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Reise nach Rommilys – Teil II „Im Kloster“

Den Galopp hielt Traviahold nur solange bei, bis er an einer Weide ankam, von der er wusste, dass er ab hier nicht mehr von der Stadt aus zu sehen war. Er würde natürlich heute im Kloster übernachten, aber je später er dort ankam, desto weniger Anliegen werden an ihn herangetragen. Er musste den Kopf schütteln, als er daran dachte, wer er von einem Götterlauf war – der drittgeborene Sohn eines Barons, der typischer Weise in ein Kloster abgeschoben wurde und sich nun darauf freute seine älteren Bruder wiederzusehen. Noch immer fiel es ihm schwer, Menschen von der Erlebnissen, die darauf folgten, zu erzählen. Wer konnte schon nachvollziehen, wie es ist an einem Tag in einer verlassenen Zwergenstadt gegen Dämonen zu kämpfen und am nächsten Tag Fischmenschen, untoten Echsen und „Schlinger“ zu begegnen. Manchmal fühlte er sich dadurch sehr einsam. Nicht einmal Darpatia kannte alle Geschichten, in der Zwischenzeit hat sich auch aufgehört danach zu fragen.

Die späte Nachmittagssonne ließ den Roten Riesen leuchten wie einen Karfunkel, als Traviahold unweit des Klosters auf einem Hügel das Pferd anhielt und das sich ihm bietende Bild betrachtete. Vor ihm ragte das dreigeschossige Hauptgebäude des Klosters auf, umgeben von Baustelle und noch mehr Baustelle. Er meinte den beißenden Geruch frisch aufgesetzter Maische wahrzunehmen, ausgeströmt von der Brauerei, dem einzigen weiteren fertiggestellten Gebäude. Derzeit wurde, ausgehend vom großen Wachturm, die Umfassungsmauer gebaut, die zukünftigen Ausmaße des Klosters ließen sich jetzt schon an der Zeltstadt erahnen, in der die zahlreichen Arbeiter lebten. Als er vor einigen Tagen das letzte Mal hier war, hatte er veranlasst, dass unter Anleitung von Swelinja Prutz damit begonnen wird, die Felder zu bestellen. Entsprechend herrschte nicht nur auf der Baustelle reges Treiben, sondern auch auf den Flächen drum herum.

Während er gemächlichen Schrittes weiter ritt, musste er an die zahlreichen Hände denken, die dieses Kloster bauen. Der größte Teil der Arbeiter sind die ehemaligen „Sklaven“, die aus den Fängen der Dämonen befreit wurden. Dadurch wurde Hochstieg entlastet und die meisten sind froh, etwas tun zu können, dabei aber gut versorgt und verpflegt zu werden. Viele hegen noch immer den Wunsch in ihre Heimat, zu ihren Familien, zurückzukehren. Wer wäre Traviahold, wenn er diesen Wunsch nicht unterstützen würde, doch war allen Seiten klar, dass es gelinde gesagt schwer ist, in die Warunkei zu gelangen. Und das Wissen, das er seit heute hatte, machte dies nicht leichter. Sollte er mit Charon darüber sprechen oder nicht? Eigentlich sind die Informationen höchst geheim, aber sollten sie nicht wissen, dass ihrer alten und ihrer neuen Heimat Krieg bevorsteht und sie noch für lange Zeit nicht zu ihren Familien kommen werden? Sieghelm würde ihm sicherlich den Kopf dafür abreißen. Charon, er musste kichern. Er ist der Erste des Ältestenrates der Warunkanier, wie die Gruppieren sich selbst nennt und inzwischen auch von allen genannt wird. Damit ist er in allen Angelegenheiten der erste Ansprechpartner und die wichtigste Vermittlungsperson – jedoch heißt er eigentlich Charyptoron. Es wurde aber die allgemeine Vereinbarung getroffen, dass sie alle nur noch eine verkürzte Form ihres Namens tragen. Sie haben verstanden, dass niemand der Zwölfgöttergläubigen in und um Hochstieg die junge Razzazora bei ihrem Namen rufen kann. Traviahold fragt sich immer wieder, was es eigentlich für das Kloster heißt, dass es größtenteils von Personen erbaut wurde, die oft die Namen von Dämonen und dämonischem Gezücht tragen. Wird es Fluch oder Segen sein? Zumindest nehmen immer alle geschlossen an den Messen teil. Vielleicht ist es der erste Schritt zur Missionierung der Warunkei. Obwohl abzuwarten bleibt, ob es bald noch was zu missionieren gibt, oder ob es sie selber überhaupt noch gibt – so ein Knochendrache ist halt unberechenbar.

