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Den Göttern gefällig

8. Peraine 1027 n. BF

Gemächlich schreitet Mhanach voran. Ein Glied in der Kette der Gefährten, die sich durch das karg bewaldete Gebiet östlich der schwarzen Sichel bewegt. Auf ihm sitzt die Botin Firuns tief in Gedanken versunken.

Das war sie also. Meine erste Begegnung mit einem Firungeweihten. Er konnte mir nicht helfen. Er hatte offenbar noch kaum Erfahrung. Stattdessen schickt er mich in eine sogenannte Schwitzhütte zur Meditation. Hitze statt Kälte, um Firun nahe zu sein …

Dennoch schweiften meine Gedanken rasch weit weg. Zu einer schneebedeckten kargen Ebene. Es war jedoch nicht kalt. Nicht einmal als ich meine Stiefel auszog. Es zeichnete sich keine Erhebung ab. Eine sehr geordnete Leere. Nur in der Ferne war ein kleiner Wald zu sehen. Doch außer der kleinen Jagdhütte fand sich kein Leben in diesem Wald, keine Spur zeichnete sich ab, nicht ein einziger Hinweis. Im Innern der Hütte hielt sich ein Wesen in Gestalt eines alten Mannes auf, welches sich selbst als Zwischenwesen bezeichnete. Als ein Weisen zwischen Alveranier und Jenseitigem. Als ein Wesen des Ausgleichs.

Er wusste von meinem Wunsch die Weihe Firuns zu erfahren. Er wusste überhaupt alles von uns. Er offenbarte mir, dass ich ja bereits von Firun erwählt sei und ihm daher nicht näher zu kommen ‚brauche‘. Firungeweihte im Allgemeinen schauen zu mir auf, wie die Geschichte im Holz des Tempels bezeuge. Eine Weihe sei für meine Aufgabe daher nicht vorgesehen.

Nein! Bei des Ebers Hauer, das ist nicht wahr!

Ich wollte mit einem Abgesandten Firuns sprechen und nicht mit diesem Wesen, welches mich arglistig zu täuschen versucht. Niemals hätte mich Firun oder einer seiner Abgesandten einfach so empfangen, ohne mich schon auf dem Weg dorthin mit Kälte und Verzicht zu prüfen. Und wie kann es einen Wald ohne Leben geben? Das wäre das Ende allen Seins. Das wäre das Reich Nagrachs! Elender! Steht der Firungeweihte in Gallys bereits unter dämonischem Einfluss? Erstreckt sich die Macht der Schwarzen Lande bereits bis hier? Ich habe das nicht überprüft! Welch eine Schande! Ich war zu sehr mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigt.

Wie oft habe ich versucht Kontakt mit Firun aufzunehmen? Ihn gebeten mir zu weisen was ich tun soll? Bin ich seiner Gegenwart unwürdig oder fordert er von mir Selbstbestimmtheit? Scheinbar von den Göttern verlassen, streiten wir für sie. Oder ist es ihnen vielleicht nicht möglich mit uns direkten Kontakt aufzunehmen? Das passt ja alles gut zusammen. Und jetzt soll ich einfach zulassen, dass ein „Wesen des Ausgleichs“ Zweifel in mir säht? Nicht mit mir!

Man kann seinem Gott nicht nah genug sein! Alle Menschen streben danach. Ich wiederstehe der Versuchung. Ich werde nicht von meinem Ziel ablassen. Nein! Jenseitiger Alveraner! Nein! Fahr in die Niederhöllen oder noch weiter weg! Das war nur ein weiterer Versuch einen Anker zu fällen. Doch ich bleibe standhaft!

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wird Firun mich weihen! Ich finde einen anderen Geweihten, der mir hilft. Oder auch nicht. Dann eben ohne Priester! Nehazet hat mir versprochen, dass wir nach Norden in die Eiswüste ziehen. Tun wir das! Dort werde ich Firun persönlich seinen Speer zu Füßen legen. Kälte und Hunger können mich nicht aufhalten. Und Hitze ist ja wohl ein schlechter Scherz.

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Kurz darauf kämpft die Gruppe gegen einen dämonisch beeinflussten Greifen. Azina sprang auf seinen Rücken und versuchte ihn am Weiterkämpfen zu hindern, als Sieghelm ihm mit einem gewaltigen Streich den Bauch aufschlitzt. Sie wurde zwei Mal schwer von reiner göttlicher Energie getroffen und kann sich nun kaum noch auf den Beinen halten.

