinem Bett. Und obwohl er im Gastraum schon auf dem Tisch eingeschlafen war, jetzt hielten ihn seine Gedanken wach. Was hatte er nur getan? Wozu hatte er sich hinreißen lassen? Wie tief ist er gesunken? Sollte je herauskommen, dass er, Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Hofmaler Ihrer königlichen Hoheit Inhver Ni Bennain, als Fee verkleidet einen einfachen Vorarbeiter versucht hat von etwas zu überzeugen, nun, dann würde er wohl Albernia für immer aus Scham den Rücken kehren. Und wozu das Ganze? Wegen einer unbedeutenden Holzladung eines hinterwäldlerischen Händlers, den er nochnichtmal richtig leiden konnte. Hätte man nicht einfach beim ersten Anzeichen von Problemen nach Nostria weiterreisen können? Und notfalls auch nur zu fünft? Bermhoin hatte Bedenken bezüglich der nächsten Tage. Hatte sich irgendjemand darüber Gedanken gemacht, was passiert, wenn Ywain wieder nüchtern ist, oder wie Bermhoin nochmal das Haus verlassen soll? Alle, er selber eingeschlossen, denken viel zu engstirnig und kurzfristig…

Über die Ganzen Fragen nickt Bermhoin langsam ein und findet sich in einem Traum wieder. Es ist ein sehr hektischer Traum, aber ein wunderschöner. Bermhoin findet sich an allen möglichen ihm bekannten Orten Aventuriens wieder, immer begleitet von seinem geliebten Orestas. Sie lachen und freuen sich über ihre gemeinsame Zeit, ihre gemeinsamen Reisen, die sie zusammen verbringen. An den schönsten Orten der Welt stehen sie zu zweit und genießen. Nach und nach werden die Szenerien länger und die Szenenwechsel langsamer. Bis Bermhoin mit Orestas am Bug eines Schiffes stehend auf Bermhoins absoluten Lieblingsort zusteuern: Die Bunten Mauern von Methumis!

Und während Bermhoin die Situation in vollen Zügen genießt, stoßen seltsame unbekannte Melodien an sein Ohr. Und von Orestas mit den Armen umschlungen singt dieser ihm leise ein Lied in sein Ohr. Bermhoin kennt die Sprache nicht, aber er versteht die Worte. Es wird wohl engelisch sein, die Zunge der Engel.

You are the loneliest person that I’ve ever known
We are joined at the surface but nowhere else
I look in the glass and stare at your, strained, grey, motionless face and ask
Underneath, is there a golden soul?

Take care of the ones that you love
Take care of the ones that you love

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds?

Everyone is beginning to breathe as I break down
You are in love with a shadow that won’t come back
Sooner or later we all have to wake
Try forgetting everything
Underneath, there’s a perfect sky

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Ahh Ahh
Ahh Ahh

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds and feelings?

Baby, I’m leaving here
You need to be with somebody else
I can’t stop bleeding here
Can you suture my wounds?

(Biffy Clyro – Opposite)

Bermhoin wacht auf. Die ersten Sonnenstrahlen finden ihren Weg auf sein Gedicht. Er kann sich nicht erinnern, was er geträumt hat, er weiß nurnoch, dass es ihn tief bewegt hat. Am Vormittag bleibt er im Kontor, um sich auf seine diestägige Rolle als Orestas vorzubereiten. Doch es fällt ihm schwer. Er hat keine Erinnerungen mehr an sein Auftreten, seine Mimik, seine Gestik, seinen Tonfall. Selbst sein Gesicht sieht er nur noch unscharf…

Depesche an Professor Davidio Berlinghân

An: Professor Davidio Berlinghân, Zwölfgöttliche und Kaiserlich-Bosparanische Hohe Schule der Wissenschaften und Lehren der zwölfgöttlichen Lande, Nandus-Schule, Fakultät der Sprachwissenschaft, Institut der Geschichtswissenschaften, Abteilung der Nördlichen Landen, Methumis

 

Sehr geehrter Herr Professor Berlinghân,

 

im Jahre 1025 BF schrieb ich bei ihnen einmal eine Commentatio über sagenhafte Orte in den Regionen Andergast’s und Nostria’s. Die zahlreichen Disputationes mit ihnen und Seiner Hochwürden Alexandrian Bergamotte über die Possibilitas einer Lokalisierung des Perlmutt-Tempels im Thuransee sind mir noch in allerbester Memoratio.

