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Dokos-Eintrag vom 01. Phex 1012 BF

-Was bisher geschah-

Ich lebe noch! Wir leben sogar alle noch! Mehr oder weniger heile. Unser Haufen ruht sich gerade für die Nacht aus. Wir wurden von Oberst Ira von Seewiesen instruiert, heute Nacht auf des Feindes Seite Patrouille zu laufen. Ich bete zu den Göttern, dass es keine Zwischenfälle gibt und wir problemlos und unbeschadet zurückkehren werden. Sollte es nicht der Fall sein bleiben meine letzten Einträge von gestern bezüglich meines letzten Willens gültig. Wobei ich hinzufügen möchte, dass der Finder und Leser dieses Buches so freundlich sein soll und es der Rekrutin Sylvia zu geben hat. Sie begleitet uns heute Nacht nicht und überlebt diese daher sicher. Wenn du das hier liest meine Geliebte: Geh zu meiner Familie, zeig ihnen dies hier und sie werden dich aufnehmen und dir ein gutes Leben fernab der unseeligen Gassen und Gossen Gareth’s bescheren. Trage unsere Gefühle in deinem Leben fort, wer weiß was du von mir noch so in dir trägst.

Die Schlacht selber heute begann für mich mit dem größtmöglichen Schrecken, als ein orkischer Pfeil in Sylvias Hals drang. Als sie in das Lazarett gebracht wurde breitete sich in mir eine gewisse Ruhe aus, denn ihr Überleben war gesichert – das, was mir heute am wichtigsten war. Und während ich das hier schreibe sitze ich an ihrem Lager im Lazarett und beobachte ihre ruhige Atmung im Schlaf. Der Frieden, der von ihr ausgeht, lässt mich Stärke finden für die Aufgaben, die da kommen mögen.

Doch zurück zur Schlacht. Als die Pfeile aufhörten zu regnen – anders als mein Herr, der sich mit der Leuin uns anschloss – stürmten die Schwarzpelze auf uns zu. Ich bat die Götter um die Gnade der Schmerzlosigkeit, mein Herr und sein grimmiger Bruder gewährten sie mir wie ich später spürte, oder eben nicht. Der Angriff konnte problemlos abgewehrt werden, allerdings fiel Oberst von Brück – soviel dazu, warum ich oben von der Oberst von Seewiesen schrieb. Mit ihm fiel unser Banner und die Trommler, unter ihnen Dero, gerieten in Gefahr. Wir stürmten ihnen zur Hilfe, der fähige Fähnrich vorweg. Besitzt er etwa doch ein Herz? Auch diese Orks fielen allesamt, genau wie die nächste Angriffswelle. Dabei muss ich die Ehrlichkeit besitzen und die außergewöhnlichen magischen Künste Lumins hervorheben. Auch wenn es mir widerstrebt sein Feuer zu loben, aber es tötete viele der Tierbarbaren.

Nach einer Weile durften wir uns zurückziehen und wurden von frischen Truppen ersetzt. Wir ließen unsere Wunden im Lazarett versorgen, ich erst nachdem ich meine Sylvia fand. Nur die beiden Angroschim hatten noch nicht genug und begaben sich auf Ogerjagd. Nicht unerfolgreich, wie sie berichteten. Aber nun will ich noch etwas ruhen. Für uns wird es eine kurze Nacht. Und wer weiß was der morgige Tag bringt.

Dokos-Einträge vom 29. und 30. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

29. Tsa

Nach einem gemütlichen Morgen treten wir auf dem Apellplatz an. Hauptfrau Ira von Seewiesen unterrichtet uns darüber, dass die Schlacht innerhalb der nächsten zwei tage beginnen wird. Bis dahin sollen wir uns ausruhen. Und es gibt mehr zu essen und zu trinken als sonst – Leichenschmaus. Aber zumindest kann uns der Fähnrich nicht mehr mit seinen Übungen nerven.

Sylvia entdeckte ein leeres Lager im Wald. Wir zogen uns dorthin zurück und genossen eine vielleicht letzte Zweisamkeit. Am Nachmittag gingen wir zur Taverne zurück und konnten dabei beobachten, wie die Orks ihr Lager errichten. Nicht nur ich bin der Meinung, man sollte einfach losstürmen und sie jetzt niedermachen. Aber nein, immer dieses rondrianische Gehabe mit Ehre im Kampf und so. Als ob sich die Orks darum scheren würden. Aber wenn die Heerführung das so will – soll sie sehen, was sie davon hat.

