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Ein gar denkwürdiger Tag

Noch früh am Morgen, als die Praiosscheibe gerade begann sich über den Dächern der Häuser der Stadt Ferdok zu erheben,  stemmte sich Junker Sieghelm G. von Spichbrecher aus seinem Bett. Das Schlafgemach dass ihm die hochachtbare Dame ai Tamerlein zu Verfügung gestellt hatte war prunkvoll und stilvoll eingerichtet, ganz wie es Sieghelm aus frühenen Zeiten gewohnt war, auch wenn er inzwischen – spätestens zu seiner Zeit an der Kriegerakademie – einen kargeren Lebensstil gewohnt war.

Er beeilte sich mit der Morgentoilette und dem anschließenden Ankleiden um auf keinen Fall seinen großen Tag zu verpassen, dem Tag an dem er – Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Dettenhofen, Absolvent der Kriegerakademie der Feuerlilien zu Rommilys, ein bedeutendes Artefakt der Praioskirche an die Geweihtenschaft des Götterfürsten übergeben  würde. Ein letztes Mal prüfte er seine Kettenteile, seinen Wappenrock und seine Schwerter auf ihre akkurate Sauberkeit und verließ dann das Anwesen der Hochachtbaren Dame um seinen kleinen Gefährten Pagol, seinen Jagddackel, abzuholen.

Entgegen Sieghelm Erwartung waren die Straßen an diesem morgen bereits sehr belebt, geschäftiges Treiben  herrschte auf den gestampften Stadtpfaden. Romo und Gilbert, die zwei Mannen seiner Infanterieeinheit standen ebenfalls, wie bereits am Abend zuvor befohlen,  bereit.

“Praios zum Gruße die Herren.” grüßte Sieghelm die beiden Männer die in die teils blauen Wappenröcke der Stadt Hammerschlag gehüllt waren. Rumo fuhr herum und entgegnete den Gruß des Junkers. Sieghelm baute sich währendessen auf, atmete tief ein und setzte zu einer wohl überlegten und pathetischen rede an: “Ihr dürft stolz sein an diesem Tage jenem ehrwürdigen Moment beiwohnen zu dürfen, welcher euch heute zuteilwerden wird. Ihr werdet noch euren Enkelkindern von jenem Tag erzählen an dem ihr dabei gewesen wart, als der damalige Junker Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Dettenhofen, den erhabenen Praiosschild – ein Artefakt des Ersten Alverans  – aus den Händen des bösen entrissen hat um es wieder in den rechtmäßigen Besitz der Kirche zurückzuführen.” “Ohja, ich kann es kaum erwarten.” sprach Rumo und unterdrückte dabei ein Gähnen, Gilbert hingegen schien etwas begeisterter und hing an Sieghelms Lippen. “Ganz bestimmt, Herr – dürfen wir der Feierlichkeit beiwohnen?” Sieghelm setzte ein Lächeln auf und schaute verwegen an seinen beiden Mannen vorbei  – als der Junker noch mehreren Sekunden nicht auf die Frage von Gilbert reagierte setzte er nach: “Herr Junker? Verzeihung?” “Was? Achso, ja – natürlich.” Sieghelm wurde aus seiner sichtlichen Gedankenverlorenheit herausgerissen – denn in seinem Tagtraum war er bereits bei seinem Ritterschlag Zuhause in Rommilys. “Lasst und gehen, dort hinten stehen die Wachen der Hochachtbaren Dame bereits auf uns – zusammen mit der Truhe mit dem Artefakt.” Sieghelm ging mit seinen Mannen zusammen zu der Eskorte von Nahema ai Tamerlein, die sie ihm freundlicherweise für die Begleitung zum Tempel zur Verfügung gestellt hatte. Zusammen mit den Wachen der Dame, seinen beiden Leuten aus der Infanterie, als auch dem Gelehrter Herrn Nehazet und der werten Azina ging es dann auf zum Praiostempel – natürlich war Pagol auch dabei.

