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Eine andere Geschichte – Teil III

weie-und-feuer-winter-18449223Es war bereits spät am Abend, die Praiosscheibe hatte sich bereits hinter den Bergen zur Ruhe begeben und war nur noch ein schwaches Glimmen am Horizont. In einer tief verschneiten Talsohle, zwischen zahlreichen mit Firuns Atem bedeckten Fichten und Tannen, stapften zwei in dicke Felle gehüllte Männer durch das Eis. Immer wieder fegte eine schneidender Wind durch ihre Gewänder, doch nur einer der beiden war dies gewohnter als der andere und ließ sich daher sein Unbehagen nicht anmerken. „Was meint wie lange wir noch brauchen?“ rief der hintere dem vorderen zu. Begleitet vom knirschen des Schnees, der der durch jeden Schritt den die zwei taten verursacht wurde, antwortete der andere: „Nöch vörm Friskenmond.“. Es war Árngrimr Brydason, der Huscarl Mӕdnirs, und hinter ihm lief ein drahtiger Mann der auf den Namen Igan Bodiak hörte. Die beiden Männer hatten inzwischen zwei Wochen zusammen verbracht und waren die letzten Tage in den Bergen nahe des Roten Riesen gewesen. „Was habt ihr vor …. wenn wir wieder in der Stadt sind … meint ihr wirklich …  der Vogt … wird sich eures Problems annehmen?“ Igan viel es schwer seinen Satz flüssig auszusprechen, er war mit seinen Kräften schon fast am Ende und bei jedem Schritt den er tat spürte er ein unerträgliches ziehen in seinen Gliedern. Die anhaltende Kälte forderte allmählich ihren Tribut von ihm. „Er wörd uns Gehör schänken.“ antwortete der Thorwaler mit sicherer Stimme. „Wiä häb’n etwäs das säne Aufmerksämkeet sichärn würd.“ Der Huscarl klopfte dabei auf seine Umhängetasche mit der starken Ausbeulung.

Gemeinsam gingen die zwei Männer weiter. Während Igan mit Mühe versuchte in die Fußstapfen des Nordmanns zu gehen, ließ sich Árngimr von der widrigen Umständen der Witterung nicht beirren. Stetig voran, ohne auch nur einen Gedanken an eine Rast zu verschwenden lief er unermüdlich weiter und weiter. Es war der Mittelländer der ihm stets dazu aufforderte doch eine kurze Rast einzulegen. Und kaum hatten sich die beiden Männer eine Stelle gesucht an der sie kurz halt machen konnten, war der Blick des Nordmanns schon wieder in die Richtung gewandt in die es weiter ging. Während Igan sich mühte einen Tropfen Wasser aus einem Wasserschlauch zu entlocken, kaute der treue Huscarl nur auf einem Stück Trockenfleisch.

„Meint ihr nicht … es wäre an der Zeit … eine Lagerstatt zu errichten.“ Igan klang dabei fast schon klagend. Árngrimr knurrte leise. Er wusste inzwischen um die verminderte Widerstandskraft seines Begleiters und war nicht sehr begeistert darüber wie oft er ihn aufhielt. Igan war, das musste man hier mal kurz anmerken, keineswegs von schlechter Konstitution oder Stärke, doch im Vergleich zu einem gut ausgebildeten und erfahrenen Huscarl der es gewohnt war durch Eis und Schnee zu stiefeln war der mittelländische Schwertgeselle wie ein Fisch auf dem trockenen – schlichtweg nicht von langer Lebensdauer. Árngrimr musste immer wieder daran denken, dass er ohne seinen Begleiter wohl schneller vorrankommen wäre. Doch dieser seltsame Mittelländer war ihm hier – weit weg von seiner Heimat – so etwas ähnliches wie ein Verbündeter geworden. Und da sich der Huscarl gewiss war das er keine Zeit, und ganz sicher auch keine Lust sich einen anderen zu suchen, nahm er geduldig Rücksicht auf seinen Begleiter. Árngrims blieb stehen und sah sich einen kurzen Moment um. „Dort hinten.“ rief er gelassen, jedoch leicht murrend und deutete auf eine kleine Felsformation die aus dem Schnee herausragte. Sie sollte den beiden Männern und ihrem Zelt für diese Nacht genügend Schutz vor Wind und Wetter bieten.