Als er am Kloster ankommt wird ihm von allen Seiten zugewunken und er grüßt alle zurück, als er zum Tempel reitet. Dort wird er auch sogleich von Helfwiege empfangen: „Euer Hochwürden! Was verschafft uns die Ehre eurer Anwesenheit?“ „Mutter Helfwiege. Ich bin nur auf der Durchreise. Ich muss in einer dringenden Ordensangelegenheit nach Rommilys. Aber macht euch keine Sorgen, es ist nichts schlimmes geschehen, im Gegenteil, mein Bruder wird demnächst zum Reichsritter geschlagen!“ „Ach wie schön für ihn“, antwortet Helfwiege mit einem Blick, der zeigt, dass sie sehrwohl seine Lüge erkannt hat, aber die Großzügigkeit besitzt, darüber hinweg zu sehen. „Aber kommt doch ersteinmal hinein, das Essen für die Speisung ist bald fertig.“ „Vielen Dank, aber ich wollte vorher noch Charon aufsuchen. Ich werde an der Speisung aber natürlich teilnehmen.“ Damit verabschiedet er sich wieder von der Erzpriesterin und macht sich auf den Weg durch die Zelte. Er kommt wie erwartet nur langsam voran, da er an gefühlt jedem zweiten Zelt stehenbeiben muss, um sich kurz zu unterhalten. Er hat in den letzten Monden mit Zufriedenheit wahrgenommen, dass das Verhältnis zwischen den Einheimischen und den Warunkaniern offener und besser geworden ist. Er wäre sogar nicht verwundert, wenn er bald einen ersten Traviasegen sprechen müsste. Nach einiger Zeit kam er am Zelt von Charon an und betrat es. Im Inneren fand er wie erwartet den älteren Herrn an einem kleinen Feuer vor. Er fragt sich manchmal, wie er die Qualen unter dem Berg überstehen konnte. „Euer Hochwürden Traviahold, euer Besuch kommt überrraschend“, wird Trahiahold begrüßt. „Ältester Charon, ich werde nur über Nacht bleiben und dann weiter reiten. Trotzdem wollte ich mit euch reden.“ „Nun, dann setzt euch.“ „Danke. Nun, wie soll ich anfangen? Ich suche, wie ihr wisst, nach Möglichkeiten, wie ihr in eure Heimat zurückkehren könnt.“ „Und dafür sind wir euch sehr dankbar.“ Traviahold nickt. „Doch ich fürchte, keine allzu guten Nachrichten zu haben.“ „Das stand zu befürchten.“ „Es gibt…Gerüchte…über…außergewöhnliche…Aktivitäten in eurer Heimat.“ Traviahold spricht sehr leise, langsam und lässt sich viel Zeit bei der Wahl seiner Worte. „Im Reich, also dem Mittelreich, herrscht daher eine gewisse Unsicherheit, Sorge, ja fast Angst.“ Nun nickt Charon verständnisvoll: „Daher ist niemand derzeit bereit eine Gruppe Menschen dorthin zu führen. Das verstehe ich. Ich werde dieses Wissen erst ein mal für mich behalten. Im Großen und Ganzen haben sich alle mit dem derzeitigen Zustand arrangiert. Solange die Versorgungslage nicht schlechter wird, und jeder etwas zu tun hat, wird es keine Unruhe geben. Und ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine gute Lösung finden werden, wenn es nötig wird.“ Traviahold wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als das Schlagen eines Holzlöffels auf einen Suppentopf laut durch das Lager schallte. „Die Speisung beginnt“, meint er stattdessen, „wollen wir gemeinsam gehen?“ „Das wäre mir eine Freude Hochwürden.“

