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Letze Nacht in Fasar

Noch lange lag Delia in dieser Nacht wach. Sie hatte es den ganzen Tag sehr gut geschafft sich von ihren Ängsten abzulenken. Dies war auch ein Leichtes in anbetracht der Hochzeit von Rowin und Demeya. Doch nun in der Dunkelheit des Schlafsaals stürzt alles wieder auf sie ein.
Welchen Erinnerungen konnte sie wirklich noch trauen? War das alles passiert, war dieser Tag wahr, war sie es selbst?

Es musste so sein! Alles seitdem sie außerhalb der verfluchten Akademie zu sich kam musste wahr sein!

Sie wälzte sich unruhig hin und her, kaum Schlaf findend. Allein in einem dunklen Raum. Vollkommen auf sich gestellt. Es drängten sich die Geräusche der anderen an ihr Ohr. Schlafende Körper. Oder taten sie nur so? Solange bis Delia unachtsam wurde? Um sie dann endgültig zu verschlingen?

Ein Geruch aus längst vergangen Zeiten drängte sich in ihre Nase. Von jenem Mann den sie damals über alles liebte und sich doch gegen ihn entschied. „Jallal wo bist Du… Ich brauche Dich…“ keuchte sie im dumpfen Halbschlaf. Im Bewusstsein, dass er nicht kommen konnte. Er war bereits seit langem tot… Doch der kurze Geruch beruhigte sie etwas.

Der Diener Levthans, welcher an diesem Abend sie mit den Worten „Ich werde nicht bitten“ zum Tanze befahl, erinnerte sie an Jallal. Umso mehr fühlte sie sich verlassen, als jener Mann sie nicht für diese Nacht erwählte und statt dessen eine Traviageweihte mit dem Feuer seiner Lenden beglückte. Auch jetzt noch konnte sie das lustvolle Stöhnen aus dem Nebenraum vernehmen. Wie konnte sie auch davon ausgehen, das er sie für die Nacht wählen würde? Sie, gebrochen und ihrer Haare und Würde beraubt.

Sie hoffte inständig, dass Nehazet ihr helfen konnte. Der einzige Magier dem sie traute.

Ihre Hände griffen erneut nach dem Duft aus ihren Erinnerungen und fanden keinen Halt. An nichts konnte sie sich klammern, nichts hielt sie und so stürzte sie, leise wimmernd in die alptraumhafte Schwärze der traumlosen Nacht. Auf ihrem Gesicht bahnten sich einsame Tränen den Weg, in stiller Hoffnung auf liebevolle Lippen die sie erlösten, bevor sie ein trockenes Ende finden würden.

Angst…

Was ist mit mir passiert? Das Erlebte der letzten Tage scheint so fern zu sein, fern und falsch. Stunden, Tage, sind vielleicht Jahre oder mein Leben falsch? Wo sind meine Haare geblieben und warum bin ich verwundet?

Kann ich überhaupt noch jemandem vertrauen? Dumpf im Nebel sehe ich Freunde. Hinter einem dichten Nebel aus Angst, Furcht und Vergessen. Sie rufen nach mir, doch ich verstehe sie nicht. Ich spüre nur Azinas und Bakus Wärme, einen Anker und Hält in dieser Welt. Lasst mich nicht los. Bitte! Lasst, mich nicht entgleiten, in die traumlose Leere des Vergessens.

HELFT MIR!

Delias Gedanken zu den letzten Stunden … Tagen … Jahren… ?

Noch im Teehaus (Azinas Geschichte)

Da sitzten die vier Gefährten noch im Teehaus, der eine oder andere etwas betrübt von Azina’s Geschichte. Als Delia die Hand von Azina ergreift, ihr fest in die Augen blickt und sagt. Wärend sie spricht wirkt sie kaum noch wie die etwas merkwürdige junge Frau. Ihre Ausstrahlung ändert sich zu der einer alten, weisen und lebenslustigen Frau, deren Augen schon viel gesehen haben. Tiefe graue Augen mit silbrigen Glanz, scheinen Azina direkt in die Seele zu schauen.

“Meine Liebe lass mich Dir eines sagen. Die Ströumgen des Schicksals und der Zeit tragen uns zu den Orten wo wir lernen können. Wir haben es nie leicht an solchen Orten, doch wir müssen dahin. Da wo wir sind ist der richtige Ort für uns. Es besteht kein Zweifel und der Schmerz den wir manchmal empfinden ist ein Teil des Prozesses der ständigen Erneuerung und Wiedergeburt. Du und ich, wir alle durchlaufen eine Phase des Wandels, wir werden alle vom Schicksal gelengt.”

Kurz hält die Hexe inne, um ihren Worten etwas Nachdruck zu verleihen.

