Es war bereits spät am Abend, die Praiosscheibe hatte sich bereits hinter den Bergen zur Ruhe begeben und war nur noch ein schwaches Glimmen am Horizont. In einer tief verschneiten Talsohle, zwischen zahlreichen mit Firuns Atem bedeckten Fichten und Tannen, stapften zwei in dicke Felle gehüllte Männer durch das Eis. Immer wieder fegte eine schneidender Wind durch ihre Gewänder, doch nur einer der beiden war dies gewohnter als der andere und ließ sich daher sein Unbehagen nicht anmerken. „Was meint wie lange wir noch brauchen?“ rief der hintere dem vorderen zu. Begleitet vom knirschen des Schnees, der der durch jeden Schritt den die zwei taten verursacht wurde, antwortete der andere: „Nöch vörm Friskenmond.“. Es war Árngrimr Brydason, der Huscarl Mӕdnirs, und hinter ihm lief ein drahtiger Mann der auf den Namen Igan Bodiak hörte. Die beiden Männer hatten inzwischen zwei Wochen zusammen verbracht und waren die letzten Tage in den Bergen nahe des Roten Riesen gewesen. „Was habt ihr vor …. wenn wir wieder in der Stadt sind … meint ihr wirklich … der Vogt … wird sich eures Problems annehmen?“ Igan viel es schwer seinen Satz flüssig auszusprechen, er war mit seinen Kräften schon fast am Ende und bei jedem Schritt den er tat spürte er ein unerträgliches ziehen in seinen Gliedern. Die anhaltende Kälte forderte allmählich ihren Tribut von ihm. „Er wörd uns Gehör schänken.“ antwortete der Thorwaler mit sicherer Stimme. „Wiä häb’n etwäs das säne Aufmerksämkeet sichärn würd.“ Der Huscarl klopfte dabei auf seine Umhängetasche mit der starken Ausbeulung.
Gemeinsam gingen die zwei Männer weiter. Während Igan mit Mühe versuchte in die Fußstapfen des Nordmanns zu gehen, ließ sich Árngimr von der widrigen Umständen der Witterung nicht beirren. Stetig voran, ohne auch nur einen Gedanken an eine Rast zu verschwenden lief er unermüdlich weiter und weiter. Es war der Mittelländer der ihm stets dazu aufforderte doch eine kurze Rast einzulegen. Und kaum hatten sich die beiden Männer eine Stelle gesucht an der sie kurz halt machen konnten, war der Blick des Nordmanns schon wieder in die Richtung gewandt in die es weiter ging. Während Igan sich mühte einen Tropfen Wasser aus einem Wasserschlauch zu entlocken, kaute der treue Huscarl nur auf einem Stück Trockenfleisch.
„Meint ihr nicht … es wäre an der Zeit … eine Lagerstatt zu errichten.“ Igan klang dabei fast schon klagend. Árngrimr knurrte leise. Er wusste inzwischen um die verminderte Widerstandskraft seines Begleiters und war nicht sehr begeistert darüber wie oft er ihn aufhielt. Igan war, das musste man hier mal kurz anmerken, keineswegs von schlechter Konstitution oder Stärke, doch im Vergleich zu einem gut ausgebildeten und erfahrenen Huscarl der es gewohnt war durch Eis und Schnee zu stiefeln war der mittelländische Schwertgeselle wie ein Fisch auf dem trockenen – schlichtweg nicht von langer Lebensdauer. Árngrimr musste immer wieder daran denken, dass er ohne seinen Begleiter wohl schneller vorrankommen wäre. Doch dieser seltsame Mittelländer war ihm hier – weit weg von seiner Heimat – so etwas ähnliches wie ein Verbündeter geworden. Und da sich der Huscarl gewiss war das er keine Zeit, und ganz sicher auch keine Lust sich einen anderen zu suchen, nahm er geduldig Rücksicht auf seinen Begleiter. Árngrims blieb stehen und sah sich einen kurzen Moment um. „Dort hinten.“ rief er gelassen, jedoch leicht murrend und deutete auf eine kleine Felsformation die aus dem Schnee herausragte. Sie sollte den beiden Männern und ihrem Zelt für diese Nacht genügend Schutz vor Wind und Wetter bieten.
Nach einer knappen halben Stunde war das einfache Zelt, welches Árngrimr auf seinem Rücken im Gepäck bei sich trug, aufgebaut. Igan hatte derweil etwas Holz herangeschafft, Schnee beiseite geschippt und dafür gesorgt das ein kleines Lagerfeuer entfacht wurde. Derweil hatte die Dunkelheit am Fuße des Roten Riesen, dem größten Massiv des Junkernguts, Einzug gehalten. Während die beiden Männer die wohltuende Wärme des Lagerfeuers förmlich einsogen, kramte der Nordmann in seiner Umhängetasche und holte ein Feldsteingroßes, pelziges Etwas hervor. Igan blickte für einen kurzen Moment angewidert hin und sofort blieb ihm ein Stück Käse im Halse stecken. Árngrimr wog den „Corpus delicti“ in seiner Hand umher. „Lebendig war es schon erschreckend genug, doch auch tot finde ich es noch immer mehr als … gruselig.“ hustete Igan und würgte dabei das Stück Käse hervor. Ihm schüttelte der Anblick, doch dem Huscarl schien es nichts auszumachen. Er starrte es an als würde darin das Geheimnis für das Verschwinden seines Thanen liegen. „Siä wän zu schwäch – män Thane hätte sie ohnä Problömä ä’schlagän.“ Igan blinzelte, manchmal hatte er Mühe die Worte seines Begleiters zu verstehen. „Euer Thane hat den Roten Pass genommen, so viel wissen wir … und wir wissen auch, dass … „ und Igan deutete dabei auf das pelzige etwas in Árngrimrs Händen. “ … diese Dinger dort hausen. In Hochstieg werden wir Verstärkung besorgen … und dann hierher zurückkehren. Nur wir wissen wo es reingeht, auch wir hatten es nur mit Glück gefunden.“