Das Hexenfeuer lodert um den gigantischen Scheiterhaufen, der noch lange brennen soll. Die fröhlichen Hexen singen und tanzen in wilder Ektase drum herum. Selbst Delia ist nun mit dabei nachdem sie und Kalkarib ihren wertvollen Stab zerbrachen und dem Feuer übergaben.
Es scheint, dass sie der Schwesternschaft entsagt. Sie muss ihn wirklich sehr lieben. Obwohl … welche Veränderungen haben wir bei ihr hervorgerufen? Hat Nehazet nicht den Traumkalkarib dazu bewogen von seiner Abkehr abzusehen? Tragen letztlich wir die Schuld an ihrer schicksalshaften Entscheidung? Hoffentlich haben wir ihrem Geist keinen Schaden zugefügt. Ich selbst war in jener Welt langsam dabei den Verstand zu verlieren. Es war einfach zu verwirrend. Die Realität verblasste zusehends. Während Nehazet wie im Wahn alles seinem Willen unterwarf, stach ich Alwine, die Hausherrin des bäuerlichen Herrenhauses, gleich zwei Mal nieder. Ich war fest von einer Falle der Dämonin überzeugt. Sieghelm reagierte darauf übertrieben hysterisch. Im Nachhinein ein gutes Zeichen. Zumindest hatte er den Boden unter den Füßen noch nicht verloren. Der nächste Schock für ihn kam, als ich Kaiser Reto tötete, weil er Travia frevelte. Aber auch er stand kurz danach wieder auf. Ich weiß nicht, was von allen Geschehnissen auf Nehazet zurückzuführen ist. Jedenfalls konnte er Kolkja helfen indem er verfügte, dass seine erste Frau niemals gestorben sei, sondern nur im Koma lag. Ob das für Delias Seelenheil förderlich war, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen sie stattdessen endlich Boron übergeben, als Zeit und Raum zu beeinflussen, so dass sein Wunsch doch noch in Erfüllung ging? Es gibt Dinge, die sollten nicht verändert werden. Es hat einen Sinn, dass es geschah! Aber inwiefern zählen die derischen Weisheiten in solch einer Welt?
Ja, es wurde Zeit, dass wir den Traum verließen. Denn dann tauchte eine sechsjährige Delia auf. Auch hier war ich mir sicher, dass sie die Dämonin sei. Jedoch versprach ich Sieghelm niemanden mehr auf Verdacht zu töten. Und so wartete ich. Geduldig, wie ein Baum die tödliche Lawine erwartet. Beständig und bewusst. … Außerdem war es Delia … *seufz*… Menschen sind so emotional und dumm! Denn tatsächlich offenbarte sie sich draußen als Liv. Sieghelm stellte sich ihr tapfer in den Weg, während Nehazet sie zurück in die Niederhöllen schickte. Delia war gerettet und wieder mit sich selbst vereint. Vollständig. Hat ihr bisher etwas gefehlt? Ich habe nichts bemerkt.
Ihre Aufmerksamkeit wendet sich wieder der Gegenwart zu. Sieghelm befreit sich neben ihr umständlich von seinem Wappenrock. Der arme Rondrian war sichtlich verzweifelt, was ob er es seinem Herrn gleichtun sollte oder nicht. Azina hingegen schaut dem Treiben nur gedankenverloren zu, als der der Herr von Spichbrecher ebenjenes Wappen in das Hexenfeuer wirft. Gierig fraßen die Flammen dieses Opfer.
Was tut er da? Er wirft seine Herkunft weg. Seine Herkunft … möchte er ein anderer sein?
Sie ist ziemlich erschrocken über ihren neuen Gedankengang und zuckt kurz unter ihm zusammen. Ihr Blick fällt dabei auf Nehazet.
Wenigstens scheint Nehazet unverändert. Auch ein Hexenfeuer wird dein Amulett nicht vernichten, lieber Adeptus.
Am Ende ist es mir gelungen, wenigstens eine einzige Veränderung in dem Traum zu bewirken. Zwar war es nicht die prächtige weiße Lederrüstung, aber immerhin habe ich etwas bewirkt. Somit waren die stundenlangen Vorträge von Jane nicht umsonst. Überhaupt habe ich so ein wenig Einblick in die menschliche Psyche erhalten. Nur lehnen Firuns Lehren dergleichen Empfindsamkeiten ab. Jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich. Wer es nicht vermag, der fällt. … Aber es schadet jedoch nicht, zu verstehen, was die Menschen bewegt. So kann ihnen geholfen werden sich selbst zu überwinden … du siehst Firun … ein kleiner Teil von mir huldigt deiner schwanengleichen Tochter. ‚Gnade‘ ist ein Wort, welches dir fremd ist. Doch ich besitze sie. Ich verschonte Sefiras Leben bereits zwei Mal. Sie lehrte mich, dass jeder Schwächen hat. Nur liegt es an ihnen selbst damit fertig zu werden und aus den Geschehnissen zu lernen. Lehre nicht mit Groll, lehre mit Nachsicht. Bitte zürne nicht meiner Lektion.
Ich werfe nichts ins Feuer. Ich wünsche mir nichts. Meine Vergangenheit ist bewältigt. Meine Familie in Sicherheit. Meine Fehler sind vergolten. Ich richte meinen Blick auf die Zukunft. Dein Wille geschehe, weißer Jäger.
Was Delia betrifft. So wünsche ich ihr viel Glück. Sie wird diese Phase ihres Lebens überdauern. Was bedeutet schon die Lebensspanne eines gewöhnlichen Menschen für sie? Ich selbst kann nur hoffen, dass mein Erbe nicht vergessen wird. Und dafür streite ich. Für Dere. Für das Leben. Und somit letztlich für die Gnade.
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Azinas Gedanken
Auch Azina sucht ihren eigenen Weg … und schön das du den Aspekt Ifirns eingebracht hast. Gefällt mir 🙂
Es ist schön zu lesen wie viel dieses kleine Abenteuer doch verändert hat und was für Gedanken ausgelöst worden sind. Schön geschrieben!
Ihr eigener Weg liegt klar vor mir. Wenn also ein Meister inspiration wünscht, kann ich vielfach damit dienen:)
Ein Teil Ifirns steckt auch in ihr. Gnade ist etwas was Firun nicht gewährt. Genau in diesem Punkt weicht Azina ab. Verwehre den Schwachen nicht die Chance stark zu werden. Weiß Azina aus eigener Erfahrung. Habe das mal, u. a. für dich, schriftlich ausgeführt. Dann könnt ihr euch ein Bild von ihr machen.
Tsagefällig halt, Claus:)