Reise nach Rommilys – Teil I „Der Abschied“

Traviahold seufzte, als er sich von seinem Schreibtisch erhob. Das Kloster war inzwischen zwar schon geweiht worden, doch außer dem Haupttempel, der Brauerei und einem Teil der Umfassungsmauer gab es noch keine Gebäude, nur Baracken. Und so verbrachte Traviahold noch sehr viel Zeit in Hochstieg, auch um in der Nähe von Darpatia zu sein. Seiner schwangeren launenhaften Frau, der er gleich erklären müsste, dass er dringend nach Rommilys reisen muss. Er überlegte kurz, ob er einfach heimlich versuchen sollte davonzureiten, doch der Blick voraus, auf das dann stattfindende Wiedersehen ließ ihn verängstigen. Er packte eilig seine Tasche mit dem nötigsten und vergewisserte sich mehrmals, dass er sowohl den Brief von Sieghelm, als auch das Buchmanuskript dabei hatte. Dann ging er auf den Übungsplatz der Burg, wo er Darpatia antraf, wie sie die übenden Soldaten anschrie. Es hat mehrere Tage der Diskussion und des Schlafens in getrennten Betten benötigt, bis sie sich davon überzeugen ließ, dass sie selber nicht mehr an den Ertüchtigungen teilnimmt. Traviahold räusperte sich vernehmlich hinter ihr. „Was ist?“, schrie Darpatia unwirsch , während sie sich umdrehte. Als sie ihren Ehemann erblickte änderte sich ihr Tonfall schlagartig und sie sprach liebevoll weiter: „Oh, Liebling, ich habe dich nicht erwartet.“ Als sie die Tasche sah runzelte sie die Stirn. „Willst du schon wieder zum Kloster? Du bist erst gestern zurück gekommen!“ Unsicher, wie ein junger Bengel, der von seinen Eltern bei Unfug erwischt wurde, antwortete Traviahold, während er ihre Hand ergriff: „Ich reite nicht zum Kloster. Ich muss in einer dringenden Angelegenheit des Ordens nach Rommilys.“ Darpatia wollte sich schon zu ihren Soldaten umdrehen, als er hinzufügte: „Und ich benötige keine Eskorte, meine Liebste. Mit jedem Bandit, der kleiner ist, als der Dämon auf dem Berg, werde ich schon fertig.“ Und um zu verhindern, dass sie ihm – berechtigt – widersprechen konnte, gab er ihr einen liebevollen Kuss. Er wusste, dass sie es namenlos hasste, wenn er dies vor ihren Soldaten tat, doch das war seine einzige Chance, diese Diskussion schnell zu beenden. Und es schien zu funktionieren, denn Darpatia seufzte: „Nun gut, wie du es willst Herr Ordensprätor“, es folgte ein flüchtiger Kuss von ihr, „aber beeile dich bitte schnell wieder bei mir zu sein. Und jetzt verschwinde, sonst denken die Soldaten noch, ich hätte Gefühle.“ Lächelnd drehte sie sich um und wurde rot im Gesicht, als sie eben jene Soldaten anschrie: „Wer hat gesagt ihr sollt eine Pause machen? Wer nicht sofort weitermacht darf heute noch dreimal die Treppen des Roten Riesen hochrennen! In Plattenrüstung! Mit Gepäck!“ Kichernd entfernte sich Traviahold, ging zum Stall, nahm sich sein Pferd und ritt durch das Tor, durch die Stadt, die er wenige Momente später verließ und im Galopp davonpreschte.

Schwarz wie die Nacht

Auf dem Tunierplatz konnte er noch die Fassung wahren, doch je weiter er sich von ihm entfernte, desto erschrockener wichen die Leute ihm aus. Sein grimmiger, wutgefüllter Blick vermied es, das sich jemand gemüßigt fühlte ihn anzusprechen. Als er in seinem Zelt ankam, warf Bothor wütend sein Pailos fort und legte fluchend seine Rüstung ab. Wie konnte es sein, dass ihn seine Mutter Rondra so sehr im Stich ließ? Seit 27 Götterläufen dient er ihr nun schon und das war ihr Dank dafür!? Ihn zu blamieren!? Dies war kein ehrenhafter Zweikampf, den er gegen ihren Auserwählten verloren hat – Bothor war schon vor dem Kampf klar gewesen, dass es schwer werden würde gegen Sieghelm. Er ist ein würdiger Auserwählter der Leuin und ein sehr guter Kämpfer. Aber die Hauptfrau der Nordmärker Garde? Der Marschall Garethiens? Der Graf zu Yaquirtal? Die Königin des vermaledaiten Mittelreiches! Sie alle waren schlussendlich chancenlos gegen ihn gewesen. Aber gegen Sieghelm? Er fühlte sich schlechter, als nach seinem ersten Amphorenkampf während der Ausbildung, als er nach dem ersten Treffer das Gleichgewicht verlor und sich nicht länger auf den Amphoren halten konnte. In den 20 Jahren danach ist ihm nie wieder so etwas peinliches widerfahren – bis heute.