Nun ergab sich vor wenigen Tagen eine andere gar famose Superoccupara. Tief in den Wäldern Nostrias stieß ich auf die Reliqiae der Stadt Thunata. Sie können sich vorstellen, welche Agitatio mich ergriff. Beiligend zu diesem Scriptium, in dem ich ihnen einen Consummatio über meine Agnitiones gebe, liegt eine von mir angefertigte Pictura, die ihnen einen schnellen Überblick verschaffen soll. Ich kann mir vorstellen, dass sie meine Versiones schwer glaubhaft empfinden werden, doch habe ich Apodixis und Testis. Doch nun zu meinen Agnities:

 

Die Legenden über Thunata mögen erst mit ihrem Untergang um 850 BF beginnen, doch der Grund beginnt schon gegen 623 BF. Zu dieser Zeit hat ein Elfen-Vampier den Posten des Hohepriesters der Göttin Travia an sich gerissen. Wie meine Funde zeigen auf geheime Weise und nicht öffentlich. Ein verwirrender Gedanke, dass niemand in der Stadt in den folgenden 200 Götterläufen etwas davon mitbekommen haben soll. Zu irgendeinem Zeitpunkt in diese Spanne – ich vermute jedoch erst ab ungefähr 830 BF – begann man unter dem Tempel der Großen Mutter, wo sich ein geheimes Höhlensystem befindet, entführte Elfen zu opfern, vermutlich als Nahrungsquelle des Vampiers. Zu diesem Zeitpunkt muss schon die uns bekannte Magierin Regina sich in Thunata niedergelassen haben. Die oben erwähnte Pictura ist von ihrem Turm aus angefertigt worden, daher ist dieser nicht auf der Skizze verzeichnet. In den Jahren um 850 BF muss der Herrin Travia das dämonische Handeln in ihrem Haus zu viel geworden sein.

Die folgenden Ereignisse sind mir leider nur unzulänglich bekannt und sind nur rekonstruiert.

Die Große Mutter scheint ein Raum-Portal geöffnet zu haben, eventuell sogar ein Zeit-Portal. Aus diesem, im Travia-Tempel befindlich, strömten ihr ergebene Krieger, eines mir unbekannten Volkes. Der ganze Stamm scheint den Kriegern gefolgt zu sein. Diese töteten die gesamte Bevölkerung, mit Ausnahme der unschuldigen Regina, die Forschungen über den Stamm anstellte. Im Folgenden möchte ich, der Magierin folgend, diesen als “Neanderthaler” bezeichnen. Die Neanderthaler scheinen eine Kreuzung aus humanoiden Wesen – Menschen gar – und Affen zu sein. Seltsamer Weise sprechen sie eine Abart des Orkischen, ohne physonomisch mit diesen sich zu ähneln. Es ist an dieser Stelle dringend zu erwähnen, dass die Neanderthaler kulturschaffend sind! Die Magierin meint in ihnen eine Art “Vormensch” zu sehen, eine Hypothese, die ich nicht so unterstützen möchte, da sie der Götterlehre widerspricht. Trotzdem verdient es dieses Volk näher untersucht zu werden. In den etwa 180 Götterläufen seit ihrem Erscheinen scheinen sich die Neanderthaler nicht wirklich weiterentwickelt zu haben. Sie besitzen jedoch eine große Gottesfürchtigkeit – sie kennen alle 12 Götter – vor allem der Großen Mutter gegenüber. Sie sind ein grundsätzlich friedliches Volk, das in einer matrilinearen Hierachie zu leben scheint.

Sollten sie und ihre Abteilung an einer Näheren Erforschung interessiert sein, so bitte ich sie mir eine Antwort zukommen zu lassen. Da ich mich weiterhin in den andergast-nostrischen Wäldern aufhalte sollten sie diese Antwort an Admiral Rateral XIII Sanin zu Havena zukommen lassen, er kennt am ehestens meine Aufenthaltsorte.

 

Ich verbleibe mit ergebenen Grüßen

Ihr Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Absolvent der Tsa-Schule zur Universität zu Methumis, Edler des Albernischen Königshofes

Briefwechsel mit Aedha Ni Llud Ui Niamad

Seid gegrüßt Mutter,

 

