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Verlorene Akademien, mysteriöse Schilde und Bier

Es war der frühe Morgen des 3. INGerimm 32. Hal – Sieghelm lag auf einem weichen Bett im Ferdoker Hof, dem wohl besten Hotel der Stadt – was den Meuchler nicht davon abhielt letzte Nacht in sein Zimmer einzusteigen und einen Attentatsversuch auf ihn zu verüben, und beinahe wäre er auch gelungen, Rondra und Azina sei dank konnte es verhindert werden. Das letzte woran sich Siegheln errinern kann war, das er mit dem Unbekannten um sein Leben kämpfte und ihn im Würgegriff hatte, als er dann doch irgendwie die Besinnung verlor – und das nächste woran er sich erinnerte war, dass Azina ihm seine Wunden behandelte während der Meuchler neben ihm lag und von Nicolo de Castellani behandelt wurde.

Sieghelm ließ seine Gedanken schweifen, während er im Bett vorsichtig an seinen Verbänden fingerte um den Genesungsprozess zu kontrollieren. ‘Wer in Rondras Namen schickt einen Meuchler nach mir? Etwa die Herrin des Handelshauses Neisbeck? Nein, niemals, niemand kann erfahren haben, dass der Vogt und ich auf dem Schiff waren – das kann keiner erfahren haben, und außerdem wäre kein Mensch auf Dere so schnell damit einen Auftragsmörder zu organisieren. Oder hat es vielleicht mit der Magierakademie zutun die es hier nicht zu geben scheint? Hat der Gelehrte Herr Nehazet etwa zu unvorsichtig in den Archiven nach dessen Verbleib gesucht? Aber warum hat man dann mir den Meuchler auf den Hals gehetzt? Nein, ich denke nicht das es etwas damit zutun hat, aber da gibt es doch noch diesen Auftrag des Meisters der Ernte im Bezug auf den Giftmord – ja das ergibt Sinn – wer wenn nicht irgendjemand der verhindern will das sich das aufklärt hat einen Grund nach meinem Leben zu trachten?! Ich sollte heute schleunigst zum Phextempel und diesen Mann aufsuchen der tatsächlich wagt Geld dafür zu nehmen wenn er mir einige Fragen beantwortet – in Praios Namen – es geht hier um die Aufklärung eines Mordfalles! Dieses Phexgesindel hat wahrlich keinen Deut Ehre im Leib.’ Die Hand des Junkers fuhr zu seinem Nachtschrank, wobei ihm ein Schmerz durch den Körper fuhr da er sich zu Ruckartig bewegt hatte. “Verphext!” stöhnte er und versuchte es ein zweites mal, doch diesesmal behutsamer. Da er nach dem Attentatsversuch auf ihn ein anderes Zimmer bekommen hatte, hat man letzte Nacht nur flüchtig seine Sachen in das neue Zimmer geräumt und das wonach er suchte war nicht in Greifreichweite positioniert worden. Mit Schmerzenden Gliedern richtete sich Sieghelm auf um in dem Nachtschränkchen besser suchen zu können. “Ah da bist du ja.” raunte er erleichtert und legte sich eine Stücke Pergamente und ein Tintenfässchen samt Federkiel zurecht – Sieghelm hatte nicht vor Tagebuch zu führen oder einen Brief aufzusetzen, wohl aber sich einige Notizen zu machen, auf diese Weise konnte er einfach besser denken.

Etwa eine halbe Stunde später hatte Herr von Spichbrecher vier Seiten Pergament vollgekritzelt, zwei weitere lagen zusammengeknüllt in der Ecke. “Verflucht Sieghelm konzentrier dich!” rügte er sich selbst und machte einen langen Strich über seinen letzten zu Papier gebrachten Gedankengang. “Wenn das Praiosschild nicht auf dem Schiff war, und der Vogt dir erklärt hatte das die beiden anderen Schiffe aufgrund ihrer Größe und Ziele nicht in Frage kam, dann bleibt nur noch eine Möglichkeit, es muss … es muss …” Sieghelm ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, worüber er gerade sinnierte war er geheime Auftrag der gutaussehenden Dame, von der der Vogt dachte dass sie über zweihundert Götterläufe alt war, eine Gewisse al’Tamerlein. Sie hatte den Vogt und den Junker damit beaufragt ein Praiosschild aus Metall, welches sich im Besitz des Handelshauses Neisbeck befindet und hier in Ferdok umgeschlagen werden soll, zu finden und zu ihr zu bringen – und das ganze in Unkenntnis der Stadtwache und des Phextempels – warum die werte Dame letzteres ausschloss war ihm spätestens nach seinem Besuch im selbigen klar, diese Kerle scheinen nur für Geld den Finger krumm zu machen – und dann kommt dabei nichtmal etwas Ehrhaftes heraus. “Aber natürlich!” brach es dem angehenden Ritter slötzlich hervor “Das Schild muss im Kontor sein! Und dabei hab ich das sogar noch gesagt!” Er machte sich sofort eine Notiz. ‘Aber in einen Handelskontor einbrechen? Nein … das ist nun wirklich nicht meine Art! Aber es Dient doch einem guten Sinn, und ein offenes Gefecht sollte man nicht vom Zaune brechen, das würde nur den Stadtwache auf den Plan rufen. Es musste noch einen anderen Weg geben.’