Inzwischen hat sich Bothor seiner Rüstung entledigt und kleidet sich in den wenigen schwarzen Stoff, den er besitzt, inklusive dem Wappenrock des Ordens. Die Kapuze tief in das Gesicht gezogen verlässt er Zelt und die alte Residenz. Als nächtlicher Schatten am Tage läuft er durch die Straßen Gareths, bis er den Tempel der Herrin Rondra erreicht. Regungslos steht er in der Pforte. Er möchte laut in den Tempel brüllen, doch nur in seinem Kopf klagt er sie an. Wenn du nicht mehr meine Herrin Mutter sein möchtest, bin ich nicht mehr dein Sohn! Er reißt sich eine Kette vom Hals, lässt sie aus der Hand gleiten und wendet sich vom Tempel ab. Wie von selbst führen ihn seine Schritte durch die Stadt, seine Gedanken sind dunkel und leer wie die Schwärze der Nacht. Als er das nächste Mal wieder klar seine Umgebung wahrnimmt steht er vor dem Altar des Tempels des Schwarzen Lichts. „Ihr da!“, blafft er etwas zu laut einen der Geweihten an. „Schickt den Hüter des Raben zu mir!“, befiehlt er deutlich flüsternder aber immernoch bestimmt. Dann wendet er sich dem Altar zu und spricht still zu ihm. Boron, Herr des Todes, Wächter über den Schlaf. Lass mich dein Diener sein, für den du mich erwählt hast, führe mich durch die Dunkelheit der Ewigkeit meines Seins, erweitere meinen Geist durch die Weisheit deiner Rabenschwingen. Ich, Bothor, bin dein Auserwählter, bis in deine Hallen!

Ein neues Ordensmitglied

An den hochachtbaren Kyrios Bothor dylli Memnos, Protospartharios katacheo

Rethis, 3.Phex 2519 Horas

 

Möge Unsere Mutter Rondra und Ihr schweigsamer Bruder mit Euch sein Mein Freund,

Eure Worte bewegten Mich sehr. Nie, so fürchte Ich, werde Ich wieder einen solch treuen Gefährten an Meiner Seite wissen, wie Ich es mit Euch tat. Ich erinnere Mich noch gut an den Moment, als Ich Euch den Säbel überreichte, selten fiel Mir eine Meiner majestätischen Aufgaben so schwer. Doch diese Zeilen an Euch zu schreiben, dies fällt Mir leicht. Da Ich bei Praios weiß, in Euch allzeit einen Freund zu haben, so entbinde Ich euch hiermit von allen geleisteten und geschworenen Eiden. Ich werde mit diesem Brief nach Vinsalt aufbrechen, um eine Audienz bei Ihrer horaskaiserlichen Hoheit wahrzunehmen und mit Ihr Eure Warnung zu besprechen.

Mögen die Götter mit einem Auge über Euch wachen, Hochwürden.