Das … war … heftig. Ich fühle mich ganz schwach. Dieser Greif ist ja beim Sterben explodiert. Ich trage keine sichtbaren Wunden davon. Es ist, als ob mich sämtliche Energie verlassen hat. Aber ich nehme keinen Heiltrank. Das fühlt sich falsch an. Ich bin getroffen von göttlicher Energie, das muss mein Körper von allein schaffen.

Nehazet meinte, ich solle die abgeschlagene Kralle sowie einige Federn behalten. Sie seien unempfindlich gegen Magie und können diese beeinträchtigen.

Wir töteten ein göttliches Wesen. Ja, er hat uns angegriffen und ja, wir mussten uns verteidigen. Aber ich bin mir sicher, dass Nehazet eine Möglichkeit gefunden hätte, ihn von seiner dämonischen Beeinflussung zu befreien. Immerhin hat diese Beeinflussung auch Einzug in seinen Kopf gefunden. Und Nehazet findet immer eine Lösung. Wir hätten ihn vereint niederringen können. Dann hätte Nehazet genügend Zeit für die Heilung gehabt. Aber kaum erholte sich Sieghelm von seiner Blendung, hat er nichts Besseres zu tun, als ihn zu töten. Da nützt auch sein Gebet an Praios wenig. Das war voreilig.

Ich trauere um diese göttliche Existenz. Ich erinnere mich wie strahlend schön der Herold in Gareth aussah. Auf diesem armen verwirrten Greifen konnte ich nur einen kurzen Blick werfen, ehe er völlig ausrastete. Zumindest wissen wir nun wahrhaftig, womit wir es zu tun haben. Die Greifen der schwarzen Sichel werden pervertiert. Sein Opfer darf nicht umsonst gewesen sein. Nehazet muss einen Weg finden sie zu heilen. Denn wir können doch unmöglich alle befallenden Greifen schlachten. Vielleicht helfen uns hier wirklich seine wenigen Überreste weiter.

Bitte verzeihe uns diese Sünde. Wir tun es für die anderen Greifen, auf dass ihnen das zugedachte Schicksal erspart bleibe.

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Azinas Gedanken

erste Legenden

Schlaflos wälzt sich die Botin Firuns in ihrem Bett hin und her. Gro’jesh grunzt neben ihr vor sich hin und lässt sich nicht stören. Wie klein sie neben ihm ist.

So beginnt es also. Das sind meine ersten Legenden. Geschichten, erzählt von einem Firungeweihten aus Gallys während eines Gottesdienstes. Ich selbst habe sie ihm erst tags zuvor erzählt. Unglaublich, dass bereits vor fünf Götterläufen feststand, dass ich – oder zumindest eine Frau – die Erwählte des Firun wird. War es vorherbestimmt, dass ich scheitere? Dass ich niemals die Gunst einer Familie erlangen würde? Ich hatte mein Ziel aus den Augen verloren. Fern der Heimat schlug ich mich als Glücksritter durch, der mehr Glück als Verstand hatte. Das ist mir heute klar. Eigentlich unglaublich, was einem so widerfährt. Die verderbte Druiden damals hätte mich rasch erledigen können.

Wen hätte es an meiner statt treffen können, wäre ich gestorben? Musste es eine Frau sein? Oder stand von Anfang an fest, dass ich es sein musste? Und wann war der Anfang? Wie lange schon bereitet sich die achte Sphäre auf den Kampf vor. Wie lange wissen die Götter darum? Es ist unwirklich.

Aber ich vertraue auf Firun, dass es richtig ist. Ich bin sein Werkzeug, um den Vortex zu vernichten! Oder um zumindest meinen Teil dazu beizutragen. Mein Leben zu geben. Firun … oder vielleicht eher Ifirn hat ermöglicht, dass … dass ich noch ein anderes Leben führen kann. Ein Anderes.