 

30. Tsa

Den ganzen Tag über herrschte eine angespannte Stimmung im Lager. Das warten auf die Schlacht ist schrecklich. Da hilft kein Suff und keine Ruhe. Nach nichtstuender Entspannung saßen wir ein vielleicht letztes Mal zusammen am Feuer. Wie sollte es anders sein war die kommende Schlacht das Hauptgesprächsthema, beziehungsweise das Danach. Der Fähnrich bot jedem an ein Testament aufzusetzen, aber keiner hat etwas, was es lohnt zu erwähnen. Auch ich habe ja keinen wirklichen Besitz und sollte ich fallen ist davon auszugehen, dass bei meinem Blut und meinem Stand alle notwendigen Benachrichtigungen von der Heeresleitung vorgenommen werden. Sollte es dann noch eine geben. Und wenn nicht ist es sowieso egal, dass wird die Welt im Chaos versinken, bis die Götter selber auf Sumus Leib niederkommen und unsere Rasse befreien. Ich hoffe die Alveranen sind uns morgen gnädig, obwohl hier im Lager keiner diese Nacht an das Fest der Erneuerung denkt. Auch mir steht nicht der Sinn danach.

Vielleicht ist dies der letzte Eintrag, den ich in meinem Dokos verfasse. Und ich komme nicht umhin mir Gedanken darüber zu machen, was das letzte Wort sein soll. Ob es sich überhaupt lohnt sich diese Gedanken zu machen. Ob es nach meinem Tod meiner Familie überbracht wird? Ich würde es wünschen, und falls dies hier jemand lesen sollte, so sein ihm gesagt:

Bring dieses Büchlein nach Tannwald zu meinem Bruder Baron Enda Ui Niamad. Es soll zu deinem Schaden nicht sein!

Und meiner Familie will ich sagen: Ich liebe euch! Doch nun schwimm ich mit den Delphinen und das ist auch gut so!

Welt, gehab dich wohl…

Nur noch einmal …

Tagebucheintrag zum 30. Tsa 1012

Nur noch einmal schlafen. Nur noch einmal Ruhe finden. Nur noch einmal … das Leben genießen – so gilt es zumindest für die anderen. Ich selbst brenne auf den morgigen Tag, denn die Schlacht ist nur noch wenige Stunden entfernt und mit ihr kommt die Erkenntnis. Erkenntnis über Sieg oder Niederlage, Erkenntnis über ein mysteriöses Schriftstück und Erkenntnis darüber, wer von den Göttern abberufen wurde und wer weiter zu kämpfen hat.

Wir werden im Morgengrauen aufstehen und uns kampfbereit machen, schon jetzt spürt man die Nervosität, die Furcht und die Wut, die in den Bäuchen und Köpfen der Männer und Frauen steckt. Die meisten ertränken diese Gefühle in Unmengen von Schmalbier und zahllosen Bechern verlängertem Liebfeldischen. Es ist wohl besser so, denn jeder, der klaren Verstandes wäre, würde jetzt lieber sein kostbarstes Hab und Gut hergeben, um woanders sein zu können, anstatt hier – auf den marschigen Landen der Silkwiesen, nur einen Bollenflug entfernt von einem Heer aus stinkenden Schwarzpelzen, die brennend und marodierend durch unsere kaiserlichen Landen ziehen.