In Ewigkeit

Seekönig Palamydas

Traviaholds Antwort-Brief

Mein lieber Sieghelm,

Ich erfreue Mich daran schon so recht kurz nach Deiner Abreise von Dir hören zu dürfen. Ich musste Deinen Brief doch des Öfteren lesen um zu erfassen was Du Mir alles mitzuteilen gedachtest. Ich werde versuchen mit geordneten Gedanken Dir zu antworten. Wenn Ihr schon aus El~Trutz abgereist seid so nehme Ich an, Delia hat die nunja „schwierige“ Geburt gut überstanden? Ich hoffe Du versteht Meine Andeutung welche Ich nicht vertiefen will; Ich bin mir nicht sicher welche unerwünschten Leser es da geben könnte. Ich fürchte das Kind ~Welchen Namen trägt es denn?~ hat keinerlei Segen der Herrin Mutter oder von Mir aus der Herrin Tsa oder irgendeinen zwölfgöttlichen Segen erhalten? Ich hoffe inständig Du hast Dich anständig verhalten und Ihr auch in Meinem Namen gratuliert. Mit Versenden diesen Schreibens breche Ich nach Rommilys auf, um dem Hohen Ehepaar von Euren Befürchtungen zu berichten. Sollte die Warunkei erneut entfesselt werden und Rhazzazor gar selbst auftreten, so muss unser geliebtes Darpathien gewappnet sein, bis das restliche träge Reich Uns zur Hilfe kommt. Es war eine gute Entscheidung, die Reichsregentin zu informieren, auch wenn Ich nicht glaube, dass Sie die Turney deswegen absagen wird. Du hast den Ritterschlag Dir redlich verdient und Ich kann garnicht ausdrücken, wie stolz Ich darüber bin. Die Offenbarung eines neuen Auserwählten ist zweifelsohne sehr erfreulich, auch wenn Ich meine, dass es schon einen Auserwählten des Herrn Boron gegeben haben sollte. Wenn dieser gefallen ist, sollten Wir dringend Nachforschungen dazu anstellen. Wenn Seine Exzellenz Ihn anerkennt könnte Er auch den Orden anerkennen, das wäre ein enormer Gewinn. Da können Wir von Glück reden dass Er Horasier ist und damit dem Al~Anfaner Ritus wahrscheinlich nicht minder abgeneigt ist, als Wir Mittelreicher. Ich würde Dir anraten auf Nehazet und Jane zu hören und zu versuchen Ihn über freundschaftliche Bande an den Orden heranzuführen. Wenn er ein Krieger ist, wird er ein ebensolcher Sturkopf sein wie Du. Ich vermute stark dass Er nicht nur Bothor heißt sondern einen längeren Namen besitzt. Würdest Du die Güte besitzen, diesen Uns noch zukommen zu lassen? Ob Er dem Orden nun beitritt oder nicht; Wir sollten alle relevanten Informationen über Ihn sammeln; ähnlich wie Wir es mit Maednir tun. Zu guter Letzt freue Ich mir sehr darüber, dass der Rote Pilger so mundet. Vielen Dank auch für Deine Glückwünsche. Ich bin selber noch sehr stolz, allerdings habe Ich das Gefühl Darpatia wird noch launischer als Sie es eh ist.

Bitte grüße alle recht freundlich von Mir.

Dein Dich liebender Traviahold

Briefe, die geschrieben werden müssen

Bothor saß im Anwesen seiner Hochgelehrten Hochwürden Nehazet und versuchte zwei Briefe aufzusetzen. Einen Großteil der Zeit verbrachte er damit, Löcher in den Limbus zu starren, da er Ereignisse in Worte zu fassen hatte, für die er selbst keine hatte.

 

An seine Exzellenz Großadmiral Praiokles Aleistos zu Rethis                                                                                                                                                                                                      Punin, 23. Tsa 2519 Horas

Sei gegrüßt Praiokles,

ich hoffe Peraines Segen weilt auf dir. Wie steht es um meine geliebte Heimat? Wie macht sich Rondrakles als neuer Protospartharios? Du wirst dich wundern, warum du so früh Nachricht von mir erhälst, doch ist meine Reise nicht so gelaufen, wie ich es plante. Ich benötige deinen Rat und deine Hilfe als Freund, sowohl als der meinige, als auch der seiner Majestät.