Rasch hat sie einen Entschluss gefasst. Vorsichtig und leise schleicht sie sich aus der Taverne. Elfenbein begleitet sie auf samtenen Pfoten. Alles liegt ruhig da im Licht des Madamals. Keine menschlichen Schattenwesen treiben hier in der Nacht ihr Unwesen. Zu karg und zu gesichert ist diese Grenzstadt. Doch Azina hat ein Ziel. Schon bald erhebt sich der hölzerne Firunstempel vor ihr. Sie kniet vor seiner Schwelle nieder und wartet. Den Blick zu Boden und in sich gekehrt.

Früh am Morgen, wo Jane nur Gro’jesh im Nachbarbett vorfinden wird, tritt der Firungeweihte vor die Schwelle des Tempels. Interessiert schaut er auf die Tulamidin herab.

„Was ist dein Begehr?“ fragt er sie.

Sie hebt den Blick und starrt ihm herausfordernd in die Augen. Und sie antwortet mit fester Stimme: „Ich möchte eine Geweihte Firuns werden. Was muss ich dafür tun?“

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Azinas Gedanken

Brief nach Hause

Ahlan aram,

ich hoffe bei Travia, euch geht es gut. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an euch denke. Meine Sehnsucht verzehrt mich zu jeder Stunde.

Ich schreibe euch diese Zeilen aus Gareth nach dem großen Turnier. Wir als Schutzorden der Schöpfung nahmen gemeinsam daran teil.

Es war außergewöhnlich! Ich gewann im Finale der leichten Waffen gegen Jane, die sich in den Vorrunden sehr gut geschlagen hatte. Sogar einen höfischen Firunsanhänger konnte ich bezwingen. Am Abend tauschten wir uns noch über unsere Vorstellungen im Dienste Firuns aus. Zu meiner Enttäuschung legte er Firuns Gebote sehr sanft aus. Stets durch die Wildnis zu pilgern war ihm fremd. Doch ein Traum von einer letzten großen Reise schwelt noch unerfüllt in ihm. Es tat gut mal mit jemanden mit gleicher Gesinnung zu sprechen. Vielleicht führt uns unser Weg noch gen Firun. Das hoffe ich. Vielleicht sehen wir in den Gebirgen des Nordens sogar Zeitenflug wieder. Seine Feder trage ich stets bei mir.

Bei den Wurfwaffen fehlte mir nur ein einziger Treffer zum Sieg. Ich konnte überraschend gut mithalten, obgleich ich bereitgestellte Wurfspeere nutzen musste, so rasch war die Wurffolge.

Beim Wagenrennen unterstützte ich Jane zusammen mit Sieghelms Knappen Perainius und konnte ihr mit einem entscheidenden Speerwurf in die Speichen des Gegners zum Sieg verhelfen. Ihr hättet seine Verblüffung sehen sollen, als mein Speer sein Rad komplett zerlegte und er mit hängender Achse ins Ziel trieb.

Im Buhurt trat der Schutzorden der Schöpfung gemeinsam gegen alle anderen an. Der Hochkönig der Zwerge Albrax hat das so herbeigeführt. Offenbar schlugen sich alle Teilnehmer aus dem Orden so hervorragend, dass unser Sieg wohl als zu sicher galt. Groß hervor getan habe ich mich dabei nicht. Wir bildeten eine standfeste Gruppe Seit an Seit stehender Kämpfer, an der sich unsere Gegner mit ihren kurzen Waffen die Zähne ausbissen. Bothor und Sieghelm warfen an den Flanken die Gegner reihenweise aus dem Kampf, indem sie ihnen die Wimpel auf den Helmen wegschlugen.

Gesamtsieger wurde natürlich der Auserwählte der Leuin nachdem er sowohl den Gang der schweren Waffen als auch die Tjost gewann. Meine Gefährten haben reichlich für den Orden gegeworben und wir konnten Land und Leute für unsere Sache gewinnen. Nehazet hat, obwohl er nicht an den Kämpfen teilnahm, am meisten gewonnen. Phex war ihm so hold, wie uns Rondra.

Ich erhielt einen großen Gewinn vom Kaiserhaus. Mit diesem Brief erreicht euch ein Großteil dessen:

  • 200 Dukaten
  • das Langschwert Larelein

Bitte bewahrt Larelein gut für mich auf. Es möge Zeugnis meines Sieges sein. Vielleicht wird es eines Tages von unseren Kindern getragen, wenn ihnen der Khunchomer nicht zusagt. Rondra möge sie davor behüten!