“Ich verräte Dir ein Geheimnis Azina, vielleicht das größte Geheimnis aller Zeiten. Die kleinsten Bausteine Deines Körpers sind auch die Bausteine aus denen alles andere besteht. Wir, Backus, Adaque, das Teehaus, diese Stadt, einfach alles. Alles ist eine Einheit. Wir alle sind das Universum, wir manifestieren es und daher müssen wir auch immer wieder versuchen uns neu zu erkennen. Dabei ist es manchmal notwenig die eigene Perspektive total zu verändern.

Hab Mut Azina. Handele und zweifele nicht. Wenn Du je Hilfe brauchst, wir sind bei Dir.”

Dann lehnt sich Delia zurück und trinkt lächelnd an ihrem Tee. Ihr Ausdruck ist nun wieder der den man von ihr gewohnt ist.

Das süße Leben

Wie meine Mutter dereinst sagte. “Egal wie es aus sieht, wie furchtbar es ist, so schlimm kann es unmöglich sein.” oder sagte sie “… es kann noch viel schlimmer kommen!” ? Ich denke beides ist möglich bei meiner Frau Mutter und beides bewahrheitet sich auch auf meiner Reise. Der Herr Magus und Dämonologe ist nicht so schlimm wie ich dachte, da war meine Paranoia wieder einmal stärker. Außerdem waren Speiß und Trank nicht vergiftet, die Bewohner des Hauses und Tiere wollten uns ebenfalls nicht fressen. hm… die Haustiere…

Was trug sich zu? Nun ja… so genau weiß ich es auch nicht mehr. Gerüchte besagen: Wir hätten bei dem Gauklerfest die eine oder andere Rauschgurke und etwas Zittabar-Tabak zu uns genommen. Wir hätten ausgelassen gefeiert und Azina hätte dann wohl mehr Gurken gesucht. Dabei wäre sie wohl auf einen Katzenartigen Dämon gestoßen, welcher in ihr einen Beschützerinstinkt weckte. Merkwürdige Kreatur! Bisher dachte ich immer, dass Dämonen einen töten, häuten, zerteilen, aussaugen, zerstampfen, platzen lassen, die Seele rauben oder so. Aber nein diese Kreatur “kuschelt” ihr Opfer zu Tode… also bitte, welche kranke Gottheit denkt sich denn soetwas aus? Wie dem auch sei, es war so. Da ich die arme Azina nicht in diesem Zustand lassen wollte, auch Backus zu liebe nicht, führte ich Krieg gegen dieses Vieh! Es begann mit dem Niederschlag von Azina und einer gekonnten Ausführung des Radau Zaubers. Dieser “dekorierte” zwar den halben Ostflügel um, hielt das Kuschelmonster aber im Zaum. Zum Glück kam Rovin mir zur Hilfe, er lieferte sich einen harten Kampf mit dem Biest, während ich Azina schützte. Nun kommt der unglaubliche Teil, ich erschlug das Biest mit… einem PRAIOSGEWEIHTEM BRETTSPIEL! Das allein ist schon ein Wiederspruch in sich, aber das ICH sowas auch noch benutzte… oh man… es kann wirklich immer viel schlimmer kommen.

Am nächsten Tag wurden wir hinausgebeten. Der freundlichste Rauswurf meines Lebens. Wirklich ein netter Dämonologe.
Am Tage verdiente ich Geld mit Tanz und ähnlichem. Aufgrund dessen bekamen wir eine Übernachtung und der ehrenwehrte Sahib Selim wurde aufmerksam und nahm uns mit seiner Karawane bis Fasar mit. Rovin und Azina sollten arbeiten, mit Bezahlung, und Nehazet sollte zahlen. Ich dagegen sollte bei Sahib Selim auf dem Kamel mitreiten. “Wunderbar, noch ein alter williger Sack edeler Herr, welcher auf mich scharf ist” dachte ich. Doch auch hier sollte meine Mutter recht behalten “… so schlimm kann es unmöglich sein”. So war es auch. Sahib Selim war eine der charmantesten Reisebegleitungen die ich je kennenlernen durfte, ein anständiger und sehr ehrenwerter junger Mann von 45 Götterläufen. Irgendwie hätte er auch was. Ich wurde fast schon auf Händen getragen während der Reise. Es war so schön auf dem Kamel zu reisen, die täglichen Badezuber, das wunderbare Essen, die Spiele und seine Gesellschaft genießen zu dürfen. Ach kann das Leben schön sein, endlich werde ich behandelt wie es mein Stand gebietet. Ja ich weiß “Im Zentrum des Zirkels steht OFT eine Hexe, gleich mit den anderen und respektiert für ihren Wert” oft nicht immer, aber schön ist es trotzdem!