Ich selbst habe mein Testament verfasst, beim Herrn Phex, ich habe wahrlich schon bessere geschrieben – du weißt es – und dies mieses Schriftstück soll nicht mein letztes gewesen sein. Die Schrift krakelig, die Form zum Haare raufen und das Pergament fleckig vom lästigen und nicht mehr aufhören wollenden Schweißtrieb der Hände, welcher mich seit Tagen begleitet. Gesetzt dem Fall mein Testament wird nicht gefunden, so soll der, wer dies Tagebuch findet und liest, wissen, dass ich einige Zeilen darin niederschrieb, dass derjenige, der es findet und an meinen Familiensitz in Dettenhofen überbringt, eine gute Belohnung erhält. Im Moment befindet es sich im Besitz von Gerion Hullheimer, dem persönlichen Buchhalter von Oberst Giesbert Graf von Bruck, dem Anführer des II. Garether Freiwilligenregiments. Mein Angebot, dass ich auch für die Rekruten meines Haufens ein Testament verfasse, wurde dankend abgelehnt. Entweder sind es alle törichte Narren, die glauben alles und jeden zu überleben, oder wahrlich mutige Recken, die denken, wenn man sich einmal mit seinem eigenen Tod befasst es der Herr Boron leichter hat seine Liste abzuarbeiten. Ich bleibe und sehe das Ganze lieber nüchtern, mit klarem und scharfen Verstand. Die meisten dieser Mannen besitzen nicht mehr als das blutbefleckte Gold in ihren Geldkatzen und haben somit auch nicht viel zu verlieren. Im Falle meiner Abberufung gilt es jedoch allerhand abzuwickeln und zu erledigen – immerhin steht und fällt mit mir ein ganzes Handelshaus.

Gestern erreichte mich über Dero, dem kleinen Jungen, von unbekannter Quelle ein nicht unterzeichnetes Schriftstück, welches mir zusicherte nach Greifenfurt geschickt zu werden – so ich diese Schlacht überleben sollte. Dem Federschwung nach zu urteilen ist der Führer des Gänsekiels ein Mann – was die KGIA Agentin Sartassa wohl ausschließt. Doch wer möchte mir in den letzten Stunden vor der Schlacht auf diese Weise Mut machen? Der Graf von Bruck vielleicht? Dieser könnte es mir jedoch selbst sagen, immerhin sehen wir uns fast jeden Abend. Möglicherweise Hauptmann Alrik vom Blautann und vom Berg? Unsere Blicke kreuzten sich gestern kurz, als ich auf dem Weg zum Regimentszelt war. Vielleicht mein Vetter, Prinz Parzalon? Seine Handschrift hätte ich jedoch erkannt – immerhin kenne ich die Schrift seines Lehrers sehr gut, Meister Gasparyn von Varnyth hätte ihm niemals ein derart geschnörkeltes „W“ beigebracht. Oder eventuell doch der Reichserzmarschall Helme Haffax? Doch welchen Grund sollte er haben ausgerechnet mir einen anonymen Brief zu schreiben? Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als bis nach der Schlacht zu warten. Auch wenn es wahrlich anderes gibt worüber ich mich derzeit den Kopf zerbrechen sollte, so verläuft ein Großteil meiner Gedankenkraft dahin, Licht in dies nebulöses Rätsel zu bringen, welches dieses kleine Schriftstück umgibt.

Wie immer schließe ich mein Tagebuch mit dem Gedanken und den Gebeten an Euch, meine geliebte Frau, meine teuerste Tochter und meine verehrte Frau Mutter. Mögen die Götter Euch weiterhin schützen, auf dass Ihr den Widrigkeiten standhaltet, so wie die Mauern Greifenfurts der Belagerung standhalten.

Dokos-Eintrag vom 28. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

Die letzten Tage verliefen unglaublich ereignislos. Tagein tagaus die gleiche Routine, die selben Menschen, die ähnlichen Gespräche. Das einzig Erfreuliche, das es zu vermelden gibt, ist, dass sich zwischen Sylvia und mir eine innige Beziehung aufgebaut hat. Und damit meine ich nicht nur, dass wir nun regelmäßig das Lager teilen. Ich mag sie wirklich und es sticht mir ins Herz wenn ich an die Möglichkeit denke, dass sie die folgende Schlacht nicht überleben sollte. Ich werde ein Auge auf sie haben und ihr beistehen wie ich nur kann. Mein Herr, du kennst die Liebe, die Donnernde zeigte es mir. Habt beide, die ihr den großen Wal erschaffen habt, ein Auge auf die meinige und möge Regen, Blitz und Donner all jene treffen, die ihr schaden wollen.