Mein gewonnenes leichtes Streitross aus dem kaiserlichen Gestüt werde ich Mhanach nennen und Aventurien künftig zu Pferde beschützen. Er ist ein schöner Warunker mit schwarz weißen Fell. Seine Haarfärbung gleicht der meinen und so habe ich ihn gleich erprobt und war sofort angetan von seiner Kraft und seiner Wendigkeit. Er wird ein teurer Gefährte werden. Ich habe Jane gebeten eine Zeichnung seiner stolzen Majestät anzufertigen. Ich lege sie diesem Brief bei.

Auf dem Weg nach Gareth konnten wir den Auserwählten des Schweigsamen als Großmeister gewinnen. Ich sehne den Tag herbei, da ich ihn euch vorstellen kann. Er ist ein guter Mann und er steht treu zu uns.

Doch der Morgen bringt hier dunkle Wolken. Bitte gebt auf euch Acht.

Dare azîz

Eure reisende Azina

5. Peraine 1027 n. BF

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Azinas Briefe

Die Gedanken treiben

Angelegentlich stochert Azina mit einem Stock im Lagerfeuer herum und starrt in die Flammen, als sähe sie ein Bildnis von großer Schönheit. Elfenbein sitzt hinter ihr und wärmt ihr den Rücken, während es sich ausnahmsweise mal Adaque auf ihrem Schoß gemütlich gemacht hat. Versonnen streichelt sie ihm über die Federn.

Schade. Nach den ganzen packenden Vorkämpfen habe ich im Finale der schweren Waffen einen spannenderen Kampf erwartet. Insgeheim habe ich natürlich auf Bothor gehofft. Hätte er gewonnen, hätte ich mit einem Sieg in dem Buhurt auf den Gesamtturniersieg hoffen können. Aber Rondra war dem guten Bothor wohl nicht hold. Oder sie war heute eher Sieghelm zugeneigt. Es hat ja auch mehr Symbolkraft, wenn natürlich der Ordensmeister der Leuin den Zweikampf gewinnt, statt der des Ewigen.

Und um Symbolkraft im Dienste der Sache des Ordens geht es uns ja bei diesem Turnier. Sieghelm und Nehazet sind auch eifrig dabei, Kämpfer und Ländereien zu gewinnen. Da gilt es unsere persönlichen Gefühle hinten an zu stellen. Dennoch werde ich versuchen den Buhurt zu gewinnen. Und wenn ich am Ende Sieghelm selbst überwinden muss. Hm. Ich glaube, wir haben noch nie miteinander gefochten. Nicht einmal im Training. Zumindest ist dies wenn dann einige Götterläufe her.

Aber. Bisher ging alles viel zu glatt. Die einzelnen Turnierkämpfe werden abgehalten. Sieger werden gekürt. Auffällig ist, dass der Orden sehr gut abschneidet. Was ja gut für uns ist. Aber es wirft für mich die Frage auf: Geht es mit rechten Dingen zu? Ist das nicht alles zu leicht? Oder sind wir einfach nur gut. Wobei natürlich auffällt, dass hier fast ausschließlich Adelige antreten, `die neben dem Kämpfen noch andere Aufgaben haben.´

Auf jeden Fall funktioniert die Organisation des Turniers zu gut. Es gibt keine Störungen, keine Auffälligkeiten. Ich suche schon die ganze Zeit nach pervertiertem Einfluss. Aber Nehazet hat wohl den einzigen Dämon vor Ort gebannt. Von den winzigen fliegenden Spionen mal abgesehen. Sonst nichts! Wo sich angeblich hinter den Kulissen weittragende Dinge abspielen und wir armseligen einfachen Menschen nichts davon wissen dürfen.

Nun ja, ich vermute, unsere Rolle werden wir wohl noch spielen. Wenn dieses Turnier vorbei ist, werden wir versuchen weitere Unterstützer zu finden und uns auf den Weg gen Rahja machen, um die schwarze Gefahr aufzuhalten und vor allem Hochstieg zu schützen. Wenn nicht wieder etwas dazwischenkommt.

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Azinas Gedanken

Gewonnen

Firun sei Gedankt! Ich habe gesiegt.