Nach einer knappen halben Stunde war das einfache Zelt, welches Árngrimr auf seinem Rücken im Gepäck bei sich trug, aufgebaut. Igan hatte derweil etwas Holz herangeschafft, Schnee beiseite geschippt und dafür gesorgt das ein kleines Lagerfeuer entfacht wurde. Derweil hatte die Dunkelheit am Fuße des Roten Riesen, dem größten Massiv des Junkernguts, Einzug gehalten. Während die beiden Männer die wohltuende Wärme des Lagerfeuers förmlich einsogen, kramte der Nordmann in seiner Umhängetasche und holte ein Feldsteingroßes, pelziges Etwas hervor. Igan blickte für einen kurzen Moment angewidert hin und sofort blieb ihm ein Stück Käse im Halse stecken. Árngrimr wog den „Corpus delicti“ in seiner Hand umher. „Lebendig war es schon erschreckend genug, doch auch tot finde ich es noch immer mehr als … gruselig.“ hustete Igan und würgte dabei das Stück Käse hervor. Ihm schüttelte der Anblick, doch dem Huscarl schien es nichts auszumachen. Er starrte es an als würde darin das Geheimnis für das Verschwinden seines Thanen liegen. „Siä wän zu schwäch – män Thane hätte sie ohnä Problömä ä’schlagän.“ Igan blinzelte, manchmal hatte er Mühe die Worte seines Begleiters zu verstehen. „Euer Thane hat den Roten Pass genommen, so viel wissen wir … und wir wissen auch, dass … „ und Igan deutete dabei auf das pelzige etwas in Árngrimrs Händen. “ … diese Dinger dort hausen. In Hochstieg werden wir Verstärkung besorgen … und dann hierher zurückkehren. Nur wir wissen wo es reingeht, auch wir hatten es nur mit Glück gefunden.“

Beyrounat Khorestan

Ich habe mich dazu entschlossen das >>Beyrounat Khorestan<< und somit auch die Verwaltung der Seite als Meister abzugeben. Ich hatte mir eigentlich mal gedacht daraus ein Dauerspiel werden zu lassen welches ich mit Jan fröhnen möchte. Allerdings muss ich wohl einsehen das mir sowohl  die Zeit als auch Lust fehlt dies aktiv zu betreiben – leider.

Ich nehme also hiermit meine Hand von dem Land und stelle es euch zur freien Verfügung und weiteren Verwendung. Entweder übernimmt Jan es selbst, oder eventuell sogar Christian.

Leider ist die Seite von mir seit unseren letzten Spiel dort auch nicht mehr aktualisiert worden.

Ich werde die Seite so belassen wie sie ist, ihr könnt dann ab jetzt alles daran ändern wie ihr es wollt. Sollten natürlich irgendwelche Fragen sein stehe ich dafür gerne zur Verfügung.

 

Neues Interludium

Das neue Interludium der Gruppe Teehaus steht und ist hier zu finden: KLICK MICH

Delia, Nehazet und Jane sind zusammen im Kaminzimmer. Azina und Traviahold in Wald, weshalb die zwei Gruppen getrennt sind. Derzeit gibt es nur einen NSC, und zwar den seltamen Typen im Wald der gerade gegenüber von Azina steht und ihren Hund in den Händen hält. Insofern die anderen drei einen NSC oder GSC (Sieghelm) haben möchten, müsst ihr sie entsprechend anspielen bzw. holen lassen. Vor der Tür werkelt eine Magd herum die dafür prädestiniert ist 🙂

Ich freu mich schon auf schönes Spiel mit euch und bin gespannt ob ihr die ganzen Ereignisse zusammentragen könnt 🙂

 

Euer Spielleiter/Meister/Schicksal

Interessante Charaktere in Khorestan

Rot steht für Rastullahglaube – Grün für Zwölfgötterpantheon. Assaf ist die Ausnahme, er passt sich je nach Herrscher an.