Während des kleinen Marschs, ließ Sieghelm die Ereignisse des vergangenen Tages noch einmal vor seinen geistigen Auge Revue passieren: Leider konnte der Ring der Hesinde nicht gerettet werden, dieser vermaledeite Papagei hatte es doch tatsächlich geschafft den Ring zu bekommen und mit ihm davon zu fliegen, doch aus irgendeinen Grund schien die Hochachtbare Dame davon nicht allzu entrückt, ja schon fast Leidenschaftslos – und überhaupt schien sie irgendwie alles nicht wirklich zu tangieren. Sieghelm wurde aus der Frau nicht schlau, und dieser mystische Schleie der sie umgab, wurde nur noch mehr durch die Tatsache geschürt, dass sie Praiosartefakt einfach so wieder her gab. In der Reliquienkammer des Frau hingen und standen einige Kostbarkeiten, zudem stellte sie der Gesellschaft das Schild als “Aus der Khôm-Wüste geborgen” vor – was es wohl damit auf sich hatte? Sieghelm würde mehr darüber in Erfahrung bringen müssen wenn das Schild irgendwann offiziell präsentiert wurde und man ihn erneut zu einer Rede anhielt.

Neben dem Krieger hüpfte Pagol, der treue Dackel, an den Beiden seines Herrchens neugierig empor. “Was hast du denn, Pagol?” fragte Sieghelm und blieb für einen Moment stehen – wodurch der gesamte Trott, bestehend aus mehreren Wachen ebenfalls zum erliegen kam. Pagol bellte kurz auf und sah bittend zu seinem Herrchen auf. Sieghelm schaute sich um und entdeckte einen Marktstand der abgehangene Würste verkaufte. “Achso – ich verstehe.” sagte er, und dann zu der Eskorte: “Einen Moment, es kann gleich weiter gehen.” Sieghelm ging zu dem Stand und erwarb zwei der leckersten und besten Würste die der Stand zu bieten hatte – eine für sich, und eine für Pagol. Danach ging er weiter.

‘Wie in Praios Namen konnte der Gestaltwandler es nur schaffen Wein zu trinken ohne sich zu verflüssigen? Wir hatten doch die Information von dem Geweihtes des Praios, dass Alkohol ihn in seine natürliche Form verwandeln würde?’ – dachte der Baronssohn und drehte dabei nachdenklich die Wurst zwischen den Fingern hin- und her. ‘Irgendwo in der Stadt muss außerdem noch ein toter Roban Grüntal liegen, da der Gestaltwandler ja seine Form angenommen hat – ich muss der Stadtgarde noch Bescheid geben. Ob Ulwine Neisbeck, die Händlerin, wohl mit zu diesem Komplott gehört? Immerhin haben wir aus ihrem Kontor das Schild entwendet, wusste sie etwa davon? Aber wenn ja, wieso hatte der Gestaltwandler dann nicht versucht das Schild selbst zu bergen? Nein Nein, Frau Neisbeck wird davon nichts gewusst haben, außerdem würden sich die Bannstrahler wohl bald ihrer annehmen da sie immerhin das Schild heimlich transportierte.’

Diese, und noch viele weitere Gedanken gingen dem Junker durch den Kopf, auf dem Traviaplatz, welcher vor dem Praiostempel ist, machte die Eskorte dann für einen Moment halt, Sieghelm war nämlich wieder stehen geblieben und blickte zu der erhabenen, prächtigen und großen Kirche des Götterfürsten empor. Es war ein Bauwerk von wahrer Anmut und Größe, die Fenster waren hochgezogen und mit Bleiverglasungen versehen, die Mauern dick und kräftig, und auf der Spitze prunkte das güldere Symbol Praios, das immer wachende Auge, schon als Kind war Sieghelm fasziniert von der Bauweise der Praioskirchen, denn auch in Rommilys gab es ein sehr prächtiges Bauwerk. Da fiel Sieghelm erneut das Gespräch mit dem Gelehrten Herrn Nehazet ein, der doch tatsächlich Phex an Praios Stelle setzen wollte, an die Stelle des Götterfürsten – welch ein Frevel!