Einwenig taten mir meine Mitreisenden schon leid. Nehazet ist mittlerweile so verwirrt, dass er absurde Ebenentheorien entwickelt und einfach so arme Steinelementare in die Gegend stellt. Große Mutter war der kleine Kerl niedlich, grummelig aber niedlich, ich will auch so einen haben … einen Steinelemtar und einen starken Ferkinakrieger….

*ein merkwürdig entrückter Blick befällt Delia für einige Augenblicke*

Ähm wo war ich … ach ja Steinelemtar und starke Ferkinakrieger *Delia versucht zwanghaft an etwas anderes zu denken* … *zu spät*

*weitere Augenblicke später*

Ach so ja der arme Nehazet… Rovin ergeht es noch am Besten. Azina hingegen, die arme Frau hatte ganz wunde Hände von der harten Arbeit, das konnte ich nicht mit ansehen. Somit braute ich eine kleine Paste für sie und kaufte obendrein noch ein paar Rauschgurken und etwas Körpercreme. Sie ist eine treue Seele und sollte so nicht leiden.

Nach viel zu wenig Tagen der Entspannung trafen wir endlich in Fasar ein. Bei unser Ankunft erweichte ein Kind mein Herz… ich stieg vom Kamel ab und hob es vom Boden auf. Es erhielt von mir etwas Geld und sollte schleunigst damit nach Hause gehen. Der ehrenwerte Sahib Selim war daraufhin etwas irritiert. Nun ja Fasar! Endlich! Hier in dieser Stadt steht der einzige “offizielle” Tempel Levthans. Als wenn er einen Tempel bräuchte! Die Herren sollten ihn nur mal in sich entdecken, so wie unsere Männer dies tun, dann … aber ich schweife ab. Rovin und Sahib Selim wollten mich dorthin begleiten. Keiner von beiden wusste was auf ihn zukommt. Arme arme unschuldige Seelen … Ich stellte mich in korrekter Art und Weise dem Priester vor und erhielt sogleich freundlichste Unterstützung. Sahib Selim überviel beim Anblick der leichtbekleideten Tempeldiener /-dienerinin und der Statue des Levthans, mit dem riesigen Gemächt, ein arg traviagefälliger Anfall und er wartete draußen. Rovin verfiel in Schockstarre und wir warfen ihm einer Tempeldienerin zum Fraß vor. Vor dem nächsten Morgen werden wir ihn wohl nicht wiedersehen.
Wie dem auch sei. Ich sagte dem Priester, dass ich im Traviatempel zu finden sei. Daraufhin lächtelte er etwas, aufgrund der Ironie. Ich wollte Sahib Selim nicht warten lassen und den letzten Abend mit ihm genießen. Er war ein wunderbarer Abend, mit Speiß, Trank und Spiel, welcher dem Sahib viel Geld kostete. Ich weiß bisher nicht warum er das alles für mich tut…

Ich bin gespannt wie es Rovin ergangen ist und mache mich nun auf dem Weg zurück zum Traviatempel. Morgen Nacht bin ich dann soweit mit dem Hohepriester im Tempel Levthans zu opfern, gerne auch die ganze Nacht.

*Mit vor Erregung glühenden Augen schreitet Delia durch die Nacht*

!!!Männer!!!

Endlich habe ich genug Zeit und etwas Ruhe um einen Eintrag in mein Tagebuch zu verfassen…

Delia geht im ihr zugewiesenen Gästezimmer auf und ab, wärend sie die Worte niederschreibt. Ab und an blickt sie sich nervös um. Sie fühlt sich hier nicht wohl, ganz und gar nicht.

Tag …. wie viel auch immer meiner Reise, die Vorräte gehen zur Neige

*seufz* Mutter sagt “Werde erwachsen Kind… Du bist eine rote Frau… wie willst Du jemals den Sprung schaffen…” *seufz* Ist ja schon gut. Wenn meine Frau Mutter nur das einzige Problem wäre das ich hätte, obwohl Mutter kein Problem ist… nun ja sie hat mich aus einem Ei geboren, ich bin die Tochter einer Anführerin eines Zirkels… aus all dem könnte man schon große Probleme machen. Jedoch ist es in Aranien nicht so schlimm wie ich immer dachte. Mittlerweile weiß ich warum Mutter und der Zirkel mich mit dieser Aufgabe betraut haben.

1. um dem Land zu helfen.

2. um mich weiter zu entwickeln

3. um zu begreifen, dass es zu Hause nicht so schlecht ist wie … HIER!