Und ich meine nicht den Sieg in diesem Turnier. Dieser kam für mich völlig überraschend. Ich hoffte lediglich, mich bestmöglich zu schlagen. Doch entweder waren die Gegner in dieser Zweikampfsituation weniger gut, als echte Kämpfer, die um ihr Leben streiten. Oder wir sind inzwischen sehr bewandert. Lang ist es her – so scheint mir – dass ich vor 4 Götterläufen von Aranien aufbrach. Viel ist seither geschehen. Sehr viel.

Einer meiner entscheidenden Vorteile war die Länge meiner Waffe. Damit konnte ich mir jeden meiner Gegner auf Abstand halten, sodass ich kaum Gefahr lief getroffen zu werden. So sehr sich meine Gegner auch bemühten. Diese Technik habe ich lange geübt. Doch sie hilft mir wenig, wenn es gegen eine gleichlange Waffe geht. Jane hatte als Gegner eine Ritterin mit einem Anderthalbhänder. Dieser Kampf wäre gegen mich ebenso interessant geworden, wie für Jane. Letztlich ging sie siegreich daraus hervor.

Nein. Wirklich erleichtert, bin ich über den Sieg gegen Jane. Ich musste einfach gewinnen. Es durfte nicht sein, dass eine Gelehrte mich im Kampf mit meiner bevorzugten Waffe schlägt. Glück und Pech hin oder her.

Ja, Jane beherrscht ihre Waffe meisterlich. Sie ist nicht umsonst in das Finale eingezogen. Doch ihr fehlt die Kampferfahrung. Ihre Beinarbeit ist noch zu verbessern. Aber muss sie überhaupt perfekt kämpfen können? Janes überragende Fähigkeiten zeigen sich auf einem ganz anderen sehr weiten Feld. Ich verstehe, dass sie in der Lage sein möchte sich zu verteidigen, wenn es darauf ankommt. Aber mich ehrlich im Kampf schlagen? Nein. Das durfte nicht sein. Ich hätte mein Gesicht verloren. Ich hätte meine Mitstreiter verlassen und ich hätte anderswo noch härter trainieren müssen, um ihrer würdig zu sein.

Ich bin glücklich, dass es nicht dazu gekommen ist. Ich hoffe, Jane nimmt es mir nicht übel, dass ich so erleichtert bin. Rasch kann Freude mit Schadensfreude verwechselt werden. Doch mit ihr über meine Gefühle sprechen, kommt nicht infrage.

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Azinas Gedanken

WOW

Wir begegneten einem Göttlichen Wesen. Der Herold, ein Waldmensch aus dem Süden, erzählte eine Geschichte über einen Greif, der die Menschen auf Sumus Leib begleitete, aber noch nicht zurückkehren durfte, da seine Buße noch nicht vollendet war. Nehazet bat mich, wohl einer Eingebung folgend, einen zweiten Blick auf ihn zu werfen. Und wahrhaftig! Vor den versammelten Augen der Turneiteilnehmer wandelt ein göttlich strahlendes Wesen und erzählt uns eine Geschichte. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um seine eigene Geschichte.

Die Menschen hängen andächtig an seinen Lippen und lauschen seinen Worten. Während mein Blick allein auf seiner weiß schimmernden Aura liegt. Mir kommen fast die Tränen, so schön und so rein ist sie. Dergleichen habe ich in dieser Menge noch nie zuvor gesehen. Unsere Amulette und Gegenstände leuchten, ja. Und geweihte Tempel schimmern ebenfalls weiß. Aber das hier? Das ist hier, ist wahrhaftig der göttliche Geist.

…..

Kam schon der Sieg Sieghelms über den Schwarzen Ritter in der Tjoste und somit der Sieg in dieser Disziplin überraschend, verblüffte mich Jane vollends. Offenbar hat sie im vergangenen Jahr unheimlich viel trainiert. Mit Leichtigkeit besiegte sie ihren verdutzten Gegner. Ja, deklassierte ihn geradezu. Ich bin beeindruckt!

Jetzt stellt sich die Frage eher, ob ich es mit ihr aufnehmen kann und nicht umgekehrt. Hoffentlich treffen wir erst im Finale aufeinander. Alles andere wäre doch schade.

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Azinas Gedanken

Schweigen

Mag dich einer verstehen Sieghelm.