“Gelehrter Herr – seht dieses Gebäude und lasst euch von seiner Gewaltigkeit und Kraft einfangen – und nun sagt erneut das ihr immer noch davon überzeugt seid, dass der Fuchsgott tatsächlich der wahre Götterfürst sei – denn im Gegensatz zu diesem Bauwerk, welches dem Herrn Praios geweiht ist, sind die Gebäude des Herrn Phex Kaschemmen und Spelunken.”

Glaubensprüfung

Schwere Schritte waren aus Sieghelms Zimmer zu vernehmen, immer wieder marschierte er auf und ab, die Hände zu Fäusten geballt und streng hinter seinem Rücken verschränkt, darüber grübelnd wie man weiter vorgehen sollte – die Praiosscheibe war schon seit vielen Stunden unter gegangen und Boron hatte Ferdok in seinem festen Griff.

“Bei Famerlor, wieso hab ich mich nur dazu überreden lassen das Schild hierher zu bringen … “ schnaufte Sieghelm und starrte dabei auf die Dielen des fensterlosen Zimmers. “… Hätte ich doch nur darauf bestanden es in den Praiostempel bringen zu lassen, wie soll ich gegenüber dem Praiosdiener nur Begründen das ich es zu dieser Dame gebracht habe wenn ich doch in Göttlicher Mission gehandelt habe – das widerspricht sich doch!” wütend stampfte Sieghelm auf, irgendwie war er Sauer, jedoch auf sich selbst, denn er schuldete der jungen Adeligen aus dem Land der Ersten Sonne etwas, immerhin hatte sie ihm erst vor kurzem das Leben gerettet und wie konnte er ihr da die Bitte abschlagen das Schild zuerst hierher zu bringen. “Die Tempel des Götterfürsten sind des Nachts verschlossen, also konnte ich das Praiosschild gar nicht dorthin bringen – ja – das klingt plausibel.” Sieghelm redete mit sich selbst, doch seine Begründung wirkte noch nichtmal für ihn selbst allzu Überzeugend als er die Worte aussprach. “Ach hol mich doch der Söldner der Niederhöllen.” fluchte er und ließ sich auf der Kante des Bettes nieder das man extra für ihn in das Zimmer bringen ließ, er fingerte nach seinem eisernen Rondraamulett und umschloss es mit seiner kräftigen Hand. “Sturmherrin, steh mir bei in dieser schweren Zeit – lass mich nicht verzagen und gib mir Kraft dies zu überstehen – ich erbitte deine Hilfe, gib mir die nötige Ausdauer Standhaft zu bleiben und den Glauben richtig gehandelt zu haben.” Seine Hand umschloß das Amulett ganz fest, so als könnte er die Kraft die er benötogte aus dem Amulett heraus pressen um die er bei seinem Stoßgebet seine Göttin bat. Anschließend schnaufte der Junker wieder missmutig, am liebsten hätte er sein Schwert gezogen und etwas damit entzwei geschlagen, doch seine Disziplin und der feste Glaube daran das der Verlust der Selbstkontrolle der erste Schritt in die Niederhöllen war, verhinderten dies. Also tat er was er immer tat wenn sich der Frust in ihm angestaut hatte, er kramte sein Waffenpflegeset hervor und säuberte und Schliff, seine in letzterzeit zu oft unbenutzten Schwerter, dies würde ihn beruhigen – hoffte er.