Ich bin so eben von einer Audienz bei seiner Erhabenheit dem Raben von Punin zurückgekehrt. Mir wurde ein außergewöhnlicher Segen zu Teil. Der Schweigsame höchstselbst erhob mich zu seinem Auserwählten, oder Abgesandten, wie es seine Erhabenheit nannte. Er erwählte mich dadurch zu seinem Krieger in einem Kampf gegen mir unbekannte Feinde, die die Götter und die Welt vernichten wollen. Und ich spreche wohl von größeren Übeln, als Dämonen. Wie es die Götter so schmiedeten traf ich von wenigen Tagen auf einen recht ungewöhnlichen Haufen Männer und Frauen, die sich der „Orden zum Schutze der Schöpfung“ nennen und die – zumindest die sechs Ordensmeister – ebenso von den Göttern erwählt worden sind. Ich habe garnicht genügend Pergamente, um dir zu schreiben, was ich über diesen Haufen denke. Vor Allem der Ordensgroßmeister, seine Exzellenz Sieghelm Gilborn von Spichbrecher, wäre der Grund unerschöpflicher Schimpferei. Du erinnerst dich an Alaios, den jungen Ausbilder in deinem zweiten Jahr an der Akademie? Seine Exzellenz ist recht ähnlich, nur noch sturer, dickköpfiger, eingebildeter, selbstherrischer, ich schweife ab. Ich wollte schreiben, dass trotzdem, oder vielleicht deswegen, viele Krichen dem Orden ihren Segen gegeben haben. Seit heute wegen mir auch die Kriche des Schweigsamen, aber am wichtigsten, auch seine Eminenz Nepolemo ya Torese. Nun wurde das Angebot an mich herangetragen, dem Orden beizutreten, ein Schritt, der mir recht vernünftig erscheint. Denn Boron vermachte mir die Gabe der Visionen. Und was ich sah, war eine entfesselte Warunkei, ein Ereignis, dass auch für unser Königreich und selbstredend auch das Horasreich von Bedeutung ist. Doch du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass ich nicht ohne die Erlaubnis seiner Majestät eine solche Entscheidung treffen kann. Hier bitte ich dich, ihn davon zu überzeugen, mich von meinem Eid zu entbinden. Und in Rahjas Namen, ich weiß, dass du das kannst.

Die Boten werden mich in Gareth auf der Kaiserlichen Turney antreffen. Der Auserwählte unserer Mutter Rondra wird zum Reichsritter geschlagen, ein Ereignis, dass ich mir nicht entgehen lassen möchte.

In ewiger Zuneigung

Bothor


An seine Seekönigliche Majestät Palamydas Thaliyin zu Rethis                                                                                                                                                                                                  Punin, 23. Tsa 2519 Horas

Die Götter mit Euch meine Majestät!

Schweren Herzens sende ich euch die folgenden Zeilen. Seine Erhabenheit, der Rabe von Punin, eröffnete mir heute in einer persönlichen Audienz, dass der Schweigsame mich auserwählte als sein Streiter zu dienen im Kampfe gegen Wesenheiten wider der Götter, welche Vortexwesen genannt werden. Die Herren Alverans ließen es geschehen, dass ich derzeit mit einer ehrenhaften Gruppe von Männern und Frauen reise, die sich der „Orden zum Schutze der Schöpfung“ nennen und welche den gleichen Segen erfahren haben wie ich: Seine Exzellenz Ordensgroßmeister Sieghelm Gilborn von Spichbrecher als Auserwählter der Herrin Rondra, seine Hochwürden Nehazet Alam el Ketab ay Yash-Hualay von Punin Rohaldor ibn Tulachim als Auserwählter der Herrin Travia, ihre Hochwürden Azina saba Belima als Auserwählte des Herrn Firun, ihre Hochwürden Jane Peddersen als Auserwählte der Herrin Hesinde, ihre Hochwürden Delia al Cumrat bân Rezzan als Auserwählte der Herrin Rahja sowie mir noch nicht persönlich bekannt seine Hochwürden Mædnir Hasgarsson als Auserwählter des Herrn Efferd. Dieser Orden besitzt nach meinem Kenntnisstand mindestens zwei Burgen sowie die Legitimation mehrerer Kirchen, darunter eine persönliche Bestätigung seiner Eminenz Nepolemo ya Torese. Wie es scheint plant auch ihre Kaiserliche Hoheit Reichsregentin Emer Ni Bennain den Orden anzuerkennen, da sie seine Exzellenz zu einem Reichsritter zu schlagen gedenkt. Dieser Orden nun trug an mich heran, ich solle ihm beitreten, um gemeinsam zu streiten. Hier sei euch mitgeteilt, dass mit meiner Auserwählung durch den Schweigsamen zweierlei mit mir geschah. Zum einen wurde mir die Gabe zu Teil ein Lebensalter zu erreichen, dass das eure wohl überschreiten wird. Zum anderen empfange ich in meinen Träumen Visionen von Dingen, die einst waren, und Dingen, die dereinst sein werden. Zu letzteren gehört die Entfesselung der Warunkei und ihr Einfall in das Mittelreich, ein Ereignis, das unter ungünstigen Umständen auch unsere allseits geliebte Heimat zu betreffen droht.