Wobei ich froh bin überhaupt diese Zeilen schreiben zu können. Ich hörte schon das Meeresrauschen und die Delphingesänge, wie sie mich im großen Meer willkommen hießen. Doch der Launenhafte hatte gute Laune und so sollte ich nun der Reihe nach alles aufschreiben. Wir wurden am heutigen Nachmittag endlich auf die Silkwiesen verlegt. Wobei ich bei unserer Positionierung nicht das beste Gefühl habe. Aber wir werden sehen. In einem Gespräch konnte ich der ehrenwerten Hauptfrau Ira von Seewiesen meinen hohen Wert vermitteln und unterbreitete ihr einige Ideen, die sie jedoch größtenteils ablehnte. Vielleicht ganz gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob deren Ausführung meine Fähigkeiten nicht ein bisschen überstiegen hätten. Mit anderen Worten, selbst eine Gruppe von Bewahrern von Wind und Wogen hätte an meinen Ideen scheitern können. Auf dem Rückweg zum Lager führte ich ein erhabenes Gespräch mit dem werten Herrn Magier. Er wird mir von Tag zu Tag sympathischer, auch wenn er weiterhin etwas mysteriös erscheint.

Am Lager hatte ich mal wieder, wie sollte es auch anders sein, einen Disput mit dem Herrn Fähnrich. Was soll ich dazu groß sagen, er gab einen Befehl, ich versprach ihn rechtzeitig auszuführen – er gab uns 5 Augenblicke Zeit dafür – und wollte mich kurz vom Lager entfernen. Ich hatte ja noch Zeit! Da fiel er mir wie von Dämonen besessen von hinten mit gezogenem Schwert in den Rücken und schlug auf mich ein. Ich wehrte mich natürlich dagegen, bis ich plötzlich und unerwartet zusammenbrach und eben oben erwähnte Willkommensmusik hörte. Doch ebenso plötzlich und ebenso unerwartet sah ich das Antlitz der Elfe Sartassa vor mir, wie sie mich heilte. In dem Moment war ich ihr dankbar, doch später erfuhr ich, dass sie es war, die mich mittels eines Zaubers niederstreckte. Warum sie mich daraufhin wiederbelebte und was dazwischen geschah weiß ich nicht. Bisher habe ich nicht gefragt und ich weiß nicht, ob ich es überhaupt tun werde. Wir erklärten ihr unseren Disput und mit einer unelfischen Diplomatie gab sie uns beiden Recht und beendete den Streit fürs erste.

Während der Fähnrich also seine blöden Übungen machte hatte ich frei und begab mich in die Arme meines Vaters, um mich von allen Wunden zu heilen. Daraufhin wartete ich am Lager auf den Rest. Der Zwerg und Lumin waren mit Abstand als erste wieder da und wir führten ein herrlich lästerliches Gespräch über den Fähnrich. Aber man muss ja aufpassen, dass kein Wort in die falschen Ohren gerät. Als der Fähnrich zurückkehrte verlangte er – oh Wunder – ein Vier-Augen-Gespräch mit mir. Ich erwartete eine weitere Eskalation seinerseits, doch ich täuschte mich. Er war sehr versöhnlich und wir führten ein offenes Gespräch, in dem wir uns mehr oder weniger vertrugen. Wenn ich sage es war ein offenes Gespräch, so lüge ich zum Teil, denn der Fähnrich ist weiterhin sehr verschlossen. Seine Andeutungen lassen aber vermuten, dass er füchsischer ist, als anfangs gedacht. Vielleicht ist ein gar ein echter Fuchs? Zuzutrauen ist es ihm. Ich werde ein Auge auf ihn haben. Da ich aber nicht blind durch die Welt laufen will bekommt er meine Aufmerksamkeit nur, wenn ich sie entbehren kann.

Am Abend wurden wir eine lustige Runde am Feuer und klärten Lumin und den Moha über die Götter weiter auf. Heute waren Travia, Rahja und Levthan an der Reihe und ihre Standpunkte zur Liebe. Da ich mich damit bekanntlich gut auskenne durfte ich die Erklärungen führen. Später merkten wir, dass Dero uns belauschte und es entbrannte ein Streit darum, ob Dero nun ein Mann sei, der davon hören darf, oder noch ein Knabe, dem solch schöne Dinge vorenthalten bleiben sollen. Wir einigten uns darauf, dass er als Mann gilt, sollte er die Schlacht irgendwie überleben. Hoffen wir für ihn das beste.