Sieghelm machte sich mehrere Notizen, die er dann immer wieder Verwarf um sie daraufhin in eine neue Reihenfolge zu bringen:

Was zutun ist:

  1. Den Meuchler in der Garnision eröffnen das er sich auf ein Rondragefälliges Duell gefasst machen soll sobald er wieder Genesen ist
  2. Dafür Sorgen das der Meuchler einen guten Medicus bekommt
  3. Informationen von dem Meuchler bekommen
  4. Den Phextempel einen Besuch abstatten (Viele Silberlinge einstecken)
  5. Einen Weg finden in den Kontor zu gelangen ohne Einbrechen zu müssen oder einen offenen Kampf herauf zu beschwören

Zuletzte dachte Sieghelm über seine Begleiter nach: ‘Azina hat mir das Leben gerettet, wie kann ich ihr nur dafür danken? Ich stehe ungern in der Schuld eines anderen – aber der Umstand das sie ihr eigenes Leben für mich aufs Spiel setzt verdient meinen Respekt. Zudem scheint der Vogt sich wieder seines Standes besonnen zu haben – immerhin hat er die teuerste Residenz hier am Ferdoker Hof remietet – und sich bei der Angelegenheit mit den Neisbeckwappen und auf dem Schiff als sehr kooperativ und nützlich erwiesen. Hatte die Beichte in der Praioskirche etwa tatsächlich geholfen und er kannte nun wieder die richtige von Herrn Praios gegebene Richtung?’

Die Wege der Götter sind unergründlich

Leise knirschte der Schnee unter seinen Füßen, sein Blick gleitete Gedanken versunken über das weite Weiß. Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher stapfte wortlos über den Schneebedeckten Boden, während er sein Pferd, die treue Tralopper Stute Arnia, an den Zügeln führte, welche auf ihrem starken Rücken den schwer verletzten Herrn Schmied trug.

Die Verletzungen, die er im Kampf gegen die Schwarzpelze erlitten hatte, waren weder zu sehen noch zu spüren. Er konnte sich noch ganz genau daran erinnern wie er seine Deckung mit dem Schild vernachlässigte und er einige schwere Hiebe der schartigen Äxte einstecken musste, als drei dieser widerwärtigen Orks gleichzeitig auf ihn einschlugen. Immer wieder tastete Sieghelm nach der Stelle auf seiner Brust wo ihn der Speer des Rottenführers traf, die Ringe des Kettenhemdes waren an dieser Stelle aufgesprengt, doch weder eine blutende Wunde noch irgendein Schmerz war zu erkennen. “Wenn ich doch nur wüßte was man mir aufgetragen hat…” murmelt er, als seine Hände nach dem Eisernen Amulett fingerten, welches er nach seiner Reise nach Alveran plötzlich um seinen Hals trug. Seit dem Kampf gegen die Schwarzpele waren erst einige Stunden vergangen, weshalb Sieghelm sich noch nicht sicher war wie er mit dem Ereignis umgehen sollte. Sicher war nur, das er, wenn die Götter nicht eingegriffen hätten, zu dieser Stunde von Golgari über das Meer zu Borons Hallen gebracht worden würde. Hatte die Leuin ihn tatsächlich für etwas auserwählt? Und warum tragen der Comto und der Magier ebenfalls diese seltsamen Amulette? Auf jeden Fall schwor sich Sieghelm so schnell wie möglich einen Rondratempel aufzusuchen, vielleicht würden die Geweihten einige seiner Fragen beantworten können. Anscheinend war sein Weg vorgezeichnet, wenn die Herrin Rondra ihn tatsächlich auserwählt hatte, dann blieb Sieghelm gar keine andere Wahl als sich einer Spätweihe zu unterziehen – ob Baron Parzalon von Spichbrecher das gutheißen würde?

Siegelm Blick fiel auf den Magus, welcher ebenfalls gerade dabei war sein Amulett zu begutachten. Sieghelm hatte gesehen, dass das Amulett eine Gans zeigte, das heilige Tier und Symbol Travias, der Göttin des heimischen Herdfeuers. Wieso bei den Göttern hatte der elitäre Tulamide nur gerade dieses Amulett bekommen? Sieghelm verstand nicht viel von der Welt der Magie, doch in seinem Verständnis von der Welt wäre doch Hesinde, oder vielleicht Nandus besser gewesen? Sofort maßregelte sich der Junker von Dettenhofen für diesen Gedanken, wer war er das er die Entscheidungen der Götter anzweifelte?!

Herr von Sprichbrecher sah noch einmal nach Gustav Schmied, sein Zustand verschlechterte sich. Dieser Mann war das lebendige Zeugnis dafür wenn man sich gegen die Götter stellte, er hatte Rondra und Praios gefrevelt, und dafür wurde er von Ihnen bestraft, zum einen durch ein großes Ungeschick im Kampf, und zum anderen durch ein leibhaftiges Feuer Praios zu Boden gestreckt. “Seid stark, Waffenbruder, wir sind bald da – deine Schuld ist gesühnt, die Götter haben dir eine Chance gegeben dich von deiner Schuld rein zu waschen.” flüsterte er dem bewusstlosen Mann zu, während er sich um seine Verbände kümmerte. Doch irgendwie wurde er den Gedanken nicht los selbst in dieser Situation zu sein …