 

Charaktere aus der Bevölkerung

 

  • Hairan Fthaihif al’Karimaz ay Quadanag (Familienoberhaupt der Rezzani’s, Wohnsitz in Quadanagar [ca. 50 Personen]) – Claus
  • Hairan Achtev al’Rashid ben Shafir (Familienoberhaupt der Benayman’s, Wohnsitz in Shirdar [ca. 70 Personen]) – Christian
  • Hairan Mordai sâl Maharbal al’Kira (Familienoberhaupt der Maharbal’s, Wohnsitz in Shirdar [ca. 40 Personen]) – Jörn
  • Alam Seyshaban ben Cherek bân Rezzan (Pergamenthändler aus Quadanagar) – Jörn
  • Saiman al’Kolbîr (Besitzer des Gasthauses „Schnabelschuh“ in Quadanagar) – Claus
  • Tuluf ibn Harun (Bruder des verstorbenen Emir Gulbad – derzeitig im Kerker) – Christian
  • Sahib Abdul ibn Khabla (Besitzer der Karawanserei in Shirdar) – Aaron
  • Peribeth Abdulsunni (Älteste Tochter des Karawansereibesitzers in Shirdar, rotes Haar von einer Sklavin aus dem Bornland) – Aaron
  • Hexe aus Quadanagar – Claus
  • Beni Erkin – Christian
  • restliche Bevölkerung Shirdars und Quadanagar – Christian

 

 

Charaktere des Militärs

 

  • Agha Jedrech al’Kebîr ben Nareb (Hauptmann der Garde und Anführer des Militärs in Khorestan) – Aaron
  • Beybashar Aytan ben Rafid (Leutnant der Garde und Anführer der Dschadra (10 Mann) in Quadanagar) – Aaron
  • Söldnerin Liliana (Stumme Söldnerin, reist oft mit Karawanen auf der Zedernstraße) – Aaron

 

Charaktere der Hofstaates

 

  • Wesir Assaf al’Fesari (Alter & Neuer Palastwesir [Kämmerer]) – Jörn
  • Gärtner Halef ben Achmed bân Benayman (Frisch eingestellter Hofgärtner zur Aufzucht von Heilpflanzen) – Chrisitan
  • Haremsälteste Abrizah al’Azila (die Wildrose) – 27 Jahre – Claus
  • Haremsweib Isha az-Zahra (die Blume) – 25 Jahre – Claus
  • Haremsweib Nedime ash-Shabra (die Glänzende) – 19 Jahre – Claus
  • Haremsweib Renahban saba-es-Sulef (Tochter des Liebreizes) – 16 Jahre – Claus
  • 2 Lehrlinge Nehazets aus der Bevölkerung – Aaron
  • 1 Lehrling von Außerhalb – Christian

 

Charaktere der Ferkinas

  • Azad, StammesschamaneJörn
  • Krieger der Ferkinas – Christian

 

Mögliche Antagonisten

  • Jalif ibn Mhanach (Letzter Nachkomme von Emir Mhanach ibn Yerdawan [6 Jahre alt]) – Jörn
  • Laila Abda’l Mayy (Mutter des Sechsjährigen und ehemalige erste Shanja von Emir Mhanach ibn Yerdawan) – Jörn

 

Es sind natürlich noch wesentlich mehr Charaktere möglich. Ihr könnt euch gerne noch weitere ausdenken. Sprecht euch da am besten mal mit Jan ab. Schaut ansonsten einfach mal auf die Khorestan-Seite oder verfolgt den Briefwechsel von Assaf und Nehazet um euch Ideen zu holen

Eine andere Geschichte – Teil II

Maednir„Was treibt zwei Nordmänner an, das Fürstentum Darpatien zu bereisen?“ die belanglose Frage des Wirts war weniger aus echtem Interesse heraus, als vielmehr von dem Bedürfnis ein freundlicher – und vor allem traviagefälliger – Gastgeber zu sein gestellt worden. Zwei Thorwaler, gehüllt in zahlreichen, sich überlappenden Schichten aus dicken Wollstoffen, wolligen verfilzten Tierfellen und wehrhaften – rau bearbeiteten – Plattenteilen saßen sich an einem langen Holztisch gegenüber, an dessen Stirnende ein rundbäuchiger Wirt stand. Dem Wirt viel es schwer zu erkennen wo die lange Behaarung der zwei Männer endete, und wo die Bekleidung begann, beinahe hätte er die Stadtwache gerufen, als diese zwei – ganz nach Banditengesindel aussehenden – stämmigen Männer seine Wirtschaft betreten hatten. Ihre, ihrem Aussehen trotzendem, ruhige und gelassene Art – veranlasste ihn jedoch dazu sie als gut zahlende Kunden einzuschätzen. Der Unterschied zwischen marodierenden Räubern und gut zahlenden Gästen ist hin- und wieder kaum erkennbar. „Wiä sönd äuf de‘ Weg zu äna Pilgaräise, Herr Wirt.“ antwortete Árngrimr, der Huscarl des älteren in seinem besten Garethi. Der Besitzer des Gasthofes musste sich ein schmunzeln verkneifen, als er die lustig klingende Mundart des breitschultrigen Mannes vernahm. „Pilgerreise, ja? Na möge Aves euch begleiten, meine Herren – und Willkommen im stolzen Darpatien, dem arbeitsamen Bullen des Mittelreichs, falls euch noch niemand willkommen geheißen hat. was darf es denn sein?“ Ein verging ein Moment, die zwei Thorwaler sahen sich lediglich gegenseitig an als ob sie in der lage waren mittels Kraft Ihrer Gedanken miteinander zu kommunizieren. „Zwä Vollbiä.“ war dann die bloße Antwort des Huscarls. „Kommt sofort.“ und mit diesen Worten verschwand der Wirt.