Dokos-Eintrag vom 22. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Meine Messe war grandios! Alle waren sprachlos! Und mein Vater ergoss sich über uns! Selbst der Fähnrich sah schließlich ein, dass ich größer bin als er und über ihm stehe! Selbst den Magier konnte ich so sehr begeistern, dass er Aureliani lernen wollte. Allerdings musste ich das ablehnen. Genauso wie sein plötzliches Ansinnen ein Geweihter des Alten zu werden. Welch befremdliche Gedanken dieser komische Mann hegt. Ein mit Feuer um sich werfender Magier will ein Geweihter des feuerverabscheunden Wassergottes werden. Mit der Geschichte habe ich in Havena die Lacher meiner Brüder auf meiner Seite!

Am Abend wurde die Ödheit des Seins des Militärs zumindest für unseren Haufen aufgelockert. Das mit dem Haufen stimmt jetzt endgültig im wahrsten Sinne des Wortes. Der letzte Rekrut kam an. Ich habe eher das Gefühl, dass die Heerführung hier ein Kuriositätenkabinett aufbauen will, als ein schlagkräftiges Heer. Wir nennen jetzt einen Moha unseren Bruder. Hesinde sei Dank spricht er wenigstens unsere Sprache. Recht gut sogar. Es wurden einige ganz interessante Gespräche mit und über ihn geführt, als er eine große Pfeife herumreichte. Da ich erstens Rauschkraut bei dem Wilden vermutete und zweitens es BRANNTE lehnte ich dankbar ab. Langsam beängstigt mich meine Ruhe, die ich bisweilen an den Tag lege. Der kleine Dero besaß die Dreistigkeit einen tiefen Zug zu nehmen. An den Reaktionen der anderen vom Rauchen erkannte ich, dass meine Vermutungen wahr waren. Also schickte ich Dero in das Zelt schlafen, wissend, dass er sonst den morgigen Tag nicht ordentlich bestehen können würde.

Aber ein Positives hatte dieses Rauschkraut. Meine liebe Sylvia legte endlich ihre übertriebene Schüchternheit ab. Wir machten einen gemütlichen Spaziergang wiedereinmal an den Balustraden des Hippodroms, bis sie dann in einer abgelegenden Ecke sich mir hingab. Hach tat es gut! Und ich muss sagen, ich mag sie wirklich. Und wenn man sich beim Beischlaf auch noch mag, dann macht es mehr Spaß und ist damit auch besser. Wobei ich immer gut darin bin! Mal sehen, was sich mittelfristig zwischen uns entwickelt.

Feuertaufe

Tagebucheintrag zum 22. Tsa 1012

Trotz des kühlen Wetters hängt der Geruch von Tod in der Luft. Im Eingang unseres Zeltes ist die Blutlache des Mannes, der uns angegriffen hat, inzwischen eingesickert. Doch ist sie ein Mahnmal für das, wozu der Feind in der Lage ist. Wer hätte je gedacht, dass dieses unzivilisierte und stinkende Pack von Schwarzpelzen zu so etwas in der Lage sein wird. Diese Götzen anbetenden Tiere schrecken vor nichts zurück!

Noch wissen wir nicht wie, doch es ist ihnen gelungen fünfzig Mann aus unseren eigenen Reihen zu beherrschen und gegen unsere eigenen Mannen aufzuwiegeln. Doch der Herr der Nacht wachte über uns und hat uns rechtzeitig aufwachen lassen, ehe sie zu viel Schaden anrichten konnten. Dank des beherzten Eingreifens des Magiers, dessen Fähigkeiten uns noch sehr nützlich sein werden, und des Efferdgeweihten ist es uns gelungen zumindest unseren Haufen vor Schlimmeren zu bewahren. Während wir am Tage im Tavernenzelt die unterschiedlichsten Neigungen und Vorlieben hatten, so waren wir unter deinem Mantel, himmlische Schwester, eins – verstanden uns blind und zogen an einem Strang. Ich danke der Leuin und dem Fuchse dafür, dass sie mir sowohl Mut als auch Gelegenheit gaben in dieser nächtlichen Stunde meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Was der Feind noch nicht weiß – und hoffentlich auch nie erfahren wird – ist, dass wir dadurch zu mehr Einheit gelangt sind. Die Schamanen der Schwarzpelze haben uns somit die Feuertaufe vorweg genommen. Spätestens seit dieser Nacht ist jedem der Ernst der Lage bewusst und jeder wird mit mehr Vorsicht in die Schlacht gehen, wissend darum, wozu der Feind in der Lage ist. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass er uns damit einen Gefallen getan hat, aber genau dem ist so.