Daher erbitte ich, euer langjähriger Diener und, worauf ich allzeit stolz sein werde, Freund, euch, meine Majestät, mich von meinem Eid allein euch allzeit bis in meinen Tod zu dienen, zu entbinden. Mein Herz wird sich nie von seiner Liebe zu euch lösen. Wie immer füge ich mich bedingungslos eurem Wort.

Ergebenst

Kyrios Bothor dylli Memnos, Protospartharios katacheo

Lolgramoth? Bei Bishdariel!

Es ist ein wunderschöner Tag, die Sonne scheint über Hochstieg, die Singvögel zwitschern vergnügt in den Bäumen und Büschen, die den Weg zwischen dem Kloster und der Burg säumen, welchen Traviahold beschreitet. Er fühlt den inneren Frieden, wie jeden Tag, nachdem er mit den zahlreichen Pilgern die Frühstücks-Andacht abgehalten hat. Die Bewohner Hochstiegs grüßen ihn freundlich, als er an ihnen vorüber geht, und ebenso freundlich grüßt er zurück. Er durchquert die wachsende Stadt, betritt die ordensbannerwehende Burg und steigt die Treppen hinauf. Er betritt das Arbeitszimmer des Vogtes und wie jeden Morgen öffnet er die Fenster und schließt kurz die Augen. Das Licht, das seine Lider durchdringt wird schwächer und schwächer. Seltsame Geräusche dringen an sein Ohr. Ein Blick hinaus lässt eine große dunkle Wolke erkennen, die sich schnell auf den Burgfried zubewegt. Langsam geht Traviahold Schritt für Schritt vom Fenster rückwärst, die Wolke hält direkt auf ihn zu. Mit einem ohrenbetäubenden Schlagen, Krachen, Splittern und Zerbersten bricht die Wolke Raben in das Zimmer hinein. Krächzend umkreisen sie ihn, winzige Schriftrollen an ihre Füße gebunden. Der Wirbel hunderter Raben wird enger um Traviahold, wie durch unsichtbare Hand geführt beginnt er sich mit zudrehen, das Krächzen wird lauter: „Abt!“ „Herold!“ „Vogt!“ „Bruder!“ und vieles unverständliches mehr hört er die Raben ihn anschreien, den Abstand zu ihm immer weiter verkürzend, bis die ersten Flügelspitzen ihn berühren. Als er völlig von den Raben – nun mit aufstrebend erhobenen Flügeln – umgeben ist verliert er den Boden unter den Füßen. Er will gegen die Raben anschreien, doch seine Worte vergehen im Wind, als er hoch über die Burg gehoben wird. Sein Blick schweift über Hochstieg, über das Land, die Wälder, die Berge, die Raben schreien weiter auf ihn ein. Er bekommt Angst, spürt Panik in sich aufsteigen, er schließt die Augen, legt die Hände auf die Ohren, doch die Bilder verschwinden nicht, die Schreie hören nicht auf. Immer höher tragen ihn die Raben, als er weit über die Trollzacken hinweg sehen kann, die ganze Welt färbt sich schwarz, als sich plötzlich aus dem Land ein riesiger Geier erhebt und auf ihn zu fliegt – die Raben schreien ein letztes Mal, stoben auseinander und Traviahold fällt…

 

 

Schweißgebadet wacht er auf, die Augen weit aufgerissen. Um ihn herum alles nächtlich dunkel. Neben sich hört er das gleichmäßige Atmen von Darpathia. Auch sein Atem beruhigt sich langsam wieder. „Mir wird das alles langsam zu viel„, denkt er sich. „Ich muss mich auf das besinnen, was ich bin, was ich sein will. Ein Diener der Herrin Travia, ein Freund der hiesigen Menschen, ein guter Ehemann. Nicht mehr!“ Er legt sich wieder zurück, ängstlich wieder in Bishdariels Reich einzutauchen, doch irgendwann überkommt ihn Borons Segen.