Es verstrich wieder etwas Zeit, Mӕdnir Hasgarsson fingerte Gedankenversunken an einem etwas mehr als Dukatengroßen, permuttfarbenen Amulett herum, welches er in seinen Händen offen hin und her gleiten ließ. Seine rauen Finger strichen dabei immer wieder über das eingravierte Symbol, welches darauf zu sehen war. Árngrimr sah seinem Thanen dabei zu, schon seit mehreren Nächten spielt sein Herr mit diesem Ding herum, er hatte jedoch noch nicht die richtigen Worte gefunden ihn danach zu fragen. Im Thorwalschen Pantheon, war das Symbol, welches auf diesem Amulett zu sehen war, eine wesenlose elementare Gottheit des Meeres und Teil der Schöpfungslehre. Für Árngimrs war es also weder etwas unbekanntes, noch etwas frevelhaftes es bei sich zu tragen. Mӕdnir war, so wie Árngimr ein erfahrener Seemann, wieso sollte er also nicht das Symbol des Meeresgottes bei sich tragen? Dennoch – irgendwas war an diesem Ding, was Árngimr nicht gefiel. Er hatte dieses Amulett bis vor wenigen Sonnenaufgängen noch nie bei seinem Herrn gesehen – und er hätte sich mit Sicherheit daran erinnert wenn er es auch irgendeinem Markt oder bei einem Kiepenkerl erworben hätte. Immerhin war er Mӕdnirs erster Thinskari, und wich somit nie von dessen Seite – es sei denn er wollte es so. Árngimr dachte über eine Verbindung nach, die dieses Amulett eventuell mit den immer weniger werdenden Gebeten zu Swafnir haben könnte.

„Stellt eure Frage, Huscarl.“ brummte es aus Mӕdnirs Bart plötzlich heraus. Árngimr zögerte. Seine Ausbildung und sein Trygdar-Eider hinderten ihn daran seinem Thanen gegenüber neugierig zu sein. „Verzeiht, mein Thane – ich spüre wie mir Frenjara’s eisiger Atem bis ins Mark bläst wenn ich euch mit eurem Amulett herumspielen sehe.“ Unter dem Bart des älteren Thorwalers hätte man ein kurzen lächeln sehen können, wenn der Bart nicht so Dicht gewesen wäre. „Ihr erwähnt den eiskalten Wind der Weisheit, der von den Nivesenlanden her kommt und frostig über das Meer der sieben Winde weht.“ antwortet Mӕdnir mit bedeutungsschwangerer Stimme. „Ich beneide euch, Árngimr – ich wünschte auch ich könnte ihn spüren. Denn trüge Frenjara die Weisheit mit sich nach der ich suche, dann wäre ich bereits am Ziel meiner Reise.“ Die kryptische Antwort seines Herrn verwirrte den Huscarl, nur leicht ließ er den Kopf senken – kaum sichtbar – doch Mӕdnir wußte die sparsame Gestik seines ergebenen und langjährigen Waffenbruders inzwischen gut zu deuten. „Ich weiß dass es unnötig ist es zu erwähnen, denn ihr seid nicht nur mein Huscarl, sondern auch mein erster Thinskari – und mein Freund.“ Und mit diesen Worten blickte Mӕdnir Árngrimr direkt in die Augen „Du mußt mir vertrauen, Árngimr! Efferd hat zu mir gesprochen – zuerst dachte ich es wäre der Wächter über Land und Meer, unser Herr über Leben und Tod , der Herr Firun der zu mir sprach – doch es war Efferd, und er war mehr als nur eine wesenlose Gottheit, Árngrimr – ich weiß das mag nach Hranngar’schem Gerede klingen in deinen Ohren, doch ich sage dir – so leibhaftig wie Swafnir in uns allen ist und wir ihn bei jeder Welle die gegen den Rumpf unserer Otta schlägt spüren, so leibhaftig hab ich Efferd gespürt, er ist hier … hier bei mir. Und er wacht über mich.“ Mit diesen Worten krachten zwei überschäumende Bierhumpen auf den Tisch zwischen die beiden Männer. „Zwei Vollbier, wohl bekomms‘!“ tönt der Wirt und lässt die zwei auch schon wieder alleine, ohne zu wissen dass er eben in ein eine Offenbarung hineingeplatzt war. „Ah, endlich!“ platzt es auch Mӕdnir heraus, der sein Ansprache im Angesicht des Biers vergessen zu haben scheint und es sofort zu seiner trockenen Kehle führt. Árngrimr hingegen war fassungslos. Er musste sich dazu zwingen ebenfalls zu dem Bierhumpen zu greifen. Er traute seinen Ohren kaum, ich hatte mit vielem gerechnet, doch nicht damit. Andere wären jetzt vor Fassungslosigkeit von der Bank gefallen oder hätten sich in einer Glaubensdiskussion ergossen, doch nicht Árngrimr – der treue Huscarl Mӕdnir Hasgarssons. Er würde nicht seinen Eid brechen, selbst wenn er seinem Herrn dafür auf den Grund des Meeres folgen musste.