Ich bin schon gespannt auf die Rede, die Bruder Delphinion am nächsten Tag halten soll. Oberst Sartassa ließ noch am gleichen Abend verkünden, dass er eine Motivationsrede halten solle. Es wird sich also zeigen, ob unser hübscher Jüngling aus Albernia mehr Schein oder Sein ist. Außerdem kann ich, fals er sich gut anstellt, dann das Reden halten jemandem anderen überlassen.

Dokos-Eintrag vom 21. Tsa 1012 BF

-was bisher geschah-

Nach dem Morgenapell wollte der werte Herr Fähnrich noch mit mir, dem Magier Lumin und Armando kämpfen üben. Warum auch immer. Eins muss man ihm lassen: Er ist zwar nicht impulsiv, aber unergründlich. Fast beginne ich ihn zu mögen. Ich sollte wirklich noch etwas üben, bevor es in die Schlacht geht. Gegen Armando habe ich zwar „gewonnen“, gegen den Fähnrich selber jedoch nicht. Und ich kann schwer sagen, wie gut diese Orks kämpfen können.

Die Teilnahme an der Heerschau war recht langweilig. Im Gleichschritt marschieren, vor dem Prinzen schreien und schon waren wir fertig. Da wir immernoch nicht das Hippodrom verlassen durften habe ich mir den Rest des Heerzuges – der erst aufbrach, als wir schon lange fertig waren – von einer gemütlichen Stelle aus mit Sylvia angeschaut. Der Magier war auch dabei, aber er störte kaum. Meine Begierde nach ihr wird immer größer. Ich hoffe auf die Verlegung auf die Silkwiesen. Dort muss ich sie einfach verführt bekommen.

Der Rest des Tages verlief dann ganz ruhig, aber in der Nacht brach das Chaos über uns herein. Mitten in der Nacht – ob es schon am nächsten Tag war? – wurden wir alle von einem lauten „Alarm“-Ruf geweckt. Kaum die Augen aufgeschlagen, wird die Tür unseres Zeltes aufgerissen und ein Soldat mit rot-glühenden Augen steht in ihr. Der Magier zauberte irgendwas, der Fähnrich griff an und mein Dreizack bohrte sich in die Kehle des Aggressors und streckte ihn nieder. Ich bin aber auch gut! Wir sammelten uns vor dem Zelt und da dort kein weiterer Wasauchimmer zu sehen war, liefen wir – zugegeben vom Fähnrich angeführt – zum Zelt der Heerführung, wo die Elfe, die Baronin und der Graf sich gegen fünf Angreifer wehrten. Wieder zauberte der Magier etwas, diesmal eine Flutwelle an Licht – ist ja nicht direkt Feuer, also finde ich das einfach mal in Ordnung – und die Angreifer waren geblendet und wurden niedergekämpft. Diesmal war mir mein Wurf misslungen. Bei der Ente des Charyptoroth! Als auch die letzten Aggressoren getötet waren – es waren deren nicht viele – versammelten sich alle auf dem Apellplatz. Die Baronin hielt eine kurze Ansprache und übergab dann das Wort an die Elfe Sartassa. Tja, mich beklemmt es jetzt schon, dass sie sich als Mitglied des kaiserlichen Geheimdienstes zu erkennen gegeben hat. Zum Schluss trug sie mir auf beim Morgengrauen eine Andacht zu halten. Um die Leichen kümmert sich wohl der Borontempel, aber ich soll mich um die Hinterbliebenen kümmern. So sitze ich hier nun auf den Rängen des Hippodroms und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich das am besten mache. Ja ich weiß, einfach impulsiv sein. Aber es ist meine erste eigene Messe! Da muss ich doch vorbereitet sein! Ich werde hier wohl noch eine Weile sitzen…

Dokos-Eintrag vom 20. Tsa 1012 BF

-was vorher geschah-

 

Militärischer Alltag ist langweilig. Früh aufstehen, schrecklich frühstücken und dann auf einmal ganz plötzlich irgendwo antreten. Heute erklärte uns der Korporal, dass wir zu morgen uns und unsere Sachen – vor Allem Rüstung – putzen sollen. Es wird eine Heerschau zu Ehren Prinz Brin und zum Vergnügen der Bevölkerung geben. Vergnügen kurz vor der Entscheidungsschlacht für jene, die zu feige sind zum Kämpfen, durch jene, die zu mutig sein wollen. Ironie der Götter! Ich hab dem Herrn sei Dank wenig zu tun, immerhin trag ich keine Rüstung und mein Gewand ist perfekt, so wie es ist.