Gassi in Ferdok

“Wieso schauen die alle nur so komisch, beim heiligen St. Leomar” flüsterte Sieghelm, während Pagol der stolze Dackel, gemächlich neben seinem Herrchen daher stolzierte. “Ich verstehe es auch nicht, Pagol – eigentlich hätte dieser unter diesem Zauber stehende Meuchler mich doch angreifen müssen? Und jetzt bin ich das Gespött der Stadt, der Junker aus Hammerschlag der einen Mann der sich nicht wehrte umgeschlagen hat um seine Ehre wiederzugewinnen.” Pagol sah nur ausdruckslos zu seinem Herrchen auf und schnupperte danach am Wagenrad eines Karrens, Sieghelm blieb wartend stehen. “Dieser ganze Zauberkram ist mir zuwider, wie soll denn da in Rondras Namen seine Ehre Verteidigen? Kannst du mir das mal sagen?” Der Dackel hob eines seiner kleinen Stummelbeinchen und sah dann erlösend in der Gegend umher, während der Besitzer des Karrens die Schandtat entdeckte und gerade zum losbrüllen ansetzte als sich Sieghelm zu dem Mann umdrehte. “Gibt es ein Problem, Fuhrmann?!” brachte Siegheln zwischen den Zähnen hervor und sah den rundlichen Mann scharf an, dieser schüttelte nur ängstlich den Kopf und verdrückte sind prompt, Pagol und Herrchen flanierten weiter: “Und dann noch diese Phexgesindel – einen ehrenwerten Händler der Güter verkauft kann ich ja verstehen – aber die Wahrheit zu verschweigen obwohl man sie kennt, wenn es um die Aufklärung eines Mordfalles geht – das kann und werde ich nicht dulden können – schon schlimm genug das ich als angehender Ritter und demütiger Diener der Herrin Rondra zu soetwas zurückgreifen musswo die Guten Sitten aufhören, müssen die Gesetzte anfangen – in Praios Namen man sollte diesem Gesindel per Gesetz dazu verpflichten ihre Informationen Preis zu geben.”

Wenig später bog Sieghelm zusammen mit Pagol um eine Ecke und erreichte somit das Hafengelände. Ein Hafenarbeiter der eine schwere Kiste trug wäre fast über den Dackel gestolpert und beschwerte sich lautstark mit unflätigen Worten über den Vierbeiner. “Achte auf deine Worte, Gesindel! Du hast es hier mit dem Jagdhund des ehrenwerten Junkers Sieghelm Gilborn von Spichbrecher zu Dettenhofen zutun, und nun scher dich weg bevor ich dir Beine mache!” Mit den lauten Worten und der Hand am Heft des Schwertes funkelte Sieghelm den Hafenarbeiter hinterher, der sich daraufhin ganz schnell verdrückte ehe er in Schwierigkeiten gerät. “Schau dir an wie weit es gekommen ist, Pagol – der Zerfall der guten alten Garethischen Sitten, und das hier im Mittelreich. Wo kommen wir denn hin wenn das Gesindel noch nicht einmal mehr auf den persönlichen Jagdhund eines Edlen achtet und Respekt zeigt?” Pagol erschnüffelte frischen Fisch der an einem Stand in der Nähe angeboten wurde und tapste so schnell ihn seine Beine trugen dorthin. Sieghelm, nun etwas beeilt, ging hinterher. Der Dackel hüpfte bei dem Fischstand kurz in die Höhe, jedoch aufgrund seiner angeborenen Größe nicht allzu hoch und sah dann bettelt zu seinem Herrchen. “Willst du einen Fisch? Sollst du bekommen … eine Salzarele für meinen Hund, bitte.” Die Verkäuferin drehte sich um und holte einen sichtlich schon ein wenig älteren und nicht mehr ganz frischen Fisch hervor und packte ihn auf ein Stück alten Aventurischen Boten “Eine Salzarele für ihren Hund, 2 Kreuzer, der Herr.” sagte die Frau und tat damit einen großen Fehler, denn sie hatte mitgedacht. Sie dachte sie würde dem Herrn einen gefallen tun wenn sie einen älteren und damit günstigeren Fisch verkaufte, da er ja nur für einen Hund sei. Sieghelm, der den für ihn offensichtlichen Betrugsversuch entdeckte wurde daraufhin ungehalten: “Wollen Sie Pagol vergiften? Ich bat Sie um eine Salzarele und Sie fischen diesen alten Fisch aus ihrem vergleichweise frischem Angebot? Wo ist Ihr Sinn für die guten Sitten geblieben? Komm Pagol, wir kaufen hier nichts …” Pagol, der sich soben noch die Zähne beleckte in Erwartung des leckeren Fischs, schaute nun verdattert zwischen seinem davonstampfenen Herrchen und dem Fisch hin und her, den die noch viel mehr konstanierte Verkäuferin nun zurücklegte. Letztendlich entschied sich der Hund dann doch seinem Herrchen nach zu laufen, da dieser Erfahrungsgemäß nach einem solchen Aktion etwas viel größeres und viel leckeres für ihn kaufte.