Was die beiden Thorwaler nicht mitbekommen hatten, war ein weiterer Mann – ein Mittelländer, der zwei Tische weiter saß. Er hatte langes, zu einem Topf gebundenes braunes Haar, einen gepflegten Oberlippenbart und ein wehrhafte und blankpolierte leichte Plattenrüstung schützte seinen agilen Körper. Nur zufällig hatte er das Gespräch der beiden Thorwaler mitbekommen. Er konnte Thorwalsch, und da keine anderen Gäste anwesend waren, vernahm er das Gespräch der beiden Ausländer recht klar. Zuerst interessierte ihm das Gefasel der beiden nicht, doch irgendwann wurde er hellhörig. Spätestens beim Anblick des permuttfarbenen Amuletts gingen die Finger des jungen Schwertgesellen zu seinem Hals, an dessen Stelle einst etwas ähnliches baumelte. Ein Amulett aus Eisen, welches dort nun schon seit längerem fehlte. „Darf es für euch noch etwas sein, Herr Bodiak?“ wollte der Wirt wissen. „Für mich noch ein Bier, bitte – Herr Wirt – und noch zwei weitere für diese beiden Herren dort drüben, ich bin in Stimmung zwei geschätzte Freunde des Waffenganges auf ein Bier einzuladen.“ antworte der Schwertgeselle mit lächelnd freundlicher Miene.

(Anm.d.Autors: Ich habe den Vornamen von „Áarngrimr“ in „Árngrimr“ geändert, es ist noch die selbe Person, nur diesmal ist die Schreibweise korrekter.)

Eine andere Geschichte

Arngrim„Wie nennt man diesen Ort?“ erkundigte sich eine tiefe und raue Stimme. „Die Bauern sagen, man nennt ihn Hartsteen, mein Thane.“ antwortete der andere, etwas jüngere der Beiden. „Hartsteen.“ hauchte der erste, und blickte dabei von dem schaukelnden Wagen hinaus in die Weite des Landes wo am Horizont die rot geziegelten Dächer einer mittelländischen Stadt zu sehen waren. „Dann ist es nicht mehr weit, mein Freund.“ der jüngere schwieg. Das Ziel ihrer Reise war bald erreicht. Die zwei großgewachsenen Männer hatten eine weite Reise hinter sich. Vor einigen Monden waren sie aus dem Jarltum Premjastad aufgebrochen, beginnend im Golf von Prem, über die nostrische Küste bis hinunter in das Mündungsdelta des großen Flusses sind die beiden Männer mit ihrer Otta gefahren. Dort angekommen heuerten sie auf einer Flusskogge an um den Großen Fluss bis nach hinauf nach Ferdok zu fahren, von wo aus sie denn den Avesweg nahmen. Über die Reichstraße 6 erreichten sie Gareth, die Metropole des Mittelreichs. Doch sie verweilten nur kurz in der Reichsstadt, ihr Weg führte sie weiter gen Rahja – oder nach Wesda, wie die Thorwaler zu sagen pflegen.