Der Zwerg Argobrax hat wohl in der Nacht den Übungsplatz umgegraben. Der Korporal fand das wohl nicht sehr gut, aber er hat sich das kaum anmerken lassen. Unsympathische militärische Eigenschaft! Während des – furchtbaren – Mittagmahls gesellte sich ein ziemlich komischer Magier zu uns. Magier sind ja grundsätzlich komisch und mir suspekt, aber er schien es noch in besonderem Maße zu sein. So garnicht arrogant, man musste ihm jede Information aus der Nase ziehen. Er ist ein Halbelf, wenn ich es richtig verstanden habe aus dem Bornland. Allerdings kommt er aus einer Drachenstadt, was der Zwerg weniger toll fand. Was ist weniger toll fand war seine Magie: Wofür wollen mich die Götter strafen, dass ich nun mit einem FEUER-Magier auskommen muss? FEUER! Also wirklich! In den darauffolgenden Diskussionen habe ich mich ein bisschen gehen lassen und die Zwerge beleidigt. Aber warum beten die auch einen falschen Gott an? Kann ich doch nichts dafür! Ich habe mich später einfach mal bei Argobrax entschuldigt, mehr oder weniger. Ich mag meinen Kopf dann doch zu sehr, als ihn mir von einem Kleinwüchsigen spalten zu lassen.

Der Nachmittag war mal wieder vergeudete Zeit. Wir übten das Marschieren. Ein solcher Haufen soll im Gleichschritt laufen und Schreien? Das ist wie Gwen Pertyl vor die Ratten werfen! Danach hatten wir wenigstens den Rest des Tages frei. Während die anderen ihre Kettenhemden durch den Dreck zogen – Sollten sie sie nicht reinigen? – schickte ich den kleinen Dero los, um mir einen Badezuber zu organisieren. Es ist immer wieder faszinierend, aber kurze Zeit später kam er zurück und hatte die Aufgabe erledigt. Er besitzt scheinbar beeindruckende Fähigkeiten. Ich nahm selbstverständlich Sylvia mit, eine bessere Möglichkeit den Anblick ihres Körpers zu genießen kann es – fast – garnicht geben. Es hätte sicher auch sehr romantisch werden können – hätte der Zuber nicht im Bordell gestanden. Wenigstens gab es ein Separé, sodass wir zumindest ein paar Zärtlichkeiten austauschen konnten. Alles schön und gut, aber langsam fängt mein Körper an sich wie ein gestauter Fluss anzufühlen, und dann muss bekannter Weise Wasser abgelassen werden. Naja, wenn Sylvia sich weiter so hat, weiß ich ja wo das Bordell steht.

Gegen Abend gab es dann wieder ein gemütliches Zusammensitzen in der Taverne – zumindest anfangs. Der Magier scheint doch ganz interessant zu sein. Er hat keine Ahnung von der Welt! Es scheint eine sehr komische Stadt zu sein, aus der er da kommt. Heute lernte ich zum ersten Mal die Elfe Sartassa genauer kennen. Faszinierende Frau! Es stimmt schon, was man sich so erzählt, sie sind sehr schön anzusehen. Aber zu alt! Sie hat etwas von Jahrhunderten gesagt, ich wollte es lieber nicht genauer wissen. Allerdings, wenn ich überlege wie es wäre hunderte Jahre lang so jung und frisch zu sein. Ganz neue Möglichkeiten ergäben sich einem!

Zum Abschluss des Abends hatte ich noch einen Streit mit dem Herrn Fähnrich. Ich bin ihm wohl ins Wort gefallen. Oh wie schlimm! Was redet er auch nur langweiliges Zeug? Zum Schluss hab ich ihn das Machtspielchen gewinnen lassen, ohne meine Ehre zu verlieren. Er schlug mich sogar, deutete aber an, dass er mir damit Ehre erweisen wollte. Als ob ich jeden einfach so schlagen würde. Naja, geplante Impulsivität ist auch irgendwie Impulsivität. Wobei ich mir natürlich einen frechen Kommentar nicht verkneifen konnte. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir uns ganz gut verstehen. Er legt halt nur zu viel Wert auf dieses scheußliche militärisch-adelige Gehabe.