An einem Nachmittag im Peraine 1027 BF…

…erreicht eine Karawane El Trutz. Eigentlich keine Erwähnung wert, doch ein Reiter fällt ins Auge. Als ihr ihn anspricht, stellt er sich vor…

 

[ooc]

Ich habe einen Charakter für das „Jahr des Feuers“ erstellt. Ich möchte ihn euch hiermit vorstellen. Er ist so konzipiert, dass er in die Gruppe passt, ihr weiterhilft und vor allem, für sie interessant ist. Anmerkungen sind gern gesehen 🙂

 

DRÜCK MICH

ooc: Societas Fide Creationis

Ich habe da mal eine Anregung vorbereitet. Es ist die „Kleine Urkunde bezüglich der Gründung des Ordens zum Schutze der Schöpfung“

Sowas könnte man übergangsweise interessierten Besuchern in die Hand drücken, bevor die „Conscriptio Major“ ausformuliert ist.

Natürlich sind Verbesserungsvorschläge gern gesehen.

P.S.: Für die ohne Latinum:

„Ad die eo“ = „An diesem Tag“

„In nomine deis duodecimus et alii“ = „Im Namen der zwölf Götter und der anderen“ [Mit „et alii“ könnten die Halbgötter gemeint sein, oder Rashtullah, Angrosch etc. – je nach Interpretation 😉 ]

Conscriptio minor relativae Conditio

Dokos-Eintrag vom 26. Phex 1012 BF

-was bisher geschah-

 

Am Morgen erreichte uns die Nachricht, dass Charaz-Gatai die Stadt verlassen hat. Zu unserer aller Überraschung zusammen mit Gamba. Das erleichterte uns einiges, haben wir doch einen Großteil der Planung damit verbracht uns zu überlegen, wie wir gegen ihn vorgehen können. aber die Konfrontation ist wohl eher nur aufgeschoben, statt aufgehoben.

Als letzte Handlung vor dem Aufstand beschlossen wir noch, den Rondra-Tempel beiseite zu schieben und uns darum erst zu kümmern, wenn die Stadt befreit wäre. Danach kehrte Ruhe ein im Peraine-Hain. Jeder bereitete sich auf seine Weise auf das vor, was kommen würde. Ich hielt Zwiesprache mit meinem Herrn, doch nicht er war es, der mir antwortet. Es war Scraan! So verwirrend die Drei-Götter-Konstellation war, so sehr lässt mich es hoffen, dass Scraan nicht Tod, sondern nur verschüttet ist. Ich weiß nicht, ob es für göttliche Zustände sterbliche Worte gibt… Seine Worte allerdings erschienen mir erschreckend bedeutungslos. Aber vielleicht sah er weiter, als ich bisher sehen konnte.

Über den Aufstand selber fällt es mir schwer etwas zu schreiben. Soweit ich hörte hat alles geklappt wie geplant und die Orks sind vernichtet. Ich hatte ganz andere Probleme: Ich übernahm das Läuten der Glocke im Rahja-Tempel, als auf dem Platz der Sonne Tumult ausbrach. Jedoch nicht nur wegen den Glocken, dem Amboss und der hellen Sonne am Himmel (zu Mitternacht), sondern wegen dem Vampyr, der sich im Himmel erhob. Anfangs fuhr er nur auf die Orks nieder, doch als seine Kinder in erschreckenden Massen auf den Platz strömten, um ihren Durst zu stillen, fürchtete ich um jede Menschenseele. Und so bot ich ihm die Stirn. Nur Dank der Gnade meines Herrn und der Hilfe meiner Freunde, denn das sind meine einstigen Gefährten für mich geworden, überlebte ich. Anders, als der Gehäutete. Er verging im Regen zu Asche, so wie seine Kinder. Nur Eines ließ er zurück: Das Henkersschwert. Und im Moment seines Todes spürte ich das Wesen beider. Ich schreibe es hier nicht nieder, denn nur das Vergessen hilft dagegen. Nachdem wir uns erholten – eine Feuerexplosion des Magiers hatte Sartassa und mich nahezu dahingerafft – und uns kurz des Sieges erfreuten, nahm ich das Schwert an mich und setzte mich in die dunklen Gassen Greifenfurts ab. Das Schwert befindet sich nun an einem – vorübergehend – sicheren Ort. Und niemand wird ihn von mir erfahren.

Jetzt sitz ich hier auf den Stufen des Rahja-Tempels und beobachte die Stadt, wie sie nicht weiß, ob sie schlafen oder leben soll. Zumindest wir sollten schlafen. Auf uns warten ab morgen genug Aufgaben.