leider erst heute merke ich, dass zu viele Tage vergangen sind, seid dem ihr das letzte Mal von mir hörtet. Wobei ich nicht weiß, wie viel ihr über mich durch andere Quellen erfahren habt, allen voran durch Onkel Thernonlli. Die Worte die gesprochen wurden bei unserer letzten Zusammenkunft, sie schmerzen noch immer, doch heute, da schmerzt es mich mehr, dass ich euch, geliebte Mutter, mit strafte durch mein langes Schweigen. Ich weiß, dass das Leben, das zu führen ich mich entschloss, meinem Vater nie wirklich zusagte und dass vorallem nach dem Tod seines geliebten Sohnes, meinem Bruder, er mich gerne als Soldaten sähe, aber der bin ich nicht. Oder vielleicht doch? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr erfahren haben werdet, dass ich vor einiger Zeit Havena gen Firun verlassen habe. Seid ich Albernia verließ, kreuzte vieles meinen Weg. Einige Menschen lernte ich sehr zu schätzen, andere weniger. Und ich vermute, ich hoffe gar, wenn mein Vater wüsste, wie viel Blut an meinen Händen klebt und wie vielen Menschen, Freunden, ich das Leben rettete und auch, wie oft ich mich schon in Boron’s Hallen wähnte, er würde anders über mich denken. Doch all das, das nicht in einen einfachen Brief passt, ist nicht der Grund für diesen.

 

Ich habe vor zwei Tagen einen Menschen verloren, den ich geliebt hatte wie zuvor noch niemanden. Orestas war sein Name und er war oberflächlich gesehen mein Leibmagier, doch schon bei unserem ersten Zusammentreffen im herrschaftlichen Hause des Admirals Sanin spürten wir beide Rahjas Atem in unseren Herzen. Er ist nicht mehr bei mir, gestern ließen wir ihn sich an den Tisch der Großen Mutter sich setzen. Doch nicht nur einmal, nein gleich zweimal straften mich die Götter mit seinem Tod, die genauen Umstände erspare ich dir. Doch wichtig scheint mir für dein Wissen, dass ich bei seinem ersten Tod bereit war mein Leben für das seine zu geben – erfolglos, wie du siehst.

Desweiteren möchte ich dich, und auch die Familie, darüber in Kenntnis setzen, dass ich für mich den Traviabund eingegangen bin – einer der beiden guldenen Ringe steckt an meinem Finger, der zweite in seinem Grab. Nein, kein Priester segnete diesen Bund und auch mein Gatte – gewöhn dich bitte an diese Formulierung – wusste vor seinem Tod nichts von seinem Glück, denn die Ringe fand ich in seinem Nachlass. Mir ist bewusst, dass ihr den Bund nicht akzeptieren werdet. Dies müsst ihr auch nicht.

Ich weiß nicht, wann und ob wir uns wiedersehen werden Mutter. Zu viele Möglichkeiten gingen mir in den letzten zwei Tagen durch den Kopf. Ich weiß noch nicht, ob ich weitermache wie bisher, ob ich versuche in einem Tempel der Jungen Göttin die Weihe zu erlangen, ob ich zurück nach Methumis gehe oder ewig durch die Wildnis streifen möchte, sollte ich mich entscheiden, ich werde euch informieren.

Bis dahin gehabt euch wohl geliebte Mutter.

Bermhoin

 

Noch nicht abgesendet – voraussichtlich aus Winhall | geschrieben am 11. Firun 1029 BF auf Reisen in Nostria  | Empfänger: Aedha Ni Llud Ui Niamad | Empfangsort: Burg Abagund/Albernia | Entfernung: ca. ??? Meilen | Versandart: ??? | Geschätzte Sendedauer: ca. ??? Tage | Geschätztes Empfangdatum: ??? 1029 BF

Lied über den Unabhänigkeitskampf Albernias

Dieses albernische Lied muss nach 1032 BF geschrieben worden sein. Der Autor ist unbekannt, es wird die Zukunft zeigen, ob es aus der Feder Bermhoins stammen kann.

(Es basiert auf der Melodie von „Scarborough Fair“, zumindest ungefähr^^)

 

Als wir kämpft’n für Albernia,

Nur die Freiheit unser Ziel war.

All die Zwölfe, sie waren uns hold,

Denn nur die Ehr, die war uns Sold.

 

Als wir stritten für Albernia,

Unsrer Kön’gin wir treu ergeb’n war’n.

All die Burgen und Heere war’n stark,

Sie war’n bereit für den ersten Tag.

 

Als wir fielen für Albernia,

Nur die List Waff‘ des Kaisers war.

All die Schlachten, wir schlug’n sie ehrhaft,

Doch uns Feind hatte nicht dies‘ Kraft.

 

Als wir starben für Albernia,

Unsre Toten bei der Leuin war’n.

All die Opfer, die wir hab’n gebracht,

werden uns bring’n von Nachfahr’n Acht.

 

(langsamer und mit gedämpfter Stimme)

Als wir siegten für Albernia,

Nur die Ehr noch unser Feind war.

All wofür wir kämpften und starben,

Sollt weithin in Kaisers Schoß darb’n.