Abseits von Phexens Wegen?

Tagebucheintrag zum 20. Tsa. 1012

Ein altes Svelttaler Sprichwort besagt: Weht ein Wind über Wasser, so bilden sich Wellen. Ich war es in meinem Leben bisher gewohnt Wellen zu schlagen, doch war das Terrain ein anderes. Zinsverhandlungen, Warenwertschätzungen und Preisprüfungen waren meine Schlachtfelder auf denen ich sicher und routiniert wanderte. Doch nun ist das Feld ein anderes, ich habe den warmen, pelzbesetzen Kaufmannsmantel gegen einen kalten und einfachen Wappenrock getauscht. Ich bin Fähnrich des. 4. Haufens, des 3. Banners des II. Freiwilligenregiments seiner Königlichen Hoheit Brin von Gareth. Herr Phex, ist das der Weg den du für mich vorgesehen hast? Willst du mich prüfen, mich versuchen – oder gar neue Gelegenheiten aufzeigen? Ich zweifle nicht an dir und nehme es als Aufgabe an, doch bleibe ich dir treu.

Tintenfass und Gänsekiel gegen Schwert und Wappenrock zu tauschen war einfach, und es ist Teil meines Bühnenspiels, wie es wohl einst am Garether Fuchsbau aufgeführt werden wird. Das Kettenhemd ist kalt – es drückt, zwickt und lastet schwer auf meinen Schultern – doch darf ich mir nichts anmerken lassen. Ich bin jetzt Offizier des Militärs, und es ist meine Aufgabe nicht nur Vorbild für den Haufen, sondern auch ein leuchtender Anführer zu sein – und das, bei Rondra, werde ich sein, so wahr mir die Herrin Leuin beisteht, ich werde auch dich nicht enttäuschen, göttliche Schwester. Wenn es irgendwann so weit ist, dass du mich prüfen wirst, dann wirst du sehen, dass auch in mir noch ein Feuer brennt das heiß genug ist um den einen oder anderen Schwarzpelz zu versengen. Allerdings gerade du wirst verstehen, wie wichtig es ist Treu zu sein, weshalb ich den Werte deines Bruders weiterhin hoch halten werde.

Die erste Gelegenheit bot sich mir, als ich mich ins Zelt des Regimentführers vorargumentierte. Graf von Brück ist ein erfahrener Krieger und Mann der schon viele Sommer gesehen hat, er wird von mir eine angemessene Zuwendung bekommen – ich habe über die Götterläufe gelernt wie man die unterschiedlichsten alten Männer gütig stimmt, bei Satinavs Ketten, dabei bin ich selber fast einer! Die Bücher des Regiments zu führen, wird mich vielleicht in die Position spülen, einst die Truppen in die Richtung lenken zu können, die zur Rettung meiner drei Frauen notwendig sind: Nach Greifenfurt.

Die nächsten Tage steht die Ausbildung an. Korporal Zoltan scheint mir ein fähiger Kämpfer zu sein, er wird sich zusammen mit den zwei Angroschos schon um die Ausbildung kümmern, ein wahrlich kunterbunter Haufen, Tsa würde ihre Freude an ihm haben. Mein Fokus liegt auf der Elfe Sartassa, Mitglied der KGIA. Sie scheint auch ein gewisses Interesse an mir zu haben, hüllt ihre Motive jedoch in den Nebel der Ungewissheit. Warum wohl hat sie mir diese Vision zukommen lassen? Meine Fragen beantwortete sie mit kryptischen und nebulösen Worten – Elfengeschwätz oder geheimdienstlerischer Umgangston? Ich werde dran bleiben, denn steter Tropfen höhlt den Stein. Morgen geht es weiter, ich werde mich früh ins Lager legen, denn ich werde viel Puste brauchen um im Kettenhemd Wellen schlagen zu können.

Doch meine Gedanken sind bei euch – Gylvana, Yolande und Mutter, mögen die Götter euch behüten und die Widrigkeiten die euch widerfahren würden, auf mich übertragen