Dieses Land und deren Männer machen mich krank! Ich bin täglich umgeben von trotteligen, hochnäsigen, minderbemittelten und spirituell unbegabeten Auswüchsen des männlichen Geschlechts. Große Mutter! Sollte dies, wie sie immer behaupten und sich gebaren, die beste und höchste Entwicklung des Mannes und der Kultur sein?… na dann gute Nacht! Die einzig guten und wahren Männer die es hier gibt sind Ferkinas, angeblich wilde und räuberische Barbaren, welche jedoch mehr Kultur und Benehmen haben als alle anderen “hohen Herren” zusammen. Ach ja die Ferkinas… zu den Jungs muss ich noch mal zurück. Ich sage nur “Schmucknarben” meine Lieben “Schmucknarben”! Ach und dieses herrliche Ritual zu Ehren der großen Mutter… großartig!

verträumt bleibt sie stehen und schaut in die Nacht hinaus, durch das offene Fenster weht der laue Abendwind und spielt mit ihrem flammenden Haar. Wie eine Liebkosung der Natur und ein Zeichen von “Ich lebe und habe nicht vergessen…”

Nichts ist vergessen nichts ist jemals vergessen.

Dann schüttelt sie sich und fährt mit ihren Einträgen fort.

Sie, also die gewöhnlichen “Männer” dieses Landes, haben Ihr Spiel schon soweit getrieben, dass ich einem Akademiemagier ansatzweise vertraue und die merkwürdige Reisebegleitung von Azina, Bakkus und Rovin genieße. … Ach so schlimm sind sie eigentlich nicht. Sie besitzten alle samt komische Riten, Gebräuche und Benehmen, jedoch sind sie im Grunde ihres Herzens ganz nette Wesen und ich reise gerne mit ihnen. Mit dieser Gruppe könnte es uns sogar gelingen den Geist des Staudamms sein Ritual zu geben und ihn dazu zu bewegen, dass er das Wasser wieder fließen lässt. Sofern wir, bzw. ich, den Emir des Landes noch absetzte und enthaupte. Dieser Kreatur ist es zu verdanken, dass das ganze Land Hunger leidet. Er hat sich unrechtmäßig an dem Land vergriffen und dieses rächt sich nun. Eigentlich sollte es ja die Aufgabe der Männer sein, einen unfähigen Herrscher abzusetzten und vom Land erwählte Personen an die Spitze zu setzten, aber jene “Herren” hier sind alle samt unfähig! Wenn die Männer dazu nicht in der Lage sind, dann müssen die Frauen ran. Ich werde dem Emir mit Freuden sein Herz aus der Brust reißen.
Beinahe hätte ich es schon geschafft, ich war so kurz davor… Na warte ich kriege Dich noch!

Delia vollführt einge Gesten mit der linken Hand, Symbole aus Glauben und Macht, um ihren Schwur zu erneuern und zu verstäreken. Jedoch ohne ihre Kraft fließen zu lassen oder die der großen Mutter zu rufen. Das wäre an so einem Ort nicht gut.

Oh ja ich bekomme Dich noch in meine Klauen.

Aus ihren Augen weicht der fröhlich, leidenschaftliche Glanz. Sturmgraue Perlen des Hasses befinden sich an den Stellen wo eben noch ihre Augen waren. Wenn sie könnten würden sie Blitz und Sturm speien. Nach ein paar Augenblicken beruhigt sie sich wieder. Die Stumwolken weichen dem Licht des Mondes und Delia´s Gesicht wirkt wie eh und je. Bis auf einen kleinen Schatten der Sorge.

Tja und nun sitzte ich hier… in einem Zimmer eines schwarz Magiers, welche seine Tiere nach Dämonenpaktierern benennt! Es blüht hier alles und duftet fein, Diener lesen einen die Wünsche von den Augen ab, ist es nicht schön? Ja es ist nicht schön! Man möchte brechen bei soviel Luxus! Es ist ein goldener Käfig, ein Schein der aufgebaut wurde um andere zu blenden. Aber nicht mit mir mein Herr. Den Magier hast Du wohl um den Finger gewickelt, aber nicht mich! Vertrauen will sich verdient werden und da reichen hohle magietheoretische Frasen nicht aus! Ich hoffe nur, dass wir hier alle heil an Körper und Geist wieder raus kommen.
Da wäre ich doch lieber bei der seltsamen Truppe aus “elfischen” Horaiser, Thorwaler und Zwerg geblieben. Zu den Herren hatte mich der Wind und das Schicksal getrieben… ja gut ich gebe es zu. Ich habe mich verflogen. Kann nach Jahrzenten aufdem gleichen Besen auch mal passieren… Wie dem auch sei. Die Herren waren schon lustig, obwohl ich nicht weis, was sie mit mir angestellt hätten wäre ich noch länger geblieben.