“Tut mir leid mein kleiner, aber dein Herrchen ist zur Zeit etwas angespannt und erregt, die Umstände sind schwierig und ärgerlich – die letzten beiden Kämpfe die ich Austrug waren alles andere als zu meiner Zufriedenheit, ein rondrianischen Gefecht stellte sich als Lachnummer heraus, als ob ich ein Gaukler wäre! Und der davor war ein feiger Mordanschlag auf mich mitten in der Nacht, in Phexens Nacht! Ich sehne mich nach einem echten Kampf, von Angesicht zu Angesicht … wo man seinen Gegner klar erkannt und ihn mittels Strategie und Kraft besiegen kann – aber in einem Land wie diesem wo nur Lug und Trug Herrschen, werde ich das wohl vergeblich suchen.” Sieghelm sah hinaus zum Hafenbecken wo noch immer der Strudel den Schiffen den Weg blockierte, während Pagol in der ferne einen rot-violetten Paradiesvogel auf einem Häuserdach entdeckte und wieder Hunger bekam.

Verlorene Akademien, mysteriöse Schilde und Bier

Es war der frühe Morgen des 3. INGerimm 32. Hal – Sieghelm lag auf einem weichen Bett im Ferdoker Hof, dem wohl besten Hotel der Stadt – was den Meuchler nicht davon abhielt letzte Nacht in sein Zimmer einzusteigen und einen Attentatsversuch auf ihn zu verüben, und beinahe wäre er auch gelungen, Rondra und Azina sei dank konnte es verhindert werden. Das letzte woran sich Siegheln errinern kann war, das er mit dem Unbekannten um sein Leben kämpfte und ihn im Würgegriff hatte, als er dann doch irgendwie die Besinnung verlor – und das nächste woran er sich erinnerte war, dass Azina ihm seine Wunden behandelte während der Meuchler neben ihm lag und von Nicolo de Castellani behandelt wurde.

Sieghelm ließ seine Gedanken schweifen, während er im Bett vorsichtig an seinen Verbänden fingerte um den Genesungsprozess zu kontrollieren. ‘Wer in Rondras Namen schickt einen Meuchler nach mir? Etwa die Herrin des Handelshauses Neisbeck? Nein, niemals, niemand kann erfahren haben, dass der Vogt und ich auf dem Schiff waren – das kann keiner erfahren haben, und außerdem wäre kein Mensch auf Dere so schnell damit einen Auftragsmörder zu organisieren. Oder hat es vielleicht mit der Magierakademie zutun die es hier nicht zu geben scheint? Hat der Gelehrte Herr Nehazet etwa zu unvorsichtig in den Archiven nach dessen Verbleib gesucht? Aber warum hat man dann mir den Meuchler auf den Hals gehetzt? Nein, ich denke nicht das es etwas damit zutun hat, aber da gibt es doch noch diesen Auftrag des Meisters der Ernte im Bezug auf den Giftmord – ja das ergibt Sinn – wer wenn nicht irgendjemand der verhindern will das sich das aufklärt hat einen Grund nach meinem Leben zu trachten?! Ich sollte heute schleunigst zum Phextempel und diesen Mann aufsuchen der tatsächlich wagt Geld dafür zu nehmen wenn er mir einige Fragen beantwortet – in Praios Namen – es geht hier um die Aufklärung eines Mordfalles! Dieses Phexgesindel hat wahrlich keinen Deut Ehre im Leib.’ Die Hand des Junkers fuhr zu seinem Nachtschrank, wobei ihm ein Schmerz durch den Körper fuhr da er sich zu Ruckartig bewegt hatte. “Verphext!” stöhnte er und versuchte es ein zweites mal, doch diesesmal behutsamer. Da er nach dem Attentatsversuch auf ihn ein anderes Zimmer bekommen hatte, hat man letzte Nacht nur flüchtig seine Sachen in das neue Zimmer geräumt und das wonach er suchte war nicht in Greifreichweite positioniert worden. Mit Schmerzenden Gliedern richtete sich Sieghelm auf um in dem Nachtschränkchen besser suchen zu können. “Ah da bist du ja.” raunte er erleichtert und legte sich eine Stücke Pergamente und ein Tintenfässchen samt Federkiel zurecht – Sieghelm hatte nicht vor Tagebuch zu führen oder einen Brief aufzusetzen, wohl aber sich einige Notizen zu machen, auf diese Weise konnte er einfach besser denken.