Du richtest Tornado, der sich auf den Vortex einließ und als erster Anker fiel. Möglicherweise traft ihm nur wenig Schuld. Wir wissen es nicht. Es war dir egal. Du verwehrtest ihm ein Gericht. Weder weltlich noch göttlich. Er starb lediglich durch dein Wort und deine Hand.

Aber dem Schwarzen Ritter verzeihst du seine Vergehen? Hat auch er sich nicht mit finsteren Mächten eingelassen? Wie viele Menschen fielen ihm und seiner Schar zum Opfer? Wo bleibt da die Sühne?

Doch ich Schweige. Im Gegensatz zu den anderen, die die Reaktionen der Würdenträger ins Feld führen, wenn du dich mit dem Feind bandelst. Gehe deinen eigenen Weg, Sieghelm. Der Weg der Gnade ist schmaler aber doch größer als der des Todes. Ich weiß das.

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Azinas Gedanken

Es geht wieder los

Es geht wieder los. War ja zu erwarten, nach einem ganzen Götterlauf Ruhe. Doch dass sich die Ereignisse dann doch so rasch überschlagen würden, konnte niemand ahnen. Erst treffen wir auf den neuen erwählten Borons und dann treibt der gefallene Anker Borons sein Unwesen direkt vor unseren Augen und in der Stadt des Raben von Punin.

Doch so ganz verstehe ich das Treiben Matrals, oder wie er auch immer heißt, nicht. Gut, es ist von Gerüchten über seine Anwesenheit gesprochen worden, aber ich bin geneigt deren Wahrheitsgehalt zu glauben. Er war hier. Aber warum war er hier? Was hat er bezweckt?

Erst lässt er einige Al’anfaner immens verdichtete Vortexmagie in einen derischen Handschuh binden. Danach tötet er die Beschwörer mit sauberen Stichen und Schnitten. Dann flieht er unbemerkt und lässt den Handschuh zurück.  Als ich das erste Mal am Haus war, war es bereits leer. Ich vermute, dass der Lebensfunkte, den ich sah, von einem Sterbenden kam, wo der Stich doch nicht ganz so sauber war. Matral war also bereits weg.

Aber sollte es wirklich Matral gewesen sein? Welchen Grund hätte er, die so mühsam wie stümperhaft, wie Nehazet meint, herbeigerufene Vortexmagie einfach zurück zu lassen? Warum hat er seinen vermeintlichen Vortexgegenstand nicht mitgenommen? Beschlichen ihn Zweifel ob seines Tuns? War er ein Fehlschlag? Oder ist das eine Falle? Niemand sollte ihn anziehen! Auch nicht zur Untersuchung.

Mich beschleichen ein wenig Zweifel, ob Nehazet die Situation in der Akademie unter Kontrolle hat. Nicht, dass ich ihm zutraue, den Handschuh in seiner Wissbegier zu berühren  und sich somit dem Vortex auszuliefern. Aber, wenn er ihn tatsächlich mit den Magiern der Akademie gemeinsam untersuchen möchte, birgt das Gefahren unbekannten Ausmaßes. So groß sein Vertrauen in die vernunftbegabten Absolventen der Akademie auch ist, so ist allein der Zugang so solch schrecklicher Kraft gefährlich für den unbedarften Narr, der sich möglicherweise ihn ihrer Mitte befindet.

Gern hätte ich Nehazet begleitet und den Verbleib des Artefakts persönlich überwacht. Aber der Magus war ja so schnell weg, dass ich ihm meine Bedenken nicht mehr mitteilen konnte.

Am Ende, wenn alle wissenschaftlichen Untersuchungen und Versuche beendet sind, stelle ich mich höchst persönlich für einen letzten Test zur Verfügung. Mein Speer wird den Handschuh aufspießen wie den Leib einer Beute. Nur, dass die möglicherweise freigesetzte Energie Rückstöße geben könnte. Ich sollte mich wappnen.

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Azinas Gedanken

Geschehnisse um Azina nach dem Abenteuer Schicksalspfade

Die Azinas trainierten wie sie es Garnan versprochen hatten. Auch dieser war überrascht, dass es plötzlich zwei von Ihnen gab und beschloss das Beste daraus zu machen. Er ließ sie gegeneinander trainieren. Und da keine von ihnen die Andere je überwinden wird, spornte es sie zu zusätzlichen Höchstleistungen an. Gro’jesh war ein hervorragendes Jagdwild. Wer ihn zuerst fing, durfte die Nacht mit ihm verbringen.

