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Gedanken eines Wildnisreisenden

Später am Abend, als die Gruppe sich wieder in einem gemeinsamen Lager einfand, entfernte sich Ludevico unter einem Vorwand ein paar Schritte davon. Trotz seiner Bemühungen, sich in die Gruppe einzubringen, fühlte er sich doch ein wenig hilflos und verloren. Scheinbar war diese Umgebung nicht für ihn gemacht. Trotz des Versuchs, Karan etwas Wissen über das Überleben im Wald abzuringen, kam er sich vor, wie ein Fisch, der versuchte, einen Berg zu erklimmen. Bei dem Gedanken schaute er zum Lagerfeuer, auf dem Wendeline ein Süppchen zubereitete, während ihm der Magen knurrte.

Längerfristig musste er seinen Platz in der Gruppe zumindest für die Zeit im Wald neu definieren. Eigentlich war er gewohnt, mit anderem Material zu arbeiten. Er wollte niemandem zur Last fallen und das tat er gerade offensichtlich, so seine Meinung. Die Familie der Eichauers hatte schon immer sehr viel Wert darauf gelegt, die eigenen Wurzeln zu ehren, schließlich waren seine Vorfahren auch Holzfäller. Nein, er durfte sich nicht wegen ein paar Unwägbarkeiten geschlagen geben!

Und dann waren da noch diese Wölfe. Einem halbwegs intelligenten Schurken konnte er gewiss weißmachen, dass die Vereinbarung nicht sofort einzulösen war, sondern erst in einiger Zeit, da nichts vereinbart worden war, Doch diesen wilden Tieren? Es war sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis sie wiederkommen und ihren Tribut fordern würden. Und dieses mal würde er sich nicht rausreden können. Sie sollten auf einen neuen Angriff vorbereitet sein.

Er hatte Wendeline erzählt, dass er aus purer Ablenkung von seinen familienpolitischen Pflichten auf die Suche nach dieser Quelle mitgekommen ist; doch fragte er sich, ob nicht das Wasser dieser Quelle, vielleicht auch erst mit Lysandras Hilfe, ein Heilmittel für den Status seiner Mutter war. Denn so wenig er sie mochte, konnte er sie bei dieser Gelegenheit schlecht einfach ihrem Schicksal überlassen. Doch zunächst mussten sie diese Quelle einmal finden und lebend aus dem Wald herauskommen. Wer weiß, was sie noch erwartete. Der Oger hat gezeigt, dass die Gruppe, wenn sie gut zusammenarbeitet, durchaus in der Lage ist, sich gegen die hiesigen Lebewesen zu erwehren.Das ist das einzige, was sie behalten müssen. Denn vorbereiten kann man sich leider nicht, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. Bevor er noch weiter grübeln konnte, fasst ihn jemand auf die Schulter. „Ludevico, das Essen ist fertig“ sagte eine Frauenstimme. Als er sich umdrehte, nahm er eine lächelnde Wendeline wahr. „Natürlich“ sagte er lächelnd und begab sich mit ihr zu den anderen ans Lager.

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