Delia saß am frühen Abend des 06. Hesinde 1026BF, nach getanem Tagewerk, auf der Bank außerhalb des Bauernhauses. Pagol war bei ihr während Sahiba Alhina sich wusch. Pagol sprang auf ihren Schoß und machte es sich dort bequem. Aus großen, braunen Augen guckte er sie traurig an. Sie streichelte ihn als sie sprach „Ja Pagol Deinem Hauptmann geht es gut. Er ist nur mit dem Pferd auf dem Rückweg und wird morgen wohl hier sein. Du musst nicht mehr lange auf ihn warten.“ als würde er sie verstehen kläffte er freudig. Die Hexe spürte, dass der Leutnant seinen Hauptmann vermisste. Um ihn zu beruhigen kraulte sie ihm hinter dem Ohr. Was wohl in dem Kopf des Dackels vorsichtig ging? Hm… Da kam Delia ein Gedanke, sie konnte doch die Gedanken von Tieren lesen! Liebevoll streichelte sie ihm den Kopf und die Flanke als sie ihre Sinne ausstreckte und den Zauber wob. Nach und nach stiegen die Bilder seines Geistes zu ihr auf. Er dachte an die Wurst die Delia für ihn in der Tasche trug, an Sieghelm und an seinen Sieg über eine aranische Katze. Delia lächelte zufrieden und gab ihm etwas von der Wurst. Dabei zeigte ihr Pagol, dass er daran dachte ihr über das Gesicht zu schlecken, vor Dankbarkeit.
Nachdem der treue Hund Ihr kurz über das Gesicht leckte und dann noch etwas Wurst kaute streichelte Delia ihn weiter. „Ach Pagol, was soll ich nur mit Deinem Herrchen machen?“ Pagol dachte an den Tanz den Delia vor ein paar Tagen für Sieghelm aufführte und kurz darauf an sein letztes Stelldichein mit einer Dackeldame in Hammerschlag. „Pagol! Du altes Ferkel! Auch wenn das eine gute Idee ist, doch so einfach ist das leider nicht. Obwohl… Hm… Dein Herrchen könnte sicherlich mal eine Nacht in Leidenschaft gebrauchen. Vielleicht wäre er dann lockerer.“ Delia lachte. Schuldbewusst schien der Dackel die Hexe anzugucken. Obwohl er den Vorschlag sicherlich ernst meinte. „Weist Du Pagol, Sieghelm und ich haben uns wieder gestritten… Er wollte mir noch nicht einmal zuhören und ließ keines meiner Argumente gelten.“ schweigend nahm Delia die neuen Bilder aus Pagols Geiste auf. Er zeigte ihr wie sich Siehhelm mit einem Untergebenen stritt, sowie mit Delia. Eben war es ein sonniger Tag und sogleich wechselte die Szenerie auf die Nacht. Der Untergebene betrat die Wachstube des Hauptmanns und bat anscheinend um ein Gespräch und sie unterhielten sich. Delia brauchte einen Moment um zu verstehen. „Ach ich soll Zeit vergehen lassen? Bevor ich ihn versuche von meinem Standpunkt zu überzeugen? Damit er mir zuhört?“ der Leutnant bellte. Anscheinend zustimmend. So saßen Pagol und Delia noch eine Weile da und genossen die stille Zweisamkeit. Als letzte Bilder zeigte Pagol ihr noch, wie sehr er Sieghelm vermisste. Dann verblasste der Zauber.
Pagol sprang von ihrem Schoß und drehte noch eine Runde bevor er ins Haus zurück ging. Delia holte den Brief heraus den sie im Laufe des Tages erhielt. Er war von Kalkarib. Der Brief war für Delia wie ein warmer Sonnenstrahl. Ihm ging es gut und seine Pilgerreise war erfolgreich. Ihr Geliebter durfte seine Familie sogar bei den Reiterkämpfen vertreten. Sie freute sich sehr für ihn und war sehr stolz. Sein Vater konnte sich anscheinend noch an Delia erinnern und lud sie zu seiner Familie und natürlich auch zu Kalkarib nach El’Trutz ein. Sie hoffte bald bei ihm sein zu können. Schon über einem Monat war es her, seit sie sich sahen und sie vermisste ihren starken Löwen. Gedankenverloren strich sie über den Waqqif. Jenen Dolch denn er zu seiner Ernennung in den Kreis der Männer bekam. Nie lies sie die Waffe aus den Augen und freute sich auf den Tag an dem sie ihm den Dolch zurückgeben durfte. Sie laß den Brief erneut. Wohl zum fünften Male bevor sie ihn an ihre Lippen drückte und wieder einsteckte. Delia wünschte sich zu jenen Tagen zurück als Kalkarib und sie gemeinsam auf seinem Pferd ritten. Er führte und sie schmiegte sich eng an ihn. Zu den Nächten in denen sie, leider sittsam, aber gemeinsam in dem Zelt schliefen. Wie sehr wünschte sie, dass er nun bei ihr sein könnte. Stattdessen saß sie allein in der kühlen Dämmerung. Sie fühlte sich so allein wie seit langem nicht mehr. Fröstelnd zog sie den Umhang enger.
Später am Abend wusch sie Pagols Wappenrock und ihr Kleid. Im Anschluss dann Pagol und sich selbst. Während das Gehöft zur Ruhe kam redete sie noch mit Sahiba Alhina über Kalkrib und den Brief. Und auch über die Art der Zustellung mittels NLP (Nehazets Luftpost). Delia musste über diesen kauzigen Magier und seine wunderbare Idee lachen. Nur er konnte auf so eine Idee kommen. Die Theorie über das Vitalfeld würde gedruckt, dass freute sie für ihren guten Freund. Jane und die anderen mussten davon erfahren.