Doch schon bald fiel dem alten Mann auf, dass es um die Gesundheit seiner Schülerinnen nicht sonderlich gut bestellt ist. Er untersuchte sie fachkundig und stellte sehr zur Überraschung der Azinas fest, dass sie beide schwanger waren! Für einen Augenblick schauten sie sich verdutzt an und fielen sich dann in die Arme. Der Tod von Shakriin Boran berührte sie noch immer tief. Doch die Aussicht auf zwei neue Leben half ihnen den Schmerz zu überwinden anstatt ihn mit verbissenen Training auszublenden.

Obwohl sie bereits etwas kürzertraten, merkten sie bald, dass Überanstrengungen ihren Tribut forderten. Garnan zwang sie mit dem harten Training aufzuhören und sich stattdessen Gedanken, um die Zukunft zu machen. Wie wollen sie die Kinder großziehen? Wo sollen sie aufwachsen? Wie wird der Kampf gegen den Vortex weiterverlaufen?

Erdrückt von diesen gewichtigen Fragen, begannen die Abende der intensiven Gespräche und Gedanken. Schließlich besannen sie sich auf ihre Wurzeln, an die sie Shakriin Boran erinnerte und es entstand folgender Plan, den sie auch in die Tat umsetzten:

Zunächst gingen sie nach Aranien zurück zu ihrer Familie, um dort die Kinder zu gebären und ihre Mutter Belima um Rat in diesen Dingen zu fragen. Sie verabschiedeten sich von Garnan und versprachen wiederzukehren und zu berichten, was sich zugetragen hat.

In Aranien angekommen begannen sie, nach einigen intensiven Gesprächen, das Gut ihrer Eltern auf die Eingliederung in den Orden vorzubereiten. Denn bei allen Überlegungen über die drei Kapitel des Ordens blieb die Versorgung bisher außen vor und siedelt sich womöglich außerhalb jener an. Ein intensiver offizieller Briefkontakt regelte die Angelegenheiten ordnungsgemäß. Der Orden beteiligte sich an der Finanzierung des Kaufes weiterer Ländereien um Baburin, während die Erträge in Form von barer Münze oder Wagen voller Ernten der Ordenskasse zugeführt werden. Ein weiteres Mal ist Aranien nun aufgrund seines günstigen Klimas die Kornkammer eines Verbundes. Es gelingt Azina auch Rafid ibn Achmad und seine neue Frau Alhina saba Halima, ehemalige Rashulalehrerin von Delia davon zu überzeugen, seinen Hof ebenfalls dem Orden zu widmen und selbst offizielle Posten zu übernehmen. Durch Alhina und Rafid bestehen nun Verbindungen bis nach Khunchum. Unter anderem zu der Familie von Kalkaribs Onkel. Denn obwohl Alhinas Wahl, in Aranien bei ihrem Liebsten zu bleiben, nur widerwillig akzeptiert wurde, gelingt es ihr im Laufe der Zeit die Wogen zu glätten und den Weg frei zu machen für eine mögliche künftige Expansion des Ordens nach Khunchum. Delias gutes Betragen und die Schenkung eines Erben in El’Trutz trugen ihr Übriges dazu bei.

Auch die einflussreiche Familie Sarjabaran mit ihrem Oberhaupt Feruja konnte nach langen und harten Verhandlungen davon überzeugt werden, zumindest ein Bündnis mit dem Orden einzugehen. Auch hier halfen die Tatsachen, dass es nun zwei Azinas gab und die Senne Süd bereits ihre Unterstützung zugesagt hatte, den Ernst der Lage zu erkennen. Da ihr Sohn Muhalla noch immer „verschollen“ ist und die Azinas schwanger waren, gibt sie ihre Ansprüche gegenüber Azina auf. Verstohlen bittet Feruja sie Muhalla darüber zu unterrichten, damit er wieder nach Hause kommt. Die lange Zeit der Lossagung zerrte offenbar an ihren Nerven. Sie ist älter geworden. Azina versprach ihr Möglichstes.