Etwa eine halbe Stunde später hatte Herr von Spichbrecher vier Seiten Pergament vollgekritzelt, zwei weitere lagen zusammengeknüllt in der Ecke. “Verflucht Sieghelm konzentrier dich!” rügte er sich selbst und machte einen langen Strich über seinen letzten zu Papier gebrachten Gedankengang. “Wenn das Praiosschild nicht auf dem Schiff war, und der Vogt dir erklärt hatte das die beiden anderen Schiffe aufgrund ihrer Größe und Ziele nicht in Frage kam, dann bleibt nur noch eine Möglichkeit, es muss … es muss …” Sieghelm ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, worüber er gerade sinnierte war er geheime Auftrag der gutaussehenden Dame, von der der Vogt dachte dass sie über zweihundert Götterläufe alt war, eine Gewisse al’Tamerlein. Sie hatte den Vogt und den Junker damit beaufragt ein Praiosschild aus Metall, welches sich im Besitz des Handelshauses Neisbeck befindet und hier in Ferdok umgeschlagen werden soll, zu finden und zu ihr zu bringen – und das ganze in Unkenntnis der Stadtwache und des Phextempels – warum die werte Dame letzteres ausschloss war ihm spätestens nach seinem Besuch im selbigen klar, diese Kerle scheinen nur für Geld den Finger krumm zu machen – und dann kommt dabei nichtmal etwas Ehrhaftes heraus. “Aber natürlich!” brach es dem angehenden Ritter slötzlich hervor “Das Schild muss im Kontor sein! Und dabei hab ich das sogar noch gesagt!” Er machte sich sofort eine Notiz. ‘Aber in einen Handelskontor einbrechen? Nein … das ist nun wirklich nicht meine Art! Aber es Dient doch einem guten Sinn, und ein offenes Gefecht sollte man nicht vom Zaune brechen, das würde nur den Stadtwache auf den Plan rufen. Es musste noch einen anderen Weg geben.’

Sieghelm machte sich mehrere Notizen, die er dann immer wieder Verwarf um sie daraufhin in eine neue Reihenfolge zu bringen:

Was zutun ist:

  1. Den Meuchler in der Garnision eröffnen das er sich auf ein Rondragefälliges Duell gefasst machen soll sobald er wieder Genesen ist
  2. Dafür Sorgen das der Meuchler einen guten Medicus bekommt
  3. Informationen von dem Meuchler bekommen
  4. Den Phextempel einen Besuch abstatten (Viele Silberlinge einstecken)
  5. Einen Weg finden in den Kontor zu gelangen ohne Einbrechen zu müssen oder einen offenen Kampf herauf zu beschwören

Zuletzte dachte Sieghelm über seine Begleiter nach: ‘Azina hat mir das Leben gerettet, wie kann ich ihr nur dafür danken? Ich stehe ungern in der Schuld eines anderen – aber der Umstand das sie ihr eigenes Leben für mich aufs Spiel setzt verdient meinen Respekt. Zudem scheint der Vogt sich wieder seines Standes besonnen zu haben – immerhin hat er die teuerste Residenz hier am Ferdoker Hof remietet – und sich bei der Angelegenheit mit den Neisbeckwappen und auf dem Schiff als sehr kooperativ und nützlich erwiesen. Hatte die Beichte in der Praioskirche etwa tatsächlich geholfen und er kannte nun wieder die richtige von Herrn Praios gegebene Richtung?’