„Wir werden im Gaimond das Ziel unserer Reise erreichen, ganz wie wir es geplant hatten.“ sprach Mӕdnir, der ältere der beiden. „Ich verstehe noch immer nicht, wieso ihr ausgerechnet diesen Pilgerpfad beschreiten wollt, mein Thane.“ In der Stimme des jüngeren lag Besorgnis um seinen Herrn. Sie hatten eine weite Reise hinter sich gebracht, nur um einen Pilgerpfad zu beschreiten von dessen Existenz sein Herr bis kurz vor der Abreise noch nichts einmal etwas wusste. „Áarngrimr, ihr seid mein Huscarl, und nicht mein Eheweib – ihr müsst meine Entscheidungen nicht verstehen, sondern sie – und genau das habt ihr bisher mit großer Sorgfalt getan – respektieren und umsetzen.“ In Mӕdnirs Stimme lag kein Zorn, dennoch war sie mit harter Tonlage geführt, doch für Áarngimr war dies nichts neues. Áarngrimr Brydason war schon viele Jahre im Dienste Mӕdnirs. Er war ein ausgebildeter Kämpfer und erfahrener Seefahrer. Seine Streitaxt zierten bereits viele Kerben, geschlagen in zahlreichen Schlachten, sowohl auf See als auch an Land. Auch sein großes rundes Schild war gezeichnet von den vielen Hieben, Stichen und eingeschlagenen Pfeilspitzen die es einst abgewehrt hat.

Wieder vergingen mehrere dutzend Schritte, die sich der Karren auf dem die beiden Nordmänner saßen, der Stadt Hartsteen näherte. Ein frischer Wind kam auf und wehte durch das lange Haar der beiden bärtigen Männer. Ihre Gesichter blieben versteinert, denn sie trotzten bereits wesentlich stärkeren Winden. In ihren Augen lag zugleich die tiefe Entschlossenheit und der unerschöpfliche Mut eines Thorwalers. Mӕdnir blickte wieder in die Ferne, während sein tapferer und treuer Huscarl ein wachsames Auge auf die zwei Mittelländer hatte die den Karren lenkten. Nur gelegentlich erlaubte sich der Kämpfer seinen Blick woanders hin schweifen zu lassen. Immer wieder fiel sein Blick dabei auf seinen Herrn, der die letzten Monde sich zu verändern schien. Schon lange hatte er kein Gebet mehr an Swafnir gerichtet, sein Gemüt wurde mit jedem Sonnenuntergang immer launiger und unberechenbarer. Es war nicht an Áarngrimr den Weg seines Thanen zu hinterfragen, trotzdem machte er sich Sorgen um ihn, denn schon viele Winter lang war er nicht nur sein Herr, sondern auch sein treuer Hirdman. „Erleuchtung, Huscarl.“ raunte Mӕdnir plötzlich, ohne das sich die Blicke der beiden trafen. Áarngrimr wusste zuerst nicht wovon sein Gegenüber da sprach, entschied sich dann jedoch nachzufragen. „Wovon sprecht ihr, mein Thane?“ „Ihr wolltet wissen warum ich den Pilgerpfad in Dettenhofen begehen möchte. Der Mann der mir davon erzählte, hatte ihn einst selbst beschritten und er erzählte mir, dass es eine einzigartige Erfahrung gewesen sei – und er aller Widrigkeiten zum Trotz – ihm Erleuchtung gebracht hatte. Es war diese innere Zufriedenheit und Selbstsicherheit in seinen Augen die mich Erschauern ließ. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte meine Axt nicht gegen ihn erheben können – so sehr hatte mich sein Blick erstarren lassen. Als hätte ich Hranngar persönlich ins Angesicht geblickt.“ Mӕdnir machte eine Pause, der Wagen knarzte unter der Last der beiden Männer.  „Darum will ich diese Pilgerreise machen, Áarngrimr. Ich habe das Gefühl, dass mich mein Schicksal dort erwartet.“ Mit diesen Worten sah Mӕdnir wieder Gedankenversunken in die Ferne, während er seine rauen Finger über ein Perlmuttfarbenem Amulett gleiten ließ das unter seine dichten Bart versteckt war.