Das Schicksal der Azinas selbst ist ihre schwerwiegendste Entscheidung. Hin und hergerissen zwischen ihren Verpflichtungen gegenüber den Göttern, dem Orden und ihren Kindern beschließen sie, sich aufzuteilen und so allen gleichzeitig zu dienen. Eine Azina bleibt mit den Kindern in Aranien, zieht diese auf und verwaltet und bewirtschaftet, unterstützt von ihren Gefolgsleuten, die Ländereien des Ordens. Die andere Azina schließt sich mit Gro’jesh dem Kapitel des Ordens an, der es ihr ermöglicht, durch Aventurien zu ziehen. Dabei werden sie Dämonen und Vortexwesen jagen und vernichten, andere Erwählte finden und ihnen helfen auf den rechten Pfad zu gelangen sowie weitere Heldentaten im Dienste der Götter verrichten. Sodass sie ihrem Titel Botin Firuns gerecht wird. Einigen bringt sie Tod und Läuterung, Anderen reicht sie eine helfende Hand. Allen gemeinsam hilft sie ihre Schicksale zu finden.

Über ihr eigenes Schicksal, welche von ihnen beiden wo und wie dienen sollte, entschied letztlich das Los.

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Geschehnisse zw. dem Abenteuer Schicksalspfade und dem ersten Teil vom Jahr des Feuers

Jo’lach tränkt die Erde

Als die Azinas von den Überfällen der Trollzacker auf den Traviaschrein und von den Wundern von Rondra und Travia erfahren. Weiß sie, dass Shakriin Boran tot ist. Er hätte das niemals zugelassen. Sie schwören blutige Rache.

Geradewegs marschieren sie in das Gebiet der Trollzacker um mit Waffengewalt Frieden zu schaffen. Anders kennen es die Trollzacker offenbar nicht. Gro’jesh lassen sie in der Hütte des Einsiedlers zurück.

Sie gelangen in das Dorf der Mach’natûl. Die Wachen lassen sie erschrocken passieren. Zu tief stecken die Schrecken der Niederlagen bei den Kämpfen am Schrein. Außerdem kennen und fürchten sie Azina. Dass es gleich zwei von ihr gibt überrumpelt sie vollends.

„Wo ist Shakriin Boran? Ich habe mit dem Stamm der Mach’natûl eine Vereinbarung über das Tal getroffen. Was wagt ihr, es anzugreifen?“ Brüllt sie mitten im Dorf stehend in die Runde.

„Boran ist tot.“ Bellt ein über zwei Schritt großer Trollzacker zu ihnen hinüber, während er sich einen Weg durch die Menge bahnt. „Er war ein Schwächling! Ich, Jo’lach, führe nun den stolzen Stamm der Mach’natûl. Ich führe ihn zu neuer Ehre und Stärke.“ Er wirft sich die Faust vor die Brust.

„Dann bist du es, der bluten wird, um den Frieden wiederherzustellen. Das Land wird dein Schama trinken und die Mach’natûl halten sich auf ewig an die Vereinbarung!“

„Angriff stolze Krieger! Tötet sie!“ befiehlt Jo’lach seinen Männern. Doch niemand reagiert. Sie eingeschüchtert. Gute Krieger sind jüngst gestorben. Normalerweise ist ein Tot im Kampf ehrenvoll. Aber die Moral ist gebrochen. Die sinnlosen Angriffe haben ihre Reihen empfindlich dezimiert. Weitere Verluste gegen zwei tödliche Geister bedroht ihre Existenz. Wer soll Jagen und das Dorf beschützen, wenn alle Krieger tot sind?

Jo’lach knurrt nur verdrossen und greift an. Eine Azina zieht sich zurück während die andere gegen ihn kämpft. Es ist ein ungleicher Kampf. Die Botinnen Firuns haben gut trainiert und sind voller Wut über den Verlust des Mannes ihrer Wahl. Rasch hat sie den riesigen Krieger überwunden und das Land mit seinem Blut getränkt.

„Wenn jemals wieder ein Angriff auf das Tal erfolgt, kommen wir wieder und opfern erneut dem Land!“ Damit wenden sie sich um und gehen gemessenen Schrittes aus dem Dorf.

Auf bald Mach’natûl. Da habt ihr ihn, euren Geist.

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Azinas Gedanken