 

(Die Melodie nur noch gesummt)

Depesche des Bermhoin G. R. Ui Niamad

An: Professor Markandre ter Steegan, Zwölfgöttliche und Kaiserlich-Bosparanische Hohe Schule der Wissenschaften und Lehren der zwölfgöttlichen Lande, Firun-Schule, Fakultät der Zoologie, Institut der Seltsamen und Ungeheuerlichen, Methumis

 

 

Sehr geehrter Herr Professor ter Steegan,

 

im Folgenden möchte ich ihnen von einer Begebenheit schreiben, die gar abenteuerlich klingt. Seid gewiss, das war sie auch, jedoch auch vollkommen wahr.

Es ergab sich, dass ich als Teil einer Gruppe durch den Thuranaforst in Andergast reiste. Hierbei trafen wir auf einen Waldschrat – im folgenden Borkenholm genannt. Wenn ich mich nicht täusche sind diese der Wissenschaft gut bekannt, sodass ich mich nicht weiter hierzu äußere, außer zu dem Fakt, dass Borkenholm mehrere „Freundschaften“ zu pflegen schien. Einmal zu weiteren Waldschraten, andererseits, und an diesem Punkt beginnen meine eigentlichen Ausführungen, zu einer Quellennymphe.

Diese schien Hilfe zu benötigen, zumindest forderte Borkenholm unsere Hilfe als Preis für die Durchquerung seines Waldes. Unter seiner Führung erreichten wir einen Weiler, der von einem Wasserfall gespeist wurde. In diesem schwamm die erwähnte Nymphe, welche von Borkenholm „Aquarella“ genannt wurde. Sie schien verängstigt, zumindest erreichte mich und meine Begleiter jeweils eine starke Welle dieses Gefühls. Wie es sich für einen Forscher geziemt näherte ich mich dem Wasser. Da ich wusste, dass Feen nicht der Sprache mächtig sind, versuchte ich über Gedanken mit ihr zu kommunizieren. Ein Versuch der leider nur mäßig klappte. An dieser Stelle wechselte ich zum Beobachter. Eine Dame aus meiner Begleitgruppe, Mara mit Namen, versuchte nun ebenfalls Kontakt zur Nymphe aufzunehmen. Sie hatte deutlich mehr Erfolg dabei. Später erklärte sie mir, dass sie sich der Bildsprache bediente. Wollte sie die Nymphe beruhigen dachte die an einen Tümpel mit spiegelglatter Oberfläche etc.

Das erstaunliche dabei ist, dass die Nymphe nicht ebenso „antwortete“, sondern wiederholt über Gefühlswellen… Sie ließ uns ihre Gefühle wahrnehmen. Ein etwas verwirrender Vorgang, wenn man nebenbei gegen wildgewordene Mindergeister kämpfen muss, doch das ist eine andere Geschichte. Als wir schließlich ihren Weier von dem Mindergeist befreit haben bedankte sie sich, zu erst mit einem Wangenkuss für Mara, danach durch einen bezaubernden Gesang in einer fremden mir nicht geläufigen Sprache, der uns alle erstarren ließ.

In diesem Zusammenhang kam sie etwas aus dem Wasser heraus, so dass ihre Erscheinung sichtbar wurde. Sie war weiblicher Natur, hatte jedoch schuppige Haut, seetanggrünes Haar, und Flossenhände. Beine konnte ich leider keine erkennen, jedoch auch keine Schwanzflosse, sodass ich in dieser Frage nicht weiterhelfen kann.

 

Das erstaunlichste folgte jedoch noch: In meiner Gruppe befindet sich ein Magier. Die Nymphe bot an den Mindergeist, den wir gefangen hatten in den Stab zu binden. Den Vorgang konnten wir nicht verfolgen, jedoch die Folgen sehen. Der Mindergeist war ein Wasserwesen und so illuminierte der Stab blau während des Verschmelzung, in der Folge glänzte er dauerhaft feucht, ohne es zu sein. Statt der „ewigen Flamme“ konnte der Stab nun wässrige Tentakel hervorbringen, deren Nutzen uns bis jetzt unbekannt blieb. Bedauerlicher Weise war dieser Effekt am nächsten Tag verschwunden. Die Frage, ob dies normal ist, vom Kampf herrührte oder vom Magiegebrauch konnte nicht geklärt werden.

 

An diesem Punkt enden meine Ausführungen. Ich hoffe ihnen in ihren Forschungen weitergeholfen haben und erbitte ein persönliches Treffen sobald ich wieder einmal an der Hohen Schule weile. Eine etwaige Antwort senden sie bitte an den Königlichen Palast zu Havena.

 

Ihr ergebener Bermhoin Guileagh Rwadh Ui Niamad, Absolvent der Tsa-Schule zur Universität zu Methumis, Edler des Albernischen Königshofes